AfD: Synonym für Protest oder eher für politische Resignation?

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Neueste Umfragewerte lassen tief blicken

Einfach mal seinem Unmut freien Lauf lassen, weil die da oben ohnehin schon viel zu lang das Volk, welches gar als „Pack“ bezeichnet wurde, vergessen zu haben scheinen, ignorieren, viel eher einer Konzern-Klientel folge leisten oder gar der US-amerikanischen Administration. Da hat sich wohl eine AfD genau im richtigen Moment eingefunden. Synonym für Protest oder eher für politische Resignation?

Letzteres beflügelt genau dann ersteres, wenn eine derartig simpel gestrickte Partei sich mit „hohlen Phrasen“ positioniert, weil bekanntlich mit Angstmache sich schnell Stimmung machen läßt. Wer möchte schon bekümmert zuhause ausharren, wo doch genügend Montagsspaziergänger sich einfinden, die doch ach so friedlich die verantwortliche Regierung auf diese Weise anmahnen. Lauscht man den Reden der Pegida, hört sich das alles kaum mehr friedlich an, erhalten jene obendrein unverkennbar Zustimmung etlicher rechtspopulistischer Strömungen, ebenso sichtbar im Internet.

Jüngste Umfragewerte bedeuten Platz 3 für die AfD

Na und, könnte man jetzt sagen, hilft aber nicht viel. Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen scheint diese AfD sich zu festigen. Immerhin verharrt sie seit dem 13. Oktober auf Platz 3 hinter der SPD und der CDU/CSU. An allen drei Tagen mit 13% bei den drei befragten Umfrageinstituten (GMS, Forsch’gr. Wahlen und Emnid).

Die CDU/CSU sank von 34% auf 32%, die SPD steigerte sich von 21% auf 22% und schließlich auf 24%. Die Grünen verloren einen Prozentpunkt, erhielten 11% der Wählerstimmen, ebenso die Linke von 10% auf 9% sich verschlechterte. Die FDP wäre mit 6% wieder im Bundestag.

Ermahnung oder schlichtweg Armutszeugnis?

Die Frage, die sich natürlich stellt: Bedeutet die Festigung dieser AfD eine Ermahnung an die bestehende Regierungspolitik oder einfach ein Armutszeugnis? Der kritisch geneigte Beobachter wird am ehesten beides bejahen. Zweifellos rächt sich die bisherige Politik dieser Bundesregierung, die ganz besonders sich am Nasenring durch die weltpolitische Arena schleifen läßt mittels der US-amerikanischen Doktrin, die sich als Weltherrscher aufspielt, egal ob da eine EU ihr im Weg steht oder nicht.

Nur ein Herr Putin und dessen BRICS-Bündnis mag ihnen noch Paroli bieten, was wiederum die weltpolitische Spannungslage erst recht hervorruft. Davon profitieren gerade all jene rechtspopulistischen Strömumgen, die mit einem Angstszenario eines möglichen dritten Weltkrieges hausieren gehen, den Antiamerikanismus aufflammen lassen, Putin für ihre Zwecke mißbrauchen, zumal dieser bisherig sich vornehm zurückhält, ob er jene unterstützt oder nicht. Dabei wäre er sehr gut beraten, eben diesen Mißbrauch nicht zuzulassen. Wie könnte er dann noch etwa Nazis in der Ukraine als Bedrohung bezeichnen, wenn er gleichzeitig das rechte Lager in Europa unterstützt?

Es verbleibt ein äußerst fader Beigeschmack zwischen dieser AfD und einer wesentlich berechtigteren Kritik, wie sie die Linke z.B. formuliert und im Bundestag ständig anmahnt. Man wünscht sich mehr Geschlossenheit unter den Linken, statt personelle Streitigkeiten, die nicht wirklich hilfreich sind. Daß eine SPD ohnehin ihr „S“ im Parteinamen verwirkt hat, mutet schon schlimm genug an. Höchste Zeit, daß all die demokratischen Kräfte sich sammeln und vehement dahingehend äußern, es keine Zusammenarbeit mit jener AfD geben kann. Das täte nicht nur diesem Land gut, sondern sollte auch die Änderung bisheriger Politik nach sich ziehen.

Lotar Martin Kamm

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Hast du gesehen?

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„Hast du den Typ auch gesehen?“
„Den mit den großen Zehen?“
„Wo guckst du denn hin?“
„Er hat auch ein zu großes Kinn.
Und diese meerblauen Augen,
das sind Linsen, das kannst du glauben!“

„Mensch, Viviane, du bist ja mies drauf!“
„Nein, bin ich nicht, ich mach nur meine Augen auf!
Und du läßt dich irreführen,
durch Augen, die blink, blink, irritieren.
Den Kerl, den du meinst,
der ist keine Träne wert, die du weinst.“

„Woher willst du das denn wissen?
Bist du eifersüchtig ein bißchen,
oder mehr, weil er mich anlächelte?“
„Oh, sein liebevolles Gefächele
mit seinem unwiderstehlichem Charme,
das wendet er bei jeder und jedem an!“

„Was du nicht sagst, oh, Viviane,
es ist doch nicht das, das ich erahne.
Warst du etwa mit ihm in der Kiste,
da hat er – und du erschrocken, biste…?“
„Ach, Coco, du und deine Phantasien!
Er ist Bademeister im ‚Aqua-Marin‘!“

Nafia

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Frau Rhinozeros

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Die Frau Rhinozeros
lebt nun bei uns im Erdgeschoß.
Sie ist eine nette alte Dame,
schließt dich in die Arme
bei jeder Begrüßung,
kein Entrinnen bei der Tuchfühlung.
Sie meint es nicht böse,
sie liebt das Pompöse.

Ganz vernarrt ist sie
in alles Geflitter, es ist ihre Manie,
die Wohnung gleicht einem Königssaal,
weiß, rot, gold und Samt, überall.
Die Rahmen der Bilder und Spiegel
sind verschnörkelt, sie besitzt eigene Siegel,
damit frankiert sie Postkarten, Briefe,
manche schaffen es bis zum Ziele.

An ihren Händen stecken Ringe,
damit könnte man, wenn es ginge,
einen Gürtel gestalten,
nicht nur für schlanke Gestalten.
Und nicht, daß jemand denkt,
das sei Plunder und ihr bloß geschenkt.
Alles ist echt, kein Scherz,
sogar ihr übergroßes freundliches Herz.

Die Frau Rhinozeros
war in ihrer Jugend ganz famos,
hoch oben in den Zirkusseilen,
Menschen vergötterten sie, allenthalben.
Sie wohnte in einer Villa mit Park,
und als das Geld wurde knapp,
entschloß sie sich, dies aufzugeben,
damit sie das persönliche Pompöse kann weiterleben.

Nafia

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Friedliches Zusammenleben statt Gewalt anstreben

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Satirischer Rückblick…

Doch Mensch zögert, duckt sich weg, könnte, wenn er denn wollte, die Welt aus den Angeln heben. Um ganz keck endlich sein Dasein zu erkennen, statt sich ständig in Krieg und Zerstörung zu verrennen. Alles nur verträumte Illusionen, solch Hoffnungen sich doch nicht lohnen?

Schließlich Geheimdienste zwar im Fokus schärferer Beobachtung währen, kann Mensch von diesem Wissen dann auch zehren? Die Vergangenheit hat uns anderes bisher aufgezeigt, weil zu vieles wurde vergeigt, die große Masse noch demutsvoll schweigt. Stillstand gibt gar nichts her? Keine Lösung mehr?

Resignation kommt zwar auf, manch Trauer und Schmerzen zuhauf. Doch Younee, eine Pianistin, erobert Musikerherzen. Wie schee! Stell Dir vor, wir könnten fliegen, weit, weit weg, so’s uns gefällt, eine Welt ohne Macht und Geld. Verletzt, gehetzt hat zuletzt ein jeder es in der Hand, zu beenden jene Schand, die nur Zwietracht sät. Stoppt sie, bevor’s zu spät!

Die Menschen knechten, gab’s längst schon vor Hartz IV, weil Mächte sich verflechten in ihrer ewigen Gier nach noch mehr Geld, was somit zählt. Nur, die Würde des Menschen ist sanktionsfrei. Wer’s ungeniert einfach ignoriert: beim Ausbeuten fleißig mit dabei. Manch einer sich fragt: Bist du es wirklich? Ohne Antwort sich sagt: wie widerlich. Denn solch asoziales Verhalten führt nur zu noch mehr Elend, das Leid sichtbar quälend.

Drum in der Weltpolitik die Reflektion einer desaströsen Entwicklung unverkennbar vor uns liegt, zu viele ungeliebt ihr Dasein fristen, Frieden vermißten, obwohl Chancen stets vorhanden, sie verebben, in furchtbaren Kriegen landen. Erklimmen von Stockwerk zu Stockwerk oder gleich nen hohen Berg? Ach du Zwerg, der sprachliche Austausch Herzstück menschlicher Kommunikation bedeutet doch nur: mehr davon!

Es könnte so einfach sein. Aber nein, warum einfach, wenn kompliziert, wie raffiniert. Sekt oder Sekte – der Unterschied währt gar nicht so groß. Wer dies wohl ausheckte, was soll das bloß? Werfen wir doch einen Blick hinein, in die Story von Milli, oh wie fein. Die wußte am Ende genau, was geht, war schlau.

Zurück zur Tagespolitik. Die treibt’s janz dick. Beim CETA die BVerfG-Ablehnung zum Eilantrag voraussehbar war, egal was im Vorfeld alles geschah. Was nutzen all die protestierenden Massen, wenn letztlich Eliten mit unseren Geldern prassen, des Menschen Leid erneut vorgezeichnet eintritt. Die sind keinesweg bereit, da hilft keine Bitt’. Wer sie nicht aufhält, ob’s einem gefällt oder nicht, muß danach mit den Konsequenzen leben. Eben.

Lotar Martin Kamm

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Du hast mir die Augen geöffnet, Milli

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Das Datum weiß ich noch sehr genau, es war der 17.7.1969, denn am Tag zuvor hatte ich meinen 21. Geburtstag gefeiert. Dad und Onkel Will waren Tage davor so aufgeregt, so beinahe unausstehlich wie der Geruch von verfaultem Fisch, zu allem Übel hatten sie Mam nicht eingeweiht, deshalb war sie in diesen Tagen ständig mieser Laune, so daß sie den Tag verflucht hat, der nun mein 21. Geburtstag werden sollte. Sie hatten viel zu organisieren, Mam mit Backen und Kochen, Zimmer herrichten für die Verwandtschaft, die von weiter her extra anreisen wollte. Weiter her, hieß 30 Meilen von uns entfernt, aber schließlich sollten die Großeltern nicht am selben Tag wieder zurückfahren. Dad und Onkel Will taten so geheimnisvoll und verschwörerisch, daß auch ich die letzten Tage ein unbändiges Kribbeln der Vorfreude verspürte, lag doch die Hoffnung in der Luft, ein eigenes Auto endlich mein nennen zu können.

Was soll ich sagen, ich habe mein erstes eigenes Auto bekommen, 250 Dollar, einen Anzug mit tausend Tränen meiner Mutter bestickt. Immer bin ich davon ausgegangen, eines Tages die Autowerkstatt meines Vaters zu übernehmen, schließlich bin ich größtenteils in der Werkstatt aufgewachsen und hatte bis zu diesem Geburtstag meinem Vater geholfen, so daß ich ohne Lug und Trug behaupten konnte, jedes Auto reparieren zu können. Nach dem Willen meiner Eltern hatte da auch nie ein Zweifel bestanden

Meine Urgroßeltern stammten aus Deutschland, sie haben sich hier im Ort niedergelassen und mein Urgroßvater hat eine Zimmerei aufgebaut, erst wohl eher als Nebenjob, aber immerhin hat er es geschafft, eine große Zimmerei mit etlichen Angestellten weiterzuvererben. Nun denn, von diesem Erbe war, als ich geboren wurde, nicht mehr viel übrig, und Dad hatte wie gesagt eine Autowerkstatt, wohingegen Onkel Will sich lieber auf alles stürzte, was zu kaufen und verkaufen war. So kam er irgendwann in den 60igern auf die Idee, mit Versicherungen das große Geschäft zu machen und schaffte es tatsächlich zu einem ansehlichen Wohlstand.

Während ihres feuchtfröhlichen Abends schlug Onkel Will Dad vor, daß ich als cleverer Junge auch das Zeug zu mehr hätte, als in der Autowerkstatt mein Leben zu vergeuden. Und er erinnerte Dad an Erzählungen, nachdem es Sitte sei, in Deutschland nach einer Lehre ein Jahr lang in der weiten Welt sein Glück zu versuchen ohne die Hilfe seiner Eltern, und da dies besser zu bewerkstelligen sei für mich als Versicherungsvertreter und nicht als Autoschrauber, sollte ich, bevor ich die Werkstatt übernehme, mein Verkaufsgeschick beweisen, da man ja irgendwann planen könnte, neben der Werkstatt auch Autos zu verkaufen.

So kam es, daß ich am 17.7.1969 durch eine Kleinstadt fuhr, als mir eine ältere Frau fast vor das Auto gelaufen wäre. Da die Straße kerzengerade durch den Ort führte, muß sie mich gesehen haben, und ich vermutete im Nachhinein, das war reine Absicht von ihr. Jedenfalls waren mir nach dem Schock, sie ging einfach ohne sich umzuwenden weiter, die Knie weich geworden, und ich hielt an einem Restaurant, keine 100 Meter weiter, um mir einen Drink zu gönnen.

„Na, Sie haben wohl schon Kontakt geknüpft und Milli kennengelernt?“
„Ich, nein, aber mir ist eine alte Frau direkt vor das Auto gelaufen, jetzt brauch ich erstmal einen Drink!“
„Sag ich doch, so weiß, wie Sie um die Nase herum aussehen, kann es nur Milli gewesen sein, die Sie getroffen haben.“

Und ich erfuhr, daß Milli, seit ihr Mann bei einem Unfall gestorben war, ihre Kinder verlor sie im 2. Weltkrieg, nur noch das machte, was sie will. Vornehmlich Autofahrer einen Schrecken einjagen, sie sei deswegen auch schon eine Nacht eingesessen, aber Milli sei unerschütterlich. Überhaupt zeige sie seitdem eine ganz andere Seite an ihr, sie beharre darauf, jetzt endlich das tun zu dürfen, das sie jahrelang aus Rücksicht auf ihre Familie, ihren Mann, ihren Kindern und überhaupt wegen so vielem nie habe tun dürfen. So sei sie auch schon beim Stehlen erwischt worden, aber nur einmal, sie wollte einfach nur sehen, wie man sich fühlt, wenn man ertappt wurde.

Nun, ich hatte für heute genug und blieb eine Nacht in der Stadt, auch mit der leisen Hoffnung Milli nochmal zu sehen, damit ich mir ein besseres Bild über diese Frau machen könnte. Auch schien mir diese Kleinstadt ein guter Ort, um mit meinen Versicherungen mein Glück zu versuchen. Und tatsächlich konnte ich am nächsten Tag die ersten Abschlüsse in meiner Mappe stapeln. Aber von Milli keine Spur.

In dem gesamten Jahr, das ich weg von zuhause verbrachte, fiel mir immer wieder das Gesagte zu Milli ein, gerade in Zeiten, in denen ich nicht vom Glück getroffen wurde, Heimweh mich plagte und ich mich auch fragte, mache ich das hier alles für mich oder für Dad oder Onkel Will. Aber das Geld, das mit Versicherungen zu verdienen war, war reizvoll, so daß ich mit Stolz nach einem Jahr Prämien einstecken konnte, um mir damit ein kleines Haus zu kaufen, ohne am Hungertuch nagen zu müssen. Man konnte sagen, ich war angekommen in der Welt der Erwachsenen.

Genau ein Jahr später fuhr ich stolz bei meinem Elternhaus vor. Aber zuvor machte ich Halt in der Kleinstadt, die in meinem Kopf Milli hieß, ich war einfach zu neugierig und hätte es mir selbst übel genommen, nein, heute konnte ich sagen, das Leben hätte einen anderen Menschen aus mir gemacht. Ob es Zufall war oder nicht, als ich vorsichtig und bremsbereit in die Stadt einfuhr, lief sie mir tatsächlich hinter einem Van vorkommend über den Weg. Ich glaube, ich war noch nie so schnell aus einem Auto gesprungen wie damals, durch mein „Hallo Milli!“ blieb sie verdutzt stehen, so daß ich ihr erklären konnte, sie schon einmal getroffen zu haben und sie in das Restaurant an der Ecke einlud. Etwas irritiert musterte sie mich von oben bis unten, aber schließlich überzog ein Lächeln ihr Gesicht und sie grinste: „Der junge Mann, der bleich wie ein Butterteig einen Drink sich genehmigt hat. Ann kann es nicht lassen, ihre Anekdoten vom Restaurant zum Besten zu geben!“

Milli, Mildred, war 70 Jahre alt, genauso alt wie das Jahrhundert und das hätte sie immer dazu veranlaßt, nicht so viel nachzudenken, denn vieles sei einfach offensichtlich gewesen. Wer mußte schon über seinen Geburtstag nachdenken, wenn die Jahreszahl immer der Anzahl der Jahre des Jahrhunderts entsprach. So nahm sie alles hin, die Arbeit bereits in jungen Jahren auf der Farm der Eltern, die Heirat mit John, dem Friseur, die die Eltern eingefädelt hatten. Die Geburten der Kinder, ihre Näharbeiten, weil der Laden zu wenig abwarf, die Untreue ihres Mannes, der es bestens verstand, Frauenherzen zu brechen. Die Schmerzen über den Verlust ihrer beiden Söhne, sie konnte nicht mal diesen Schmerz für sich alleine fühlen, denn so viele Eltern verloren ihre Kinder in dem unsinnigen Krieg. Ihr Leben war nicht ihres, sondern das, das andere von ihr erwarteten, selbst die vergänglichen Jahre des Jahrhunderts zählten ihre Lebensjahre.

Nach dem Tod ihres Mannes wurde ihr bewußt, daß sie selber nicht gelebt hatte, nicht ihr Leben gelebt hatte, sondern das Leben für andere gelebt wurde, und das genau wurde ihr vor Augen geführt, als sie in Trauer über die Hauptstraße ging und fast von einem Lastwagen erfaßt wurde. Das Hupen des Fahrers war für sie wie eine Glocke, die unter der Wucht des Schlegels zersprang und ihr Leben wie aus tausend Splittern vor ihr lag, sie dadurch erkannte, daß das nicht ihre Glocke war, sondern die Glocke, die andere für sie geformt hatten.

So hat sie angefangen sich Bücher zu besorgen, nahm an sämtlichen Kursen teil, die hier in der Stadt angeboten wurden, verweigerte aber, irgendetwas für die wohltätigen Vereine zu geben, sie wollte selbst entscheiden, wer Hilfe benötigte und wer nicht. Sie hat nicht nur tanzen gelernt, sie konnte inzwischen Klavier spielen, tobte mit Kindern auf dem Spielplatz und veranlaßte seither Autofahrer, umsichtiger durch die Straßen zu fahren. Irgendwie sei das für sie zur Bestimmung geworden, Aufmerksamkeit zu erregen, jedenfalls seien die Verkehrsunfälle in der Stadt weniger geworden.

Milli sagte, du bist erst erwachsen, wenn die Glocke deines Uhrwerkes von dir selbst ohne Hilfe wieder zusammengesetzt werden kann und das könne man nur, wenn sie selbst geschmiedet wurde.

Genau dies habe ich seit dem 17. 7. 1970 getan, ich habe kein Haus gekauft, habe nicht die Werkstatt meines Vaters übernommen, habe nicht weiterhin Versicherungen an Menschen verkauft, die sie nicht brauchten, habe nicht das Leben geführt, das Mam, Dad, Onkel Will und andere von mir erwartet haben, ich bin in die Welt gezogen und habe angefangen, an meiner Lebensglocke zu formen.

Mille Grazie, Mildred, mein letztes Kapitel ist dir gewidmet und ich hoffe, ich habe mit meinen Büchern dazu beigetragen, den Menschen den Unterschied zwischen leben und gelebt werden aufzeigen können.

Dear Mildred,

your lips were red,
your eyes were blue,
your ideas were true.

Where ever you are,
your heart beware
how to live
the spirit of love.

Thank you, Milli

Doris Mock-Kamm

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Es geschah vor 40 Jahren (11. bis 17. Oktober 1976)

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Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zu einer weiteren Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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CETA: BVerfG-Ablehnung zum Eilantrag war voraussehbar

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Schlappe für Gegner und Erfolg für Gabriel?

Alles bleibt offen, nichts wirklich entschieden, weil das Hauptverfahren noch anhängig? Leider muß man die Frage zum Teil verneinen. Zunächst hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gestern die eingebrachten Eilanträge zum Stop des Handelsabkommen CETA abgelehnt, die Richter sollen das mal genauer prüfen.

Etwa eine Schlappe für die Gegner und ein Erfolg für den Vizekanzler Sigmar Gabriel, der unter allen Umständen sein Gesicht wahren will, somit am 27. Oktober beim EU-Kanada-Gipfel in Brüssel das Abkommen unterzeichnet werden kann? Die Freude des Wirtschhaftsministers mag nunmehr groß sein, tatsächlich stellt die Reaktion der Bundesverfassungsrichter eine schallende Ohrfeige an die Arbeit der Bundesregierung dar, da mehrere offene Kritikpunkte angemahnt wurden, das BVerfG sich daher im Hauptverfahren entscheiden wird. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten?

Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten

Nach einem langen Weg der Widerstände, der dennoch längst nicht beendet, blieb der finale Showdown per Klage vorm BVerfG gestern zunächst aus, damit die Beteiligten in Brüssel ihr Gesicht bewahren mögen. Katja Kipping twitterte nach der Urteilsverkündung, man nenne das dann wohl Klassenjustiz, das BVerfG billige CETA und mache sich zum Handlanger der GroKo und Großkonzerne. Recht hat sie.

Thilo Bode von foodwatch betitelt seinen Erlebnisbericht mit den Worten: „Wir haben vieles erreicht, wenn auch nicht alles“, um an dessen Ende seinen weiteren Einsatz zu betonen, sowohl CETA als auch das TTIP zu verhindern. Während Gabriel tönte, er werde die drei Auflagen natürlich erfüllen, bezweifelte genau das Sahra Wagenknecht angesichts der relativ kurzen Frist bis zur geplanten Entscheidung im Rat.

Im Essay der Süddeutschen geht gar Marc Beise davon aus, es gäbe noch Chancen für ein solches Abkommen, wie in der Überschrift angekündigt: So lassen sich Gegner und Befürworter von Freihandelsabkommen versöhnen.

Ende gut, alles gut?

Das Vertrauen in die Demokratie bleibt erschüttert, zumal Geheimverhandlungen erst recht Anlaß genug sein sollten, daß viele Menschen ihre Stimme erheben, protestieren und sich somit zur Wehr setzen. Die einen sprechen von einem erfolgreichen Zeichen wie Campact, Mehr Demokratie e.V., andere wiederum bleiben skeptisch, alldieweil die Macht der Konzerne sich bisherig in weiten Teilen durchsetzen konnte.

Deshalb in Pessimismus zu verfallen, wäre dennoch fatal, ließe die Befürworter des CETA und all der anderen noch bevorstehenden Abkommen wie das TTIP, TiSA frohlocken. Ganz so einfach sollte man es ihnen nicht machen.

„In der modernen Geschäftswelt ist es nutzlos, ein kreativer Denker zu sein, wenn man das, was man erschaffen hat, nicht auch verkaufen kann.“ (David Ogilvy)

Stimmt. Aber ich sage: „Wenn die moderne Geschäftswelt am Ende feststellen muß, daß viel Geld Reichtum, Macht und Ausbeutung bedeuten, letztendlich sie daher daran scheitert, wird der kreative Denker dann besonders wertvoll mit viel mehr Achtung behandelt.“

Lotar Martin Kamm

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