Reisen in die Ferne

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Ich würde ja so gerne
reisen in die Ferne.
Wenn da nicht wäre
eine ungefähre
Ungewißheit,
die Angst macht sich breit.

So erlaube ich mir
wenigstens hier
bei mir zuhause,
in Zimmern und Laube
die Wände zu schmücken
mit Photos, die entzücken.

Es gibt so schöne Orte,
hier und dort.
Ich sitze im Flieger
unter mir Tiger
in der Weite,
im Nu an meiner Seite.

Ich stehe auf dem Gipfel,
sehe der Bäume Wipfel,
fliege über sie hinweg,
der Wingsuit paßt perfekt.
Gleite auf dem Atem der Welt
auf die Wiese neben dem Feld.

Die Welt der Korallenriffe
übersteigt alle Begriffe
von Farben und Formen,
fühl mich so geborgen,
wandle mit nackten Füßen
auf samtenen Blütenkissen.

Mit der Rakete auf den Mars,
das ist mein neuester Spaß,
ruhe still im Ohrensessel,
die Musik befreit alle Fesseln,
2001, die Odyssee im Weltraum
läßt mich erleben diesen Traum.

Dazu diese Photos,
ohne Schnörkel, mit Pathos
hinein in das Erleben,
ohne sich selbst zu bewegen.
Ohne sich zu gefährden,
die Angst hat nun andere Gefährten.

Nafia

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Putin-Besuch und R2G-Planspiel Hinweis auf einen Wandel

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Oder eher im alten Fahrwasser US-amerikanischer Doktrin verweilen?

Kommt da etwa Bewegung auf, Rückbesinnung zur handfesten Bundes- und Weltpolitik? Obwohl bisherig die Merkel-Ära keineswegs glänzen kann angesichts der langen Strecke etlicher Fehltritte ihrer nahezu per Kadavergehorsam unübersehbaren Nähe zur USA-Politik, die EU inzwischen als fester Bestandteil mit im Boot, während das Feindbild Russland unter Putin weiterhin gepflegt wurde.

In sofern sollte man keine allzu große Hoffnung hegen zum bevortehenden, heutigen Putin-Besuch in Berlin nach vierjähriger Abwesenheit. Gespräche sind zwar zunächst immer begrüßenswert, dennoch die Haltung und somit verhärteten Standpunkte zu den beiden Kriegen in der Ukraine und in Syrien eher festgefahren. Ganz ähnlich verhält es sich mit einem eventuellen Rot-rot-grünem Koalitionsbündnis auf Bundesebene, was im Berliner Abgeordnetenhaus sich verwirklicht, gilt noch längst nicht für eine Bundestagswahl im nächsten Jahr.

Wenn Kriege sich viel zu lange verselbständigten

Seit Jahren schon ein dramatischer Normalzustand für die beteiligten Verfeindeten darstellt, wobei im Wesentlichen die Zivilbevölkerung leiden muß, dann haben die hauptverantwortlichen Politiker und deren Auftraggeber in der Rüstungsindustrie ganze Arbeit geleistet, insofern kein wirkliches Interesse, sie zu beenden. Übertrieben formulierte Behauptung oder eher den Tatsachen entsprechend? Letzteres muß derjenige eingestehen, der umfassend beobachtet.

Die Welt schaut im Syrienkrieg selbstgerecht zu, während ebenso in der Ukraine weiterhin sich beschossen wird, Kiew auf seine rechtmäßig zustandegekommene politische Führung beharrt, obwohl der stattgefundene Maidan-Putsch anschließend im Osten und Süden nebst der Krim die Menschen das Fürchten lehrte, sie sich lediglich vor dieser heimtückischen Führungsrige verteidigen.

Obwohl Putin die russischen Mitbürger in der Ukraine schützen will, lastet der Westen dies als Einmischung ihm an. Ganz ähnlich in Syrien. Nach mißlungenem Arabischen Frühling im Lande schleusten vorwiegend die USA terroristische Rebellen ein, die Assad bekämpfen und stürzen sollten. Dies mißlang bisherig gänzlich, zumal seit einem Jahr Russland den rechtmäßigen Präsidenten zur Hilfe eilte.

R2G im Bund auf sehr dünnem Eis

Möchte da sich jemand besonders hervorheben, zumal er nicht gerade in der Beliebtheitsskala punkten konnte wegen CETA und anderen Entscheidungen seinerseits? Sigmar Gabriel nach wie vor im Gespräch als möglicher Kanzlerkandidat versucht sich einzuschalten in die Diskussion eines Rot-rot-grünen Koalitionsbündnisses. Schon wettert die CSU über derartige Annäherungsversuche, obwohl sie dies sich sparen könnte.

Viel zu offensichtlich sind die Standpunkte und Gräben der drei Parteien. SPD und Grüne hatten ja bereits fast sieben Jahre lang das Vergnügen, im Bundestag zu regieren, Sozialabbau und NATO-Treue waren wesentliche Bestandteile ihrer Politik, was die Linke keineswegs gutheißen konnte.

Man muß davon ausgehen, daß alles beim Alten bleibt. Merkel hält sich an die Vorgaben der USA, die SPD kann nach der Bundestagswahl im nächtsen Jahr nicht anders, als sich der CDU/CSU anzubiedern, um an der Regierung zu bleiben.

Lotar Martin Kamm

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Altes weicht neuem nicht ohne Folgen

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Freitag, so gegen 13:30 Uhr

„Svenja, bitte hinterlasse, bis wir zurück sind, nicht eine zu große Unordnung, ich möchte nämlich nicht Sonntagmittag die Spülmaschine ein paarmal laufen lassen!“
„Mutti, das war doch letztens nur, weil Florian mit Butch aufgekreuzt ist, kurz bevor ihr kamt. Andrea und ich bleiben dies Wochenende alleine, du weißt doch, wir haben uns zu ‚Once upon a time‘ verabredet.“

Freitag, so gegen 13:45 Uhr

„Hey, Andi, du kannst jetzt kommen, sie sind weg. Ja, bis Sonntagnachmittag, hab dir doch gesagt, sie sind bei einer Kommunion und wollen vorher noch Freunde besuchen. Ja, toll! Georg ist bei seiner Freundin, eh, die wollen wahrscheinlich bald zusammenziehen. Ja, bis gleich!“

Freitag, so gegen 15:00 Uhr

„Stell dir vor, die Brauers wollen sich scheiden lassen. Die Caroline ist wie aus dem Häuschen, hat heute in der Pause rumgeheult. Die hängt doch so an ihrem Vater, jetzt überlegt sie, mit ihm nach Hamburg zu ziehen:“
„Echt jetzt, arme Caro. Ich bin so froh, daß sich meine Eltern wieder eingekriegt haben, neulich haben sie sogar überlegt, sich ein neues Schlafzimmer zu kaufen, wenn Georg ausgezogen ist, dann könnte der kleine Schreibtisch von Papa endlich aus dem Schlafzimmer raus und er könnte dort bis in die Puppen surfen, ohne daß Mami gestört würde.“
„Ich dachte, sie wollen eine Versöhnungsreise buchen, hast du nicht etwas von Hawaii erzählt?“
„Doch, aber nachdem, wer klingelt denn jetzt?“

Freitag, so gegen 15:10 Uhr

„Was, eine Lieferung für Müller? Ich komm runter!“

Freitag, so gegen 15:20 Uhr

„Andi, stell dir vor, die haben tatsächlich ein Schlafzimmer bestellt, kannst du mal helfen, die Flurkommode ins Wohnzimmer zu stellen, die kommen jetzt gleich mit den Sachen hoch.“

Freitag, so gegen 15:50 Uhr

„Georg, weißt du was, hier ist gerade ein Schlafzimmer angeliefert worden. Doch, Tatsache! Ja, unglaublich. Du, Bruderherz, ja, dann eben Georg, also Georg, was hältst du von der Idee…“

Freitag, so gegen 17.20 Uhr

„Langsam, hab ich einen riesigen Hunger. Soll ich für alle Pizza bestellen? Bis Georg kommt, ist auch die Pizza da. Ganz schön anstrengend die Kommode und den Schrank auszuräumen. Na, wenn Georg da ist, können wir abbauen.“

Freitag, so gegen 18:45 Uhr

„Also, Svenja, ich gebe es auf. Alleine schaffen wir das nie. Ist dieser Butch oder wie der heißt nicht Handwerker, oder so? Kannst du den nicht anrufen, damit er helfen kommt? Wir kriegen das Schlafzimmer eh nicht alleine runter in den Keller!“

Freitag, so gegen 20:30 Uhr

„Warum habt ihr nicht gleich gesagt, daß ich Werkzeug mitbringen soll? Mein Vorschlag, wir lassen es für heute, ich bring morgen auch den Florian mit zum Schleppen, und vielleicht kommt René auch. Immerhin sind es vier Stockwerke in den Keller und einer sollte da unten auch ein bißchen vorher zusammenstellen, man kann sich ja kaum bewegen da unten.“

Samstag, so gegen 10:45 Uhr

„Ups, ihr ward ja fleißig. Also René, Florian tragen die Schrankteile runter! Georg, wäre gut, wenn du mir beim Abbau des Schrankes und des Bettes helfen könntest!“
„Und wir, was sollen wir machen?“
„Na, am besten erstmal für alle was zu trinken besorgen. Wenn der Schrank und die Teile im Keller sind, gibt es noch genug Arbeit.“

Samstag, so gegen 14:10 Uhr

„Mensch, Butch, wenn wir dich nicht hätten, ich hätte das Ding nie alleine gestemmt!“
„Georg, du kannst gerne bei mir später in die Lehre gehen!“
„Witzbold! Das wird wohl nie mein Ding sein, aber wenn ich ausziehe, weiß ich jetzt, wen ich frage, wenn ich Hilfe brauche. Wie lange dauert es noch, bis du fertig bist mit deiner Lehre?“
„Ich mach noch eineinhalb Jahre, aber danach wird ich wieder die Schulbank drücken, will nämlich das Fachabi machen, studieren.“
„Eh, sag bloß, was denn?“
„Mal sehen, irgendwas mit Technik, vielleicht Architektur, Ingenieur.“

Samstag, so gegen 14:15 Uhr

„Ohje, Mann, das kann doch nicht wahr sein!“
„Schwesterherz, hast du etwa was dagegen, wenn Butch… Ne, sowas, wie kommen die bloß auf diese Idee, was ist das, himmelblau?“
„Helles Taubenblau steht da und weißt du was das kostet? Da lies mal, 8999 €. Auch noch Sonderangebot!“
„Ich versteh die Welt nicht mehr, wollen die damit ihr Liebesleben aufmöbeln? Daß es so schlimm um die beiden stand, so kenne ich sie gar nicht!“
„Ist mir auch ein Rätsel. Da wäre es besser gewesen, sie wären nach Hawaii geflogen, das Mami sich sowas ausgesucht hat. Ich kapiere es nicht!“

Samstag, so gegen 14:30 Uhr

„Na, mein Geschmack ist es auch nicht, aber wir sollten loslegen, hab heute noch ein Date! Und wenn eure Alten sich damit wohlfühlen, was interessiert es euch?“
„Du triffst dich doch nicht etwa mit der Ex vom Tom?“
„Svenja, hast du was dagegen?“
„Nö, aber sie ist mindestens zwei Jahre älter als du.“

Samstag, so gegen 19:00 Uhr

„Das war es, fertig. Eins ist sicher, ich werde meine zukünftige Frau vor der Hochzeit schwören lassen, nie ein blaues Schlafzimmer anzuschaffen, das muß sie mir schriftlich geben. Irgendwie paßt das gar nicht zu euren Eltern, und die ganzen vergoldeten Schnörkelzeichnungen auf dem Blau, spacig.“
„Tja, ich bin demnächst weg, und Svenja wird wohl nach dem Abi auch das Weite suchen, vielleicht hilft es den beiden, neu anzufangen.“

Sonntag, so gegen 9:10 Uhr

„Wann wollten deine Eltern wieder hier sein?“
„Später Nachmittag, sie rufen an, bevor sie losfahren. Bis dahin habe ich die Klamotten verstaut. Andi, ich kann es immer noch nicht glauben, daß sie dieses Schlafzimmer gekauft haben, es ist potthäßlich und dieser große Spiegel über dem Bett und der Kommode. Mami und Papa, ihr seid mir fremd!“
„Svenja, schau, besser so ein Schlafzimmer als Scheidung, oder?“
„Andi, ganz ehrlich! Lieber Scheidung! Ach, Mist!“

Sonntag, so gegen 17:45 Uhr

„Hallo Liebes, du hör mal Svenja, wir bleiben eine Nacht länger, Papa will sich das neue Segelboot von Gerd morgen früh ansehen. Er überlegt, auch eins zu kaufen, die sind gar nicht so teuer, und wir könnten dann auf der Elbe schippern, wann immer wir Lust haben.“
„Okay, Mami.“
„Svenja, was ist, du klingst so traurig?“
„Mami, du weißt wir gucken ‚Once upon a time’, und Belle trennt sich gerade von Mister Gold!“
„Ach du und deine Serien. Grüß mir Andrea, kann sie denn noch eine Nacht länger bleiben?“
„Denke schon, mach dir mal keine Sorgen, bis morgen Mami und grüße Papa!“

Montag, so gegen 11:10 Uhr

„Hallo, da sind wir wieder, Svenja!“
„Hey, du erdrückst mich ja, wir waren doch gar nicht so lange weg.“
„Es ist einfach schön, daß ihr wieder da seid!“
„Und wir haben Neuigkeiten, stell dir vor, wir sind Besitzer von einem rot angemalten Segelboot, das war ein Schnäppchen, der Bojennachbar von Gerd will auswandern und Lotte, so heißt das Boot, haben wir fast geschenkt bekommen!“
„Ach, Papa!“
„Svenja, du weinst ja. Hätte nicht gedacht, daß du dich so freust. Na, der Name muß natürlich geändert werden, und einen neuen Anstrich gibt es auch, was hältst du von blau und mit Mamas Name in goldenen Lettern?“

Montag, so gegen 11:20 Uhr

„Erwartest du Besuch?“
„Andrea wollte nochmal vorbeikommen, aber erst später.“
„Ah, na dann wollen wir sie mal reinlassen.“

Montag, so gegen 11:21 Uhr

„Entschuldigung, Franke vom Möbelhaus Zäuner, da ist wohl ein Mißgeschick passiert. Ah, die junge Dame ist auch da. Wir haben leider am Freitag falsch ausgeliefert. Wir wollen das Schlafzimmer abholen, die im Büro haben nicht nur die Hausnummer 8 anstatt die 6 angegeben, sondern auch den Namen falsch übernommen, es war Chr. Müller und nicht Chr. Mueller.“

Doris Mock-Kamm

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Umfrage zu CETA und andere Freihandelsabkommen

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Politisches Theater oder handfester Kurs?

Noch kann der Vizekanzler Gabriel nicht frohlocken, das angestrebte Freihandelsabkommen CETA ist bisherig nicht unter Dach und Fach. Zwar war der Eilantrag zum Stop und die Ablehnung seitens des Bundeverfassungsgerichts vorausschaubar, die Hoffnung der Gegner keimte dennoch auf, aber mit dem heutigen Prozedere rechneten wohl eher wenige.

Zunächst vertagte jetzt daher die EU die Entscheidung übers CETA, weil Belgien Widerstand ankündigte, Bulgarien und Rumänien Bedenken äußerten. Grund genug für Querdenkende, Ihre Meinung einzuholen, in wie weit Sie den weiteren Verlauf werten.

In der folgenden Umfrage, die bis zum Dienstag, dem 25. Oktober, hier freigeschaltet sein wird, stehen erneut mehrere Antworten zur Verfügung (Sie dürfen auch mehr als eine ankreuzen). Natürlich kann nur einmalig gestimmt werden.

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Von Hassparolen bis hin zu Gewaltausbrüchen

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Social Media im Fokus der Justiz

Wer sich im Internet bewegt, dort vor allem in Foren und sozialen Plattformen, der weiß nur zu genau, wie schnell Beleidigungen, Diffamierungen bis hin Androhungen oftmals den Alltag bestimmen. Viele mögen damit umgehen können, andere so gar nicht. Richtiggehend tragisch wird es, wenn Haßparolen bis hin zu Gewaltausbrüchen zunehmen.

Kein Wunder, daß Social Media inzwischen im Fokus der Justiz sich befinden. Selbst vielen Unkenrufen zum Trotz, die doch tatsächlich für sich beanspruchen, die Meinungsfreiheit würde beschnitten werden. Die Freiheit für die einen, kann sehr schnell eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für andere bedeuten. Genau deshalb kommt man um eine wachsame Aufmerksamkeit nicht umhin, rechtzeitig einzugreifen, bevor daraus eine sich verselbständigende Normalität wird. Kann man dem wirklich Einhalt gebieten?

Vom Internetradio bis Facebook – potentielle Marktplätze bieten Gelegenheiten

Stünden sich die meisten leibhaftig gegenüber, wären sehr viele wesentlich friedlicher, so die einhellige Meinung etlicher Soziologen in der Beobachtung, wie Mensch sich im Umgang miteinander verhält. In der scheinbaren Anonymität läßt sich schnell mal eine Haßparole im Netz äußern oder wie vor etlichen Jahren ein rechtsextremistisches Internetradio meinte, es könne einfach mal freiweg gegen Juden, Kommunisten, Punks und in Deutschland lebende Ausländer hetzen.

Im Frühjahr dieses Jahres befaßten sich die Justizminister der Länder mit der Problematik von Haßkommentaren im Netz, wie sie wirkungsvoller bekämpft werden könnten. Dabei wurde ebenso haarscharf unterschieden zwischen strafbaren und nicht strafbaren Entgleisungen im Internet. Insofern hat die Justiz seitdem viel mehr zu bewältigen, während Betroffene gern die Keule des Überwachungsstaates hervorholen, man fühle sich nunmehr bespitzelt.

Daß tatsächlich derartige Haßparolen auch mal scharf geahndet werden können, bekam jüngst ein Internet-Hetzer zu spüren, der in einem Berufungsprozeß gleich mit einer anderthalb-jährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde, da ein langes Vorstrafenregister das Strafmaß rechtfertigte. Gerade im Facebook kann man eine zunehmende Verrohung beobachten, tummeln sich etliche Seiten und Gruppen, in denen fleißig gehetzt wird, meistens die Betreiber dies eher dulden, statt einzugreifen.

Was nutzt schon der neben Microsoft, Twitter, YouTube auch von Facebook im Mai dieses Jahres unterzeichnete Verhaltenskodex, wenn dieser in der Praxis unzureichend eingehalten bzw. geahndet wird? Etliche Meldungen über extreme Haßparolen in bestimmten Gruppen verhallen meist ohne Konsequenzen, oftmals wird dies mit der Begründung abgetan, es sei im Rahmen der Geschäftsbedingungen legitim. Man darf sich schon wundern, wieso!

Zweierlei Maß oder einfach nur Verharmlosung?

Der Staat scheint meist mit zweierlei Maß zu messen, gerade in Sachsen muß man dies leider beobachten, wo rechtsextremistische Kräfte sich oftmals unbehelligt oder zu wenig geahndet austoben dürfen. Was dort offen geschieht, darf sich wohl auch in einer geschlossenen Facebook-Gruppe ausmehren, in der die Mitglieder des Pegida-Organisationsteams sich offen ausländerfeindlich äußern, wie der verhaßte Spiegel (Stichwort „Lügenpresse“) berichtete.

Während Staat auf dem rechten Auge wohl noch zu blind, wird umso vehementer in einem anderen Fall eingegriffen. Die 70-jährige Irmela Mensah-Schramm, die schon mal gern Hakenkreuze und SS-Runen übermalte, hatte nunmehr aus „Merkel muss weg“ ein „Merke! Hass weg!“ gesprüht. Dies wurde ihr zum Verhängnis, aus einer anfänglich noch milden Verwarnung seitens des Amtsgerichts Tiergarten, erfolgt jetzt die Berufung der Staatsanwaltschaft, die ein härteres Stafmaß fordert. Wenn doch unser Staat mit derselben Härte wie im Fall Mensah-Schramm bei unberechtigteren Vergehen eingreifen würde, wäre vielen geholfen.

Lotar Martin Kamm

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Gesichter verloren

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Ihre Gesichter verloren,
neue Geschichten geboren
zum Zweck der Erkenntnis,
denn von nichts kommt nix.

Sie irrten umher,
das Tragen war schwer,
die Mühe der Last,
Vergessen macht keine Rast.

Sie spürten die Liebe
wie Peitschenhiebe,
Zweifel nicht erlaubt,
der goldene Käfig erbaut.

Ihre Gesichter verloren,
neue Geschichten geboren.
Die schwankenden Brücken
der Führer galt es abzunicken.

Probleme gab es gemeinsam,
das Individuum war kein Sein,
dem man sich widmete,
das Führerwort erzitterte.

Sie gaben alles, befreit sein
die Devise, kalt scheinen,
galt als begriffen haben,
der Oberen Recht zum Laben.

Ihre Gesichter verloren,
neue Geschichten geboren.
Wer kann jetzt noch errettet?
Die inneren Kinder im Herzen gebettet.

Nafia

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Ein Mensch, wie stolz das klingt…

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Droben auf seiner Wolke saß unser aller Schöpfer, ließ seine Beine baumeln und besah sich, teils gelangweilt, teils grübelnd, das Treiben auf jenem Planeten, den einige seiner Bewohner später Erde nennen sollten. Die Sache mit den Sauriern war ihm gründlich aus dem Ruder gelaufen. Gar zu ungeschlacht waren die im Laufe der Jahrmillionen geraten, reinste Freß-, Sauf- und Kackmaschinen. Es stank geradezu zum Himmel.

„Naja, und ein bißchen Ästhet darf man wohl auch als Schöpfer sein“, ging ihm wohl durch den Kopf. Und mit einem Fingerschnips war die Sache bereinigt. Zugegeben, der Rex fehlte ihm irgendwie… Höchste Zeit also, neue Experimente zu wagen, einem anderen der Wesen dort unten einen Stups zu geben und bei Gelegenheit mal nachzuschauen, worauf die Sache hinausläuft. Nur, wem? Er grübelte und sann, und die Jahre gingen ins Land…

…bis denn jene Zeit kam, als die Wipfel der Baumriesen auch von haarigen Geschöpfen bewohnt wurden; ewig lärmenden, zänkischen Wesen, die sich zumeist von den Gaben Floras ernährten, aber auch Artgenossen nicht verschmähten, wenn sich Gelegenheit bot. Den Erdboden mieden sie, so es nur ging, diesen Tummelplatz anderer kurioser Einfälle des Schöpfers wie Säbelzahntiger oder Höhlenbär. Wild ging’s daher, wie es sich für eine ordentliche Nahrungskette gehört.

Und es begab sich, daß eines jener haarigen Geschöpfe vom Baume stieg, Adam geheißen, um von einem mickrigen Bäumchen im Unterholz eine Kostbarkeit zu ergattern. Einen Apfel. Wurmstichig und nur wenig angefault, aber noch rotbäckig, kurzum, zu jener Zeit das probateste Mittel, das andere Geschlecht zu ködern, damit abzulenken und die Schlemmerin von hinten zu bespringen. Danach, nur danach stand sein Sinn in jener schicksalhaften Stunde, und auf allen Vieren wieselte er hechelnd auf das lustverheißende Ziel zu. Auge in Auge standen sie sich da plötzlich gegenüber, unser Ur…ahn und ein ziemlich langzähniges Exemplar der Katzenfamilie.

Ohrenbetäubend kreischend und halb besinnungslos vor Angst nahm Adam Reißaus, brach durch’s Gestrüpp, den Tiger dicht auf den Fersen. Endlich, der langersehnte Kletterbaum, und mit dem Geschick des hoffnungslos Verzweifelten sprang Adam nach einem Ast in ziemlicher Höhe. Es gab einen trockenen Knacks. Nicht sehr laut. Und vom Fauchen der Katze beinahe übertönt, die sich, ihrer Beute sicher, zum Sprunge duckte…

…und gerade dieser Knacks schreckte den Schöpfer aus seiner Lethargie. Schmunzelnd rieb er sich die Hände. Da war sie endlich, die Gelegenheit. Und spontan beschloß er, zu Gunsten jenes putzigen Wesens in die Nahrungskette einzugreifen…

…welches mit blöd-ergebener Miene da saß, den abgebrochenen Ast in seiner haarigen Faust anstarrte und eigentlich zu keiner Regung mehr fähig war. Doch, wie von Zauberhand gelenkt erhob sich nun dessen Arm und ließ das dicke Ende des Knüppels vehement zwischen die erwartungsvoll aufgerissenen Augen des anspringenden Räubers sausen. Und, wie ein nasser Sack ging der zu Boden.

Und dann erhob sich Adam, kratzte sich den pelzigen Hintern, unstet noch irrte sein Blick zwischen Baum, Tiger und Knüppel umher. Lauf oder drauf, so stand die Frage, denn der Gestreifte begann sich bedrohlich zu regen… Da besann sich Adam des knorrigen Etwas zwischen seinen Fingern, und als wäre es die Erleuchtung, überzog ein Grinsen sein Gesicht. Weit ausholend, den Ast nun mit beiden Händen führend, schlug er zu. Und wenig später war er der Erste seiner Spezies, der seine Zähne genüßlich in das noch warme Fleisch eines Säbelzahnigen schlug, der nicht an Altersschwäche krepiert war…

Alsdann, die Überreste der Zufallsbeute geschultert, den Knüppel in der freien Hand, schwankend ob seines vollen Wanstes aber aufrecht, begab sich Adam auf den Weg zu seinen Artgenossen. Seiner angesichtig, stiegen die denn auch aus dem Laube und umkreisten ihn, weniger um dem Helden zu huldigen, denn nach seinen Mitbringseln gierend. Ein haariger Riese mit gewaltigem Muskelspiel, in der Hackordnung Lichtjahre vor Adam, riß ihm auch alsbald das blutige Bündel von der Schulter. Adam grinste nur mitleidig. Und ließ dann den Knüppel sprechen…

…und der Schöpfer lachte herzhaft. Ein gelehrig Ding, schau an! Vielversprechend. Zeit für ein Nickerchen nach all der Mühe. Wir werden später nach dem Rechten schauen…

…und siehe, fürderhin war Adam der Boß. Klein und mickrig, aber mit Knüppel. Dieser wurde nun mit allerlei Zierat geschmückt und in ein Beutelchen aus Tigerfell verpackt… Und Adam? Der soff, fraß und zeugte nach Leibeskräften. Vergessen war das Äpfelchen. Und, man glaubt es kaum, durch einen Knacks wurde er zum ersten lebenden Gott seiner Art…

Bei aller Völlerei entging ihm anfangs, daß sich, so nach und nach, immer mehr seiner Artgenossen in den Feinheiten des Totschlags mit „anderen Mitteln“ übten. Der Begriff „Konkurrenz“ kam in Mode, in der damaligen Sprache freilich für den heutigen Menschen unverständlich. Das Hauen und Stechen um die fettesten Pfründe untereinander raffte die Horde allmählich dahin. Zwar bewegte sich, ob seines nun stattlichen Wanstes, Adams Drang nach körperlicher Aktivität, dem absoluten Nullpunkt entgegen, doch die Erleuchtung wirkte nach: Er versammelte sein Restvolk und sprach zu ihm: „Nun sehet nur, was da so um uns kreucht und fleucht. Es sei euch untertan und (mir) von Nutzen. Knüppel aus dem Sack!“ Vielleicht, doch das ist nicht so genau überliefert, wählte Adam auch andere Worte. Sicher aber ist, daß alsbald seine Gefolgschaft gegen alles und jeden, was sich fressen oder anderweitig gebrauchen ließ, zu Felde zog.

Der denkende Mensch war nun erschaffen und hinterläßt immer bleibendere Spuren auf dem Planeten Erde…

…bis zum heutigen Tag, und der konkurrierenden Lebensformen werden immer weniger. Den Schöpfer betreffend, gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen hockt er noch immer auf seiner Wolke und hält sein Mittagsschläfchen, zum anderen ist er der Sache mit der Erde längst leid und werkelt auf einem anderen Planeten. Um dort seine Sache besser zu machen.

Peter Petereit

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