Von hier bis zu Dir – Gedichte und Bilder von Cordula Langer

© Cordula Langer

© Cordula Langer

Wenn in Zeilen nicht nur Kritik weht

Lyrik und Poesie verwandelt uns in die Tiefen des Seins, wer sich wirklich darauf einläßt, eben nicht nur oberflächlich über die Schönheiten zu erzählen, die sicherlich unbedingt ihre Berechtigung haben, ohne sie wäre das Leben wohl kaum auszuhalten.

Der kleine Gedichtband von Cordula Langer, „Von hier bis zu Dir“, erschienen im Verlag Books on Demand (BoD) zeigt sich äußerlich schlicht in Weiß, ein wenig kleiner als dem DIN A4 entsprechend. Doch auf der Rückseite kommt die Autorin ohne Umschweife zur Sache mit ihrer Bemerkung, in ihr Buch zu schauen, wir alle seien einmalig, dabei die besonderen Fähigkeiten eines jeden von uns hervorhebend.

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis läßt erahnen, was der Leser erwarten darf: vom Maulwurf über etliche Bullshit-Kapitel, War Crime, Soldier bis hin zum Weltaum und einem Nachruf, um nur einiges zu benennen. Dazwischen beim Blättern der Betrachter die unverkennbaren, eigenen Bilder-Graphiken mit jeweiligen Titel versehen, für sich sprechen, neugierig den Leser in den Bann ziehen wollen.

Ein sehr kritischer Germanist formulierte mal: Schau dir den ersten und letzten Satz eines Buches an, dann triffst du meistens die Essenz. Im ersten Gedicht, der Titel „Maulwurf“, steht zu Beginn: „Dein Revier liegt in Frankfurt am Main und nicht in Köln am Rhein.“ Wer weiterliest, mag zusammenzucken über die unverkennbare Direktheit, die Cordula Langer schnörkellos dem Leser präsentiert, über das Leben eines Maulwurfs im Sumpf der Kriminellen.

Anschließend erscheint die Gedichtreihe „Bullshit“ von I bis VI. Ohnmacht der Polizei, sich selbst überlassen in einem System der Widrigkeiten, wo letztlich keine Gesetze real herrschen, außer das des Stärkeren? Sie fährt ausgleichend fort im Gedicht „Das Unverzichtbare“, ein wichtiger Hinweis, wohin Geld uns allesamt führt, die Vorbereitung zur Anklage im Gedicht „Frohes Fest“, das Volk direkt drauf gestoßen wird, was nur übrig bleibt, nämlich Politiker von dannen zu jagen per Volksaufstand.

Es folgen Gedichte in englischer Sprache, die sich leicht lesen, wer sie einigermaßen beherrscht. „War crime“ entpuppt sich als der Krieg gegen unser aller Leben mittels Vergiftung, die überall stattfindet. „Soldier“ erinnert sehr an den Klageruf eines Wolfgang Borchert, die Grafik dazu: der mahnende Kosmos.

„Wolkentext“ mag ein persönlich tiefgreifendes Erlebnis zu jemanden erahnen, dessen Einmaligkeit eine innige Verbundenheit zuläßt, eine Liebe, die aber sich nicht gänzlich ausleben durfte.

Zum Schlußsatz am Ende des Buches, der da lautet: „Dies kann Dich nicht nicht belasten: Du hast diese Welt verlassen.“ Dies im „Nachruf“, weil wohl jemand verstorben ist. Zugleich dortigst der Dialog in ein mögliches Jenseits, eine Verbindung fern irdischer Gesetze.

Wer mehr wissen möchte über die einzelnen Gedichte, die sich nicht nur durch Tiefgang auszeichnen, sondern gleichzeitig uns ermahnen wollen, dem sei ihr Buch unbedingt empfohlen.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Rezensionen | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Sommer 2016: Abschiednehmen ohne Wehmut

https://pixabay.com/de/tornado-sturm-ast-gewitter-1193184/

pixabay.com

Herbstgefühle offenbaren Extremwetterlagen

All diejenigen, die größtenteils mit viel Wärme und eher weniger Regenergüssen gesegnet wurden im Laufe der zurückliegenden neun Wochen, die dürfen sich meist glücklich schätzen über einen mehr oder weniger normalen Sommer 2016. Anschreiben und Berichte per E-mail werden gern entgegengenommen, wo das in Deutschland sich so zugetragen haben soll.

Ansonsten offenbaren seit einiger Zeit schon Herbstgefühle Extremwetterlagen. Der Siebenschläfer wurde erneut seinem Ruf gerecht, die Prognose hat sich daher bewahrheitet, daß der Sommer regelrecht ins Wasser fällt.

Kurztrip in den sonnigen Süden gefällig?

Schnellste Variante wäre das Fliegen. Wer’s sich nicht leisten kann per Billigflug, Ängste vor Terror, Absturz und schlechtem Gewissen all inclusive. Sie lesen richtig, jeder Flug offenbart eine erhebliche Belastung der Umwelt, im übrigen ebenso mit den teuren Fluggesellschaften. Das Damoklesschwert der Terrorangst schwebt letztlich überall dort, wo Menschenansammlungen stattfinden, folglich gleichwohl in jedem Einkaufszentrum einer europäischen Großstadt, Flughaben, Bahnhof, Oper oder Fußballarena.

Wenn im Süden angekommen, erwartet den Sonnenhungrigen die volle Breitseite warm-heißer Luft, endlich kein Naß von oben, außer vom Strahl der Hotelbrause. Die Chance, daß hierzulande das Wetter sich schlagartig in eine Azorenhochlage verwandelt, die dürfte bereits verstrichen sein, selbst wenn noch 19 Tage der verbleibenden Hundstage bevorstehen. Das Auf und Ab zwischen kurzer Sonnentagdauer und erheblich längeren Regenzeiträumen wiederholt sich schon viel zu oft im ausgehenden Sommer dieses Jahres. Obendrein mancherorts zuviel Wassermassen für Chaos und Zerstörung sorgten, gar der ein oder andere Tornado die Bevölkerung überraschte.

Kein Blick zurück in Zorn

Erinnerungen vermögen ganz unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Sicher doch, man blättert gern in Photoalben, wo noch glückliche Gesichter uns entgegenblicken, weil im Bikini oder Badehose man gelassen im Swimming-Pool geplantscht hatte, ein schattiges Plätzchen sich aufsuchte bei über 30° C im Schatten, ein blauer Himmel keine Wolke zuließ.

Davon im diesjährigen Sommer keine Spur. Im Zweifelsfalle hat stets das Wetter schuld, wenn das ein oder andere uns nicht in den Kram paßt. Diesmal darf man in vollen Zügen Dampf ablassen, tatsächlich über den verkorksten Sommer motzen. Doch Halt, kein Blick zurück in Zorn. Es nützt alles nichts, weil letztlich wir uns damit abfinden müssen, was von oben kommt, welches Klima vorherrscht.

Lassen wir uns nicht die gute Laune verderben, nur weil ein wenig Regen, Hagel, Sturm und Gewitter den bisherigen Sommer begleitend stören. Umso glücklicher empfangen wir jeden Sonnenstrahl, wenn kaum ein Lüftchen weht bei minimal 25° C im Schatten.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Klima/Wetter | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

In hanebüchene Lügen verstrickt

https://pixabay.com/de/allee-schlossallee-laupheim-228300/

pixabay.com

Warum die Hainbuche dermaßen klotzig daherkommt

Manchmal erlebt und hört man schon immer mal wieder Schwachsinn. Und es freut einen dann auch augenblicklich, wenn ein Wort gleichzeitig auf der Zunge erscheint, das seit „Urzeiten“ verschwunden war, nämlich hanebüchen. So einen hanebüchenen Schwachsinn, so unerhört frech mit Lügen versehen, so dermaßen unverfroren können Menschen sich äußern und gleichzeitig sich mit dem reinen Licht der Wahrheit umgeben, daß einem die Sprache fehlt, darüber gefühltes auszudrücken, wäre da nicht plötzlich hanebüchen aufgetaucht.

Es gibt wahrlich Wörter, die in ihrer Einzigartigkeit eine ganze Wagenladung voll gefühlter Begriffe ausdrücken können. Mag sein, daß hier jetzt ein bißchen übertrieben wird, ein bißchen dick aufgetragen, aber Ehre wem Ehre gebührt. Hanebüchen, in älterer Form besser erkennbar worum es sich bei diesem Wort handelt, hagebüchen, grob, derb, klotzig, mittelhochdeutsch, hagenbüechin, aus Hagebuchenholz bestehend (Hainbuche).

Die Hainbuche, Hagebuche, Weißbuche, Hornbaum gehört zur Familie der Birken, und sie kommt in Europa und Westasien als Baum oder Strauch vor. Der im Namen zu erkennende Hain oder Hag weist die Verwendung dieses Gewächses auf, denn sie wurde gerne zur Hecke und zur Abgrenzung gepflanzt. Dieser Busch oder Baum hat eine größere Holzdichte als Eiche und Buche und ist das härteste Nutzholz in Europa, deshalb wird er auch oft Eisenbaum genannt.

Das Holz fand Verwendung für Webstühle, Schuhleisten, Zahnräder, wird aber heutzutage nicht mehr oft genutzt, da es anfällig für Wurmfraß ist. Zudem wurde es gern von Köhlern verwendet, da der Schnitt bis auf den Boden angesetzt werden könnte, und das Buschwerk trotzdem wieder nachwuchs. Die Hainbuche wird auch gerne als das Holz der weisen Frauen tituliert, weil es als Heilmittel genutzt wurde. Die Symbole der Hainbuche sind Mut, Standhaftigkeit, Gerechtigkeit und das Sinnbild für Lebendigkeit und Frische. Ihre Heilkräfte wurden unter anderem angewandt bei Heuschnupfen, Luftröhrenbronchitis, Augenleiden, bei geistiger und körperlicher Erschöpfung.

Hanebüchen bedeutet: empörend, haarsträubend, unmöglich, ungeheuerlich. Ist es wirklich erstaunlich, daß unsere Vorfahren für diese Begriffe das Wort hanebüchen kreiert haben? Nein, sicher nicht, denn wir wissen jetzt, daß das Holz das härteste in Europa ist, es als Schutzhecke angepflanzt wurde, ohne weiteres bis zum Boden abgebrannt werden konnte und trotzdem wieder neu wuchs, es sogar für Zahnräder benutzt wurde. Wenn jemand so dreist lügen kann, daß die Lügen nicht sofort erkennbar sind, sondern sie erst nach mühevoller Durchdringung einer festen stabilen Hecke (Haine wurden gerne durch Verflechtungen der Äste stabilisiert) oder durch zufällige Entdeckungen (Abbrand der Hecke) ans Tageslicht kommen, dann kann man den Sinn für diesen Wortbegriff eher nachvollziehen.

Dabei ist außerdem zu berücksichtigen, daß die Hainbuche wie oben erwähnt für Mut, Gerechtigkeit steht, also in doppelter Hinsicht eine äußerst enttäuschende Erfahrung für jemanden, den man diese Eigenschaften auch zusprach, von diesem dermaßen hinters Licht geführt worden zu sein.

Somit hat der Begriff seine einmalige Berechtigung zur Erklärung von dreisten Lügen, die gerade zurzeit in mancherlei Hinsicht Hochkonjunktur haben, und es manchmal schwierig erscheint, den Lügner zu enttarnen und hinter den Hecken die „Wahrheiten“ zu erkennen. Dann kann man hanebüchene Frechheiten, Lügen, Behauptungen, Beschuldigungen im wirklichen Licht der Wahrheit sehen.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Gesellschaft zwischen Aufmerksamkeitsdefiziten und Entspannung

https://pixabay.com/de/gleichgewicht-szene-zentriert-berge-863459/

pixabay.com

Kühlen Kopf behalten trotz etlicher Probleme?

Mit zielsicherer Geschwindigkeit pocht ein Specht sich seine Larven aus kränkelndem Holz, Krähen werden von einigen Schwalben davongejagt, während in jener malerisch schönen und duftenden Berglandschaft eine leichte Brise Wind kleiner Wellenbewegungen die majestätische Ruhe des Sees unterbrechen. Wer aber vermutet, es bliebe bei jenem gelassenen, ungestörten Naturidyll, der hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Aufkreischend röhrendes Motorgeheul durchdringt plötzlich das weitläufige Tal, aufgeregte Stimmen breiten sich aus, die das ein oder andere Echo verursachen, vorbei ist es mit der schönen Ruhe. Das alles nur, weil hier in Kürze ein Filmdreh stattfinden soll, irgendwelche Werbefuzzis sich genau diesen Ort ausgesucht haben. Dabei rückt lautes Getöse, hektisches Treiben in den Vordergrund, gibt es keinen Platz mehr für Besonnenheit.

Lautes Getöse beeindruckt nicht wirklich

Weil Kurt Tucholsky in seinem Gedicht „Der Mensch“ diesen unter anderem darauf reduziert, daß dieser Krach macht und nicht zuhört, möchte jeder von uns, der genau ein solches Verhalten im Alltag des öfteren erfahren darf, ihm lächelnd, beinahe bedauerlich zustimmen. Aber leider bestätigen sich solch einfache Verhaltensmuster in sehr vielen Lebensumständen, ob bereits in der Kindheit, in der Schulzeit, zuhause, beim Arbeitsplatz und somit überall. Wer sehr genau beobachtet, wird feststellen, daß lautes Getöse, also viel Lärm um nichts die Umgebung meist beeindruckt, Hauptsache man hat Spuren hinterlassen.

Daher auf die Inhalte kein großer Wert gelegt wird, Glamour weiterhin Hochkonjunktur hat. Eine Welt der Ablenkung und des grenzenlosen Konsums sorgt schon für das Vertuschen der eigentlich notwendigen Fragen, die somit ungehört auf der Strecke bleiben. Der vermeintliche Sieger hochtrabend gewürdigt, hingegen dem Verlierer keine Beachtung mehr geschenkt wird

Im Reigen weltumspannender, medienwirksamer Aufmerksamkeit vermarktet es sich schrecklich leichtfüßig, werden all jene geblendet, die sorg- und bedenkenlos viel lieber einer Spaßgesellschaft frönen, anstatt die Folgen nur halbwegs abschätzen zu wollen, die stets weitere Ausbeutung, Kriege und Zerstörung bedeuten als ein friedlicheres Zusammenleben.

Innehalten im Strudel bewußt gestreuter Informationen

Demjenigen, der bescheiden geblieben, winkt tatsächlich die langfristige Aufmerksamkeit, weil nach ewig lärmenden Getöse sich herausstellen wird, wie kurzsichtig und unbedacht Masse Mensch den „Blendern“ sich hat hingegeben, anstatt zu lauschen, was eigentlich stets vorhanden. Nur sollte man die Gesten und klaren Hinweise bemerken, selbst wenn leise Töne ohne großartiges Tamtam sich äußern. Rückbesinnung mag ein hilfreiches Mittel sein, innehalten im Strudel der bewußt gestreuten Informationen, um mit gesundem Abstand die eigentliche Schieflage zu erkennen.

Es gilt jetzt, einen kühlen Kopf zu bewahren, selbst wenn unsere Zeit drängt angesichts der düsteren Zukunftsaussichten. Nichts wäre fataler, als kurzsichtige, unüberlegte Entscheidungen zu treffen, die exakt all jenen Begründungen liefern, ihre bösartigen Kurse erneut fortzusetzen, die schon ohnehin viel zu viel sich global austoben durften. Ihre Zeit ist abgelaufen, und das wissen sie nur zu genau, daher das Bündeln der straffen Kräfte, um Positives, Aufwachendes mal wieder zu unterjochen.

Nimm die Zeit gelassener hin, ohne Streß, Hektik und zu hohe Ansprüche an dich und andere, und du wirst mit deiner Ausstrahlung ein Zeichen setzen, daß nicht nur in der Ruhe die Kraft liegt, sondern besonders eine Zuversicht, welche anderen Mut machen kann.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Donnergrollen ohne Untergang

https://pixabay.com/de/blitz-gewitter-sturm-donner-nacht-378069/

pixabay.com

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Kerzen sind angezündet, wegen dem Kerzenschein
wünscht man, die Welt soll friedlicher sein.
Durch das Flackern der Lichter
drängen die Eltern dichter
um den runden Tisch herum,
diskutieren, bisweilen sind sie stumm.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Über Ängste, Furcht, Zukunft wird gesprochen,
vom Lärm wach kommen die Kinder angekrochen.
Die dunkle Stimmung, das Donnern draußen,
sie zittern, weinen, Zuspruch sie nun brauchen.
Märchen erzählen, das soll beruhigen,
doch die Kinder sind nicht zu überzeugen.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Sie waren schon länger wach, stellen Fragen,
anfangs zaghaft, dann dringlicher, bis die Eltern wagen,
ihre Gespräche, Gedanken fortzuführen,
die Kinder lauschen, reden mit, spüren
die Sorgen, die Nöte, das Klagen,
neue Wege möchten sie mit tragen.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Die Eltern wirken anfangs irritiert, dann erstaunt,
dies Wissen haben sie den Kindern nicht zugetraut.
Je lauter es draußen blitzt und donnert,
die Kinder ereifern sich, schieben Wege, die vermodert,
einfach beiseite, formen Plätze mit Gedankenräumen,
die kein Elternteil mehr wagte zu träumen.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Die Stimmen werden lauter, die Herzen sind erhitzt,
das Gewitter nicht nur draußen, hier drinnen blitzt
es von Verständnis, Änderung, Tatendrang,
es wirkt, als ob ein festgezurrter Strang,
der die Familie in Normen hielt,
und Liebe, Zuneigung führe Worte, gezielt.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Viele Fragen, Antworten sind gefallen,
die Eltern ehrlich und unbefangen
haben verheimlichte Sorgen offenbart,
die Arbeit verloren, der Urlaub wird eingespart.
Die Kinder wirken dankbar, sie werden ernst genommen,
durch das Gewitter war das überfällige Gespräch willkommen.

Es blitzt, donnert, schallt, klepft,
die Welt geht unter jetzt.
Die Kerzenlichter flackern immer noch, der Wellengang
in der Familie abgeebbt wie ein ersehnter Sonnenaufgang.
Die Zeiten, in denen die Kinder lieber Märchen hörten,
sind vorbei, sie begreifen, erkennen der Eltern Nöten.
Das Gewitter war befreiend trotz des beängstigenden Tobens,
die Eltern sind voll der Zuversicht und des Lobens.

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Hartz-IV-Reform: Aushebelung des Sozialdatenschutzes

https://www.flickr.com/photos/95213174@N08/27297096981/sizes/z/

flickr.com/ Metropolico.org/ (CC BY-SA 2.0)

Kosteneinsparung sowie Grundrechtsverletzungen zu Lasten der Bezieher

Deutsche Gründlichkeit zeigt erneut ihre widerliche Seite, die historisch ohnehin mehrfach sich ungebremst austoben durfte, denken wir an die Zeiten der NSDAP oder der SED. Hauptsache der Bürger vollrichtet untertänig seine Pflicht, die Herrschaften werden es schon richten.

Daher nicht weiter verwunderlich, daß der stillhaltende, mündige Bürger seelenruhig die jüngste Hartz-IV-Reform geschehen ließ, mittels dieser Großen Koalition, gar mit der Zustimmung der Grünen sie durchgewunken wurde, obwohl im Vorfeld bestimmte Stimmen eindringlich warnten, was da Betroffene erwarten würde. Die Aushebelung des Sozialdatenschutzes nimmt ihren Lauf sowie die prophylaktische Bespitzelung angeblich krimineller Hartz-IV-Bezieher, dies alles unter dem Vorwand der Kosteneinsparung, obwohl dadurch Grundrechtsverletzungen stattfinden.

Vier Paragraphen haben es besonders in sich

Der im Sozialgesetzbuch verankerte Paragraph 60, der die „Angaben von Tatsachen“ regeln soll, wurde mit der Reform durch den § 63 erweitert, der die „Ausweitung der Bußgeldvorschriften“ beinhaltet. Demnach meint das neue Gesetz diejenigen erheblich höher zur Kasse per Bußgeld bis zu 5.000 Euro belangen zu können, die sich weigern, ihrer Mitteilungspflicht zu Auskünften über leistungserhebliche Tatsachen der Hartz-IV-Bezieher nachzukommen oder sie schlicht falsche Angaben machen. Darunter fallen ebenso Vermieter oder Nachbarn, von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen ganz zu schweigen.

Hartz-IV-Bezieher somit einer noch höheren Bespitzelung ausgesetzt, womöglich mit der Aussicht, sie mal soeben zu denunzieren, wenn es einigen in den Kram paßt?

Gleichwohl großes Unheil auf sie zukommt im Falle der § 50 Abs. 1 S. 2 sowie § 52. Beim ersteren wird gar das Recht des Patienten nach § 76 Abs. 1 sowie 2 SGB X zum Widerspruch der Datenübermittlung ausgehebelt, ein eklatanter Verstoß gegen den Sozialdatenschutz. Jobcenter dürfen sich demnach sogar, was eigentlich vollkommen unlässig ist, komplette Patientenakten von Gutachtern zukommen lassen? Und weil das dem Hause Nahles nicht ausreicht per § 52, wo der automatisierte Datenabgleich selbst auf Personen in Bedarfsgemeinschaften erweitert wird, selbst wenn jene keine Leistungsansprüche haben.

Was interessiert schon das Geschwätz von gestern – Wahltaktik zählt

Die Bedeutung jener Empörung vor 102 Jahren: „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten“, rückt in ein überdeutliches Licht, gerade in Zeiten von Wahltaktiken hinsichtlich der bevorstehenden Bundestagswahl 2017.

Erneut tritt diese SPD von einem Fettnäpfchen ins nächste, so wie Herr Gabriel doch tatsächlich sich mit einreiht ins Heer derjenigen, die gern über Hartz-IV-Bezieher hetzen, als er bei einem Kongress der Energiebranche den Satz losließ: „Was der Kapazitätsmarkt nicht werden kann, ist so was wie Hartz-IV für Kraftwerke: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen.“

Und solch einer siniert darüber, ob vielleicht eine R2G-Koalition möglich sein könnte? Die Linken wären sehr gut bedient, sich nicht mit dieser SPD zusammen zu schließen. Angesichts des Shitstorms gegen Sahra Wagenknecht zerlegt die Linke sich selbst, was wiederum den Rechtspopulisten nur genehm sein kann, obwohl diese mit einer gerechten Sozialpolitik nahezu nichts am Hut haben. Der Wähler steht vor einem Scherbenhaufen, der sehr viel Parallelen zu Weimarer Zeiten aufweist.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Soziales | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare

Zungenbrecher oder das Zünglein an der Waage

https://www.flickr.com/photos/labormikro/2058976757/sizes/z/

flickr.com/ labormikro/ (CC BY-SA 2.0)

Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz

Na, können Sie diesen Satz fließend aussprechen, ohne einmal sich zu wiederholen? Zurecht nennt man Sätze, in denen ähnliche Wörter in Folge auftreten, Zungenbrecher, denn sehr leicht kommt man bei diesen Sätzen ins sprachliche Stolpern. Für den einen mag das weniger Schwierigkeiten bereiten, für andere vielleicht umso mehr. Vor allen Dingen, wenn sie schön öfters über das gleiche Wort gestolpert sind und es auch nach vielen Bemühungen nicht wirklich richtig ausgesprochen werden kann, weil die Zunge versagt. Oder vielmehr der Geist.

Denn es schleicht sich unmerklich das Gefühl des Versagens, der Angst des wiederkehrenden Fehlers ein. In Kindertagen sind diese Zungenbrechersätze und Reime ein willkommenes Spiel, um sich „totzulachen“, weil immer wieder jemand gefunden wird, der absolut nicht fähig ist, den ein oder anderen Spruch fehlerfrei aufzusagen.

Die verschiedenen, selbst in Dialektform vorkommenden Zungenbrecher können aber auch in der Sprach- oder Sprechtherapie angewandt werden, um die Aussprache zu üben, zu verbessern und sogar das Selbstbewußtsein zu stärken. Denn Versagensängste und Schockzustände können sich in der Sprache niederschlagen, und es kann äußerst mühsam und langwierig sein, wieder stotterfrei sprechen zu lernen.

Bei den Redensarten wird meistens auf die Doppelzüngigkeit oder die gespaltene Zunge angespielt. Bei beiden bedeutet es, falsches Zeugnis ablegen, Lügen, Widersprüchliches äußern. Sich die Zunge fusselig reden, ständiges Reden ohne Erfolg. Und wem die Zunge locker sitzt, sollte man kein Geheimnis anvertrauen, denn es besteht die Aussicht, daß derjenige gewollt oder ungewollt das Gehörte ausplaudert. Wer über eine Zungenfertigkeit verfügt, der besitzt die Rednergabe, beherrscht die Wortkunst, aber kann auch einfach nur Geschwätzigkeit bedeuten. Den Menschen, die das Herz auf der Zunge tragen, wird Offenheit, Ehrlichkeit nachgesagt, und wenn ihnen etwas auf der Zunge liegt, so bedeutet es, daß sie es jetzt nicht aussprechen möchten, oder aber sie suchen nach dem richtigen Wort, Begriff.

Das Zünglein an der Waage kann ab und zu der Ausschlag für wichtige Entscheidungen sein. Der kleine Zeiger in der Mitte der durch das Hebelgesetz funktionierenden Balkenwaage ist das „berühmte“ Zünglein. Die römische Göttin der Gerechtigkeit hält als Symbol eine Balkenwaage in die Höhe. Hoffen wir, daß die Gerechtigkeit nicht ins Wanken kommt und Justitia einen guten Standort hat, damit das Zünglein an ihrer Waage für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt.

Falls es Ihnen nun ein Bedürfnis sein sollte, wieder einmal herzlich zu lachen, ob ihrer verknoteten Zunge oder Sie einfach mal wieder Lust zum Üben dieser unaussprechlichen Reime haben, finden Sie auf dieser Seite fünfhundert Zungenbrecher in den Sprachen: Polnisch, Sudanesisch, Chinesisch, Spanisch, Türkisch, Isländisch und einige weitere.

„Brautkleid bleibt Brautkleid und…“

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar