Wenn Heilsversprecher die Nähe aufgreifen

flickr.com/ panaromico/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Ist stets Vorsicht geboten

Nähe – Aufforderung etwas zu nähen. Nähe – enges Beisammensein. Man muß kein Sprachforscher sein, um zu erkennen, daß diese beiden Begriffe den gleichen Wortstamm haben. Nähen ursprünglich von knüpfen, weben, zusammenbinden, verdeutlicht eine Verbindung durch eine gewiße Art und Weise, mit verschiedenen Materialien, um ein neues Ganzes zu schaffen. Nähe bedeutet, mit jemandem in engen Kontakt zu treten und gegebenenfalls eine geistige, seelische, körperliche, eventuell auf mehreren Ebenen eine Einigung einzugehen.

In der Regel, Ausnahmen bestätigen sich auch hier, suchen und wünschen sich Menschen eine enge Nähe mit Gleichgesinnten. Wenn diese Verbindungen aus welchen Gründen auch immer sich lösen, zerreißen, brechen, hinterlassen sie Spuren, wie auf einem Stück Stoff die Nadeleinstiche. Das kann dazu führen, daß für viele eine neue Nähe in weite Ferne rückt, eine ständige Suche beginnt nach demselben identischen Stoff (Mensch), nach neuen besseren Materialien (Werten) Ausschau gehalten wird.

Nun gesellen sich in solchen Situationen, in denen man sehr oft Hilfe braucht, um nicht zu verzweifeln, wenn die Trennung schmerzhaft war, Menschen in unsere Nähe, die nicht alle nur aus liebevoller Absicht trösten, vermitteln, neue Quellen zum Kräfte schöpfen benennen, sondern gezielt die innere Unruhe nähren mit ihren Ratschlägen. Sinn und Zweck eines solchen Verhaltens ist nicht Hilfe zur Selbsthilfe, sondern die Wegnahme von eigenständigen Heilprozeßen. Diese Masche ist nicht neu, und es gibt zigtausende Abhandlungen zu diesem Phänomen. Religionen, Sekten und andere Organisationen bedienen sich an „trennenden Schmerzfühlenden“, um sie für ihre Meinungen, Ansichten, Glauben zu gewinnen.

Warum ist dies so einfach? Weil jemand, der sich in einem Heilungsprozeß befindet, sehr oft nicht mehr selbst fähig ist, seine Nahrung selbst zuzubereiten. Wenn wir mit einer Grippe im Bett liegen, sind wir froh, jemand in unserer Nähe zu haben, der uns versorgt, weil wir durch Fieber zu geschwächt sind, die einfachsten täglichen Handhabungen zu leisten. Zu diesen Handhabungen gehört die Versorgung durch Nahrung, Medikamente, Tees. Nicht umsonst ist in dem Begriff Nahrung das althochdeutsche nara, bedeutet Heil, enthalten. Nähren, althochdeutsch nerian, heißt Leben retten, erhalten.

Diese Heilsversprecher treten zuweilen auch in der Politik auf, sind aber oft schnell zu entlarven, allerdings in Zeiten, in denen viele ungelöste Fragen sich stapeln, haben sie leichtes Spiel. Und ihre einfach gestrickten, gewebten Argumente übertünchen sie mit Idealvorstellungen von Werten, nach denen sich Mensch sehnt.

Nähe, miteinander sein, Nahrung, Heilung, Rettung. Fehlen zu ihrer Durchsetzung nur noch vermeintlich Schuldige zu finden, die dafür verantwortlich sind, daß man die Nähe vermißt,  Nahrung nicht selbst zubereitet werden kann. Und wie kann es anders sein, diese Schuldigen gibt es, immer. Da nun aber die Hauptverantwortlichen sehr spärlich vorhanden sind, greift man diejenigen an, von denen es viele gibt.

Also werden Volksgruppen, Organisationen, Medien diskreditiert, weil unter ihnen der ein oder andere in verbrecherischer Weise gehandelt hat. Vielleicht verstehen wir die jetzige politische Vereinnahmung besser, wenn wir uns vor Augen halten, wie leicht es ist, alle Pitbulls als mordende killende Rasse darzustellen, weil einige dieser Hunde falsch gehalten worden sind und werden. Weil es einfacher ist, die Taten einzelner auf alle zu übertragen, anstatt differenziert die Hintergründe eines solches Fehlverhaltens zu ergründen. Eine Partei, die vorgibt, im Sinne der Bürger zu handeln, aber die Fähigkeit zur Deeskalation nicht besitzt oder sie aus Zweckgründen nicht anwendet, kann nicht die Lösung der bestehenden Probleme meistern.

Können wir eine Schlußfolgerung aus nähen, etwas verbinden, Nähe, Zusammensein, Nahrung, Heilung ziehen? Wenn eine Verbundenheit sich als instabil erweist, es schwierig ist, die tatsächlichen Fehlerursachen gleich zu benennen und zu lösen, ist es vonnöten, nicht nur dem nächstbesten Vorschlag zur Wiederherstellung oder Ausbesserung der Situation zu folgen, sondern mehrere verschiedene dem Heilungsprozeß dienliche Argumente zu verinnerlichen, als vorgefertigte Lösungen zu schlucken. Diese Medizin könnte bittere Folgen haben.

Doris Mock-Kamm

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Die Neue Rechte: Abschied von Nazis nur Augenauswischerei

flickr.com/ JamesReaFotos/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Versteckter Rassismus im Nationalismus – Patrioten geben sich die Ehre

Erneut versagen die demokratischen Wege, der Parteienlandschaft eine Chance wählbarer Alternativen anzubieten, da genügend Menschen im Pool „rechter Sammelbecken“ sich tummeln, die früher noch viel eher still hielten, sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands.

In der alten BRD entstand aus dem anfangs regierungsfreudigen Einerlei dreier Parteien, der CDU/CSU (ein Zweckbündnis und daher als eine Partei zu werten), der SPD und der FDP mit der angeblichen Überwindung und Verarbeitung der Geschehnisse zwischen 1933 und 1945, der Nazi-Zeit, schließlich das zwangsläufige Opponieren gegen eben jene Parteien. Zu Beginn per Studentenrevolten, schließlich über Bürgerproteste, was den Grünen ein Podium lieferte. Mit dem Fall der Mauer entwickelte sich ziemlich schnell ein Auftrieb der Linken, die vorher eher bedeutungslos im Westen agierten, übrigens genauso wie die NPD oder die Republikaner.

Doch was der Westen nicht richtig gestaltete, die vertiefte Aufarbeitung der Schreckensherrschaft der Nazis, denken wir an etliche nachträglichen Skandale wie die an Karl Carstens, Georg Kiesinger oder drüben in Österreich an Kurt Waldheim, um nur mal drei zu benennen, diese Übrigbleibsel der Nazi-Vergangenheit in die Gegenwart unverantwortlich veschwiegen hatten, gelang dem Osten mitnichten. Dort sorgte eine SED für eine zwar berechtigte Verurteilung der Nazi-Ära, schaffte aber letztlich mit dem sozialistisch-kommunistischen System eine ganz ähnliche Herrschaft, in der keinerlei Opposition geduldet wurde, ein Klima des tiefen Mißtrauens die Bevölkerung verunsicherte und klein hielt.

In sofern darf man sich keineswegs wundern, daß nach dem Mauerfall, der viel zu überhasteten Abwicklung der Ostdeutschen in dem wiedervereinigten, neuen gesamtdeutschen Staat vieles eben nicht gerecht zuging, denken wir an etliche Übervorteilungen mancher Westdeutsche, die schamlos sich in den neuen Bundesländern bedienten, bis hin zu eindeutigen Betrugsfällen. Mittendrin Menschen, die sich politisch neu orientieren durften, dabei manche zum ersten Mal auch mit rechten Kräften liebäugelten.

Was schon in alten DDR-Zeiten unter der Oberfläche brodelte, nach außen nicht gezeigt werden durfte, eine latente Abversion gegen Ausländer im Land, die im Zuge sozialistischer Partnerschaften mit Bruderstaaten geduldet leben durften, konnten die Frustrierten nunmehr offen ausleben, ohne gleich eine Gefängnisstrafe zu riskieren. Genau deshalb saß die NPD im sächsischen Landtag, zeigen sich bereits erneut besonders im Osten der Republik vermehrt Feindseligkeiten gegen Asylanten, Flüchtlinge und Einwanderer. Dabei wird kaum noch unterschieden, Hauptsache sie davonjagen, so die Einstellung.

Was eine NPD oder Republikaner nicht erreichten, gelingt jetzt einer AfD: das neue Sammelbecken all der Sympathisanten der Neuen Rechten. Da mögen Politiker wie Frauke Petry gern in geschickt präsentierten Reden verharmlosend an demokratische Gepflogenheiten erinnern, man werde schließlich per Wahl vom Volk beaufragt, dessen Interessen zu vertreten. Das stimmt zunächst wie für alle Parteien. Aber ein latentes Wegschauen und Verschweigen, wenn Übergriffe gegen ankommende Flüchtlinge stattfinden so wie jüngst in Clausnitz, sogar die Polizei sich mittels aufgebrachter aggressiver Menschenmenge instrumentalisieren läßt und selbst hart eingreift, wodurch gar ein Kind betroffen, das muß man als hochgradig gewaltverherrlichend rügen, dient keineswegs als vorbildhaftes Verhalten seitens einer Partei.

Sind wir schon so weit, daß gewiße Menschen jedwede Kritik seitens der Medien als „Lügenpresse“ lapidar abtun, keine Differenzierung mehr stattfindet, damit gleichzeitig angeheizte Menschenmengen sich über das Gesetz erheben dürfen, teils unter Duldung einer hilflos danebenstehenden Ordnungsmacht wie die Polizei? Auch dies hat eine AfD mit zu verantworten, genauso wie all jene, die sich hinter Begriffen wie Patriotismus wegducken. Sicherlich, gegen gesunden Patriotismus ist nichts einzuwenden, aber sobald dieser sich zusammentut mit einer Neuen Rechten, die gar offen rassistische Statements nicht nur duldet, sondern zunehmend auslebt, genau dann sollten sämtliche Alarmglocken schrillen!

Das Ende demokratischer Verhältnisse, wobei man wunderbar Rechts gegen Links gegeneinander erneut ausspielt, während im Hintergrund all jene frohlocken, die exakt dies so wollen? Nachtigall, ick hör dir trapsen, dies nicht erst seit kurzem, sondern schon ziemlich lange! Was geschieht hier vor unser aller Augen? Der Verfall im Land, in ganz Europa? Zurück in alte Zeiten, denken wir an faschistoide Herrschaften? Oder etwa ein blühendes anarchistisches Chaos voller Feindseligkeiten, wo niemand mehr dem anderen traut, weil Politik sich erübrigt hat?

Das wäre der Worst Case, wenn die Flüchtlingsfrage und diese EU zusammen mit der derzeitigen verantwortlichen Politik im Lande weiterhin dermaßen unglücklich verfahren, statt die Verantwortlichen, hauptsächlich die USA zur Rechenschaft zu ziehen und vor allem mit dem Volk zu agieren, es nicht zu übergehen oder gar lapidar als „Pack“ zu bezeichnen.

Dann möge sich doch eine AfD beweisen in den Landesparlamenten, im nächsten Jahr im Deutschen Bundestag, scharf beobachtet von all denen, die noch an einen Sozialstaat glauben, an Menschlichkeit, selbst wenn beides durch die bestehende Politik längst verloren geht. Eine Neue Rechte mag dies ändern wollen, aber kann man ihr auch trauen, wenn schon im Vorfeld sie Massen dermaßen leichtfertig beeinflußend gewähren läßt?

Lotar Martin Kamm

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Auf meiner gelben Gartenbank

flickr.com/ niko3518/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Auf meiner gelben Gartenbank,
unterm Pflaumenbaume,
saß eines mittags (Gott sei Dank?)
´ne Kuh mit Regenhaube.

Sie kaute eifrig Pflaum´ um Pflaume,
mitsamt dem Pflaumenkerne,
sie schien wie im Traume,
ihre Augen leuchteten wie Sterne.

Als ihr Hunger schien gestillt,
und kein Regen vom Himmel fiel,
nahm sie ab die Haub´ geschwind,
und machte ihr Geschäft. (Oh je, so viel!)

Sie torkelte durchs Gartentor von dannen.
Nie wieder hab ich sie gesehen.
Vier Jahre sind inzwischen vergangen,
im Garten jetzt zig Pflaumenbäume stehen.

Nafia

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Türkisches Einerlei verunsichert ein fragwürdiges Bündnis

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Satirischer Rückblick…

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob man nichts besseres findet? Das gilt wohl erst recht in der Politik. Doch bei so viel Mißgeschick, was uns all die Jahre begegnet, es harsche Worte von manch Kanzel regnet, lassen die Menschen sich weiterhin blenden. Bloß keine kritischen Gedanken verschwenden, es könnte ja tatsächlich bedeuten, daß man tät die Wahrheit einläuten.

Genug solcher Beweggründe, ganz ähnlich wie bei Trivialliteratur man sich fragen sollte: Wer hat hier wohl die Pfründe? Niemand solch Blender zurück auf den Boden der Tatsachen holte. Kein Wunder, daß Menschen nichts mehr zu verlieren haben, immer tiefer sich abzeichnet der Graben zwischen Elend und Reichtum, am Schluß wird kein Stein mehr auf dem anderen ruhn, weil die Wut grenzenlos sich entlädt. Beendet das, oder es ist zu spät.

Mit Blick zur Münchner Sichererheitskonferenz verdeutlichen die Fronten die Schieflage, und man stellt sich beherzt die entscheidende Frage: Wen sie wohl nutzen mag, wo doch die Antwort vor deren Füßen lag? Obwohl der Weg ganz klar die Richtung aufzeigt, die große Masse lieber schweigt. Mensch nicht zum Frieden bereit? Wenn nicht jetzt, wann dann ist’s soweit?

Wir erkennen es doch auch beim WWF, die Verlogenheit von angeblich guten Taten, da hilft kein geschöntes Gekläff, wenn manch Kluge riechen den falschen Braten, der nur blenden will. Das ist wirklich schrill! Drum laßt euch nicht aus gutem Traum entreißen, sie wollen uns ohnehin nur bescheißen. Wenn der Alltag ohne nennenswerte Vorkommnisse zwischen Kriegsszenarien und Feierabend sich abspielt, dann werden unsere kritischen Einwände viel eher gegrillt, sie dürfen keine Früchte tragen, man beendet daher unsere Fragen, verbannt uns lieber ins Wolkenkuckucksheim, keinesfalls nur so zum Schein. Warum? Weil Kritik darf nicht sein – darum!

Nur wirres Zeug bei den wenigen Gescheiten? Auf was wohl Eliten uns vorbereiten? Beim TTIP, wo die EU-Kommission auf sichere Verabschiedung drängt, da wird doch deutlich, wie Menschen werden abgelenkt. Aber wollen das die meisten wirklich wahrhaben? Nein, denn sie stellen keine Fragen, sondern lassen es still geschehen, wollen nicht den Ernst der Lage sehen, haben wohl doch nichts zu verlieren.

Türkisches Einerlei verunsichert die EU, das Bündnis. Welch merkwürdig Hindernis. Ein Herrn Erdoğan läßt man gewähren in seinem Wahn? Drum Pläne schmieden wenig bis gar nichts nützen. Wer wird uns am Ende wohl schützen? Wir sehen es doch hierzulande bei der Lohnpolitik, welch Mißgeschick. Aber dies scheint wohl wenige zu taxieren, dann lieber artig parieren, man hätte bei Widerstand wohl zu viel zu verlieren.

Lotar Martin Kamm

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Pläne schmieden alles andere als ratsam

pixabay.com

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Viel größer die Bedeutung unseres Handelns

Schade, daß es keine Statistiken darüber gibt, wie viele Pläne die Menschen erdacht, ausgeklügelt haben, in der Wirklichkeit nicht funktionieren oder nur teilweise umsetzbar waren. Apropos umsetzen, planen ist aus dem lateinischen planta, Pflanze, beinhaltet weitestgehend das Umsetzen schon in diesem Wort. Einige Pflanzen werden nach der Aussaat umgesetzt, damit sie besser zur Reife gelangen, größer, kräftiger werden, oder sie werden zum Verkauf in kleine, enge Töpfe gezwängt, um sie einzeln zu guten Preisen verkaufen zu können. Viele Pläne ähneln dem Pflanzenwuchs.

Wir schmieden Pläne für einen Hausbau, eine Hochzeit, generell Feiern, den exakten Termin zum Kinderkriegen nach der Karriere, den seit langem verdienten Urlaub, gestalten schon im Vorfeld oft den Lebensweg unserer Nachkommen. Aber trotz intensiver Planung, Zeichnungen, Tabellen, Wahrscheinlichkeiten gehen viele Samen der Pläne nicht auf, beziehungsweise verenden, vertrocknen, werden von Ungeziefer angefressen, kurzum kaum ein Plan kann von der Grundidee (Samen) bis zur Realisation (Reife) genauso verwirklicht werden wie angedacht. Ärgern wir uns darüber?

Natürlich ist es eine Enttäuschung, wenn unsere Mühe, die wir in die Vollendung eines Planes gesteckt haben, nicht die Früchte trägt, die wir erwarteten. Deshalb, wer kann sich davon freisprechen, sind wir schnell bei der Hand, Schuldige auszumachen, die dafür die Verantwortung tragen, daß der Plan nicht die Ergebnisse zeigt, die man erhofft, gewollt hat. Bei den Pflanzen wie bei einigen Urlaubsplanungen ist es oftmals das unkalkulierbare Wetter, das unseren schönen Plan zunichte gemacht hat. Beim Hausbau, der Hochzeit spielt das Wetter auch oft den Schuldigen, aber hier sind diejenigen, die die Organisation übernommen haben oder das Material (Beton, Holz), die Zutaten (fürs Menü, Torte, Wein) geliefert haben, diejenigen, die für das Mißlingen die Haftung übernehmen sollen, müssen.

Warum nun unsere Altvorderen in ihrem Wortgebrauch Schuld althochdeutsch sculan (gotisch = schuldig sein; sollen, müssen, gleich gesetzt haben mit skulan) gleichgesetzt haben mit „sollen, müssen“, ist auf den ersten Blick nicht klar erkennbar. Aber mit einem zweiten Blinzeln kann man durchaus den Grund dafür erkennen. Der Plan, der von uns mit Gewissenhaftigkeit ausgetüftelt, die Pflanze, die von uns mit Sorgfalt gesetzt wurde, immer wieder durch unterschiedliche Mühen beobachtet, vielleicht leicht angepaßt an kleinere Unbill bis zur Vollendung, muß, soll gelingen, weil wir ansonsten all unsere Arbeit verschwendet haben.

Keiner oder nur ganz Wenige werden sich damit zufrieden geben, wenn ihr Plan, Pflanze, eventuell nicht so ausfällt wie gewünscht, die meisten verhalten sich eher wie quengelnde, jähzornige Kinder, die ihren Willen nicht durchsetzen konnten. Erwachsene suchen lieber Schuldige, „Bauernopfer“, die für das Mißlingen büßen sollen, oder sie mähen alles nieder, vergleichbar mit dem Erdboden gleichmachen durch eine Planierraupe. Und das wiederum hat mit persönlichem Versagen zu tun, jedenfalls für diejenigen, die Schuldige ausmachen müssen, und ihr „Gesicht verlieren“ wollen die wenigsten, oder vielmehr eigene Schuldzuweisung fällt schwer.

Also lieber keine Pläne mehr machen, dem Schicksal alles überlassen? Nicht mehr anpflanzen, alles der Natur anvertrauen? Nein, die Essenz liegt in der Wertigkeit des stetigen zu erneuernden Planes, pflanzens. Nicht die Ergebnisse sind schlußendlich das Wichtigste, sondern das Tun und Handeln, dabei ist der Urheber zweitrangig oder kurz gesagt: Der Weg ist das Ziel.

Doris Mock-Kamm

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Mindestlohn und Zeitarbeit: Nahles Gesetze gefährdet

flickr.com/ Metropolico.org/ (CC BY-SA 2.0)

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Lohngefälle nach wie vor äußerst fragwürdig

Wenn es ums Bezahlen geht, vor allem der Löhne durch die Arbeitgeber, dann wird sich schwer getan. Einerseits verständlich bei all jenen kleinen mittelständischen Firmen, die ums Überleben kämpfen auf einem Weltmarkt, der ohnehin keinerlei Erbarmen hat. Das Gesetz des Stärkeren greift, wer die Konkurrenz ausschaltet, bleibt bestehen.

Obendrein wissen wir nicht erst seit „Pretty Woman“, in wie weit gerade Großkonzerne ihre Gegner ausschalten. Es geht stets um Profite, der kleine Mann bleibt auf der Strecke. In sofern muß man ein Lohngefälle nach wie vor als äußerst fragwürdig bewerten, was sich insbesondere bei der Zeitarbeit als auch beim Mindestlohn bemerkbar macht. Sind Nahles Gesetze etwa gefährdet?

„Geiz ist geil“-Gesellschaft fordert ihren Tribut

Der kann nur lauten, daß die Reallöhne nicht steigen, viel eher sinken, was faktisch geschieht. Während die Linke völlig berechtigt weiterhin einen Mindestlohn von 10 € fordert, der obendrein nach der Steigerung der Lebenshaltungskosten gleichwohl angepaßt steigen soll, wurde zu Beginn des letzten Jahres endlich ein Mindestlohn für etliche Branchen gesetzlich verabschiedet, trotz erheblicher Bedenken seitens vieler Wirtschaftsverbände und Arbeitgeber, er würde zu Arbeitsplatzverlusten führen, blieben jene Folgen tatsächlich aus.

Dennoch fordert die „Geiz ist geil“-Gesellschaft ihren Tribut. Dies machte sich vor allem beim forcierten Niedriglohnsektor bemerkbar, den die rot-grüne Regierung unter Schröder erheblich förderte, und vor allem mit der Hartz-IV-Gesetzgebung, dem eindeutigen Signal, nicht nur die Löhne zu drücken, sondern Neid und Mißgunst erst recht in die Gesellschaft zu tragen, obendrein all jene abzustrafen, die aus vielerlei Gründen arbeitslos wurden.

Was dem einen Recht, ist dem anderen keineswegs billig

Gerade in Bezug der Praktika. Einerseits begrüßen viele, wenigstens einen gesicherten Mindestlohn zu erhalten, andere beklagen aber, ihnen würde dadurch das Wunschpraktikum eher entgehen, der Mindestlohn würde somit Praktika verkürzen. Unabhängig davon muß man die gängige Praxis der Praktika ohnehin stark kritisieren, wenn wir bedenken, daß die Betriebe erst nach einem Viertel Jahr einen Mindestlohn berappen müssen. Welch prima Ausbeutung. Ganz davon abgesehen, daß Firmen sich kaum vor Kontrollen fürchten müssen.

Bei der Zeitarbeit muß Andrea Nahles nunmehr zurückrudern, ihr ursprünglich angedachtes Gesetz entschärfen. Der heftig umstrittene Kriterienkatalog möglicher Mißbrauchstatbestände kommt daher nicht zur Geltung, vielmehr soll der Arbeitnehmerbegriff allgemein formuliert definiert werden, Firmen weniger dem Verdacht von Mißbrauchsvorwürfen ausgesetzt sein. Das ganze Geschachere ist ohnehin äußerst bedenklich, selbst wenn jetzt Zeitarbeiter wenigstens nach 9 Monaten denselben Lohn verdienen sollen wie das Stammpersonal in den Unternehmen.

Lotar Martin Kamm

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Menschen haben nichts mehr zu verlieren (Teil 3)

 

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Ein Drama mit offenem Ende

Ein etwas aufwendiger Umbau, was Q veranlaßt, dem Publikum Informationen zum Verlauf des Dramas zukommen zu lassen, etwas kommentiert.

Q: Zuletzt sahen Sie, verehrtes Publikum, einen Teil der Talkshow „Knüppelhart und unfair“, wobei bestimmt der ein oder andere unter Ihnen sich die Frage stellte, wieso ein solcher Titel für eine Talkshow, zumal ziemlich negativ besetzt. Ja, was meinen Sie denn, was dort draußen in Ihrer näheren Umgebung, weltweit geschieht? Na? Ja, Sie, schauen Sie nicht so pikiert! Legen Sie die rosarote Brille der sogenannten Mainstream-Medien endlich mal nicht nur kurzfristig ab, sondern begeben sich an die Brennpunkte, suchen mal eine PEGIDA-Demo auf. Ja, ja, ich weiß, einen Abendspaziergang. Werfen Sie keinen Blick als Zuschauer in den Deutschen Bundestag, ist eh alles Theater. Begeben Sie sich mal eher in eine Szenekneipe der Hells Angels oder schauen mal am Bahnhof Zoo in der Hauptstadt vorbei, des nachts um Zwei, da werden Ihnen die Ogen jeöffnet, um es mal uf Bärlinerisch zu sagen. So, nun weiter im Stück.

Der Vorhang öffnet sich. Jürgen sitzt in einem Café, neben ihm zwei Flüchtlinge.

Flüchtling I: Woher mein gutes Deutsch, wollen Sie wissen, werter Herr? Ganz einfach, einer meiner Vorfahren war gar tatsächlich Deutscher, die Menschen kamen schon rum in der Weltgeschichte. Dadurch achteten manche in meiner Familie darauf, daß Deutsch in Kursen gelernt wurde. Ich hatte das Glück, mein Vater bezahlte meine Deutschstunden über die Jahre.

Jürgen: Vorzüglich, nahezu vorbildhaft, ich gratuliere Ihnen, dann haben Sie bestimmt höhere Chancen. Und Sie?

Dabei schaut Jürgen, der Spießbürger, Flüchtling III äußerst abfällig an, schließlich zeugt dessen Kleidung nicht gerade von Reichtum, sie ist ziemlich alt und verschlissen, müffelt entsprechend.

Flüchtling III: Ich sprechen wenig Deutsch, viel lernen muß. Aber Kollege hier mir helfen, soweit möglich. Meine Heimat ist in Libyen. Seit Gaddafis Tod ich bin auf das Flucht, weil al-Qaida mich haßt, ein Neffe von mir Gärtner war bei Gaddafi.

Jürgen: Tut mir Leid, aber Gaddafi war doch ein Diktator, den unsere Jungs mithilfe den Amis bekriegt und schließlich gezielt haben umbringen lassen. War doch gut so, oder?

Flüchtling III läuft vor Zorn rot an, Flüchtling I kann ihn gerade noch zurückhalten.

Flüchtling I: Haben Sie Verständnis, nichts ist so, wie es scheint. Unter Gaddafi ging es den Menschen in Libyen sehr gut, sie hatten Arbeit, keiner mußte hungern, die Bildung war sogar besser als in Südafrika, weil dort nur die Weißen gewisse Privilegien hatten, Rassismus herrschte nicht im Ansatz im nördlichen Wüstenstaat. Nur weil der zuvor umschwärmte Gaddafi, vor allem seitens der Franzosen, sich vom US-Dollar lösen wollte, das schmutzige Spiel gewisser Konzerne nicht mehr mitspielen wollte, beseitigte die CIA ihn. Und nun? Ganz einfach, per gekauften Medien wird den Menschen im US-Westen erneut das Märchen vom bösen Diktator verkauft.

Jürgen: Ich will das nicht ganz wahrhaben, obwohl der Erich neulich, ein alter Kumpel von mir, ganz ähnliches erzählte. Er geht manchmal ins Internet, hat da so seine Kontakte.

Flüchtling III rammt Jürgen mehr spielerisch den Ellenbogen in dessen Seite, was der Deutsche völlig mißversteht, ihm eine scheuern will. Zu dumm, er erwischt die vorbeilaufende Kellnerin. Deren Tablett mit zwei vollen Kaffeetassen fällt laut scheppernd zu Boden.

Kellnerin: Passen Sie doch auf, Sie! Was fällt Ihnen ein!

Jürgen: Oh, verzeihen Sie vielmals, der Schlag galt nicht Ihnen.

Kellnerin: Na, das will ich doch hoffen. Zudem wird in unserem Café nicht geschlagen. Bezahlen Sie und verlassen uns augenblicklich.

Jürgen zahlt und geht mit gesenktem Haupt. Die beiden Flüchtlinge folgen ihm wenig später.

Der Vorhang schließt, kurzer Umbau zur sechsten Szene.

Fortsetzung folgt.

Lotar Martin Kamm

Menschen haben nichts mehr zu verlieren – Teile 1 und 2

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