
flickr.com/ caschie/ (CC BY-NC-ND 2.0)
Vergeltungsandrohungen stoppen keinen Terror
Es mag äußerst zynisch klingen, aber es stellt sich schon die Frage, wie viele Terroranschläge die Republik Türkei noch aushalten muß. Nach dem fünften großen in Folge, der erste fand im letzten Juni statt, gestern mitten in Ankara, bei dem mindestens 28 Menschen starben, 61 verletzt wurden, hinter dem die PKK als Täter vermutet wird, muß man mit weiteren rechnen.
Recep Erdoğan muß sich allerdings vorwerfen lassen, daß seine Politik alles andere als friedenssichernd wirkt. Wer dermaßen viele Fronten gleichzeitig eröffnet, darf sich am Ende nicht wundern, daß ihm die Vorgehensweise über den Kopf wächst. Der „türkische Pascha“, der ohnehin bekanntlich dem Größenwahn verfallen zu sein scheint, verkennt weiterhin den Ernst der Lage. Seine Vergeltungsandrohungen stoppen keinen Terror, dies sollte sich auch bis zum südöstlichsten NATO-Partner herumgesprochen haben.
Brandstiftung und innenpolitische Terrormaßnahmen bedeuten noch mehr Terror
Das Verhalten der Bundeskanzlerin deutet auf eine gänzlich verfehlte Politik hin, wenn sie weiterhin an Erdoğan festhält, wie sie gestern im Deutschen Bundestag bei ihrer Regierungserklärung bekundete, obwohl sie bemerkte, sie hoffe, daß der türkische Weg lohnend erscheint. Ja, wie denn nun? Entweder man weiß ob seiner politischen Ziele oder aber man hält besser an sichere Wege fest. Jenes Herumgeeiere zeigt doch nur wieder allzu deutlich, wie verunsichert Frau Merkel den Vorgaben der USA hinterherhechelt. Bekanntlich bestimmen sie das Vorgehen im Syrien-Krieg.
Wobei erneut die Rolle Erdoğans deutlich zutage tritt, der inzwischen sich als Brandstifter zum dritten Weltkrieg entpuppt, falls er nicht rechtzeitig zurückrudert. Da er gleichzeitig wieder den Kampf gegen die PKK aufnahm, der kurze Friedensprozeß von 2011 bis 2015, bei dem dennoch etliche Feindseligkeiten stattfanden, endete spätestens mit der türkischen Offensive gegen die PPK, nachdem diese der Türkei eine intensive Zusammenarbeit mit dem IS vorgeworfen hatte. Genau jene innenpolitischen Terrormaßnahmen bedeuten daher noch mehr Terror in der Türkei. Ein andauernder Kreislauf, der doch in so vielen anderen Staaten sich gleichwohl abspielte, denken wir z.B. an Nordirland.
Strategie der USA geht noch auf
Die Betonung liegt auf noch, denn inzwischen erkennen immer mehr Menschen die eigentlichen Beweggründe der destabilisierenden Politik des Hegemons, der in erster Linie seine Ressourcen gesichert wissen will, Krieg und Terror billigend in Kauf nimmt. Die altbewährte Strategie des Terrors scheint erneut aufzugehen, wie man unverkennbar im Syrien-Krieg und dessen Folgen ersehen kann.
Solange die Menschheit diese USA weiter gewähren lassen, ändert sich nichts. Lediglich Russland und auch China vermögen der aggressiven Expansionspolitik des US-Westens etwas entgegensetzen, zusammen mit ihren wenigen Verbündeten.
Lotar Martin Kamm





