Da haben wir den Salat!

flickr.com/ cyclonebill/ (CC BY-SA 2.0)

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Nunmehr sind kreative Köche gefragt

Da haben wir den Salat! Gemeint ist nicht der mit exotischen Zutaten zubereitete Salat, der gerade eben vom Ober serviert wurde. Gemeint ist, wir haben den Schlamassel, das Chaos. Von einigen verursacht, von anderen herbeigesehnt, um als Retter auftreten zu können.

Da kann einem schon der Appetit vergehen. Die von uns ausgewählten Köche haben den Salat, den wir laut Speisekarte zusammenstellen durften, aus Kostengründen, aus Mangel an den gewünschten Zutaten nach ihrer eigenen Façon zusammengestellt und ihn mit minderwertigen Gewürzen verkauft. Die Gäste haben dies schon längere Zeit vermutet, es wurde viel gemunkelt, aber nichts war richtig bewiesen. Als Eingeweihte öffentlich Bestätigungen und Beweise vorlegten, war das erste Erstaunen groß, aber es verblaßte zunehmend. Man warf ihnen narzißtisches Profilieren vor. Weiterhin wurde der Salat mit minderwertigen Zutaten zubereitet, und weil die Beweise sich nicht bestätigen ließen, wurden kurzerhand die Namen der Salate geändert, mit einer kräftigen Preiserhöhung.

Weiterhin wurde das Etablissement aufgesucht, um sich an den Salaten zu laben. Durch eine immer größere Zahl der Gäste, die teils auch nur, um sich zu präsentieren, das Lokal aufsuchten, wurde eine Reservierungsliste eingeführt. Und ab diesem Zeitpunkt sind die vermeintlichen Retter, die den Ruf des Etablissements wiederherstellen wollen, in ihrem Element.

Es ist doch immer wieder erfrischend, wenn die Wörter in direkter Aussage Klärung bringen. Erinnern wir uns, das Wort Salat stammt vom lateinischen sal, Salz ab. Salz, einst ein kostbares Gut, wurde als Ration an Soldaten und Beamte ausgegeben. Daher noch der Begriff Salär, ein hohes gutes Einkommen, Verdienst, Gehalt. Wobei natürlich nicht vergessen werden sollte, daß schon damals Salz nicht gleich Salz war, sondern als Naturprodukt verschiedene Qualitäten aufweisen konnte.

Nun haben wir den Salat! Das Chaos! Denn jetzt wird in vermeintlicher Absicht, das verwerfliche Handeln in Bezug auf die Zutaten zu stoppen, als erste wichtige Verbesserung gefordert, die Anzahl der Gäste zu verringern, weil man sich dadurch intensiver um bessere Bestandteile der Salate kümmern könnte.

Und da nun viele fürchten, selbst nicht mehr in dem Etablissement speisen zu dürfen und ihre gewünschten Zutaten keinen Eingang mehr auf die Speisekarte finden könnten, stimmen sie fleißig zu, den Gästeandrang zu stoppen. Sie übersehen dabei allerdings, daß durch eine Vielfalt der Gäste eine Vielfalt der Zutaten dies möglich macht.

Jetzt haben wir den Salat! Die Suppe ist jetzt auch versalzen!

Deshalb sind nun kreative Köche gefragt, die neue Speisen zubereiten, ansonsten werden wir alle noch lange die versalzene Suppe auslöffeln, auf lange Sicht keinen wirklich guten gemischten Salat essen zu können.

Doris Mock-Kamm

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Hass und Gewalt auf dem Vormarsch zur Meinungsdiktatur

flickr.com/ optikfluffel/ (CC BY 2.0)

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Wenn exklusiver Nationalismus den inklusiven verdrängt

Europa hat genügend Kriege erleben müssen, die gleichwohl weltweit Völker unterjochten, die politischen Strömungen in die weite Welt trugen. Eines der brutalsten Ereignisse stellt die Expansion Nord- und Südamerikas dar, weil dort Indianervölker regelrecht abgeschlachtet und viele gänzlich ausgerottet wurden.

Schlägt man Geschichtsbücher auf, stöbert in den Epochen, wird schnell deutlich, was da vor sich ging: ein ständiges Erobern unterschiedlicher Nationen, wer wohl die größte Macht erhalte, um die Menschen auszubeuten für seine Zwecke. Daraus folgernd mußte zwangsläufig ein besonders stark ausgeprägtes Nationalbewußtsein erwachsen, um das eigene Land gegen Eindringlinge zu verteidigen. Wie im Kleinen so im Großen. Familien dulden ebenso wenig, daß andere einzelne Familienmitglieder bedrängen oder ihnen Schaden zufügen, das Recht auf Selbstverteidigung greift verständlicherweise.

Doch was, wenn die Meinung des Einzelnen sich dem Nationalbewußtsein unterzuordnen hat, eine Meinungsdiktatur auf dem Vormarsch sich befindet, die einzig und allein die Werte und Ziele des Landes jedem vorschreibt? Wer sie hinterfragt oder gar anzweifelt, wird dann selektiert, an den Pranger gestellt, mundtot gemacht, verbannt oder schlicht umgebracht? Sind wir schon wieder soweit, daß Haß und Gewalt auf dem Vormarsch, die die Meinung niedermacht, sobald jene nicht gehorsamst sich einfügt in das Weltbild eines neu formierenden Nationalismus?

Was mit harmlosen Fahnenschwenken seinen Beginn haben mag, sich fortsetzt in verächtlicher Verunglimpfung bei ausbleibender Argumentation mit Phrasen, die abwertend Gutmenschentum hochhalten, um vor eigenen Verfehlungen abzulenken? Die derzeitige Politik dermaßen selbstgefälllig es versäumte, sich eben nicht gängeln zu lassen von Fremdbestimmung, denken wir an die immer noch aktuelle Besatzungsmacht der USA in Deutschland. Statt unabhängige Wege zu ersinnen, ließen die regierenden etablierten Parteien es einfach geschehen, durften Großkonzerne bevormundend sich ausweiten, sind jetzt auf allerbestem Wege, sich weltweit, so auch hierzulande, einzunisten, denken wir ans TTIP.

Doch wenn Nationalisten sich genau jener Themen widmen, die Bürger ködern wollen, in dem der inklusive Nationalismus hochgehalten wird, sollten tunlichst alle sehr wachsam hinschauen, daß nicht am Ende ein exklusiver Nationalismus erneut die Oberhand gewinnt. Dieser verdeutlichte nämlich mittels ethnischen Säuberungen im letzten Jahrhundert, wohin dessen Reise ging, siehe Hitler, Mussolini, Franco oder Tito. Wollen wir dies wirklich zulassen? Nein!

Drum kann und muß man gerade alle Kunstschaffenden aufrufen: Wehret den Anfängen. Erinnert Euch der Geschichte, sie darf sich nicht wiederholen. In diesem Kontext sei das Projekt von Sylvia Kling empfohlen: „Gegen das Vergessen“.

Lotar Martin Kamm

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Revolutionäre Wesen täuschen uns

pixabay.com

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Das Geldscheffeln hat wohl nie ein Ende,
es sei denn, man stoppt des Menschen Gier.
Doch wer wagt nun den ersten Schritt?
Mögen Beherzte einleiten die Wende,
die uns beglücken kann, weltweit, auch hier
der Politik unentschrocken entgegentritt.

Zuvor Übereifrige ihr Hab und Gut retten,
in der Hoffnung auf nicht allzu schlimmen Zeiten.
Wenn jene sich dabei nicht irren,
es folgen Chaos und Kriege. Wetten?
Sie können sich gar nicht vorbereiten,
schon erste Tumulte starten, Scheiben klirren.

Die Vorzeichen waren lange vorher absehbar,
dazu bedurfte es keinerlei Hellseherei.
Wie in allen Hochkulturen zuvor geschehen,
folgte der Zusammenbruch, das ist klar.
Selbst wenn lange her, niemand von uns war dabei,
gilt dennoch für alle: genau hinsehen!

Wieder tummeln sich revolutionäre Wesen,
um bestehende Mächte abzulösen.
Doch wehe, man läßt die Falschen ran.
Schaut genau hin, ihr solltet ihre Texte richtig lesen,
denn sie verleugnen die Guten und sind selbst die Bösen,
achtet jetzt darauf und nicht irgendwann.

Denn jene Nachfolger wiederholen dieselben Fehler
wie bereits zig mal zuvor passiert.
Laßt sie daher nicht aus den Augen,
auch nicht als mündige Wähler.
Morgen Andersdenkende werden sonst massakriert,
bloß nicht blind vertrauen, eher ihnen nichts glauben.

Lotar Martin Kamm

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Sisyphos – das sind wir im Grunde allesamt

flickr.com/ superscheeli/ (CC BY-SA 2.0)

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Wer kann dem Alltag entfliehen, der uns stets einholt?

Wir erledigen während unseres Lebens ständig wiederholende Aufgaben, es kommunizieren sich wiederholende Themen, frönen wiederholt unseren Vorlieben.

Die täglichen Aufgabenbereiche, das Geschirr spülen, waren wirklich nur wir vier heute zum Essen? Wäscheberge abtragen, Wäsche sortieren, Waschmaschine füllen, Trockner anschmeißen oder Wäsche aufhängen, Wäsche bügeln oder einfach nur zusammenlegen, in den Schränken und Schubladen versorgen. Den Garten pflegen, umgraben, neu säen, Unkraut jäten, Zweige zurückschneiden, Obst und Gemüse ernten, Obst und Gemüse säubern und verlesen, Obst und Gemüse einmachen, Rasen mähen, Mahd kompostieren, Laub rechen. Zur Arbeitsstelle fahren, ähnlich strukturierte Arbeitsabläufe erledigen, freundlich sein, auch wenn es der eigenen Empfindung widerspricht, der Kunde, Gast ist König.

Wir erklären den Kindern immer wieder gleiche Grundsätze, beim Essen nicht schmatzen, den Kopf nicht auf den Arm stützen, Hände waschen nicht vergessen, erklären geduldig die nicht verstandenen Matheaufgaben, widersetzen uns mehr recht als schlecht gegenüber dem Wunsch des Kindes, sich piercen zu lassen, versuchen auf Hinweis zu den noch anderen Mitbewohnern, Verständnis zu erringen, die Musik nicht zu laut aufzudrehen. Diskutieren mit Freunden und Partnern über scheinbar belanglose Themen, steht mir das blaue Kleid besser oder das gelbe mit rosa Blumenblüten, soll ich mir einen Bart stehen lassen, einigen uns nach längerer Debatte, den Urlaub doch lieber in Frankreich zu verbringen, um gleichzeitig den Kindern die Sprache näher zu bringen, lästern über einen als hervorragend angekündigten Film, der sich eher als einmaliges Einschlafmittel eignet, anstatt zu den Filmen zählt, die immer wieder sehenswert sind.

Hat uns mal die Leidenschaft für Fußballspiel gepackt, versuchen wir, falls wir körperlich dazu in der Lage sind, uns mit Spielern auf dem Platz zu treffen, um minutenlang dem Ball unser Geschick zu beweisen oder verpassen keine Übertragung unseres Lieblingsvereins, analysieren mit Freunden die verschiedensten Spielfehler oder bejubeln die Taktik eines Spielers. Sind wir begeisterte Stoffliebhaber, so ist vor uns kein Geschäft sicher, das Stoffe in unterschiedlichen Qualitäten anbietet, Accessoires werden zu Hause gehortet wie Knöpfe, Broschen, Bänder, Modehefte, liegen verstreut in der Wohnung, Gardinen sind selbstverständlich selbst genäht, Krawatten, Röcke, Kissen, Decken zieren nicht nur unseren Haushalt, sondern auch den ein oder anderen Beschenkten.

Wir sind Sisyphos! Wir erledigen unermüdlich mal mit großer Kraftanstrengung, mal mit spielerischer Leichtigkeit den Stein der Aufgaben auf einen Berg zu transportieren, über einen Hügel zu rollen, ihn auf einer Fläche rutschen zu lassen. Wir hadern dabei mit dem Schicksal, sind vertieft in die Aufgabe oder freuen uns über jeden kleinen Zentimeter, den der Stein seinem Ziel näherbringt.

Sisyphos, König von Korinth soll um 1400 v. Chr. gelebt und große Weisheit besessen haben. Mehrere ihm zugesprochene Taten sollen für den Totengott Thanatos den Ausschlag geliefert haben, Sisyphos als Strafe einen Felsblock auf den Gipfel eines Berges zu bringen, der ihm aber immer kurz vor dem Ziel entgleitet und Sisyphos infolgedessen immer dazu zwingt, den Felsbrocken aufs Neue zum Gipfel zu befördern.

Die Sisyphosarbeit als Qual und Strafe hat nicht nur in der Literatur Einzug gefunden, sondern auch im alltäglichen Gebrauch für Arbeiten, die trotz Anstrengungen nie zu Ende geführt werden.

Albert Camus hat in „Die Pest“ durch die beiden Schlußsätze „Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ eine neue Interpretation geprägt, die Mitte des 20. Jahrhunderts zur intensiven Auseinandersetzungen zu diesem Thema geführt haben.

Die altindische Legende von Naranath Bhranthan schildet The Madman of Naranam als jemanden, der freudig den Felsblock auf einen Gipfel bringt und ihn absichtlich nach unten rollen läßt, damit er sich an dem Schauspiel erfreuen kann.

Wie immer wir unsere Aufgabenbewältigung sehen, ob als nie endenwollende Strafe, als sinnstiftende Tätigkeit oder als kindliche Beglückung eines physikalischen Gesetzes gleich bleibt, wir sind alle Sisyphos.

Doris Mock-Kamm

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Urbane Landwirtschaft nicht nur Zukunftsvision

flickr.com/ rol@nd's_bilder/ (CC BY-NC-ND 2.0)

flickr.com/ rol@nd’s_bilder/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Vom Guerilla Gardening zur eßbaren Stadt Andernach

Bestimmte Herrschaften schauten früher gern verächtlich auf Bauern, obwohl gerade jene ihnen ein Überleben garantierten. Selbst heute meinen manche Zeitgenossen, sie hätten mit ihrem Überreichtum einen Garantieschein, sich ständig über andere hinwegzusetzen. Wenn sie sich da nicht täuschen. Inzwischen mußten etliche Familienbetriebe, Kleinbauern, den ganz Großen weichen, die Landwirtschaft paßte sich der Konzernpolitik an.

Urbane Landwirtschaft nicht nur Zukunftsvision, sondern durchaus ein ergänzender Bestandteil. Denn was als Idee durch den Landschaftsarchitekten Leberecht Migge in den 1920er Jahren zur städtischen Nahrungsproduktion entstand, setzte sich mit dem Guerilla Gardening fort bis hin zur eßbaren Stadt Andernach.

Kunstaktionen – Vorläufer zum Guerilla Gardening

Wahrhaftige Künstler müssen aufbegehren, in Frage stellen, sich eben nicht der großen Masse anpassen. Im Zusammenhang der Naturgartenbewegung und dem daraus hervorgegangenen Interesse am „wilden Grün der Städte“ in den frühen 1970er Jahren beteiligten sich unter anderem Joseph Beuys und der niederländische Öko-Pionier Louis Guillaume le Roy, hierzulande und in New York, welche durchaus als Vorläufer zum Guerilla Gardening bezeichnet werden können.

Das Guerilla Gardening selbst hatte mit dem ersten Spatenstich in London am 01. Mai 2000 seine Geburtsstunde, Globalisierungskritiker und Umweltaktivisten setzten auf einem Rasenstück des Parliament Square, nordwestlich vom Palace of Westminster ein Zeichen. Es folgte nach politischer Ambition ebenso der tiefe Wunsch als Protest gegen die Agrar-Industrie, dieser etwas entgegen zu setzen. Das Urban-Gardening war seitdem nicht mehr aufzuhalten.

Von der Entente Florale Europe zur eßbaren Stadt Andernach

Entente Florale Europe – aus dem Französischen für „Blumiges Einvernehmen“ – dieser Pflanzen- und Blumenwettbewerb wurde 1977 als fanzösisch-britische Initiative gegründet, entwickelte sich aber rasch weiter von einer rein optischen Ortsverschönerung. Es geht dabei um lebenswerte Stadtgestaltung, die Förderung biologischer Vielfalt, Bürgerbeteiligung, Wirtschafts- und Tourismusförderung.

Seit 2001 gibt es in Deutschland den Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“, wobei schon genau 40 Jahre zuvor sein Vorgänger „Unser Dorf soll schöner werden“ auf ländlicher Ebene seinen Beginn hatte, der aber inzwischen in „Unser Dorf hat Zukunft“ umbenannt wurde.

Zweimal schon konnte eines der ältesten deutschen Städte, nämlich Andernach am Rhein, in den Jahren 2010 und 2012 die Goldmedaille zusammen mit anderen beim Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ gewinnen, gilt als eßbare Stadt. Wer einen Filmbeitrag dazu sehen möchte, hier der Link der 3 Sat Mediathek.

Lotar Martin Kamm

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Gürtel: Zu eng geschnallt – läßt Gift und Galle spucken

pixabay.com

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Blinden Aktionismus abwehren

Wir benützen ihn fast täglich, vielleicht Männer etwas öfter als Frauen. Es gibt ihn in Leder, Plastik, Stoff, in schmaler oder breiter Form, mit Nieten, glatt, aufgerauht. Er kann glitzern, Schlangenhautimitat aufweisen, bunte Farben oder in sämtlichen schlichten grauen, braunen Tönen den Hosenbund zieren.

Die Schnallen sind ebenso in mannigfaltiger Auswahl erhältlich. Manchmal notwendiges Übel, weil ansonsten die Hose rutscht, Ausdruck des neuesten Modetrends und trotzdem ein alltägliches Gebrauchsutensil wie Zahn- oder Haarbürste, Kaffeetasse, Seife. Die Rede ist vom Gürtel, der die Hose, das Kleid, den Pulli entweder in Form bringt oder einfach nur Blickfang für die Bekleidung darstellt.

Gürtel uraltes Symbol für Macht, Leidenschaft, Enthaltsamkeit. Der Gürtel von gherd, flechten, winden, umzäunen, umgürten. Und wie im oben genannten Artikel erwähnt ein Zeichen von Macht und Leidenschaft. Werden Menschen eingeschränkt, bezogen auf Wohlfühlen, Freiheit, dann erklärt sich die Bedeutung des Wortes Gallenkitzler.

Der Gallenkitzler ist ein breiter, eng geschnallter Gürtel. Und genau dies ist die Situation, die wir jetzt häufig auf den Straßen antreffen. Menschen, die den Gürtel so eng schnüren, die das Gefühl haben, ihr Gürtel wurde so eng geschnürt, daß die Galle hochkommt und sie Gift und Galle spucken. Durch immer mehr Unverständnis in Bezug auf die politische Lage weltweit, widersprüchliche Aussagen von Verantwortlichen in sämtlichen für das Gemeinwohl zuständigen Gremien, machen die Menschen sich Luft, durch teilweise unkontrollierte Wut. Dabei ist das Fatale an den Unmutsbezeugungen, eine nicht differenzierende Sachlagenklärung, ein zusammengewürfeltes Protestgebilde vieler Faktoren.

Sollte es den Verantwortlichen, egal auf welchem Posten sie sitzen und welchen Berufssparten sie immer angehören mögen, wirklich nicht bewußt sein, daß Einschränkungen irgendwann Defizite auslösen? Dabei spielt es absolut keine Rolle, auf welchem Sektor diese Einschränkungen vorliegen, sei es auf materieller, geistiger, religiöser, sozialer, seelischer Ebene. Es ist kein Wunder, wenn in diesen Situationen einzelne Menschen die Gunst der Stunde nutzen, um krude Weltanschauungen zu positionieren, die Geschichtsbücher sind übersät mit Beispielen über diese Ablaufmechanismen.

Blinden Aktionismus, zuweilen auf Kosten derer, die sich nicht wehren können, stoppt man nicht, indem die Gürtel noch enger geschnürt werden, sondern in deren Lockerung. Das ist die vorderste Aufgabe aller am politischen, wirtschaftlichen, sozialen Geschehen Verantwortlichen, nur daran wird sich ablesen lassen, wohin die Fahrt der einzelnen Nationen führt.

Doris Mock-Kamm

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FAZ per James-Bond-Manier zum bayerischen Moskau-Besuch

flickr.com/ DonkeyHotey/ (CC BY 2.0)

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US-westliche Mär vom bösen russischen Bären setzt sich fort

Die Systemmedien werden ihrer Rolle gerecht, ihren Weg der Hetze ungebremst fortzusetzen, was teilweise sich als nahezu lächerliche Vorstellung entpuppt, zumal ein derartig simples Schwarz-Weiß-Denken jedweder Logik entbehrt, obendrein den Verdacht einer unabdingbaren Vasallentreue zu den USA überdeutlich gar bestätigt.

So fällt der FAZ am Karnevalssonntag nichts besseres ein, als per James-Bond-Manier zum bayerischen Moskaubesuch mit der Artikelschlagzeile aufzuwarten: „Bayerische Liebesgrüße aus Moskau“, in diesem die US-westliche Mär vom bösen russischen Bären sich ungeniert fortsetzt. Wer mag jener Propaganda noch Glauben schenken?

Ein taktischer Besuch oder wahre Gesprächsbereitschaft?

Erneut spielen die Medien mit den Bürgern, die sie eigentlich besser informieren sollten, was sich wirklich abspielt hinter verschlossenen Türen. Mit Blick zum TTIP wird dies spätestens deutlich, oder denken wir an die NSA-Affäre, an etliche andere Begebenheiten, die lieber heruntergespielt wurden, um im Sinne ihrer Auftraggeber das Volk zu blenden.

Ebenso im Fall des bayerischen Besuches gleich zweier Ministerpräsidenten in Moskau, den aktuell amtierenden und Edmund Stoiber, der mit der Transrapid-Kaberett-Rede, der gute 14 Jahre in Bayern regiert hatte. Natürlich schickt die Bundesregierung niemand ohne Absprache gen Moskau, wie Alexander Rahr, ein deutscher Osteuropa-Experte, bestätigte, die beiden Politiker sollen herausfinden, in wie weit Russland ticke, die Beziehungen zwischen beiden Ländern sich normalisieren könne. Ob und inwiefern dies tatsächlich Wirkung zeigt, bleibt mal dahingestellt, Putin bedankte sich natürlich schön artig bei Seehofer.

FAZ ganz im Fahrwasser US-amerikanischer Politik

Anders möchte und kann man gerade anhand des Artikels von Volker Zastrow das Blatt nicht deuten. Wer dermaßen viele ungeklärte Behauptungen in einen Bericht packt, um damit das Bild des bösen russischen Bären zu betonen, zeigt deutlich diese Richtung, bestätigt letztlich den fragwürdigen Widerstand zu Seehofers Moskau-Reise.

Es wird mal schnell der Ukraine-Krieg mit dem Einsatz russischer Bomberflüge in Syrien verglichen, eine Schuld hergeleitet, daß dadurch die Friedenskonferenz in Genf zerbombt würde. Gleichzeitig wird das zweite Minsker Abkommen als Glanzleistung Angela Merkels hervorgehoben, obwohl gerade der US-Westen mittels Maidan-Putsch in der Ukraine jene kriegerischen Ausbrüche provozierte. Obendrein rechtfertigt auch Zastrow die Sanktionen gegen Russland, erst recht deren Verlängerung bis zum diesjährigen Sommer, da die Ukraine die Kontrolle über seine Grenzen erlangen solle. Daß dies nicht umsetzbar ist, weil die Junta in Kiew ihren faschistoiden Kurs fortsetzt, davon keine Rede.

Letztlich schließt Zastrows Artikel mit der Bemerkung, wie unwichtig doch Bayern sei. Klar doch, Bayern ist nicht der Nabel der Welt, doch die US-Politik und ihre Verbündeten schon gleich gar nicht, vielmehr sollten diese ihre aggressive Haltung mal besser überdenken, bevor es zu spät ist.

Lotar Martin Kamm

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