Wenn die Stimme des Patriotismus das Wort erhält

flickr.com/ SeRGioSVoX/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Erneut Zulauf für rechte Kräfte im Deckmantel falscher Versprechungen

Patriotismus heute wieder als Schlagwort für Vaterlandsliebe in vieler Munde und doch oft in seiner Auslegung den falschen Werten gleichgesetzt. Der Ursprung des Wortes entstammt dem altgriechischen patrióte und war die Bezeichnung für Nichtgriechen, die aber trotzdem eine gemeinsame Abstammung (patér, Vater) hatten.

Während der Reformationskriege benannten sich die französischen Hugenotten als „bon patriote“. Die eigentliche Verbreitung des Begriffes erfolgte in der Zeit des Achtzigjährigen Krieges, Verbündete und Anhänger von Wilhelm von Oranien bezeichneten sich als „goete patriotten“. Die weiteren geschichtlichen Wege, die das Wort Patriotismus bis zum heutigen Tag durchläuft mit unterschiedlichen Charakteristiken, sind in Lexika, Büchern, oder zeitgemäßer im Internet zu finden.

Bleiben wir beim Ursprung des Begriffes. Jedem sollte inzwischen bekannt sein, daß der Mensch, biologisch gesehen, aus zwei sich vereinigenden Personen, Mann und Frau, gezeugt wird. Faktisch gibt es die reine Vaterlandsliebe also nicht, denn es ist begrifflich falsch. Da aber über lange Zeitspannen bis ins Heute das sogenannte Patriarchat die weitestgehenden Regelungen zum Gemeinwesen ausüben, ist der Aspekt der Mutter untergeordnet oder unbedeutend.

Wenn wir ein Zuhause, Heimat, Gebiet, Land lieben, dann lieben wir es, weil dort unsere „Wiege stand“. Es ist, vorausgesetzt die Verhältnisse in der Familie sind nicht zerrissen, der Ort, an den man sich sehnt, weil Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde dort verweilen. Ergo ist es nicht nur das Vaterland, sondern auch das Mutterland, Elternland, Familienland. Dieses Heim prägt uns nicht nur genetisch nach dem Vater, vielmehr ebenso nach der Mutter, und läßt es die Familienstruktur zu, werden wir in allen Facetten des menschlichen, kulturellen, wissenschaftlichen, religiösen Daseins geprägt.

Patriotismus

[franz.: Vaterlandsliebe] P. bezeichnet eine besondere Wertschätzung der Traditionen, der kulturellen und historischen Werte und Leistungen des eigenen Volkes. In einem negativen Sinne kann P. zu nationaler Arroganz, Chauvinismus und übersteigertem Nationalismus führen (Hurra-P.). Im positiven, zeitgemäßen Sinne kann P. als Bekenntnis zu den demokratischen Grundlagen der Gesellschaft und zur Verteidigung der Grund- und Menschenrechte (Verfassungs-P.) verstanden werden. (Aus bpb, Bundeszentrale für politische Bildung)

Patriotismus bedeutet, mit seinem Land in guten wie in schlechten Tagen Krisen zu bewältigen, die unterschiedlichen Meinungen zu respektieren und gemeinsam vor Ort durch die Reflektionen neue Wege zu beschreiten. Er bedeutet nicht Ausgrenzung Andersdenkender. Es ist falsch, mit der Stimme des Patriotismus zu sprechen. Vielmehr gilt es, den Stimmen der Menschen, die neue, vielleicht utopische Visionen für eine werterfüllte Gesellschaft formulieren, zuzuhören.

Populistische Aussagen über rechts, links, Mitte sind Fallstricke von Bauernfängern, durch die wir Gefahr laufen, in nationalstaatliche Kleinkrämerei zu versinken, sie hemmen offene Diskussionen und einen gemeinschaftlichen Austausch. Oder sind wir wirklich in einer Zeit angekommen, in der Menschen, die rein äußerlich nicht dem „Volk“ zugeordnet werden können, Gefahr laufen, als andere diffamiert und angepöbelt zu werden?

Vergessen wir nicht, Patrioten sind dem Ursprung nach nicht das Volk. Sie waren die Fremden, die Eingeheirateten.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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USA: Wintersturm „Jonas“ bedroht ein Viertel aller US-Bürger

flickr.com/ Dan Nguyen @ New York City/ (CC BY-NC 2.0)

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Nur ein katastrophal sich wiederholendes Ereignis?

Um zugleich die Frage zu beantworten: Man muß davon ausgehen, zumal in den USA nicht der erste Blizzard mit derartiger Heftigkeit tobte, vielmehr durchaus manchmal so extrem sich verhielt, etliche Todesopfer in der Vergangenheit forderte.

So auch mit dem Wintersturm „Jonas“, der ein Viertel aller US-Bürger bedroht, bisherig 29 Tote laut The New York Times zu beklagen sind, Tausende Flüge ausfielen, in New York an die 68 cm Neuschnee fiel, die Washington Post in Anlehnung an Gozilla den Wintersturm kurzerhand als „Snowzilla“ taufte. Schon tauchen die ersten Bedenken auf, ob es sich nur um ein katastrophal wiederholendes Ereignis handelt.

Klimawandel und Wetterextreme ohne wirklichen Zusammenhang

Aber aufgepaßt, daß vor lauter Hysterie und Panikmache hier keine Begrifflichkeiten in falschen Kontext gesetzt werden. Der allseits betonte Klimawandel steht eben nicht mit Wetterextremen in direktem Verhältnis. Dabei sollte man bedenken, daß extreme Wettergeschehnisse sich in ungünstigen Fällen in einigen Wochen abspielen, während der Klimawandel in Jahrzehnten bis hin in Jahrhunderten meßbar wird. Ob ausschließlich durch den Menschen verursacht, bleibt mal dahingestellt. Sicherlich hat das Industriezeitalter bestimmte Einflüße auf unser Klima, aber exakte kausale Zusammenhänge können noch nicht zugeordnet werden, zu viele andere Faktoren schwingen da mit.

Unabhängig davon dürfen wir trotzdem feststellen, daß etliche Wetterextreme in den letzten Jahren in Europa Sorgen bereiten, die ziemlich milden Winter, sehr trockene Sommer, letztes Jahr fand auch hierzulande eine hohe Trockenheit statt. Das alles mag aus der Sicht der US-Amerikaner ein „Witz sein“, weil diese ohnehin in ihrem großen Land etlichen harten Wetterextremen alljährlich ausgesetzt sind, denken wir an die Tornado-Saison, die im Winter im Südosten der USA stattfindet, ansonsten zwischen März und Mai eher im Mittleren Westen tobt, schließlich im Laufe des Sommers gen Norden driftet. Wohl eher ganzjährig in den Central Plains, jene Bundesstaaten, die zwischen den Flüssen Arkansas und Platte liegen.

Bisher die USA stets extremen Wetterlagen ausgeliefert – und morgen?

Die Indianderstämme hatten Jahrtausende zuvor sich darauf eingerichtet, zogen keinesfalls zufällig ähnlich wie Nomaden immer wieder weiter, wußten nur zu genau ob der lebensbedrohlichen Wetterlagen. Das hielt die Eroberer nicht davon ab, dennoch die USA zu besiedeln und dem Wetter stets zu trotzen, viele Opfer alljährlich in Kauf zu nehmen. Keine Eigenart der Amis, vielmehr zunächst typisch für die Menschen selbst, denken wir an das Zusammenleben mit Vulkanen oder anderen gefährlichen Naturkatastrophen in der Welt.

Andererseits setzt das Wetter uns dennoch ganz natürliche Grenzen, bestimmt über unser Schicksal, wenn ganze Ernten betroffen, Dürre oder Wassermassen, Stürme oder eben Wintereinbrüche uns direkt schädigen, Bäume entwurzeln, alles mitreißen, was nicht niet- und nagelfest. Bessere Wettervorhersagen, mehr Schutz durch entsprechende Baumaßnahmen können hilfreich Menschenleben schützen. Aber den Preis für unser maßloses Verhalten, den zahlen weiterhin etliche, vor allem diejenigen, die ungeschützt dem Wetter ausgesetzt, überrascht werden.

Der „schlafende Prophet“, Edgar Cayce, warnte davor, daß im Westen der USA die Erde aufbricht, große Teile der Ostküste nebst New York von den Meeresfluten weggeschwemmt werden. Roland Emmerichs „The Day After Tommorrow” keineswegs nur eine Fiktion, zumal selbst die Hopi-Indianer Cayces Vorhersagen zuvor bestätigten.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Keine Spinnerei mit diesem Fitzelchen

flickr.com/ franziskas garten/ (CC BY-NC 2.0)

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Das Zünglein an der Waage

Manchmal fehlt ein Fitzelchen, um die Waage aus dem Gleichgewicht zu bringen. Beim Backen, Kochen, Einmachen ist es mitunter nicht sehr tragisch, wenn die Mengenangabe nicht hundertprozentig eingehalten wird. Allerdings kann es zu katastrophalen Folgen im medizinischen, chemischen Bereich führen, wenn mit einem Fitzelchen zu viel oder zu wenig dosiert wurde.

Sie wissen nicht mehr, was Fitzelchen bedeutet? Oder denken, es handle sich um ein winzig kleines Stück Papier? Der Ursprung kommt aus der Spinnerei, als noch in so manchem Haus ein Spinnrad oder und ein Webstuhl stand, um entweder als genereller Lebensunterhalt die Familie zu versorgen oder um für den Eigenbedarf die Wolle zu spinnen und zu weben. Fitze sind Garnfäden, die sich unentwirrbar ineinander verdreht haben. Fitzelchen ist ergo das letzte Stückchen, das übrig geblieben ist. Heutzutage ist das Wort fast aus unserem Sprachgebrauch verschwunden, in den Dialekten wird es aber immer noch gesprochen.

Auch wenn das Fitzelchen nicht mehr so häufig als Wort in Gebrauch ist, so ist dennoch das Fitzelchen immer mal wieder nicht da. Bei dem einen fehlt die Farbe, um das letzte Fitzelchen Wand damit zu bestreichen, dem anderen fehlt ein Fitzelchen Pfeffer in der Soße. Manchmal ist das Fitzelchen auch der letzte Funke, der überspringt, und Menschen geraten in Streit. Zurzeit scheint das letzte Fitzelchen überall gleichzeitig zu sein. Auf sämtlichen politischen, wirtschaftlichen, sozialen, religiösen Bereichen ist von dem Fitzelchen noch ein längeres Stück übrig, aber lange kann mit diesem Faden nicht mehr gesponnen werden, geschweige denn gewebt. Das Stück Stoff, das auf diesen Gebieten gewebt wurde, ist an manchen Stellen durchgewetzt, zerrissen, fleckig und porös.

Neue Strukturen, Modelle in humanen, ökologischen, ökonomischen, kulturellen Denkmustern weben an der Gestaltung in oben genannten Bereichen und haben inzwischen genügend Material für eine neue Form des gesellschaftlichen Miteinanders. Wohin schlußendlich diese neue Webart führen kann, wo und wie sie zustandekommt, wird davon abhängig sein, mit wie viel Vernunft und hoffentlich daraus resultierender friedlicher Kraft die Menschen bereit sind, eine andere Gemeinschaftsform zu tragen.

Bleiben wir wunderfitzig (neugierig), das Zünglein an der Waage, damit die Ausgewogenheit nicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Ihre

Doris Mock-Kamm

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Islam: Fanatismus oder Weltreligion – ein Interview mit Yavuz Özoguz

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Politik und Religion untrennbar verknüpft?

Seit dem 11. September 2001 ticken die Uhren in der Weltpolitik gänzlich anders, weil mit diesem äußerst fragwürdigen größten Terroranschlag gegen die USA eine Lawine losgetreten wurde, die bis heute für sehr viel Unmut, weiteren Terror und Kriege sorgte. Ausgerechnet die Vereinigten Staaten von Amerika, ohnehin schon viel zu eindeutig sich als Weltpolizist aufspielend, nutzen jenen Anschlag, um der Welt aufzuzeigen, nach wessen Pfeife sie zu tanzen habe.

Besonders die islamische Welt steht seitdem in Generalverdacht, etliche Muslime haben Schikanen über sich ergehen zu lassen, gleichzeitig nutzen Terrornetzwerke die Gunst der Stunde, organisieren Taten voller Haß, morden in Selbstmordattentaten im Namen Allahs. Natürlich widerspricht das dem Koran, der Religion des Islam, in der ebenso der Grundsatz gilt: Du sollst nicht töten.

Jüngst erreichte auch Querdenkende die „Delmenhorster Stimme für Frieden“, in der „Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen Syrien“ gefordert wird, die am 09. Dezember des letzten Jahres von Yavuz Özoguz per Einschreiben an den Generalbundesanwalt, Herrn Dr. Peter Frank, gesendet wurde. Dennoch können sich Aufgerufene an der Unterschriftenkampagne beteiligen. Natürlich unterzeichneten auch wir.

Bei dieser Gelegenheit ergibt sich die Möglichkeit, dieses Interview mit dem Verfahrensingenieur und Autoren Yavuz Özoguz zu führen.

Lotar Martin Kamm: Nach kurzer Anfrage meinerseits freuen wir uns jetzt, daß Sie sich den Fragen stellen möchten. Herzlichst willkommen bei Querdenkende. Wer ein wenig im Netz recherchiert, wird bemerken, wer Sie sind. Sie gründeten 1999 die Website „Muslim Markt“, wobei zugleich der Verfassungsschutz sich fünf Jahre später aufgefordert fühlte, diese zu beobachten. Was sagen Sie zu den Verdächtigungen und den Werdegang Ihrer Seite?

Yavuz Özoguz: Man muss bei allen Vorwürfen gegen uns nicht lange um den heißen Brei herumreden. Es geht weder um unseren „Islamismus“, denn schließlich rufe ich seit meiner Jugend zum Einhalten der hiesigen Gesetze auf, noch geht es um unsere Liebe zum iranischen Revolutionsoberhaupt Imam Chamene’i (zuvor Imam Chomeini), der für uns Schiiten eine vergleichbare Position hat wie der Papst für Katholiken. Es geht nur, und nur um einen einzigen Aspekt, und der ist unsere Einstellung zu Israel: Was hat man in den Anfangsjahren des Muslim-Markt nicht alles versucht, um unseren Teilbereich “Palästina-Spezial“ zu schließen. Vieles wurde versucht, um uns mundtot zu machen. Uns wurden Angebote gemacht, um die Unter-Seite zu schließen, mit dem Hinweis, dass wir dann sogar Fördergelder bekommen könnten. Wir sind überzogen worden mit Ermittlungsverfahren, und bis 2009 stand ich auch im Verfassungsschutzbericht des Landes und Bundes als „Antizionist“. Damals habe ich damit angegeben, der einzige amtlich anerkannte Antizionist Deutschlands zu sein. Neuerdings versucht man, dem Volk einzureden, dass Antizionismus so etwas wie Antisemitismus sei. Hauptsächlich wegen jener Seiten waren wir überall die “extremistischen Fundamentalisten“. Doch was war so gefährlich daran?

Das Gefährliche war, dass wir keine Antisemiten sind! Schon immer haben wir uns gegen Antisemitismus engagiert. Doch für uns ist Israel ein koloniales Projekt, das in einen Apartheidsstaat mündete, und es wird so lange keinen Frieden in der Region geben, so lange es diesen Apartheidsstaat in seiner heutigen Form gibt, vergleichbar dem ehemaligen rassistischen Südafrika. Während man andere, die so etwas behaupten, mit der Antisemitismuskeule mundtot machen konnte, war das bei uns nicht möglich. Mein Großvater hatte jüdische Geschäftspartner und mein Herkunftsland die Türkei hat geflohene Juden aufgenommen. Wir treten stets für ein Palästina ein, in dem Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt leben können und in dem die Werte, die im Grundgesetz Artikel 3 stehen, umgesetzt werden. Ich wundere mich über Politiker, die ihr eigenes Grundgesetz mit Füßen treten, nur um den Apartheidsstaat Israel zu schützen. Es würde den Rahmen eines solchen Interviews sprengen, auf alle Details diesbezüglich einzugehen. Mein Bruder und meine Wenigkeit haben das Buch „Wir sind (keine) „fundamentalistische Islamisten“ in Deutschland“ über unsere Erfahrungen geschrieben, das derzeit komplett ins Internet gebracht wird und von jedem gelesen werden kann.

Jedenfalls waren wir selbst überrascht über den großen Zuspruch, welchen die Aktion DelFrieden bewirkt hat. Denn immerhin mussten so viele Menschen ihren Namen und Anschrift einem Menschen wie mir zukommen lassen und haben das getan. Das zeigt auch, dass die etablierten Medien und diese einseitige Hetze gegen Friedensaktivisten schon lange nicht mehr in dem Maß wirken, wie es die Macher solcher Medien sich wünschen würden.

Lotar Martin Kamm: Als Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam, die entsprechende Seite kann hier eingesehen werden, tragen Sie natürlich eine hohe Verantwortung, insbesondere, was den Islam selbst als Weltreligion anbelangt, dessen Zusammenleben- und wirken mit anderen Glaubensrichtungen. Weltweit gibt es überall Berührungspunkte, aber leider auch etliche Spannungen bis hin zu Gewalttaten. Was sagen Sie über die zunehmend aggressiven Vorkommnisse hierzulande, über die Gründung einer PEGIDA? Hilfeschreie oder geschürte Angstmache bis hin zu bewußten Feindseligkeiten?

Yavuz Özoguz: Wir leben in einer Zeit, in der immer deutlicher wird, dass 62 Menschen so viel Vermögen besitzen wie 3,6 Milliarden Menschen! Nie zuvor gab es so viel Armut und Hunger in der Welt, nie so viele Hungertote und Menschen, die kein sauberes Trinkwasser haben. Nie zuvor wurden so viele Waffen verkauft. Nie zuvor hat das Weltfinanzsystem solch ein räuberisches Schneeballsystem aufgebaut wie heute. Aber wie bei jedem Schneeballsystem bricht es am Ende zusammen. In dieser Phase befinden wir uns. Wenn jetzt die Menschheit sich Gedanken darüber macht, wie es zu solchen Verwerfungen kommen konnte, könnte sie die Schuldigen finden und ein alternatives menschliches System versuchen zu etablieren. Schließlich leben wir selbst im reichen Deutschland in einem System, in dem die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Doch es gibt immer noch Denkblockaden, solch ein System als verbrecherisch anzusehen. Das Problem ist, dass besagte 62 nicht freiwillig bereit sind, auch nur die Hälfte ihres Vermögens abzugeben, was reichen würde, den Rest der Menschheit in Wohlstand zu wiegen. Die 62 wären immer noch die Reichsten, aber es sind Nimmersatte, die ihre Menschlichkeit verloren haben.

Sie wissen, dass 62 gegen 3,6 Milliarden nur dann eine Chance haben, wenn sie einerseits einen Teil der restlichen Menschheit auf ihre Seite ziehen, sie also kaufen, und zum anderen die Menschheit gegeneinander jagen. Muslime gegen Juden, Juden gegen Christen, Christen gegen Muslime, Atheisten gegen Gläubige, Frauen gegen Männer und umgekehrt, Jung gegen Alt, Einheimische gegen Migranten, Eingebürgerte gegen Flüchtlinge usw. Würden wir zusammenhalten, hätten die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte keine Chance. Bei PEGIDA muss man meiner Ansicht nach unterscheiden zwischen den wenigen Machern, Köpfen und Hintermännern auf der einen Seite und den vielen Mitläufern. Die Köpfe sind die gekauften Täter auf Seiten der Superreichen und Mächtigen – wissentlich und unwissentlich. Bei den Mitläufern handelt es sich um Menschen, deren teils gute Absichten und vor allem Sorgen einfach im Sinn von „teile und herrsche“ ausgenutzt werden. Sie sind selbst Opfer, merken aber nicht, dass sie nicht gegen die Täter, sondern gegen andere Opfer aufgehetzt werden. Judentum, Christentum, Islam, Atheismus und alle andere Glaubensrichtungen können auf Basis von Menschlichkeit ein friedliches und gerechtes System aufbauen und leben. Jenes müsste aber so aufgebaut sein, dass das Kapital nicht mehr das Leben bestimmt, sondern das Volk: Stichwort Graswurzeldemokratie.

Lotar Martin Kamm: Die unverkennbare Dominanz der US-israelitischen Allianz und deren Bündnispartner im Nahen und Mittleren Osten verdeutlichen die Reibungspunkte, die vielen Auseinandersetzungen bis hin zum Syrienkrieg, der schon seit über vier Jahren die Menschen belastet, eben zu Flüchtlingsströmen gen Europa führte. Die BRD in der Rolle des US-Vasallen plötzlich mitmischen will, ein gefährliches Signal, ein Abwenden von Russland ohnehin den dritten Weltkrieg wahrscheinlicher macht, auch im Hinblick zum Ukraine-Krieg? Wie stehen Sie dazu, unabhängig von Ihrer Unterschriften-Aktion?

Yavuz Özoguz: Es gibt, wie ich bereits habe anklingen lassen, mächtige Kreise dieser Erde, die den dritten Weltkrieg benötigen, weil ihr Schneeballsystem gerade zusammenbricht. Danach können sie das Ganze neu starten, wie sie es ja schon einmal gemacht haben. Kleine Leute wie meine Wenigkeit können nicht die ganze Welt ändern. Aber als Deutscher sehe ich meine Aufgabe und Verpflichtung in Deutschland und für Deutschland, und ich setze mich dafür ein, dass Deutschland nicht noch einmal bei einem völkerrechtswidrigen Krieg beteiligt ist, und am Ende niemand schuldig sein will oder alle es nicht gewusst haben wollen. Ich bewundere den Mut der Weißen Rose, und in einem erheblich ungefährlicheren Rahmen versuchen auch wir, unsere Mitmenschen zu informieren, dass Deutschland nicht zum Kanonenfutter angelsächsischer Herrenmenschenphantasien und Imperialgelüste wird, weder militärisch noch wirtschaftlich.

Lotar Martin Kamm: Ihre jüngere Schwester, Aydan Özoğuz, arbeitet bekanntlich als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, womit man zunächst keine Spannungen vermuten würde, weil dies ja im Interesse aller sein müßte. Aber die Entscheidung zum Syrien-Einsatz der Bundeswehr wohl eher doch, oder?

Yavuz Özoguz: Ich sehe die Dinge in einem religiösen Rahmen. Freunde kann man sich aussuchen, die Eltern und Geschwister nicht, die sind einem von Gott anvertraut. Genau in diesem Rahmen behandeln wir einander mit dem entsprechenden geschwisterlichen Respekt, was aber nicht heißt, dass wir in politischen Fragen zu einer Annäherung finden können. Ich habe aber gehört, dass es auch viel berühmtere Geschwisterpaare in Deutschland gegeben haben soll, die in unterschiedlichen Parteien waren.

Lotar Martin Kamm: Würden Sie denn nicht die SPD wählen?

Yavuz Özoguz: In Deutschland haben wir Wahlgeheimnis. Aber es ist kein Geheimnis, dass ich bei derzeitigen Bundestagswahlen die Linke wählen würde, weil sie die einzige ernstzunehmende Partei ist, die das verbrecherische Weltfinanzsystem anprangert und gegen Kriegseinsätze ist. Als Muslim kann ich mich mit den Moralvorstellungen, der Familienpolitik und der spirituellen Armut der Linken zwar nicht anfreunden, aber es ist für mich das geringere Übel, sie zu wählen, denn Moralvorstellungen, eine gesunde Familie und spiritueller Reichtum können besser in einem Umfeld von Frieden und Gerechtigkeit aufgebaut werden.

Lotar Martin Kamm: In allen Familien läuft nicht immer alles reibungslos. Genauso verhält es sich erst recht bei den großen Weltreligionen. Im Islam gibt es etliche Strömungen, somit Auslegungen des Koran, des Glaubens, denken wir an die Ahmadiyya, die Schia, die Sufiten, die Sunniten oder die Wahhabiten, wobei noch etliche andere Formen vorhanden sind. Viele sind verfeindet, obwohl ihr Gott Allah die treibende Kraft sein sollte. Wie stehen Sie dazu, eine natürlich menschliche Entwicklung, mit der wir heute dennoch friedlich zusammenleben sollten?

Yavuz Özoguz: Der Islam ist die einzige verbliebene Kraft im globalen Maßstab, die dem angelsächsischen räuberischen Finanzkapitalismus noch die Stirn bieten kann. Dafür stehen nicht nur Milliarden von Muslimen, sondern auch ein Wirtschaftssystem, dass sowohl Zinsen als auch das „Generieren“ von Kapital aus dem Nichts verbietet: Stichwort Eigenkapitalquote der Banken. Im Islam darf jeder nur mit dem Geld bzw. Schuldscheinen handeln, die er hat und nicht mehr. Daher war es schon immer das Ziel des USraelischen Systems im Verbund mit England, dessen koloniale Nachfolge sie angetreten sind, den Islam zu spalten. Der Wahabismus ist z.B. eine reine britische Erfindung, um das damalige Osmanische Reich zu zerstören. Die einstmals bewährten Methoden greifen heute noch. Im USlamischen Staat, der hier „Islamischer Staat“ genannt wird, wird jeder Schiit zum Nichtmuslim erklärt. Und aus England senden gleich 20 (!!) von Briten finanzierte möchtegernschiitische Sender, die Sunniten zu Nichtmuslimen erklären.

Gleichzeitig schreibt das Revolutionsoberhaupt der Islamischen Revolution im Iran, Imam Chamene’i, zwei Briefe an die Jugend in der Westlichen Welt, in der er verdeutlicht, dass die Fronten in der Welt nicht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen verlaufen, sondern zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Die gleichen Medien, die mit 20 Sendern die Muslime beschallen, verbreiten kaum ein Wort dieser beiden Briefe. Und israelische Politiker sagen offen, dass für sie der Iran gefährlicher sei als IS. Jedes Aufstoßen des IS-Chefs wird in sämtliche Sprachen der Welt übersetzt und in den Nachrichtensendungen verbreitet, bevor es ihm richtig hochgekommen ist. Aber gleich zwei historische Briefe des schiitischen Oberhauptes an die Jugend im Westen werden verheimlicht. Leute wie meine Wenigkeit versuchen, dagegen den Brief doch zu verbreiten. Dafür muss mich der Verfassungsschutz beobachten. Doch wer die Dinge verstehen will, kann es heutzutage auch.

Lotar Martin Kamm: Am Schluß des Interviews möchten wir Ihnen noch die Möglichkeit einräumen, ergänzende Bemerkungen uns mitzuteilen. Was haben Sie noch auf dem Herzen, besonders was die politische Entwicklung anbelangt?

Yavuz Özoguz: Wir können in den letzten Jahren beobachten, dass sämtliche frühere Regeln des friedlichen Zusammenlebens außer Kraft gesetzt werden. Das Völkerrecht ist zu einer Farce verkommen, das Internationale Recht wird von den USA als Witz betrachtet, Israel denkt überhaupt nicht daran, die Besatzung zu vermindern, das Finanzsystem ist aus allen Fugen geraten, und Flüchtlingswellen ohnegleichen werden über die ganze Welt gescheucht. Wer diese Dinge wirklich ändern will, der muss an die wahren Ursachen herantreten, selbst wenn es schmerzhaft für ihn ist, und selbst wenn er dafür Schwierigkeiten bekommt. Die wahre Ursache ist die ungerechte Verteilung des Reichtums dieser Erde, mit der wir alle in Wohlstand leben könnten!

Daher appelliere ich an alle Leser, sich nicht auf Scheinschlachtfelder führen zu lassen, sondern dass wir alle gemeinsam versuchen, eine gerechtere Welt aufzubauen. Das ist aber nur dann möglich, wenn wir einerseits nur friedfertige und erlaubte Mittel einsetzen (der Zweck heiligt eben nicht die Mittel!) und andererseits bei uns selbst anfangen. Eine gerechte Welt beginnt auch bei unserem Kaufverhalten, bei unserem Lebensstil und bei unserem Einsatz für unsere Heimat. Die Aktion DelFrieden, die uns zu diesem Interview geführt hat, ist ein kleiner Tropfen. Aber er ist kein Tropfen auf den heißen Stein, der verdampft, sondern er ist einer von vielen Tropfen, die alle zusammen den noch so heißen Stein abkühlen lassen können.

In diesem Sinn bin ich dankbar für dieses Interview und wünsche Ihren Lesern viel Erfolg bei Ihrem Einsatz für Frieden und Freiheit in Gerechtigkeit. Die Kraftquelle für solch einen Einsatz ist die Liebe, für die wir alle erschaffen worden sind, wovon ich als Muslim fest überzeugt bin. Denn nach islamischer Lehre ist selbst derjenige ein Träger Geist Gottes im Herzen, der glaubt, nicht an Gott zu glauben. In diesem Sinn wünsche ich uns allen, dass jenes Licht der Liebe in unseren Herzen durchscheinen möge.

Lotar Martin Kamm: Ich danke Ihnen herzlichst im Namen des gesamten Teams für dieses Interview und wünsche Ihnen noch alles Gute für Ihre Projekte.

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Ich bin ein Fisch

flickr.com/ Missud/ (CC BY-NC-ND 2.0)

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Ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
ich bin ein Fisch,
immer schon ein gejagtes
und jagendes Wesen.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
aber wir fressen nicht nur Plankton,
sondern auch uns verwandte Spezies.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
im Laufe der Zeit haben wir gelernt,
uns gegenseitig auszutricksen.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen,
und keiner von uns zweifelt an diesem System.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
mit Gefühlen und Respekt vor dem
Mut und dem Wissen anderer.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
in diesen Zeiten zweifle ich öfters
an den Jagdmanieren unserer Mitgeschöpfe.

Denn es ist doch so,
ich bin ein Fisch,
du glaubst es nicht,
sie jagen uns mit unfairen Methoden
und kennen weder Maß noch Achtung.

Doch ich bin ein Fisch,
ob du es glaubst oder nicht.

Nafia

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Im Strudel der Macht es vielerorts kracht

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Satirischer Rückblick…

Leichter kommentiert als getan, da muß erst mal eine Portion Mut ran, um die Lebensgeister in die notwendige Richtung zu lenken. Viele haben dennoch Bedenken. Aber Angst darf keinesfalls unseren Lebenswandel diktieren, wer nicht kämpft, wird am Ende sonst alles verlieren. Doch du fragst dich dennoch, hört keiner die Schreie bei Tag und bei Nacht? Im Strudel der Macht es vielerorts kracht!

Mit Blick zu den aufgehobenen Iran-Sanktionen möcht mancher sich freuen. Nur der Ami wird tatsächlich niemand schonen, es muß sich stets lohnen, keine Kosten und Mühen scheuen, um neue Wege der Zwietracht zu säen. Genau das soll unbedingt geschehen. Der gepackte Koffer, den wir in uns tragen, wirft auf jede Menge Fragen. Mensch kann nicht einfach seine Ängste wegstecken, mit all dem ewig weltweiten Verrecken.

Das geschieht oft in scheinbar kleinen Dingen, die uns kaum mehr wirklich richtig gelingen. Denken wir daran, wieso die Lebensmittelindustrie auf der Anklagebank, nicht zufällig irgendwann, sondern weil durch sie zu viele werden krank. Schon beflügeln einige gewiße Illusionen, treffen gar den Engel Luzifer. Ist’s schon so weit her? Oder brauchen wir zum Ausgleich für die Seelenruh herzhaftes Lachen mit „Dick und Doof“, eine Art notwendigen Hilferuf?

Wer meint, vor dem Gesetz seien alle gleich, der wurde im Fall Hoeneß eines Besseren belehrt. Das gilt nicht für die, die reich, da läuft in dieser Welt nach wie vor wohl einiges verkehrt. Immer schön in Verbindung bleiben, oder soll man sagen: Please hold the line? In jenem merkwüdigen Reigen bloß nicht verzagen, Mensch bedenke: Du bist nicht allein.

Parteiausgrenzung wie im Fall der AfD, dies geschah jüngst per SWR-Entscheidung, tut deren Kritikern keinesfalls weh, setzt ein falsches Signal so kurz vor der Wahl. Gefährliche Richtung, weil Ausgrenzung vermehrt zu Rechtspopulismus führt, letztlich das Wesen der Demokratie verliert. Seife nicht nur täglicher Gebrauch der Körperpflege, ihre reinigende Wirkung verdeutlicht auch andere Wege, wer denn mal den Sinn des Lebens versteht, besser Liebe statt Haß sät.

Vor dir zieh ich meinen Hut, möcht der ein oder andere sagen. Klingt gut, wenn da nicht wären ungeklärte Fragen. Gerade im Alltag zeigt sich manch dramatisch politisches Versagen.

Hierzulande sind Notärzte faktisch nicht wirklich vorhanden. Dabei kommen Menschenleben abhanden. Sirenen mögen in sofern kaum Abhilfe schaffen. Auftrag an Politik lautet: handeln, nicht gaffen.

Auf politischer Weltenbühne läutet Großbritannien eine neue Putin-Bashing-Runde ein, nicht einfach so zum Schein, viel mehr ganz offen im Sinn der USA, die werden weiterhin hoffen, daß mehr Kriege toben, auch in diesem Jahr.

Ihr

Lotar Martin Kamm

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Sirenengeheul oder -gesang – was beflügelte diese Mythenwesen?

flickr.com/ sofi01/ (CC BY-NC 2.0)

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Charles Cagniard de la Tour etwa ein Frauenrechtler?

Falls Sie es noch nicht wußten, aber ahnten, die akustische Sirene hat tatsächlich ihren Namen von den mythologischen Sirenen. Charles Cagniard de la Tour hat 1819 eine akustische Warnmeldung erfunden und ihr den Namen Sirene gegeben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Aber bleiben wir erst noch bei den Sirenen, die Sie, wenn Sie in einem städtischen Gebiet wohnen, täglich oder zumindest öfters hören als Menschen, die ihr zuhause in ländlichen Gebieten haben. Denken Sie an die Sirenen der Polizei-, Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge.

Bei den Sirenen allgemein gibt es drei Unterscheidungen, mechanische, pneumatische und elektronische Sirenen. Alle Sirenen dienen dem Zweck, durch ihre Töne in einem größeren Gebiet auf eine Gefahrenlage aufmerksam zu machen. Allerdings wurden und werden sie auch in Großbetrieben eingesetzt, um Arbeitsbeginn, Pause, Arbeitsende zu markieren. Auch zur Diebstahlsicherung an Häusern und in Autos sind sie zu finden. Am markantesten bleiben wohl die Töne, die durch die Feuersirene ausgelöst werden. Wer wie oben erwähnt im ländlichen Raum lebt, weiß, daß in gewißen Abständen in der Regel an Samstagen 12 Uhr ein Sirenenton zur Überprüfung der Anlage über das Dorf schallt.

Die genauen Hintergründe oder vielleicht doch Hintergedanken, die Charles Cagniard de la Tour veranlaßt haben mag, seine lärmproduzierende Maschine nach den Sirenen aus der griechischen Mythologie zu benennen, werden wohl sein Geheimnis bleiben.

Die Sirenen der griechischen Mythologie sind Mischwesen, anfangs halb Frau und Vogel, später dargestellt als halb Frau und Fisch. So ganz einig über ihr Aussehen und ihre Herkunft ist sich keiner der griechischen Literaten. Die einzige Gemeinsamkeit besteht durch die Beschreibungen über ihr Handeln, nämlich durch betörenden Gesang, Menschen, vornehmlich Männer, anzulocken. Sie waren schließlich mehr oder weniger diejenigen, die neue Länder endeckten, zu Expeditionen aufbrachen, auf die Meere fuhren zum Fischen. Zudem wurde den Sirenen nachgesagt, daß sie über alles Wissen der Erde verfügten und jedem, der ihren Gesängen erlag, wurde dieses Wissen offenbart. Kein Mann hat das je überlebt.

Wenn nun die Sirenen durch ihren liebreizenden Gesang männermordende Wesen waren, warum wurden gerade ihnen durch die Geräte (Sirenen), die durch ihren durchdringenden Heulton, nach Hilfe zur Rettung von Menschen in Gefahr rufen, dieser Name gegeben? Ist das eine späte Genugtuung? Ist das vielleicht die Erkenntnis, daß Frauen die Kraft haben, unter Zuhilfenahme ihrer Stimmen Gefahren abzuwenden oder zumindest zu schmälern? Da Sirenen über das ganze Wissen verfügen, könnte das ohne weiteres so sein. Lieber Charles Cagniard de la Tour, wenn das Ihr Hintergedanke war, dann ziehe ich meinen Hut vor Ihnen. Besser konnten Sie den Frauen nicht den Rücken stärken.

Stellen Sie sich vor, die Wortschöpfung für die Sirene wäre einer Frau entsprungen und dieser Text von einem Mann, was für eine interessante Diskussion könnte daraus entstehen!

Ihre

Doris Mock-Kamm

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