Vaterschaft

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9
über 9 verdammte Monate tue ich mir das jetzt schon an,
und wofür das Ganze,
ein Kind,
IHR Kind,
meine Idee war das nicht,
nein,
ganz sicher nicht,
und dann bekomme ich auch noch, nachdem ich jetzt schon das dritte Mal
diese Woche nach Mitternacht im Krankenhaus stehe, verboten, bei meiner Frau
zu bleiben.
Hach ja… meine einst so süße Frau,
die sich von Tag zu Tag mehr in ein Monster verwandelt,
hätte ich das vorher auch nur geahnt,
dann hätte ich ganz sicher nicht zugestimmt.
Ich meine nicht ihren Körper,
nicht den riesigen Bauch, der sich gebildet hat,
nicht ihren Rammbock, mit dem sie mich jede Nacht aus dem Bett stößt.
Das stört mich kaum.
Ich meine die Sonderwünsche, die von Tag zu Tag absurder werden,
die ständige Gereiztheit,
die Schmerzen, mit denen sie mir dauernd in den Ohren liegt.
Pfff,
ein Kind,
ich wollte nie Kinder,
und jetzt grade weniger denn je.
Ich bin doch jetzt schon nervlich völlig am Ende
wegen diesem Kind,
diesem Satansbraten,
dieser Ausgeburt der Hölle,
es kann doch nicht sein, daß dieses,
dieses Vieh mir mein ganzes Leben versaut,
daß ich es jetzt schon hasse,
niemals werde ich es akzeptieren,
es lieben können,
wie sollte ich auch?
Bei all dem –
„Herr Hurtig?“
„Was?!? – Oh…ähm, ja?“
„Bitte folgen sie mir.“
„Selbstverständlich … ist – ist alles gut gegangen?“
„Natürlich, Herr Hurtig. Ich kann ihnen gratulieren, sie sind Vater.“
Vater…
„Ihre Frau schläft bereits, aber wir dachten, sie würden bestimmt noch gern ihren
Sohn halten, bevor wir ihn wiegen und die restlichen Tests machen.“
Sohn…
„Sind sie bereit, ihn zu nehmen, Herr Hurtig?“
„Na – Natürlich.“
Du…
Du bist es also…
Mein Sohn…
Nichts,
absolut nichts wird mich davon abhalten können, dich zu beschützen.
Du unschuldiges, liebenswertes, süßes kleines Wesen.
Welch ein Geschenk Gottes.
Mein Sohn!
Ich liebe dich.
So sehr wie ein Vater sein Kind nur lieben kann.
Gott sei Dank konnte ich meine Frau zu einem Kind überreden.
Du bist alles,
alles was ich je wollte.
Mein Sohn.

werd niemals wie dein Vater…

Caedmon Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Poliertes Berauschen

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Eure Poesiealbengedanken
dürft ihr gerne für euch behalten,
diese versüßte Wörtergischt
zerfurcht jeden Felsen,
sie sind drapierte Gartenzwerge
in einer Wildblumenwiese,
Aufmerksamkeit erhaschend,
die Blüten, die Deko, einerlei.

Malt mir keine Glanzbildchen
mit liebreizendem Motividyll,
jeder Pinselstrich auf ihnen
zerkratzt feinfühlige Seelen,
diese künstlich erzeugten Welten
verschütten reelle Träume,
Harmonie vorgaukelnd,
die Erde, das Paradies, einerlei.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Timothy Snyder bringt es auf den Punkt

Demokratien durchaus gefährdet

Neulich übten wir zurecht Kritik über den sogenannten „Star-Historiker“ Niall Ferguson, dessen Fehleinschätzungen. Daß auch mal andere Kollegen völlig richtig die politische Lage beurteilen, stellte der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder jüngst im T-Online-Interview unter Beweis. Prägend der entscheidende Satz, „er traue Trump jederzeit einen Putsch-Versuch zu“, obendrein schildert er, wie Putin und Facebook die Demokratie bedrohen.

Im Frühjahr dieses Jahres erfolgte unser Hinweis, daß Autokratie weltweit auf dem Vormarsch sei, insofern nichts Neues, was da Timothy Snyder zum Besten gibt, aber dafür mit Nachdruck bestätigend. Wie  lang wollen die Menschen noch nahezu ohnmächtig zuschauen, wenn ihnen real die Freiheit genommen wird? Erst recht in Zeiten, in denen Leerdenker frechweg behaupten, wir seien die Faschisten, während sie sich als Heilsbringer gegenseitig beweihräuchern. Eine gefährliche Mischung, die sich natürlich Nazis zunutze machen, wie man unschwer im Deutschen Bundestag miterleben darf!

Die lange Kette gefährlicher Despoten gefährdet den Weltfrieden

Demokratien bleiben zarte Pflänzchen im Vergleich zu anderen Ländern, sind letztlich eine Minderheit, wenn man das Machtvakuum der despotisch geführten Nationen genauer betrachtet. Obendrein bieten gleich zwei Weltmächte dem freien Westen die Stirn, zum einen Russland und zum anderen die VR China.

Das Elend im ehemaligen Zarenreich und des größen kommunistisch geführten Russland wurde ganz kurz unterbrochen mit Michail Gorbatschow, dem Fall des Eisernen Vorhangs. Wladimir Putin verstand es zu gut, das demokratische Russland erneut in eine Autokratie zu führen. Systemkritiker fallen zu oft einfach aus dem Fenster, werden vergiftet oder kommen gleich gar nicht zu Wort. Snyders Beschreibung vom erschaffenen nihilistischem Politikstil Putins trifft leider in Gänze zu.

Erst die USA, danach Frankreich oder gar unser Land?

Umsturzversuche von West nach Ost, die obendrein erfolgsversprechend sein könnten? Mit welchen Mitteln und Gefälligkeitsgeldgebern im Hintergrund? Erinnerungen an vergangene Zeiten des letzten Jahrhunderts werden wach, als der Faschismus sich ungebremst austoben durfte. Mit einem Donald Trump, einem Eric Zemmour und den Nazis im Deutschen Bundestag sind wir nicht sehr weit entfernt, solche menschenverachtende Zustände wieder zu erhalten!

Es liegt an uns allen, genau dies zu verhindern, wie auch Timothy Snyder betont. Seien wir äußerst wachsam, bevor das Kind in den Brunnen fällt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Streichelnder Duft

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Jedesmal, wenn sie,
sie roch nach Veilchen,
den Raum betrat,
Gedanken an blaues Lila,
kam sie in Begleitung,
bestrickte Taschentücher,
von diesem süßlichen Duft,
bemaltes Porzellangeschirr,
der Frühling verströmte,
Kaffeezeit auf der Terrasse,
und ließ mich erahnen,
wärmendes Licht streichelt,
niemand stirbt,
Kühle verflüchtigt,
solange Düfte sie bewahren.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wenn die letzten Menschen neu beginnen

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Rückbesinnung ureigenster Instinkte 

Schweigsam möchte man verweilen in seinen Gedanken unruhiger Visionen, die nichts Gutes verheißen, zumal die äußeren Umstände einen zwingen, sehr direkt möglichst schnell notwendige Entscheidungen zu treffen. Bloß welche, fragst du dich und schwelgst weiter in zögerlichen Vorstellungen, wägst Argumente ab, die allesamt zunichte, sobald die Wirklichkeit dich eingeholt.

Soviel Schönheit in gleichfließend farbenfroher Anmut begegnet dir, sobald mitten in unzivilisierter Natur, in der keinerlei Grenzen den Weg behindern, der neugierig beschritten werden möchte, vorsichtig mit gebührendem Respekt dem allgegenwärtigen Leben gegenüber. Kein schriller, lärmender Großstadtlaut durchdringt die Umgebung, hier herrschen die Klänge und Geräusche des pulsierenden Lebens, das kaum hörbar sich Wege des eigenen Bewußtseins sucht und erstaunlich geschickt anpaßt.

Mensch hingegen hat meist verlernt, sich zurechtzufinden ohne die angeblich lebensnotwendigen Utensilien seiner Arterhaltung, glaubt tatsächlich, in Feindesterrain keinerlei Chancen zu haben, auch nur einige Tage zu überleben. Wobei er inzwischen tatsächlich schnell versagen würde, hilflos ausgeliefert, ohne geringstes Wissen, wie die Natur ihn dennoch aufnehmen würde, er zu seinen Gunsten in ihr im Einklang verweilen könnte.

Die eigens geschaffene Zivilisation der Stolperstein der Spezies Mensch, wenn in Extremfällen ihm nichts anderes verbleibt, als in seiner Umgebung sich direkt neu zu orientieren? Erst recht nach einer Apokalypse, die schon lang vorhergesagt unweigerlich eintreten wird? Zerbricht Homo sapiens an seinem eigenen Unvermögen, in friedlicher Koexistenz ein Leben auf Erden zu gestalten? Allerdings. Doch diejenigen, die dennoch überleben, haben es erneut in der Hand, die Rückbesinnung ureigenster Instinkte sich zu vergegenwärtigen, aus dem Pool alter Erinnerungen zu schöpfen, um sie lebensrettend anzuwenden.

Eine Natter schlängelt  sich durchs trockene, bräunliche Gras, die helle Erde tief zerfurcht vor lauter Risse, da kein Regen seit Wochen den Boden speist, während eine Krähe vergeblich versucht, sie aufzupicken, schließlich daran scheitert, weil die Schlange im letzten Moment  in einem Mauseloch sich verkriecht. Du selbst taumelst dem nahenden Tümpel entgegen, dessen Wasser für ein wenig Abkühlung sorgt in sengender Hitze, die gnadenlos dich umgibt.

Erinnerungsfetzen umflügeln deine Gedanken, hattest noch vor kurzem einen sehr gut bezahlten Job, warst emporgestiegen im Mobbing-Reigen bis hin zum Abteilungsleiter, ohne Sinn und Verstand dem Konsumrausch erlegen, der Nächste zählte nicht im geringsten, sondern nur der  Erfolg, den sie dir permanent als Sinnbild allen Seins suggerierten. Nach dem großen Krieg fiel deine armselige Scheinwelt in sich zusammen, Zerstörung offenbarte das ganze Ausmaß einer fehlgeleiteten Entwicklung der eigenen Spezies. Und da liegst du nun im kühlen Naß und fragst dich, war’s das?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Jugend bewegt

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Bild von Michael Bußmann auf Pixabay

Was quatscht ihr bloß?
So gedankenlos.
Die Jugend sei verwöhnt.
Verzogen, ihr argwöhnt.
Kritisch, der Sprache mächtig.
Das macht sie für euch verdächtig.
Gelehrt wurde ihnen zu differenzieren.
Sie sollten Redefreiheit nicht verlieren.
Sie sollten es besser haben.
Es ging nicht darum, sich an Luxus zu laben.
Ihr Leben durften sie mit uns planen.
Keine Unterordnung mehr nach Fahnen.
Sie wollen ihre Zukunft leben.
Die meisten nach Humanismus streben.
Nach gesunden Lebensumständen.
Weg mit den Giftrückständen.
Weg von Allmachtsphantasien Gieriger.
Sie wissen, dieser Wunsch ist schwieriger.
Und trotzdem wollen sie diesen Weg gehen.
Ich kann eure Meckerei nicht verstehen.
Seid stolz auf diese junge Generation.
Unterstützt ihre Rebellion.
Begleitet ihre Träume.
Pflanzt mit ihnen Bäume.
Verwöhnt sie mit Zuversicht und Gesprächen.
Hört auf, eure verpaßten Chancen an ihnen zu rächen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Verbrannte Liebe

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Bild von Lyzzhana auf Pixabay

Meine Gürteltasche
ist gefüllt mit Asche
von den vielen Liebesbriefen,
die nach meinen Gefühlen riefen.

Ich habe mich verbrannt,
nachdem ich euch gekannt,
eure „Ich liebe dich“-Schwüre
sind Gemäuer ohne Türe.

Hinter euren Fassaden
betreibt ihr einen Laden
mit Sammlerstücken,
die euer Ego beglücken.

Liebe las ich auf dem Papier,
doch sie galt nicht mir,
aber Liebe ist kostbar,
für mich nicht unnahbar.

Das Geseire wurde vernichtet,
nur das Wort Liebe verdichtet,
indem ich es Feuer fangen ließ
und verwahre in einem Verlies.

Eure Heuchelei mich begleitet,
als Erinnerung sie bestreitet
erniedrigende Lügen,
bevor sie in meinem Herzen liegen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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