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Stell Dir vor, wir könnten fliegen, weit, weit weg, so’s uns gefällt,
’nem Vogel gleich, und sieh, da unten, pulsiert das Leben dieser Welt.
Wolken hüll’n uns sanft, und wir sind ganz allein in dieser Sphäre,
seh’n nur uns und unsre Liebe, als ob dies selbstverständlich wäre.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, schau, dieses Land, wie wunderbar,
musst nur fest die Augen schließen, und nichts ist mehr wie’s war.
Vergiss uns beide, schweb‘ still an meiner Seit‘ und fühle, wie ich denke,
und lass zu, dass ich – dies eine Mal, Dein Hoffen, Deine Wünsche lenke.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, so zu jenem Haus am Bergesrücken,
wo Gartenzwerge Wache schieben und Hecken jeden Schall erdrücken.
In diesem Haus wird wegen Nichtigkeiten einfach so ein Kind geschlagen,
mitten ins Gesicht, die Vase hatte Geldesswert, wie soll ich das ertragen.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, zu jener Stadt, den Hort der Banken,
zu trägem Main, Goethes Wiege, zu Paulskirche und Freiheitsgedanken.
Hier wird, beinah‘ im Sekundentakt, über Glück und Leid entschieden,
Geld macht Geld, und hast Du keins (mehr), bist Du umsonst hienieden.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, und unter uns würde das Amselfeld liegen,
wo sich Kreuz und Halbmond, nun auf höherem Niveau in die Haare kriegen.
Als hätte das eine Mal nicht ausgereicht, neue Massengräber, und doch –
ich frage, primitiv, nach Affenart – ihr Menschen, was soll das noch.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, und sehen, die Welt ist nicht verloren,
sind wir nicht alle Menschenkinder, von Müttern unter Schmerz geboren?
In manchen stillen Ecken leben Menschen ihrer Art gerecht und ganz real,
sie lieben Blumen, Bücher, Tiere, zeugen Kinder – und weinen auch einmal.
Stell Dir vor, wir könnten fliegen, weit, weit weg, so’s uns gefällt,
’nem Vogel gleich, und sieh, da unten pulsiert das Leben dieser Welt
Wolken hüll’n uns sanft, und wir sind ganz allein in dieser Sphäre,
glaubst Du nun auch, das dies wohl das Ende unsrer Träume wäre?
Peter Petereit
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