Ilses Kirschen

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Als die Kirschen nicht mehr schmeckten,
war Ilse schon lange nicht mehr am Leben,
jedenfalls war mir, als wäre ihr Begräbnis
bereits vor vielen Jahren gewesen,
dabei war ich nicht, doch ich weiß, wo ihr Grab liegt,
auf dem schwarzen Stein steht, in Frieden,
in Frieden, Johanna las es mir vor,
in Frieden vermutlich für Ilse geschrieben,
aber auch Frieden für ihre Kirschbäume,
deren Früchte bekamen einen bitteren Beigeschmack,
seit sie uns nicht mehr aus den Bäumen herunterjagte,
seit sie uns nicht mehr mit dem Krückstock drohte,
in Frieden könnten wir die Kirschen naschen,
doch ihr Genuß wurde bitter, seit Ilse fehlte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Simple Tricks fürs Volk zur Bundestagswahl

Annalena Baerbock die „Sau“, die durchs Dorf gejagt wird

Was ziemlich offensichtlich breitgefächert in den Medien und den Social Media seit Monaten bereits für genügend Unterhaltung, Spott und Gelächter sorgt, scheint kein Ende zu nehmen im Bundestagswahlkampf. Einmal „eingeschossen“ auf das potentielle Opfer, verharrt jene Klientel in ihrer Treibjagd, unerschrocken, ekelerregend.

Jetzt hat sich der ehemalige Außenminister und Vizekanzler zu Wort gemeldet, Sigmar Gabriel bescheinigt, Baerbock-Vorwürfe zeigen „armseligen Wahlkampf“. In der Tat kann man ihm nur zustimmen, zumal gerade ein Herr Laschet nicht gerade glänzt mit seiner politischen Haltung. Relativ spät äußert er sich nach anfänglichem Zögern zu Hans-Georg Maaßens Entgleisung, geht letztlich auf Distanz zu ihm, solche Debatten würden schaden. Ganz genau, nur sie halten schon viel zu lang an, denken wir an die Einstelllung des Innenministers Horst Seehofer.

Ob diese Methode der Verunglimpfung aufgeht, bleibt dahingestellt

Wer einen Blick auf die Entwicklung der Wahlprognosen wirft, kommt schnell zur Einschätzung, daß jener Shitstorm der Union eher geholfen hat, den Grünen einen Dämpfer verpaßte. Noch Anfang Mai schaute es für die Grünen vielversprechender aus, verheißen Wahlprognosen manch Überraschung. Knapp zwei Monate später darf die Union bereits mit 28 Prozent die 30 anvisieren, während die Grünen laut Insa vom 04. Juli mit 18 Prozent nur ein Prozent vor den Sozialdemokraten liegen.

So schnell kann sich das Wahlgeschehen verändern, mit simplen Tricks lassen sich nach wie vor Wähler beeindrucken, schwenken zur „gewohnten Herrenriege“ der Union, anstatt die Erneuerung nicht nur im Lande, sondern europa- und gar weltweit zu erahnen. Nein, alles beim Alten, Bequemlichkeit weicht kritischem Reformwillen!

Erleben wir trotzdem im Herbst eine Überraschung?

Man möchte schon von einem Open End sprechen, obwohl vieles dafürspricht, daß erneut die Wähler der Union auf den Leim gehen. Gewohnheit obsiegt. Hinterher wird wieder gejammert, was „diese Politik“ versäumt, die die kleinen Leute nicht beachtet. Herrschaftszeiten, wacht endlich auf! Eliten haben sich noch nie einen Dreck um das einfache Volk geschert. Einfach den Blick in die Vergangenheit wagen, die Geschichte reflektieren, so schwer kann es doch nicht sein, oder?!

Wenn die angebliche Fehlbarkeit einer Annalena Baerbock dermaßen simpel sich verkaufen läßt, während die „Schleimspur“ der Herren Laschet, Merz und Lindner unerkannt bleibt, gar ignoriert wird, ja, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn erneut Schwarz-Gelb die nächsten vier Jahre regiert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Nein und Ja

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Nein, ihre Spuren hat sie nicht verwischt,
gelöscht hat sie, aus der Erinnerung entfernt,
entfernt, in dem sie durch dunkle Wälder,
auf fast brodelndem Straßenteer,
in Massen von Menschen sich bewegte,
einsam auf Parkbänken schlief,
lange Gespräche stets gerne führte,
gelöscht, weil sie das Erlebte ins Leben mitnahm.

Ja, ihre Spuren hat sie sorgfältig verinnerlicht,
bewahrt hat sie, in die Erinnerung geschrieben,
geschrieben, in dem sie die Bäume erblickte,
Gräser und Steine auf den Wegen berührte,
zwischen den Menschen ihren Atem verteilte,
das flüsternde Schicksal vieler in den Parks hörte,
die Sprache als Fortbewegungsmittel nutzte,
bewahrt, weil sie das Gesehene in sich aufnahm.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Childhood and life – ein Interview mit Ines Schuchert

 

 

Manchmal kommt es schon auf Wörter an, die teilweise verharmlosen können, um Sachverhalte nicht so darzustellen, wie sie eigentlich vor Ort geschehen, vor allem die Realität viel eher beschönigen. Daher sollte in Syrien nicht von einem Bürgerkrieg gesprochen werden, eben weil dies sich so keinesfalls verhält. Zu viele Nationen, Terrorgruppen und andere Interessensgruppen sind längst involviert seit dem Ausbruch des Krieges am 15. März 2011.

Was mit einem friedlichen Protest begann, entwickelte sich zu diesem über zehn Jahre andauernden Krieg mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten, obendrein etlichen Flüchtlingsströmen, die natürlich weiterhin anhalten mit den uns allen bekannten Folgen. Beherzt engagierte Menschen versuchen mittels Aktionen wie „Rettungskette für Menschen“ oder direkt in Flüchtlingslagern wie mit dem „Projekt 009“ zu helfen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. So auch Childhood and life, deren deutsche Ansprechpartnerin, Ines Schuchert, wir im Facebook begegneten, sie kennenlernten.

Lotar Martin Kamm: Magst du uns schildern, wie es zum Kontakt nach Syrien mit „Childhood and life“ kam, welche Motivation dahintersteht?

Ines Schuchert: Vorab vielen Dank lieber Lotar, für die Möglichkeit dieses Interview zu führen. Ich hoffe, dass wir damit viele Herzen erreichen. Durch ein eigenes trauriges Erlebnis und einer damit verbundenen großen Gotteserfahrung bin ich auf Syrien mit den dortigen Kriegshandlungen und all dem Leid aufmerksam gemacht worden. Von da an änderte sich mein Blick auf das Leben und worauf es wirklich ankommt, komplett.

Es kam zu einem Kontakt mit dem Berliner Projekt 009. Sie hatten verschiedene Initiativen, unter anderem auch für Syrien. Die Arbeit und das große Engagement begeisterten mich, und tun es übrigens bis heute. Parallel dazu kam eine Nachricht vom Childhood and Life CEO aus Syrien mit ihrer dramatischen Geschichte. Eigentlich wollte ich das Team nur weitervermitteln, aber es ließ mich einfach nicht mehr los, und es entstand eine eigene kleine Privatinitiative, die Childhood and life fördern unterstützen möchte.

Lotar Martin Kamm: Welche Aktivitäten zeichnen Childhood and life aus?

Ines Schuchert: Zu dieser Frage muss ich vorab ein wenig in die Geschichte von Childhood and live gehen. Das Team, eine Gruppe junger Freiwilliger, bestehend aus Lehrern und Helfern, hatte in einem der ländlichen Dörfer Idlibs ein eigenes Kinderzentrum.

Es bot Dienstleistungen an für Kriegsverletzte, Waisen, Arme, Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Menschen mit psychischen Traumata. Die Aktivitäten waren die Organisation von Theatervorstellungen für Kinder, Feste für Waisenkinder, Schutz-Aktivitäten, psychologische Unterstützung und Aufklärung, sowie finanzielle Hilfe für Kinder und ihre Familien. Doch eines Tages bombardierte das Regime das Zentrum, zerstörte es vollständig und vertrieb alle Leute des Dorfes. Als das Team verdrängt wurde, musste die Arbeit dann leider für kurze Zeit eingestellt werden.

Die Dienste sind heute wieder aufgenommen, durch die Zerstörung allerdings ohne eigenes Gebäude und absolut improvisiert. Nun werden Schulen besucht, sowie Kindergärten und Waisenhäuser, und es werden Menschen geschult, die entschlossen sind, anderen zu helfen. Es werden Partys für die Kinder gestaltet, um diesen ein wenig Freude zu bereiten, Geschenke überreicht. Weiterhin werden Hilfen und Kleidung für arme Menschen in den Lagern und für Familien bereitgestellt. All dies durch die ehrenamtliche Arbeit von Teammitgliedern und in Zusammenarbeit mit einigen Menschen und Wohltätigkeitsorganisationen. Zudem gibt es auch Schulungen für Freiwilligen-Teams, verwitwete Frauen, Schulung zum Umgang mit Blindgängern, zur Gefahr von Minen und Verhaltensregeln bei Covid-19.

Ein Teil der Arbeit ist auch unter childhood-and-life.com einzusehen (zum Schutz der Privatsphäre einzelner Kinder, Familien und Helfer können wir jedoch nicht alles veröffentlichen).

Lotar Martin Kamm: Was sind die derzeitig dringend notwendigen Herausforderungen?

Ines Schuchert: Die größten und schlimmsten Herausforderungen sind die ständigen Angriffe durch Bombardierungen. Es wird unter Bombenhagel irgendwie versucht, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten und je nach Situation an die Begebenheiten anzupassen.

Problematisch sind dazu die politische Lage und die Sanktionen. Sie machen Hilfe unendlich schwierig. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Ganz besonders die Finanzen zur Versorgung und Ausstattung. Wir hier in Deutschland sind aktuell nur eine kleine Privatinitiative, die erst mal wachsen möchte und die dem Team in Syrien, bis auf Mini-Hilfen, nur eine Stimme geben konnte und versucht Kontakte zu knüpfen, um das Projekt zu fördern und zu unterstützen.

Lotar Martin Kamm:  Eine schier fast unlösbare Aufgabe, oder? Habt Ihr trotz Bomben Pläne und Ziele?

Ines Schuchert: Ja, es fühlt sich oft unlösbar an. Dennoch, wir haben trotz Bomben Pläne und Ziele, denn wie will man ohne Hoffnung solch eine „Hölle“ aushalten?

Ja, Lotar, dann erzähle ich dir mal von unseren Plänen. Wir wissen zwar noch nicht, wo das alles passieren wird, aber wir sind dabei, alles vorzubereiten, damit das Fundament steht. Das langfristige Ziel ist das alte Kinderzentrum neu aufzubauen, schwerpunktmäßig für Waisen, aber auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Dazu sind erforderlich eine gesicherte Miete oder die Finanzierung eines geeigneten Objekts und der Ausstattung, da alles verloren ging.

Geplant sind ein organisiertes Tagesprogramm mit Unterricht, dazu besondere Aktivitäten und Stunden für Waisenkinder, für Kinder mit besonderen Bedürfnissen durch körperliche und geistige Einschränkung, Stunden für Treffen mit Eltern und so weiter. Alles nach einem festen Arbeitsplan.

Wir möchten Patenschaften fördern und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg. Schon allein das bedeutet Hoffnung. Und wir möchten vor allem Liebe weitergeben, auch zwischen Religionen. Zeigen, wie sich Menschen gegenseitig tragen und helfen können. Die stabile finanzielle Absicherung für die regelmäßigen Kosten, wie die Versorgung, Materialien und so weiter, steht natürlich aktuell im Vordergrund. Das Einsatzteam wird dann wieder in Vollzeit zur Verfügung stehen, und auch hier muss die finanzielle Versorgung ihrer Familien im Auge behalten werden.

Es gibt noch deutlich mehr zu organisieren, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Das alles ist also nur ein grober Überblick. So Gott will, wird das Team dieses Ziel erreichen. Sollte Gott jedoch neue Pläne haben, so hat den Kindern und allen Helfern dieser Traum und das Engagement des Teams vor Ort beim Überleben unter Trümmern geholfen. Sponsoren, die sich angesprochen fühlen, das Projekt mit zu fördern, können gern über mich per Email unter info@childhood-and-life.com Kontakt aufnehmen.

Lotar Martin Kamm:  Am Ende des Interviews möchte ich dir noch die Gelegenheit geben, Unausgesprochenes zu ergänzen.

Ines Schuchert: Es gibt viel Unausgesprochenes.

Schwer verständlich ist, wie der Aufschrei der Weltgemeinschaft immer noch so klein ist. In Syrien passieren schwerste Menschenrechtsverletzungen, und ich überlege mir sehr oft, wie würden wir uns fühlen, wenn es unsere eigenen Kinder beträfe, unsere eigenen Angehörigen, Freunde, Bekannte, Verwandte. Wenn sie Tod und Terror so schwer ausgesetzt wären.

Wie können die Menschen Syriens jemals all diese traumatisierten Erfahrungen verarbeiten? Kann das überhaupt jemals heilen? Was passiert mit den Seelen der Kinder? Die Bilder des Todes, der Verletzungen und des Leids machen traurig und schlaflos.

An dieser Stelle möchte ich jedoch noch mit etwas ganz Wichtigem abschließen: Noch nie habe ich in so liebevolle, warme Herzen wie bei diesen Menschen, die mir bei dieser Aufgabe begegnet sind, blicken können. Noch nie habe ich so ein Durchhaltevermögen, solch einen tiefen Glauben erlebt. Gott hat mich in meiner schwersten Zeit mit einer sehr wertvollen Aufgabe und einer großen Familie gesegnet, die immer füreinander da ist. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich wünsche mir, dass in Europa noch viele Menschen solch eine Erfahrung machen dürfen und diese dann zu genau solch einer Hilfe einsetzen.

Lotar Martin Kamm:  Im Namen des gesamten Teams bedanke ich mich recht herzlich fürs Interview und vor allem für Euren tollen Einsatz, der auf alle Fälle auch andere anspornen sollte, sich aktiv zu engagieren.

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Hinter getrockneten Tränen

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Das Photo stand im Schrank,
handgroß und goldumrandt,
gelblichbraun in Farben,
ein Bildnis aus guten Tagen,
mittags funkelte es bronzen,
als wollten die Sonnenstrahlen
das einstige Glück betonen,
als könnte hinter staubigem Glas
sich Vergangenheit wiederholen,
die Staubkörner wurden zu Tränen,
getrocknet durch der Wärme Segen,
die Scheiben begannen zu klirren,
das Kind stampfte auf die Dielen,
lachende Gesichter nickten ihm zu,
verschwommen von der trüben Zeit,
kurz befreit durch des Kindes Tanz,
wild, ungezähmt, zu Gefühlen bereit.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Es wird eng

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Die falsche Kragenweite
außer Frage,
erklärt das die Lage,
bemerkt der Gescheite.

Reizvolle Aussichten
im Visier,
eingetreten die Eingangstür,
stets spannende Geschichten.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen
des Nachts oder am Tag,
egal woran das liegen mag,
ob nach Gold schürfen oder Champus schlürfen.

Wem die Gegenwart
mißfällt,
bei dem keine Freude zählt,
auf Wut und Haß beharrt.

Das Leben könnte friedvoll sein
im Hier und Jetzt,
doch Mensch sich gegenseitig verletzt,
die Welt wird somit zu klein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Lug und Trug vs. tugendhafte Ehrlichkeit

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Eine Gratwanderung im Alltag

Mit weißer Weste und reinem Gewissen durchs Leben wandeln, das findet wohl bei den meisten Menschen statt, mal von kleinen Notlügen abgesehen, von denen sich niemand wirklich freisprechen kann. Mit eigener Hände Arbeit ein beträchtliches Vermögen zu erwirtschaften, mag allenfalls eine Ausnahme darstellen, in der Regel spielt dabei Glück, vorteilhafte Heirat oder aber Betrug eine Rolle, das zum erwünschten Ziel führt.

Wer für tugendhafte Ehrlichkeit sich entscheidet, setzt auf eine eigentlich selbstverständliche Lebensweise, die ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit vermittelt. Allerdings herrscht parallel dazu oftmals Lug und Trug, wenn man ein wenig genauer hinschaut. Um für sich selbst oder andere Vorteile zu erzielen, scheinen bestimmte Menschen nicht davor zurückzuschrecken, per Betrug ein bißchen „nachzuhelfen“.

Ein wenig schwindeln oder gleich richtig betrügen?

Im rechten Licht dazustehen, hat durchaus einige Vorteile, Notlügen bewirken, das Gesicht bewahren zu können. Denn wer gesteht nach außen schon freiwillig gern Mißgeschicke oder Fehler ein? Aber gerade an dieser Nahtstelle zwischen klarer Einsicht, daraus folgernde Ehrlichkeit und der schnellstens geschickt eingesetzten Notlüge bewegt sich der schmale Grat, inwieweit man zu sich selbst und seinen Verfehlungen steht.

Die kurzen Beine einer Lüge mögen oftmals eben nicht zum Vorschein kommen, wenn genug Potential vorhanden ist, die Umwelt clever zu blenden, während der tugendhaft Ehrliche Reue und Einsicht zeigen und nachweisen muß. Hat sich das Muster einer oftmals erfolgreich angewandten Lüge einmal gefestigt, kann damit bereits der Keim zu neuen Betrügereien sich entwickeln. Da wir Menschen völlig unterschiedlich im Verhalten und Charakter sind, auch was die Lebensumstände betrifft, wird somit zwischen möglichen Betrügereien differenziert und diese letztlich skrupellos angewandt.

Ein paar berühmte Betrüger

„Risiken und Nebenwirkungen sind mit hoher Gefängnisstrafe oder lebenslanger Flucht verbunden“, sollte bei ihnen auf einem „Beipackzettel“ stehen, um den bekannten Werbeslogan für diese Spezies Mensch zu bemühen, aufzuzeigen, wohin die Reise geht, wenn sie sich für ein solches Leben entscheiden. Ob Victor Lustig, der einem ahnungslosen Schrotthändler den Eiffelturm verkaufen wollte, ob Shalom Weiss, der den größten Versicherungsbetrug in der US-amerikanischen Geschichte begann und dafür die Höchststrafe erhielt, die jemals für Wirtschaftskriminalität verhängt wurde, nämlich 845 Jahre* oder Mae Chamoy Thipyaso, die aufgrund von Anlagebetrug per Schneeballsystem die weltweit höchst bekannte Haftstrafe in Höhe von 141.078 Jahren 1989 antrat, sie alle haben eines gemeinsam: Sie betrogen im großen Stil und wurden doch überführt.

Nicht immer sind dabei gleich dermaßen hohe Urteile zu erwarten, wie in den Fällen des Bauunternehmers Jürgen Schneider und des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber eine vielleicht verwunderte Öffentlichkeit bemerken durfte. Bei Beiden war bekanntlich Betrug im Spiel, aber die Gerichtsurteile mit den sehr geringen Haftstrafen hinterließen den völlig berechtigt faden Beigeschmack der Redewendung, die hierbei zu tragen kommt: „Die Kleinen fängt oder hängt man und die Großen läßt man laufen.“ Hingegen wurde Konrad Paul Kujau im Verhältnis ein wenig höher bestraft, obwohl das Stern-Magazin nicht ganz unbeteiligt war, in dem es völlig blauäugig dem Kunstfälscher auf dem Leim ging mit dem Abkauf der gefälschten Hitler-Tagebücher. Die Liste berühmter Betrüger ließe sich ohne weiteres fortsetzen.

Fazit: Ruheloses Dasein oder die Gunst der Tugend

Wie müssen sich Tiere wohl fühlen, die gejagt und gehetzt werden, bis am Ende der Tod auf sie wartet? Ganz ähnlich ergeht es Kriminellen, von Schwerverbrechern bis hin zu Terroristen. Betrüger müssen nicht gleich mit dem Tod rechnen, die nervenaufreibende Belastung wird dennoch nicht unbedingt angenehm sein, auch wenn manch einer sich sicher wähnt. Der ehrlich durchs Leben Ziehende nicht nur mit gutem Gewissen des nachts den wohlverdienten Schlaf findet, die Gunst dieser Tugend in den Träumen? Mit Sicherheit befindet er sich auf der Seite des Vertrauens, kann in den Spiegel schauen, muß nicht seine Mitmenschen täuschen.

Wie formulierte schon George Bernhard Shaw völlig zurecht: „Die Strafe des Lügners ist nicht, daß ihm niemand mehr glaubt, sondern daß er selbst niemandem mehr glauben kann.“

*Inzwischen hat Donald Trump noch kurz vorm Ende seiner Amtszeit ihn begnadigt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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