Sprachskelette verdecken nichts

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Er textete sie zu mit seinen Erlebnissen,
Empfindungen, Taten,
sie liebte diese Geschichten,
seine Art der Formulierung
des Unaussprechlichen,
die zueinander findenden Worte,
ihre zarten Berührungen,
auch wenn zutiefst gekränkt, verletzt:

Seine Art banalen Geschehnissen
eine Wildwasserfahrt zu gönnen,
Sprachbäche hinunter zu rauschen,
die Stimme erfüllt vom Jubeln
beim Überwinden von Gedankenblöcken,
tosende Ausdrücke öffneten ihr Herz,
ließen sie auf wattierten Wellen fallen,
die sie zum fernen rosa leuchtenden Horizont trugen.

Irgendwann begann er seine Erzählungen zu dichten,
sie erschrak sich vor diesen monströsen Wörtern,
denen Buchstaben ausgerissen, zerfetzt wurden,
um gewaltige Laute zu erzeugen,
Begriffe ließ er explodieren, ihr entgegenschleudern.
Erst in dieser skelettierten Sprache
erkannte sie sein eigentliches Anliegen,
sie sollte ihn lieben, weil er sich verachtete.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Das Geschäft mit exotischen Tieren blüht

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Heute eine Vogelspinne, morgen einen Alligator

Manche Menschen meinen, sie müßten alles haben, dies führt sogar soweit, daß sie selbst eine unsagbare Tierquälerei in Kauf nehmen, Hauptsache die Anakonda im Terrarium, das Krokodil in der Badewanne oder der Papagei im viel zu kleinen Käfig.

Artgerechte Tierhaltung wird somit völlig ausgeblendet, wenn man bedenkt, daß selbst Zoos diese auch oftmals nicht einhalten können, meist aus Platz- oder Geldmangel. Der Deutsche Tierschutzbund geht von einigen Tausend Krokodilen, über 100.000 Giftschlangen und sogar doppelt so vielen Riesenschlangen aus, die hierzulande ihr Dasein zu fristen haben. Die Zahl der Echsen, Spinnen und anderen exotischen Tiere wird um ein Vielfaches höher liegen.

Die Realität steht im krassen Widerspruch zum CITES

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, welches am 03. März 1973 unterzeichnet wurde, mit der genauen Bezeichnung Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, kurz CITES (Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) hat sich als internationale Organisation der Aufgabe verpflichtet, den weltweiten Handel mit Pflanzen und Wildtieren in soweit zu kontrollieren, daß ihr Überleben nicht gefährdet wird.

Das klingt zunächst erst mal ganz nett, wobei es im Abkommen darüber hinaus inzwischen eine Auflistung der vom Aussterben bedrohten und auch gefährdeten Arten gibt, cirka 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten stehen somit unter Schutz. Wenn wir die illegalen Einfuhren exotischer Tiere in Deutschland mal außer acht lassen, die Dunkelziffer wird entsprechend hoch sein, wurden noch vor dreizehn Jahren nahezu eine halbe Millionen eingeführt, was wiederum so gar nicht im Sinne des CITES sein kann.

Eine artgerechte Haltung von Exoten, so ließ Tasso-Leiter Philip McCreight verlautbaren, sei mangels Sachkenntnis für den Laien „so gut wie unmöglich“. Und trotzdem wird einfach stillschweigend konsumiert. Manchmal entfliehen sie sogar, denken wir nur an einige spektakuläre Ereignisse, wie sie in regionalen Medien immer mal wieder erörtert wurden oder aber man setzte sie einfach aus. Wie sollte man von Menschen, die dermaßen fahrlässig solche Tiere halten, auch eine umfassende Verantwortung erwarten, sie wird dann erst recht ausgeblendet.

Früher der Hamster und der Wellensittich

Auch diese beiden unterschiedlichen Tiere sind letztlich Exoten und werden bis heute oftmals auch nicht artgerecht gehalten. Hamster in viel zu kleinen Käfigen, ohne Ruhephasen, weil Mensch auf seine Lebensweise natürlich nicht verzichtet, von der Vogelhaltung mal ganz zu schweigen. Was anhand dieser beiden Tierarten fehlschlägt, kann daher nur zu einer Überforderung mit dem Umgang anderer exotischer Tiere führen.

Allein die Zoofachgeschäfte sind auch nicht immer zimperlich, was die Haltung der Tiere anbelangt, haben diese doch nur auf Abruf ein Zwischenleben dort zu fristen. Wesentlich dramatischer geht es darüber hinaus bei Tierbörsen oder gar im Internet zu. Beim Tierhandel, vor allem beim illegalen, sind so gar keine Grenzen gesetzt, fast alles geht, hat halt lediglich seinen Preis. Es stellt sich schon die berechtigte Frage: Was war zuerst da, das Angebot oder die Nachfrage? Wir dürfen davon ausgehen, daß mit den Angeboten im selben Moment die Nachfrage stieg, also auch umgekehrt. Verwundern dürfen wir uns auch nicht, daß bisher die Behörden kaum einschreiten, sie machen es abhängig von Schadensfällen, und diese seien schließlich noch in einem zu geringen Rahmen vorhanden. Was in den Häusern und Wohnungen geschieht, sei wohl Privatsache. Apropos Sache: Sind Tiere nicht Lebewesen, wie auch endlich die Legislative nach sehr langem Kampf einsehen mußte?

Der Gesetzgeber ist mal wieder gefragt, wenn Uneinsicht vorherrscht

Selbst hier offenbart sich der grenzenlose Egoismus mancher Menschen. Sie nehmen eine regelrechte Tierquälerei in Kauf, im Artikel wurde noch mit keiner Silbe über die schrecklichen Transportbedingungen berichtet, Hauptsache sie haben ein exotisches Tier. So liegt es auf der Hand, daß Tierschützer selbstverständlich Einschränkungen bis hin zu Verboten fordern. Vielleicht sollten wir mal zu unseren Nachbarn, den Schweizern, einen Blick wagen. Dort gibt es detaillierte Vorschriften für die Haltung einzelner Arten im neuen Tierschutzgesetz. Zwar hat Bayern bereits bestimmte Verbote und Einschränkungen für die Haltung von Vogelspinnen oder Giftschlangen erlassen, so verbleibt auch bei diesem Thema die fragwürdige Politik des Föderalismus im Raume stehen.

Es bleibt zu hoffen, daß immer strengere Zollkontrollen und auch eine wachsam werdendere Bevölkerung mit dazu beiträgt, solchen „Exotenhaltern“ das Handwerk zu legen. Tiere gehören in Freiheit gelassen, in ihrem gesunden Lebensraum, und der Mensch hat sich gefälligst mit sich selbst zu beschäftigen, anstatt ständig sich hinter seinen Eitelkeiten zu verstecken.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Verbannt erkannt

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Kein Widerstand
kommt auf
trotz all der Verbrechen,
die täglich uns belasten.
Habt ihr noch alle Tassen
im Schrank?
Das ist krank!

Rufe ohne Widerhall
erklingen
im zerstörten Raum,
den Mensch hinterlassen.
Habt ihr noch alle Tassen
im Schrank?
Das ist kein Schwank!

Ein stilles Dasein
fristen,
mag hilfreich sein,
wer in sich kehrt.
Stoppt jenes gefährliche Prassen,
sortiert die Tassen.
Einfach Kapitalismus verlassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Ein Haufen Striche

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Ein Strich
und ein zweiter,
noch einer,
soll ich nochmal,
wieder einer mehr,
ein Bindestrich,
zu einfach,
Verbindungsstriche,
oh, ein Haken,
ein Kreuz,
ein Kreuzhaken,
Strich, Strich,
Striche, Striche,
ein Haufen Striche,
schwarze Flecken,
braunes Glänzen,
Schwarzdreck, Staub,
Braunfett, ranzig,
mein Schreibtischstuhl
dreht sich, Kreis, Kreise,
male Kreise,
Strichkreise,
durchgestrichen,
durch die Striche
gestrichen,
ein Strich,
zwei Striche,
noch einer,
Strich, Strich,
knülle,
Strichknülche
knüllen,
ab in den Eimer.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Schmeiß den Motor an, wir müssen fliehen

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Alles halb so schlimm, oder?

Wenn gar nichts mehr geht, mag Flucht eine Option sein. Denkste. Was glaubst du eigentlich, was dann geschieht? Es sei dir mitgeteilt, am besten auf silbernem Tablett. Du nimmst all deine beschissenen Probleme mit. Und nun?

Gerade zum Trotz bist du längst unterwegs gen Süden. Warum eigentlich immer in den Süden? Sowohl real zur Urlaubszeit oder in schnulzigen Komödien? Stets der Run nach Sonne, Strand und weiß der Geier was, manch Rockzipfel, wohl eher Bikini. Das lassen wir mal besser außen vor. Hier geht es zwar schon um nackte Tatsachen, aber halt keine sexuellen oder erotischen.

Nun denn, dann fährst du einfach mal zur Abwechslung gen Westen, äußerste Landbegrenzung der Atlantik. Auf der anderen Seite diese Amis, im Südwesten Brasilien und die anderen lateinamerikanischen Staaten, wo ein Leben weniger wert als sonstwo. Wie das gemeint ist? Wortwörtlich, stammt noch aus Zeiten der Eroberer, hauptsächlich den iberischen. Aber rühren wir besser nicht in der Geschichte, verbleiben hautnah in der Gegenwart.

Genau, Haut, Erotik und Nacktheit, so die Präsenz einer Realität, die kaum jemand in all ihren Facetten wahrhaben möchte. Dann lieber hinzu- oder wegdichten. Das läßt das bißchen Restleben angenehmer erscheinen. Ach, tatsächlich? Und manch Albtraum, der dich doch des Nachts erinnert, was schief- gelaufen? Per Drogen kriegste das nie und nimmer in den Griff, Ablenkung hilft auch nicht, schon gleich gar keine Flucht.

Doch die Karre flitzt mit 220 km/h über die Autobahn, das in Frankreich, aufpassen, bevor Flics dir erwischen, die wollen och nur leben, ein wenig kassieren. Doch du hast jetzt mal Glück, keine Ablenkung, raus mit der Sprache, wieso du fliehst!

Unendlich tief gewachsene Trauer also? Aha. Wir verstehen, nicht um den Verlust eines lieben Menschen, sondern wegen den verpaßten Gelegenheiten, die Mensch zuließ. Soso. Das Artensterben sollte niemand unterschätzen, der Kreislauf der Natur ist ein Heiligtum gemessen am Pomp der Kirchen. Umweltbelastung mit daraus resultierendem Klimawandel, sicher, alles menschengemacht, erst recht jener Rüstungswahn. Weltschmerz nimmt dich ein, eine Kurzschlußreaktion, diese Flucht? Ganz genau, du begreifst es selbst.

Langsam überholen dich andere Verkehrsteilnehmer, ebenso ein Polizeiwagen ohne Blaulicht und herausgehaltener Kelle aus offenem Fenster. Du steuerst einen Rastplatz an. Mal tief durchschnaufen, die Augen schließen, beim Stehen mit laufendem Motor. Schnippst dabei die fast heruntergebrannte Kippe weg.

„He, Sie da, das ist ein Parkplatz, kein Aschenbecher! Heben Sie mal schnellstens den Glimmstengel auf, haben Sie verstanden!“, schreit eine Mittfünfzigerin dich entrüstet an. Wortlos steigst du aus, sammelst sie auf, die Kippe, nicht die Frau, entsorgst sie im Aschenbecher deines Autos, verneigst dich entschuldigend und fährst wieder gen Osten, zurück ins Leben voller Probleme, aber deine biste nicht losgeworden. Schwamm drüber.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Ohne zu küssen

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Keinen Kuß zum Abend.
Keinen Kuß zum Abschied.
Gefühle trabend.
Herz verschied.

Keine Augen, die leuchten.
Keine Ohren, die verstehen.
Tränen Gesicht befeuchten.
Schmerzen Lachen verwehen.

Zu mir treib das Lachen.
Zu mir spritz das Naß.
Zu mir schlepp die Gefühle.
Zu mir zieh das Herz.

Dann ist das Ende nicht nah.
Dann ist das Scheiden nicht schwer.
Darin erkenne ich dich wieder.
Darin vertrauten wir uns sehr.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Und täglich grüßt der Hegemon

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Ende friedfertiger Schonfrist

Man darf ihn nicht, man sollte es aber dennoch, ihn kritisch betrachten und dessen weltweit expandierende politische Botschaft anprangern, egal ob dabei ein polemischer Antiamerikanismis unterstellt wird, der Hegemon will es ganz offensichtlich nicht anders.

Ein derartiges Vokabular in der Presse spricht Bände, verdeutlicht gleichzeitig den Ernst der Lage, wenn von „Trumps Handgranate“ beim US-chinesischen Handelskonflikt die Rede ist. Die Kriegsgefahr im Mittleren Osten nimmt viel eher zu, weil die USA einen Flugzeugträger und Bomber in Richtung Iran verlegen. Aller schlechten Dinge sind drei trotz vorläufigen Waffenstillstand, den die Hamas und Israel erreichen.

Überall haben die USA ihre Finger im Spiel

Die weltweite Einmischung, wo immer möglich, kann kaum jemand von der Hand weisen. Keine Nation war bisher in derart vielen Kriesen- und Kriegsszenarien verstrickt, das weltpolizeiliche Gehabe fordert einen gewissen Antiamerikanismus nahezu heraus, wer sich nicht gänzlich von den USA in Abhängigkeit bestimmen läßt. Widerstände verbleiben.

Der äußerst komplexe Nahost-Konflikt, ganz besonders sichtbar im Gazastreifen, einer sich verselbständigenden Gewaltspirale trotz etlicher Waffenstillstände, löst sich keineswegs in Luft auf, führt zu realem Frieden, nur weil ein Donald Trump dies mal eben twittert.

Was geschieht nach dem ESC, wenn dieser zumindest ohne Raketenbeschuß der Welt musikalische Freiheit in Szene setzt? Bekanntlich verschwinden Feindbilder nicht einfach aus den Köpfen, sondern suchen Wege ihrer Entfaltung.

China und der Iran – ein eng verknüpftes Band mit Russland im Hintergrund

Vielleicht hat The Donald feuchte Träume, seine Wut gen Iran noch mehr zu forcieren, das Ende des Atomabkommens hat schon genug Schaden angerichtet, die USA haben durch ihn jedwedes Veto seitens der EU und Deutschlands ignoriert, es gilt, die iranische Führung zu verteufeln.

Ein Dilemma ohne reale Chancen auf friedliche Wege, erst recht wenn Trump plötzlich Strafzölle auf China-Importe erläßt, parallel per Flugzeugträger dem Iran droht. Der Beginn des Worst Case? Schließlich ruht weder ein Syrien- noch ein Ukrainekrieg, verbleibt die Aufrüstung zwischen den beiden Supermächten, bestätigt sich, daß eine weltpolitische Soap keine Friedensfertigkeit offenbart.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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