Altern kein leichtes Unterfangen

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Fluch oder Segen?

Es mag zynisch klingen und dies erst recht, wenn man weiß, wie viel Leid außerhalb der wohlbehüteten Industrienationen weltweit herrscht, ausgerechnet dann sich dahingehend zu äußern, daß eine niedrige Lebenserwartung vorm gebrechlichen Altwerden sie dort bewahrt. Das Ergebnis eines unwürdigen Dahinsiechens dürfen wir in den Pflegeheimen betrachten, auch wenn bereits nach etlichen Skandalen so manch gravierende Schlamperei aufgedeckt und beendet wurde.

Nach wie vor müssen sich die hilflosen, alternden Pflegebedürftigen alltäglich mit dem Personal auseinandersetzen, Pflegen im Minutentakt wird weiterhin praktiziert, für Menschlichkeit bleibt da nicht viel übrig, bis hin zu den noch unbekannten Mißständen, die sicherlich stattfinden, auch wenn dies geleugnet wird. Gleichzeitig muß aber auch vorneweg die mühsame Arbeit des Pflegepersonals gelobt werden, das trotz vieler Widrigkeiten mit großen Engagement seinen Job gewissenhaft ausübt und oft bis zum Rand der eigenen Erschöpfung sich nicht zu schade ist. Was läuft da verkehrt in unserer Gesellschaft?

Altwerden eine Frage des Geldbeutels?

Daß die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen ist, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Durch den Tod des Japaners Masazo Nonoka, der bis dahin ältester lebende Mann auf Erden war, zählt jetzt der Deutsche Gustav Gerneth weltweit zum ältesten. Und nicht immer darf man davon ausgehen, daß Reiche älter werden und Arme früher sterben. Jedoch prinzipiell muß man es dennoch feststellen.

Das hat viel mit ärztlicher Vorsorge und Betreuung zu tun, mit dem Arbeitsleben, der Ernährung und ganz besonders auch mit der psychischen Belastung. Wer keine Geldsorgen zu beklagen hat, schläft ruhiger, dessen Seele wird nicht einem Dauerstreß voller Sorgen unterzogen. Gleichzeitig spielt der Lebenswandel eine große Rolle, um das Altwerden zu begünstigen oder eben mit dem Tod als Folge exzessiven Lebens: Kettenraucher, Alkoholkranke, Drogenkonsumenten, aber auch Workaholics, um nur einige Extreme aufzuzählen, gehören zu jenen Kandidaten.

Die Gerontologie (aus dem Griechischen für géron für „Greis“ und lógos für „Lehre“) beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Altern, wobei sie nicht umhin kommt, sich bei dieser großen Thematik auch mit der Geriatrie (Altersheilkunde), der Gerontopsychiatrie (Seelenheilkunde), Sozialarbeit und Altenpflege auseinanderzusetzen. Doch wie reagiert unsere Gesellschaft auf ihre älter werdenden Menschen? Hat sie die richtigen Antworten, um ihnen einen menschenwürdigen Lebensabend zu gönnen? Die Politik weiß keine bessere Antwort, als die Rente mit 67 einzuführen, manche Politiker fordern sogar nonchalant die Rente mit 70 oder gar 80. Ein Bauarbeiter sollte spätestens mit 60 in Rente gehen dürfen. Wer dennoch muß, riskiert erhebliche, gesundheitliche Schäden. Unser Körper wurde nicht von der Schöpfung geschaffen, um uns dermaßen unklug bis hinein in ein solch hohes Alter zu verschleißen. Wer diesen Umstand ignoriert, macht sich mitschuldig am Leid der Betroffenen.

Jugendwahn und Altersgesellschaft – paßt das zusammen?

Eigentlich überhaupt nicht. Und doch bleibt der Gesellschaft nichts anderes übrig, als die passenden Lösungen zu finden. Wer heute noch jugendlich dynamisch im Berufs- und Privatleben in vollen Zügen sein junges Leben genießt, darf sich dessen gewiß sein, daß er auch mal alt wird, vorausgesetzt, ihn ereilt keine schwere Krankheit oder ein Unfall. Aber gerade die derzeitig junge Generation hat deshalb auch die Möglichkeit, die eigenen „Weichen“ zu stellen in eine bessere Zukunft für ältere Menschen.

Wenn schon das Altwerden heutzutage viel eher als ein Fluch zu bezeichnen ist, anstatt ein Segen, so wartet auf die folgenden Generationen ein enormer Nachholbedarf, um dies zu ändern. Das Klima sozialer Kälte hat schon lange Hochkonjunktur, denken wir nur an das Unwort des Jahres 1996 zurück, das da lautete: „Rentnerschwemme“ oder an das zwei Jahre später gefundene „sozialverträgliches Ableben“! Widerlicher kann eine Gesellschaft nicht das Verhältnis zu ihren alten Menschen offenbaren. Gleichzeitig muß man mit Schrecken all diese verzweifelten Bemühungen derjenigen beobachten, die bis ins hohe Alter dem Jugendwahn verfallen. Vom Botox spritzen, Gesichtscremes bis hin zu gesichtschirurgischen Eingriffen wird alles versucht, um dem Altwerden entgegenzuwirken.

Obwohl ein demographischer Wandel zum Älterwerden schon lange kein Novum darstellt, wurde nicht entsprechend reagiert. Unsere Gesellschaft muß die passenden Antworten finden, und zwar schnellstmöglich, um das Leid unserer älteren, pflegebedürftigen Mitmenschen zu beenden. Dabei sollte nicht nur die Bezahlbarkeit eine Rolle spielen, sondern auch ein Überdenken der Praxis. Es kann und darf nicht sein, daß menschenunwürdige Zustände im Pflegefall Zeugnis unserer Humangesellschaft widerspiegeln, sie stellt sich damit sonst selbst in Frage.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Klingeltöne

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Er bellte,
als es schellte.
Verwandte,
die Patentante,
vor der Tür,
er wird zum Tier.
Verscheucht sie laut,
sie Hunden nicht traut.
Zufrieden,
sie vertrieben,
streichelt den Bart,
da bin ich beinhart.
Anderntags,
im Briefkasten lags,
kurz notiert,
ich hab kapiert,
Susi mit Hund bei dir,
werd glücklich mit ihr.
Ring anbei.
Verlobung entzwei.
Marcel schockiert,
so leicht passiert
ihm das nie wieder,
neue Klingel spielt Lieder,
Tonfolge wenigen bekannt,
bellen als Vorwand,
Schnee von gestern,
er liebt jetzt zwei Schwestern.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Dreh dich stets um, nimmt dir wohl keiner krumm

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Wer jetzt an den Fuchs, Lumpensammler oder Falco gedacht hat, liegt eher verkehrt. Alte Liedtexte mögen manch Erinnerungen oder Assoziationen hervorrufen, kann schließlich nicht unbedingt schaden, dürfte für genügend Abwechslung oder neue Ideen sorgen. Sich umdrehen oder ändern, eine Option, die oftmals anzuraten ist, besonders wer fehlgeleitet unterwegs.

Davon scheinen etliche betroffen zu sein, bei genauer Betrachtung, ob am Arbeitsplatz, in Schulen, Familien oder in den Social Media. Letztere offenbaren manch schreckliche Entgleisungen bis hin zu handfesten Drohungen oder Aufrufen. Hinzu gesellen sich all jene, die unverfroren meinen, sie können sich alles erlauben in den Weiten des Internets, weil sie eine gewisse Anonymität schütze. Welch Irrtum.

Solange nur im stillen Kämmerlein, mag es keinen Schaden anrichten, doch in der Politik entpuppt es sich spätestens zum Problem, erst recht, wenn obendrein Macht und Entscheidungsgewalt mit im Spiel. Was hierzulande uns erwarten könnte, läßt sich gleich beim österreichischen Nachbarn oder übern Ozean gen Westen beobachten, wo jener „blonde Dolle“ sein Unwesen treibt. Was interessieren Menschen- oder Frauenrechte, alles Mumpitz, der Herr wird’s schon richten, wer nicht folgt, den gilt es zu vernichten. Nicht gleich für alle sichtbar, aber ohne jedwede Scheu.

Bestimmte Entwicklungen nehmen ihren Lauf, aus dringender Notwendigkeit, erst recht angesichts fehlgeleiteter Entscheidungen zu Ungunsten der Umwelt, des weiterhin zunehmenden Elends, weltweit wie in reichster Nation selbst. Aber Humpty-Trumpty besteht auf seinen Kurs, wer nicht folgt, wird entsprechend abgefertigt. Die einen als Stärke werten, andere als Unfähigkeit, unter letzterem hat die Welt zu leiden.

Rückblick, keinerlei Ungeschick, ganz im Gegenteil ein wahrer Erfahrungsschatz, wer genau hinschaut, darauf baut, vertrauensvoll die Belange der Menschen zu würdigen, besser mal jener Gier keinen Raum mehr zu geben, das ist die dringend notwendige Herausforderung unserer Zukunft, die gefährdet, wenn diese Erkenntnis nicht greifen darf.

„Die Dienste der Großen sind gefährlich und lohnen der Mühe, des Zwangs, der Erniedrigung nicht, die sie kosten.“ (Gotthold Ephraim Lessing)

Was nützen solche Erkenntnisse, wenn Mensch immer wieder die Großen bedient, statt sie endlich von dannen zu jagen?!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Lieber peinlich als Pein

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Eleonore
schnarchelt auf der Empore,
sonntags früh ist sie sittsam,
nie zu spät zur Predigt sie kam,
die Sünden von Samstagnacht
mit einem Nickerchen wettgemacht,
lebt es sich die nächsten sechs Tage
ohne Furcht vor der möglichen Plage,
sich im Fegefeuer einst zu befinden,
dafür lohnt es sich, sich zu schinden,
denn ein schwitziger und öliger Leib,
als Strafe für samstäglichen Zeitvertreib,
die schrecklichsten aller Vorstellungen,
lieber mag sie, begleitet von Engelszungen
die, die fromme Lieder zum Orgelspiel singen,
hinübergleiten in ein Schläfchen voller Traum,
das bißchen Schnarcheln, das stört sie kaum.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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„Fridays for Future“ – Schulstreiks für andere Klimapolitik

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CDU-Nachwuchs zeigt sich uneinsichtig

Politikversagen unterstellt sie, trotz jährlich stattfindender Klimakonferenzen seit nunmehr über zwanzig Jahren würde sich viel zu wenig ändern. Völlig berechtigt bezeichnet die Süddeutsche Zeitung die schwedische Schülerin Greta Thunberg als „Galionsfigur der Klimaschutzbewegung“.

Während im letzten Jahr die Dürre- und Hitzewelle weite Gebiete Europas heimsuchte, entschloß sich die fünfzehnjährige Greta Thunberg am 20. August, dem ersten Schultag, mit einem Schild vorm Schwedischen Reichstag aufzutauchen, auf dem geschrieben stand: „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“).

„Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen“

Führt Greta Thunberg während ihrer dreiminütigen Rede auf dem Klimagipfel in Kattowitz an, die in Windeseile um den Globus verteilt wird, ein klarer Denkzettel an die Politik gerichtet, die es verpaßte, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen, um den Klimawandel wesentlich effektiver auszubremsen.

Bereits als Neunjährige beschäftigte sie sich mit den sogenannten tipping points, genau jene Momente, ab denen spezielle Entwicklungen im Klimawandel eben nicht mehr aufzuhalten sind, große Reden und tatsächliche politische Entscheidungen würden sich wesentlich widersprechen.

Lehrkräfte sollen Schulschwänzen ahnden

Geht es nach der Schülerunion, sollen die gestrig streikenden Schüler für den Klimaschutz konsequent bestraft werden, schließlich könne mit Schulschwänzen kein Klimawandel bekämpft werden, dies sei in etwa so sinnvoll, wie mit dem Staubsauger durch die Sahara zu laufen, begründen Junge Union (JU) und Schüler Union (SU), Proteste sollten außerhalb der Schulzeit stattfinden, derartige Fehlzeiten müßten somit im Zeugnis vermerkt werden.

Was durch Greta Thunberg mutig initiiert wurde, weltweit für entsprechende Aufmerksamkeit sorgte, will der CDU-Nachwuchs direkt verteufeln, kleinreden. Da zeigt sich doch erneut, wie vorschnell ignorant politischer Nachwuchs gen eigene Karriere blickt, die nur eines im Sinn hat: nicht auffallen, immer schön der Parteidoktrin hinterherhecheln, was interessiert ein Klimawandel, wird schon nicht so tragisch sein, Hauptsache die Profite werden eingefahren.

Das entspricht genau der Haltung, die Greta Thunberg völlig zu Recht anprangert, beherzte Schüler deutschlandweit engagiert mit den Protesten „Fridays for Futere“ ein Zeichen setzen wollen, daß die verantwortliche Politik endlich wirklich reagiert. Wetterextreme bestätigen längst den Klimawandel, da können die Trumps, die Putins und alle Klimawandelleunger sich weiterhin noch so ignorant verhalten, die Quittung kommt schneller, als manch einer erahnt!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Ausweglos

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Kirchturm,
unten kriecht ein Wurm.
Heiligtum,
eine Bombe zündet – bumm.
Glockenläuten,
was hat das wohl zu bedeuten?
Predigt,
hat sich längst erledigt.
Sündenfall,
Aufklärung erfolgt per Überschall.
Oberstes Gebot,
hilf den Armen in höchster Not.
Moralapostel,
der mit dem dicksten Fell.
Shutdown,
was bezweckt damit dieser Clown?
Happy End,
wenn alles deshalb wegrennt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Zwischenmenschliches auf stillem Örtchen

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Ansichten zweier Welten

Der Großteil der Menschheit lebt in Städten, während in manchen Gegenden der Erde Menschen Gleichgesinnte sehnlichst suchen zwecks gelegentlichen Austauschs.

Obgleich die Einsamkeit für die Gehetzten eine wohltuende Stille bedeutet, sich Naturverbundene in Großstadtmetropolen vor lauter Lärm, Gestank und Hektik verloren fühlen würden. Grund genug auch mal im Alltag abzuschalten, dem Stakkato des Streßes zu entfliehen, Oasen des Innehaltens aufzusuchen, selbst an eher ungewöhnlichen Plätzen wie beispielsweise in einer öffentlichen Toilette.

Neulich fanden sich zwei völlig unterschiedliche Menschen ein, wobei beide voneinander eben nicht wußten, jeder meinte, er sei allein im Raume. Dadurch fühlten sie sich unbeobachtet, ließen ihren Gedanken freien Lauf, trafen Ansichten zweier Welten aufeinander – Zwischenmenschliches auf stillem Örtchen. Aber horchen Sie selbst mal rein.

Sprecher: Irgendwo in einer Stadt Deutschlands, die mit dem B vorne und den rund vier Millionen Menschen, in einem öffentlichen WC. Während Ben just den Riegel der grauen Kunststofftür zugeschoben hatte, hechtete Mike nach langem Dauerlauf in den ein wenig nach Chlor muffelnden Raum, knallte die Tür zu, riß die Jogginghose heftigst nach unten, setzte sich und das befreiende Fließen erleichterte seine Blase. Keine Sorge, es folgen keine weiteren Details in Sachen Toilettengang. Ben hatte trotz des Lärmes nichts bemerkt, war verunsichert, dachte nach.

Ben: Manchmal fordert mich Harald heraus, mit welchem Recht überläßt man ihm derart komplexe Handlungsspielräume, obwohl ich doch über wesentliche Berufserfahrung verfüge? Woher hat dieser Schnösel eigentlich die Courage, dermaßen unverfroren mich fortlaufend zu mobben? Etwa mit der Chefin in der Falle gewesen? Das darf doch alles nicht wahr sein!

Sprecher: Sie müssen wissen, Bens Beförderung stand auf dem Spiel, da ein jüngerer Rivale mit ganz simplen Mitteln ihn in die Quere kam. Mike hingegen beschäftigten ganz andere Probleme.

Mike: Was für ein Geruch hier. Nun denn, jetzt erst mal in aller Ruhe meine Gedanken sammeln. Joanna meint also tatsächlich, ich hätte nichts bemerkt? Na, was glaubt sie eigentlich, meint sie, ich tappe blind durchs Leben? Und das nach all den vielen Gesprächen der letzten Wochen? Mit solch simpler Ausrede kommt sie mir nicht davon. Nö nö, nicht mit mir! Zumal dummerweise och noch der Bernd sein Handy auf ihrem Nachttisch hat liegen lassen, also offensichtlicher geht’s wohl kaum!

Sprecher: Ben schwenkte nach anfänglicher Wut in gemäßigte Gedankenwelten, erste Anzeichen strategischer Ideen entwickelte er unverblümt.

Ben: Das laß ich mir nicht länger bieten! So billig kommt der Harald nicht davon, da muß es eine Möglichkeit geben, ihm eine Falle zu stellen. Hm. Was wäre denn, wenn ich ein wenig mir seinen PC vorknüpfe. Doch halt, ich weiß doch sein Paßwort nicht. Hehe, na klar, die Idee, der Tom knackt es bestimmt, nur noch Harald für ne gewisse Zeit ablenken, na siehste, das funktioniert, bekomme ich hin.

Sprecher: Während Ben sichtbar gelassener sich die Hände rieb, war Mike jetzt am Höhepunkt seiner Eifersucht angelangt, um dennoch nach Wegen zu suchen, Joanna für sich zurück zu gewinnen.

Mike: Ich muß dem ein Ende setzen, werde sie gleich nachher ansprechen. Am besten direkt klären, so weiß ich wenigstens, woran ich mit ihr in Zukunft bin. Aber halt, geht ja gar nicht, muß noch zwei Zeichnungen beenden, hätte ich ja beinahe vergessen. Studium und Beziehung scheint doch schwerer vereinbar zu sein, als ich anfangs dachte. Vielleicht war es genau das, was Vater neulich meinte?

Sprecher: Ben streckte sich genüßlich, so weit man das halt in der Kabine einer öffentlichen Toilette überhaupt vermag. Genau, diese Taktik könnte fruchten, glaubte er nunmehr zu wissen.

Ben: Für nen 50er macht das der Tom garantiert. Und dann find ich Haralds Schwachpunkte, die ich einzusetzen weiß. Danach kann er einpacken, eventuell sogar die Firma verlassen, das wird das Beste sein nach dem Vorfall, Chefin hin oder her. Die geht sowieso über Leichen, wie mir scheint.

Sprecher: Mike war fest entschlossen, trotzdem seiner Beziehung noch eine Chance zu geben, schließlich räumte er für sich ein, daß er wohl nicht der einzigste Student sei, der Studium und Freundin meistern möchte. Wo die Liebe hinfiel, suchte sie sich Wege.

Mike: Ach, was soll’s, entweder sie gesteht ihren Ausrutscher und wir versöhnen uns, oder aber die Wege trennen sich. Einfach darüber zu schweigen, geht nicht, da spielen meine Gefühle verrückt. Ich muß da jetzt durch.

Sprecher: Inzwischen hatte eine unglaubliche Gelassenheit Bens Verfassung erreicht. Genußvoll ließ er die einzelnen nächsten Schritte Revue passieren, beendete zügig sein Geschäft, verließ das stille Örtchen und begab sich zum Handwaschbecken. Auch Mike war guter Dinge, überlegte schon, welche Schwierigkeiten ihn bei den Zeichnungen erwarten würden. Das Klärungsgespräch mit seiner Freundin war für Momente nur noch zweitrangig.

Manchmal begegnen sich Menschen, schweigsam, ohne Worte, sogar wie in diesem Fall, wo keiner den anderen sah, gedankenversunken in ihrer eigenen kleinen Welt, und doch trägt jeder Verantwortung innerhalb seines Seins, versucht sich selbst zu finden, ob dabei stets im Sinne einer folgerichtigen Entscheidung, bleibt mal dahingestellt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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