Nachts unterwegs II

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Verirrt,
verwirrt,
falsche Richtung
gelaufen,
Dichtung –
ein Papierhaufen.
Mondlicht
zu schwach –
kann passieren
so eine Sach`.
Früher Unterhosen
gebügelt,
Schwachsinn,
der beflügelt,
rascheln
im Gebüsch,
nachtblau
ist hübsch,
drunter oder drüber,
es ist mir lieber,
angezogen,
meinem Herzen
eng gewogen,
komm raus,
du graue Maus,
du Krähe,
dachtest, daß
ich dich nicht sähe.
Tobender Beifall,
neben mir Geräusche
wie ein Wasserfall,
es springen, hüpfen,
tanzen,
im Ganzen,
so in etwa
zehn Rehe
in die Höhe-
und weg und zack
und fort,
wieder allein an diesem
gottverlassenen Ort.
Heckendorf,
wetten meine Füße
erinnern mit Schorf
mich noch wochenlang
an diesen
Nachtspaziergang.
Jetzt noch so an die
fünf Kilometer,
ohne Jammern
und Gezeter,
verfluchter Mist,
Gewitter,
es pisst,
donnert und blitzt,
es flitzt
sich nicht leicht
auf Schienen,
mir ist noch nie
Mutter Gottes
erschienen,
da steht sie vor mir,
mit Taschenlampe
nimmt sie mich
ins Visier.
Hinter ihr ein Mann,
weil man nur zu zweit
Bahre tragen kann.
Vor lauter Freud´,
nachts treffen sich
die komischsten Leut`,
und weil ich sonst
niemand gesehen,
der auf dieser Strecke
war am Gehen,
wechselten wir uns
reihum ab,
jeder durfte in der Bahre
liegen wie im Grab,
ruhig schwebend,
Wasser das Gesicht
belebend,
bis wir meinen
Urlaubsort erreichten.
Dort saß
mit durchgeweichten
Klamotten
neben dem Bahnhof
der vermißte
Freund, hartgesotten,
ohne Miene zu verziehen
wurden wir begrüßt,
einer, der öfters
anderen die Leviten liest,
ihr seid nicht besser,
als die Bahn, die hier
früher fuhr,
Verspätungen ohne
Gewissensbisse,
immer dieselbe Tour.

Nafia

Nachts unterwegs

Kategorie: Gedichte

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Nahrungsergänzungsmittel kritisch betrachtet

Schummeln im großen Stil

Man findet sie in Reformhäusern, Bioläden und beim Discounter, in Apotheken. Doch braucht man die denn überhaupt? Wer sich wirklich ausgewogen ernährt, kann sie getrost in den Regalen stehen lassen, die oftmals verlockende Werbung mal besser ignorieren, weil deren Heilsversprechen keiner ernsthaften wissenschaftlichen Studie standhalten würden.

Davon wollen Firmen, die ihre so tollen Nahrungsergänzungsmittel an die Frau, den Mann oder gar ans Kind bringen wollen, nichts hören, reagieren gar entrüstet, wenn man sie krititsiert und genauer unter die Lupe nimmt. Zieht man den Hochleistungssport hinzu, wird es erst recht ziemlich kriminell, weil die Grauzone der Dopingkontamination mitschwingt, Anabolika und Prohormone entsprechend für Probleme sorgen.

Studien relativ simpel unters Volk bringen

Viel Schmu und somit betrügerische Hochstapler unterwegs? Das muß man leider unbedingt feststellen. In der WDR-Sendereihe Planet Wissen beschäftigte sich der Beitrag „Wenn Wissenschaftler schummeln“ kürzlich mit dem Thema. Dort berichtet der investigative Journalist Peter Onneken, wie simpel er es schaffte, beim 7. Weltkongress zum Thema Brustkrebs auftrat, um als angeblicher Wissenschaftler und Onkologe zu referieren. Kein Widerspruch folgte.

Erinnerungen mögen bei dem ein oder anderen wach werden, denken wir an die heutige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, deren Doktortitel mal vom Plagiatsjäger von VroniPlag Wiki in Frage gestellt wurde, weil es schwere Regelverstöße fand. Selbst wenn die Medizinische Hochschule Hannover später entschied, sie könne ihren Doktortitel behalten, verbleiben berechtigte Zweifel. Zieht man die Hannover-Connection hinzu wohl erst recht! Dabei denkt der geneigte Kritiker schnell an Namen wie Carsten Maschmeyer, Christian Wulff, Gerhard Schröder oder eben die Abrecht-Tochter.

Riesige Märkte folgen profitablen Machenschaften

Ganze Industriezweige finden sich dabei ein, allen voran die chemische Industrie, die mit der Agrarwirtschaft längst eng verflochten Abhängigkeiten erschafft hat, Mensch nur noch zweitrangig sich unterordnen muß.

Demnach unser täglich Gift bis hinein in Lebensmitteln eben nicht verbannt wird, dann lieber nachhelfen mit gesundheitsversprechenden Nahrungsergänzungsmitteln. Eine nicht ungefährliche Entwicklung. Umso wichtiger, sie äußerst kritisch zu betrachten, Verbraucher besser von ihnen abzuraten. Kein leichtes Unterfangen in einer Welt voller Versuchungen und Blender.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Nachts unterwegs

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Beschienen,
die Schienen,
langgelaufen,
ohne zu
verschnaufen,
eilig.
Scheinheilig
des Mondes Licht,
mal heller, mal nicht,
er treibt seinen Spaß,
nur auf die Schienen
ist Verlaß.
Abgehetzt,
unverletzt,
das Ziel erreicht,
Knie zittern leicht,
Wolken verschwunden,
umsonst geschunden,
Bahnhof Oberraghild
stand auf dem Schild,
falsche Richtung,
umsonst bemüht
die Dichtung.
Das Ganze auf Anfang,
die Story wird halt
doppelt so lang.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Apollo 11 Mondfahne spurlos verschwunden

Erster kosmischer Diebstahl

Die Menschheit blickte entsetzt gen Mond, obwohl niemand dermaßen scharfe Augen haben konnte, auch nur ansatzweise irgend etwas auf dem einzigen Erdtrabanten zu sehen, geschweige eine vor bald fünfzig Jahren aufgestellte US-amerikanische Fahne. Aber sie schaute trotzdem gebannt und sorgenvoll hin, machte sich so ihre Gedanken, rätselte, wer wohl dahinterstecken könnte.

Für sämtliche Verschwörungstheoretiker war der Fall ohnehin schon weit vorher völlig klar gewesen, kein Astronaut, und schon gleich gar kein US-amerikanischer hatte ihrer Meinung nach jemals den Mond betreten und somit auch keine Fahne dort zurückgelassen. Selbst die anderen noch auf dem Mond verbliebenen fünf Fahnen seien lediglich ein simples Spiel der Täuschung gewesen. Für den weitaus großen Teil der Weltbevölkerung aber stand jetzt fest: Mit der verschwundenen Apollo 11 Mondfahne handelte es sich hierbei um den ersten kosmischen Diebstahl!

Besonnen ausgereift durchdachter Handlungsbedarf war nunmehr vonnöten, um alles daran zu setzen, die Diebe zu entlarven, aufzuspüren und der Weltöffentlichkeit zu präsentieren. Natürlich fühlten sich insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika aufgerufen, daß damals erstmalig in den Mondboden gerammte Symbol menschlichen Genies, den uralten Menschheitstraum, nicht den Mann im Mond zu treffen, sondern vielmehr selbst ihn zu betreten, schnellstmöglich wieder zu finden. Und so traf man sofort erste Entscheidungen. Eine Special-Taskforce-Luna-Banner-Mission, kurz die STLBM wurde ins Leben gerufen. Von Beginn an herrschte eine absolute Nachrichtensperre und Geheimhaltung, und so entschied der US-amerikanische Präsident Mick Ronny, der erst kürzlich ins Weiße Haus eingezogen war, die Oberbefehlsgewalt für sich in Anspruch zu nehmen, was niemand ernsthaft anzweifelte.

Selbstverständlich hatten im Vorfeld die USA sämtliches Filmmaterial gesichtet, die anderen Plätze aus der Ferne begutachtet, wo mit den Apollo-Missionen (12, 14, 15, 16 und 17) ebenfalls jeweils eine Fahne aufgestellt und gehißt worden waren. Aber keinerlei Indizien ließen sich entdecken, jede neue Spur wäre sofort aufgefallen, zumal kein Kosmossturm jemals ein Mondsandkorn aufgewirbelt hatte, der Trabant wurde von solchen Stürmen eben erst gar nicht heimgesucht.

Specialagent Fred Thornton, Leiter der STLBM, stellte sich seinem Team vor. Sämtliche Bewegungen, alles was sich innerhalb der Mission abspielte, wurde stets mit der Kamera begleitet, sollte späteren Unklarheiten, aber auch als Anschauungsmaterial für zukünftige Missionen dienen. Die Menschheit hatte mit dem Betreten des Mondes 1969 längst die Tür zum All geöffnet, der Diebstahl stellte sich als unverkennbares Indiz heraus, daß da noch andere Spezies auf sie warteten.

„Ausschweifende Reden sind so gar nicht mein Fall. So komme ich auch gleich zum Punkt“, eröffnete Thornton seinem neuen Team, „in wenigen Stunden sitzen wir allesamt im Shuttle mit Kurs zum Mond, um uns ohne Umschweife gezielt und direkt auf die Suche zu begeben. Ihnen allen lag der kurze, straff verfaßte Bericht vor, ein jeder weiß, was zu tun ist, kennt sein Aufgabengebiet. Ich wünsche uns eine gute Zusammenarbeit, und falls noch Fragen sind, dann bitte ich jetzt darum, sie vorzutragen, damit keine Unklarheiten herrschen.“ Die meisten kannten Fred und sich ebenso untereinander, bis auf wenige ganz speziell Geschulte, insbesondere für außergewöhnliche Herausforderungen, wie z.B. Ellen Ripey, die Biologin, die auf außerirdisches Leben spezialisiert war. Skeptisch schaute sie in die Runde und meldete sich zu Wort.

„Mr. Thornton“, begann sie, wurde aber sofort von ihm mit der Bemerkung unterbrochen, daß hier im Team sich doch alle duzen mögen, angesichts der sehr persönlichen Nähe, auf solch engem Raum habe das wesentlich mehr Vorteile, schaffe schnell besseres Vertrauen.

„Oh ja, selbstverständlich, du hast Recht“, bestätigte Ellen ihn, „was sind die Optionen im Falle einer Begegnung der neuen Art, verfahren wir dann nach Handbuch oder aber entscheiden wir der Situation entsprechend, was gleichzeitig auch bedeutet, daß einer von uns gezielte Entscheidungen treffen muß, ohne vorherig den Teamleiter um Zustimmung fragen zu müssen. Das könnte sich als existenzielle Frage herausstellen, die jetzt am besten zu klären ist, oder?“, fuhr sie fort und schaute ihm herausfordernd direkt in die Augen. Thornton stimmte ohne Umschweife zu, da sie natürlich vollkommen Recht hatte, in solch Extremsituationen war Erfahrung, Wissen und eine große Portion hilfreiche Intuition vonnöten, die Ellen allemal mitbrachte und kein Autoritätsgehabe. Das Team atmete hörbar erleichtert auf.

Stunden später befanden sie sich längst im All, der Mond rückte deutlich sichtbar näher. Aber gleichzeitig wurden auf Mutter Erde sämtliche Register gezogen, um vielleicht doch noch den Verlust dieser prestigeträchtigen Fahne abzuwenden, sie wiederzufinden, vielleicht war sie dreist und unbemerkt geklaut worden von einer anderen Nation. Niemand startete einfach so eine dermaßen aufwendige Mission, ohne alles auf Erden versucht zu haben. Dennoch verblieben Restzweifel. Könnte etwa die Volksrepublik China oder die Russische Föderation dahinterstecken, vielleicht auch die Republik Indien? Diese Ungewißheit war eigentlich unerträglich für alle Betroffenen.

Die Fähre setzte auf, das Team wollte nunmehr vor aller Weltöffentlichkeit seine unverkennbare Kompetenz unter Beweis stellen, als plötzlich Eric Bridgestone, der als erster aussteigen sollte, auf die Stelle schaute, wo vorher die Apollo 11 Mondfahne gesteckt hatte, und lauthals stotternd aufschrie: „Die die Fahne, da liegt sie do… doch im Staub!“ Niemand rührte sich vor Ort, im Hintergrund herrschte aufgeregtes Geplapper, die nachfragenden Funkstimmen des Raumfahrtzentrums in Houston überschlugen sich, die meisten dachten, sie hätten sich verhört. Doch es stand fest, die Fahne befand sich immer noch auf dem Mond. Ein wenig später löste sich das Rätsel, wie es geschehen konnte, daß die Fahne ohne Sturm, ohne menschliche Berührung einfach hatte umfallen können. Die abhebende Apollo 11 Fähre war der Fahne zu nahegekommen.

Mission erfolgreich beendet, alle Verschwörungstheoretiker durften sich wieder anderen Themen widmen, die erste Mondlandung aus dem Jahre 1969 hatte sich tatsächlich so abgespielt, wie alle Welt es an den Fernsehbildschirmen sahen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Zweiheit

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Zwei Flügel,
die schweben
tags in
schimmernden Farben,
nachts mit
samtenen Schwingen,
Duft in
sich fühlend,
Nektar mit
Sanftheit anfliegend,
verweilend in
einem Körper,
balancierend mit
symmetrischem Flattern,
um Liebe auszustrahlen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Schichtarbeit alles andere als gesund

Ein ganz normaler Job in einer Eisengießerei?

Vor rund 40 Jahren begab sich der junge, ungelernte Thomas Mertens (der echte Name ist Querdenkende durchaus bekannt) auf Jobsuche. Prompt vermittelte ihm das Arbeitsamt Limburg eine Hilfsarbeitertätigkeit in einer Eisengießerei, ob er denn bereit wäre, auch in zwei Schichten zu arbeiten, die erste wäre von 5 Uhr bis 14 Uhr und die zweite von 14 Uhr bis 23 Uhr, dabei im wöchentlichen Wechsel.

Da die Zeit drängte, er keinerlei andere, kurzfristige Arbeit in Aussicht hatte und im werkseigenen Wohnheim leben konnte, unterschrieb er schließlich den Arbeitsvertrag. Thomas Mertens befand sich noch auf der Suche, welche Berufsausbildung er denn sich vorstellen konnte, war ihm so gar nicht klar. Insofern entschied er sich zunächst, unterschiedliche Jobs in verschiedenen Sparten auszuüben, wollte einfach mal in die ganz normale Arbeitswelt hineinschnuppern, wußte auch nicht so recht, worin seine Begabungen lagen.

Mit zwei großen Koffern bezog er sein ihm zugewiesenes Zimmer im besagten Wohnheim. Laut war es dort, in der Gemeinschaftsküche wurde international gekocht, schließlich arbeiteten im Werk auch Albaner, Griechen, Italiener, Türken, Jugoslawen, Spanier, Portugiesen. Das gefiel Thomas, zumal er bereits nicht nur als Massentourist im europäischen Ausland Erfahrungen gesammelt hatte. So erfuhr er in ersten Gesprächen, was zu beachten sei, wie die Hausordnung „tickt“, aber auch die interne Hierarchie war schnell durchschaut.

Die erste Frühschicht – viel Lärm, schwarzer Staub und Elend

Der Wecker klingelte gnadenlos schrill, als er sich um 4:15 Uhr aus dem Bett wälzte und ihn schnell abstellte. Duschen, Kaffeetrinken, Stullen schmieren und sich auf dem Fußweg begeben ins ca. 13 Minuten entfernte Werk. Heute sicherheitshalber etwas früher, weil alles unbekannt und neu war, und er auch früher an der Pforte sein sollte, der Vorarbeiter wollte ihn dort abholen.

Günther P. nickte kurz und sie betraten zunächst den Spintraum, wo Thomas seine Arbeitsklamotten in Empfang nahm. Der Vorarbeiter stellte ihn seinen Arbeitskollegen vor und verschwand gleich darauf. Rudi riet ihm, vor Betreten der Halle sich die gelben Wattestöpsel in die Ohren zu stopfen, es sei ziemlich laut. Ganze Kerle machen das wohl eher nicht, dachte Thomas, nahm sich zwar welche, aber ließ sie erst mal in der linken Tasche verschwinden. Fünf Minuten später war der Höllenlärm ein wenig erträglicher für ihn mit den Stöpseln in den Ohren.

Ein riesiges Förderband empfing ihn, zur Linken schütteten Arbeiter den flüssigen Stahl in die gelben Einfüllstutzen, die in quadratisch schwarzen Sandformen nicht zu übersehen waren. Günther meckerte einen Altgesellen an, er sei zu langsam, während er ihm demonstrativ den Arbeitsgang vorführte. Thomas sollte zunächst einfach zwei unterschiedliche Formen an ganz bestimmte Stellen stecken. Eine stupide Arbeit, die sich ständig wiederholte, Erinnerungen an Moderne Zeiten wurden in ihm wach. In den fünfzehn Minuten der Frühstückspause bemerkte Thomas zum ersten Mal, welche Spuren der Lärm hinterließ. Günther kniff nach jedem zweiten oder dritten Satz die Augen fest zusammen, eine Gesichtsmimik, ganz ähnlich wie wenn man plötzlich sich auf die Zunge gebissen hätte. Ein Kollege stotterte teilweise, während andere, obwohl Nichtraucher, stetig husten mußten. Erste Zweifel kamen ihm auf, wohl erahnend, daß dies kein Job auf Dauer sein könnte.

Ein paar Wochen später – seine letzte Abteilung

Etliche Schichten hatte er hinter sich im wöchentlichen Wechsel. Ganz besonders hart die Änderung von der letzten Spätschicht zur nächsten Frühschicht, wenn auch 54 Stunden dazwischen lagen vom Freitag spät abends bis Montag frühmorgens, so mochte der Körper nicht so richtig mitziehen, jede Bewegung beim Wochenstart war zunächst fast wie wenn eine durchzechte Nacht hinter einem gelegen hätte. Aber wahrscheinlich nahmen Hunderttausende andere Schichtarbeiter das auch einfach hin, warum nicht ein Thomas Mertens?

Inzwischen hatte er verschiedene Abteilungen kennengelernt, eine Woche lang mußte er z.B. unter den Förderbändern den herunterrieselnden schwarzen Sand mit einer Schaufel immer wieder wegschippen, teilweise per Schubkarre an bestimmte Schächte, wo der Sand verschwand und wie von Zauberhand wegtransportiert wurde, damit die Bänder nicht irgendwann stillstanden. Das ganze wenigstens mit Gasmaske, was bei der Abwärme viel Schweiß kostete.

Das jähe Ende nahte allerdings, zwei Tage lang hielt es ihn in dem Bereich, wo er per langer, schwerer Eisenstange die glühenden Formteile aus dem Sand in vorgesehene Container befördern sollte. Drei bis vier Liter Wasser saufen war ein absolutes Muß bei einer Raumtemperatur von gut 50°C. Danach hielt Thomas nichts mehr, nur sieben Wochen verbrachte er als Hilfsarbeiter in dieser Eisengießerei, die neben Gullideckel auch Autoteile für bestimmte Hersteller anfertigte. Nunmehr wußte er, was Schichtarbeit und die Grenzen bedeuteten, sich als Hilfsarbeiter zu bemühen.

Wie schrieb schon Norman Mailer so sinnig: „Im Leben kommt es darauf an, Hammer oder Amboß zu sein – aber niemals das Material dazwischen.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Unbeschützt

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Der Besuch war extrem gefährlich,
da bin ich ganz direkt und ehrlich,
das spreche ich frank und frei heraus,
die Kosten, die lasse ich lieber aus.

Der Andrang war schon morgens groß,
und dann, wie sag ich es am besten bloß,
stellt euch vor, einige dieser Kreaturen,
alles überragend wie Kirchturmuhren

beäugen von Angesicht zu Angesicht
jeden meiner Schritte, gruselig, nicht?
Manche hatten Nasen, fast so lang
als lebte in deren Gesicht eine Schlang’.

Und erst deren durchdringende Stimmen,
mir war es, als könnte ich Berge erklimmen,
so schnell würde ich sonst nicht laufen,
denk ich daran, muß ich jetzt noch schnaufen.

Zum Glück gibt’s Zäune, Gräben, Mauern,
damit diese Biester, die nur darauf lauern,
unbescholtene Menschen zu erschrecken,
gehalten werden, so konnte ich sie necken.

Beim Füttern bespuckt worden, als Dank dafür,
von einem putzig dreinschauenden Tier,
nie wieder laß ich mich dazu verführen,
sich im Zoo für Schutzmaßnahmen zu informieren.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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