Im Land der einsamen Wölfe

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Eine Parabel ganz im Zeichen unruhiger Zeiten

Stundenlanges Verharren lag hinter ihm, ganz allmählich fühlte sich sein Körper wieder lebendig an, während die Gliedmaßen reflexartige Dehnübungen vollzogen, er verwundert umherblickte. Was war nur geschehen, grübelte der Endzwanziger, ein Auto fuhr irgendwo in der Ferne vorbei, die Reifen quitschten kurz im Morgengrauen, ein Fensterflügel wurde ziemlich heftig geschlossen.

Am Horizont stieg plötzlich Rauch auf, kein gewöhnlicher aus irgendeinem Schornstein, sondern pechschwarzer, wobei leise Verpuffungen den dämmrigen Himmel erschallten, Felix reflexartig in Deckung ging. ˈKann nicht schadenˈ, dachte er noch, als im nächsten Moment etwas Pfeifendes an ihm vorbeihuschte, er zugleich genau wußte, daß es sich um ein Projektil einer Pistole handeln mußte und schon der Länge nach auf dem Boden lag.

Keine zehn Meter von ihm entfernt sah er ihn, in geduckter Haltung schaute der Polarwolf Felix direkt in die Augen, während es langsam wieder zu schneien begann. Keinerlei Angst oder Unsicherheit war beiden anzumerken. ˈOb diesem Prachtexemplar die Kugel galtˈ, überlegte noch Felix, als erneut ein Geschoß ganz in der Nähe vorbeisauste, diesmal aber der Wolf sich in den Schnee schmiß, sich einmal um die eigene Achse drehte und sofort unter einem Holzverschlag Schutz suchte.

In den letzten Wochen hatten tumultartige Versammlungen begonnen, die Bevölkerung war kaum noch zu halten, selbst herbeigerufene Eurogendfor-Einheiten vermochten nicht die schnell anwachsende Volksmasse in Schach zu halten. In den ersten Reihen starben die Menschen, doch anschließend überrannte die nachrückende Überzahl die verhaßte europäische Staatsmacht. Es herrschte ein grausames Gemetzel, in der nur noch das eigene Leben zählte, den ausgemachten Feind zu besiegen. Selbst eiligst herbeigerufene Folgeeinheiten vermochten nicht, die aufgebrachte Menge zu stoppen. Später stellte sich heraus, daß überall in Europa den unruhigen Zeiten kriegerische Auseinandersetzungen gegen das eigene Volk folgten, die Menschen jedwedes politisches Vertrauen gänzlich verloren hatten.

Nun lag pochenden Herzens Felix ein wenig geschützt hinter einer kleinen Mauer, und der Polarwolf befand sich unter dem Holzverschlag. Gleichzeitig wußte er, daß jetzt Eile geboten war, denn die Schützen würden das Tier mit Sicherheit suchen. ˈNur wie sollte man einem Wolf begreiflich machen, ihm zu folgenˈ, grübelte Felix zunächst. Doch dann hatte er eine Idee. Ohne lange zu zögern, lief er mit gesenktem Haupt auf allen Vieren zu ihm rüber, er wußte ja, daß die Höhe der Mauer ihn schützte, stubste das erstaunte Tier laut knurrend heftig mit dem Kopf in die Seite und lief sehr selbstbewußt vorneweg. Der Polarwolf verstand die eindeutige Geste und schlich vorsichtig hinter ihm her, die Alpha-Rolle hatte sich durchgesetzt.

Nach ungefähr hundertfünfzig Metern erreichten sie einen nahegelegenen Wald, als sie die verwilderten Gärten durchquert hatten, die ihnen einen gewissen Schutz boten vor den feindlichen Augen der jagenden Schützen. Erst im dichten Fichtenwald richtete Felix sich langsam auf, weil das Laufen auf allen Vieren schon völlig ungewohnt war, seine Hände und Knie ein wenig schmerzten. Hier roch es wieder wesentlich angenehmer weiter unten sowohl im Garten als auch längst überall in der Kleinstadt der beißend schwarze Rauchgeruch sich ausgebreitet hatte.

Felix überlegte, wie es weitergehen sollte. In Gedanken versunken bemerkte er zunächst nicht, wie der Wolf sich positionierte. Wer kennt es nicht, diese Stille des Waldes, in der jeder Ton im selben Moment verschluckt wird, erst recht, wenn dichter Schnee den Boden und die Bäume bedeckt. Um so deutlicher dringt jedes Geräusch an unser Ohr. Daher fuhr Felix erschrocken zusammen, weil der Polarwolf kurz ganz tief knurrend auf sich aufmerksam machte.

„Von ganzem Herzen möchte ich dir danken, Felix“, begann der Wolf zu sprechen. Felix selbst erstarrte, schaute ziemlich erstaunt, „nicht wundern, daß ich reden kann. Das hat schon seine Richtigkeit. Ich heiße übrigens Asogheiras. Hast du dich nicht gewundert, daß kein Rudel in meiner Nähe sich befindet?“ Doch Felix konnte nicht antworten, und so fuhr Asogheiras fort.

„Nachdem vor wenigen Wochen eine Menschenmeute uns verfolgt hatte, alle meine Gefährten niedergeschossen und umgebracht worden waren, ich als einziger überlebte, zog ich seitdem allein durchs Land. Manchesmal traf ich einen Leidens- und Artgenossen. Doch wir beschlossen, unbedingt nicht zusammenzubleiben, weil ein Rudel viel gefährdeter sei. Und so treffen wir uns von Zeit zu Zeit, tauschen uns aus über die Zerstörungswut von euch Menschen. Dich habe ich lange schon beobachtet, du bist nicht so wie die anderen. Auch lauschte ich ab und zu unterm offenen Fenster, wenn deine Leute dich aufsuchten, weiß somit sehr genau, was dich bewegt.“

Asogheiras unterbrach seinen Redefluß und schaute freundlich in Felix Augen. Diesem liefen einige Tränen die Wangen herab, die er etwas beschämt mit dem Hemdsärmel abwischte.

„Selbst in meinen kühnsten Träumen hätte ich niemals gedacht, real einem so wunderschönen Polarwolf zu begegnen wie dir, Asogheiras. Geschweige denn mit ihm gar zu sprechen. Du hast vollkommen Recht. Im Gegensatz zu den meisten Mitmenschen habe ich einen tiefen Respekt vor deiner Tierart, verehre sie sogar. Ich danke dem Schöpfer, daß wir uns begegneten. Kannst du mir einen Rat geben, wie es weitergehen, wohin ich gehen sollte?“

„Begebe dich nach Nordwesten von hier aus, und du wirst wunderbare Orte der Stille finden, in denen noch Menschen friedlich und liebevoll zueinander sind, im Einklang mit der Natur leben. Ich werde dich gedanklich führen, kann dir nicht folgen, zumal ich noch andere aufsuchen muß, um sie zu leiten. Wir werden uns aber wiedersehen, wenn es sein soll.“

Mit diesen Worten nickte Asogheiras noch kurz und verschwand im Dickicht. Felix saß noch eine ganze Weile auf einem Baumstumpf, ehe er sich erhob, um sich auf den langen Weg zu begeben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Give peace a chance

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Den Termin frühzeitig und bestens erledigt, den Geschmack des leckeren Mittagessens noch auf der Zunge, also wohl genährt, die Sommersonne zeigt ihre in den letzten Monaten vermißte strahlende Kraft des Himmelblaus, so intensiv unwirklich, fast wie in den Bildern von Claude Monet, Urlaubserinnerungen von Südfrankreich bestimmen das grenzenlos zufriedene Gefühl während der Autofahrt nach Hause.

Keine gestreßten Drängler hinter mir, keine Traktoren und Fahrräder vor mir, alles ist in fließender Harmonie wie lange nicht mehr. Der gewohnheitsmäßige Druck auf die Taste des CD-Players soll dieser perfekten Stimmung ihren Rahmen geben, und schon summe ich gedankenverloren mit: All we are saying is give peace a chance – All we are saying is give peace a chance – All we are saying is give peace a chance.

Erinnerungen an eine auf Frieden hoffende Zeit: Woodstock – Musical „Hair“ – „Make Peace Not War“ – tausende Tramper am Straßenrand – „stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ –

Ich drücke die Repeat-Taste:

Two, one, two, three, four
Everybody’s talking about
Bagism, Shagism, Dragism, Madism
Ragism, Tagism,
this-ism, that-ism, Ism, ism, ism
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.

Und mir laufen die Tränen übers Gesicht.

Everybody’s talkin‘ ‚bout ministers,
sinisters, banisters
and canisters, bishops and fishops,
rabbis and pop eyes, bye bye, bye byes.
All we are saying, is give peace a chance.
All we are saying, is give peace a chance.

Und ich singe lauter.

Let me tell you now:
Everybody’s talking about,
revolution, evolution, masturbation,
flagellation, regulation, integrations,
meditations, United Nations,
congratulations.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance

Und ich singe weinend.

Everybody’s talking about,
John and Yoko, Timmy Leary,
Rosemary, Tommy Smothers, Bobby Dylan,
Tommy Cooper, Derek Taylor, Norman Mailer,
Alan Ginsberg, Hare Krishna, Hare Hare Krishna.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance.
All we are saying is give peace a chance…

Und ich heule.

Hoffnung keimt auf, nicht in einer weiteren Zeitschleife hängen zu bleiben wie Phil Conners in „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Ende der Ära Merkel kündigt dunkle Wolken am Zenit an

Wenn Merz und Co. sich positionieren

Möge all jenen, die noch voller Inbrunst „Merkel muß weg“ ihr Pappschild hochhielten oder durch die Straßen mancher deutscher Großstädte krakeelten, die Hetzparolen im Halse stecken bleiben, wenn Angela Merkel tatsächlich nach den letzten Wahldebakeln ihren CDU-Vorsitz abgibt, das Ende ihrer Kanzlerschaft in wahrscheinliche Nähe rückt.

Natürlich darf und sollte man all ihre Verfehlungen, ihr Aussitzen nicht schönreden, aber es kommt noch wesentlich doller, wenn ganz andere Kandidaten vom Sessel der Kanzlerschaft nicht nur träumen, sondern sich reale Hoffnungen machen, diesen schon bald zu erklimmen. Alles, nur nicht Merz! lautet die sinnige und folgerichtige Überschrift bei den Nachdenkseiten, wobei Jens Berger sehr akribisch die Untaten des Friedrich Merz zusammenträgt, ein eiskalter neoliberaler Politiker vor dem Herrn, wie auch wir nur zu gut uns erinnern, denkt man an dessen verächtliche Äußerungen hinsichtlich betroffener Hartz-IV-Empfänger!

Konservative und Rechtsradikale – eine brisante Mischung

Die sich da weltweit zusammenbraut. Ob in den USA der „blonde Dolle“, bald über die Hälfte der europäischen Staaten oder jetzt im südamerikanischen größten Land, in Brasilien, ein demokratisch gewählter Jair Messias Bolsonaro als baldiger Präsident seine angekündigten „Säuberungen“ durchsetzt, insofern nur noch Beten hilft. Das weltpolitische Parkett hat erneut Geschmack am Faschismus, an Autokratie gefunden, wie er/sie doch Mitte des letzten Jahrhunderts eigentlich als überwunden galt.

Ein kurzes Intermezzo, ein Aufbäumen all der neoliberalen Kräfte, die bislang nach außen meinten, es ginge über Menschenrechte und angeblichen Humanismus, der zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise wirklich Anwendung fand, stets beflügelte jene Wirtschaftspolitik ihren Kurs unerschrockener Ausbeutung, wovon sie sich unter gar keinen Umständen distanzieren wird. Gestern im integren Gewand des „Saubermannes“, heute knallhart vom konservativen Kurs nahtlos zum rechtsradikalen, einer Neuen Rechten sei Dank, die von langer Hand geplant allmählich greift.

Kritik unerwünscht – einfach alles per inszenierten Fakenews glattbügeln

Mit diesem Rezept hat sich bisher The Donald prima durchgewurschtelt zur baldigen Halbzeit seiner Präsidentschaft. Warum sollten ihm das andere nicht gleichtun? Mit Blick zur Medienlandschaft, zur Presse, dürfte deutlich werden, wie Politik deren kritische Berichterstattungen duldet bzw. gar kurzerhand den einen oder anderen einfach verhaftet oder umbringt, denkt man an die Türkei oder Saudi-Arabien.

Vor knapp anderthalb Jahren hat schon einmal rechte Stimmungsmache ihre bösartige Fratze kurzfristig präsentiert mit Thomas de Maizières Stimmenfang per deutscher Leitkultur, erinnerte Querdenkende daran, daß ein Friedrich Merz Multikulturalismus negiert, was wiederum sich gut zur Neuen Rechten bekanngtlich gesellt.

Spekulationen werden somit zunehmen, ob am Ende mit oder ohne Herrn Merz, es wird keinesfalls besser ohne Frau Merkel, der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin setzt noch eins drauf, zugunsten des neoliberalen Kurses, zu Lasten der Bevölkerung.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Der falsche Ort

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Muß man es verstehen,
es wundert einen schon,
Gott, Heiliger Geist und Sohn,
wohin driftet das Sehnen

nach Frieden,
nach Gerechtigkeit,
von denen, die dir dienen,
die preisen deine Heiligkeit,

Recht wird Herrschaft,
Verpflichtung zu Zwang,
Offenheit führt zur Gefangenschaft,
Toleranz, es wird einem bang,

zum Psychiater, ins Irrenhaus,
Moral benutzt als Beschränkung,
Sitte verkommt zum Kartenhaus,
diagnostiziert Individualität als Erkrankung,

verwundert muß man die Welt ansehen,
auf den Straßen Kriege toben,
kein Scham Besitz zu stehlen,
es lohnt Haß auf Fremde zu loben,

keiner hat mehr Scheu zu verschlimmern
Armut, Leid, Chancengleichheit,
soll sich ein anderer Gott kümmern,
Schicksal ist Teil der Menschheit,

Liebe, Güte, Trost soll man bei Gott finden,
zu hören, zu lesen, gemahnt von Predigern,
im Verachten, Erniedrigen soll man sich verbinden,
man hört, man liest, man vertraut den Peinigern,

die ein Miteinander die größte Gefahr nennen,
sie schwören dabei in einem Atemzug auf Gottes Wort,
oder unter welchen Namen sie dich sonst kennen,
verstehe, Wunder geschehen an einem anderen Ort.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Hessen-Wahl: Volksparteien lassen erneut Federn

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Neuer Landtag vor einem Scherbenhaufen?

Im Grunde genommen wird es völlig egal sein, welche Koalition sich bildet nach der 20. Landtagswahl in Hessen, die gestern mit rund 67 prozentiger Wahlbeteiligung stattfand. Es waren die beiden Volksparteien CDU und SPD, die als unübersehbarer Wahlverlierer erneut in Regierungsverantwortung beteiligt sein werden, wohl eher nicht in einer großen Koalition, insofern eine von beiden.

Beläßt man das mühsame Zahlenprozedere, das Feilschen um Stimmengewinne oder -verluste, sollte dennoch der eigentliche Wahlsieger unbedingt benannt sein: die Grünen. Deren Senkrechtstart in sämtlichen Prognosen, ob in Bayern, im Bund oder jetzt in Hessen läßt tief blicken. Oder etwa doch nicht? Jene AfD zählt nicht, da sie sich lediglich per Hetze auszeichnet, eine kurzfristige Angelegenheit, obendrein als Oppositionspartei ohne nennenswerte Einflüsse.

Abwärtstrend offenbart heftige Vertrauensverluste

Und zwar der beiden Volksparteien, wer Bayern mitzählt, sollte die CSU hinzurechnen. In der Auffassung gerade jener Parteien sind die Grünen mitnichten eine Volkspartei, dennoch etablieren diese sich eben als eine solche, wer nicht die Augen gänzlich vor der Realität verschließt.

Das hat auch mit einem wachsenden Umweltbewußtsein innerhalb der Bevölkerung zu tun, allen anderen Parteien wird genau dies nicht zugetraut. Gerade die Union sowie die SPD verpaßte es in den letzten Jahrzehnten, dieses überlebenswichtige Thema umzusetzen, trat gar eher arrogant auf. Jüngstes fatales Beispiel: Die Proteste im Hambacher Forst, wo die schwarz-gelbe NRW-Regierung unter Ministerpräsident Armin Laschet ihre Unfähigekeit beweist, in dem nach dem Munde der RWE entschieden wird!

In Bayern scheitert just die solideste Koalition, Herr Söder zieht es erwartungsgemäß vor, mit den Freien Wählern zu verhandeln, bis zum 12. November soll die schwarz-orangene Regierung stehen. Nicht weiter verwunderlich, Hauptsache Kungelei treibt eine ignorante Politik weiter voran, was interessieren schon notwendige Belange.

Hessen Denkanstoß zu den Landtagswahlen 2019?

Im Mai nächsten Jahres findet die Landtagswahl in Bremen statt, im September folgen die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen, in Thüringen ein Monat später. Betrachtet man die letzten Wahlprognosen, so scheint in den drei östlichen Bundesländern jene AfD sich als zweitstärkste Partei zu behaupten, während in Bremen sie gerade mal die 5-Prozent-Hürde überwinden kann. Letztlich ein Armutszeugnis seitens der Wählerschaft, einer Neo-Nazi-Partei zu vertrauen!

Wenigstens scheint jene AfD in Bayern und Hessen entgegen dem Bundestrend nicht in die Nähe der 15% zu rücken. Das läßt hoffen, daß deren Zenit längst überschritten. Damit wird der Demokratie ein Bärendienst erwiesen, was dennoch als notwendiger Denkanstoß gewertet werden muß nach dieser Hessen-Wahl.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Entwickelndes Chaos

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Neue Gedanken,
für sie verworren,
unfähig
zu entwickeln,
zu entwirren,
bleiben sie
verwirrt,
überfordert,
keiner darf
es wagen,
ihnen
zu sagen,
Entwicklung,
ist das nicht irre,
ist Chaos,
das Ende vorbei,
wenn es
entwirrt,
entzwei,
zerbrochen
das Glück
vom Leben,
sich zu entwickeln,
ohne sich einzuwickeln,
sich zu entwirren,
ohne sich zu verirren.
Sie,
das sind
die Ungeduldigen,
die auf jedes
Verwickeltes,
Entwickelndes
mit dem Schwert
draufhauen,
denen kann
niemand
seine Kinder
anvertrauen,
denen kann man
überhaupt
niemals
vertrauen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Korruption so weit das Auge reicht

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Aus dem Lateinischen corruptio für Vorteilsnahme oder Bestechung kennen wir sie in allen möglichen und unmöglichen Lebenslagen, diese Korruption, die die ganze Welt in Atem hält. Entlarvt man sie, mag eine gewisse Genugtuung aufkommen, dabei hat sie längst wieder genügend Möglichkeiten, von neuem sich zu entfalten.

In anderen Worten, es gibt nicht den geringsten Anlaß zur Vorfreude, ihrer Herr zu werden. Prinzipiell obsiegt ihr Naturell, jene Verschlagenheit überall dort, wo Geld fließt als ihr ureigenster Trieb der Bereicherung. Im Zeitalter des Internets hat sie ohnehin eine Vielfalt an neuen „Spielfeldern“ erhalten, man mit Fug und Recht behaupten kann, sie nicht einzudämmen vermag, geschweige denn sie gar zu besiegen.

Insofern muß man von einem Korruptionsdilemma reden, einer Endlosschleife par excellence. Klappe zu, Affe tot? Ganz so dramatisch sollte man ihr mitnichten begegnen, solange es noch Hoffnungsschimmer von geradlinig, ehrlichen Menschen gibt, die eben sich nicht „kaufen“ lassen, bzw. korrupt sind. Wenn das auch eher eine Minderheit ist. Andererseits wird wenigstens die ein oder andere Korruption entlarvt und an die Öffentlichkeit gezerrt.

Fast ein Fünftel der deutschen Unternehmen berichten, nämlich 18 Prozent, daß in den letzten zwei Jahren es bei ihnen einen bedeutsamen Betrugsfall gegeben hätte, nur Russland toppt dies noch, wie Welt im Artikel „So korrupt ist die deutsche Wirtschaft“ schreibt. Politiker haben ohnehin kaum ein Unrechtsbewußtsein, leben wie in einem Vakuum entrückt der eigentlichen Realität, beschäftigt in Sitzungen, Plenen, von einem Termin zum nächsten hetzend, dem jeweiligen Parteibuch verpflichtet, wobei der Ton gerade auch hierzulande rauher wird, denkt man an die rechtsradikale AfD.

Woher die Parteigelder kommen, wird zwar akribisch versucht, aufzuklären, die Dunkelziffer möglicher Schlupflöcher verbleibt weiterhin hoch, so manche Geldsumme läßt sich eben nicht immer sauber nachvollziehen, kein Wunder, daß auch die Bundesregierung beim Abgasskandal sich lieber bedeckt hält. Ob der Fall Barschel oder Schneider, stets sind Gelder im Spiel, die Täter werden nicht gestellt, im besten Fall irgendwelche Bauernopfer, die Verbrechen bleiben im Verborgenen.

Die Moral jener dramatischen Geschicht’? Wer suchet, der findet sie letztlich nicht. Wahrscheinlich gehört Korruption zum Wesen des Menschen selbst, wirklich nahezu unnötig würde sie werden, wenn tatsächlich Gerechtigkeit angewandt wäre, z.B. in dem Armut erst gar nicht aufkommt, somit Überreichtum abgeschafft, ein echter Sozialstaat seinem Namen nach handeln darf. Ob dies eine Illusion bleibt oder endlich umgesetzt wird, liegt an uns allen. Mit tatenloser Demut wird keine Änderung eintreten. Worauf noch warten?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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