Und

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Im Strom notgebremst,
du schreibst schon ewig,
das Jahr ohne Rasenmäher,
schon sind die Leser selig.

Am Rand rot notiert,
gottlob, Lyrik ist schwerhörig,
Texte steinern blau gehauen,
Licht flackert föhnig.

Eilende Körper wirbeln,
du schreibst ohne Stil,
kein Hauch mehr berührt,
Bonbons, rosa, Frustventil.

Und verboten ist seins sein,
und oder etwa noch aber,
gelb vom Himmel sich löst,
so ist halt mein Gelaber.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Tierversuche: Planet der Affen weilt nonstop unter uns

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Max-Planck-Institut ebenso in der Kritik

Wir Menschen verdeutlichen unsere Ignoranz tagtäglich im Umgang mit den Tieren, den gleichberechtigten Geschöpfen des Blauen Planeten. Dabei zeigt sich die Dominanz und der ohnehin ständig stattfindende Expansionsdrang unserer Spezies auch hierbei überdeutlich bei Affenversuchen. Menschliche Dekadenz erinnert fatal an das literarische Werk eines Pierre Boulle, seinen Roman „Der Planet der Affen“ (La Planète des singes).

Weiterhin steht das Max-Planck-Institut in der Kritik, wobei ganz ähnlich die Bremer Universität keinerlei Bedenken hat, Versuche an Affen auszuführen. Ende 2008 hatte das Bremer Verwaltungsgericht zunächst zugestimmt, der Uni die Erlaubnis zur Fortsetzung der Affenhirnversuche erteilt.

Gerichte vs. Tierschutz

Richter in Roben entscheiden über Verdeih und Verderb leidender Primaten, die sich nicht im geringsten wehren können, die hillfreichen Hände beherzter Menschen brauchen, die alles versuchen, um ihne jenes Leid zu ersparen.

Nach dem fragwürdigen Urteil des Verwaltungsgerichts, weil der Hirnforscher Andreas Kreiter sich festgebissen hat, seine Forschung in Bremen seit 1997 fortzusetzen, sich auf die garantierte Forschungsfreiheit beruft, beobachten wir das Auf und Ab der Versuche, ihn daran zu hindern, zum Schutz der betroffenen Affen. Und das obwohl ziemlich eindeutig der Nutzen jener Forschung völlig abwegig sich gestaltet: Das Affenhirn, der ganze Affe selbst, versagt auf ganzer Linie, als Probant für derartige Versuche herangezogen zu werden. Mit anderen Worten, Mensch unterscheidet sich deutlich von jenen Affen, diese Experimente sind daher nicht nur fragwüdig, sondern vielmehr vollkommen unnötig, weil letztlich nicht dienlich, machen darüber hinaus betroffenen Patienten Hoffnung, die ergebnislos sind.

Lachende Dritte im Hintergrund lauernd: mal wieder die Pharmalobby. Sie stellt den eigentlichen Nutznießer jener grausamen Tierversuche dar, profitiert im Ergebnis mit ihren daraus hergestellten Medikamenten, die dann dem Menschen helfen mögen. Daß es auch gänzlich ohne jenes Leid an Affenversuchen geht, ist längst bewiesen, wie auch hier der Deutsche Tierschutzbund beschreibt.

Der Gesetzgeber hätte es in der Hand

Doch die deutsche Gerichtsbarkeit steht zweckdienlich der verbohrten Forschung an der Seite, wenn man sich das Hin und Her vergegenwärtigt. Zunächst untersagte im November 2011 die Bremer Gesundheitsbehörde Kreiters Fortsetzung der Hirnversuche an Affen, aber im Dezember 2012 setzte sich das Oberverwaltungsgericht über die Gesundheitsbehörde hinweg, erteilte die erneute Erlaubnis der Bremer Uni, was somit den Bremer Senat beschäftigte, daraufhin der Gesundheitssenator Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einlegte. Selbst dies half nicht. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte leider das Urteil des OVGs Bremen im Februar 2014.

Welch dreiste Vorgehensweise, bedenken wir, die britische Universität Durham kommt gänzlich ohne qualvolles Leiden an Affen aus bei der Verhaltensforschung, sie erforscht das Lern- und Gedächtnisverhalten an Probanden mittels Transkranieller Magnetstimulation Wahrnehmung. Generell gibt es längst vielfachen Ersatz, um Tierversuche zu vermeiden.

Während letztlich der Gesetzgeber es in der Hand hätte mit einer Novellierung des Tierschutzgesetzes, in der unmißverständlich jedwede Forschung am Tier untersagt wird, müssen Affen in Versuchen weiterhin unnötig leiden, weil eine profitorientierte Lobby der Pharmaindustrie und Forschung genau dies verhindert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Wachsgesicht

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Bloß nicht starr wirken,
Grinsen aufsetzen,
smilen,
auf gut Deutsch,
täuschen,
ich bin gut drauf.

Sanfter Lidstrich,
gescheitelte Haare,
versunkener Blick,
Seriosität ausstrahlen,
Kopf leicht geknickt,
ich höre dir zu.

Kinder schlagen,
Frauen erniedrigen,
Männern Gefühlslosigkeit
einbleuen,
Sexualität verteufeln,
ich wachse ein, euch alle.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Erdoğans Einfluss zensiert Kunst in Deutschland

„Türkischer Diktator“ von Thomas Baumgärtel in Cubus-Kunsthalle Duisburg

Darf man der Republik Türkei bescheinigen, sie sei einerseits ein Nato-Verbündeter, während anderseits in Deutschland ein siebzehntes Bundesland sich befinde, ein Erdoganien, eine despotische Enklave unter der Fuchtel ihres Alleinherrschers, der jede Gelegenheit nutzt, potentielle Feinde als Terroristen abzustempeln?

Man sollte sogar, zumal jüngst der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel schon einmal barsch zensiert wurde im Februar dieses Jahres während der Art Karlsruhe, mit dem Ergebnis, daß sein Werk „Türkischer Diktator“ abgehängt wurde. Dies sorgt nunmehr für etliche Beschwerden und Bedrohungen in der Duisburger Cubus-Kunsthalle, die Ausstellung steht unter Polizeischutz.

Kritik unerwünscht – Erdoğan pöbelt weiter nach Deutschlandbesuch

So kennt man ihn halt. Das Fatale daran, jene selbstverursachte internationale Abhängigkeit, nicht nur wegen der Nato-Mitgliedschaft, wirtschaftliche Verbindungen dürften den Hauptanteil haben. Nach dessen erneutem Wahlbetrug nimmt das türkische Sultanat konkrete Formen an, die keineswegs politische Beobachter überraschen.

Entsprechender Unmut verbreitete sich rasch mit dem letztmaligen Besuch des Despoten hierzulande, Erdogan fühlt sich von Steinmeier ungastlich behandelt, tönte es direkt nach dem Deutschlandbesuch. Eine Bestätigung erdoganischer Politik, die das installierte Sultanat explizit unterstreicht, trotz anhaltender Zunahme wirtschaftlicher Not im Lande wegen extremer Preissteigerungen, spricht der „türkische Pascha“ davon, daß die Talsohle bereits durchschritten sei beim starkem Wertverlust der Lira.

Wer die Kunst zensiert, verlangt morgen ganz andere Prioritäten?

Wenn schon in Erdoganien, bzw. in Berlin plötzlich „Özel Harekat“-Polizeiautos gesichtet werden, die natürlich Erdogan-Kritikern Angst einjagen, sollte die Bundespolitik längst selbstkritisch sich die Frage eingestehen, ob sie nicht die Zügel in der Türkei-Politik viel zu locker hat schweifen lassen!

Der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel läßt sich keineswegs beeindrucken, übt seit Jahren Kritik mit seiner Kunst und den Serien Holocaust, Menschenmassen, Städtebilder und Supermarkt in Acryl-Malerei, hinterläßt das ein oder andere Bananen-Werk, wie das gesprayte Bild unter der Überschrift „Freiheit!“ an einer Neuwieder Hauswand als Reaktion zum Charlie-Hebdo-Attentat.

Terror beschäftigt natürlich gleichwohl Kunstschaffende. Richtig dramatisch wird es, wenn Despoten sich erlauben, nicht nur im eigenen Land Künstler zu zensieren, sie dort einzuschüchtern oder wegzusperren, sondern auch hierzulande sich vehement einmischen. Das sollte erst recht Anlaß genug sein, ihn in die Schranken zu weisen, die letztmalige Hofierung zum Deutschlandbesuch was alles andere als notwendig.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Wie wäre es mit Melonen

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Es gab keinen Tisch,
keinen Tisch für mich.
Es gab keine Zitronen,
sollte mich schonen!
Sicher fühlt es sich an,
hinter der Kulissenwand.
Sicher wäre ich ein Star geworden,
wäre ich nicht fremd geboren.
Nun halte ich hier Totenwache,
Feuer glänzt in der Wasserlache.
Nun applaudiert das Publikum,
Künstler wirft den Tisch um.
Geht ruhig mit meiner Phantasie hausieren.
Licht braucht keinen Schatten, um zu pulsieren

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Erdbeben: Unser blauer Planet in ständiger Bewegung

Wenn die dünne Erdkruste hilflos kaum Halt bietet

Man muß davon ausgehen, daß durch den Tsunami und die Erdbeben auf der indonesischen Insel Sulawesi die Todeszahl einiges höher sein wird, 5.000 Menschen werden bisher vermißt.

Mensch Spielball geologischer Naturgewalten, die kosmischen mal bewußt ausgeklammert, unserem blauen Planeten ausgesetzt, der in ständiger Bewegung sich befindet? Wenn mal wieder die Indische Platte an der Eurasischen schrappt, bleibt dies bestimmt nicht ohne Folgen. Doch unter welchen Herausforderungen versucht Homo sapiens, im Einklang mit Erdbeben zu leben? Gibt es generell moderate Mittel, sich zu schützen?

Tektonische Platten hilflos driftend einem flüssigen Gesteinsmeer ausgesetzt?

Im Prinzip schon, muß man feststellen, obwohl die Ursachen jener Prozesse nicht gänzlich erforscht, so weiß man mit Sicherheit wie brüchig die relativ dünne Erdkruste, die gerade mal bis zu 40 km dick ist. Gemessen am Erdradius, der im Mittel 6371,0 Kilometer beträgt, wird das ziemlich deutlich.

Bei einem Erdbeben in Nepal wirkten neben der riesigen tektonisch Eurasischen Platte im Norden, die mit der Indischen kollidierte, wohl auch die westlich flankierdende Arabische Platte zusammen mit der Afrikanischen im Südwesten sowie der Australischen, die im Süden und Südosten ihre Kräfte walten läßt. Mit anderen Worten, die Indische Platte ist eingekesselt, enorme Druckverhältnisse herrschen vor, sie schiebt sich unter die Eurasische, wodurch vor rund 60 Millionen Jahren das Himalaya-Gebirge zu entstehen begann.

Mitten auf jenen Platten dürfen wir Menschen, abgesehen von den Vulkanen, denken wir an die Vulkan-Eifel hierzulande, uns relativ sicher fühlen, hingegen an ihren Grenzen sich eben die gewaltigen Beben ereignen, unvostellbare Spannungen entstehen, die bekannten tektonischen Beben uns erreichen, bei denen teilweise Energie freigesetzt wird, die das Hunderfache einer Wasserstoffbombe entspricht. Grenzbereiche sind in Kalifornien, wo die Nordamerikanische und die Pazifische Platte aneinanderdriften, der Andreas-Graben gefährlich lauernd die Menschen vor Ort beschäftigt, um dieses zweite Beispiel zu nennen.

Weiterhin heftige Erdbeben zu erwarten

Das sollte uns dennoch nicht gleich beunruhigen, trotz den leidvollen Folgen, die wir Menschen nicht verhindern können, besonders in Gebieten wie Nepal, wo immer noch zu wenig Schutz vorhanden. Denken wir zurück, als vor über vierzig Jahren das Erdbeben von Tangshan in China, welches am 28. Juli 1976 stattfand, bei dem schätzungsweise bis zu 650.000 Todesopfer zu beklagen waren, wir vom verheerendsten Erdbeben des 20. Jahrhunderts reden müssen.

Inzwischen hat Mensch sich vielerorts gewappnet, erdbebensichere Bauwerke zeugen davon. Gleichwohl zeigt sich das Ausmaß der Arroganz und Ignoranz, denken wir an den zweiten Super-GAU in Fukushima. Japans Regierung ignoriert einfach die anhaltende Verstrahlung, längst sind wieder AKWs am Netz. Bis zum nächsten Erdeben?

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturkatastrophen

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Zu viel des Guten

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„Die Wahrheit ist zweifelsohne“, da war es wieder dieses Gurgeln in der Stimme, das absonderliche Geräusch im Abfluß, als ob sich das Wasser dagegenstemmt nach unten zu fließen, ein Aufbäumen, ein Wehren, als Waffe verdrängte Luft, manchmal versetzt mit dem Geruch eines moorigen Tümpels. Oft höre ich dieses Geräusch, befreiend und beängstigend zugleich, und mit Sicherheit höre ich es ziemlich oft, nur nehme ich es nicht immer bewußt wahr.

Seit ich in dem rosafarbenen Haus lebe, ist es mir, als ob ständig durch die Wasserrohre das vergessene Leben der Wildnis auf der Suche nach einem neuen Wirkungskreis sich befindet. In dem blauen, grünen und lilafarbenen Haus, sie sind nicht wirklich blau, grün und lilafarben, genausowenig wie das Rosa meines Hauses rosa ist, die Farben sind bis fast zur Unkenntlichkeit ihrer Farbe beraubt worden, sie müssen vorliebnehmen mit einem grauweißen Gemisch, dem nur ein Hauch Farbe beigemischt wurde, damit der Eindruck entsteht, die Häuser wären ohne diese Farbblässe nicht zu unterscheiden, jedenfalls werden in den drei anderen Häusern die Wasserrohre nicht so dermaßen von Gurgelgeräuschen heimgesucht, das weiß ich deshalb, weil ich hin und wieder eine Gelegenheit nutze, um die Treppenhäuser auf- und abzugehen. Nicht, weil sich die Treppenhäuser dieser vier Häuser unterscheiden würden, bis eben auf die jeweils andere Farbe, sondern um mich zu vergewissern, in diesen Häusern ist die Ursuppe noch nicht so aktiv.

Der Weg ist das Ziel, so sagt man allgemein, und genau deshalb wohne ich seit ein paar Wochen hier am Stadtrand, in dieser Siedlung mit ihren vier mehrgeschossigen Häusern mitten auf einem großen Feld. Das Praktische daran, morgens fahren von hier alle halbe Stunde Busse in die Stadt und abends ebenso. Zu anderen Zeiten ist es zwar genauso schwierig wie an meinem alten Wohnort, ohne Auto beweglich und flexibel zu sein, aber schließlich kommt es nur darauf an, pünktlich bei der Arbeitsstelle zu sein, ohne vorher bereits vier Kilometer Fußweg in Kauf nehmen zu müssen bis zur nächsten Haltestelle. Dieser kurze Weg von meiner Wohnung zur Bushaltestelle war mein Ziel, damals dachte ich doch nicht daran, zum Entdecker der schleichenden Eroberung durch die zurückgelassene Wildnis werden zu wollen. Bei weitem nicht. Solche absurden Gedanken wären mir nie in den Sinn gekommen. Entdecker. Natürlich hätte ohne weiteres die Möglichkeit bestanden, schon früher Entdecker zu werden, schließlich war mein Großvater Jäger, von seinen Erfolgen zeugten die vielen Geweihe bei uns zu Hause im Wohnzimmer, die von Oma wöchentlich gewissenhaft von Staub befreit wurden und später die Arbeit meiner Mutter wurde, die sogar ein besonderes Tuch zum Reinigen benutzte, das vorher vom Pfarrer gesegnet worden war.

Vielleicht hätte ich dieses Tuch nicht heimlich mit in die Kirche nehmen sollen, um es im Weihwasser zu tunken und danach so kräftig auszuwringen, daß es fast wieder trocken war, damit keine Spuren auf Resis Jacke zu sehen sind, wenn ich sie mit dem Tuch kurz anfasse. So heimlicher Zauber darf nämlich nur der wissen und verstehen, der ihn anwendet. Vielleicht hat nämlich Großvater gewußt, daß der Oma beim Saubermachen das größte der Hirschgeweihe runtergefallen ist, und es seitdem nur an einem Nagel hing, als er am nächsten Tag auf dem Sofa lag, um seinen Mittagsschlaf zu halten, und vom Zehnender erschlagen worden ist, hätte sie sonst gerufen, der Herr hat es gewußt und zugelassen. Aber ich bin eher wie meine Mutter, bin auf Sicherheit bedacht. Die Resi sollte nicht vom Herrn Bescheid kriegen, daß ich sie liebe, noch nicht, und der Horst, der ihr das erzählt hat, und sie hat es zugelassen, daß er sie küssen darf, der hat dafür im Krankenhaus gelegen, auf seinem Feld ist er mit dem Traktor in ein riesiges Loch reingefahren, das vorher noch nie jemand gesehen hatte, nur der Herr hat es gewußt, denn es war nicht mit Weihwasser besprüht worden, nur mit Mist.

„Die Wahrheit ist zweifelsohne schwerer zu ertragen als eine Lüge.“ Genau diesen Satz hat mir meine Mutter beim Abschied, ach, schon lange bevor ich gewußt habe, der Weg ist das Ziel, an die hundertmal zugeflüstert. Sie ist eine kluge Frau, meine Mutter. Sie weiß so viel, aber sie will nichts zulassen, deshalb geht sie jeden Tag in die Kirche, um mit frischem Weihwasser ihr Gesicht zu waschen, damit der Herr die Wahrheit nicht erzählt und zuläßt, es geschehe etwas, bevor sie einwilligt, daß es geschieht. Als wir zusammen die Wohnung im rosafarbenen Haus angesehen haben, hat sie vergessen, mit ihrem Tuch die Klinke anzufassen, wie sie das bei den anderen Wohnungen gemacht hat. Und weil sie das vergessen hat, können jetzt ungehindert die vielen Stimmen der vergessenen Leben, die nichts anderes wissen als die Wahrheit, durch die Rohre in meine Wohnung gurgeln.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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