Gefangene Liebe

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Sie liebte einen Dobermann,
weil der sie verteidigen kann.
Er scheute keine Gefahr,
ihr tierischer Gladiator er war.
Jede Stimmungsschwankung
von ihr, er auf dem Sprung
sie zu schützen vor Dieben
oder körperlichen Hieben.
War die Gegend noch so schäbig,
sein Frauchen im goldenen Käfig
war sicher wie in Abrahams Schoß,
nie hatte er Zweifel an diesem Los.
An ihrer Leine angebunden,
hat er sein Schicksal gut befunden.
Niemand wagte sich in ihrer Nähe,
das verstärkte die Angstatmosphäre,
Furcht und Kampfbereitschaft
hielten sie beide für Freundschaft.
Gefangenschaft aus Unfähigkeit
zu leben des Vogels Freiheit,
Menschen stutzen ihre Flügel immer selbst,
auch Tieren, Einsamkeit fürchten sie meist.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Aluminium: Toxische Belastung wird nach wie vor unterschätzt

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Verharmlosung keine Lösung, Panikmache ebenso nicht

Wieviele Umweltgifte vertragen wir Menschen denn überhaupt noch? Jede Menge, könnten Zyniker dreist behaupten, die meisten würden doch ein glückliches Dasein fristen. Dabei werden mal soeben mit einem Achselzucken all jene ignoriert, die an den Folgen jener toxischen Belastungen erkranken oder gar sterben.

Beim Aluminium verhält sich das keineswegs anders, selbst wenn gern vollmundig irgendwelche Grenzwerte festgelegt werden, die eine Belastungsgrenze darstellen mögen, was Mensch vertragen darf und was ihm schädigen könnte. Solche Bestimmungen bedeuten im Grunde genommen eine Gratwanderung der Körperverletzung, denn kein Organismus ist gleich. Insofern eine unverantwortlich verharmlosende Vorgehensweise.

Medien blasen ins selbe Horn wie die Industrie

Bedauerlicherweise in diesem Artikel zu beobachten. Wer sich hinter zurechtgerückten Grenzwerten verschanzt, diese gern in einer Argumentationskette heranzieht, dem kann man nur Klüngelei unterstellen. Mit anderen Worten taucht da die Frage auf, wer hier wem nutzen möchte.

Einerseits die vorgeschobene Auseinandersetzung zum giftigen Aluminium, andererseits die Absicherung mittels einer EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit), der man ohnehin so gar nicht trauen kann mit dem Hintergrundwissen, daß die Lebensmittellobby eine enorme Macht ausübt, ihre Produkte unter allen Umständen dem Verbraucher verkaufen will. Dabei spielt in erster Linie stets der Profit eine Rolle, mitnichten irgendewelche Bedenken. Die werden einfach per Grenzwerte ausgeräumt, verschoben ins Lager der Unbedenklichkeit.

Aluminium – das dritthäufigste Element in der Natur

In der Erdkruste gar das am häufigsten vorkommende Metall. Die Menschheit war ihm somit seit jeher ständig ausgesetzt. Nur mit dem Unterschied, daß es früher keine Alufolien gab, in die wir unsere Lebensmittel einwickelten, verwahrten oder sie gar erhitzten zum Kochen, Backen bis hin zu den Fertiggerichten.

Was nutzen Studien, die einen Zusammenhang zwischen Alzheimer und Aluminium vermuten, deren Ergebnisse dennoch heruntergespielt werden, wenn in Deutschland bei der Trinkwasseraufbereitung die Wasserwerke es einfach einsetzen, während in Frankreich bereits teilweise ein Umdenken einsetzt, indem stattdessen Eisen verwendet wird? Noch dramatischer offenbart sich die laxe Haltung den Genpflanzen gegenüber, eine uns noch bevorstehende Gefahr, wenn sich obendrein Freihandelsabkommen durchsetzen! Man stelle sich vor, es wurden Genpflanzen gezüchtet, die in der Lage sind, auf stark Aluminium verseuchten Böden zu gedeihen. Welch unverzeihliche Verharmlosung, denn die Pflanzen speichern das giftige Aluminium, der Verbraucher konsumiert es mit der Nahrung.

Doch während all die Umweltgifte trotz der internationalen Regelungen uns allesamt fleißig belasten, sollte der kritische Beobachter schon anmahnen, wieso denn die verantwortliche Politik zusammen mit der Wirtschaft und Forschung dermaßen leichtsinnig die alarmierenden Ergebnisse eher ignoriert. Es ist eigentlich ganz einfach: Nicht der Mensch steht im Vordergrund der Überlegungen, sondern stets der Profit.

Möglichkeiten sich dennoch zu schützen?

Wir können trotz dieser Bedrohungen entgegenwirken. Verzichten Sie auf alle Produkte, die mit Aluminium in Verbindung stehen beim täglichen Gebrauch, wie z.B. Senf- und Tomatenmarktuben, als Alternative gibt es immer noch Glas im Handel, Kochgeschirr besser in Edelstahl, Verzicht auf Kaffeekapseln, bei Kosmetika und Medikamenten auf Alu-Beigabe achten, Leitungswasser entsprechend filtern, auf Alu-Folie gänzlich verzichten.

Wenn wir dies beherzigen, dann tragen wir zumindest ein Stückweit mit dazu bei, die tägliche Alumium-Toxikation zu vermindern.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Warum der Tag mit einem Traum beginnt

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Schon morgens machst du mich verlegen,
vermittelst das Gefühl, weder du noch ich
sind unterlegen oder überlegen.
Du schaffst es, in liebenswerter Weise
meine Persönlichkeit darzulegen,
eine Stütze hinzulegen,
das Leben zu unterlegen,
ohne eine Sache zu zerlegen,
ohne Liebe zu belegen.
Eine geflüsterte Frage ins Ohr,
mehr braucht es nicht,
Liebe täglich neu anzulegen.
Silberelfchen, hattest du eine gute Nacht?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Zukunft: Nutzung von Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz

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Paradies oder Hölle auf Erden schaffen

Der sicherste Weg einer effektiven Gestaltung unseres Daseins findet stets in der Gegenwart statt, im Hier und Jetzt muß Menschheit überleben, das Beste draus machen, was bekanntlich vielerorts eben nicht unbedingt sich so verhält, bis hin zu Krieg und Zerstörung. Ganz einfach ausgedrückt, wir alle haben die Wahl zwischen Apokalypse und einem friedlicheren Miteinander. Haben wir das tatsächlich?

Marc von Lüpke interviewte den israelischen Historiker Yuval Noah Harari, der mit seiner populärwissenschaftlichen Monographie Eine kurze Geschichte der Menschheit große Aufmerksamkeit erhielt. Dessen Schilderungen im Interview zeichnen ein gefährlich düsteres Bild unserer Zukunft, wenn Mensch es verpaßt, die Nutzung der Biotechnologie und Künstliche Intelligenz in Einklang mit ihm selbst zu bringen. Insofern das Paradies oder die Hölle auf Erden schaffen?

Wir wissen, was wir nicht wissen – ein kläglicher Rest negiert reale Chancen

Im Grunde genommen findet die größte menschliche Revolte in der Wissenschaft, der Technik statt, die gleichzeitig dermaßen schnell uns alle überrollt, sodaß ganze Berufssparten, das Leben eben nicht mithalten kann, wie auch Yuval Noah Harari gezielt beschreibt. Naheliegend, vor allem wer sich unsere augenblickliche Situation vergegenwärtigt. Jetzt schon verschwinden etliche Berufe, neben längerer Arbeitslosigkeit bedeutet dies gezielte Umschulung oder Weiterbildung, etliche bleiben auf der Strecke, weil sie nicht mithalten können.

Ein ohnehin bereits stattfindender sozialer Zusammenbruch läßt sich eigentlich nicht mehr vermeiden. Was im Interview so gar nicht thematisiert wird: eine Welt ohne Arbeitszwang! Man könnte schlicht den Verdacht hegen, nur Menschen in Abhängigkeit sind manipulier- und erpressbar, wie dies schon immer in der Geschichte stattfand. In anderen Worten, wo kämen wir dahin, wenn Mensch sein Leben frei gestalten könnte.

Hinter den Tellerrand schauen, ein wichtiger Prozeß

Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt, irgendwo dazwischen befindet sich die Menschheit, die es jederzeit in der Hand hat, ihr eigenes Schicksal zu lenken. Das geht allerdings nur gemeinsam, selbst wenn Blicke in die Zukunft furchtbares erahnen lassen. Niemand kann sich vor unweigerlicher Realität verschließen.

Betrachten wir ganz kurz den politischen Trend hierzulande, sollte eines sofort auffallen: Im nördlichen Teil der alten Bundesländer sind die Menschen noch bei klarem Verstand, sie geben jener etablierten Nazi-Partei gerade mal 6% , während jene AfD im Moment gar auf Bundesebene als zweitstärkste Partei prognostiziert wird. In diesem Land war das Leid der Nazi-Zeit wohl nicht dramatisch genug und/oder die Menschen möchten es nochmal durchleben. Wenigstens stimmen die meisten Wähler für die anderen Parteien, ansonsten darf der kritisch politisch Denkende sich nur noch wundern.

Was hat das mit der weltweiten Zukunft zu tun? Ganz einfach: Viele lassen sich mit simpler Propaganda blenden. Darin müssen wir die größte Gefahr erkennen, die gleichwohl der Historiker Yuval Noah Harari nicht erwähnte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Nachmittagsgast

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Ein Glas Tee,
jeden Nachmittag,
je nach Befinden,
schwarz oder Kräuter.

Eine Stunde später,
bitte, heißes Wasser,
der Beutel nochmal
wird aufgebrüht.

Bittere Miene stets,
will sie mich beißen?
Kälte strömt aus ihr,
Gefrorenes beißt sie.

Klirrende Kälte
in den zwei Stunden,
sie ertrinkt
in Bitterkeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Diagnose Tuberkulose – Leidensweg einer Betroffenen

WHO warnt weiterhin vor Infektionskrankheit

Der nachfolgend beschriebene Leidensweg hat sich genauso zugetragen, lediglich der Name der Patientin wird selbstverständlich durch ein Pseudonym ersetzt. Es muß schon zu Beginn der 1960iger Jahre geschehen sein, daß sich Paola mit dem Mycobakterium tuberculasis angesteckt hat, wie dies erst nach fast fünfzig Jahren endgültig gesichert diagnostiziert werden konnte. Zunächst verlief ihr Leben bereits in Kindertagen alles andere als glücklich, traten damals schon Infekte wesentlich häufiger auf als üblich. Allerdings verwunderte dies die Ärzte und die Familie nicht sonderlich, da Paola eben eher mager war als vollschlank, so daß ihre Konstitution dafür verantwortlich gemacht wurde.

Als erwachsene Frau durchlebte sie denselben Weg wie viele andere auch, gründete eine Familie, wurde Mutter und hatte vorläufig keinerlei Beschwerden. Dies änderte sich allerdings Mitte 1990iger Jahre schlagartig ohne jedwede Vorwarnung. Und im Gegensatz zu vielen anderen Betroffenen, fand sie zusammen mit ihrem behandelnden Hausarzt eine schlüssige Erklärung. Der damalige Job verursachte zusammen mit einhergehenden Bossing eben diese Schwächeanfälle. Ursache erkannt, Job beendet, die Gesundheit machte sich wieder breit, und alles schien auf bestem Wege zu sein.

Nur ein paar Jahre später, bei einem sommerlichen Spaziergang mit Hund und Ehemann ereilte sie erneut ein Schwächeanfall, wobei aufgrund starker Herzschmerzen dieser sie sofort ins Krankenhaus fuhr. Dort stand für die behandelnden Ärzte die Diagnose erstaunlich schnell fest: Angina pectoris oder auch direkter Herzinfarkt. Und diesmal konnte noch wesentlich schlimmeres verhindert werden, denn eine dauerhafte Behandlung mit dieser Diagnose ist ebenso nicht gerade gesundheitsfördernd, sondern kann unter Umständen sogar lebensbedrohlich werden.

Ihr Hausarzt hatte während seines Medizinstudiums das große Glück, bei einem Praktikum Patienten zu behandeln, die am sogenannten Roemheld Syndrom zu leiden hatten. Die Allopathie oder auch Schulmedizin genannt, lehnt dieses Krankheitsbild kurzerhand ab, so daß die meisten Medizinstudenten eben nicht erfahren, wie sich dessen Verlauf gestaltet. Roemheld-Syndrom-Patienten haben fast exakt dieselben Symptome wie bei einem Herzinfarkt, nur daß dieser nicht vorliegt. Als Ursache hatte damals ihr Entdecker, der Internist Ludwig von Roemheld, blähende Speisen und übermäßiges Essen ausgemacht, die wiederum im Magen und Darm Gase bilden, welche auf das Zwerchfell drücken, um diesen Druck an die Lunge und ans Herz weiterzuleiten.

Auch können diese benannten durch irgendwelche Darmerkrankungen hervorgerufen werden, denn Paola selbst zeichnete sich eben nicht durch übermäßiges Essen aus und nahm auch keine blähende Speisen zu sich. Als trotz der geklärten Diagnose ihre Beschwerden kein Ende nehmen wollten, insbesondere beklagte sie ich über mangelnde Energieverluste, fühlte sie sich zusehends geschwächter, wechselte sie den Arzt. Der neue Hausarzt fand schnell eine schlüssige Diagnose: psychosomatische Erkrankung. Selbstverständlich beteiligte sich Paola zunächst bei der folgenden Indikation, versuchte alles, um ihre Beschwerden einzudämmen.

Dennoch folgten in den nächsten zwei Jahren noch zwei Notfalleinweisungen ins Krankenhaus, und jedes Mal standen die behandelnden Ärzte vor einem Rätsel, akzeptierten teilweise sogar den Befund des Roemheld-Syndroms, was aber nicht mehr der Auslöser ihrer Beschwerden sein konnte.

Erneut wechselte sie den Arzt, auch weil ihr Hausarzt mal nicht erreichbar war. Die neue Ärztin hörte sich ihren Fall sehr aufmerksam an und hegte einen Verdacht, eben weil sie selbst auch mit einem Lungenfacharzt befreundet war. Paola befolgte ihren Rat und unterzog sich erneut ausführlichen Untersuchungen in der zuständigen Klinik. Zunächst waren diese ergebnislos, aber bei der letzten Visite war eine russische Ärztin zugegen, die zum aller erstenmal den Verdacht äußerte, es könne sich um eine Tuberkulose (TBC) handeln. Es wurde schließlich eine Bronchioskopie (Spiegelung der Bronchien) durchgeführt. Und einige Tage später stand der Befund fest: geschlossene TBC!

Paola hatte endlich die Ursache für ihr jahrzehntelanges Leiden durch diese Ärztin finden können; es folgte eine halbjährige, spezielle Antibiotika-Behandlung, wobei sie das Glück hatte, daß diese für sie sehr gut verträglich war, sie danach als vollständig geheilt galt.

Warum wurde dieser Fall hier so ausführlich geschildert?

Nun, was die wenigsten Leser wohl wissen werden, ist, daß die Tuberkulose die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten anführt. Immerhin starben 2017 noch weltweit 1,6 Millionen Menschen lt. der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an dieser tückischen Krankheit. Paolo hatte zwar keine offene TBC, dennoch verursachte selbst die geschlossene ihr diese langjährigen Beschwerden, sie schwand dahin, was auch im Sinne dieser Krankheit wohl zu sein scheint, heißt sie doch auch Schwindsucht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Halt die Klappe, Ludger

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Halt die Klappe, Ludger. Vera wieder auf dem Weg bestimmend, das Richtige zu tun. Naja, das Richtige, was bedeutet das jetzt, zu tun, das sie gerne über alle Bedenken hinweg vorhat zu tun. Ludger muß die Klappe halten, egal ob sein Einwand gerechtfertigt war, oder nicht. Ludger hielt die Klappe, immer. Nie nachtragend, enttäuscht. Vera und Ludger kennen sich bereits aus Kindertagen. Irgendwo trafen sie sich, irgendwann fand Vera, Ludger sei ihr Pendant, quasi der Schlüssel für das Schloß, oder wie es Großmutter formuliert hätte, der Deckel für den Topf.

Vera war dies bei ihren ersten Treffen nicht bewußt, sie fand einfach, es sei praktisch, jemanden bei sich zu haben, der sie ermunterte, im Wald laut zu schreien, gegenüber den Eltern mit Vehemenz zu widersprechen, Tina doch wieder als Freundin anzusehen und sich sogar bei ihr zu entschuldigen, die kleine Packung Bonbons an der Kassentheke in ihre Rocktasche zu stecken ohne Bezahlung, sie erlaubte ihm ohne weiteres, das letzte Wort zu haben und quittierte ihm dafür, die Klappe zu halten. Ludger war und ist vergleichbar mit einem Schlußpunkt oder mit der Linie unter einem Begriff, der seine Wichtigkeit unterstreicht.

Vera steht, trotzdem sie Ludger gebeten hatte, die Klappe zu halten, vor ihrem Spiegelbild, amüsiert darüber, daß er als Bestätigung für ihre Auswahl pfiff. Ein bißchen zu sexy, zu gewagt, sei der Rückenausschnitt, aber geil. Und der V-Schnitt, nur gehalten von einer kleinen Tüllrosette, einfach umwerfend. Was macht es da schon, wenn ihre wunderbaren Beine nicht zu sehen waren. Sie könnte immerhin ganz keck und gedankenverloren das Brautkleid anheben. Machen das nicht alle Prinzessinnen? Warum es ausgerechnet Ludger war, der sich in alle Bereiche ihres Lebens einmischen durfte, keine Ahnung, Vera zog ihre Schultern hoch, in dem Moment konnte Belinda sich ein „Wahnsinn“ nicht verkneifen. Es gab eine Zeit, da forschte Vera regelrecht danach, warum ausgerechnet Ludger ständig seine Kommentare abgab, beziehungsweise, sie danach lechzte, auf seine Kommentare hin, halt die Klappe, Ludger, sagen zu können.

Weder ihre Eltern noch Oma, die ihr seit frühster Kindheit aus Büchern vorgelesen hatten und zumindest sämtliche Personen kennen mußten, mit denen sie in dem Alter in Kontakt kam, sollten doch wissen, sich erinnern, ob ein Ludger jemals erwähnt, anwesend, wenn auch in Büchern, worden war. Nein, blieb die kategorische Antwort. Egal, wer gefragt wurde, niemand kannte Ludger, weder als Person noch aus einer Erzählung. Ludger war demnach kein Held, nicht mal eine Nebenfigur, Statist aus einem Buch oder Film. Sie fragte sogar in ihrem alten Kindergarten und Mitschülern der ersten und zweiten Klasse nach, unverfänglich natürlich, auch aus diesen Gesprächen erfuhr sie nichts über oder von Ludger. Er blieb ihr Hirngespinst. Die Bedeutung ließ sie sich von ihrem ehemaligen Deutschlehrer erklären, Volk und Speer, na, wie toll ist das denn, dachte sie, und auf solch einen Einfall kann möglicherweise nur ich kommen oder Ludger, halt die Klappe.

Während sie ihre Reifephase durchlebte, bei Vera fand keine Pubertät statt, das verbot sie sich, sie sei im Reifeprozeß, in der Verpuppung, meinetwegen, Ludger, halt die Klappe, war sie manchmal kurz davor, Ludger in eine Sie zu verwandeln. Ludgera, geht gar nicht, halt die Klappe, Bonny, Sira, Rosalie, Walburga und noch viele andere verschwanden genauso schnell, wie sie gedacht wurden. Ihr aufkeimendes feministisches Bewußtsein verschlug ihr dann den Atem, wenn sie keine Argumente mehr fand, die Bestand haben sollten, ihre Kommunikation mit einem weiblichen Pendant fortzuführen oder sogar völlig darauf zu verzichten, Ludger ständig das letzte Wort zu überlassen. Sie einigte sich, Ludger, sei still, darauf, gegensätzliche Ansichten würden ihr Leben ausgiebiger bereichern und ihr die Chance bieten, dadurch weniger Zweifel über ihr Handeln aufkommen zu lassen, da zweifach abgecheckt.

Belinda fuhr sich mit beiden Händen durch ihre kurz geschnittenen Haare und ließ ihrem „Wahnsinn“ eine ganze Reihe von Sätzen folgen, die schließlich endeten: Wie für dich geschneidert. „Wer immer dieses Brautkleid entworfen hat, derjenige muß dich bildlich vor Augen gesehen haben.“

Vera verdrehte die Augen: „Etwa so?“

„Laß den Quatsch! Du erscheinst mir, wie mit diesem Kleid verwachsen. Einfach eins. Ein Traum von Vera!“, schwärmte Belinda.

„Ist es nicht zu sexy? Du weißt schon, wirkt es nicht ein wenig zu offenherzig, ordinär vielleicht?“, Vera klimperte jetzt eher mit den Augen, obwohl sie sie eigentlich noch mal verdrehen wollte, um ihre Zweifel zu unterstreichen. Bevor Belinda zu einem neuen Redeschwall ansetzen konnte, sie schien vor Begeisterung nicht mehr in den richtigen Atemtakt kommen zu wollen, war Ludger zur Stelle, halt die Klappe, Vera. Was sollte sie danach für Bedenken haben. Das Brautkleid war somit gekauft, und sie würde darin erotisch und attraktiv, betörend und sinnlich aussehen.

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres, vollbepackt mit Geschenken, wartete sie auf Belinda und Felix, sie hatten sich während der Einkaufstour getrennt und sich hier in diesem, diesem, keine Ahnung was es darstellen sollte, Restaurant, Café, Kneipe, Bar, Fastfoodverschnitt, halt die Klappe, Ludger, verabredet, um anschließend gemeinsam zu Vera zu fahren. Vera schöpfte die Sahne von ihrem Kaffee Pharisäer zum Tassenrand, weil sie diesen Kaffee am liebsten löffelweise genoß. Bevor sie mit dem ersten Löffel ihren Mund erreichte, hörte sie neben sich: „Wohl bekomm´s, Ludger.“

Sie verschluckte sich an der eigenen Spucke, der Löffel samt Rumkaffee fiel ihr beim Herumdrehen aus der Hand, bespritzte den grinsenden Mann neben ihr, der geistesgegenwärtig ihr auf den Rücken klopfte, weil ihr Gesicht puterrot anlief. Ludger kam öfters in diese Spelunke, wirklich wahr, Vera, er verlängerte seinen Nachhauseweg von der Arbeitsstelle, abschalten, reflektieren, sacken lassen, könne er hier besser als zuhause. Zuhause hätte seine Arbeit nichts verloren, da wollte er bereits alles von sich abgeschüttelt haben. Jedenfalls, das behauptete er immer wieder, sei dies der Grund gewesen, daß er sie unbefangen angesprochen hatte, die Spelunke war für ihn heimisch, und sie war fremd, und er wollte nett sein und sie keineswegs anbaggern.

Ludger war überhaupt nicht erstaunt über, halt die Klappe, Ludger, er meinte halt die Klappe, Ludger, sei die beste Vorbereitung für ihre Freundschaft, schließlich würde sie ihn seit Kindertagen kennen. Und Vera hat, ganz feministisch eingestellt, ein knappes Vierteljahr später um seine Hand angehalten, wie hätte es anders sein können, bevor er antwortete, sagte sie; „Halt die Klappe, Ludger!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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