Statt Hut Beförderung, alles gut oder maaßlos übertrieben?

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Ene, mene, muh und raus bist du

Raus bist du noch lange nicht, bewahre doch einfach dein Gesicht. Dazu verhilft dir in letzter Not ein Seehofer, dat tut got, weeß letztlich jeder Doofer. Wir befinden uns aber keineswegs in nem lustigen Film, vielmehr entrückt von des Volkes Willen. Nanu, apropos Volk, wer hockt denn hier auf welcher Wolk?

Einerseits läßt man Horden von „Wir sind das Volk“ durch die Straßen ziehen, lassen die per Hetzjagd Migranten und angeblich Linke in Chemnitz von dannen fliehen, beschönigt Sachsens Landesvater dies als nicht stattgefunden. Wer leckt hierbei wohl wessen Wunden? Ne rechte Mischpoke darf sich im Herzen Europas mal wieder tummeln, da hülft och keen maaßloses Schummeln!

Jene große Koalition im vierten Merkel-Kabinett hat ausgedient, nur fraglich wer da was bedient. Pöstchenreiterei erscheint noch einerlei, doch wer entscheidet dabei noch tatsächlich frei? Schon wird jene folgenreiche Entscheidung als Realsatire abgetan. Was fürn komischer politischer Clan. Eine SPD wäre sehr gut beraten, endlich mal nicht ständig ihre Mitglieder und Wähler zu verraten, sondern das Erbe ehemaliger Mitstreiter fortzusetzen, statt eigentliche Standpunkte weiterhin zu verletzen.

Darauf können wir noch lange warten, die da oben verhalten sich wie im Kindergarten. Wer hat mein Schäufelchen geklaut, das ist aber gar nicht erlaubt. Mit Verantwortung und politischer Konsequenz hat das wenig bis gar nichts zu tun, auf wessen Lorbeeren wollen sie sich denn noch ausruhen? Vor allem, wieso darf ein solcher Innenminister weiterhin frohlocken? Was muß er noch alles verbocken, bis man ihn endlich rausschmeißt, bis der Geduldsfaden reißt?

Stell dir mal vor, du wirst befördert als Tor, weil du zwar Mist gebaut, man dir dennoch nur gutes zutraut. In der Berufswelt ein absolutes NoGo, heutzutage politisch gehört’s wohl zur Show. Man braucht nicht lang zu suchen, da hilft keen Fluchen, denken wir an Erdogan, Trump und Co., es ist halt so. Je unverhohlen rotzfrech mächtiger, umso prächtiger. Wie im Großen so im Kleinen, Hauptsache wichtig erscheinen. So darf ein Herr Maaßen sich gar besser bezahlt bespaßen, obendrein den neuen Verfassungschef als dessen Vorgesetzter bevormunden, um das janze Desaster noch abzurunden.

Welche Seilschaften wirken hierbei verborgen im Hintergrund? Welches Wissen tut er somit dann doch nicht kund? Kriminell gesehen ein Tatbestand der Erpressung vorliegt, er deshalb sein neues Pöstchen kriegt. Während überall alle entsetzt tönen, darf er sich in Unschuld frönen. In ein paar Tagen mag Gras drüber gewachsen sein, Hauptsache man bewahrt den Schein. Politikverdrossenheit wächst weiter wie ein gefährliches Krebsgeschwür, öffnet ein großes Stückweit die rassistisch-faschistische Tür. Hinterher lautet’s erneut: Das wußten wir nicht, Ihr Leut’!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Wiedersehen

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Neulich bin ich mir unerwartet
nach langer Zeit begegnet.
Ich stand vor mir und wußte nicht,
was sag ich mir.
Hallo, ewig nicht gesehen!
Du bist erwachsen geworden!
Na, sowas, du bist immer noch die Alte!
Oder lieber ohne Ausrufezeichen.
Hey, wie geht es dir?
Wohnst du wieder hier in der Gegend?
So ein Zufall, du bist doch ich, oder?
Nicht so passend, gleich Fragen zu stellen.
Schön dich mal wieder zu treffen.
Vor kurzem habe ich an dich gedacht.
So trifft man sich.
Ich habe genauso verdutzt geguckt wie ich.
Beruhigend war das.
Bekannt.
Nicht fremd.
Als hätte ich mich erst gestern getroffen.
Ich beließ es, die
unverfänglichen Grußformeln zu vertiefen,
die mir auf der Zunge lagen.
Ich ging einfach an mir vorbei.
Mir ist eingefallen, ich kenne mich.
Was könnte ich mir Neues mitteilen?
Möglicherweise, vielleicht, eventuell,
immerhin habe ich mich erkannt.
Schätzungsweise frage ich mich,
ob dies auch in ein paar Jahren
so sein wird.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wo gehobelt wird, da gibt es Spahn

Der Kohl-Linie gerecht werden

Manch Omen verheißt nichts gutes, schon gleich gar nicht, wenn Dietmar Bartsch als Laudator zur Buchvorstellung des Jens Spahn auftritt. Dieser meint, „er sei jetzt bekannt, müsse noch beliebt werden.“ Skepsis hat dabei durchaus Berechtigung, kaum im Amt und Würden als Gesundheitsminister im Merkel-IV-Kabinett, schon erscheint dessen Biographie. Der als Merkel-Rivale Titulierte wird laut Michael Bröcker als Kanzler Angela Merkel ablösen, was sonst.

Dabei durfte bereits „Kohls Mädchen“ sich versuchen, nachdem sie die kurze siebenjährige Jahre sozialdemokratische Regierung ablöste, um als erste Kanzlerin den Stuhl zu erklimmen. Mit Jens Spahn entspräche dies durchaus einer Kohl-Linie, wird ihr gerecht. Alle drei haben eines gemeinsam: eine tiefverwurzelte Unerschrockenheit, wenn es darum geht, den Sozialstaat zu schmälern.

Noch längst kein Kandidat, schon tritt er nonstop in gewisse Fettnäpfchen

Vielleicht zeichnet genau dies jenen Jens Spahn als Kanzlerkandidaten aus. Es gehört eben keine Sozialkompetenz dazu, selbst wenn er sich selbst als Gesundheitsminister brüstet. Wer dermaßen vorschnell sich über die an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Hartz-IV-Empfänger nahezu lustig macht, darf sich nicht wundern, in die Reihen der Promis eingeordnet zu werden, die keine Ahnung vom wirklichen Leben haben. Erst recht nicht als Politiker!

Die Kungelei zu Horst Seehofer läßt gleichwohl tief blicken, was da sich nach vorne traut, zumal bereits ein Sebastian Kurz ihm Vorschußlorbeeren bescheinigte, eine Zusammenarbeit sich mit Jens Spahn vorstellen könne. Werden da etwa schon erste Seilschaften geknüpft? Erstaunen kann nicht aufkommen, das gehört einfach zum politischen Geschäft, genauso wie die Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke. In diesem Kontext erstaunt Spahns Reaktion zum G20-Gipfel weniger, daß die Randalierer „Linksfaschisten“ gewesen sein mögen, Teile der SPD und Grünen, die gesamte Linke „auf dem linken Auge blind sein sollen“. Genau, dann kungelt man lieber mit einer CSU und bald schon mit einer AfD?

Eine Koalition der Union mit der AfD unter Spahn als Kanzler möglich?

Spekulationen dürfen schon mal in den Raum gestellt werden, wenn eine entsprechend politische Notwendigkeit dies gebietet. Mit jenem zu beobachtenden europäischen Rechtsruck mehr denn je! Spätestens zur 20. Bundestagswahl im Herbst 2021, wenn Bundeskanzlerin Merkel nicht mehr antreten wird, hat sich Europa jenem Novum zu stellen, daß auch Deutschland sich einreiht in Regierungsformen mit Rechtspopulisten.

Kann verhindert werden, wenn die anderen Parteien sich einigen, genau das nicht zuzulassen. Dazu bedarf es etlicher Kraftakte, eben keine gespaltene Linke, eine in der Versenkung verschwindende SPD und eine grüne Partei, die sich deutlich von der Union abgrenzt, anstatt auf Länderebene mit dieser zu regieren. Der FDP kann man weiterhin nicht trauen, wie uns die bundesdeutsche Geschichte lehren sollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Meine Klassenzimmerfenster

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Alle Fenster der Klassenzimmer
waren stets, ich bin sicher, sauber.
Wie hätte ich sonst Wissen
lernen können, ich bin sicher,
deshalb waren sie stets sauber.
Der Blick in die große weite Welt
wurde mir nicht verwehrt,
ich bin sicher, deshalb waren sie sauber.
Denn ohne diese klare Sicht
auf all die Dinge hätte mein Verstand
nicht geschult werden können, daher
bin ich mir sicher, sie waren immer sauber.
Das ist so klar, wie ich Vergangenes schaue,
denn die Wandtafeln waren im Gegensatz
zu den Fenstern stets verschmiert,
außer es war der letzte Schultag
oder der erste nach den Ferien,
da glänzte die Tafel
im einfallenden Licht
der geputzten Fenster.
Aber wer achtete an diesen Tagen
überhaupt auf Tafeln,
unsere Herzen waren
nicht mehr im Klassenzimmer,
sie fühlten bereits die freien Stunden
oder hielten die erlebte Freizeit fest,
um sie nie mehr
aus dem Gedächtnis zu verlieren.
Und wenn ich es mir so recht überlege,
durch die gereinigten Fenster
des Klassenzimmers bin ich bis heute
geläutert, daß Wissen
an eine Tafel geschrieben sein kann,
die wichtigsten Dinge aber,
glasklar sehe ich das,
hinter dem Horizont
erst ihren Zenit erreichen.
Dank euch sauber gewischte Fenster
habe ich frühzeitig
meinen Kopf
zwischen Himmel und Erde gelegt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Sexuelle Gelüste offenbaren des Menschen Abgründe

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Aber dennoch hat sich Bolle janz köstlich amüsiert

„Ne, ne, Ludger, wat hab ick mir jestern wieder mal ufjeregt, ja, wirklich! Da schreiben doch diese finsteren Gestalten der Systemmedien, dieser sonnenstudiogebräunte SPD-Fatzke würde mit einem Lächeln in der Visage den Jerichtsaal verlassen, grinse ins Blitzlichtjewitter. Oh, man. Hat denn keener och nur einen Gedanken an all die Kinder jehabt, die da pornographisch abjelichtet wurden? Du könntest gleich in die Tüte reihern? Wart mal, ick hol mal besser nen Eimer“, vermeldete Bolle seinem Kumpel und legte den Telephonhörer daneben.

„Ne, keene Sorge, war een Scherz, ick brauch mal nen Kaffe heute morgen, Momentchen“, ergänzte er und begab sich in die Küche. Ludger ließ es sich nicht nehmen und nutzte die Gelegenheit, um sich ebenso etwas zu trinken zu besorgen.

„Hier bin ick wieder, meen Freund. Sach mal, Ludger, wat hälst du denn davon? Wir hatten doch jüngst über dat Merkel jelabert, erinnerst du dich, Waschmaschine und so, oder? Was die große Politik nüscht hinbekommt, das machen die kleenen Unbedeutenden in der dritten Reihe erst recht zunichte, und wenn sie ihren abartigen sexuellen Jelüsten nachgehen. Kinder sind einfach tabu, wann begreifen das solche Pappnasen jemals? Wohl gar nich, erst recht nich, wenn och noch Politiker Kinderpornos uff dem Rechner sich hochladen dürfen und mit ner lächerlichen Jeldstrafe davonkommen.

Genau, Ludger, sie mögen sich unseretwegen fesseln, auspeitschen, mit irgendwelchen Hilfsmitteln in sämtliche Körperöffnungen sich etwas stecken und das als geil empfinden, alles ihre Sache, aber Kinder? Nö, ein NoGo, um das mal uff Englisch zu betonen. Erwachsene haben, wenn freiwillig untereinander ausgetragen, ihren eigenen Spaß dabei, ihre Sache, aber Kinder sollten sie da rauslassen, vor allem unsere Jesellschaft. Aber mal im Ernst, wurde solchen ekelhaften Taten schon jemals wirklich richtig nachjegangen? Bei kleenen Unbekannten vielleicht. Aber solche Promis oder angeblich Nützliche, die läßt man jewähren.

Da werden die Augen verschlossen, einfach wechjeschaut, hält gar der ein oder andere die Hand auf, mit Jeld kannst du viele Türen öffnen oder Straftaten vertuschen. Ja, ick weeß, nüscht neues. Allein schon, daß es Kinderpornos jibt, ist unerträglich, durch gar nichts zu entschuldigen! Wo sind dabei die Behörden, die Polizei? Warum wird dem nicht wesentlich effektiver nachjegangen, Ludger? Ick sag es dir: Weil noch viel zu viele dieses scheiß Bedürfnis haben. Pädophilie wird somit per klingelnde Kassen ein großes Stückweit zujelassen.

Oh, man, wie widerlich. Richtig Ludger, laß uns uff andere Jedanken wiederkommen, in diesem Sinne erhebe ich meene Kaffeetasse und verkünde grad zum Trotz: Na Sdarówje!“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Wunder der gewaltigen Sehnsüchte

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Sehnsüchte,
die gestern geschahen,
sind die Absätze der Schuhe,
die abgelaufen.

Gewalt,
die der Liebe entkommt,
sind die Haare im Aschenbecher,
die ausgefallenen.

Wunder,
die vermißt werden,
sind die Kaugummis im Mund,
die unter der Schulbank kleben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Früher war alles anders – eine nüchterne Betrachtung

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Du brauchst Abstand von allem, mit gebührendem Respekt. Wie willst du sonst einigermaßen neutral und gelassen bestimmte Zusammenhänge beurteilen, auswerten und reflektieren? Laß mal die Luft raus, entspanne dich, ein kurzer Flug nach Ibiza tut gut. Halt, kannste knicken, der Umwelt zuliebe, in Wirklichkeit sind Chemtrais nichts anderes als mehr Kondensstreifen, wie inzwischen klar sein sollte.

Aber fragwürdige Verschwörungstheorien bleiben mal außen vor, hier geht’s um Handfestes, unseren Alltag, der einerseits einer perspektivlosen Zukunft entgegenblickt, sollte jener rechtsradikale Haufen sich tatsächlich politisch durchsetzen, andererseits richtig gute Initiativen, Ideen und Gelebtes, was Mut macht, daß Mensch noch längst nicht aufgegeben hat.

Während etliche lamentieren, früher sei alles anders gewesen, leben manche ihnen etwas vor, was schnell übersehen werden kann in der Nachrichtenflut häßlicher Ereignisse. Widerstände beinhalten nicht nur Demos oder Wutschriften, vielmehr alternative Ideen, die aufgegriffen und beherzt umgesetzt werden. Menschheit befindet sich längst in einem Paradigmenwechesel, es muß halt auch erkannt werden.

Kein leichtes Unterfangen, weil festgehalten wird am Kriegstreiben, an Zersetzung in der Gesellschaft, gerade mit jener braun-blauen Brut, die europaweit ihre Chance wittert und kontinuierlich ihr Terrain sichert, wer einen Blick auf die europäische Karte wirft. Aber den Kopf in den Sand stecken, darf und kann keine Option sein, sondern eben genannte Widerstände haben zu greifen, kreative Ideen machen sich Luft. Doch ein „anders“ als früher, oder?

Hatte noch in den 1930er Jahren jenes Nazi-Pack erfolgreich das deutsche Volk rumkriegen können, schaut es heute schwieriger aus, über siebzig Jahre gelebte Demokratie stellen eine Hürde dar, wenn auch in der alten DDR über vier Jahrzehnte eine Einheitspartei dies verhinderte. Davon profitieren jene Blaunen ganz offensichtlich, wenn sie in der Wählergunst zur stärksten Partei aufsteigen. Was für ein Armutszeugnis, eine große Herausforderung für alle jene, die den Neonazis auf den Leim gehen!

Früher gab es genauso wie heute hoffnungslose Momente voller Verzweiflung, viel Pessimismus, und doch als Pendant all jene, die sich nicht beirren ließen, die Welt verändern zu wollen, hin zu mehr Menschlichkeit, weg von Konsumrausch und Umweltzerstörung. Das dauert, bis es in den Köpfen aller Wege der Einsicht gefunden hat. Dazwischen gilt es, Rückschläge zu überwinden. Schwierig in Zeiten jenes Rechtsrucks, aber durchaus lösbar, wenn man sich besinnt, worauf es ankommt: ein ausgewogenes Augenmaß an deutlichen Argumenten, an beherzten Streitern, jene rechte Mischpoke in die Schranken zu weisen, vor allem ein Zurück zum Sozialstaat, bevor ein nimmersatter Neoliberalismus sich endgültig durchsetzt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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