#WhyIDidntReport: Brett Kavanaughs verstricktes Lügenkonstrukt

Wegducken gilt nicht – sexueller Mißbrauch dramatischer Alltag

Schlammschlachten scheinen besonders in den USA an der Tagesordnung, erst recht mit jener fragwürdigen Präsidentschaft dieses Donald Trump, der folglich, um seine Macht noch effektiver auszubauen, den Juristen Brett Michael Kavanaugh am Liebsten auf dem Posten des Richters am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (USSC) sieht, ihn tatkräftig lautstark öffentlich unterstützt.

Dabei reiht sich selbst dessen Kaltschnäuzigkeit ein, besonders aufgrund der erhobenen Vorwürfe gegen Kavanaugh zur US-Senatsanhörung, dieser habe die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford vor 36 Jahren auf einer Schülerparty zu vergewaltigen versucht, offenbart erneut „historische Stunden des politischen Verfalls“. Man kann die Uhr danach stellen, daß wieder von Fakenews und bösartigen Versuchen die Rede sein wird, Trump und gleich mit ihm die Republikaner zu diskreditieren.

Billige Ablenkung vom Straftatbestand sexueller Nötigung

Wer sich mit Opfern von sexuellen Übergriffen intensiver auseinandersetzt, weiß, wie schwierig deren Lage, oftmals eine tiefe Sprachlosigkeit sie in den Bann zieht, mit jenen traumatischen Erlebnissen zurechtzukommen, wenn man das überhaupt hinkriegt. Den Wenigsten gelingt dies wirklich.

Nicht weiter verwunderlich, wenn Patti Davis, die Tochter des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, erst nach über 40 Jahren sich traut, über ihre widerfahrene Vergewaltigung zu reden, der Fall Christine Ford ihr nahe geht. Von #MeToo zu #WhyIDidntReport, mit billiger Ablenkung hat das rein gar nichts zu tun, sondern viel eher damit, daß sich Frauen, natürlich ebenso Männer, endlich trauen, an die Öffentlichkeit zu gehen, um ihr Schweigen zu brechen. Die Zahl derer, die weiterhin still, entsetzt und gelähmt schweigen, dürfte immer noch ziemlich hoch sein, zumal in der Gesellschaft sexueller Mißbrauch als Bagatelle hingestellt wird.

Brett Kavanaughs Flucht nach vorn macht ihn umso unglaubwürdiger

Anstatt seine jugendlichen Minderwertigkeiskomplexe, die er per Bier und entsprechend kumpelhaftem Umfeld ausleben wollte, sich selbst einzugestehen, welch unsagbar ekelhaftes Verhalten er an den Tag legte mit seinen weiteren sexuellen Übergriffen, wird das Ganze simpelst vertuscht, schön- und kleingeredet. Da kommen wirtschaftspolitische Seilschaften wie die mit The Donald ihm gerade recht.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß dessen aggressive Flucht nach vorn vor laufenden Kameras ihn noch unglaubwürdiger macht. So viele Frauen können sich unmöglich untereinander abgesprochen haben, die sich endlich trauen. Trotzdem bleibt zu befürchten, daß am Ende er das Amt des Obersten Richters erhält. Erneut ein trauriges Beispiel für schmutzige Politik.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Nichts umgibt sich mit Egofrust

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In diesen heißen Tagen
sitze ich im blühenden Garten,
Mütze, hochgestellter Kragen
halten Erinnerungen frisch.

Es war einmal vor langer Zeit,
im Keller versunken Temperaturen,
die Herzen gefroren zu Eiskristallen,
geboren eine gefühlskalte Welt.

Wärme geraubt von Kriminellen,
aufgebaut durch Sklavengeld,
Mord an Seelen frenetisch bejubelt,
Mitleid an Eisbergen zerschellt.

Toleranz ein Fall für Richter,
Charaktervernichter die Liebe sei,
über Gesichter Angststürme tobten,
Wörter in Schockstarre betäubt.

Man nannte uns Teufelsflüsterer,
die Kaltblütigkeit behauchten wir,
unter dem Frost nur Egofrust aufgetaucht,
Nichts verdunstete samt Macht und Gier.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Blick in die Zukunft keineswegs ein Hirngespinst

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Nutzlose Gedanken beschäftigten sie bereits am späten Abend, verschwenderische Zeit sei verstrichen, wie könne man nur so verbissen an einem Thema verharren, grübelte Melinda, während der Schlaf schließlich obsiegte an jenem Herbsttag, der wenige Minuten später sein Ende fand, das helle Glockenwerk der Uhr in der Diele kündigte Mitternacht an.

Irgendwann lag die Mittdreißigerin fast nackt im Bett, die Decke hatte ihren Weg auf den Parkettboden gefunden, der defekte Auspuff eines vorbeifahrenden Autos ließ das Schlafzimmer kurz erschallen, sodaß Melinda entsetzt um sich schlug, schnell ihr wärmendes Bettzeug fand und über sich zog.

Was für ein merkwürdiger Traum, schoß es ihr durch den Kopf. Mit gezieltem Griff nahm sie ihr stets auf dem Nachttisch liegendes Diktiergerät, um das Erlebte wiederzugeben. Eine graue, düster schreckliche Großstadt, vereinzelte Wesen ziehen umher, die eher Zombies ähneln als Menschen, ich selbst verharre in einem Hauseingang, besser gesagt, kauere zitternd dort, gerademal mit einem weißen Nachthemd bekleidet, obwohl es just zu schneien beginnt. Am Himmel, den man noch zwischen den Hochhäusern erahnen kann, schwirren Hubschrauber und die ein oder andere Beobachtungsdrohne. Ich muß mich in einem Science-Fiction-Thriller befinden, ansonsten macht das alles hier keinen Sinn.

Melinda hielt inne, weil ein seltsames Geräusch sie aufhorchen ließ. Was war das denn? Erschrocken kroch sie äußert vorsichtig aus dem Bett, schlich zur Schlafzimmertür, um im nächsten Moment einen Schatten am Fenster zu bemerken. Der Flügel öffnete sich wie von Zauberhand, nahezu gelähmt vor Schreck hielt sie den Atem an. Plötzlich war das geheimnisvolle Wesen ganz klein und stand mit fragenden Augen vor ihr, wenn man die beiden dunklen Höhlen in kopfähnlicher Erscheinung so zu deuten vermochte.

„Melinda Strawberry, tief durchschnaufen, wir sind in friedlicher Absicht zugegen, keine Panik, bloß die Ruhe bewahren“, begann das außerirdische Wesen, „ nenne mich Agabyr.“

Es dauerte einige Sekunden, die Melinda ewig vorkamen, bis sie einen Laut hervorbringen konnte.

„Aber wieso werde gerade ich von dir oder euch aufgesucht?“

„Um dir eine Botschaft für die Menschheit zu übermitteln, du scheinst reinen Herzens zu sein, hast wahrscheinlich die richtigen Kontakte. Hier kurz und knapp das Anliegen: Rettet euren Planeten, stoppt sofort jedwede Umweltzerstörung, verbannt die Kernkraft, seid wieder friedlich zueinander wie früher in Lemuria, ansonsten gibt es für euch keine Zukunft mehr, das Ende der Menschheit wäre besiegelt!“

Erstaunt, aber durchaus nicht abgetan, nickte Melinda verständnisvoll, wollte noch manches sagen, doch Agabyr war einfach weg, hatte sich in Luft aufgelöst. Erstaunt rieb sie sich ihre müden Augen, um im selben Moment sich im Bett liegend wiederzufinden. ‚Alles auch nur ein Traum?‘, rätselte sie.

Am nächsten Morgen weckte sie wie üblich der Radiowecker. Eine Meldung ließ sie grübeln. Heute Nacht berichteten etliche besorgte Bürger, sie wären von angeblichen Außerirdischen aufgesucht worden, die mahnende Worte an sie richteten, die Menschheit habe die Welt friedlicher zu gestalten. Allerdings fanden sich keine weiteren beweisbare Indizien, sodaß von Halluzinationen nur die Rede sein könne.

Mal wieder typisch, bloß nicht der Wahrheit ins Auge blicken, dachte Melinda. Welche Wahrheit soll das sein, fragte sie sich kurz danach, nicht mal ihre beste Freundin Bea könne sie einweihen, ohne Gefahr zu laufen, sie sei selbst ein Opfer jener Suggestion. Wortlos richtete sich Melinda für einen arbeitsreichen Tag, schließlich würde das Flugtaxi gleich heranschweben, um sie in die Redaktion zu befördern. Dort stand bereits auf ihrem Monitor ablesbar die Überschrift: Hirngespinste tyrannisieren die halbe Stadt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Funkloch

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Von wegen,
sagte er eben
noch,
bevor das Funkloch
uns unterbrach.
Seine Rach`?

Ich steh im Regen,
wegen
ihm
und dem Parfüm,
dieses ewige Schema
beim Einkaufthema.

Diese Streiterei,
seine Nörgelei,
ich aus dem Laden,
soll er´s ausbaden,
seiner Mutter erklären,
wir später da sein werden.

Du spielst Funkloch,
spiel ich wütend noch,
ich wartete,
ich haderte,
kein Zeichen,
laß dich nicht erweichen!

Regen ist kühl,
besänftigt das Gefühl,
nicht die Wut,
das Wissen tut gut,
immer nur Parfüm,
einfallslos von ihm.

Wir müssen reden,
aha, ich soll vergeben,
deine Füße
ich nicht küsse,
ups, wieder Funkloch,
wie hilfreich bist du doch.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Weltpolitisches Gezeter kennt keine Moral

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Hauptsache die Geschäfte laufen gut

Ob Liza Minelli oder Pink Floyd, money makes the world go round, that’s the sound. Alles richtet sich danach, Familien, Gesellschaften und die Weltpolitik. Der Satz, haste nix, biste nix, hat kein bißchen an Bedeutuung verloren, trotz sozialer Anstrengungen in Ländern, die noch Menschenrechte auf ihre Fahnen schreiben, obsiegen am Ende bestimmte Notwendigkeiten, die einmal mehr aufzeigen, wie Mensch tickt.

Insofern darf niemand sich wirklich wundern, wenn extremistische Gruppierungen entstehen, die auch nur ein Stück vom Kuchen wollen. In einer Welt des Raubtierkapitalismus hat der Kommunismus ohnehin nicht die geringste Chance, andere politische Systeme richten sich nach den Geldflüssen, wollen sie überleben. Business as usual auf allen Ebenen. Was heute verkündet, mag morgen nicht mehr gelten.

Deutsche Politik tanzt auf dem Vulkan

Zumal der Nahe und Mittlere Osten als Pulverfaß weiterhin die weltpolitische Lage in Atem hält. Nordkorea dient wohl der Ablenkung, die scheinbar gelöst werden kann. Im letzten Jahr sorgte der damalige Außenminister Sigmar Gabriel für Unmut mit seiner Bemerkung vom „Abenteuertum“ gen Saudi-Arabien, obwohl akribische Beobachter ihm nicht unbedingt Glauben schenken sollten, das Königreich zog die Konsequenz, sein Botschafter wurde aus Berlin abgezogen.

Doch Heiko Maas macht mobil, – nicht bei Arbeit, Spaß und Spiel-, vielmehr bedauert die Bundesregierung angebliche Mißverständnisse, starke strategische Verbindungen mit dem Königreich Saudi-Arabien werden hervorgehoben. Wenn’s um Geld und Macht geht, fällt Moral hinten über. Wen interessieren schon Todesurteile, Steinigungen, Folter und Frauenrechte im Land konsequent angewandter Scharia? Von kriegslüsternen Gedanken oder Terrorrekrutierungen ganz zu schweigen. Das gilt im übrigen für viele Staaten!

Beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gelten dieselben Maßstäbe, – Maas-Stäbe als Wortspiel paßt ein großes Stückweit -, dessen früherer SPD-Kollege und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt den türkischen Despoten, allerdings nimmt Angela Merkel am Staatsbankett nicht teil. Geschickt inszeniert, glaubhafter wird sie dadurch mitnichten.

The Donald prahlt mal wieder

Ein gewohntes Bild narzißtischer Selbstverherrlichung, in dessen Rede vor der UNO erklärt er der Welt die Welt. Kein Kalauer, sondern erbarmungslose Realität, die noch folgenschwer uns alle beschäftigen wird. Man mag darüber witzeln, dennoch stellt uns dieser 45. Präsident vor vollendete Tatsachen: Die Welt wird dadurch nicht friedlicher. Ganz im Gegenteil, die USA beharren auf ihre militärische Dominanz als größte Wirtschaftsmacht.

Wer nicht mit ihm zieht, wertet er kurzerhand als seinen Gegner. Keine Zeit für diplomatisches Geplänkel, zumal er bereits auf das Ende der Hälfte seiner Amtzeit zusteuert, im nächsten Jahr bereits ein erneuter Wahlkampf beginnt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Türöffner

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Lieber Jakob,

ich weiß, ich hätte den Umzug meiner Eltern in die entgegengesetzte Richtung unternehmen sollen. Hätte mit dir fliehen, deinem Herz folgen sollen. Ich schreibe, hätte, soll und ich, ich. Hätte ich mit dir eine gemeinsame Reise begonnen, würden dann meine Zeilen ohne hätte, soll und ich geschrieben werden? Würde ich von wir und uns schreiben, wenn ich es gewagt haben sollte, meinen Eltern zu schreiben, um sie wissen zu lassen, alles ist gut?

Jeden Morgen verlasse ich das Haus, um mich im Morgennebel zu verlieren. Abseits der festgetretenen Wege in der Stummheit neuer Gedanken vermag ich, die einsame Stelle in meinem Herzen zu finden, die von dir bewohnt wird. Stets lächelst du, und ich spreche in deine Fröhlichkeit. Sie weicht selbst dann nicht, wenn meine tränenerstickten Worte voller Mühsal meine Liebe zu dir als Eingangstür für mein Leben beschreiben wollen und ich damit deine Liebe beschränke, daß du der Türöffner für mich gewesen seist. Der Schlüssel zum Schloß all meiner Träume und diesen Schlüssel besitzt du heute noch, nach so vielen Jahren. Ohne dich hätte ich diesen Ort nie gefunden. Ich bewohnte ihn bereits, als ich mich entschloß, nicht mit dir die Flucht anzutreten.

Diese weiche Stille im Dunst der aufgehenden Sonne empfinde ich als das stärkste Glück, das ich jemals zu empfinden imstande bin, das zu erkennen, verdanke ich dir. Wir beide hätten zusammen niemals diese intensive Leichtigkeit der Schwere des Loslösens erlebt, zu fest war unsere Bindung, zu stark der Tritt auf dem flauschigen Grund. Wir wären gestürzt, gefallen, versunken in unser wir.

Hätte ich, oder würde ich nur den leisesten Zweifel an dieser Gewißheit hegen, liebster Jakob, wäre ich an deiner Seite geblieben, um dich davor zu bewahren, von den Klippen des Schicksals zu springen. Deine warme Hand in meiner, deine gerötete Wange an meiner, deine sanfte Seele bei meiner, morgens wenn ich das Haus verlasse, um nach dir zu sehen.

Wie immer verbrenne ich dieses Schreiben, puste die Papierasche zu dir. Wir hätten uns an uns selbst verbrennen können, mein Umzug und deine Fahrkarte an unbekannte Gestade hat es uns ermöglicht, die Glut unserer Herzen nie erkalten zu lassen.

Siehst du in der Ferne
deine Gefühle der Jugend
als brennende Fackel
im Dunkel der Zeit,
verweilst du im sicheren Hafen
auf deines Schicksals Boot,
umringt von stürmischen Phasen,
diese Insel nie kentern kann.

Erinnerst du dich, Jakob, an deine Zeilen? Der Schlüssel liegt bei dir.

Deine Elsa

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Abgebrannt im eigenen Land – wer rettet uns vor dieser Schand?

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Wenn eine Mitte schweigend duldet

Gefangener im Strudel der Meldungen, die dich erreichen, ob in der Glotze oder beim Einloggen ins Internet, in den Social Media. Überhaupt stößt bereits letztere Formulierung auf, was soll denn daran sozial sein, wenn Fakenews und Haßbotschaften sich gegenseitig um die Ohren gehauen werden, d.h. wildes Getippsel in den Kommentaren den anderen überbieten möchte, von den netten Videobotschaften ganz zu schweigen, wo narzißtische Ergüsse nur so von trögen fanatischen Statements rüberkommen.

Das alles sorgt für viel Unmut in der Gesellschaft, dabei gern vollmundig deren Mitte zitiert wird. Welche Mitte denn, und was soll die denn darstellen? Im Kontext bedeutet es folglich, es gibt elitär Begünstigte und der ständig wachsende Rand der Armut. Die Mitte habe dies auszubaden und sei der Zahlmeister der Nation. Das stimmt aber nur bedingt. Denn genau jene Mitte schweigt gern, wenn Extremismus, Gewalt und generelle Mißstände sich verselbständigen. Es reicht eben nicht, sein Kreuzchen alle vier Jahre auf dem Wahlzettel zu hinterlassen.

Ein friedliches Miteinander kann nur fruchten, wenn echte Leidenschaft im Alltag Wege der Besserung gezielt sucht, man sich interessiert und engagiert. Nein, nicht mittels dem richtigen Parteibuch, in dem man seinem Chef imponieren will, im Bekanntenkreis, an den Stammtischen, in den Vereinen. Das wäre viel zu banal, aber genau das macht ebenso einen Großteil jener Mitte aus, diese Selbstgefälligkeit.

Rettung aus der Not widriger Umstände, wobei am Ende niemand verantwortlich sein möchte? Mit Blick…, um mal bei der Mitte zu bleiben, mitten in Europa köchelt jene Neue Rechte ihr gehässiges Süppchen, und erneut gehen ihr etliche auf den Leim. Im Nachbarstaat Österreich, dem Geburtsland jenes Männchen mit Schnauzbart, darf ein Herr Kurz unaussprechliches verkünden, um es mal auf dessen Punkt umformuliert zu bringen: Alles halb so wild, rechte Politik sei per se salonfähig. Kein Wunder, weil über die Hälfte Europas fleißig seinen Beitrag dazu leistet.

Und die sogannte etablierte Politik, all jene Parteien, die die Demokratie und Menschenrechte hochhalten? Die duckt sich nicht nur weg, sie verzettelt sich in Pöstchengeschacher, sorgt weltweit ohnehin für genügend Kriege und Elend, beutet eben jene Mitte unerschrocken mit aus, um im Parlament als „Saubermann und –frau“ vieles zu relativieren. Medien berichten, so gut es geht, manche bestimmt beeinflußt, ohne gleich alle als Lügenpresse oder Fakenews diffamieren zu dürfen. Das entspricht der simplen Strategie einer faschistischen Grundhaltung, die gern jene Nazis sich auf ihre Fahnen schrieben, was wiederum auch nur abgekupfert wurde. Propaganda gab es schon weit vor ihnen.

Das Fatale bei all jenem politischen Elend ist nach wie vor eine schweigend verharrende Mehrheit, die sich eben nicht traut, lieber ängstlich abwartet, was da geschehen mag, obwohl längst ein politisch-geschichtliches Bewußtsein herangewachsen sein sollte. Schulische Versäumnisse entsprechen einer Alibi-Ausrede. Im Zeitalter des Internets erst recht, es sei denn, man betrachtet alles als Fakes und verstrickt sich in Verschwörungstheorien zusammen mit esoterischen Halbwahrheiten. Dann wird es nicht nur haarig, sondern bietet ganz viel Nährboden für fanatische Zielsetzungen.

Sortieren lautet das Zauberwort, stets hinterfragen, ohne den Konsens zur gesellschaftlichen Entwicklung zu verlieren, besonders jedwede Gewalt eben nicht zuzulassen, weil sie niemals lösen kann, vielmehr zerstört. Am Ende in Kriegen, im Vorfeld mittels Vorurteilen und unnötigen Haß. Wer Ausgrenzung und Rassismus zuläßt, darf sich nicht wundern, wenn morgen wieder Bücher verbrannt werden, das Internet kontrolliert wird neben totaler Überwachung, letztlich totalitäre Systeme obsiegen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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