Zukunft: Nutzung von Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz

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Paradies oder Hölle auf Erden schaffen

Der sicherste Weg einer effektiven Gestaltung unseres Daseins findet stets in der Gegenwart statt, im Hier und Jetzt muß Menschheit überleben, das Beste draus machen, was bekanntlich vielerorts eben nicht unbedingt sich so verhält, bis hin zu Krieg und Zerstörung. Ganz einfach ausgedrückt, wir alle haben die Wahl zwischen Apokalypse und einem friedlicheren Miteinander. Haben wir das tatsächlich?

Marc von Lüpke interviewte den israelischen Historiker Yuval Noah Harari, der mit seiner populärwissenschaftlichen Monographie Eine kurze Geschichte der Menschheit große Aufmerksamkeit erhielt. Dessen Schilderungen im Interview zeichnen ein gefährlich düsteres Bild unserer Zukunft, wenn Mensch es verpaßt, die Nutzung der Biotechnologie und Künstliche Intelligenz in Einklang mit ihm selbst zu bringen. Insofern das Paradies oder die Hölle auf Erden schaffen?

Wir wissen, was wir nicht wissen – ein kläglicher Rest negiert reale Chancen

Im Grunde genommen findet die größte menschliche Revolte in der Wissenschaft, der Technik statt, die gleichzeitig dermaßen schnell uns alle überrollt, sodaß ganze Berufssparten, das Leben eben nicht mithalten kann, wie auch Yuval Noah Harari gezielt beschreibt. Naheliegend, vor allem wer sich unsere augenblickliche Situation vergegenwärtigt. Jetzt schon verschwinden etliche Berufe, neben längerer Arbeitslosigkeit bedeutet dies gezielte Umschulung oder Weiterbildung, etliche bleiben auf der Strecke, weil sie nicht mithalten können.

Ein ohnehin bereits stattfindender sozialer Zusammenbruch läßt sich eigentlich nicht mehr vermeiden. Was im Interview so gar nicht thematisiert wird: eine Welt ohne Arbeitszwang! Man könnte schlicht den Verdacht hegen, nur Menschen in Abhängigkeit sind manipulier- und erpressbar, wie dies schon immer in der Geschichte stattfand. In anderen Worten, wo kämen wir dahin, wenn Mensch sein Leben frei gestalten könnte.

Hinter den Tellerrand schauen, ein wichtiger Prozeß

Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt, irgendwo dazwischen befindet sich die Menschheit, die es jederzeit in der Hand hat, ihr eigenes Schicksal zu lenken. Das geht allerdings nur gemeinsam, selbst wenn Blicke in die Zukunft furchtbares erahnen lassen. Niemand kann sich vor unweigerlicher Realität verschließen.

Betrachten wir ganz kurz den politischen Trend hierzulande, sollte eines sofort auffallen: Im nördlichen Teil der alten Bundesländer sind die Menschen noch bei klarem Verstand, sie geben jener etablierten Nazi-Partei gerade mal 6% , während jene AfD im Moment gar auf Bundesebene als zweitstärkste Partei prognostiziert wird. In diesem Land war das Leid der Nazi-Zeit wohl nicht dramatisch genug und/oder die Menschen möchten es nochmal durchleben. Wenigstens stimmen die meisten Wähler für die anderen Parteien, ansonsten darf der kritisch politisch Denkende sich nur noch wundern.

Was hat das mit der weltweiten Zukunft zu tun? Ganz einfach: Viele lassen sich mit simpler Propaganda blenden. Darin müssen wir die größte Gefahr erkennen, die gleichwohl der Historiker Yuval Noah Harari nicht erwähnte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Nachmittagsgast

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Ein Glas Tee,
jeden Nachmittag,
je nach Befinden,
schwarz oder Kräuter.

Eine Stunde später,
bitte, heißes Wasser,
der Beutel nochmal
wird aufgebrüht.

Bittere Miene stets,
will sie mich beißen?
Kälte strömt aus ihr,
Gefrorenes beißt sie.

Klirrende Kälte
in den zwei Stunden,
sie ertrinkt
in Bitterkeit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Diagnose Tuberkulose – Leidensweg einer Betroffenen

WHO warnt weiterhin vor Infektionskrankheit

Der nachfolgend beschriebene Leidensweg hat sich genauso zugetragen, lediglich der Name der Patientin wird selbstverständlich durch ein Pseudonym ersetzt. Es muß schon zu Beginn der 1960iger Jahre geschehen sein, daß sich Paola mit dem Mycobakterium tuberculasis angesteckt hat, wie dies erst nach fast fünfzig Jahren endgültig gesichert diagnostiziert werden konnte. Zunächst verlief ihr Leben bereits in Kindertagen alles andere als glücklich, traten damals schon Infekte wesentlich häufiger auf als üblich. Allerdings verwunderte dies die Ärzte und die Familie nicht sonderlich, da Paola eben eher mager war als vollschlank, so daß ihre Konstitution dafür verantwortlich gemacht wurde.

Als erwachsene Frau durchlebte sie denselben Weg wie viele andere auch, gründete eine Familie, wurde Mutter und hatte vorläufig keinerlei Beschwerden. Dies änderte sich allerdings Mitte 1990iger Jahre schlagartig ohne jedwede Vorwarnung. Und im Gegensatz zu vielen anderen Betroffenen, fand sie zusammen mit ihrem behandelnden Hausarzt eine schlüssige Erklärung. Der damalige Job verursachte zusammen mit einhergehenden Bossing eben diese Schwächeanfälle. Ursache erkannt, Job beendet, die Gesundheit machte sich wieder breit, und alles schien auf bestem Wege zu sein.

Nur ein paar Jahre später, bei einem sommerlichen Spaziergang mit Hund und Ehemann ereilte sie erneut ein Schwächeanfall, wobei aufgrund starker Herzschmerzen dieser sie sofort ins Krankenhaus fuhr. Dort stand für die behandelnden Ärzte die Diagnose erstaunlich schnell fest: Angina pectoris oder auch direkter Herzinfarkt. Und diesmal konnte noch wesentlich schlimmeres verhindert werden, denn eine dauerhafte Behandlung mit dieser Diagnose ist ebenso nicht gerade gesundheitsfördernd, sondern kann unter Umständen sogar lebensbedrohlich werden.

Ihr Hausarzt hatte während seines Medizinstudiums das große Glück, bei einem Praktikum Patienten zu behandeln, die am sogenannten Roemheld Syndrom zu leiden hatten. Die Allopathie oder auch Schulmedizin genannt, lehnt dieses Krankheitsbild kurzerhand ab, so daß die meisten Medizinstudenten eben nicht erfahren, wie sich dessen Verlauf gestaltet. Roemheld-Syndrom-Patienten haben fast exakt dieselben Symptome wie bei einem Herzinfarkt, nur daß dieser nicht vorliegt. Als Ursache hatte damals ihr Entdecker, der Internist Ludwig von Roemheld, blähende Speisen und übermäßiges Essen ausgemacht, die wiederum im Magen und Darm Gase bilden, welche auf das Zwerchfell drücken, um diesen Druck an die Lunge und ans Herz weiterzuleiten.

Auch können diese benannten durch irgendwelche Darmerkrankungen hervorgerufen werden, denn Paola selbst zeichnete sich eben nicht durch übermäßiges Essen aus und nahm auch keine blähende Speisen zu sich. Als trotz der geklärten Diagnose ihre Beschwerden kein Ende nehmen wollten, insbesondere beklagte sie ich über mangelnde Energieverluste, fühlte sie sich zusehends geschwächter, wechselte sie den Arzt. Der neue Hausarzt fand schnell eine schlüssige Diagnose: psychosomatische Erkrankung. Selbstverständlich beteiligte sich Paola zunächst bei der folgenden Indikation, versuchte alles, um ihre Beschwerden einzudämmen.

Dennoch folgten in den nächsten zwei Jahren noch zwei Notfalleinweisungen ins Krankenhaus, und jedes Mal standen die behandelnden Ärzte vor einem Rätsel, akzeptierten teilweise sogar den Befund des Roemheld-Syndroms, was aber nicht mehr der Auslöser ihrer Beschwerden sein konnte.

Erneut wechselte sie den Arzt, auch weil ihr Hausarzt mal nicht erreichbar war. Die neue Ärztin hörte sich ihren Fall sehr aufmerksam an und hegte einen Verdacht, eben weil sie selbst auch mit einem Lungenfacharzt befreundet war. Paola befolgte ihren Rat und unterzog sich erneut ausführlichen Untersuchungen in der zuständigen Klinik. Zunächst waren diese ergebnislos, aber bei der letzten Visite war eine russische Ärztin zugegen, die zum aller erstenmal den Verdacht äußerte, es könne sich um eine Tuberkulose (TBC) handeln. Es wurde schließlich eine Bronchioskopie (Spiegelung der Bronchien) durchgeführt. Und einige Tage später stand der Befund fest: geschlossene TBC!

Paola hatte endlich die Ursache für ihr jahrzehntelanges Leiden durch diese Ärztin finden können; es folgte eine halbjährige, spezielle Antibiotika-Behandlung, wobei sie das Glück hatte, daß diese für sie sehr gut verträglich war, sie danach als vollständig geheilt galt.

Warum wurde dieser Fall hier so ausführlich geschildert?

Nun, was die wenigsten Leser wohl wissen werden, ist, daß die Tuberkulose die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten anführt. Immerhin starben 2017 noch weltweit 1,6 Millionen Menschen lt. der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an dieser tückischen Krankheit. Paolo hatte zwar keine offene TBC, dennoch verursachte selbst die geschlossene ihr diese langjährigen Beschwerden, sie schwand dahin, was auch im Sinne dieser Krankheit wohl zu sein scheint, heißt sie doch auch Schwindsucht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesundheit

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Halt die Klappe, Ludger

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Halt die Klappe, Ludger. Vera wieder auf dem Weg bestimmend, das Richtige zu tun. Naja, das Richtige, was bedeutet das jetzt, zu tun, das sie gerne über alle Bedenken hinweg vorhat zu tun. Ludger muß die Klappe halten, egal ob sein Einwand gerechtfertigt war, oder nicht. Ludger hielt die Klappe, immer. Nie nachtragend, enttäuscht. Vera und Ludger kennen sich bereits aus Kindertagen. Irgendwo trafen sie sich, irgendwann fand Vera, Ludger sei ihr Pendant, quasi der Schlüssel für das Schloß, oder wie es Großmutter formuliert hätte, der Deckel für den Topf.

Vera war dies bei ihren ersten Treffen nicht bewußt, sie fand einfach, es sei praktisch, jemanden bei sich zu haben, der sie ermunterte, im Wald laut zu schreien, gegenüber den Eltern mit Vehemenz zu widersprechen, Tina doch wieder als Freundin anzusehen und sich sogar bei ihr zu entschuldigen, die kleine Packung Bonbons an der Kassentheke in ihre Rocktasche zu stecken ohne Bezahlung, sie erlaubte ihm ohne weiteres, das letzte Wort zu haben und quittierte ihm dafür, die Klappe zu halten. Ludger war und ist vergleichbar mit einem Schlußpunkt oder mit der Linie unter einem Begriff, der seine Wichtigkeit unterstreicht.

Vera steht, trotzdem sie Ludger gebeten hatte, die Klappe zu halten, vor ihrem Spiegelbild, amüsiert darüber, daß er als Bestätigung für ihre Auswahl pfiff. Ein bißchen zu sexy, zu gewagt, sei der Rückenausschnitt, aber geil. Und der V-Schnitt, nur gehalten von einer kleinen Tüllrosette, einfach umwerfend. Was macht es da schon, wenn ihre wunderbaren Beine nicht zu sehen waren. Sie könnte immerhin ganz keck und gedankenverloren das Brautkleid anheben. Machen das nicht alle Prinzessinnen? Warum es ausgerechnet Ludger war, der sich in alle Bereiche ihres Lebens einmischen durfte, keine Ahnung, Vera zog ihre Schultern hoch, in dem Moment konnte Belinda sich ein „Wahnsinn“ nicht verkneifen. Es gab eine Zeit, da forschte Vera regelrecht danach, warum ausgerechnet Ludger ständig seine Kommentare abgab, beziehungsweise, sie danach lechzte, auf seine Kommentare hin, halt die Klappe, Ludger, sagen zu können.

Weder ihre Eltern noch Oma, die ihr seit frühster Kindheit aus Büchern vorgelesen hatten und zumindest sämtliche Personen kennen mußten, mit denen sie in dem Alter in Kontakt kam, sollten doch wissen, sich erinnern, ob ein Ludger jemals erwähnt, anwesend, wenn auch in Büchern, worden war. Nein, blieb die kategorische Antwort. Egal, wer gefragt wurde, niemand kannte Ludger, weder als Person noch aus einer Erzählung. Ludger war demnach kein Held, nicht mal eine Nebenfigur, Statist aus einem Buch oder Film. Sie fragte sogar in ihrem alten Kindergarten und Mitschülern der ersten und zweiten Klasse nach, unverfänglich natürlich, auch aus diesen Gesprächen erfuhr sie nichts über oder von Ludger. Er blieb ihr Hirngespinst. Die Bedeutung ließ sie sich von ihrem ehemaligen Deutschlehrer erklären, Volk und Speer, na, wie toll ist das denn, dachte sie, und auf solch einen Einfall kann möglicherweise nur ich kommen oder Ludger, halt die Klappe.

Während sie ihre Reifephase durchlebte, bei Vera fand keine Pubertät statt, das verbot sie sich, sie sei im Reifeprozeß, in der Verpuppung, meinetwegen, Ludger, halt die Klappe, war sie manchmal kurz davor, Ludger in eine Sie zu verwandeln. Ludgera, geht gar nicht, halt die Klappe, Bonny, Sira, Rosalie, Walburga und noch viele andere verschwanden genauso schnell, wie sie gedacht wurden. Ihr aufkeimendes feministisches Bewußtsein verschlug ihr dann den Atem, wenn sie keine Argumente mehr fand, die Bestand haben sollten, ihre Kommunikation mit einem weiblichen Pendant fortzuführen oder sogar völlig darauf zu verzichten, Ludger ständig das letzte Wort zu überlassen. Sie einigte sich, Ludger, sei still, darauf, gegensätzliche Ansichten würden ihr Leben ausgiebiger bereichern und ihr die Chance bieten, dadurch weniger Zweifel über ihr Handeln aufkommen zu lassen, da zweifach abgecheckt.

Belinda fuhr sich mit beiden Händen durch ihre kurz geschnittenen Haare und ließ ihrem „Wahnsinn“ eine ganze Reihe von Sätzen folgen, die schließlich endeten: Wie für dich geschneidert. „Wer immer dieses Brautkleid entworfen hat, derjenige muß dich bildlich vor Augen gesehen haben.“

Vera verdrehte die Augen: „Etwa so?“

„Laß den Quatsch! Du erscheinst mir, wie mit diesem Kleid verwachsen. Einfach eins. Ein Traum von Vera!“, schwärmte Belinda.

„Ist es nicht zu sexy? Du weißt schon, wirkt es nicht ein wenig zu offenherzig, ordinär vielleicht?“, Vera klimperte jetzt eher mit den Augen, obwohl sie sie eigentlich noch mal verdrehen wollte, um ihre Zweifel zu unterstreichen. Bevor Belinda zu einem neuen Redeschwall ansetzen konnte, sie schien vor Begeisterung nicht mehr in den richtigen Atemtakt kommen zu wollen, war Ludger zur Stelle, halt die Klappe, Vera. Was sollte sie danach für Bedenken haben. Das Brautkleid war somit gekauft, und sie würde darin erotisch und attraktiv, betörend und sinnlich aussehen.

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres, vollbepackt mit Geschenken, wartete sie auf Belinda und Felix, sie hatten sich während der Einkaufstour getrennt und sich hier in diesem, diesem, keine Ahnung was es darstellen sollte, Restaurant, Café, Kneipe, Bar, Fastfoodverschnitt, halt die Klappe, Ludger, verabredet, um anschließend gemeinsam zu Vera zu fahren. Vera schöpfte die Sahne von ihrem Kaffee Pharisäer zum Tassenrand, weil sie diesen Kaffee am liebsten löffelweise genoß. Bevor sie mit dem ersten Löffel ihren Mund erreichte, hörte sie neben sich: „Wohl bekomm´s, Ludger.“

Sie verschluckte sich an der eigenen Spucke, der Löffel samt Rumkaffee fiel ihr beim Herumdrehen aus der Hand, bespritzte den grinsenden Mann neben ihr, der geistesgegenwärtig ihr auf den Rücken klopfte, weil ihr Gesicht puterrot anlief. Ludger kam öfters in diese Spelunke, wirklich wahr, Vera, er verlängerte seinen Nachhauseweg von der Arbeitsstelle, abschalten, reflektieren, sacken lassen, könne er hier besser als zuhause. Zuhause hätte seine Arbeit nichts verloren, da wollte er bereits alles von sich abgeschüttelt haben. Jedenfalls, das behauptete er immer wieder, sei dies der Grund gewesen, daß er sie unbefangen angesprochen hatte, die Spelunke war für ihn heimisch, und sie war fremd, und er wollte nett sein und sie keineswegs anbaggern.

Ludger war überhaupt nicht erstaunt über, halt die Klappe, Ludger, er meinte halt die Klappe, Ludger, sei die beste Vorbereitung für ihre Freundschaft, schließlich würde sie ihn seit Kindertagen kennen. Und Vera hat, ganz feministisch eingestellt, ein knappes Vierteljahr später um seine Hand angehalten, wie hätte es anders sein können, bevor er antwortete, sagte sie; „Halt die Klappe, Ludger!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Statt Hut Beförderung, alles gut oder maaßlos übertrieben?

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Ene, mene, muh und raus bist du

Raus bist du noch lange nicht, bewahre doch einfach dein Gesicht. Dazu verhilft dir in letzter Not ein Seehofer, dat tut got, weeß letztlich jeder Doofer. Wir befinden uns aber keineswegs in nem lustigen Film, vielmehr entrückt von des Volkes Willen. Nanu, apropos Volk, wer hockt denn hier auf welcher Wolk?

Einerseits läßt man Horden von „Wir sind das Volk“ durch die Straßen ziehen, lassen die per Hetzjagd Migranten und angeblich Linke in Chemnitz von dannen fliehen, beschönigt Sachsens Landesvater dies als nicht stattgefunden. Wer leckt hierbei wohl wessen Wunden? Ne rechte Mischpoke darf sich im Herzen Europas mal wieder tummeln, da hülft och keen maaßloses Schummeln!

Jene große Koalition im vierten Merkel-Kabinett hat ausgedient, nur fraglich wer da was bedient. Pöstchenreiterei erscheint noch einerlei, doch wer entscheidet dabei noch tatsächlich frei? Schon wird jene folgenreiche Entscheidung als Realsatire abgetan. Was fürn komischer politischer Clan. Eine SPD wäre sehr gut beraten, endlich mal nicht ständig ihre Mitglieder und Wähler zu verraten, sondern das Erbe ehemaliger Mitstreiter fortzusetzen, statt eigentliche Standpunkte weiterhin zu verletzen.

Darauf können wir noch lange warten, die da oben verhalten sich wie im Kindergarten. Wer hat mein Schäufelchen geklaut, das ist aber gar nicht erlaubt. Mit Verantwortung und politischer Konsequenz hat das wenig bis gar nichts zu tun, auf wessen Lorbeeren wollen sie sich denn noch ausruhen? Vor allem, wieso darf ein solcher Innenminister weiterhin frohlocken? Was muß er noch alles verbocken, bis man ihn endlich rausschmeißt, bis der Geduldsfaden reißt?

Stell dir mal vor, du wirst befördert als Tor, weil du zwar Mist gebaut, man dir dennoch nur gutes zutraut. In der Berufswelt ein absolutes NoGo, heutzutage politisch gehört’s wohl zur Show. Man braucht nicht lang zu suchen, da hilft keen Fluchen, denken wir an Erdogan, Trump und Co., es ist halt so. Je unverhohlen rotzfrech mächtiger, umso prächtiger. Wie im Großen so im Kleinen, Hauptsache wichtig erscheinen. So darf ein Herr Maaßen sich gar besser bezahlt bespaßen, obendrein den neuen Verfassungschef als dessen Vorgesetzter bevormunden, um das janze Desaster noch abzurunden.

Welche Seilschaften wirken hierbei verborgen im Hintergrund? Welches Wissen tut er somit dann doch nicht kund? Kriminell gesehen ein Tatbestand der Erpressung vorliegt, er deshalb sein neues Pöstchen kriegt. Während überall alle entsetzt tönen, darf er sich in Unschuld frönen. In ein paar Tagen mag Gras drüber gewachsen sein, Hauptsache man bewahrt den Schein. Politikverdrossenheit wächst weiter wie ein gefährliches Krebsgeschwür, öffnet ein großes Stückweit die rassistisch-faschistische Tür. Hinterher lautet’s erneut: Das wußten wir nicht, Ihr Leut’!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Wiedersehen

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Neulich bin ich mir unerwartet
nach langer Zeit begegnet.
Ich stand vor mir und wußte nicht,
was sag ich mir.
Hallo, ewig nicht gesehen!
Du bist erwachsen geworden!
Na, sowas, du bist immer noch die Alte!
Oder lieber ohne Ausrufezeichen.
Hey, wie geht es dir?
Wohnst du wieder hier in der Gegend?
So ein Zufall, du bist doch ich, oder?
Nicht so passend, gleich Fragen zu stellen.
Schön dich mal wieder zu treffen.
Vor kurzem habe ich an dich gedacht.
So trifft man sich.
Ich habe genauso verdutzt geguckt wie ich.
Beruhigend war das.
Bekannt.
Nicht fremd.
Als hätte ich mich erst gestern getroffen.
Ich beließ es, die
unverfänglichen Grußformeln zu vertiefen,
die mir auf der Zunge lagen.
Ich ging einfach an mir vorbei.
Mir ist eingefallen, ich kenne mich.
Was könnte ich mir Neues mitteilen?
Möglicherweise, vielleicht, eventuell,
immerhin habe ich mich erkannt.
Schätzungsweise frage ich mich,
ob dies auch in ein paar Jahren
so sein wird.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wo gehobelt wird, da gibt es Spahn

Der Kohl-Linie gerecht werden

Manch Omen verheißt nichts gutes, schon gleich gar nicht, wenn Dietmar Bartsch als Laudator zur Buchvorstellung des Jens Spahn auftritt. Dieser meint, „er sei jetzt bekannt, müsse noch beliebt werden.“ Skepsis hat dabei durchaus Berechtigung, kaum im Amt und Würden als Gesundheitsminister im Merkel-IV-Kabinett, schon erscheint dessen Biographie. Der als Merkel-Rivale Titulierte wird laut Michael Bröcker als Kanzler Angela Merkel ablösen, was sonst.

Dabei durfte bereits „Kohls Mädchen“ sich versuchen, nachdem sie die kurze siebenjährige Jahre sozialdemokratische Regierung ablöste, um als erste Kanzlerin den Stuhl zu erklimmen. Mit Jens Spahn entspräche dies durchaus einer Kohl-Linie, wird ihr gerecht. Alle drei haben eines gemeinsam: eine tiefverwurzelte Unerschrockenheit, wenn es darum geht, den Sozialstaat zu schmälern.

Noch längst kein Kandidat, schon tritt er nonstop in gewisse Fettnäpfchen

Vielleicht zeichnet genau dies jenen Jens Spahn als Kanzlerkandidaten aus. Es gehört eben keine Sozialkompetenz dazu, selbst wenn er sich selbst als Gesundheitsminister brüstet. Wer dermaßen vorschnell sich über die an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Hartz-IV-Empfänger nahezu lustig macht, darf sich nicht wundern, in die Reihen der Promis eingeordnet zu werden, die keine Ahnung vom wirklichen Leben haben. Erst recht nicht als Politiker!

Die Kungelei zu Horst Seehofer läßt gleichwohl tief blicken, was da sich nach vorne traut, zumal bereits ein Sebastian Kurz ihm Vorschußlorbeeren bescheinigte, eine Zusammenarbeit sich mit Jens Spahn vorstellen könne. Werden da etwa schon erste Seilschaften geknüpft? Erstaunen kann nicht aufkommen, das gehört einfach zum politischen Geschäft, genauso wie die Mitgliedschaft in der Atlantik-Brücke. In diesem Kontext erstaunt Spahns Reaktion zum G20-Gipfel weniger, daß die Randalierer „Linksfaschisten“ gewesen sein mögen, Teile der SPD und Grünen, die gesamte Linke „auf dem linken Auge blind sein sollen“. Genau, dann kungelt man lieber mit einer CSU und bald schon mit einer AfD?

Eine Koalition der Union mit der AfD unter Spahn als Kanzler möglich?

Spekulationen dürfen schon mal in den Raum gestellt werden, wenn eine entsprechend politische Notwendigkeit dies gebietet. Mit jenem zu beobachtenden europäischen Rechtsruck mehr denn je! Spätestens zur 20. Bundestagswahl im Herbst 2021, wenn Bundeskanzlerin Merkel nicht mehr antreten wird, hat sich Europa jenem Novum zu stellen, daß auch Deutschland sich einreiht in Regierungsformen mit Rechtspopulisten.

Kann verhindert werden, wenn die anderen Parteien sich einigen, genau das nicht zuzulassen. Dazu bedarf es etlicher Kraftakte, eben keine gespaltene Linke, eine in der Versenkung verschwindende SPD und eine grüne Partei, die sich deutlich von der Union abgrenzt, anstatt auf Länderebene mit dieser zu regieren. Der FDP kann man weiterhin nicht trauen, wie uns die bundesdeutsche Geschichte lehren sollte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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