Helsinki-Gipfel: Trump trifft Kumpel Putin

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Wer kittet den Riß zwischen den beiden Supermächten?

Trumps Europa-Reise der vielen Fauxpas nimmt mit dem Helsinki-Gipfel, der eigentlich keiner war, endlich ein Ende. Wenn jugendliche Rüpel sich nicht benehmen können, sollte man dies ihnen noch verzeihen. Bei Mister America-First schaut es gänzlich anders aus. Ein Ball für The Donald vom Kumpel Wladimirowitsch, ein Bild, was Bände spricht, oder vielleicht auch gar nicht.

Mit diesem 45. US-Präsidenten hat die Weltpolitik ohnehin tagtägliche Koliken zu überstehen, die kaum dramatisch schmerzhafter sein könnten, ein Wunder, daß der Schaden zumindest nicht sofort sichtbar sich abzeichnet, wenngleich Trumps angezettelter Handelskrieg laut IWF an die 500 Milliarden US-Dollar kosten soll. Macht nichts, der „blonde Dolle“ darf ungestraft weiterwurschteln, schon grübeln die Amis darüber, ob er nicht am besten in einer zweiten Amtszeit noch mehr Schaden… äh… politische Entscheidungen twittern… äh… vorwegnehmen darf.

Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt

Exakt darin steckt genügend Zündstoff, wo sich etliche Geister scheiden bzw. zerreiben. Wer hat Recht, wer lügt, wo wird übertrieben, wo gar hinzugedichtet? Informationen gibt es etliche, doch so manche Auswertung entscheidet sich bereits beim Vorab-Prozedere: entweder Pro-Putin oder dagegen, entweder Antiamerikanismus oder Uncle Sam’s best friend. You never know what happens but the truth will catch you by the way!

Während Sputnik-News behauptet, Putin und Trump sei „Champions League“ gewesen, dem US-Präsident Honig in dessen rasiertes Gesicht schmiert, Putin in den Fußball-Olymp hebt, bezeichnet der Spiegel den Helsinki-Gipfel zum Gruseln. Die Gegensätze könnten kaum größer sein, spiegeln allerdings den politischen O-Ton wider, der oftmals ziemlich konstruiert wirkt. Wieso denn das?

Blick zurück in Zorn

Erinnern wir uns, zumindest diejenigen, die noch nicht geblendet von all dem Gezerre auf die ein oder andere Seite. Genau das ist der springende Punkt: die Wiederholung des simplen Musters eines Eisernen Vorhangs. Funktioniert aber nicht in derselben Form. Warum? Weil die Welt und andere Mächte sich weiter- und mitentwickeln, Russland und die USA somit die Rechnung ohne den Wirt machen!

Es reicht nicht, sich Verbündete hüben wie drüben zu suchen oder gar zu verpflichten. Mit Trump sieht man ohnehin, wie schnell sogenanmnte Partner als lästige Nutznießer bezeichnet werden können, wenn es ihm just nicht paßt. Putin gestaltet dies wesentlich raffinierter mit dessen aalglatter Politik leisem Nachhelfens: Nur ein guter und williger Russe steht ohne Murren zum Präsidenten. Daher ist es so still und leise im größten Land der Erde, man arrangiert sich, legt sich ohnehin niemals mit einem Herrscher an, eine tiefverwurzelte Erfahrung der Russen nach dem Zarismus und Kommunismus. Mit Perestroika gab es die Chance, Putins KGB-Erfahrung und Geklüngel im Auf und Ab der Machtstellungen von Oligarchen erlaubten ihm Narrenfreiheit mit einer ewiglichen Treue, ihm gegenüber den roten Teppich auszurollen.

Das kann und wird nicht gutgehen, am Ende wird Europa zerrieben, es sei denn, die Alte Welt erkennt dies rechtzeitig und gibt Russland und den USA den Laufpaß. Eine fast unmögliche Aufgabe und Herausforderung, was die Umsetzung anbelangt angesichts wirtschaftsglobaler Abkommen und Verpflichtungen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Weit verbreitet

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Man hört es
weit in die Nacht hinaus,
näherkommend,
lärmend unterbrochen
durch Bäume und
Straßenschleifen.
Jetzt ist es da,
abrupt bremsend
auf dem Hof.

Man sieht es
weit in die Nacht hinaus,
hell leuchtend,
das Licht der Stube,
ein wenig verdeckt,
ein kleiner Schatten nur,
lehnt das Kind
aus dem Fenster,
sieht auf den Hof.

Man weiß es
weit in die Nacht hinaus,
leise schleichend,
im Dunkeln
beginnt das Jagen
auf offenem Felde,
hinter Büschen
findet sich der Tod,
der Mond mitten im Hof.

Sonderangebot,
Prospekte zerfleddert,
wirbeln über den Hof.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Frankreich zum zweiten Mal Fußballweltmeister

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Die Équipe Tricolore bezwingt Kroatien im Finale mit 4:2

Gleich vorneweg, wer aufmerksam der Berichterstattung des Sportmoderators Béla Réthy im ZDF gelauscht hat, dem sollte dessen teilweise einseitiges Urteilsvermögen aufgefallen sein, und zwar zugunsten der Kroaten beim Fußball-WM-Endspiel. Während der Schiedsrichter folgerichtig ein unübersehbares Foul gegen Antoine Griezmann pfeift, was dann zum Freistoß und 1:0 der Franzosen führt, tadelt der ZDF-Sportmoderator dies gleich mehrfach als nichtig, unterstellt dem französischen Stürmer eine Schwalbe.

Während des gesamten Spieles kommemtiert er oftmals frenetisch Spielzüge der Kroaten, in manch heiklen Szenen schweigt er sich lieber über die Équipe Tricolore aus, kann aber am Ende sich nicht weiterhin wegducken, um den verdienten Sieg Frankreichs zu verkünden.

Eine Fußball-WM der Eigentore und viele ungeahndete Fouls

Sicherlich lobenswert, wenn die FIFA Schiedsrichtern bei zukünftigen Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften mehr Spielräume überläßt, nicht gleich jedes kleine Foul zu pfeifen, damit der Spielfluß nicht allzu oft ins Stocken gerät. An und für sich eine günstige Entscheidung genauso wie der neu eingeführte Videobeweis per Kontrollraum außerhalb des Spielfeldes im Inneren des Stadions. Immerhin fielen mit insgesamt 12 Eigentoren in dieser 21. Fußball-WM die meisten jeweils erzielten bei einer WM, zuvor war die Fußball-WM 1998 Spitzenreiter mit 6 Eigentoren, was somit einer Verdoppelung entspricht.

Dennoch kam es zu fragwürdigen Fehlleistungen. Beim vierten Spiel der Vorrunde in der Gruppe E, Serbien gegen die Schweiz, hätte Schiedsrichter Felix Brych einen Strafstoß geben müssen, nachdem die Schweizer Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär im schweizerischen Strafraum Aleksandar Mitrovic unschön niederrangen. Stattdessen entschied er sich für ein Stürmerfoul, hier beließen die Videoassistenten es dabei. Auch Englands Stürmer Harry Kane wurden gleich zwei Elfmeter vereitelt bei ihrem ersten Gruppenspiel gegen Tunesien, im Gegenzug meinte der kolumbianische Schiedsrichter Wilmar Roldán, dem tunesischen defensiven Mittelfeldspieler Ferjani Sassi einen umstrittenen Foulelfmeter geben zu müssen, was zum zwischenzeitlichen 1:1 führte. Die Engländer gewannen trotzdem verdient 2:1.

Frankreich erlangt den WM-Titel mit 14 Toren

Der Minimalfußball der Spanier hat sich mit der Fußball-WM 2018 verabschiedet. Die Équipe Tricolore erweckte noch solch Anschein in den Gruppenspielen, wo sie mit nur drei Toren das Achtelfinale erreichte. Doch in der K.o-Runde angelangt, benötigte sie dortigst 4 Treffer gegen Argentinien, im Viertelfinale besiegte sie Uruguay 2:0, um sich mit dem 1:0 gegen Belgien im Halbfinale zufriedenzugeben. Hingegen das torreiche Finale gegen die Kroaten den neuen Trend aufzeigte.

Allen Unkenrufen zum Trotz kann ein jeder auch diese Fußball-WM ob des gigantischen Kommerzes verurteilen, erst recht sich über Wladimir Putin lustig machen, weil er selbst per Regenschirm geschützt wurde bei der Siegerehrung, er angeblich Macron im Regen stehen ließ. Das mag eine Schlagzeile unter vielen wert gewesen sein. Jetzt blickt die Welt aber zum Trump-Putin-Treffen, so what?!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Sport

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Pluralistische Macht der Schöpfungswille

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Macht durch Härte und Strenge
treibt Menschen in die Enge.
Nur liderliche plumpe Gestalten
lassen Furcht und Schrecken walten,
suhlen sich an Ängsten der Menschen,
um sich mit Ruhm zu beschenken.

Sie genießen Gewalt als Ordnung,
säen Haß und Wut zur Unterdrückung,
halten Handlanger für ihre Belange
mit Geldversprechungen an der Stange.
Erbärmlich sind diese niedrigen Geister,
an ihnen klebt Böswilligkeit wie Kleister.

Und ihr, die ihr stärkt dies Machtgehabe,
euch fehlt die eigene Selbstwertgabe.
Dies ist ein Zeichen von Nichtsnutz,
Kleingeister hauen auf den Putz.
Gewissenlose Schmarotzer ätzen,
weil sie nach Habgier lechzen.

Macht treibt niemals in eine Enge,
im Gegenteil, sie löst festgesetzte Zwänge.
Es ist nicht der Schöpfung Wille,
sich zu stellen gegen Chaos und Fülle.
Wer Macht mit egoistischer Gier verwechselt,
dessen Hirn wurde mit Mist gedrechselt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Warum friedlich wenn Gewalt stets das letzte Wort hat?

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Na, wenn der Paule im Sandkasten die Burgen, Kuchen und andere Kunstwerke mit einem hämischen Grinsen im feisten Gesicht platt macht, dann fühlt er sich so richtig stark. Ist er obendrein, weil neulich der Felix versuchte, ihn daran zu hindern, welches zur Folge hatte, daß Felix mit einem blauen Auge nach hause kam.

Was früh schon von Kindesbeinen an erlernt, mag sich beim ein oder anderen genauso fortsetzen wie beim Paule, muß es aber nicht zwangsläufig. Bei manchen erfolgt eine Rückbesinnung zu anderen Verhaltensmustern, um solche Konflikte im Keim zu ersticken. Dennoch kann niemand umhin, festzustellen, daß Gewalt stetig zunimmt allüberall, ein dramatisches Bild in der Gesellschaft, das ziemlich viel aussagt über sie. Warum nur, mag als Frage im Raum stehen.

Etwa kein Friedenswillen mehr in Aussicht? Dieser zeigt sich allenthalben äußerst selten. Werfen Sie mal einen Blick zu den Ostermärschen, zur Friedensbewegung an sich. Außer jenen Mahnwachen, die gleichzeitig gezielt sogar von der Neuen Rechten unterwandert wurden, bleibt da nicht viel übrig, die letzten, wirklich großen Demos fanden hierzulande beim Nein zum bevorstehenden Irak-Krieg statt.

Was hat sich seitdem verändert? Ausgerechnet jener Bundeskanzler, der den Irak-Krieg noch brüsk ablehnte, erschuf die Agenda 2010, ein Willkommensgeschenk für ausbeuterische Arbeitgeber, um den Niedriglohnsektor anzupreisen, das menschenverachtende Hartz-IV-Gesetzesregelwerk, die legitimierte Handhabe zur Zwangsarbeit. Beste Voraussetzung, Menschen mundtot zu machen, es demonstriert sich schwerer, wenn die Not größer.

Aber ausgerechnet ein Teil jener Hintergangenen fühlte sich in einer Protestbewegung der Neuen Rechten über Pegida und AfD gut aufgehoben, nicht wissend, daß jene Schergen gar noch neoliberaler unterwegs, unter ihrer Fuchtel Sozialrassismus erst recht stattfinden wird!

Schwamm drüber, es fruchten gar sehr die simplen Hetzparolen gegen Merkel, Ausländer und Multikulti, eine Lügenpresse bei gleichzeitiger Verbreitung von eigenen Fakenews via Internet, es tobt sich so trollartig anonym gedeckelt hervorragend, um eigene Minderwertigkeitskomplexe zu kaschieren, real jede Schandtat mit anzuzetteln oder in Gewaltexzessen mitzumischen. Lieber zerstören, was einen „stark“ macht im Rausch der Verachtungswelle, anstatt zu lieben, zu respektieren, sich zu bemühen, mit Menschen zu kommunizieren. Weil das hat ja der ein oder andere Paule im Sandkasten nimmermehr gelernt. So schließt sich der Kreis.

Manchmal bedarf es weitreichende Reisen, um zu erkennen, inwiefern Fanatismus erheblichen Schaden anrichtet. Das Tragische daran: Fanatische Menschen sind dermaßen verblendet, daß sie voller Überzeugung Humanismus einfordern, in dem sie einer Gewaltzunahme freien Lauf lassen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Meinung

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Realität und Verschwörung dicht beieinander

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Im Schatten offizieller Stellungnahmen

Der Wissensdurst kann niemals enden, zu interessant gestalten sich Geschehnisse, bleiben unbeantwortete Fragen auf der Strecke, vielmehr in den Köpfen jener hängen, die sich eben nicht mit halbherzigen Antworten zufriedengeben.

Selbstverständlich entstehen dadurch vielfache Möglichkeiten, ganz exakt jenes Vakuum zu bedienen, Unsicherheit zu streuen, jedwede Verschwörungstheorie dadurch zu initiieren. Das machen sich keineswegs nur Geheimdienste zu Nutze, sondern sämtliche Machtkonstellationen, die ungestört einfach weiter im Hintergrund und somit im Verborgenen agieren möchten.

Nehmen wir das jüngste hochbrisante Ereignis hierzulande: den NSU-Prozeß. Täter und Angeklagte wurden ermittelt und verurteilt, ein jahrelanges Gerichtsverfahren, welches ziemlich teuer war, aber dennoch nicht ansatzweise zu einer wirklichen Aufklärung führte. Zu viele Fragen bleiben offen, Zeugen mußten auf dubiose Weise plötzlich sterben, Akten verschwanden. Ein Paradebeispiel, inwieweit diese Staatsmacht einfach Verbrechen gewähren läßt.

Die Behauptung, dieser Staat und seine Justiz sei auf dem rechten Auge blind, bewahrheitet sich einmal mehr, zumal im Fall der RAF-Terroristen keine Kosten und Mühen gescheut wurden, eine lückenlose Aufklärung zügig zu erhalten, was nahezu auch gelang. In anderen Worten, Kapitalismus offenbart seine unübersehbare Richtung: Rechtsextremismus darf sich im Grunde ungeschoren austoben, Linksextremismus wird im Keim erstickt, gnadenlos verfolgt.

Es möge jetzt nicht der Eindruck entstehen, dem Linksextremismus Sympathiepunkte austeilen zu wollen, jedwede Form von Gewalt, ob linke oder rechte, ist strikt abzulehnen! Allerdings fällt das Verhalten nicht nur hierzulande auf, sondern weltweit, wie Gesellschaften sowie Staatsmächte rechtsradikale Strukturen und Verbrechen oftmals halbherzig zu unterbinden versuchen oder gar dulden, während linksradikale mit aller Härte angegangen werden.

Überträgt man jenes Verhalten auf sämtliche bisherigen politischen Ereignisse und ungeklärten Verstrickungen zwischen rechten Terrorzellen, angeblichen Verfassungsorganen und den Staatsmächten, kann man nur erstaunt feststellen, daß im Schatten offizieller Stellungnahmen viel Raum für Spekulationen verbleibt, gleichwohl Verschwörungstheorien sich als tatsächliche Sachlagen erweisen mögen.

Dann darf man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen auch fanatischen Gruppierungen sich anschließen, verbünden, dort Halt suchen. Beste Gelegenheit für gezielte Hirnwäsche, was wiederum den Sumpf verschwörungstheoretischer Exzesse begünstigt, ihn vergrößert. Der kritische Beobachter, der genau das zu verhindern versucht, gerät zwischen die Fronten einer korrupt elitäten Politik, die Rechtsextreme gewähren läßt und den eigentlichen Drahtziehern, die genau das für ihre Zwecke ausnutzen. Mit Aufklärung oder gar einer freien Gesellschaft hat das nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil, Überwachung, Verunsicherung und somit Vertrauensverluste sind die Folge.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Ungeklärtes

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Monarchien durchaus unzeitgemäß

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Dennoch geduldet angesichts sozialer Mißstände?

Neiddebatten führen stets in Sackgassen, weil die Angeprangerten sich nicht in Luft auflösen können angesichts einer Lawine trotz völlig berechtigter Argumente, schon gleich gar wenn der Ton vehementer, die Wut eskalierend sich am Liebsten ihren Weg bahnen möchte.

Abgesehen davon, widerspricht eine solche Vorgehensweise gänzlich dem Humanismus. Dennoch verbleibt ein äußerst fader Beigeschmack an Assoziationen, wer sich tatsächlich sehr kritisch mit den unterschiedlichen weltweiten Monarchien auseinandersetzt, die aufgrund drastisch zunehmender sozialer Mißstände nicht nur als unzeitgemäß zu bezeichnen sind, aber dennoch geduldet werden.

Trotz Aufklärung, Staatenbündnissen und Demokratien erstaunlich viele Monarchien

Die historische Entwicklung offenbart nach wie vor ihre Zeugnisse aus vergangenen Zeiten, abgesehen von den vielen bestehenden Burgen und Schlössern, in den noch weltweit existierenden 44 Monarchien, wobei man zwischen dem einzigen Kaiserreich, nämlich Japan, den 33 Königreichen, 3 Emiraten, 3 Fürstentümern, 1 Großherzogtum, 2 Sultanaten und dem Vatikan (Europas letzter absoluten Monarchie und einzige christliche Theokratie der Welt) unterscheidet. Besonders auffallend hierbei: Außer Japan, den Emiraten und Sultanaten entstammen sämtliche anderen Monarchien dem Einfluß europäisch christlicher Prägung.

Das Regierungssystem der Monarchie lediglich ein veraltetes Relikt aus der Vergangenheit ohne großartige Bedeutung in heutiger Gegenwart? Wer dies glaubt, sollte nicht historisch gewachsenen Reichtum mit all seinen Erbfolgen, kriegerischen Territorialansprüchen bis hin zu ganzen Kapitalgesellschafen unterschätzen, die aus monarchistischen Strukturen hervorgegangen entstanden. Unabhängig von der zweifelhaften Rolle des Ausnahmestatus Vatikanstadt, zugleich dem kleinsten anerkannten Staat der Welt, bleibt die offene Frage: Warum denn Monarchien nicht einfach abschaffen?.

Die Königreiche des ehemaligen Britischen Empires und Commonwealths

Weltweit betrachtet war das englische Königreich, das British Empire, die erfolgreichste Expansion, die vom europäischen Boden ausging und bis heute noch an Macht und Einfluß nicht unterschätzt werden sollte. Und dabei bemerkt Polly Tonybee völlig berechtigt, daß die Monarchie die Briten klein hält, obwohl sie gleichzeitig aufzeigt, inwieweit die Menschen den Glamour des Königshauses beurteilen, dennoch meint, die politische Macht sei minimal.

Nun, wer sich die 16 Commonwealth Realms vergegenwärtigt, auch wenn diese allesamt dem Commonwealth angehören, zusammen mit etlichen Kronbesitzungen und Überseegebieten, dem wird schon deutlich, daß noch Verbindungen des alten Empires nachwirken. Bezieht man dabei noch die lose Verbindung des Commonwealth of Nations mit seinen 53 Mitgliedsstaaten ein, jüngstes Mitglied wurde 2009 die Republik Ruanda, sollte spätestens dann die daraus resultierende Macht offensichtlich sein, obwohl er sich nur auf einer rein konstitutionell bestehenden Verbindung zwischen dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und der Treue zur Krone beruft.

Widerspruch Monarchie und Armut – sozialer Zündstoff vorprogrammiert

Vermögen die Medien, allen voran das Fernsehen, die Menschen weiterhin hinhalten, Hauptsache sie fallen auf den Starkult und Glamour der Königshäuser herein? Können Monarchien auf Dauer Bestand haben, sich selbst rechtfertigen angesichts zunehmender Armut, die ebenso in Europa längst sichtbar geworden?

Wir blicken gen europäischen Süden, weil dort zweifellos die Mißstände am heftigsten sich offenbaren, dennoch wird andächtig auf die Rehabilitation eines Königshauses wie z.B. das der Niederlande gebannt gestarrt, obwohl auch diese Monarchie früher heftigst in Übersee, vor allem in Indonesien, ihr Unwesen trieb, den gesamten eroberten, unermeßlichen Reichtum auf Kosten der dortigen Bevölkerung scheffelte.

Nein, das hat mit Mißgunst nichts zu tun. Sondern soll vielmehr daran erinnern, wessen Schuld solche Monarchien sich letztlich im Laufe der Jahrhunderte aufgeladen haben, um heute unerschrocken ihr Dasein zu rechtfertigen, sogar noch Ansehen und Respekt erhalten, weil die Welt königlicher Mythen so interessant und spannend sich in etlichen Büchern und Zeitschriften widerspiegelt bis hin auf den Mattscheiben. Und so verbleibt die Frage im Raum stehen: Wie lange werden Monarchien ihr selbsterschaffenes Dasein aufrecht erhalten können?

Mit scharfberechtigter Kritik bemerkte Heinrich Heine mal:

„Wenn es den Kaiser juckt, so müssen sich die Völker kratzen.“

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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