Den Faden verloren
Wortlos in sich gekehrt
Scheinbar orientierungslos
Auf unbekannten Pfaden unterwegs
Garantiert geschmackvolles Ambiente
In hauseigenem Garten gewachsen
Abends eine Live-Band zum Tanzen einlädt
Sorgloses Wohlfühlprogramm
Straßenlärm umgeben von Menschentrauben
Manch Hauseingang bietet Schutz
In der Kanalisation nicht nur Ratten unterwegs
Gestrandet nach Verlust von Arbeit und Beziehung
Oder vielleicht doch besser nicht, weil der Film Casablanca, in dem Humphrey Bogart in der ersten deutschen Synchronfassung Ingrid Bergmann berherzt anspricht, ausgerechnet mit diesem 45. US-Präsidenten nichts gemein hat. Und doch paßt er in manch Geschehen, was die Weltöffentlichkeit seit dessen Amtsantritt über sich hat ergehen lassen müssen.
Arroganz toppt interessiert geduldiges Zuhören, vor oder nach Treffen auf internationaler Ebene, Staatsbesuchen oder gar sogenannten Gipfeln, dabei entsendet Donald Trump seine Twitter-Gewitter, rüpelhaft auf unverkennbare Weise, die dessen geistige Haltung überdeutlich widerspiegeln. Ob als beleidigte Leberwurst, als unverkennbarer Rassist oder stets unberechenbar unterwegs, dieser Präsident polarisiert inzwischen überall ohne jedwede Bedenken, mischt die Weltpolitik dermaßan auf, daß man etliche andere Szenarien befürchten muß.
Ein Bild welches Bände spricht
Werfen wir einen Blick zum Großbritannien-Besuch, wo The Donald und dessen Frau Melania als Staatsgäste die Gastfreundschaft von Theresa May genießen dürfen, er dabei keinerlei Respekt an den Tag legt mit dem harschen Vorwurf, sie habe den Brexit verbockt.
Schauen Sie sich in aller Ruhe mal das Photo an. Na, fällt Ihnen dabei etwas Wesentliches auf? Keiner der vier Personen lächelt auch nur ansatzweise. Die Gattin des Präsidenten blickt genauso maskenhaft angewidert wie stets, wenn sie ihren Mann begleitet, die arrogant spöttische Haltung spiegelt sich in den Gesichtszügen von Donald Trump wider, fast möchte man dessen Gedanken herauslesen, in denen er hofft, jenes Photo-Shooting habe ein schnelles Ende.
Theresa May schaut verbittert und enttäuscht drein, die ganze Last auf ihren Schultern, wobei sie nicht ganz unbeteiligt, schließlich wollte sie den Brexit. Ihr Mann Philip sucht den Augenkontakt in der Menge anwesender Zuschauer, als Einziger der Kamera abgewandt.
Endlich wagen die Medien heftigere Kritik
Viel zu lang gab es bisherig eine zweigeteilte, meist verunsicherte Stellungnahme in den Medien zu den Entgleisungen jenes Donald Trump. Von Beginn an zog nicht zufällig The Donald es vor, von Fakenews zu sprechen, das reiht sich ganz gut ein in die ewigen Parolen von der Lügenpresse seitens der Neuen Rechten. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt, oder?
Natürlich müssen Journalisten reagieren angesicht der etlichen Drohungen, die Donald Trump nicht nur ausspricht oder twittert, sondern handfeste Taten folgen läßt. „Trump will Deutschland klein machen“, so die Schlagzeile im Artikel von ntv, die Bemerkung, der große Bruder sei auf dem Egotrip, trifft nur zur Hälfte zu. Dem Egotrip kann man nicht widersprechen, in Trump bzw. den USA einen Bruder zu sehen, verkennt den Ernst der Lage. In Wirklichkeit möchte er genauso wie Wladimir Putin Europa zerschlagen, bevorzugt den Weg zurück zu Nationalstaaten, ein Willkommensgeschenk für erneute Kriege.
Die USA haben immer den Hegemon „herausgehängt“, ohne Rücksicht auf Verluste. Den einzigen US-Präsidenten nach dem Zweiten Weltkrieg, der genau jene Entwicklung stoppen wollte, erschoß man am 22. November 1963 kurzerhand, JFK hatte nicht die geringste Chance! Umso wichtiger, daß die gesamte Weltöffentlichkeit rechtzeitig reagiert, bevor dieser Donald Trump noch wesentlich mehr Porzellan zerschlägt.
Sie hat mich versetzt,
ich bin entsetzt,
war mein Platz gestern
bei den Küchenfenstern,
stehe ich heute
neben Glockengeläute.
Das behagt mir gar nicht,
ein verstecktes Gesicht,
lauter hängende Köpfe,
arme leidende Tröpfe,
all diese Lügen,
ich laß mich nicht unterkriegen.
Diese Glockenblumen,
die heuchlerischen Stummen,
nie lassen sie ihre Miene sehen,
lassen andere im Regen stehen,
wenn sie murmeln, tratschen,
denen tret’ ich auf die Latschen.
Schließlich bin ich eine Rose,
mein Mundwerk frech und lose,
jemand, der offen sein Gesicht zeigt,
keiner über meine Schönheit schweigt.
Demnächst lasse ich mich stechen,
Blattläuse laß ich für mich fechten.
Dann spiel ich die Verklebte,
die dies Dasein nicht überlebte.
Hab’ alles richtig gemacht,
sie hat mich zurückgebracht.
Ich bin wieder an meinem alten Platz,
lieber ist ihr ein verborgener Schatz.
Vorne im Garten die Glocken
wird niemanden verlocken,
bewundernd stehen zu bleiben,
bei den Gesichtslosen zu verweilen.
Hinten beim Lavendel und mir
kann jeder palavern mit offenem Visier.
In Glasnost- und Perestroikazeiten blühte der junge Musiker auf
Während wir ganz besonders in der westlichen Welt eine Rockband nach der anderen bewundern, anhören, millionenfach ihre Alben konsumieren, auf eine jahrzehntelange, musikalische Entwicklung zurückblicken, fand dies in anderen Ländern eben nicht statt. In der alten Sowjetunion herrschte unter den real sozialistisch-kommunistischen politischen Verhältnissen eine ziemlich unterdrückte Stimmung in der Bevölkerung, sie konnte sich kaum entsprechend entwickeln.
Es war daher in erster Linie die rebellische Jugend, die den „Alten“ es vormachen mußte, damit sich überhaupt etwas bewegen konnte. Auch Wiktor Robertowitsch Zoi, Sohn eines Halbkoreaners und einer Russin, begann schon sehr früh, sich der Musik zu verschreiben. Vielleicht hat auch sein Geburtsort Leningrad ihn entscheidend beeinflußt, denn nirgends in der UdSSR wurde dermaßen mutig und fast unerschrocken die Rockmusik gespielt, aber dafür in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg.
Im Alter von zwölf Jahren gründete er 1974 seine erste Band Palata No.6, um fünf Jahre später erste Rocksongs zu schreiben. Dem Druck des Schulwesens, er besuchte die Serow-Kunstakademie, hielt er nicht gerade Stand, sodaß er aufgrund schlechter Zensuren sie verlassen mußte und seine Brötchen als Heizer in einem Mietshaus verdiente. Abends auf Partys trat er auf, um seiner Leidenschaft zur Musik nachzugehen. An einem dieser Auftritte wurde der „Großvater der russischen Rockmusik“, Boris Grebenschtschikow, auf ihn aufmerksam. Er und seine Rockband Aquarium nahmen sich seiner an und halfen ihm zu seinem ersten Solo-Auftritt 1982 im 1. Leningrader Rock-Club. Kurz darauf gründete Wiktor Zoi eine Band, die bald danach den Namen Kino erhielt. Ihr erstes Album mit dem Titel „45“ nahm sich natürlich politischer Themen an, die Jugend wollte nicht schweigsam zuschauen, was alles verkehrt lief im Lande, aber auch mit dem Afghanistan-Krieg.
Mit Michail Gorbatschows Glasnost und Perestroika erhielt Kino die Aufmerksamkeit
Wenn Menschen befreit aufatmen können, es wagen, öffentlich wieder ihre Meinung zu sagen, entsteht natürlich ebenso ein Raum für Neues. Kein geringerer als Michail Gorbatschow ebnete diesen Weg in der alten Sowjetunion mit seinem Amtsantritt im März 1985. Zwei Jahre später gelang Kino endlich der Durchbruch mit ihrem siebten Album „Blutgruppe“.
Selbstverständlich waren die Texte politisch mutiger verfaßt, forderten sie die Jugend auf, den sich wandelnden neuen Staat mit zu gestalten. Zoi und die Band Kino wurden die populärste Rockband Russlands. Er begann die USA zu bereisen, trat in unterschiedlichen Filmen auf. Aber seinem alten Job als Heizer blieb er dennoch treu. Im Gegensatz zum Westen gab es hier in Russland eben keine riesige Gagen, um mithilfe seiner Arbeit die Band entsprechend sponsern zu können.
Nach dem Höhepunkt verunglückte Zoi auf tragische Weise
Es muß ein unvergeßliches Erlebnis für alle Anhänger und Freunde der Rockband Kino gewesen sein, als sie 1990 im Moskauer Olympiastadion Luzhniki vor 62.000 begeisterten Zuschauern ihr größtes Konzert gaben. Im Sommer desselben Jahres arbeitete Zoi in Lettland an einem neuen Album, entwickelte dort die Songs, studierte seinen Gesang ein. Mit den Gesangsaufnahmen begab er sich abends am 14. August mit dem Auto auf den Weg nach Leningrad. Es sollten mit den anderen Bandmitgliedern die Songs eingespielt werden. Doch Wiktor Zoi kam dort nicht an, sondern er verlor in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages in der Nähe von Riga die Kontrolle über seinen Wagen. Dieser stieß dabei mit einem Bus zusammen, wobei Zoi sofort verstarb. Aber die Aufnahmen wurden noch gut erhalten gefunden, sodaß die Schallplatte mit dem Namen „Schwarzes Album“ dennoch erscheinen konnte. Ein Jahr später löste die Band sich auf. Der Musikstil von Kino wurde manchmal verglichen mit Bands wie The Clash, Depeche Mode, Joy Devision und The Smiths. Darüber sollten sich aber die Hörer wohl besser selbst ein Urteil bilden.
Wiktor Zoi sagte mal: ‚Veränderungen!‘ fordern unsere Herzen. ‚Veränderungen!‘ fordern unsere Augen. In unserem Lachen, in unseren Tränen und im Puls der Adern: Veränderungen! Wir erwarten Veränderungen!
Gedenken wir dieses großartigen Rockmusikers, der die Musikszene Russlands nachhaltig mitgeprägt hat und viel zu früh auf tragische Weise sein Leben verlor. Doch seine Musik bleibt uns für immer erhalten.
Lotar Martin Kamm
Kategorie: Musik
Album „Blutgruppe“ (1988) erschienen bei Moros Records:
Es will ihm einfach nicht übel werden,
er fühlt keine Seelenbeschwerden.
Das, was ihm zum Kotzen bringt,
ist nicht, wenn jemand mit dem Leben ringt.
Sein Magen wird nur sauer, stößt ihm bitter auf,
wenn er kann nicht bestimmen den Weltenlauf.
Es zieht ihm sein Gedärm zusammen,
wie kann man nur für Fremde Geld sammeln?
Mit seiner Sprache spuckt er Galle aus,
Verachtung im Ton, höhnendes Graus,
wenn seine Minderwertigkeit Nahrung kriegt,
sein Herrschaftsgehabe auffliegt.
Von einem zu erzählen, dem die Seele fehlt,
für den Humanismus, weil Fremdwort, nicht zählt,
ist untertrieben, es ist Mode, despotisch zu agieren,
nicht die Seele, sie haben Sorge, den Magen zu verlieren.
Für ihren gefüllten Bauch opfern sie Seelenbeschwerden,
warum soll man die Seele mit Nächstenliebe ernähren?
Wenn Maßeinheiten für Güte Menschen zum Kotzen bringt,
dauert es nicht mehr lang, bis der Kodder Freiheit verschlingt
Flüchtlingsmisere Spielball perfider Politik ohne Weitsicht
Dieser Satz kann nur Gültigkeit beinhalten: Kein Mensch ist illegal. Rassistisch angegangen werden Flüchtlinge dennoch tagtäglich, bis hin daß man sie in Transitzentren stopfen, abschieben will oder einfach im Mittelmeer ertrinken läßt, weil Seenotretter erst gar nicht per Schiff auslaufen dürfen, gefangen im Hafen und gleich mit kriminalisert werden.
Die Seehofer’sche Taktik scheint in seinem Sinn aufzugehen: Halb Europa läßt sich vor dessen Masterplan-Karren spannen, obwohl dieser nahezu keine Legitimation ohne die Zustimmung der Koalitionspartner haben kann, aber Hauptsache wichtigtuerisch sich in Szene setzen, zum Nutzen des bayrischen Wahlkampfes, insbesondere AfD-Wähler umzustimmen.
Daß der Ball rund ist, sieht man in den letzten drei verbleibenden Spielen der Fußball-WM, ob per Kopf oder Fuß ins gegnerische Tor verwandelt, ob Frankreich oder der Gewinner des 2. Halbfinalspiels im Finale – vielleicht mal ein Great Britain gegen l’équipe tricolore? Spannend für Fußballfans, obendrein im größten Stadion Russlands, im Olympiastadion Luzhniki.
Kurz darauf setzt sich die parlamentarische Sommerpause hierzulande fort, obwohl der Bundeskanzlerin noch der Nato-Gipfel bevorsteht, der jetzt beginnt, ein Donald Trump erst recht hadert und motzt, die Rüstungsausgaben seien zu niedrig. Die Politik ist eckiger denn je mit The Donald im Westen, einem Erdoğan im Südosten Europas, einem aufkommenden Nationalismus europaweit und patriotischen Saubermann im Kreml.
Humanismus bleibt auf der Strecke
Der Ton wird rauher, die Sprache ohnehin, auf der Straße, in den Medien und in der Politik selbst, wenn man bei AfD-Abgeordneten von Politikern noch sprechen kann. Gewählt sein bedeutet mitnichten ein Freifahrtschein ungehemmt und ungebremst zügelloser Wortentgleisungen bis hin offen ausgelebten Rassismus und Feindseligkeiten gegenüber dem politischen Gegner.
Wer nun glaubt, dies perle ab bei den alten Parteien, irrt sich gewaltig. Planmäßig und ohne weiteres voraussehbar reiht sich eine CSU nahtlos ein, nicht nur wegen Stimmenfang zur Bayernwahl. Das Gedankengut des bundesdeutschen Heimatministers spiegelt sich in dessen selbsternannten Masterplan wider, eine Auflistung von Repressionen gegenüber Flüchtlingen, europäisches Recht obendrein mißachtend.
Wer sich in Festungen einigelt, obwohl zum großen Teil an weltweiten Miseren nicht unbeteiligt, hat sich daraus entwickelnde Konsequenzen erst recht mit zu verantworten. Von Weitsicht keine Spur, politische Kurzsichtigkeit wird bevorzugt, um im Bade einer losgetretenden, mitverursachten Gewalteskalation sich als Schlichter und Richter aufzuspielen, etliche Opfer in Kauf nehmend.
Nun ist er da der Tag,
den ich nicht mag.
Nun muß ich mich kümmern,
um das Leben nicht zu verschlimmern.
Er ist ein Ignorant,
genau wie jeder Gratulant.
Er ist penetrant pünktlich,
die Gratulanten überempfindlich.
Stets das gleiche Datum,
gottlob, die Tage wechseln reihum.
Stets die gleichen Sprüche,
langes Leben ohne viele Umbrüche.
Ach, könnt‘ ich doch, ach, könnt‘ ich doch.
das wäre wirklich ideal, diesem Moloch
von Glückwünschen, Blumen, Geschenken
entflieh’n, müßte nicht mehr daran denken,
an diesem Tag die Glückliche zu sein,
vorgaukeln der Welt eitel Sonnenschein.
Dann könnte ich, dann könnte ich,
auch heute schreien fürchterlich.
Denn besonders am Tag der Entbindung
brauch ich keine egoistische Anbiederung.
Dieser Tag sollte vielmehr Anlaß geben,
Unterschiede nicht hervorzuheben.