Kurden massiver Willkür ausgesetzt

Läßt die Bundesregierung sich vor Erdoğans Wagen spannen?

Weltweit gibt es etliche Völker, die bis heute erheblichen Repressionen ausgesetzt ihr Dasein fristen müssen, keinen Status eines Staates genießen, insofern ihrer Rechte beschnitten werden, herumgeschubst nach Lust und Laune bestimmter Mächte des jeweiligen Landes, wo sie sich aufhalten oder versuchen zu leben.

Das gilt schon seit langem für die Kurden, die hierzulande zunehmend massiver Willkür ausgesetzt sind. Keine Pressefreiheit für sie, türkische Zustände in Deutschland, wie kurdische Organisationen der Bundesregierung vorwerfen, diese würde sich auf „politisch entwürdigende Weise“ einem Unrechtsregime andienen.

Syrien-Krieg betrifft längst auch Deutschland selbst mit Afrins Einkesselung

Dabei nimmt wohl die Bundeskanzlerin in Kauf, daß Erdoğans aggressives Vorgehen letztlich unterstützt wird nicht nur mittels Zurückhaltung, was im Übrigen ebenso die USA als auch Russland vollziehen. Welch denkwürdiges Verhalten in einem Stellvertreterkrieg, der völlig entgleist, aus dem Ruder zu laufen scheint, dies alles aus unterschiedlichen Ambitionen. Öl und Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten bei gleichzeitigem Regime-Change mit der Vertreibung Assads. Das klappte allerdings bisherig nicht, sodaß mal wieder die Zivilbevölkerung unter solchem Krieg zu leiden hat.

Gleichwohl die Kurden, die jetzt in Afrin von der türkischen Armee eingekesselt sind, Hilfe von außen vereitelt wird. Jene sogenannte „Operation Olivenzweig“ verstoße nicht nach internationalem Recht, wie die türkische Regierung argumentiert, was natürlich so keineswegs zutrifft. Aber ein solches Gebaren kennt man schon längst von anderen Regierungen, hat daher keinerlei Folgen. Deutschland kann sich dem Ganzen nicht mehr entziehen, inzwischen nehmen die Proteste der Kurden deutlich sichtbar zu.

Die Stillhaltepolitik gegenüber der Türkei rächt sich

Viel zu lang ließ man den türkischen Despoten gewähren, dessen Hofierung entspricht einer unerträglichen Entgleisung, die sich breitgefächert rächt! Seine Argumentation, sämtliche Kurden würden den Terror im Sinn haben, verdeutlichen seine undifferenzierte Verunglimpfung, bestimmen obendrein seinen eigenen Kurs der Machtausweitung. Längst schachert die Türkei gewissenlos auf weltpolitischem Parkett, und niemand hält sie auf. Das ist der eigentliche Skandal!

Erneut haben vermeintlich Schwächere darunter zu leiden, wie in diesem Fall die Kurden. Umso wichtiger, daß genügend Widerstand aufkommt. Die europaweiten Proteste gegen den türkischen Militäreinsatz sind daher nachvollziehbar, dennoch längst nicht alles, was da noch entstehen mag. Kann man es den betroffenen Menschen verdenken? Keineswegs. Wer Pressefreiheit, Menschenrechte und Friedenspolitik sich auf die Fahnen schreibt, sollte somit auch entsprechend agieren. Versäumen dies die Weltmächte, auch Deutschland, sitzen sie allesamt im selben Boot von Kriegstreibern!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Balance lancieren

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Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema

Hört sich einfach an, wenn man sagt, das Gleichgewicht fördern, aufbauen, favorisieren, oder? Menschen, die Krisen durchlebten, können sicher am besten darüber urteilen, wie leicht es über jedermanns Lippen kommt, und wie schwer es ist, es zu erlangen. Das Gleichgewicht, die Balance. Oder auch die Ausgeglichenheit.

Nicht minder schwer ist die körperliche Balance, die bewundert wird, wenn man im Zirkus in der Manege sitzt und die Seiltänzer fasziniert beobachtet, bei Sportveranstaltungen die körperliche Leichtigkeit wahrnimmt bei den Geräteturnern, am Reck, auf dem Schwebebalken, am Barren, an den Ringen, oder den Freund beglückwünscht, als er es schaffte, einen Löffel oder einen Bleistift auf einer Fingerkuppe zu balancieren. Apropos Bleistift, dieses längliche Stück Holz, in dem eine Bleimine steckt, hat er nicht Ähnlichkeit mit einer Lanze?

Währenddessen Sie noch Vergleiche anstellen zwischen Bleistift und Lanze und was dies mit Balance und lancieren zu tun haben könnte, hier schon mal die Erklärung für

lancieren, französisch lancer, eigentlich schleudern (spät)lateinisch lanceare, die Lanze schwingen. In unserer Sprache kann lancieren mit folgenden Begriffen ersetzt werden, begünstigen, fördern, helfen, protegieren, aufbauen, verbreiten, rausbringen, powern, sponsern, unterstützen, favorisieren, managen. (Duden)

Lanze, mittelhochdeutsch lanze, (alt)französisch lance, lateinisch lancea. Aus einem langen Schaft und einer Spitze (aus Metall oder einem anderen harten Material) bestehende, für Stoß und Wurf bestimmte Waffe (Duden)

Sind Sie auch zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Bleistift mehr oder weniger eine Lanze in Miniformat darstellen kann?

Die Wortherkunft von Balance ist im Gegensatz zu Lanze ein wenig spannender.

Balance, französisch balance, lateinisch bilanx (Genitiv: bilancis), zwei Waagschalen habend. Andere Begriffe sind, Gleichgewicht, Äquilibrium. (Duden)

balancieren, französisch balancer. Bedeutet so viel wie im Gleichgewicht halten, in der Balance halten. (Duden)

Unschwer herauszulesen ist unser Wort für Resultat oder Fazit, nämlich Bilanz, oder?

Bilanz, italienisch bilancio, Gleichgewicht (der Waage), bilanciare, abwägen; im Gleichgewicht halten, bilancia, Waage, über das Vulgärlateinische zu lateinisch bilanx, Balance. (Duden) Synonyme sind Kontoabschluß, Fazit, Resultat, Ergebnis.

Ein Kampf mit der Lanze und das Abwägen von Waren mittels einer Waage, um ein Gleichgewicht der Kräfte zu erkennen, ist demnach ein ähnliches Verfahren. Bei beiden Handlungen ist das Ziel, ein Ausgleich zu schaffen. Wobei der Kampf mit der Lanze nicht wirklich dazu geeignet ist, ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen, sondern vielmehr als Bilanz, Ergebnis den Unterschied zwischen stark und schwach, Verlierer und Gewinner verdeutlichen soll. Zwar geht man beim Kauf von abgewogener Ware davon aus, daß die abgewogene Menge dem gegenwärtigen Kaufpreis entspricht, aber, Sie wissen schon, auch hier ist Manipulation möglich, sei es, daß die Waage nicht richtig justiert ist, sei es, daß der Preis durch welche Argumente auch immer zu hoch angesetzt wurde. Also auch hier gibt es Verlierer und Gewinner.

Beim Lancieren ist es übrigens nicht anders als beim Balancieren mit Lanze und Waage. Denn lancieren bedeutet auch (bildungssprachlich) gezielt in die Öffentlichkeit gelangen lassen, (bildungssprachlich) durch geschickte Manipulation, durch Ausnutzen seiner Beziehungen o.Ä. fördern, in eine vorteilhafte Position bringen o Ä. (besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen.(Jägersprache) einen Hirsch mit dem Schweißhund verfolgen, um ihn einem Schützen zuzutreiben (Militär veraltet) torpedieren. (Duden)

Ein Gleichgewicht zu erlangen, ist demnach nicht immer mittels eines fairen Kontextes zu bewerkstelligen, ob nun gewollt begünstigt oder unabsichtlich. Das ist in fast allen Lebensbereichen zu ersehen. Und weil dies, die Balance halten, das Gleichgewicht wiederherstellen, sich schwierig gestalten, zu viele „Störfaktoren“ mitschwingen können, auch unseren Altvorderen bekannt war, ist die Auseinandersetzung mit dem Äquilibrismus, scholastische Lehre vom Einfluss des Gleichgewichts der Motive auf die freie Willensentscheidung. (Duden) eine Grundvoraussetzung, um wenigstens in etwa eine gerechte Balance der Kräfte zu erhalten.

Motivieren die derzeitigen politischen Verantwortlichen eher zum Lancieren „(besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen“ ihrer Positionen oder neigen sie zum Balancieren „im Gleichgewicht halten, in der Balance halten“? Die Bilanz, das Fazit ihrer Handlungen ist entweder Lanze oder Bleistift. Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema nach dem Motto, das Recht gehört dem Stärkeren.

Wer mit dem Bleistift notiert, kann eine Differenz erkennen, und somit ist die Chance auf eine neue Abwägung des Themas gegeben. Die freie Willensentscheidung wird jedem zugestanden, demnach auch seine Motive, Beweggründe, wo er seine „Waren“, seine „geistige Einstellung“ balancieren läßt. Vielleicht sollte man gerade deshalb länger darüber nachdenken, für wen man eine Lanze bricht. (sich für jemanden einsetzen)

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Existenz der Schäfer in Deutschland gefährdet

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Weidetierprämie könnte Abhilfe schaffen

Mit dieser neuen großen Koalition, die kanpp ein halbes Jahr nach der 19. Bundestagswahl antritt, um hierzulande zu regieren, wird das ein ziemlich schwieriges Unterfangen für betroffene Schäfereien, die ganz besonders um ihre Existenz bangen müssen. Dieser Traditionsberuf scheint seinem Ende entgegenzublicken, die ins Leben gerufene Change.org-Petition unterstreicht jenen Hilferuf.

Dabei gäbe es ohne weiteres Möglichkeiten, betroffenen Schäfern zu helfen, und zwar mit Weidetierprämien, die Deutschland eben nicht als Förderung vorsieht im Gegensatz zu 22 EU-Ländern, die eine solche Prämie bewilligen. Darf man seitens verantwortlicher Politik sich noch Einsicht erhoffen?

Eine Julia Klöckner wird ablehnend entscheiden

Gewagte Prognose oder viel eher wahrscheinlich? Man muß mit letzterem rechnen, wer sich deren Standpunkte verinnerlicht. Julia Klöckner wird im Kabinett Merkel IV als Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft die Strippen ziehen. Ausgerechnet eine CDU-Hardlinerin, die das TTIP fordert, gar keine Probleme bei der Zusammenarbeit mit Chemieriesen sieht, kürzlich in einem Zeitungsinterview in der Hannoverschen Allgemeine den Standpunkt vertrat, in bestimmten Situationen können im ökologischen Landbau Pestizide zur Anwendung zugelassen werden.

Da paßt was gar nicht zusammen mit solcher Einstellung. Schlimm genug, was zuvor eine Frau Aigner und ein Herr Schmidt in diesem Amt für Ernährung und Landwirtschaft bedeutet hatten, mit jener Julia Klöckner darf man mit einer Fortsetzung höchst fragwürdiger Entscheidungen rechnen. Zu Gunsten von Großkonzernen und profitablen Geschäften, zum Leidwesen der Umwelt sowie ganzer Berufsgruppen, eben auch der Schäfereien.

Wölfe sind das geringste Übel

Wie auch Sven de Vries selbst in seiner Petition betont, insofern glaubt er im Gegensatz zur GroKo nicht ans Märchen vom bösen Wolf, sondern schätzt die Situation offensichtlich durchaus realistisch ein. Natürlich könnte man eine EU-Kommission in vielen Punkten kritisch betrachten, doch die Praxis bei der Weidetierprämie, die sie wenigstens selbst für notwendig erachtet, ist folgerichtig. Die sture Negierung seitens deutscher Politik allerdings ziemlich kontraproduktiv.

Es verbleibt die Hoffnung, daß über jene Petition hinaus die Öffentlichkeit die Dramatik des Rückgangs der Schafherden erkennt und entsprechend mehr Protest wächst, um genau diesen Mißstand zu stoppen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Vernunft bestimmt unser tägliches Handeln

Wider besseres Wissen – wenn die Unvernunft mit ihren Reizen spielt

Selbst wenn man es spürt, es eigentlich besser weiß, gerät man doch hin und wieder in die Versuchung, man macht’s einfach: gegen die Vernunft handeln. Scheinbar ist dieses Tun mit einem Reiz belegt, der sämtliche Bedenken, Wissen, Erfahrung außer Kraft setzen kann. Kleinen Kindern verzeiht man es, sie wissen es doch noch nicht anders (reden wir uns zumindest ein), bei Jugendlichen kann es zu einem scheinbar immerwährenden Spiel, vielleicht auch in Kampfgeist herausfordernde geistige Auseinandersetzungen ausarten.

Vernunft, gleichbedeutend mit Denkfähigkeit, Erkenntnisvermögen, ist eine Ableitung vom Verb vernehmen, erfassen, ergreifen, wahrnehmen. Demzufolge sagt es ursprünglich nur aus, etwas zu registrieren, aufzunehmen.

Das bedeutet, wenn wir eine Möglichkeit des Vergleichs benützen, können wir aus dem Erfassen eine Erkenntnis schöpfen, die eine vernünftige Lösung, Meinung, Ansicht beinhalten kann. Bleibt aber eine Vergleichsmöglichkeit aus, entweder weil man keine Alternative kennt, oder es widerspricht einem grundsätzlich, eine andere Sicht zu akzeptieren, dann liegt keine Vernunft vor, sondern nur eine Wahrnehmung.

Beispiel gefällig: Wir besitzen ein Huhn. Es hat rote und gelbe Federn. Es frißt nur Samen und wird höchstens fünf Jahre alt. Aus dieser Erkenntnis können wir keine Vernunft erschließen, es bleibt nur „vernumft“, althochdeutsch, vernehmen, ein Erfassen.

Nun haben wir ein Huhn mit roten und gelben Federn, und es frißt Samen, Körner, Würmer und wird höchstens fünf Jahre alt. Hier haben wir durch das Freßverhalten die Möglichkeit für einen Vergleich. Füttern wir das Huhn nur mit Samen oder Würmern, so kann das auf die Altersangabe eine Auswirkung haben, infolge einer Mangelernährung. Es wäre also unvernünftig, das Huhn nur mit Samen zu füttern.

Kleine Kinder haben oft „Entenfüße“, sie ziehen die Schuhe falsch an, weil für sie Schuh Schuh ist und nicht ein rechter und ein linker Schuh. Diese Erkenntnis nehmen sie nicht wahr und ist für sie nicht relevant. Jugendliche bringen es fertig, im Winter mit leichtem Pulli rauszugehen, sie nehmen zwar wahr, daß dies zu kalt ist, blenden die Kälte aber aus, weil nur das Tragen dieses Pullis relevant ist. Erwachsene benützen sehr oft die Unvernunft, um Fehlbarkeiten, Schwächen zu überspielen, so kaufen sie eine überteuerte Stereoanlage, fahren an ein Urlaubsziel, das ihr finanzielles Budget überschreitet, um damit bei Freunden Eindruck zu machen oder um es mit Erich Kästners Worten aus dem Gedicht zu sagen:

Sogenannte Klassefrauen

Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die Klassefrauen,
weil es Mode ist, die Nägel rot!

Wenn es Mode wird, sie abzukauen,
oder mit dem Hammer blau zu hauen,
tuns sie’s auch und freuen sich halbtot.

Der Reiz, etwas Unvernünftiges zu tun, wider besseres Wissen zu handeln, ist ein Zeugnis von Ignoranz gegenüber den eventuellen Folgen, die sich ergeben können. Solange die Unvernunft zu keinem Schaden führt, ist dieses Handeln sicherlich ein kleines Spiel mit dem Feuer und birgt darin seinen Reiz. Wenn nun aber der Spieltrieb ohne Reflektion, ohne Vergleich, beibehalten wird, dann kann das kleine Spiel mit dem Feuer einen Großbrand auslösen. Vernünftig handeln, kann nur der, der immer wieder unter mehreren Möglichkeiten Konsequenzen zieht, alles andere ist Unvernunft.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 31. März 2016 hier bei Querdenkende.
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Unsere Leistungsgesellschaft zwischen Verlierern und Gewinnern

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Trügerisches Geben und Schenken auf dem Prüf-stand

In der Nächstenliebe offenbart sich letztlich all unser eigentliches Sein in Bezug auf das reale Handeln untereinander. Wer ohne jedwede Hintergedanken oder Vorteils-erwägungen voller Herzensgüte geben kann, scheint nicht gänzlich dem ewigen Run nach Macht und Gewinn verfallen zu sein.

Doch solche Eindrücke gestalten sich äußerst trügerisch, bedenken wir dabei, daß der richtig Reiche dem Armen genommen und vorenthält, was diesem eigentlich zusteht, wenn da nicht die Gesetze des Stärkeren angewandt würden. Es reduziert sich auf offensichtlich zwischenmenschliches Handeln, wobei die interessante Frage auftaucht, wieso der eine reich beschenkt wird, während der andere verarmt stirbt.

Firmenpleiten, Handelskriege und Arbeitslosigkeit vorpro-grammiert

Wer mit genügend Selbstbewußtsein sowie mentaler Kraft sein eigenes Leben gestaltet und meistert, darf sich glücklich schätzen, auf der Siegerseite in unserer Leistungs-gesellschaft gut voranzukommen. Aber was geschieht mit all jenen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen versagen, dem Run nach Erfolg und Prestige nicht gewachsen?

Jeder Mensch reagiert halt auf seine eigene Weise, versucht sich selbst zurechtzufinden, wobei gnadenloser Konkurrenzkampf sehr entscheidend mit dazu beiträgt, „Verlierer“ zu erschaffen, die wiederum an den Rand dieser Gesellschaft gedrängt werden. Wer nicht dem Bild vom ewig strotzend Aktiven entspricht, somit aus der selbsterschaffenen Norm fällt, bleibt außen vor und hat es ziemlich schwer, zurück zu gelangen in den Kreis der Siegertypen.

Insofern muß natürlich unsere Leistungsgesellschaft sich der Frage stellen, warum im Ergebnis Verlierer erschaffen werden. Unabhängig davon, daß auf diese Weise ein ständig schwelender Unfrieden vorprogrammiert die vermeintlich Betuchteren dazu veranlaßt, ihren Reichtum zu schützen, zu bewahren und darüber hinaus sich neue Strategien zur Vermehrung einfallen lassen zu müssen. Die Folgen sollten hinlänglich bekannt sein, denken wir an Firmenpleiten, Handelskriege und Arbeitslosigkeit bis hin zur Verarmung weiter Teile der Bevölkerung.

Schenken im Widerspruch zur Absicht

„Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überfließend Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messet, wird man euch wieder messen.“ So lautet es bei Lukas 6, Vers 38. Und schon schnappt die Falle zu, weil eine Bedingung geknüpft wurde: „…, so wird euch gegeben“. Da steckt eine eindeutige Erwartungshaltung dahinter. Muß das denn sein, darf man ruhig anmahnend formulieren!

Sicherlich diente das Schenken, ebenso bestimmte Gegner umzustimmen vor Kriegs-handlungen, auch wenn sie fast nie fruchteten, der Aggressor sich ohnehin per Gewalt nahm, was er für sich beanspruchte. Doch dieses gebende Schenken bietet ebenso Trost, wer kennt es nicht aus Kindertagen, als Willkommensgruß und somit Ausdruck der Freude, wenn wir Gäste erwarten bei Festen und Feierlichkeiten.

Was dennoch dabei mitschwingt, bleibt der Gedanke des Vorteils, der erhofft wird. Das Schenken somit doch in eine Schenkökonomie mündet wie Marcel Mauss sie formulierte, das Prinzip des Gebens als moralisch psycho-ökonomisch bewertet, welches den Zwangscharakter und dessen Schuldverursachung hervorruft?

Deutsche Gründlichkeit macht selbst bei Hartz-IV-Empfängern nicht Halt

Die soeben benannte Schuldverursachung beim Schenken selbst findet „hervorragende“ Anwendung bei der Umsetzung deutscher Gründlichkeit. Warum sollte man den Menschen, die ganz unten angekommen in der Gesellschaft, obendrein Geschenktes gönnen, wo kommen wir denn dahin? (Ironie aus)

Nein, Hartz-IV-Empfänger dürfen Geschenke von vornherein erst mal überhaupt nicht annehmen und wenn doch, dann haben sie das dem Amt gefälligst zu melden. Geldgeschenke unter 50 € gelten aber als Bagatellfall. Na, wie schön, daß hierbei noch nicht findige Pfennigfuchser, heute sollten sie eher als Cent-Fuchser bezeichnet werden, sich eingefunden haben, um den betrügenden Bedürftigen zu ertappen und zu sanktioneren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Prokrastination – ein von der Politik gern angewandtes Mittel

Hand aufs Herz: Auch Sie pflegen manches mal die Aufschieberitis, oder?

Was hat man nicht so alles zu erledigen! Zu tun, fertig zu stellen, wobei das Anfangen in gewißen Zeiten schon die größere Anstrengung sein kann als das wirklich zu Tuende. Viele drücken sich vor Dingen, die erledigt werden müssen, sollen, dafür gibt es den Ausdruck, die Aufschieberitis. Besonders Jugendliche im sogenannten Teeniealter leiden darunter oder besser, sie sind der Aufschieberitis verfallen.

Auch die zu den Erwachsenen zählenden Personen sind der Falle der Aufschieberitis des öfteren ausgesetzt. Es gibt sogar Fachliteratur darüber, allerdings unter dem Begriff Prokrastination, lateinisch für vertagen. Das Vertagen ist übrigens ebenso in der Politik ein gern angewandtes Mittel, um sich vor Entscheidungen zu drücken.

Wenn es über irgendetwas Literatur gibt, es nötig empfunden wird, sich einer Sache zu widmen, scheint die Aufschieberitis mit Sicherheit nicht nur unsere Kinder und uns selbst zu betreffen, es scheint, ganze Bevölkerungsschichten sind davon betroffen. Dem Himmel sei Dank, mag jetzt der ein oder andere denken. Denn ein gemeinsames Leid ist ein geteiltes Leid, oder? Oder ist die Prokrastination nur die vorgeschobene Erklärung für Faulheit? Keinen Bock, andere Interessen, zu mühevoll, das sollen andere erledigen, damit gebe ich mich nicht ab, dafür ist meine Zeit zu kostbar, vielleicht ein andermal.

Gibt es die Aufschieberitis nur, wenn sie mit unangenehmen Aufgaben in Verbindung gebracht wird, sozusagen eine Pflicht voraussetzt? Existiert die Prokrastination nicht bei den zu erledigenden Tätigkeiten, die uns Freude bereiten? Wenn wir uns selbst gegenüber darauf eine Antwort geben sollen, so werden wir bestimmt nicht ganz ehrlich zu uns sein, sondern genügend Ausreden finden, die dem widersprechen. Aber bei der Beobachtung anderer zu ihrem Verhältnis „etwas zu erledigen“, können wir feststellen, daß ein schnelles und effizientes Erledigen nicht nur mit „dann machen wir mal“, sondern verbunden ist mit einem gewissen Enthusiasmus.

Erledigen, kommt ursprünglich von ledig, freimachen, in Freiheit setzen, eigentlich logisch. Wenn etwas erledigt ist, bin ich von der Arbeit befreit. Jetzt erledigen wir auch noch das Wort ledig, oder? Mittelhochdeutsch, ledic, verwandt mit dem Wort Glied, bedeutet eigentlich gelenkig, im schwedischen heißt ledig geschmeidig. Beobachten wir uns oder andere bei ihren Tätigkeiten, so werden wir sehr oft an der Körperhaltung erkennen, ob die Arbeit wirklich mit Freude oder eher lustlos verrichtet wird. Die Körperhaltung kann also verräterisch dazu beitragen, ob wir uns bei der Arbeit wohl fühlen oder nicht, ob wir etwas erledigen, weil die Aufschieberitis nun nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, oder ob wir mit einem zufriedenen Gefühl der Beschäftigung nachgehen.

Bei beiden Erledigungsarten sind wir nach getaner Arbeit befreit. Der Unterschied im Ergebnis kann nicht immer ersehen werden. Allerdings gibt es tatsächlich Menschen, denen die Aufschieberitis völlig fremd zu sein scheint und die ihre entweder selbst gestellten oder übertragenen Aufgaben meist zügig erledigen. Vielleicht haben Sie es bereits zwischen den Zeilen gelesen, die diesen Text verfaßende Schreiberin zählt zu den Aufschieberitismenschen, ist also der Prokrastination, wenn auch nur in gewißen Zeiten anhängig.

Und hat zu allem Übel jetzt auch noch Sie von Ihren zu erledigenden Aufgaben abgehalten. Da sich die Wäsche nicht von allein in die Waschmaschine legen kann, um mal wieder erfrischt zum Wohle der Schreibenden getragen zu werden, wird diese, da das Argument zur Rechtfertigung der Prokrastation den Text noch zu schreiben, schließlich irgendwann nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Deshalb sind Sie und ich jetzt befreit, und wir können uns für die nächste Aufgabe, Tätigkeit freimachen, uns in Freiheit setzen, erledigen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Diese Kolumne erschien bereits am 05. März 2016 hier bei Querdenkende.
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Spa(h)nferkel unter sich – wie die dritte GroKo tickt

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Der Gag der Woche – oder wieso man vieles ernst nehmen sollte

Na, wer wird denn gleich in die Luft gehen, nur weil so nen Schnösel nach Rosinen pickt. Muß man drüber hinwegsehen, das sei sein gutes Recht, Gesundheit, man ist dir etwa schlecht? Es reicht? Nie im Leben, es heißt doch stets Geben und Nehmen, nur dieser junge Minister meint, es gäbe hierzulande keine Armut. Wie er dabei greint, übertrieben sich wichtigtut!

Da paßt was Entscheidendes zusammen, man mag zwar vor Wut die Hacken in den Boden rammen, ändern wird sich dadurch kaum etwas. Wer aufgepaßt, entdeckt den Spaß. Was sagt uns das? Der neoliberale Weg weiterhin unerschrocken wird gegangen, das muß fürs Volk wohl langen. Man selbst gönnt sich jedwede Ferkelei, ob’s rauskommt? Einerlei. Zur Not wird mal wieder irgendwo auf der Welt gebombt. Was eine Ursula nonchalant durch den Bundestag erficht, kümmert den politikverdrossenen Bürger nicht.

Dann schielt manch einer lieber zur neuen AfD, egal was die daher posaunt, tut eh keinem weh, selbst wenn die Journalie raunt. Weil inzwischen Lügenpresse Normalzustand, steht doch eh längst auf manch kahler Wand. Was früher schon erfolgversprechend gehetzt, och heute gezielt nicht nur die Ehre verletzt. Wenn dann mal Politik ohnehin durch ein „weiter so“ versagt, fühlt jene Neue Rechte sich gänzlich gefragt. Wer es dann wagt, eben nicht verzagt, deren gelebten Rassismus an den Pranger zu stellen, dessen Stuhlbein tun sie heimtückisch fällen.

Gewalt heißt das Zauberwort, trägt keinerlei Sorgen fort. Ganz im Gegenteil, höhnisch wird’s geboten feil. Solch simple Zerstörungswut läuft stets vortrefflich gut. Wen interessiert schon Humanismus und Toleranz? Damit ist dann Schluß, es beginnt ein Affentanz, den wirklich niemand gebrauchen kann. Wer beendet jenen Bann? Niemals die neue GroKo dazu im Stande. Das ist ja die Schande.

Nachdem jener Maas lang genug die Justiz bemühte, er jetzt ins Außerministerium schielte und prompt den Gabriel von dessen Posten vertrieb. Gar nicht lieb. Aber so ist das politische Geschäft, wer nicht beißt, halt kläfft. Oder doch bescheißt? Egal, der Blick janz schal wird zur Qual, was da noch für Aufgaben den Neuen erwarten. Es erblüht kaum ein Friedensgarten, die Welt ist heute erst recht auf Krieg aus. Welch Graus!

Drum wird eine Frau Schulze die Umwelt ernsthaft braunkohlemäßig bemühen, Gedanken zum Klimaschutz ohnehin entfliehen. Was interessieren die Sorgen von gestern, man steht’s aus, das eintretende Lästern. Ein Gewissen ohnehin nicht vorhanden, kam lange vorher bereits abhanden. Wer der Wirtschaft treudoof die Stange hält, bei dem zählt nur das Geld. Alles andere wird über Bord geschmissen, fühlt sich dabei nicht mal beschissen.

Was ein Schäuble schon nicht vermag, plötzlich dem Scholz sein Finanzministerium löst die nächsten politischen Tag’? Hauptsache als Vize glänzen, dann kann man notfalls och mal schwänzen. Wir brauchen unbedingt ein Heimatministerposten, das fordert schon viel zu lang manch Vollpfosten, da fischt man gern als CSU im trüben Wasser der Rechten. Was solch neue Posten brächten? Na, das liegt doch auf der Hand: Seehofer rettet Deutschland. Als ob wir allesamt keine anderen Probleme hätten. Unsinn – wetten?!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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