Russland: Guter Putin vs. bösem Westen ein verzerrtes Bild

Giftanschlag läßt viele Fragen offen

Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen den Fronten, die ohnehin genauso gewollt sind. Darin sind sich wohl alle Beteiligten einig, sonst gäbe es weder einen neu entflammten kalten Krieg noch ein massives Wettrüsten bei gleichzeitig grausam anhaltenden Kriegen und Krisen.

Wer tatsächlich meint, seine Version zur Wahrheit hätte einen Anspruch, Gehör zu finden, dem kann man erst recht nicht trauen, weil die unterschiedlichen Behauptungen und gegenseitigen Belastungen ihr kaum standhalten können, es sei denn, man entscheide sich für die ein oder andere Seite. Da mögen sogenannte Putinisten jetzt aufschreien oder all jene, die an eine brave Nato glauben, die nur Friedensabsichten zum Wohle des westlichen Bündnisses hege. Beides entspricht keineswegs der Realität, die bewußt wesentlich komplexer und komplizierter sich gestaltet.

Wer den Ex-Spion Skripal grausamst vergiftet, bleibt im Dunkeln

Werden wir jemals vollumfänglich die ganze Wahrheit erfahren? Selbst wenn jetzt Deutschland, Frankreich und die USA die Verantwortung bei Russland sehen, wird lediglich der Konflikt zwischen den beiden Supermächten angeheizt, mit Aufklärung hat das reichlich wenig zu tun. Schuldzuweisungen sind keineswegs zielführend. Selbtverständlich muß Russland und somit auch Putin in jenem Giftskandal verwickelt sein. Die Option, daß irgendwelche nicht systemkonforme Russen ihre verbrecherischen Neigungen ausleben, darf man getrost als wilde Spekulation verwerfen. Wer ist schon so blöd und legt sich mit dem mächtigen Regime Putins an?

Aber der bald wieder gewählte Präsident und dessen Hintermänner selbst? Oder gar eine CIA-Inszenierung, um Russland zu diskreditieren, eben mit dem Bewußtsein, daß demnächst dort die Wiederwahl Putins bevorsteht? Der Möglichkeiten gibt es viele, die Antworten zur Wahrheitsfindung bleiben aus.

Die Doktrin des KGB hält weiterhin an?

Sodaß jedweder potentieller Feind einfach ausgeschaltet wird? Nach außen hin der Saubermann Wladimir Putin, sich seiner Sympathiewerte vom Volk sicher, keinewegs zufällig die westliche Neue Rechte fördernd, um gleichzeitig mit einem Herrn Schröder freundlich anzustoßen? Welch Widersprüche auch im Hinblick zur US-Wahlkampf-Affäre seitens russischer Intervention.

Die jetzt folgende Antwort per Sanktionen gegen Russland wegen Wahlbeeinflussung war hinfällig vorhersehbar, nur folgen sie ausgerechnet zum Zeitpunkt, als in Großbritannien kurz zuvor der ehemalige Oberst Sergei Wiktorowitsch Skripal überlief und jetzt vergiftet um sein Leben kämpft. Zufall? Wohl eher nicht, sondern kalkulierte Absicht, wobei man beide Seiten akribisch beäugen muß. Wer hierbei sich einfach vor jeweiligen Karren spannen läßt, kann schnell den Überblick verlieren bei der Weltlage, die uns alle betrifft.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Tanz der Mücken

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Sie malte Texte
ohne Sinn und Verstand
und stets mit dem Rücken zur Wand.
Sie liebte die Enge
ohne Fluchtmöglichkeit,
ihre Sehnsucht formte die Zeit.

Sie verfluchte Norm
ohne Ausnahmen,
Schöpfung gab sie viele Namen.
Sie schrie Leben,
ohne zu atmen in die Lüfte,
Morast reichte ihr bis zur Hüfte.

Sie kleidete Einfälle
ohne Beweise,
so das Gehirn nicht vergreise.
Sie wog Seelen
ohne Wasser in der Brandung,
Staubkörner formen Haltung.

Sie beringte Exzesse
ohne geölte Ösen,
um feste Strukturen zu lösen.
Sie sonnte ihr Herz
ohne aufgeblasene Bühne,
Würde war für sie Sühne.

Sie liebte blaue Wolken
ohne nassen Himmel,
warum ist ein weißes Pferd ein Schimmel?
Sie schaut nun von unten nach oben
ohne Erdgewichtung,
pfeifen Mücken den Tanz in der Lichtung?

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Dauerhafte Armut in Deutschland ganz gezielt gewollt

Alternativen sollten mit einer Abschaffung von Hartz IV folgen

„Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt man fortan ungeniert.“ Dieser Spruch läßt sich ohne weiteres auch auf die Hartz-IV-Gesetzgebung anwenden. Nachdem die rot-grüne Bundesregierung die Hartz-IV-Gesetze durchgepeitscht hatte, diese ab Januar 2005 in Kraft traten, regte sich zwar einerseits viel Widerstand in unserem Lande, unterm Strich jedoch verblieb diese verfassungswidrige Anwendung. Die Betroffenen haben sich seitdem mit den realen menschenunwürdigen Repressalien abzufinden.

Schon einmal darüber nachgedacht, was die Folge sein könnte, wenn ein nicht unbedeutender Bevölkerungsanteil in Dauerarmut fast schon rechtlos, somit seinem Schicksal ergeben dahinvegetieren muß? Sicherlich, es mag Stimmen geben neben den populistisch bekannten Hetztiraden mancher Politiker, die meinen, daß jeder seines Glückes Schmied sei und daher die Hartz-IV-Empfänger es selbst in der Hand hätten, ihre Misere beenden zu können.

Ines Eck bringt es auf den Punkt

Doch haben bisher diese undurchdachten Systeme es eben nicht erreicht, die Zahl derer reell zu senken, um aus der Abhängigkeit dieses neudeutschen Korsetts zu entfleuchen. Das Gegenteil ist der Fall! Man darf hierbei ruhig von einer Endlosschleife sprechen, deren Ausgang versperrt bleibt und mit gewißer Absicht verbunden ist. Es läßt sich so wunderbar einfach bestimmen, wenn Menschen aus Angst vor Arbeitsplätzen fast jedwede Einschränkung in Kauf nehmen. Das gilt ganz besonders für diejenigen, die noch nicht in die Hartz-IV-Armutsfalle gerutscht sind, aber jederzeit betroffen sein könnten.

In dem Artikel Argumente gegen Hartz IV hat die Autorin Ines Eck ziemlich eindeutig und messerscharf völlig zurecht die Zustände mit diesen asozialen Gesetzen aufgezeigt, wie Sie dort gern selbst nachlesen können.

Natürlich bleibt es nicht aus, daß auch hierbei Alternativen zur Hartz-IV-Gesetzgebung aufgezeigt werden, wie u.a. daß jeder Arbeitnehmer das Recht hat, fair bezahlt zu werden sowie auf eine Existenz per abgesichertem bedingungslosen Grundeinkommen als Grundvergütung.

Einmal weitergedacht bedeutet im Grunde genommen die Hartz-IV-Gesetzgebung eine Grundvergütung, sie bezeichnet sich als Existenzminimum. Der einzige Unterschied besteht darin, daß dieses an Bedingungen geknüpft ist. Wer aber nicht arbeitswillig ist, fällt durch das Raster und hat das Nachsehen. Insbesondere das Instrumentarium der Sanktionen schlittert ständig entlang einer verfassungsgemäßen Handhabe; um es eindeutiger zu formulieren: Sie sind es! Somit schließt sich der Kreis der berechtigt scharfen Kritik von Ines Eck mit ihrer Formulierung, daß das Hartz-IV-System wie ein offener Strafvollzug ohne Gerichtsurteil und Strafmaßende organisiere, die Bürger würden Bürgerrechte wie das Recht auf Privatsphäre, Datenschutz und Freizügigkeit verlieren!

Wann erfolgt endlich ein Umdenken bei der Bildung, sozialen Notständen?

Kommen wir noch einmal zurück auf die Folgen von hingenommener Dauerarmut. Ein dermaßen gesättigt reiches Land wie Deutschland sollte einen solchen Zustand erst gar nicht dulden, muß sich der kritischen Frage stellen, warum es erst soweit kommen konnte.

Natürlich wurden viel zu spät Überlegungen angestrebt, was mit denjenigen geschehen solle, die aufgrund zunehmender Automation eben nicht mehr gebraucht werden würden. Dabei gäbe es noch ganz viele berufliche Perspektiven, wenn die Wirtschaft im Zusammenspiel mit der Politik nur bereit wäre, dahingehend zu investieren. Ganz besonders im sozialen Bereich wird immer noch viel zu wenig sich bemüht, unnötige Mißstände abzubauen und vor allem neue zu verhindern. Da gehört natürlich eine Erneuerung des sehr komplexen Bildungssystems hinzu, wobei ebenso neue Arbeitsplätze entstehen würden.

Gleichzeitig schwingt bei dieser Thematik die Überlegung mit, welche Berufe überbezahlt werden. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es kann doch nicht sein, daß es Menschen gibt, die keine fünf Euro Stundenlohn beziehen, während in manchen Berufen ganz locker dreistellige Stundenlöhne an der Tagesordnung sind; von den maßlos überzogenen Gagen und Gehältern in Managerchefetagen, den TV-Stars etc. mal ganz zu schweigen. Wieder einmal ist hierbei die Frage der Verteilung von entscheidender Bedeutung – eine Schieflage, die ungerechter kaum sein könnte. Man mag solche Überlegungen als Neiddebatte oder Mißgunst auslegen, ganz abwegig sind sie dennoch nicht. Vergessen wir nicht, daß soziale Schieflagen, wenn sie entlarvt werden, meist der Ursprung für berechtigte Unzufriedenheit bis hin zu Unruhen sind.

Eine Gesellschaft, die meint, sie könne weiterhin unter solch gravierenden Mißständen wie die vollkommen destruktive Hartz-IV-Gesetzgebung ausharren, hat immer noch nicht begriffen, welch große Chance dadurch vertan wird. Was ist wichtiger: ein sozialer Frieden oder eine Fortsetzung der endlosen Gier? Diese Frage ist schnell beantwortet, wer noch halbwegs auf dem Teppich geblieben ist.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Wattierte Lügen

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Wattierte Lügen,
drapiert auf
brennenden Wahrheiten,
verbreiten
Unterwürfigkeit
als dienende
wohlige Wärme,
keiner sich davor schäme.

Uniformierte
Geschwisterlichkeit,
kein Feind aufweicht,
als Ziel dargereicht.
Der Niedrigste
sitzt auch mal oben,
sie sagen Kameradschaft
verscheucht Herrschaft.

Männliche Vernunft
besser als weibliche Emotion,
veraltete Phrasen
im Munde junger Hasen,
alte Narreteien
gespiegelt
im Schatten
von egomanischen Nimmersatten.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Kurden massiver Willkür ausgesetzt

Läßt die Bundesregierung sich vor Erdoğans Wagen spannen?

Weltweit gibt es etliche Völker, die bis heute erheblichen Repressionen ausgesetzt ihr Dasein fristen müssen, keinen Status eines Staates genießen, insofern ihrer Rechte beschnitten werden, herumgeschubst nach Lust und Laune bestimmter Mächte des jeweiligen Landes, wo sie sich aufhalten oder versuchen zu leben.

Das gilt schon seit langem für die Kurden, die hierzulande zunehmend massiver Willkür ausgesetzt sind. Keine Pressefreiheit für sie, türkische Zustände in Deutschland, wie kurdische Organisationen der Bundesregierung vorwerfen, diese würde sich auf „politisch entwürdigende Weise“ einem Unrechtsregime andienen.

Syrien-Krieg betrifft längst auch Deutschland selbst mit Afrins Einkesselung

Dabei nimmt wohl die Bundeskanzlerin in Kauf, daß Erdoğans aggressives Vorgehen letztlich unterstützt wird nicht nur mittels Zurückhaltung, was im Übrigen ebenso die USA als auch Russland vollziehen. Welch denkwürdiges Verhalten in einem Stellvertreterkrieg, der völlig entgleist, aus dem Ruder zu laufen scheint, dies alles aus unterschiedlichen Ambitionen. Öl und Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten bei gleichzeitigem Regime-Change mit der Vertreibung Assads. Das klappte allerdings bisherig nicht, sodaß mal wieder die Zivilbevölkerung unter solchem Krieg zu leiden hat.

Gleichwohl die Kurden, die jetzt in Afrin von der türkischen Armee eingekesselt sind, Hilfe von außen vereitelt wird. Jene sogenannte „Operation Olivenzweig“ verstoße nicht nach internationalem Recht, wie die türkische Regierung argumentiert, was natürlich so keineswegs zutrifft. Aber ein solches Gebaren kennt man schon längst von anderen Regierungen, hat daher keinerlei Folgen. Deutschland kann sich dem Ganzen nicht mehr entziehen, inzwischen nehmen die Proteste der Kurden deutlich sichtbar zu.

Die Stillhaltepolitik gegenüber der Türkei rächt sich

Viel zu lang ließ man den türkischen Despoten gewähren, dessen Hofierung entspricht einer unerträglichen Entgleisung, die sich breitgefächert rächt! Seine Argumentation, sämtliche Kurden würden den Terror im Sinn haben, verdeutlichen seine undifferenzierte Verunglimpfung, bestimmen obendrein seinen eigenen Kurs der Machtausweitung. Längst schachert die Türkei gewissenlos auf weltpolitischem Parkett, und niemand hält sie auf. Das ist der eigentliche Skandal!

Erneut haben vermeintlich Schwächere darunter zu leiden, wie in diesem Fall die Kurden. Umso wichtiger, daß genügend Widerstand aufkommt. Die europaweiten Proteste gegen den türkischen Militäreinsatz sind daher nachvollziehbar, dennoch längst nicht alles, was da noch entstehen mag. Kann man es den betroffenen Menschen verdenken? Keineswegs. Wer Pressefreiheit, Menschenrechte und Friedenspolitik sich auf die Fahnen schreibt, sollte somit auch entsprechend agieren. Versäumen dies die Weltmächte, auch Deutschland, sitzen sie allesamt im selben Boot von Kriegstreibern!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Balance lancieren

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Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema

Hört sich einfach an, wenn man sagt, das Gleichgewicht fördern, aufbauen, favorisieren, oder? Menschen, die Krisen durchlebten, können sicher am besten darüber urteilen, wie leicht es über jedermanns Lippen kommt, und wie schwer es ist, es zu erlangen. Das Gleichgewicht, die Balance. Oder auch die Ausgeglichenheit.

Nicht minder schwer ist die körperliche Balance, die bewundert wird, wenn man im Zirkus in der Manege sitzt und die Seiltänzer fasziniert beobachtet, bei Sportveranstaltungen die körperliche Leichtigkeit wahrnimmt bei den Geräteturnern, am Reck, auf dem Schwebebalken, am Barren, an den Ringen, oder den Freund beglückwünscht, als er es schaffte, einen Löffel oder einen Bleistift auf einer Fingerkuppe zu balancieren. Apropos Bleistift, dieses längliche Stück Holz, in dem eine Bleimine steckt, hat er nicht Ähnlichkeit mit einer Lanze?

Währenddessen Sie noch Vergleiche anstellen zwischen Bleistift und Lanze und was dies mit Balance und lancieren zu tun haben könnte, hier schon mal die Erklärung für

lancieren, französisch lancer, eigentlich schleudern (spät)lateinisch lanceare, die Lanze schwingen. In unserer Sprache kann lancieren mit folgenden Begriffen ersetzt werden, begünstigen, fördern, helfen, protegieren, aufbauen, verbreiten, rausbringen, powern, sponsern, unterstützen, favorisieren, managen. (Duden)

Lanze, mittelhochdeutsch lanze, (alt)französisch lance, lateinisch lancea. Aus einem langen Schaft und einer Spitze (aus Metall oder einem anderen harten Material) bestehende, für Stoß und Wurf bestimmte Waffe (Duden)

Sind Sie auch zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Bleistift mehr oder weniger eine Lanze in Miniformat darstellen kann?

Die Wortherkunft von Balance ist im Gegensatz zu Lanze ein wenig spannender.

Balance, französisch balance, lateinisch bilanx (Genitiv: bilancis), zwei Waagschalen habend. Andere Begriffe sind, Gleichgewicht, Äquilibrium. (Duden)

balancieren, französisch balancer. Bedeutet so viel wie im Gleichgewicht halten, in der Balance halten. (Duden)

Unschwer herauszulesen ist unser Wort für Resultat oder Fazit, nämlich Bilanz, oder?

Bilanz, italienisch bilancio, Gleichgewicht (der Waage), bilanciare, abwägen; im Gleichgewicht halten, bilancia, Waage, über das Vulgärlateinische zu lateinisch bilanx, Balance. (Duden) Synonyme sind Kontoabschluß, Fazit, Resultat, Ergebnis.

Ein Kampf mit der Lanze und das Abwägen von Waren mittels einer Waage, um ein Gleichgewicht der Kräfte zu erkennen, ist demnach ein ähnliches Verfahren. Bei beiden Handlungen ist das Ziel, ein Ausgleich zu schaffen. Wobei der Kampf mit der Lanze nicht wirklich dazu geeignet ist, ein stabiles Gleichgewicht zu schaffen, sondern vielmehr als Bilanz, Ergebnis den Unterschied zwischen stark und schwach, Verlierer und Gewinner verdeutlichen soll. Zwar geht man beim Kauf von abgewogener Ware davon aus, daß die abgewogene Menge dem gegenwärtigen Kaufpreis entspricht, aber, Sie wissen schon, auch hier ist Manipulation möglich, sei es, daß die Waage nicht richtig justiert ist, sei es, daß der Preis durch welche Argumente auch immer zu hoch angesetzt wurde. Also auch hier gibt es Verlierer und Gewinner.

Beim Lancieren ist es übrigens nicht anders als beim Balancieren mit Lanze und Waage. Denn lancieren bedeutet auch (bildungssprachlich) gezielt in die Öffentlichkeit gelangen lassen, (bildungssprachlich) durch geschickte Manipulation, durch Ausnutzen seiner Beziehungen o.Ä. fördern, in eine vorteilhafte Position bringen o Ä. (besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen.(Jägersprache) einen Hirsch mit dem Schweißhund verfolgen, um ihn einem Schützen zuzutreiben (Militär veraltet) torpedieren. (Duden)

Ein Gleichgewicht zu erlangen, ist demnach nicht immer mittels eines fairen Kontextes zu bewerkstelligen, ob nun gewollt begünstigt oder unabsichtlich. Das ist in fast allen Lebensbereichen zu ersehen. Und weil dies, die Balance halten, das Gleichgewicht wiederherstellen, sich schwierig gestalten, zu viele „Störfaktoren“ mitschwingen können, auch unseren Altvorderen bekannt war, ist die Auseinandersetzung mit dem Äquilibrismus, scholastische Lehre vom Einfluss des Gleichgewichts der Motive auf die freie Willensentscheidung. (Duden) eine Grundvoraussetzung, um wenigstens in etwa eine gerechte Balance der Kräfte zu erhalten.

Motivieren die derzeitigen politischen Verantwortlichen eher zum Lancieren „(besonders Werbung, Wirtschaft, Politik) einer Sache durch gezielte Maßnahmen zu Anerkennung, Ansehen, Verbreitung verhelfen“ ihrer Positionen oder neigen sie zum Balancieren „im Gleichgewicht halten, in der Balance halten“? Die Bilanz, das Fazit ihrer Handlungen ist entweder Lanze oder Bleistift. Wer die Lanze schleudert, beendet das Thema nach dem Motto, das Recht gehört dem Stärkeren.

Wer mit dem Bleistift notiert, kann eine Differenz erkennen, und somit ist die Chance auf eine neue Abwägung des Themas gegeben. Die freie Willensentscheidung wird jedem zugestanden, demnach auch seine Motive, Beweggründe, wo er seine „Waren“, seine „geistige Einstellung“ balancieren läßt. Vielleicht sollte man gerade deshalb länger darüber nachdenken, für wen man eine Lanze bricht. (sich für jemanden einsetzen)

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Existenz der Schäfer in Deutschland gefährdet

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Weidetierprämie könnte Abhilfe schaffen

Mit dieser neuen großen Koalition, die kanpp ein halbes Jahr nach der 19. Bundestagswahl antritt, um hierzulande zu regieren, wird das ein ziemlich schwieriges Unterfangen für betroffene Schäfereien, die ganz besonders um ihre Existenz bangen müssen. Dieser Traditionsberuf scheint seinem Ende entgegenzublicken, die ins Leben gerufene Change.org-Petition unterstreicht jenen Hilferuf.

Dabei gäbe es ohne weiteres Möglichkeiten, betroffenen Schäfern zu helfen, und zwar mit Weidetierprämien, die Deutschland eben nicht als Förderung vorsieht im Gegensatz zu 22 EU-Ländern, die eine solche Prämie bewilligen. Darf man seitens verantwortlicher Politik sich noch Einsicht erhoffen?

Eine Julia Klöckner wird ablehnend entscheiden

Gewagte Prognose oder viel eher wahrscheinlich? Man muß mit letzterem rechnen, wer sich deren Standpunkte verinnerlicht. Julia Klöckner wird im Kabinett Merkel IV als Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft die Strippen ziehen. Ausgerechnet eine CDU-Hardlinerin, die das TTIP fordert, gar keine Probleme bei der Zusammenarbeit mit Chemieriesen sieht, kürzlich in einem Zeitungsinterview in der Hannoverschen Allgemeine den Standpunkt vertrat, in bestimmten Situationen können im ökologischen Landbau Pestizide zur Anwendung zugelassen werden.

Da paßt was gar nicht zusammen mit solcher Einstellung. Schlimm genug, was zuvor eine Frau Aigner und ein Herr Schmidt in diesem Amt für Ernährung und Landwirtschaft bedeutet hatten, mit jener Julia Klöckner darf man mit einer Fortsetzung höchst fragwürdiger Entscheidungen rechnen. Zu Gunsten von Großkonzernen und profitablen Geschäften, zum Leidwesen der Umwelt sowie ganzer Berufsgruppen, eben auch der Schäfereien.

Wölfe sind das geringste Übel

Wie auch Sven de Vries selbst in seiner Petition betont, insofern glaubt er im Gegensatz zur GroKo nicht ans Märchen vom bösen Wolf, sondern schätzt die Situation offensichtlich durchaus realistisch ein. Natürlich könnte man eine EU-Kommission in vielen Punkten kritisch betrachten, doch die Praxis bei der Weidetierprämie, die sie wenigstens selbst für notwendig erachtet, ist folgerichtig. Die sture Negierung seitens deutscher Politik allerdings ziemlich kontraproduktiv.

Es verbleibt die Hoffnung, daß über jene Petition hinaus die Öffentlichkeit die Dramatik des Rückgangs der Schafherden erkennt und entsprechend mehr Protest wächst, um genau diesen Mißstand zu stoppen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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