Wer keine Rücksicht walten läßt, vor dem ist Vorsicht geboten

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Ein gewiefter Kerl, dieser Fahrlehrer?

Eigentlich ist es unschwer zu begreifen, warum wir in der Fahrschule, vor allen Dingen in der Praxis, also dem Fahren, während der Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz möglichst einen auf relaxt und entspannt mimt, den Blick in den Rückspiegel oder die Außenspiegel nicht vergessen sollten.

Solange wir schön geradeaus fahren, also quasi auf den endlosen Straßenkilometern des Pan-American Highway, des Eyre Highway in der Nullarbor-Ebene (Australien), vielleicht auch auf der ein oder anderen Straße in Frankreich, die bisweilen kilometerweit keine einzige kleine Kurve aufweist. Immer der Nase lang, geradeaus. Warum sollte man da in den Rückspiegel sehen?

Schließlich führt die Straße geradeaus, man will nicht abbiegen, überholen ist schätzungsweise auch nicht nötig, da man die Straße quasi für sich alleine hat. Wie die Läufer bei einem Wettbewerb. Oder haben Sie schon einmal einen Sprinter während des Laufs gesehen, der seinen Kopf nach hinten drehte? Was interessieren den Läufer diejenigen, die hinter ihm sind, jeder Blick zurück würde ihn der Gefahr aussetzen, aus dem Tritt zu kommen. Das Ziel, der Blick nach vorne zählt. Da ist Vorsicht geboten und nicht Rücksicht. Überhaupt, die Verkehrsschilder haben nur vorne auf dem Schild ein Hinweis, ein Verbot zu stehen, auf der Rückseite, so ein Quatsch, wer guckt denn schon auf die Rückwand eines Bildes.

Warum blicken wir dennoch ständig beim Autofahren in den Rückspiegel, die Seitenspiegel? Gymnastik, damit die Halsmuskulatur geschmeidig bleibt, damit es nicht zu eintönig wird und man eventuell einer Müdigkeit verfällt, weil bei der Sicht nach vorne keine Abwechslung vorhanden ist? Rücksicht, auf wen? Der hinter mir sieht doch, was ich tue, solange er nicht nach hinten sieht, sondern so wie es sich gehört, den Blick starr nach vorne. Vorne spielt die Musik. Vorne ist Vorsicht! Rücksicht ist hinten, da bin ich schon vorbeigefahren, das habe ich passiert. Was interessiert mich es also, was hinter meinem Rücken geschieht? Okay, es wird immer wieder einige geben, die hinter meinen oder jemandes Rücken etwas zu lästern haben, deshalb bekommt man mit den Jahren ein dickes Fell, gell?

Und überhaupt, sind nicht diejenigen, die rücksichtslos für ihre eigenen Belange eintreten, diejenigen, die es im Leben zu etwas bringen, Erfolg haben, Karriere machen, im Geld schwimmen? Natürlich braucht man zum Dagobert-Duck-Gen auch Kontinuität, Durchsetzungsvermögen, Fleiß, Ausdauer und möglicherweise wie bei den Sprintern jemanden, der im Vorfeld die Piste säubert, damit kein Stein mehr im Weg liegt, die Strecke im Auge hat, um bei dem kleinsten Hindernis dafür zu sorgen, daß dies beseitigt wird. Zu was also ein Rückblick? Was hinter einem liegt, hat man geschafft, diese Arbeit ist erledigt. Rückblickend über verpasste Chancen zu jammern, ist kontraproduktiv und hemmt den Blick auf das Kommende.

Wenn ich also laut Fahrlehrer in den Rückspiegel sehen soll, will er mich damit auf die Probe stellen? So in der Art, wie schnell kann sie reagieren, wenn genau in diesem Moment ein Ball auf die Straße rollt oder gar ein Wildschwein vors Auto rennt? Was hab ich davon? Ein Training für ein schnelles Reaktionsvermögen? Gewiefter Kerl, dieser Fahrlehrer!

Vorrausschauendes Fahren ist Rücksicht, sagt der Fahrlehrer. Wie jetzt? Wenn ich in den Rückspiegel sehe, ist dies vorrausschauend? Bedeutet Rücksicht demnach freie Sicht nach vorne? Oder anders ausgedrückt, wer keine Rücksicht walten läßt, vor dem ist Vorsicht geboten?

Zu Risiken und Nebenwirkungen wie Sie am besten die Straße des Lebens befahren, befragen Sie Ihre eigene Intuition.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Meinung

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Wie viel Trump verträgt die Weltgemeinschaft?

David Cay Johnstons Buch entlarvt jenen “Humpty-Trumpty”

Und zwar als das, was er in Wirklichkeit ist: ein bösartiger Narzisst mit der emotionalen Reife eines Dreizehnjährigen. Bravo, bereits der zweite Autor, der sich in letzter Zeit entsprechend weit aus dem Fenster lehnt und berechtigterweise Dampf abläßt, was jenen 45. US-Präsidenten anbelangt. Natürlich erst recht ein Grund für dessen Anhänger, ihn verbissen zu verteidigen und all dessen Kritiker als unfähig oder gar neidisch hinzustellen.

Ganz offensichtlich machen all die Befürworter Trumps es sich reichlich einfach. Statt zuzugeben, welch dramatisch unfähiger Präsident seit knapp einem Jahr im Amt die Politik der reichsten Nation der Weltgemeinschaft mitgestalten darf, verdrängen sie lieber die dringend notwendige Frage, wieviel Trump diese vertragen kann.

Mit Hysterie hat das gar nichts zu tun

Erst recht nicht mit unsinniger Panikmache. Sondern schlicht und ergreifend mit entsprechend nüchternem Verstand. Wie kann es sein, daß dermaßen viele Menschen treudoof den Kurs dieses Donald Trump befürworten, obwohl dessen Verfehlungen, Behauptungen, Lügen und Hochstapeleien tagtäglich ihn als das entlarven, was er ist: komplett unfähig.

Hat dabei David Cay Johnson in seinem Buch „Trump im Amt“ genauso wie Michael Wolff ins Schwarze getroffen mit seiner schonungslos nüchternen Faktenaufzählung über die bisherig geleisteteten Verfehlungen? Ganz offensichtlich. Obendrein müßte so manch Fan von Trump wenigstens spätestens jetzt ein Lichtlein aufgehen, mit welch krimineller Energie das Trump-Imperium sich gegenseitig deckt, Hauptsache die eigenen Pfründe bleiben erhalten. Mit Weitsicht oder gar Rücksicht dem Volk gegenüber hat das gar nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, solche Wesen würden eiskalt jeden Krieg vom Zaun brechen, sobald er eigene Taschen füllt. Was für Aussichten!

USA – das Land der unbegrenzten Storyteller

Je größer der Schein, desto mehr Anerkennung kann sich jedwede Hochstapelei sicher sein. Die USA haben ganz offensichtlich keinerlei Probleme mit solchen Figuren wie ihr neuester Präsident. Der kann sich nahezu alles leisten, schließlich ist er ja vom eigenen Volk gewählt, selbst wenn nicht mehrheitlich, so doch von viel zu vielen Unkritischen.

Was für ein Armutszeungnis! Vor allem für diejenigen, die zu Recht enttäuscht über die eigenen Landsleute sind. Als ob die USA nicht schon genügend Probleme hätten, denken wir an die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt im Lande. Dies alles scheint kaum zu interessieren, man ist viel zu sehr damit beschäftigt, dem eigenen, unfähigen Präsidenten ständig nachzueifern, den Schaden möglichst zu begrenzen, den dieser wie ein Elefant im Porzellanladen hinterläßt. Hauptsache den Schein bewahren, alles ginge mit rechten Dingen zu. Wie lang mag das gutgehen? Nicht sehr lang!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Das Märchen vom Tarnkäppchen und dem scheinbar freien Wolf

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Einmal wieder Kind sein, ganz klein, gerade mal die Sprache verstehend, sich treiben lassend von der riesigen Gefühlswelt, die mit neugierigen Augen zu entdeckende Umwelt begreifen lernen, um des abends vorm Einschlafen Märchen vorgelesen zu bekommen von liebenden Eltern.

Wer kennt sie nicht, jene Erinnerungen aus längst vergangenen Kindertagen, die lebenslang begleitend ab und zu ins Bewußtsein rücken? Und so auch die Nummer 26 der „Kinder- und Hausmärchen“, welches die bekannten Gebrüder Grimm 1812 in dessen ersten Band veröffentlichten, namentlich unter „Rothkäppchen“ sowie später mit Erweiterung „Rotkäppchen und der böse Wolf“ bekannt.

Über zweihundert Jahre später herrschen gänzlich andere Verhältnisse auf Erden, sollte man dementsprechend den Versuch wagen, neuzeitliches einfließen zu lassen, so daß wir Ihnen, liebe Leser, „Das Märchen vom Tarnkäppchen und dem scheinbar freien Wolf“ nicht vorenthalten wollen.

Es war einmal ein kleines rothaariges Mädchen namens Pamira, welches seine beiden Eltern verloren hatte, da das Jugendamt noch in dessen Babyalter meinte, es müsse Pamira einfach entführen und in ein staatliches Heim stecken. Selbstverständlich besaß sie die lebensnotwendige Intuition, ein gewisses Unbehagen ob ihrer Herkunft aufzubauen, fragte sich bereits im Alter von drei Jahren, wer denn ihre leiblichen Eltern seien. Doch Pamira erhielt nur ausweichende, fadenscheinige Antworten und lag des nachts oft weinend in ihrem Bettchen.

In einer Vollmondnacht, Pamira hatte erneut den letzten noch vorhandenen Tränen freien Lauf gelassen, erschien am offenen Fenster die Silhouette eines wunderschönen Wolfes, der kurzerhand ihr Schlafgemach betrat, ans Bettchen sich begab, ihre roten Locken zur Seite schob, seine behaarte Pfote auf ihre Stirn legte und langsam mit tiefer Stimme beruhigend sich erklärte:

„Bitte, nicht erschrecken, mein Kind, vergiß den bösen Märchenwolf, den es ohnehin nicht gibt, aber das weißt du längst. Sie haben dir deine Eltern genommen, die du nicht kennst, aber dein Namen verbirgt einen gewissen Hinweis deiner Herkunft. Schau hinaus, siehst du den Vollmond?“ Und die Sechsjährige beugte sich vor, ein breites Grinsen bestätigte ihre Erleichterung, die anfängliche Angst überwunden zu haben.

„Oh, danke dir, lieber Wolf, für deine Worte. Doch warum suchst du mich auf, und wieso kannst du überhaupt sprechen, so etwas geschieht nur in Märchenbüchern!“, wunderte sie sich und richtete sich gänzlich auf im großen Bett.

„Meinen Namen will ich dir nicht verraten, falls du fragen solltest, denn meine Freiheit will ich mir im Eigeninteresse bewahren. Morgen wirst du wissen, warum ich sprechen konnte. Für jetzt nimm einfach hin, wie dir geschieht. Wisse, daß du eigentlich dem Rotkäppchen entsprichst, wie im Märchen selbst, aber in Wirklichkeit ein Tarnkäppchen bist!“, antwortete er, wurde aber jäh unterbrochen, weil Pamira in einem Satz aus dem Bett sprang, plötzlich ein Samuraischwert in rechter Hand schwang und um ein Haar sein linkes Ohr verfehlte. Im nächsten Moment stürzte der entsetzte Wolf aus dem Fenster und ward verschwunden.

Es dauerte eine geraume Weile, bis die Rothaarige sich gesammelt hatte, das Samuraischwert wieder an die Kopfseite des Bettes platzierte. Erst mal atmete sie ganz tief durch, überlegte intensiv, wie ihr geschah und sprach zu sich selbst.

„Nie wieder liest mir einer vom Heim ein Märchen vor. Diese Zeit möchte ich endgültig verbannen. Es geht jetzt darum, meine Wurzeln zu suchen und alles daran zu setzen, meine Eltern zu finden. Wenn schon der freie Wolf mich aufsucht, sollte ich dies als ein Zeichen sehen!“ Daraufhin legte Pamira sich ins Bett und schlief sehr schnell und tief ein.

Am nächsten Morgen war das Fenster verschlossen, über dem Bett hing das üblich bekannte Kreuz statt dem Samuraischwert, und Pamira wachte wie gewohnt sorgenvoll auf, wußte nicht das geringste, was da letzte Nacht geschehen war. Am Frühstückstisch klapperten die Löffel der Kinderschar beim Müsliessen, die Tür zum Eßraum der Belegschaft war heute ein wenig geöffnet, so daß alle Radio hören konnten. Die Musik endete ziemlich schnell und der Moderator verkündete:

„Wir unterbrechen die Sendung für eine wichtige Eilmeldung. Letzte Nacht wurde im Sendegebiet ein Wolf gesichtet, wir bitten alle Bewohner, aufmerksam zu sein, die Türen und Fenster zu schließen. Sobald die Bestie eingekreist, gefangen oder erschossen wurde, benachrichtigen wir Sie natürlich.“

Wortlos verließ Pamira das Frühstück, ging in ihr Schlafgemach, öffnete das Fenster, nahm das Kreuz von der Wand und schmiß es in hohem Bogen ins nahegelegene Gebüsch. Im nächsten Moment ward sie unsichtbar, schwebte fast schon aus dem kaltherzigen Heim und begab sich auf die Suche ihrer Eltern. Der Wolf ward nie wieder gesichtet.

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben Tarnkäppchen und der Wolf keineswegs in einer scheinbaren Welt, sondern in wahrhaftiger Freiheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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GroKo-Sondierung ein äußerst fauler Kompromiss

Politik des Weiter so vorprogammiert

Im Grunde handeln die drei Parteien eine erneute Große Koalition aus, die eben nicht im Sinne der Wählerschaft sein kann. Ansonsten hätten sich die Wahlberechtigten selbst belogen, insofern eine Farce sondergleichen. Erst recht jene Inszenierungen, die den Jamaika-Verhandlungen in nichts nachstehen, weil völlig unwichtig ob vor der Öffentlichkeit auf dem Balkon drapiert oder hinter verschlossenen Türen. Faktisch viel Rauch um nichts.

Jenes Novum in der politischen Geschichte der jungen Republik, daß dermaßen lang eine Regierung nach den Wahlen geschäftsführend nur agieren darf, hat ohnehin die Handlungsfähigkeit der EU erheblich ausgebremst, vor allem zum Leidwesen jenes neuen Heißsporns aus Frankreich, obwohl wir noch früh genug erfahren, wie dessen neoliberaler Kurs sich mit deutscher Politik ergänzt. Somit unglücklich dieses Wahlergebnis als Folge falsch verstandener Weichenstellungen.

Jamaika hätte ohnehin nicht gefruchtet

Bereits weit vor dem Beginn dieser ominösen Jamaika-Verhandlungen war doch bereits klar, daß sie zum Scheitern verurteilt waren. Einserseits eine ewiggestrig engstirnige Union, andererseits zwei kleine Parteien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: ein neoliberales „Ekelpaket“ harmonisiert eben schwerlich mit pseudolinks-grüner Politik, die bereits auf bestem Wege selbst konservativ sich zu verwandeln, wenn man ins Ländle schaut.

Die vorschnelle Behauptung dieser SPD, eine GroKo kategorisch abzulehnen, um es der Union hämisch heimzuzahlen, rächt sich jetzt mit den abgeschlossenen GroKo-Sondierungen im Nachhinein, da kann der uncharismatische Martin Schulz noch so sehr für Koalitionsgespräche mit der Union werben, es bleibt eine Lach- und Nullnummer, die ganz besonders die Sozialdemokraten schwächt. Gut so, könnte man jetzt grinsend bemerken, vielleicht auch, um deren völlig verkehrte Politik anzuprangern. Nur schadet es dem Land inzwischen, egal ob die GroKo zustande kommt oder nicht, der politische Scherbenhaufen zeigt längst seine Wirkung.

Welches Modell kann es noch reißen?

Eine Minderheitsregierung mit jener Merkel an der Spitze, die ohnehin kaum noch jemand in Berlin ertragen kann oder will? Das wird nicht fruchten, genauso wenig wie jene KoKo (Kooperationskoalition), Schröders Hektik was da sowieso völlig unangebracht. Am Ende doch noch Neuwahlen? Wobei eine AfD obendrein noch profitiert?

Wie man es dreht und wendet, es bleibt tragisch, jene Regierungsbildung. Erst recht ein sicheres Indiz, wieviel Glaubwürdigkeit die Parteien längst eingebüßt haben. Eine schallende Ohrfeige an die Demokratie selbst, die zwar per Wahlgesetze fruchtet, aber mit dürftigen Ergebnissen aufwartet. Alles Indizien dafür, daß Politik eben keine moderaten Antworten auf die Herausforderungen bestehender Probleme hat, sich viel zu sehr auf die Einflüsterungen einer nimmersatten Konzernlobbyismusklientel einläßt, anstatt endlich die breite Masse der Bürger ernsthaft zu berücksichtigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Tief im Herzgraben

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Glasige Augen
schweifen mein Gesicht.
Sie steht hinter dem Fenster,
denkt, ich seh sie nicht.
Diese wässrigen Seelentüren
muß man nicht sehen,
sie sind zu spüren, zu fühlen,
selbst wenn Wände dazwischen stehen.

Schlieren bedecken
die nasse Scheibe.
Wasser läuft herab,
egal wie oft ich reibe.
Die Trauer
versenkt ihren Blick
tief in den Herzgraben,
mutig sehe ich zurück.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wirtschaftswachstum: Wenn Experten Ausbeutung übersehen

Ewigliche Leier angeblich versäumter Reformen

Das neoliberale Gedankengut kennt keinerlei Grenzen, wenn es darum geht, dessen perfide Spielwiesen bis zum Exzess auszuweiten. Vielleicht erleben wir bald schon das Artz-IV à la Fronkreisch? Nicht wundern, das „H“ können die Franzosen nunmal nicht aussprechen, doch dem jungen dynamischen Emanuell Macron traut man halt allerlei zu, schon gar bald die deutsche Wachstumslokomotive abzulösen.

Hört hört, welch tolle Aussichten, die natürlich aus dem Munde des Chefvolkswirts der Berenberg Bank entfleucht. Der muß es ja wissen, mit welchen simplen Tricks Ausbeutung möglichst schnell verangeht. Was hierzulande für jede Menge prekäre Arbeitsverhältnisse sorgte, um diese Politik als Erfolgsmodell gegen stagnierende Arbeitslosigkeit nach außen hin zu verkaufen, kann man doch mittels cleveren Reformen auch in Frankreich durchsetzen, oder?

Jeder sozialen Verringerung gingen Reformen voraus

Ob zu Kohls Zeiten, als die Deutschen gefälligst ihren Gürtel enger schneller sollten, eine Welle von Gesundheitsreformen unser Gesundheitssystem bis zur Unkenntlichkeit verzerrte und schmälerte zu Lasten der meisten Arbeitnehmer, je geringer die Verdienste desto mehr waren davon betroffen, bishin zu den schröderschen Hartz-IV-Gesetzen, Reformen bedeuteten stets, ein Stückweit soziale Sicherheit zu verlieren. Damit hat jene neoliberale Politik gar keine Probleme.

Eine Politik ohne soziales Gewissen? Experten werden immer findiger in ihren Rechtfertigungen, um angebliche Engpässe den Bürgern als Notwendigkeit schmackhaft zu machen. Ganz besonders dreist sieht man dies bei der Bertelsmann Stiftung, der ISNM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft). Sie arbeiten Hand in Hand mit der Bundespolitik.

Armut wird schlicht ignoriert

Denn es darf nicht sein, was nur für außereuropäische andere Länder gilt, eine gänzlich nicht zu übersehende Armut. Das alles ist tatsächlich relativ. Solange hierzulande noch keine sichtbare Hungersnot herrscht, kann man natürlich per Tafeln und nicht überall feststellbarer Obdachlosigkeit sich den eigenen Wohlstand zurechtbiegen. Tatsächlich? Immerhin ist gerade Deutschland mit Abstand die reichste Nation in Europa, jedoch die Zahl der Armutsrentner stieg in den letzten Jahren erheblich.

Das interessiert aber solche Herrschaften wie Banker und andere Wirtschaftsexperten reichlich wenig bis gar nicht. Solange die Politik sie noch hofieren, kann man nonchalant weiter ausbeuten, da geht doch noch was, und wenn es bedeutet, Frankreich und Deutschland gegeneinander auszuspielen im Wettbewerb um noch mehr ewigliches Wachstum. Nun denn. Vive le travail!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Wetter: Im Zweifel ewiglicher Sündenbock

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Von der Landwirtschaft bishin zur Partylaune

Kaum ein Thema beschäftigt die Menschen mehr als das Wetter. Warum sich dies so verhält, sollte eigentlich naheliegend sein, sind wir doch alle mehr oder weniger vom Wettergeschehen auf irgendeine Weise abhängig. Und natürlich war dies früher viel eher der Fall, weil sich das Leben meistens draußen abgespielt hat.

Dabei hatte insbesondere die Landwirtschaft den größten Anteil. Heutzutage dient ihr wiederum neben einem hochtechnisierten Fuhrpark die Chemiekeule, die gesundheitsschädigend für uns Menschen ist, aber hilfreich in der Schädlingsbekämpfung dem Landwirt langes Aufhalten im Freien verhindert. Niemand jätet gern Unkräuter auf dem Felde bei Platzregen und Gewitter.

Wetterbeobachtung – Idee des Hundertjährigen Kalenders

Als der Abt Mauritius Knauer in seinem Kloster in Oberfranken in einem Zeitraum von 1652 bis 1658 akribisch die Wetterentwicklung beobachtete und festhielt, entstand dabei die Idee des Hundertjährigen Kalenders. Zur damaligen Zeit waren die allermeisten Menschen davon überzeugt, daß die Planeten, die Sonne und der Mond das Klimageschehen und somit den Erfolg und Mißerfolg von Ernten deutlich beeinflußten.

Auch wurde daran festgehalten, daß sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholen würde. Mit dieser Sieben-Jahreszahl ging das Wissen um die gerade mal entdeckten Planeten einher, neben der Sonne und dem Mond, als dies da waren: der Merkur, die Venus, der Mars, der Jupiter und der Saturn. Es folgte Knauers Veröffentlichung mit dem Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum, der die klösterliche Landwirtschaft optimieren sollte.

Aber noch war der eigentliche Hundertjährige Kalender nicht wirklich der Welt präsentiert. Wie dies meist bei Erfindungen und Ideen sich verhält, steckt ein findiger Geschäftsmann dahinter, um die eigentlich unberechtigten Lorbeeren zu kassieren. So verhielt es sich auch hierbei. Dr. Christoph von Hellwig aus Thüringen hatte die zündende Geschäftsidee gewittert und den Hundertjährigen Kalender in Erfurt drucken lassen; dieser begann mit dem Jahre 1701 und endete 1800.

Hat der Hundertjährige Kalender bis heute noch seine Berechtigung?

Diese Frage muß man natürlich verneinen. Wie sollte er auch angesichts der Tatsache, daß das Wettergeschehen ohnehin zunehmend von menschlicher Einflußnahme sich gestaltet, die eben nicht unbedingt berechnet werden kann.

Dennoch kann sich die Meteorologie heute auf nahezu 15.000 Wetterstationen berufen, die alle Wetterdaten akribisch erfassen, um sie an zentrale Einrichtungen weiterzugeben. Ein paar der wichtigsten Stationen befinden sich in 36.000 Kilometer Höhe über unserem Planeten, wie z.B. der europäische Meteosat. Sogenannte Supercomputer dienen dabei der Berechnung, sodaß die Vorhersagen recht zuverlässig sind. Die kurzfristigen Wettervorhersagen haben immerhin eine Trefferquote von 85 Prozent, wobei bei den Temperaturen sogar etwa 90 Prozent der Vorhersage sich bestätigen.

Aus der Maury Initiative (1853) entstand die Internationale Meteorologische Organisation (IMO), die im September 1873 in Wien gegründet wurde. Am 23. März 1950 wurde dann die World Meteorological Organization (WMO) ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde sie die Fachorganisation der Vereinten Nationen für Meteorologie (Wetter und Klima), operationelle Hydrologie und damit einhergehende geophysikalische Wissenschaften. Im Jahre 1979 fand in Genf die erste Klimakonferenz der WMO statt.

Weiterhin beschäftigt die Menschen das Wettergeschehen, obwohl so mancher gerne sein eigenes gern hätte, was natürlich nicht erfüllt werden kann. Ohnehin befinden wir uns meist im trauten Heim oder am Arbeitsplatz, wohlbehütet vor Wetterkapriolen. Die Zeiten, wo sich das Leben noch vielfach im Freien abgespielt hat, sind längst gewichen, ganz besonders im Computerzeitalter. Machen Sie sich mal die Mühe und betrachten das Geschehen auf dem Lande, dort gestaltet es sich am Sichtbarsten. Waren früher die Dörfer noch mit Leben gefüllt, zeigen sie sich heutzutage wie leergefegt. Hinter Mauern und grauen Roll-Laden wird sich aufgehalten, während der Zweizentimeter-Rasen fast leblos den Vorgarten ziert.

Vergessen wir nicht, daß das Wettergeschehen ein wichtiger Bestandteil im Kreislauf der Natur darstellt. Wenn für uns lästiger Regen sich ergiebig übers Land verteilt, bedeutet sein Nutzen für die Natur Lebensenergie. Erfreuen wir uns der schönen Frühlingstage, die sich bald wieder zeigen und geben dem Wettergeschehen keinerlei Schuld, so auch nicht den Meteorologen, sie sind auch nur Menschen trotz hoher Technisierung, errare humanum est – irren ist menschlich.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Klima/Wetter

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