Rassismus an der Uni Leipzig ohne ernsthafte Folgen

Thomas Rauscher: „Ein weißes Europa ist ein wunderbares Ziel“

Der Vorwurf gegen ihn, rassistisch zu sein, nannte er „absolut lächerlich“. Dabei twitterte er weiterhin fleißig weiter, Parallelen zu diesem Herrn Trump in den USA dürfen durchaus als nicht zufällig gewertet werden, Rechtsradikale scheinen eine besondere Freude zu empfinden, ihre Ansichten im Internet zum Besten zu geben, wer dabei viel streut, verspricht sich, genügend Anhänger und Unsichere zu erreichen, die ihren Parolen zustimmen mögen.

Kein Schelm, wer dabei böses denkt. Wir befinden uns inzwischen mitten im Cyberkrieg, der auch durch derartige Auswüchse sich hervortun will. Kein Wunder, daß Studenten eine Veranstaltung des umstrittenen Professors Thomas Rauscher bei der Uni Leipzig störten. Das zeugt von beherzter Zivilcourage, die man nur befürworten kann.

Wehret den Anfängen – Bildungsträger haben sich gefälligst neutral zu verhalten

Schlimm genug, was noch die ersten Jahrzehnte in bundesdeutschen Schulen sich manche Lehrer oder gar Schuldirektoren leisten durften, indem sie die Nazi-Herrschaft verharmlosten oder Schüler entsprechend zurechtwiesen, die linken Ideen nicht abgeneigt waren. Das gehört zur Entwicklung Jugendlicher, während Pädagogen sich gefälligst neutral zu verhalten haben!

Kann man von einem Bundesland wie Sachsen etwa mehr Einsicht erwarten, zumal nicht nur der Sachsensumpf allgegenwärtig ungeklärt, viel eher etliche Journalisten angeprangert wurden, obendrein eine NPD noch 2004 mit 9,2% der Wählerstimmen in den Landtag zog, eine AfD gar mit 9,7% vor drei Jahren? Laut einer Umfrage des Leipziger Marktforschungsinstituts IM Field Ende Oktober wäre die AfD zweitstärkste Partei mit 21% bei der nächsten Landtagswahl. Somit nicht weiterhin verwunderlich, daß auch Uni-Professoren ungeschoren davonkommen.

Reicht ein Statement der Uni-Rektorin Beate Schücking aus?

Offensichtlich nicht. Thomas Rauscher verharrt auf seinem Posten, überschüttet die Studenten nach wie vor mit seinen rassistischen Sprüchen, ungehemmt und voller Überzeugung. Das paßt und reiht sich ein zur europäisch-rechtsradikalen Entwicklung, denken wir an Polen, wo bereits der Nationalismus sich austoben darf, obendrein höchst offiziell gelobt wird.

Wer hierbei die „freie Meinungsäußerung als Privatperson“ zitiert, wie Frau Schücking im letzten Jahr noch äußerte, verkennt die Gratwanderung, auf der sich Rauscher bewegt. Es sollten endlich tatsächlich dienstrechtliche Schritte gegen ihn folgen, als es bei Lippenbekenntnissen zu belassen. Großes Lob an die beherzten Aktivisten, die dem Uni-Professor die Stirn boten. Mehr davon, es täte nicht nur der Uni selbst gut, sondern Sachsen und unserem Land.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Hunger aufessen

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Frühling, herbeigesehnt, erwartungsvoll die Tage erwartet, den blauen Himmel, das saftige Grün, den durch Wärme geöffneten Knospen ganze Unmengen von Augenblicken zugeworfen, und doch fühlte sich der Hunger nach dem Erwachen der Natur nicht gestillt an.

„Du mußt zuerst deinen Hunger aufessen, sonst wirst du nie satt.“ Großmutter Isenke, Adele Isenke. Manche nannten sie auch Tante Adele, von einigen Dorfbewohnern Ellie gerufen, man hörte auch den Ausdruck, die Alte. Die alte Großmutter Isenke, sie war weit über neunzig, als ich das erste Mal mitgeschleppt von anderen Kindern und meinem Bruder in ihrer Küche stand. Gruselig war mir zumute, nachdem sie uns durch das Küchenfenster zurief, doch einmal schnell zu ihr hereinzukommen. Nicht sie hatte mir Angst eingeflößt, vielmehr die Stimmung, die sich unter den anderen Kindern verbreitete, mit denen wir auf Abenteuersuche durchs Dorf liefen. Die teils unsicheren, teils belustigten, teils mürrischen Blicke, die sich die Älteren zuwarfen, die Unschlüssigkeit der Aufforderung nachzukommen und das Spüren des sich doch einen Ruck geben, was soll uns schon passieren, sie ist doch alt, wir werden uns schon wehren können.

Wir bekamen keine Aufforderung, uns zu setzen, noch bot sie uns selbstgebackene Kekse, Bonbons an, wie dies andere Frauen des Dorfes taten, um sich bei uns einzuschmeicheln, damit wir ihnen keinen Streich spielen, so der Ulli, damit wir die alten Reste aufessen, bevor sie gänzlich verdorben, verschimmelt sind, immer noch besser wir essen sie als wegwerfen, so die Annegret, damit wir zuhause erzählen, daß sie eine ganz patente Person ist, die keinen Unterschied zwischen niemand macht, obwohl doch jeder weiß, daß sie eine der größten Tratschtanten ist, so die Sonja, damit wir bei der nächsten Ernte mithelfen, ohne zu murren, und nicht auf die Idee kommen, etwas mitzunehmen, zu klauen, damit sie uns dabei nicht ständig unter Obacht halten muß, so der Hannes. Sie hielt ihren Kopf kurz ganz nach oben, das schien ihr Mühe zu machen und fragte, ohne uns nochmal anzusehen, ob wir auf dem Weg zum Stuberbrunnen seien.

Der Stuberbrunnen war einer der vielen Brunnen des Dorfes, aus denen aber nur Wasser für die Gärten geschöpft wurde, er war ein Stück hinter dem letzten Haus, direkt am Waldrand. Dort stand ein Holzkreuz, das größer und mächtiger war als die Kreuze in und um die Kirche herum. Vom Stuberbrunnen aus konnte man durch den Wald nach Bosheim oder den Weg am Waldrand entlang nach Kirchach gehen. Ich war bis zu diesem Zeitpunkt nur einmal dort gewesen mit meiner Mutter, weil an dem Kreuz gebetet und Blumen hingebracht wurden.

Mit Anschubsen, Schulterzucken und Blickkontakten gewappnet, das Richtige im Sinne aller zu sagen, antwortete Hannes, nein. Und als Großmutter Isenke ihm flüchtig mit einem Blick schweifte, setzte er sofort dazu: „Aber wir kennen den Stuberbrunnen, sind öfters dort.“

Sie holte aus dem Küchenschrank zwei Milchkannen, drückte diese Hannes und meinem Bruder in die Hand: „Na, dann wißt ihr sicher, daß dort schon die ersten Kamillen blühen. Aber reißt nicht die ganze Kamille raus, nur die Köpfchen einsammeln, wenn die Blätter weit geöffnet sind!“

Hannes nickte ständig, so als ob er etwas hörte, das ihm schon längst bekannt war. Wir sind dann auch alle gehorsam hinter ihm hergelaufen, er hatte es plötzlich eilig, und am Stuberbrunnen war es wie abgesprochen, daß er allen genaue Anweisungen gab zum Pflücken. In die Kannen durften nur diejenigen Kamillenblüten, die er vorher begutachtet hatte.

Meine dargereichten Blüten nickte er zwar mit einem Lächeln ab, aber ich habe gesehen, wie er die ein oder andere Blüte wieder herausnahm und in den Stuberbach warf. Ich protestierte nicht, befürchtete ich doch ansonsten, nicht mehr dabei sein zu dürfen, wenn mein Bruder mit Hannes und den anderen die Umgebung des Dorfes durchstreiften. Zudem war ich müde und hungrig, dieser lange Ausflug war nicht geplant und hätte Mutter gewußt, daß mein Bruder mit mir bis zum Stuberbrunnen unterwegs ist, hätte sie es niemals erlaubt. Mein Bruder mußte mich nicht daran erinnern, darüber Stillschweigen zu wahren, dies war ein unausgesprochenes Wissen, und schließlich wollte ich nichts sehnlicher, als in Zukunft mit dazugehören zu den Großen.

Auf dem Rückweg konnte ich mir dennoch nicht verkneifen, meinem Bruder mehr als einmal mitzuteilen, daß ich hungrig bin. Und durstig und müde. Je mehr er versuchte, mich abzulenken, mir erklärte, wir seien bald zu Hause, mir sogar versprach, beim Bäcker Bonbons zu kaufen, er hätte noch zwei Pfennige in der Tasche, desto unerträglicher wurden mein Hungergefühl und meine Litaneien, die selbst ein mißbilligender Blick von Hannes und nette Zusprache von Annegret und Silke nicht stoppen konnten, nicht weniger.

Großmutter Isenke nahm die beiden Milchkannen, ohne sich zu vergewissern, ob sie überhaupt gefüllt und ob die Blüten wirklich pfleglich gepflückt worden waren entgegen. „Na, das ist aber eine Freude. Vielleicht könnt ihr nächste Woche nochmal sammeln gehen!“ Es gab kein Dankeschön, noch Bonbons oder Kekse, aber an mich gewandt fragte sie: „Haben dich die Großen geärgert, Kleine? Du bist doch der Alma Jüngste?“

„Ich habe Hunger!“

„Ja, weißt du denn nicht, du mußt zuerst deinen Hunger aufessen, sonst wirst du nie satt!“

Du mußt zuerst deinen Hunger aufessen, sonst wirst du nie satt. War dieser Satz der Grund, warum ich damals keinen Hunger mehr verspürte, als wir beim Abendbrottisch saßen und Mama sich sorgte, weil ich entgegen meinem sonstigen Heißhunger nur ihr und Papa zuliebe ein Häppchen für Papa, ein Häppchen für Oma aß?

Den Hunger aufessen, den Frühling aufessen? Bin mal gespannt, mit wieviel Heißhunger die Analyse dieses Satzes von den Studenten verschlungen wird? Mein Frühling ist jedenfalls voll in Blüte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Querdenkende zum Zweijährigen

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© Doris Mock-Kamm

Mit entsprechenden Ergebnissen ohne Wehmut unterwegs

Jahrestage erinnern uns stets an die Vergänglichkeit, der sich niemand entziehen kann. Ausblenden vermag eine Möglichkeit sein, per anderer Ablenkung zu verweilen, aber die Ereignisse des alltäglichen Lebens beinhalten, sich mit ihnen ständig ausein-anderzusetzen, zu beobachten, was verkehrt läuft bzw. an Denkanstößen vermittelt werden könnte. Sensationsjournalismus entzieht sich derartigen Überlegungen, da zählt die Schnellebigkeit des Scheins. Keine Option für unser Team.

Inzwischen veröffentlichten wir über 1.500 Beiträge, zwei dauerhafte Serien neigen sich ihrem Ende zu, Doris Kolumnen und die „Satirischen Rückblicke“, mit der 300. Kolumne und dem 100. Satirischen Rückblick. Wir ersinnen neues, versteht sich von selbst, wenn wir gänzlich nach dem Ortswechsel hier komplett eingerichtet sind, was in den Wintermonaten geschehen sollte. Dann finden sich wieder geeignete Ideen sowie Freiräume.

Nach wie vor steht die Option, sich bei uns textlich zu beteiligen, Nils hat inzwischen sich zwei Mal mit eingebracht, seine Artikel wurden von den Lesern gut angenommen. Unser Dank an ihn, das sollte doch Ansporn sein.

Bleibt einfach uns gewogen, wir bemühen uns weiterhin mit viel Elan,

im Namen des gesamten Teams

Lotar Martin Kamm

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Nigeria: EIA deckt illegalen Rosewood-Handel auf

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UN-Vize-Generalsekretärin Amina Mohammed unter Verdacht

Tropenhölzer sollten längst geschützt sein vor weiterer Abholzung, allein schon wegen etlicher Abkommen, Vereinbarungen und politischer Einsicht. Was auf Papieren festgehalten, deckt sich kaum mit der Wirklichkeit, die äußerst raffniert ausgetrickst wird, schließlich herrscht großer Bedarf etlicher Abnehmer, weiterhin vorwiegend aus China.

Die gemeinnützige Organisation EIA (Environmental Investigation Agency) hat jüngst einen illegalen Rosewood-Handel zwischen Nigeria und China aufgedeckt, der Verein Rettet den Regenwald startete eine Petition mit der Aufforderung „Verhindert den Raubbau von Palisander“. Es scheint, daß die frühere Umweltministerin Nigerias, Amina J. Mohammed, die derzeitige Vize-Generalsekretärin der UN, unter Verdacht steht, in die Machenschaften der Holzmafia verstrickt zu sein.

Schönes sauberes Image oder eiskalte Abzocke mittels Korruption?

Das kennt man doch aus früheren Fällen, stets folgt einer Welle von Bestechungsgeldern die Spur in den Sumpf anrüchiger Geschäftsleute, getarnt im smarten Anzug, obwohl mittels mafioser Strukturen längst vernetzt bis in kleinste Detail, Hauptsache windige Abnehmer werden in China „bedient“. Was interessierten dabei CITES oder andere Appelle?!

Vor einem Jahr berichteten wir über Madagaskars Regierung, die sich mit der Holz-Mafia einließ, neunzig Prozent der Wälder sind auf Afrikas größter Insel ohnehin dem Erdboden gleichgemacht. Offensichtlich fühlen sich jene Verbrecher wider der Natur ziemlich sicher, Politiker und weltweite Appelle bleiben unberücksichtigt, China selbst steht weiterhin unter Verdacht, zu wenig zu intervenieren, wenn dortige Abnehmer eben nicht gestoppt werden!

Eine dreiviertel Milliarde Kubikmeter Palisander für Chinas Bedarf

Welch fassungslose Verschwendung derartig kostbarer Ressourcen, bedenkt man wie langsam Palisander wächst, Rosewood im Englischen genannt, sein Ursprung des Namens aus Spanien, palo santo für heiliger Pfahl. Wer jenes Holz bearbeitet hat, weiß, wie hart, dicht und schwer es ist, Rio-Palisander, das brasilianische Pendant, welches auch als Rio Jacaranda benannt hauptsächlich bei Rio de Janeiro vorkommt, darf als eines der teueresten, kostbarsten und schönsten Hölzer gelten. Der hohe Anteil an Mineralien verursacht stumpfe Klingen beim Verarbeiten, Rio-Palisander ist als Massivholz nicht mehr erhältlich.

Und China? Was soll die seelenruhige Zurückhaltung, die im Übrigen ebenso beim illegalen Handel mit Elfenbein stattfindet? Der wachsame Naturschützer fragt sich zurecht, warum die Weltgemeinschaft dermaßen untätig solche Verbrechen geschehen läßt. Reichen weiterführende Appelle und Proteste aus, um schlimmeres zu verhindern? Wohl eher nicht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

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Gedankenzauber

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flickr.com/ Ionela_Datculescu/ (CC BY-NC-ND 2.0) https://www.flickr.com/photos/144240467@N06/27407946213/sizes/l

Gedankenkronen haben sich
mit Baumfedern geschmückt.
Absichtlich, absichtlich!
Ins Rampenlicht sind sie damit gerückt.

Federkleider sind bunter, greller.
Blätterkleider eine solche Farbpracht geben nicht her.
Schrecklich, schrecklich!
Die Farben der Vögel beneideten sie sehr.

Schnell Menschenscharen fanden sich ein,
johlten und riefen, wie fein, wie fein.
Erstaunlich, erstaunlich!
Dies sind die Kronen der Gedanken, keine Zauberei´n.

Tage, Wochen, Monate vergingen,
Baumfedern waren verblaßt und zerzaust.
Bedenklich, bedenklich!
Sonne, Wind hatten die Kronen der Gedanken verfilzt, ergraut.

Völlig aus dem Konzept
waren Dichtung, Malerei, Schauspielerei.
Was jetzt, was jetzt!
Aus die Träume, die Gaukelei.

Eine kleine weiche, weiße Flaumfeder
schwebt sanft durch die Sphäre.
Wo fliegt sie hin? Wohin?
Dies ich nicht berichte, es sonst nicht eure Phantasie wäre.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Nordkoreas weltweite Isolation kaum durchzuhalten

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Ein Volk hält sich noch zurück – wann fällt der Vorhang?

Jetzt mögen all jene auf der Matte stehen, die obendrein diese „Demokratische Volksrepublik Korea“ mit Inbrunst verteidigen, mit Antiamerikanismus kontern, Hauptsache ins kommunistisch verbrämte Horn geblasen, Parallelen zur ehemaligen DDR flackern unverkennbar auf, bloß nicht zugeben, daß Alleinherrschaft stattfindet, schließlich bürge die „demokratische“ Benennung im Staatsnamen für entsprechende Aufrichtigkeit.

Welch trügerisch simples Weltbild, wobei jedwede kritische Haltung einfach ignoriert wird. Unfaßbar. Wer dabei noch jenen Herrn Trump berechtigterweise hinterfragt, gerät gleich zwischen zwei Fronten: den ewiglich „treudoofen“ USA-Fans und den Kim-Anhängern.

Statements über Nordkorea einfach als Propaganda diffamieren?

Man kann es sich auch leicht machen, was ohnehin besonders gern seitens rechtsradikaler Strömungen dermaßen praktiziert wird, denken wir an die unglückliche Formulierung von Fakenews, nachdem das Gebrülle über die „Lügenpresse“ nicht mehr ausreichte.

Insofern folgen entsprechende Diffamierungen vorschnell bei Interviews wie diesem hier, wo der Bauingenieur Kim Chul Seung und die ehemalige Sprecherin des Propaganda-Apparates, Kim Jung Hyun, sich den Fragen von Patrick Diekmann stellten. Trotz vorsichtiger Zurückhaltung, zumal die Flüchtlinge selbst nicht überall Einblicke hatten, darf man davon ausgehen, daß Nordkorea-Fans aufmucken.

Eine Diktatur läßt keinerlei Optionen offen, diese zu hinterfragen. Schwierig, wenn ein Kim Jon-un dermaßen verglorifiziert wird. Ein Dreiunddreißigjähriger an der Spitze des weltweit am meisten islolierten Staates, der genauso wie Herr Trump mit Verbalattacken unterwegs, noch im August hielt die Weltöffentlichkeit den Atem ob solcher Szenarien kurzfristig an, die Gefahr eines möglichen Krieges besteht weiterhin, dennoch bemühen sich alle Beteiligten um weitere Zurückhaltung. Die Ruhe vor welchem Sturm?

Chancen auf Änderung in Nordkorea eher gen Null

Angesichts einer extrem eingeschränkten Informationsfreiheit, die gen Null tendiert, selbst in der ehemaligen DDR gab es für die Menschen mehr Möglichkeiten, besteht am ehesten eine Chance bei veralteter Technik: dem Radio. Wer es mit bestimmten Bestandteilen zwecks Zusammenbaus ins Land schmuggelt, um dortige Infos aus dem Äther zu fischen, mag sich bilden, um der harten Doktrin ewiglicher Treue zum Regime zu trotzen.

Nicht ohne sein eigenes Leben zu riskieren, in Umerziehungslagern zu landen, Folter- und Hungertod als letzte Station zu erleiden. Lassen sich die Menschen überhaupt auf Widerstand ein, zumal Angst stets der beste Ratgeber aller Herrschschaftssysteme, explizit in Diktaturen? Das Leid so gewaltig, daß kaum mehr Kräfte vorhanden, von Bespitzelungen ganz zu schweigen? Andererseits gibt es genügend Beispiele in der Menschheitsgeschichte, daß solche Konstellationen trotzdem ein jähes Ende finden mögen.

Die Rolle Chinas bleibt fragwürdig, schließlich schickt das Riesenreich Nordkorea-Flüchtlinge einfach zurück, wissend, wie mit diesen dort verfahren wird. Menschenrechte haben daher wohl kaum Bedeutung, keine gute Option, um Vertrauen zu schaffen. Außerdem bleibt die internationale Lage kompliziert, erst recht wenn der Iran sich mit Nordkorea solidarisiert, Russland ebenso Zurückhaltung ausübt. Das Feindbild den USA gegenüber bleibt am Köcheln, wer hierbei haarscharfe Analysen betreibt, eben zu differenzieren, gelangt schnell in bestimmte „Fettnäpfchen“, die ihm dann vorgehalten werden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Wort – Bruch

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Natürlich kann man Worte teilen.
Man kann sie mitteilen.
Kann sie tren-
nen.
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Neue Buchstaben hinzufügen,
kann auch WortBruch sein.
Sie völlig anders auslegen,
manipulieren,
nennt man dies Wort.
Ihre Herkunft verschleiern,
sie glorifizieren.

Ein gebrochenes Wort kann verletzen.
Zur Heilung muß man manchmal
ganze Bibliotheken benützen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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