Wort – Bruch

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Natürlich kann man Worte teilen.
Man kann sie mitteilen.
Kann sie tren-
nen.
In Absätzen positionieren.
Buchstaben entfernen.
Neue Buchstaben hinzufügen,
kann auch WortBruch sein.
Sie völlig anders auslegen,
manipulieren,
nennt man dies Wort.
Ihre Herkunft verschleiern,
sie glorifizieren.

Ein gebrochenes Wort kann verletzen.
Zur Heilung muß man manchmal
ganze Bibliotheken benützen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Wo bleibt die Zivilcourage Kunstschaffender?

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Hautnahe Gratwanderung zwischen Kunst und Kultur

Zu Beginn war die Natur, das Leben auf Erden ohne uns Menschen. Dieses Leben war insofern geprägt vom Geschehen der Ökosysteme, den Naturgewalten. Mit dem Homo sapiens erfolgte das Pflegen, den Acker bestellen, die Bearbeitung, was wir heute unter dem sinnigen Begriff als Kultur definieren.

Mit ihrer Hilfe entwickelten sich Technik und geistige Formen in Ethik, Moral, im Rechtswesen, in den Religionen, der Wirtschaft sowie der Wissenschaft, ganz besonders in den Künsten selbst.

Kunst ein Recht sich politisch einzumischen

Menschliche Kultur rechtfertigt diesen Kontext sogar, um ein Überleben zu sichern, es sei denn, wir wollten eine Diktatur, in der daher Kunst zensiert wird. Der Begriff „Politik“ entstammt aus dem griechischen Πολιτικά ( politiká, die politischen Dinge ). Alles was den Staat, das Gemeinwesen betrifft, unterliegt der Politik. Die Politikwissenschaftlerin Agnes Neumayr hat einmal zur Thematik „Kunst und Politik“ gesagt: „Am besten scheinen sich dafür die Künste zu eignen, weil in diesem Bereich kognitive und emotionale Fähigkeiten dynamisch zusammenwirken. Wenn man sich von Kunstwerken beeindrucken lässt, sprechen sie immer unseren Verstand und unsere Gefühle an.“

Exakt das vermögen eigentlich alle Kunstrichtungen wie die Literatur, die Musik, die bildende und die darstellende Kunst. Innerhalb der Literatur gibt es wunderbare Beispiele wie den Meister der Satire, Kurt Tucholsky, den sozialkritischen Bertolt Brecht, aber auch die Altmeister William Shakespeare, Friedrich Schiller, alle drei verfaßten Theaterstücke, die jeweils der Gesellschaft den Spiegel vorhielten. Sicherlich sind da noch etliche große Autoren zu benennen, um aufzuzeigen wie sensibel und kritisch die jeweiligen Künstler auf die politischen Verhältnisse reagierten.

Natürlich offenbart sich dies ebenso in der bildenden Kunst. Ganz besonders der Surrealismus, der aus der dadaistischen Bewegung entstand, Max Ernst und André Breton erfanden ihn gewissermaßen, waren geprägt von ihrer anarchischen, revolutionären Kunst- und Weltauffassung. Jean Miró und Salvador Dalí gingen aus dieser Bewegung hervor.

Was vermochte dabei und vermag Musik, um politische Anstöße, Impulse als Zeichen zu setzen? Sie paßt sich in der Gefühlswelt hervorragend an, weil sie nebenbei durch Texte Botschaften direkt vermittelt, wie Liedermacher uns verkünden. Ob ein Reinhard Mey, ein Franz Josef Degenhardt oder auch die Neue Deutsche Welle mit der Band „Ideal“- sie alle hinterfragten in ihren Texten das politische Geschehen.

Ganz besonders direkt und unverblümt erreicht dies das Kabarett. Mithilfe des Fernsehens werden auch wesentlich mehr Menschen erreicht, als dies Bühnenhäuser vermögen. Die Kabarettsendung „Scheibenwischer“, die Dieter Hildebrandt gegründet hatte, wirkte von 1980 bis 2009 in der ARD. Das aktuelle, politische Geschehen Deutschlands wurde dort stets äußerst satirisch und daher folgerichtig durchleuchtet.

Kein Aufschrei bei der Demontage des Sozialstaates

Wieso jene Schilderung in diesem kleinen Exkurs über Kunst und Kultur? Nun, das ist eigentlich sehr naheliegend und darf durchaus als Appell betrachtet werden an all jene, die noch nicht das gesellschaftliche Leben im Sinne eines „gesunden“, sozialen Staates aufgegeben haben.

Wo sind sie denn, die Intellektuellen, die Akademiker, die Kunstkenner- und freunde hierzulande, wenn Menschen- und Bürgerrechte immer auffälliger eingeschränkt und abgebaut werden? Kaum ein Aufschrei, wenn der Sozialstaat demontiert und die Ärmsten der Armen zur Kasse gebeten werden, während die wirklich Reichen ein Steuergeschenk nach dem anderen erhalten?

Es muß wieder menschliche Wärme Einzug erhalten, und zwar nicht nur in Lippenbekenntnissen oder gar halbherzigen „Tafelspenden“, sondern in Taten, die auch mal die derzeitige Politik nicht nur hinterfragt, sondern konsequent abwählt bis hin zu öffentlichen Statements wie sie hin und wieder beherzte Einzelgruppierungen wagen. Mehr Zivilcourage ist gefragt, sich einzumischen, wenn Ungerechtigkeit überdeutlich gen Himmel schreit.

Das sind die großen Chancen, die von Künstlern immer wieder gesendet werden. Es geht darum, daß auch ihre Bewunderer sie in die Tat umsetzen und somit handeln im Sinne gelebter Nächstenliebe. Denn wenn wir dies nicht tun, verroht die Gesellschaft weiterhin.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Kazimierz und Andrzej

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Ich erinnere mich,
Kazimierz,
als wäre es gestern gewesen.
Deine Unsicherheit
in der Freiheit
war selbst
hunderte Kilometer
entfernt deiner Heimat
in unserer Küche zu spüren.

Wir boten dir Offenheit an,
manchmal griffst du danach
wie ein Ertrinkender,
manchmal schrecktest
du zurück,
oft, das weiß ich,
hieltest du uns
für irr.

In den letzten Tagen
denke ich verstärkt an dich,
an Andrzej, deinen Freund.
Ihr brachtet immer
Geschenke aus Polen mit,
Bücher, Platten und einmal
sogar einen kleinen Baum.

Ihr brachtet auch
Hoffnung mit,
den Wunsch nach
Akzeptanz eurer Liebe,
die Utopie, daß Toleranz
euer Polen
den ersehnten Fortschritt
bringe.

Andrzej starb!
Kazimierz starb!
Ihr ward beide
noch jung an Jahren.
Die Todesumstände -,
ach, ich will jetzt
nichts mehr sagen!

Ich erinnere mich, Kazimierz!
Ich erinnere mich, Andrzej!
Ihr ward für uns
die Gesichter
des modernen Polens!
Ich wünsche mir so sehr,
die Unsicherheit
von Freiheit
hat in eurer Heimat
keinen Bestand.

Erinnert ihr euch?
Wir waren Europa,
wir waren gemeinsam
in Sicherheit.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Polnischer Rechtsruck alles andere als harmlos

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Nationalismus sucht fortwährend neue Spielwiesen

Überzeugt weltoffen politische Gestimmte raufen sich die Haare ob solch europäischer Entwicklung. Wenigstens die beiden größten Volkswirtschaften verhinderten noch ein Desaster in jene Richtung, die zutiefst menschenverachtend sich zu etablieren versucht. Macron wies Le Pen in ihre Schranken, hierzulande gibt es keine Partei, die mit der rechtsradikalen AfD regieren will.

Östlich und südöstlich aus der Sicht Deutschlands schaut es düster aus mit Blick gen Ungarn, Österreich und seit längerem auch zu unserem östlichen Nachbarn. Der polnische Rechtsruck tobte sich im Herzen Warschaus zum Unabhängig-keitstag aus, gestern vor 99 Jahren wurde nach 123 Jahren Unterjochung unter Preußen, Österreich-Ungarn und Russland die Zweite polnische Republik verkündet.

Von der Geschichtsverdrängung- und Klitterung zugunsten tröger Haßparolen

Welch simple Mittel werden dabei erneut bedient, was früher schon in Nazi-Herrschaftszeiten gelang, stößt trotz Aufklärung stets auf fruchtbaren Boden. Dabei verwunderlich, wer sich die Orte jener rechtsradikalen Gesellen betrachtet, ob in der Ukraine, in den USA oder wie jetzt in Polen, angebliche Patrioten haben keinerlei Berührungsängste mit Neonazis, schließlich gilt es, trögen Haßparolen zu folgen. Rassismus kennt keine Toleranz, es zählt der einmal eingeschlagene fanatische Weg!

Dabei spielen Social-Media sowieso eine nicht zu unterschätzende Rolle, die ebenso im US-amerikanischen Wahlkampf zum Tragen kam hinsichtlich russischer Einflüsse, die nicht zu übersehen waren, wer sich z.B. auf Facebook tummelte. Da mögen Geheimdienste Recht haben oder nicht, ein Herr Putin von all dem nichts gewußt haben oder etwa doch, ein Donald Trump ohnehin seine wankelmütigen Äußerungen in Mikros oder per Twitter zum Besten geben, im Endeffekt greifen die Gesetze gezielter Manipulationen, erst recht im Internet.

Insofern treibt Geschichtsverdrängung- und Klitterung ihr perfides, bösartiges Spiel, um rechtsextreme Standpunkte mit Nachdruck an Verunsicherte heranzutragen, nonchalant werden Medien diffamiert, um eigene Fakenews zu verbreiten, oftmals per zurechtgebastelten Medienseiten, die alles andere als seriös sind. Hauptsache sich simpel austroben, der unkritische Bürger wird, da ohnehin politikverdrossen, in den Bann einfacher Parolen gezogen.

Solidarność war gestern, heute regiert die PiS mit absoluter Mehrheit

Ein fatales Signal, eine Stärkung rechtsradikaler Kräfte, selbst wenn die Prawo i Sprawiedliwość, zu deutsch „Recht und Gerechtigkeit“, sich selbst als konservative Partei bezeichnet, so vereint sie nach deutschen Maßstäben eine Mischung aus Unionspolitik und rechtsradikalen Standpunkten, ein Tummelbecken für all jene, die an Nationalismus, Rassismus und menschenverachtende Intoleranz allem Fremden gegenüber festhalten.

Kein Wunder, daß eine derartige Stimmung in der Republik Polen aufkommt, einem Lech Wałęsa dürfte eine solche Entwicklung nicht spurlos vorbeiziehen, er lehnt schlichtweg die Politik der PiS ab, wenn auch dessen homophobische „Entgleisungen“ im März 2013 für berechtigtes Unverständnis sorgten.

Darf man davon ausgehen, daß solche Reaktionen ebenso mit jener verkorkst fragwürdigen Einstellung zum Klerus zusammenhängt? Immerhin ist bis heute Polen stockkatholisch, somit gehen die Einflüsse der Katholischen Kirche nicht spurlos vorbei.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Entscheidung zwischen Gefolgsmann oder Diener

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Unterwürfigkeit trifft auf großes Herz – was dann?

Unsere Vorfahren haben zwischen den beiden Begriffen Gefolgsmann und Diener keine klare Definitionslinie gezogen, möglicherweise ein Grund, dies bis heute in vielen Anwendungsbereichen der beiden Wörter weiterhin gelten zu lassen.

Das Amt, mittelhochdeutsch amt, amb(e)t, ambahte, althochdeutsch ambaht(i), Dienst(leistung), aus dem Keltischen (Duden)

Andere Ausdrücke sind Dienst, Stelle, Mandat, Aufgabe, Funktion, Behörde, Dienststelle, Verwaltung.

Aus dem Keltischen Wort ambaktos, Gefolgsmann, entstand im Gotischen, andbahts, Diener. In der romanischen Form wurde es zu ambaisa, Auftrag, in der französischen zu ambassade, Botschaft und im italienischen zu ambasciata, Botschaft, Gesandtschaft.

Der Wortbegriff Amtsdiener bezeichnet einen Angestellten in untergeordneter Stellung und zeigt als Wortzusammenstellung von Gefolgsmann/Diener die Schwierigkeit der Trennung zwischen beiden Begriffen.

In der Schweiz wird der Begriff Amtsweibel, (Amtsdiener) für unterschiedliche Positionen angewandt. Der Amtsweibel ist zuständig für Boten-, Dienstgänge und fungiert als Saaldiener. Zudem gibt es je nach Zuständigkeit die Bundesratsweibel, Parlamentsweibel, Bundesgerichtweibel, Standesweibel, Ratsweibel, Gerichtsweibel, Stadtweibel. (Wikipedia) Die genaue geschichtliche Erklärung warum aus einer untergeordneten Amtsdienstbetitelung die Übernahme für höhere Positionen übernommen wurde, würde hier in diesem Kontext zu weit führen. Wer es also genauer wissen möchte, Literatur darüber gibt es zuhauf.

Wichtiger erscheint, das Wort „Weibel“ zu erklären. Es entstammt aus dem mittelhochdeutschen weibel, althochdeutsch weibil, Gerichtsbote, zu: weibōn, sich hin- und herbewegen. In der deutschen Sprache unschwer zu erkennen in dem Begriff „Feldwebel“. Und zu guter Letzt ein Hinweis aus dem Verb „weibeln“, das im schweizerischen Sprachgebrauch in etwa die Beschreibung von geschäftig umhergehen, werbend Kontakte knüpfen, Lobbying betreiben, bedeutet. (Wikipedia)

Synonyme für Gefolgsmann sind Freund, Jünger, Begleiter, Getreuer, Fan, Komplize, Mitstreiter, Lakai, Schüler, Sympathisant, Verehrer. Für Diener ersetzen wir auch die Begriffe Butler, Page, Lakai, Hausangestellter, Helfer, Laufbursche, Knecht, Sklave, Gehilfe, Handlanger, Zuarbeiter.

Vergleicht man die Synonyme für Gefolgsmann und Diener, stellt man fest, daß aus einem Schüler ein Knecht werden kann, aus einem Freund ein Zuarbeiter, aus einem Mitstreiter ein Laufbursche oder was auch immer Sie selbst als mögliche Kombination herauslesen mögen. Erkennbar ist jedenfalls ein Gefälle, grob gesagt von oben nach unten, das bedeutet, diese beide Begriffe stehen nicht auf „Augenhöhe“.

Ist dies ein Grund, warum Menschen in Amtspositionen oftmals zwischen den Aufgaben innerhalb einer Behörde und ihren persönlichen Befindlichkeiten sich hin- und herbewegen? Vielleicht schwanken sie genauso zwischen Gefolgsmann/Mitstreiter und zwischen Diener/Handlanger? Und führt diese Diskrepanz dazu, geschäftig umherzugehen, um den Anschein von „ich erfülle meine Arbeitsaufgaben“, oder um werbend Kontakte zu knüpfen, damit ein Wechsel zu einer anderen Position möglicherweise auch ein zufriedeneres Arbeitsklima verschafft, oder Lobbying betreiben, damit „Unterwürfigkeit“ sich finanziell ausgleicht?

Lohnt sich überhaupt ein Überdenken dieser Begriffe?

Und könnten sich andere Wortkräfte manifestieren, wenn das Wort Sozius, (sequi, folgen) Gefährte, Teilnehmer, Teilhaber, Partner, Gesellschafter anstelle von Gefolgsmann/Diener angewandt werden würde? Wäre es dann nicht leichter, gesellschaftlich, hilfsbereit, gemeinnützig, uneigennützig, karitativ (sozial) für die Gemeinschaft tätig zu sein?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Die fünf Wirtschaftsweisen hinken der Wachstumsspirale hinterher

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Politik soll der Ausdehnung der Wochenarbeitszeit zustimmen

Genau in diese Bresche der Jamaika-Verhandlungen springen jene fünf Wirtschaftsweisen, zumal ausgerechnet die neoliberale FDP mit im Boot, die keinerlei Bedenken hat, Arbeitnehmer profitorientierend zu schröpfen. Kein Wunder, daß sie sich herantrauen, an die Politik zu appellieren, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen.

Gleichwohl verständlich, daß die Gewerkschaften sofort auf der Matte stehen, um dies berechtigterweise anzuprangern. Wenngleich etliche enttäuschte Arbeitnehmer eher skeptisch die Gewerkschaften beäugen, schließlich hatten jene sich simpelst hinter dem Rücken der SPD-Politik weggeduckt, als das rot-grüne Regierungsbündnis die Agenda 2010 ins Leben rief.

Weg von der 35-Stunden-Woche hin zur Arbeitsverpflichtung nach Gutdünken?

Um es sehr deutlich auf den Punkt zu bringen: Wachstum als das Allheilmittel ohne jedwede Bedenken, wann das Ende der Fahnenstange erreicht? Nach uns die Sintflut, Hauptsache der gebeutelte Arbeitnehmer folgt dem Weg nimmersatter Eliten? Wann beginnt endlich das große Aufwachen, was nicht nur hier im Lande völlig verkehrt läuft, sondern weltweit?

Work-Life-Balance, eine englische Wortkreation, die es auf den Punkt bringt, der Ausgleich zwischen Privat- und Arbeitsleben, in der Praxis versucht, genau das auch umzusetzen. Flexiblere Arbeitszeitmodelle mögen durchaus sinnvoll sich einfügen in der Bemühung, jene Balance zu verwirklichen. Aber niemals einseitig und mit Zwang, obendrein damit verbunden, letztendlich wesentlich mehr zu arbeiten, weg von einer mal angestrebten 35-Stunden-Woche hin zu 48 Stunden und gar mehr.

Der Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermittelte, daß 17 Prozent der Beschäftigten sogar mehr als 48 Stunden in der Woche arbeiten. Keine gute Aussichten für all jene, die genau das anprangern. Während das Klischee vom Workaholic beim Chef, Rechtsanwalt oder Arzt bedient wird, äfft mancher „gewöhnliche“ Arbeitnehmer dieses nach? Mensch als Arbeitssklave ohne Privatleben?

Die Wirtschaftsweisen folgen den Spuren eigener Verfehlungen der Arbeitswelt

Zumal mit einem Blick auf die Liste, wer denn im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sitzt, wird schnell deutlich, warum man keine anderen Optionen erwarten sollte. Die fünf Wirtschaftsweisen sind somit unbedingt beeinflußt von der Idee ewigen Wachstums, statt gänzlich umzudenken.

Wann setzt endlich das Zeitalter von mehr Freizeit ein, hin zu Arbeitszeiten von täglich maximal 6 Arbeitsstunden, einem Grundeinkommen, ob bedingungslos oder nicht, einer völligen Neuorientierung, weil nicht nur der fortschreitende Globalismus wirkt, sondern Mensch endlich bemerken sollte, was wirkliche Lebensqualität bedeutet: sich wesentlich befreiter zu entfalten, ohne Zwänge, die Kreativität wirklich fördernd?

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)

Schwierig in einer Wissens- und Leistungsgesellschaft, die obendrein ein komplett verkehrtes Bildungssystem installiert, welches kaum noch den nötigen Raum für Phantasie zuläßt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Geteilte Stille

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Und als du gingst,
gingst du mit dir allein.
Und seit du gingst,
ist das Wir geteilt.

Weißt du noch,
wir achteten
beim Teilen
stets auf
die gleiche Menge,
damit keiner
zu kurz käme.

Wir liebten
nicht nur einander,
wir liebten
das gemeinsame
Miteinander.

Ich weiß,
du meintest es
immer gut mit mir.

Hast hie und da
verzichtet,
mich liebevoll
mit deiner
Wir-Hälfte
überschüttet.

Nun steh ich hier,
mein Herz ist kalt,
weil kein Laut
von dir mehr
mich erreicht.

Nimm fort von mir,
die Hälfte der Kälte,
ich will dafür dich
überschütten mit
der Wärme
meines Herzens,
deinen Heimgang
kann ich dann
besser verschmerzen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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