Edekas „Leere-Regale-Aktion“ eine kreative Antwort gegen Rassismus

Nicht meckern oder kleckern – solidarisiert Euch

Die Welt wächst zusammen, ob mit oder ohne Globalismus, selbst das Ausbleiben der fragwürdigen Freihandelsabkommen kann den Austausch zwischen den Völkern nicht verhindern, erst recht nicht während friedlichen Zeiten, genauso wenig falls ein stagnierender Raubtierkapitalismus Federn läßt. Es menschelt, und das ist letzlich mit entsprechender Toleranz gut so.

Die einen bezeichnen es zurecht als multikulturell, die anderen möchten am liebsten den Nationalismus über alle Staaten stülpen, ein gegenseitiges Bekriegen mit scharf bewachten Grenzen wieder einführen. Ein geschichtlicher Rückschritt ohne Sinn und Verstand, denn technische Errungenschaften, kulturelle Ideen suchen sich immer Wege der Expandierung. Edekas „Leere-Regale-Aktion“ insofern eine kreative Antwort gegen Rassismus aufzeigt.

Werbeagentur Jung von Matt besticht durch Auszeichnungen

Dies nur mal vorneweg, immerhin scheinen die Gründer, Holger Jung und Jean-Remy von Matt, ziemlich kreative Köpfe zu beschäftigen, schließlich setzte deren Auftraggeber, die Edeka-Gruppe mit der „Leere-Regale-Aktion“ vergangenen Samstag bei Edeka Böcker in der Hamburger Hafencity ein Zeichen.

Warnende Schilder schmückten die leeren Regale, worauf „Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig“, „So leer wären unsere Regale ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“ zu lesen war, dennoch wollte sich Edeka nach den Reaktionen der Kunden nicht weiter zu der Aktion äußern. Bedenken, weil gar ein gewisser Teil der Kundschaft ausbleibt? Vielleicht doch zu politisch? Während Jung von Matt erneut mit diesem Einfall punktet, sollte Edeka, welches diesjährig auf ihre 110-jährige Firmengeschichte zurückblickt, nicht zu zögerlich sich geben, eine Wiederholung der 1930/1940iger Jahre einer einstigen Nazi-Herrschaft darf und wird hierzulande und weltweit nicht zugelassen!

Rechte Wutbürger hinterlassen in Social Media einen Shitstorm

Wobei jene Rassisten dementsprechend schnell auf dem Plan sich gerufen fühlten. Wer diese Aktion als „völlig irre“ bezeichnet, hat die Botschaft weder verstanden, noch will er sie obendrein eben wahrhaben. Aber das paßt wohl zur Neuen Rechten, die sich auf Erfolgskurs wähnt oder doch kurz vorm Kollaps steht.

Um so wichtiger, junge Menschen davor zu bewahren, jenen „Rattenfängern“ nicht auf den Leim zu gehen, Präventionsarbeit das Gebot der Stunde, die Philip Schlaffer unermüdlich verkündet. Eine erfreuliche Entwicklung in Zeiten einer trögen, rassistischen Welle, die etliche Mittel ersinnt, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Model Nina Moric, selbsterklärte Anhängerin der italienischen politischen Bewegung „CasaPound Italia“ (CPI), welche ganz der faschistischen Tradition von Benito Mussolini verfallen, trat prompt in ein Mega-Fettnäpfchen, in dem sie ein Photo mit Samuel L. Jackson und Magic Johnson auf einer Bank sitzend, die gerade in Italien Urlaub machten, mit der Bemerkung ins Facebook postete, Immigranten würden herumlungern. Welch billige Mittel, die einmal mehr aufzeigen, daß die Neue Rechte nicht wahrhaben will, wie unerwünscht sie beim Großteil der Bevölkerung ankommt. Das läßt hoffen.

Während der Bescheidene und Weise in sich ruht, der Hetzende am Ende wird ausgebuht. Drum gebt fein acht, was manch Doktrin in Wirklichkeit entfacht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

Update zum Ereignis:

Da uns bereits hämische Kommentare erreichten, wir wären einer Ente aufgesessen. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels lagen uns keine andere Informationen vor. Jetzt soll es sich um einen Werbefilm gehandelt haben. Dennoch bleibt die Botschaft eindeutig, richtet sich gegen Rassismus.

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Im Kreislauf der Leere

https://pixabay.com/de/bank-rostig-alte-holz-leer-2438917/

pixabay.com

Habe die Ehre,
liebe Leute,
gestern als auch morgen
ist heute
gähnende Leere.

An was sich Mann
bloß verzehre
und Frau erst kann?
Fragt nicht so naiv,
genug Opfer sich ergeben,
narzißtisch vorm Stativ –
so geschehen im Leben.

Drum schaut gelassen
ohne jedwede Bedenken,
erhebet die Kaffeetassen.
Köpfe sich umdrehen,
wenn gaffend die Menge tobt.
Was wird dabei geschehen,
wenn man sie obendrein lobt?

Habe die Ehre,
tobende Meute,
es gibt keine Zeiten,
außer daß heute
vergangenes wiederkehre.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schlicht ist einfach schlecht

Durch gleißende Sonne nicht blenden lassen

Bei Streitigkeiten die hitzige Debatte zu schlichten, indem man mit den Kontrahenten nach Kompromissen sucht, hat sicher jeder einmal in seinem Leben versucht. Ob dies immer glückt, ist nicht vorhersehbar. Sind Sie inzwischen des Konsums überdrüssig und bevorzugen ein schlichteres Leben, Ambiente, um zufriedener zu sein, glücklicher? Nun, bei beiden Wörtern, die etwas über schlichten oder schlicht aussagen, ist die zu erwartende Hoffnung auf Glück eher schlecht oder wenn doch, dann kommt das Glück möglicherweise schleichend.

Wie tief im Unterbewußtsein Zusammenhänge abgespeichert sind, kann anhand des Beispiels an der Wortherkunft von schlichten und schlicht gut ersehen werden. In diesen Kontext sei auch an „banal“ und „zollen“ erinnert.

Schlichten, althochdeutsch slihten, zu schlecht in der alten Bedeutung, eben, glatt, eigentlich, ebnen, glätten. Synonyme sind, vermitteln, verhandeln, einrenken, ausgleichen, dazwischentreten, glätten, intervenieren, bereinigen.

Schlicht, mittelniederdeutsch slicht, Nebenform von schlecht. Andere Wörter sind, ärmlich, bescheiden, asketisch, dürftig, einfach, elend, karg, gering, spärlich, blank, ungebildet, engstirnig, unbedarft, primitiv.

Schlecht, althochdeutsch sleht, ursprünglich, glatt; eben, zu schleichen in der Bedeutung leise gleitend gehen. Bedeutungswandel über die spätmittelhochdeutsche Bedeutung einfach, schlicht. (Duden) Andere Begriffe sind, fehlerhaft, desaströs, notdürftig, minderwertig, mangelhaft, stümperhaft, armselig, bösartig, schäbig, prekär.

Schleichen, mittelhochdeutsch slīchen, althochdeutsch slīhhan, eigentlich, gleiten. Ersetzbar durch, stiften gehen, verschwinden, huschen, weggehen, abhauen.

Nun kann man sich streiten, ob schleichen oder schlecht zuerst in den Wortbegriffen unserer Vorfahren Einzug fanden, nicht jedoch übersehen werden kann, daß schlichten und schlicht sich aus diesen Wörtern gebildet haben. Schlicht ist also schlecht, möglicherweise weil es abhaut. Das Wild zum Beispiel, das gejagt werden will. Die Schleicher, heuchlerische, diebische Menschen, weil sie nicht aufrichtig sind.

Wer schlichte Ansprüche stellt, kann nichts Gutes im Sinn haben? Schlichtes Leben ein Zeugnis von Ärmlichkeit, Engstirnigkeit? Eventuell ist schlichtes Handeln nur der Beweis für primitive, ungebildete, geringe Kompetenz, sich die Umwelt schön zu gestalten? Wer etwas ebnen, glätten will, hat der vielleicht etwas zu verbergen? Durch Vermitteln kann etwas bereinigt werden, was ansonsten zu sehen wäre, einen Pfusch zu übertünchen, die Wahrheit zu verdrehen?

Fragen über Fragen. Die Antwort, meinetwegen die Antworten, ist/sind in der Tatsache begründet, daß schlechtes nicht bekömmlich ist zur Nahrung, als Platz zum Verweilen, schleichen, sich wegschleichen aus einer Verantwortung nicht zu einem harmonischen Zusammenleben beiträgt.

Demzufolge wäre es aus Sicht der Sprachentwicklung eher als Warnung zu verstehen, sich vor Schlechtem zu schützen, ein Hinweis schlichtes nochmal einer Prüfung zu unterziehen, Schlichtungen zu hinterfragen, damit ein Kompromiß sich nicht als einseitiges Zugeständnis entpuppt.

In den Köpfen ist das „schlechte“ als bestimmende Tatsache hinterlegt, sonst könnte nicht so oft das „Schlichte“ als ein Wegschleichen aus der Gesellschaft gesehen werden, oder Schlichtungen von vornherein oft als faule Lösungen gelten.

Schlecht als Ableitung von schleichen birgt dennoch eine kleine Glückseinheit, denn das Wort schleichen ist von gleiten abgeleitet.

Gleiten, althochdeutsch glītan, wahrscheinlich eigentlich, blank, glatt sein und dann vielleicht verwandt mit gleißen, glimmen (Duden). Gleiten bedeutet fliegen, schweben, segeln. Gleißen, glimmen ist der Ausdruck für blinken, flimmern, funkeln, leuchten und sprachverwandt mit gelb.

Der Ursprung ist schlicht versteckt unter dem gleißenden Licht der Sonne. Vielleicht ist es nur dem Neid zuzuschreiben, um zu verhindern, daß man durchs Leben schweben kann ohne Hindernisse, weil man die Fähigkeit besitzt, ausgleichend, harmonisch sich zurechtzufinden. Man muß ja nicht gleich wie Dädalus auf die Idee kommen, mit Wachs zusammengehaltenen Federn seinen Traum vom Fliegen in die Tat umzusetzen. Wäre das nicht schlicht gesagt schlecht?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Hurra, wir gehen zur Wahl, egal wie schal die Qual, das tiefe Tal

Wenn Bundesmutti erneut regieren darf, finden’s viele rattenscharf

Sie meinen, sich uff ner Büttenrede zu befinden? Dat muß man entschieden verneinen, solch Gedanken sollten tunlichst verschwinden. Die Sache ist viel zu ernst an und für sich, wenn der Deutsche mal wieder zur Urne kriecht. Doch Halt, was geschieht denn dort an jenem zentral in Europa gelegenen Ort? Die Germanen brüllen: Hurra, wir gehen zur Wahl, egal wie schal die Qual, das tiefe Tal?

Sind die von allen guten Geistern verlassen, einerseits Ausländer hassen, andererseits schadlos prassen? Was bilden die sich wohl ein, vielleicht gar nur so zum Schein? Wenn Bundesmutti erneut regieren darf, finden’s viele rattenscharf. Welch merkwürdig ahnungsloses Verhalten, wußten doch schon die Alten, wohin solch Demut führt. Am Ende man soziale Sicherheit verliert. Jedoch mit den Sozen kann’s bekanntlich nicht besser sein, wer ihnen glaubt, den lassen sie sowieso allein, selbst die Würde nonchalant beraubt. Mit jenem sozialrassistischen Gesetz begann die fiese Hetz.

Angetreten zur Wahl eine angebliche Alternative Partei. Oh weih, welch ungeschickt getarntes rechtsradikales Geschrei! Sie lullen den müden Wähler ein, er möge sich nicht fühlen allein, per montäglichen Spaziergängen folgt die simple Botschaft, die jede kritisch denkende Gehirnzelle dahinrafft, doch einmal das Gerede von jenen Wölfen in Schafspelzen zu überdenken. Die haben ihm nüscht zu verschenken. Janz im Gegenteil. Sie bieten Rassismus und Nationalismus unerschrocken feil. Was eener NPD jahrzehntelang nicht gelingen wollte, jene Neue Rechte durch Flüchtlingsnot frischen Mut sich holte.

Wie rudimentär, sie bezeichnen sich als identitär. Der teutsch-germanischen Rasse hat man sich eingeschworen, weil doch hier arisch geboren. Kennen wir nicht jenes Gedankengut, da war doch mal was vor über siebzig Jahren, was kriegerisch das Land, Europa in den Abgrund riß? Und jetzt erneut jenes Gebaren, derselbe simple, gefährliche Beschiß? Laßt sie im Bundestag Platz nehmen, sie vortragen ihre fanatischen Themen. Solange sie eine Legislaturperiode ohne Regierungsgewalt in sogenannter Opposition verharren, gleicht dies doch nur gaggerndem Hühnerscharren.

Manch Christdemokrat ist sich wohl nicht zu schad, in jene blaue Partei einzutreten. Ohje, wie fad, egal wer och immer sie gebeten, der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm, welch tristes Gespann. Einen Blick zu den Linken riskieren? Na klar doch, bloß nicht genieren. Die haben ohnehin nichts zu verlieren, dürfen ebenso nicht mitregieren. Woran das denn nu liegt? Welch Gegenargument das Nein aufwiegt? Mit Blick zur SPD und jenem Martin Schulz fällt’s jedem halbwegs Intelligenten wie Schuppen von den Augen. Für ihn kann Frieden und Sozialstaat nichts taugen, schließlich muß man sich doch wie der olle Schröder nen Platz in nem Konzern fürs politische Aus bewahren, darüber ist man sich unebdingt im Klaren.

Und so kommt, was kommen muß: Es bleibt nach der Wahl derselbe Stuß. Angie sangen zwar die Stones, doch hier geht’s um andere bones, jener Bundesmuttiknochen möchte sein Süppchen weiterkochen. Wat der Birne gelang, paßt ihr erst recht in den Kram.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Macht meine Sehnsucht glücklich

https://pixabay.com/de/traum-gem%C3%A4uer-m%C3%A4rchenhaft-m%C3%A4rchen-2227457/

pixabay.com

Nach was man sich
alles sehnen kann?
Nach Liebe, nach Schlaf,
nach Urlaub, nach Freunden,
nach Regen, nach einem Kuß,
nach Frieden, nach Nähe.

Nach Macht!
Sehne mich
nach der Macht
von Wenigen!
Das ist doch mal eine
Sehnsucht,
die nicht jeder hat,
die was hermacht.

Macht!
Macht macht frei
von Gefühlen,
Gedanken anderer.
Schließlich hat man
mit sich selbst
genug zu tun!
Machen, schaffen
ist ehrenwert,
daran ist nichts
verkehrt!

Diese Macht
kann man ansehen,
bringt Ansehen!
Macht nicht nur
mich stolz,
sondern auch
die anderen,
weil Macht
bewundernswert.

Macht
hoch die Tür,
die Tor macht weit,
ach ne,
ich bin nicht
Herr Sturgis,
mich macht
keiner weich.
Was ich gemacht,
geschafft,
meine Sehnsucht
glücklich macht!

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Erdogan läßt Dogan Akhanli im spanischen Granada verhaften

https://pixabay.com/de/recep-tayyip-erdogan-treffen-2402266/

pixabay.com

Der türkische Despot mischt Europa auf?

Dabei soll die Politik seelenruhig zuschauen, was sie ohnehin schon viel zu lang zuließ? Mit Blick zur Bundeskanzlerin muß man dies konstatieren, die bisherige diplomatische Zurückhaltung erweist sich längst als Aufforderung für Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, sein despotisches Vorgehen fortzusetzen.

Insofern eigentlich nicht verwunderlich, daß Erdoğan nunmehr Doğan Akhanlı im südspanischen Granada verhaften läßt, eine Auslieferung Akhanlis will allerdings der sich inzwischen eingeschaltete deutsche Außenminister Sigmar Gabriel verhindern. Daraufhin attackiert Erdoğan Gabriel mit dem Vorwurf, dieser solle die Grenzen beachten. Seit wann wird mit zweierlei Maß gemessen? Ein Despot befiehlt die Auslieferung des deutschen Schriftstellers auf spanischem Boden, der deutsche Außenminister hat sich gefälligst zurückzuhalten?

Der mit den Grauen Wölfen tanzt – wohin driftet die Türkei?

Genau dorthin, wo man sie haben will seitens Erdoğans AKP und Devlet Bahçelis MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung). Der Präsident folglich derjenige, der mit den Grauen Wölfen tanzt, deren MHP mit knapp 12 Prozent im Parlament sitzt, ihm beim Referendum dienlich beiseite stand, die obendrein keineswegs zufällig hierzulande immer aggressiver werden.

Da entwickelt sich etwas weiterhin im Verborgenen, dessen punktuelle Parallelen nicht unterschätzt werden sollten, denken wir an den europäisch-US-amerikanischen Rechtsruck, der wie ein Virus sich überall breit macht und etablieren will. Wohin driftet diese Türkei mit jenem Despoten, der ungehobelt sich gar in den deutschen Wahlkampf einmischt, andererseits ebenso AfD-Anhänger und rechtsextreme Kräfte in Deutschland hinter sich meint, einen zu können?

Parallelen zu Terroranschlägen ein Indiz

Ausgerechnet im ehemaligen Franco-Spanien tauchen nach dem schrecklichen Terroranschlag diese Identitären auf, die ihr rechtsradikales Gedankengut unters Volk mischen wollen, eine aufgebrachte Menge verhindert den Aufmarsch völlig zurecht. Was hat das mit der Türkei zu tun? Mehr als uns lieb sein sollte, vergessen wir nicht, welch bösartig perfider und simpler Rassismus sich stets Wege seiner Ausbreitung sucht. In den USA die Alt-Right-Bewegung, europaweit die Wiederauferstehung der Rechtsradikalen, die Grauen Wölfe in der Türkei – ein roter Faden, der nichts gutes verheißen kann.

Wer wie Doğan Akhanlı den Finger in die Wunden der historischen Gewalt legt, die Unteilbarkeit der Menschenrechte fordert, Völkermorde aufarbeitet, gerät unweigerlich in die Fänge der türkischen Justiz, die auch nur ihrem Despoten folgt. Erdoğan selbst benutzt den türkischen Schriftsteller für seine Macht, auch jetzt gegen Deutschland als Kalkül vor der Bundestagswahl.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Grausammlerin

https://pixabay.com/de/berglandschaft-landschaft-1169020/

pixabay.com

Es ist unnötig, Fragen zu stellen, wie, wann begann die Faszination dieser Leidenschaft, oder zeugen ihre Arbeiten nicht von Melancholie, oder sehen Sie in ihrer Sammlung nicht eine Flucht aus der realen Umgebung? Sie werden keine Antworten bekommen, sie wird entweder mit Gegenfragen, sind Sie von der Leidenschaft nicht fasziniert, können Sie keine Gefühle zulassen, stehen Sie wirklich gerne im Regen, reagieren oder als ein Zeichen von höchster Mißbilligung beginnen, unzusammenhängende Textpassagen aus Büchern, Gedichten vor sich hinmurmeln.

Zugegebenermaßen kann ich mich nicht entschließen, ob ihre Tätigkeit oder sie selbst tiefere Eindrücke bei mir hinterlassen hat. „Steine haben mir den Weg geebnet, was wäre da näherliegend, als ihnen Raum zu geben, um in ihrer Ausstrahlung zu leben. Grau ist nicht grausam, grau ist samt. Für mich natürlich auch samtig, aber ich meine das samt, das zusammen bedeutet. Die gesammelte Stärke von Materialien.“ Betritt man ihr Haus, führt ein langer dunkelgrauer Gang bemalt mit einer riesigen Schlange, die sich in dem Raum mehrmals auf der Wand über den Boden, entlang der Decke schlängelt und deren geöffnetes Maul die Türe bildet, durch die man in ein hellgraues Zimmer geführt wird. Auf dem farbigen Schlangenmuster glänzen silberne Plättchen, hinter denen kleine Lichtquellen versteckt sind.

Wie ein Höhleneingang, sagte ich, weil ich das Gefühl hatte, leicht zu schwanken. Sie nahm keine Notiz davon, überhaupt schien sie, mich nicht richtig wahrzunehmen, vielleicht bin ich nicht grau genug? Diesen großen Raum kannte ich schon, schon viele Male gesehen, auf großformatigen Photos in Ausstellungen, aber auch als Kulisse, maßstabsgetreu. Hellgrau, unförmig, schwer zu erkennen, ob quadratisch oder rechteckig, vielleicht oval. Überall stehen Möbel, graue Möbel, verschiedene Grautöne, mal matt, mal glänzend, mal aus Holz vielleicht, mal aus Plastik, Metall, was weiß ich. Wie fühlen Sie sich in einem Stein? Wow! Kann man mehr sagen als wow? Überall glitzernde Farbflecken, Gold, Messing, Silber, Kupfer, Weiß. Nicht zu erkennen, wo der Boden aufhört, die Wand anfängt, selbst wenn man sich an den Möbelstücken versucht zu orientieren, ist es schwierig, nachzuvollziehen, denn kein Möbel steht direkt an einer Wand, alles ist versetzt. Auch hier wird mir leicht schwindelig, habe etwa zu wenig gefrühstückt? Ich kenne doch diesen Raum.

Schwebt Sie! „Kommen Sie, Sie sehen plötzlich blaß aus, ist Ihnen nicht gut?“ Nein, nein, ich bin, ich bin überwältigt. Ganz in grau gekleidet mit einer Art Hosenanzug, der aber auch ein Kleid sein könnte, knöchellang, in grau, vermutlich Leinen, feines Leinen, fast zartfließend wie Seide tänzelte sie, ja, sie tänzelte, durch einen grauen Schrank. Es war ein Schrank, bis ich erkannte, daß es nur eine in den Raum eingebaute Flügeltüre war. Ihre dunklen lockigen Haare flatterten, wehten fast davon, hätte nicht das orangene Haarband, welches fast ihre gesamte Stirn bedeckte, dafür gesorgt, daß sie nur um ihren Kopf wirbelten. „Zugig hier, nicht wahr?“

Lichtdurchflutend, stürmisch, an einen Wintergarten erinnernd, präsentierte sich der nächste Raum, auch wieder ohne erkennbaren Übergang von Boden, Wand, Decke, mit vielen Fenstern. Überall standen diesmal aber Regale, Regalschränke, hingen von der Decke strickleiterähnliche Bretter, teils bis auf den Boden herunter. Verstreut, fast eher wahllos abgelegt wirkend, standen, lagen Kästchen, kann man Kästchen sagen, weil es waren eher Formen, offene Formen, grau und doch so angefüllt mit Farben, Abbilder miniaturgetreu ihrer Raumgestaltungen. „Hier ist der beste Platz zum Gedeihen, finden Sie nicht auch?“ Hell flutet die Sonne durch leicht aufgestellte Jalousien in die teils funkelnden Modelle herein, nicht erkennbar, woher und wodurch dieser Windzug entsteht, Windzüge, denn es ist ein wirbelnder Wind, kein Luftzug, warm, kalt, heiß.

„Was denken Sie, ich vergaß, Ihnen etwas zu trinken anzubieten!“ Wir betraten eine Küche, nein, wir betraten einen grauen Raum. Eine Höhle beleuchtet mit blauen und grünen, gelben, lila Lichtern, Polarlicht, ich faß es nicht, Polarlicht, ich steh im Polarlicht. Krisselig, schummrig, tausend, Millionen Staubkörnchen scheinen mich zu umfangen. Sie öffnet eine graue Truhe, es gibt hier keinen Schrank, Sie trinken doch sicher eine Tasse Kaffee mit mir, und schon gießt sie aus einer Kanne heiß dampfenden Kaffee in eine, na, graue Tasse!

Wissen Sie was? Ich habe in grau geheiratet, ja, ehrlich, mein Brautkleid war grau, funkelnd grau mit Glasperlen und Silberplättchen geschmückt. Elmar trug einen grauen Anzug, mein Brautstrauß bestand aus Silberdisteln. Welchen Grund auch immer Grausammlerin, übrigens bin ich die einzige Person auf dieser Welt, die sie so nennen darf, hatte, alles was sie formt, gestaltet, entwirft den Hauch von warmen Stein, luftigen Felsen zu geben, sich einzufühlen in Gesteinswesen, sie lebendig werden zu lassen, veranlaßt hat, ich jedenfalls habe das Grauen verloren und gefunden. Ein Stein, der sich nicht bewegt, setzt grün an.

Ich werde kein grün mehr ansetzen, nicht vermodern, (in)grūēn ist das alte Wort für grauen. Seit ich das weiß, grause ich mich nicht mehr und wenn ich millionenfach einen Stein wie Sisyphos den Berg heraufrolle. Schließlich kann ich auch wie Naranath Bhranthan empfinden, der den Stein aus purer Lust den Berg hinaufschleppte, damit er sich am Herunterrollen des Steines erfreuen konnte.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar