Sehnsucht lehrt

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Ich habe die Tage gezählt,
die Nächte vertrunken,
der Tod hatte mich gewählt,
ich war in Sehnsucht versunken.

Stund um Stund Martyrium,
Freundschaften rissen,
dazwischen im Delirium,
ich warf mit Kissen.

Die Hosen waren voll,
der Kopf für immer leer,
anderer Leben war toll,
für mich kein Entkommen mehr.

Da stand die Brücke im Dunkeln,
sie ist mit mir in die Tiefe gestürzt,
fing an, wie wild zu schunkeln,
mein Atem ging nur noch verkürzt.

Sie schoß wie ein Gummiball,
rauf, runter, seitwärts, beständig fester,
ohne Pause, zu hören nur der Schall,
Gequietsche wie Radierer auf Fenster.

Ich spürte der Brücke Sehnen stöhnen,
melodisch, beruhigendes Wiegenlied,
der Löschung mich zu erwehren,
wofür, ich fühlte mich geliebt.

Ich zähle keine Stunden mehr,
das Sehnen hat mich gewählt,
bin trunken in mich versunken,
weil Sehnsucht Liebe lehrt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Lufthansa: Stellenabbau zu Lasten der Sicherheit und Qualität

Wenn der Konzern Mitarbeiter einfach entläßt

Spätestens im Spätherbst sammeln sie sich alljährlich, die Kraniche, um gen Süden in ihre Winterquartiere zu fliegen. Die wesentlich größeren Stahlvögel der Lufthansa-Flotte sind ganzjährig weltweit unterwegs. Seitdem Otl Aicher 1962 der Deutschen Lufthansa AG das unverwechselbare Firmenlogo, den aufsteigenden Kranich, verpaßt hatte, blieb es dabei, ein Symbol für Qualität und Sicherheit.

Doch das vor 91 Jahren gegründete Unternehmen, längst zu einem der größten Fluggesellschaften aufgestiegen, derzeit nach beförderten Passagieren weltweit auf dem 6. Platz, entläßt einfach Mitarbeiter, weil noch wesentlich mehr Einsparpotential vorhanden sei, so der Vorstandsvorsitzende, Carsten Spohr, trotz satter Gewinne den Sparkurs fortsetzen will. Ein Stellenabbau dabei zu Lasten der Sicherheit und Qualität?

Detlef Schwarzers Dokumentarfilm legt den Finger in die Wunde

Inzwischen hat der irische Konzern Ryanair die Deutsche Lufthansa AG überflügelt, im letzten Jahr befördete er 117 Millionen Passagiere, 7 Millionen mehr. Dabei erlangte Ryanair 1,7 Milliarden Euro Gewinn bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro, während Lufthansa bei einem Umsatz von satten 32 Milliarden Euro lediglich einen Gewinn von 1,75 Milliarden Euro verbuchen konnte. Immerhin sein höchster jemals erzielter. Das reicht der Konzernspitze keineswegs.

Die Vorstandsspitze scheint die polemische Werbung gegen den deutschen Konzern, den Ryanair mit Slogans wie „Auf Wiedersehen Späthansa“ oder „Bye Bye Latehansa“ nicht länger hinnehmen zu wollen. Doch statt mit nötigem Augenmerk zu handeln, schädigt die Deutsche Lufthansa AG ihre Marke eher selbst mit fragwürdigen Einsparungen, vor allem Lohnkürzungsszenarien, wie der Luffahrtexperte Gerald Wissel in Detlef Schwarzers Dokumentarfilm als hochgradig gefährlich anmahnt.

Hart betroffen sind gleichwohl Töchter des Konzerns, die am Boden beschäftigt sind. Das Tochterunternehmen, die LSG Lufthansa Service Holding AG, weltweit zweitgrößter Bordverpfleger, möchte laut Gewerkschaft ein Drittel seiner Stellen streichen, also rund 1.700 Arbeitsplätze. Gerald Wissel betont im Dokumentarfilm, der Betriebsfrieden sei gefährdet, es schade dem gesamten Unternehmen Lufthansa letztlich, sie sollte das Wir-Gefühl herstellen, zurückfinden zur Qualität.

Billiglöhne in Bulgarien – Qualitätskontrolleure verlassen den Betrieb in Sofia

Wer die Fluzeugüberholung schließen läßt, um im Ausland in Bulgarien, Manila auf den Philippinen oder auf Malta auszuweichen, darf sich hinterher nicht wundern, daß erhebliche Mängel auftreten, die Flüge am Ende gefährden würden. Sicherheitsstandards verhindern dies wenigstens, was zur Folge hat, daß die deutschen Technikexperten die Fehler glattbügeln müssen, obendrein Qualitätskontrolleure den Betrieb in Sofia gar verlassen, weil sie solche Zustände nicht weiter dulden können.

Erinnern wir uns an die über vier Jahre lang anhaltenden Streikwellen zwischen der Pilotengewerkschaft Cockpit und der Lufthansa, die schließlich doch noch zur Einigung führten. Gut für die Piloten und die Passagiere. Man kann nur hoffen, daß Carsten Spohr noch rechtzeitig bemerkt, welch gefährliche Gratwanderung die Lufthansa mit ihrem anhaltenden Demotivationskurs vollführt, wenn sie solch wichtige Schaltstellen wie die Technik und das Bodenpersonal verprellt.

Wer sich mit Billigflugkonzernen wie Ryanair ernsthaft messen will, läßt am Ende zu viele Federn, das kann niemals im Sinne eines Kranichs sein, schon gleich gar nicht verbunden mit Verlust von Qualität und Sicherheit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Wirtschaft/Finanzen

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Vom Streit zum Krieg

Trotz etlicher Beispiele hält Mensch daran fest?

Es begegnen sich zwei Gruppen von Schimpansen und signalisieren gegenseitig lautstark durch Geschrei ihre Wut. Eine verbale, eindeutige Ablehnung. Ein Affe entdeckt beim Zugreifen eines Knochens, diesen als Waffe gebrauchen zu können: Die Tierwelt hat eine neue Spezies erhalten, auf bestem Wege zum Homo sapiens, die als erste und einzige Krieg ausübt.

Die meisten von Ihnen werden in dieser kurzen Beschreibung sicherlich die Szene aus Stanley Kubricks Film „2001: A Space Odyssey“ (2001- Odyssee im Weltraum) erkannt haben, dessen Romanvorlage Arthur C. Clarke mit dem Originaltitel The Sentinel diente.

Was veranlaßt Menschen dazu, sich auf so grausame, vielfältige Weise gegenseitig zu töten? Reduziert sich dies tatsächlich nur auf Neid, Haß und eine undefinierbare Macht?

Weit über vier Milliarden Jahre war Mutter Erde ohne diese häßliche Begleiterscheinung ausgekommen, weil in der gesamten Tierwelt es keine kriegerischen Auseinandersetzungen je gegeben hat und dies bis heute auch so sich verhält. Nur der Mensch mit seinem Anspruch, das höchste Wesen auf Erden zu sein, stellt sein Unvermögen der eigenen Spezies gegenüber seit seiner Entstehung vor einigen Millionen Jahren ständig und sehr erfinderisch unter Beweis.

In dem Filmklassiker Die Götter müssen verrückt sein (Drehbuch und Regie: Jaymie Uys) findet der Buschmann Xixo in der Wüste Kalahari eine achtlos aus einem Flugzeug geworfene Coca-Cola-Flasche. Das „böse Ding“ stiftet in dem bis dahin glücklich zusammenlebenden Eingeborenenstamm Unfrieden, weil dieses neue „Werkzeug“ jetzt urplötzlich eine Einmaligkeit erhält, die es sonst vorher eben nicht gab. Somit ist es die Aufgabe von Xixo, es wieder in diese unbekannte Zivilisation zurückzubringen.

Dieser Film hat eine ganz entscheidende Kernaussage, nämlich die, daß es nur Unfrieden bedeutet, wenn wir Menschen dem Habitus verfallen, uns bekriegen. So schließt sich auch der Kreis dieser Metapher gleichzeitig mit den berechtigten philosophischen Erkenntnissen eines Erich Fromm, der genau dies in seinem Werk Haben oder Sein ausführlichst geschildert hat, daß eben die Menschheit am Scheideweg steht, sich endgültig zu entschließen hat: entweder die völlige Zerstörung allen Lebens zugunsten des Habens oder aber das Sein endlich konsequent gerecht zu pflegen. Dabei kann Krieg kein Weg mehr sein, sondern eine Ächtung nur noch daraus folgern.

Selbstverständlich kann eine Welt ohne Krieg nicht einfach so sich erträumt, sie nicht ohne weiteres in die Tat umgesetzt werden, eben weil dieses „Muster“ schon viel zu lang als gegebene Handlungsfolgerung angewandt wird, zumal Mensch meint, es gäbe keine anderen Möglichkeiten. Haß und Zerstörung sind stets einfachere Wege, wie uns die Geschichte gelehrt haben sollte. Frieden und Aufbau dagegen bedürfen einer sehr behutsamen Pflege, einer Rücksichtsnahme, der Nächstenliebe, die dabei völlig frei ist von religiösen Ansprüchen.

Kriege haben bereits im täglichen Zusammenleben ihren Anfang, sie werden somit im Kleinen in Familien ausgetragen oder halt auch nicht. Je gerechter die Verteilung im Volke, je mehr soziale Zusammengehörigkeit gepflegt wird, um so weniger Unfrieden herrscht in einer solchen Gesellschaft. Statt genau dies wesentlich konsequenter anzuwenden, ziehen es insbesondere unsere Eliten vor, ihre Macht weiter auszubauen. Die Folgen sind Armut, Sozialabbau, Unfrieden bis hin zu Gewaltzunahme. Dabei werden natürlich erst recht Waffengeschäfte gehegt und gepflegt, die Verdienstspannen mit den billigend in Kauf genommenen Folgen, Kriege und somit Massensterben, müssen einem moralisch-ethischen Gewissen weichen, es zählt nur der Maximalgewinn, das Leben im luxuriösen Überreichtum.

Müssen all diese Folgen von Kriegen weiterhin tatsächlich hingenommen werden, schweigend, ängstlich, ohnmächtig, weil es sowieso keine Wege gibt aus dieser Bürde? Sind die Menschen, die uns gewaltfrei vorgemacht haben, wie unser Weg sein könnte, wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Jesus von Nazareth nicht Beweis genug, daß es sich lohnt, sich einzusetzen für den Weltfrieden?

Man muß endlich das Bewußtsein in unseren Köpfen verankern, daß Kriege keinen Sinn machen, es keine Sieger gibt, sondern nur Verlierer, und wir vor allem damit beginnen, dies zu leben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Türkei: Ende des „Marsches für Gerechtigkeit“ mit klarer Botschaft

Kemal Kılıçdaroğlu will die Wahl in zwei Jahren gewinnen

Wenn zwischen 1,6 und zwei Millionen Menschen in Istanbul sich mit Kemal Kılıçdaroğlu, dem Vorsitzenden der CHP, bei dessen Schlußkundgebung nach dem langen „Marsch der Gerechtigkeit“ solidarisieren, dann kann dies nicht spurlos an Recep Erdoğan vorbeigehen.

Es sei nicht das Ende des Marsches, sondern der Anfang der Freiheit, hatte gestern Kemal Kılıçdaroğlu betont, der am 15. Juni den „Marsch für Gerechtigkeit“ in Ankara begann, weil sein Parteikollege Kadri Enis Berberoğlu, stellvertretender Leiter für Medienbeziehungen und Kommunikation, zuvor zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden war, weil dieser zwei Jahre zuvor entlarvende Bilder präsentiert hatte, die Waffenlieferungen an syrische Rebellen aufzeigten, so daß dadurch die türkische Regierung in Verdacht geriet, sich aktiv am syrischen Krieg zu beteiligen.

Für Erdoğan der Protestmarsch eine Billigung der Gnade

Ein Kalkül, um sein Gesicht zu bewahren, obwohl doch ein selbstverständliches Grundrecht in Demokratien? Dieser despotische Präsident scheint sich seiner Sache ziemlich sicher, zumal seine bisherigen Handlungen dies erst recht unterstreichen, denken wir an die Verhaftung von Taner Kiliç, dem türkischen Chef von Amnesty International.

Zwar hatte sich Kemal Kılıçdaroğlu mitsamt seiner sozialdemokratischen Partei der CHP (Cumhuriyet Halk Partisi), der Republikanischen Volkspartei, die 1923 der türkische Präsident, Mustafa Kemal Atatürk gegründet hatte, direkt nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 noch hinter Recep Erdoğan gestellt, jedoch wenig später seit dem Anschlagversuch auf eine Fahrzeugkolonne, worin sich Kemal Kılıçdaroğlu am 25. August befunden hatte, ein begleitender Soldat ums Leben kam, änderte sich die Haltung des CHP-Chefs.

Im Interview mahnt er zurecht den Weg des Präsidenten an, obwohl dieser schon lange vorhersehbar war, er nicht hätte zögern dürfen Eine echte parlamentarische Arbeit wird seitens Erdoğans vereitelt, Kılıçdaroğlu bleibt nichts anderes übrig, als auf der Straße mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, hofft darauf, die Wahl in zwei Jahren gewinnen zu können.

Chancen für diese noch lebendige Opposition?

Das kann niemand tatsächlich behaupten, alldieweil jener „türkische Pascha“ garantiert nicht die Macht aus seinen Händen geben wird, schon gleich gar nicht freiwillig und somit sämtliche Register zieht, um dies zu verhindern. Der Rosenpicker aus der Türkei hatte ohnehin mal wieder verdeutlicht, was er von internationaler Verantwortung hält. Einerseits sich im Bade der G20 sonnen, andererseits genauso wie Donald Trump das Pariser Klimaabkommen negieren, schließlich müßte dann die Türkei zahlen, möchte sich lieber als Schwellenland wegducken.

Deutschland, Europa und der Welt täte ein türkischer Machtwechsel reell sehr gut, mit einem Kemal Kılıçdaroğlu bestünde wieder Hoffnung. Dennoch hat Recep Tayyip Erdoğan bisherig ganze Arbeit geleistet, seine Anhängerschar, auch in Deutschland selbst, scheint ihm weiterhin treu ergeben. Wer weiß schon, was in zwei Jahren sein wird.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Nichts ist niemand, keinem recht

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Nichts ist niemand, keinem recht,
jeder Anlaß ein Ruf zum Gefecht.

Mode ist es,
andere zu denunzieren,
um selbst im Lichte zu poussieren.

Mode ist es,
die Welt schlecht zu reden,
mit Haß, Häme kann man Geld vermehren.

Mode ist es,
zu hetzen, fliegen zu lassen die Fetzen.
Grölen bis zur Heiserkeit.
Wut macht sich in Köpfen breit.

Mode ist es,
alles besser zu wissen.
Hinter Antworten Geheimnisse wittern,
zum Schaden aller, nur für den Pöbler nicht,
seine Weisheit ist wasserdicht.

Mode ist es,
Prügel, Keile zu verteilen,
zur Strafe, zum nicht Einigen.

Mode ist es,
Angst zu schüren, damit alle spüren,
Gewissenlose werden dafür auserkoren

Mode ist es,
alte Denkmuster neu zu beleben.
Herrschaft, Gehorsam, Untertänigkeit,
die Zeichen für eine bessere Zeit.

Mode ist es,
niemanden ein Auskommen zu gönnen.
Nur das Eigene darf schlemmen.

Mode ist es,
keinen zu lieben,
der nicht bereit ist, zu dienen.
Furcht vergiftet auf simpelste Art,
was Freiheit nicht vermag?

Nichts ist niemand, keinem recht,
jeder Anlaß ein Ruf zum Gefecht.
Mode ist eine Zeiterscheinung,
als Modus fürs Leben eine Verdummung.

Freiheit ist es,
der wir verantwortlich sind, vom Greis bis zum Kind.
Jede Frucht ist eine Schöpfung, wer sie vergiftet,
Menschen, Natur, Gedanken, der baut Schranken,
der ist nur sich selbst verpflichtet.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: Bewußte Provokationen ohne nennenswerte Ergebnisse

Demokratische Rechte teilweise aufgehoben

Dieser G20-Gipfel endete nicht in jenes Desaster wie vor 16 Jahren beim G8-Gipfel in Genua, als ein Demonstrant erschossen und eine Demonstrantin von einem Panzerfahrzeug überrollt wurde. Dennoch bewahrheiteten sich die befürchteten Krawalle, zumal die Polizei selbst erheblich mit dazu beitrug, per bewußter Provokationen jene heraufzubeschwören.

Der Gipfel selbst erbrachte eben keine nennenswerte Ergebnisse zur Sache, eine berechtigte Hinterfragung, ob er überhaupt notwendig gewesen sei, sollte durchaus angemahnt werden. Man kann daraus auch ganz andere Schlüsse ziehen, die mitnichten irgendwelchen verschwörungstheoretischen Charakter haben, sondern ziemlich pragmatisch diesen G20-Gipfel in Frage stellen.

Ein Lob zuviel an die Kanzlerin

Etliches zuvor formuliertes darf man ohne weiteres mit einfügen, denken wir an das merkwürdige Verhalten dem „türkischen Pascha“ gegenüber, an das sture Festhalten zum Thema Maidan-Putsch oder an die unnötige Entscheidung, Bundeswehrsoldaten beim Syrien-Krieg mit zu verpflichten. Alles mit freundlicher Unterstützung ihres Koalitionspartners, eine SPD kann sich insofern keineswegs herausreden, den hegemonial-neoliberalen Weg gemeinsam gegangen zu sein.

Aus diesem Grund darf unbedingt fragend der Kopf geschüttelt werden, was denn als Fazit jenes zweitägigen Gipfels so positiv gewesen sein solle, welches die Kanzlerin dermaßen euphorisch hervorhob? Daß Märkte offen gehalten werden sollten, Protektionismus und unfaire Handelspraktiken bekämpft gehörten, war ohnehin lange vorher bekannt und abgemacht, gerade jenes ominöse JEFTA zeugt von einem dramatischen Festhalten, vorbei am Bürger, hin zur Konzernmeierei. Da sind jetzt schon berechtige Widerstände und Proteste vorprogrammiert.

Nach Hamburgs Generalprobe bald Premiere zum Polizeistaat?

Selbstverständlich mahnt Gabriele Heinecke vom Anwaltlichen Notdienst des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins das harsche Verhalten der Polizei während der Proteste an, rügt deren Fakenews. Gezielte Absicht in Form einer Generalprobe, die gerade bei der „Welcome to Hell“-Demo ihre Bewährungsprobe erhielt, ein sogenannter Schwarzer Block durch Hamburgs Straßen des nachts gezielt verwüsten sollte? Zumal bekanntlich staatlicherseits gelenkt und instrumentalisiert?

Ein verwüstetes Schlachtfeld im Schanzenviertel spricht Bände, wes Geistes Kind dahinter sich verbergen wollte und vor allem sollte. Der Eindruck einer chaotisch-zerstörerischen Szenerie daher beste Voraussetzung, den Polizeistaat weiter auszubauen. Premiere folgt bekanntlich nach dieser Hamburger Generalprobe, wo auch immer!

Da kann ebenso die geäußerte Betroffenheit des Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz nicht hinwegtäuschen. Sicher doch, Gewaltausschreitungen sind per se zu verurteilen, aber polizeiliche Provokationen genauso wie jener G20-Gipfel, der im Grunde auch auf einer einsamen Insel inmitten eines Ozeans hätte stattfinden können, mit denselben längst bekannten Ergebnissen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Pracht zerfiel

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Die Bohlen schwankten,
zäh, auf, ab, Kaugummi,
die Socken brannten,
heiß, flimmernd, Glut.

Da war kein Schiff,
da war kein Segel,
da war sie, allein,
inmitten sich selbst.

Die Stimme vernahm,
leise, monoton, Entwürfe,
das Kind lachte,
herzhaft, schmerzhaft, du Narr!

Da war kein Abend,
da war kein Morgen,
da war sie, allein,
inmitten sich selbst.

Die Kruste löste,
bröckelnd, zerrend, Stücke,
der Krater qualmte,
diesig, neblig, Gestalten.

Da war kein Ende,
da war kein Anfang,
da war sie, allein,
inmitten sich selbst.

Die Pracht zerfiel,
langsam, stetig, Türme,
Lichter blinkten,
kalt, flackernd, Melodie.

Da war sie da,
da war sie hier
da war sie erfühlt,
da war sie mitten in sich.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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