Das ist der Gipfel: Europa und die Welt an Angelas Rockzipfel

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Satirischer Rückblick…

Konstruktive Politik macht sich ohnehin ständig rar, kommt nichts bei rum außer Bla,bla,bla. Denn was och immer geschah, die Bürger läßt man im Unklaren stehen, Hauptsache gewisse Eliten mögen ihre wohlverdienten Pfründe sehen. Es wurde stets geflissentlich vermieden die Suche nach Frieden. Die Losung lautet ständiger Krieg, Medien umlullen uns hinterher von Sieg.

Solange die Menschheit jenes simple Spiel nicht begreift, wird sie halt weiterhin einjeseift. Man tut scheinheilig Buße, nach CETA und TTIP folgt JEFTA auf dem Fuße. Jetzt darf och Japan mitmischen, dem Bürger kann Politik einfach altbekannte Lügen auftischen.

Was für armselige Politnieten, statt dem eigenen Sein Chancen bieten, folgt sie dem ausbeuterischen Weg. Woran das wohl läg? Na, juter Mann, jute Frau, dann mach dich mal schlau, solange Menschen stets ihre Obrigkeiten wählen, werden am Ende keene Bürgerrechte zählen! Findste in etlichen Gazetten, es gilt eben nicht, einen Unschuldigen retten. Vor jedem Gericht als oberste Pflicht gilt alleweil: Geiz und Überreichtum ist geil.

Während fehlendende Rettungsgassen sowie Gaffer nicht für schnelle Hilfe sorgen, heißt’s bereits schon morgen, was interessieren uns eure Belange, Hauptsache ihr haltet uns die Stange. Abzüglich der Anzüglichkeiten lautet’s für die: Vorbereiten auf sämtliche Wahrscheinlichkeiten.

Daß schädlicher Isoglucose aus den USA auf dem Vormarsch gen Deutschland sich befindet, die EU dabei sich heuchlerisch windet, sollte möglichst viel Menschen zu Bedenken geben, es sei denn, die meisten pfeifen auf ein gesundes Leben. Ick hab dir wat mitjebracht: viel Lärm in der Nacht.

Dat is der Hohn, manche wußten es schon, daß dieser G20-Gipfel nur ne Generalprobe sein kann, bis irgendwann deutschlandweit Aufstände niedergeknüppelt werden, nicht wie früher auf Pferden, vielmehr mit entsprechendem Rüstzeug und technisch-logistischen Wahrscheinlichkeiten, auf die sie sich bereits damit vorbereiten. Schön wenn kunstvoll 1.000 Gestalten in Hamburg unterwegs sind, es weiß bereits jedes Kind, neue Inspirationen sich lohnen.

Und doch werden Staatsmacht und bewußt inszenierter Schwarzer Block niemand schonen. Vorprammierte Gewalt bei „Welcome to Hell“ macht somit Sinn, schaut besser genauer hin, bevor sie Euch das Fell über die Ohren ziehen. Alles verrückt, Mutter Erde keinesweg entzückt. Das bewußte geplante Konzept insofern alles andere als mißglückt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Inno auf dem Schlauch

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„Innozenz, hier spielt die Musik!“ Scharf klangen die Worte, wie immer wenn Lehrer Huber mehr als zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte, in seinem Ohr. Er hatte nicht geschlafen, er war hellwach, wachsam wie immer, horchend. Neugierig. Gespannt. Zugegebenermaßen nicht an den Sprechmonologen von Lehrer Huber, der mit weitschweifenden Wörtern, aber ohne Klang, monoton, der Klasse die aufregenden Geschichtsepisoden näher bringen wollte.

Trotz der aus den Sätzen fließenden Begeisterungsstürme, die erkennen ließen, Huber war ergriffen von seinem kenntnisreichen Wissen sämtlicher vergangener Jahrhunderte, gelang es ihm nicht, die Klasse wirklich dafür zu interessieren, was in früheren Zeiten geschah. Nicht nur bei Innozenz. Obwohl einige andere auch ihren Tagträumen in der Geschichtsstunde nachhingen, war Lehrer Huber ständig auf Augenkontaktsuche bei Innozenz und wenn er auch nur die Vermutung hegte, Innozenz wäre nicht bei seinen Ausführungen, sondern in seinen scheinbar unendlichen Traumwelten, erfüllte er den Satz, Innozenz, hier spielt die Musik, mit so viel ausdrucksfähiger Intonation, die seinem Sprachgebrauch völlig widersprach.

„Über was habe ich gerade eben gesprochen?“ War klar, daß er jetzt damit wieder ankommt. Innozenz war inzwischen geübt darin, Lehrer Hubers Ausführungen zu hören, dennoch aber in seiner eigenen Gedankenwelt spazieren zu gehen. „Am 23. Mai 1618 wurden drei Männer aus der Hofkanzlei in Prag von zweihundert Vertretern der…“, begann Innozenz ruhig und gefaßt, eher herunter leiernd, als Lehrer Huber ihn strafend anblickte, ihn unterbrach, indem er den Satz wiederholte und einfach den Unterricht weiterführte. Nichts war geschehen. Gar nichts.

Wenn er jetzt Glück hatte, würde er die Unterrichtsstunde ohne weitere Unterbrechung in seinen eigenen Gedanken verbringen können. Es ist nicht wahr, wenn die anderen behaupten, er träume, im Gegenteil, er war hellwach, wenn er seinen Gedanken nachhing. Er folgte ihnen. Zurzeit führten sie ihn zu der bevorstehenden Hochzeit seiner ältesten Schwester, die ihn immer noch als kleines Kind behandelte, natürlich nicht bösartig, aber stichelnd, herzlos, gnadenlos sogar vor Fremden Zenzi rief. Für sie ein Überbleibsel aus der schwesterlichen Rivalität, weil ihm mehr Beachtung geschenkt worden wäre, als sich die Eltern trennten als ihr, und weil er mit seinen braunen Löckchen, die immer noch als Lockenpracht sein Gesicht umranken, unwiderstehlich aussah für sämtliche Personen, und ihm deshalb keine kleinste Bitte abschlugen, er eine Narrenfreiheit besaß, von der sie überzeugt war, daß er alle mit seinem Mädchengesicht nur täuschte.

Heute Nachmittag sollte er seinen zweiten Anzug, den ersten bekam er zur Kommunion, mit seiner Mutter bei „Witbert“, Anzüge nach Maß, aussuchen. Nach anfänglichen Abwehrmechanismen, denen er fähig war, sich dagegen zu sträuben, willigte er schließlich ein, unter der Bedingung dies nur über sich ergehen zu lassen, wenn sein Vater dabei anwesend sei. Seine Eltern waren zwar geschieden und lebten an verschiedenen Orten, genauer gesagt etwa fünf Kilometer voneinander entfernt, dennoch führten sie wieder eine Beziehung, nachdem sie nach der Scheidungsphase ihrer Aussage nach festgestellt haben, sie liebten sich, aber nur mit räumlicher Trennung.

Für Innozenz war diese Situation eine Selbstverständlichkeit, weil er von klein auf damit aufwuchs, seine Geschwister hingegen drängten die Eltern anfangs mit verzweifelter Vehemenz, wieder zusammenzuziehen, weil alle Eltern nun mal zusammen wohnen würden und sie sich vor ihren Freunden lächerlich vorkamen, inzwischen aber ist es auch für sie eine gewohnte Lebenssituation geworden, gegen die sie sich nicht mehr auflehnen.

Innozenz leckte an seinem Eis, für das er extra einen Umweg gegangen ist, nicht weil er eine Auswahl an Eisdielen gehabt hätte, es gab nur eine im Dorf und war eher eine Kneipenwirtschaft, sondern weil er den Nachhauseweg hinauszögern wollte. In seiner Vorstellung war dieser Anzugskauf ein Raub seiner Jugend, er wollte noch nicht erwachsen sein, das heißt eigentlich schon, es fühlte sich zumindest ab und an so an, als sei nicht nur seine Kindheit, auch seine Jugend verloren, wenn er seine Gedanken wandern ließ und bemerkte, sie glichen mehr oder weniger den Gedanken von Erwachsenen, wenn er sie mit deren Gesprächen verglich oder deren Inhalt in Büchern fand.

Ein Eis so langsam zu genießen wie einen Lutscher, den man über Minuten hinweg einfach in der Hand halten konnte, ohne Bedenken etwas von dem Genuß zu verpassen, wenn man nicht schnell genug leckte, war ihm spätestens dann ins Bewußtsein gerückt, als das Eis anfing, sich durch die Waffel einen Weg über seine Finger Richtung Erde zu unternehmen. Hastig beeilte er sich, das Fließende aufzuhalten, indem er die Eiswaffel in verschiedenste Richtungen hielt und somit zu verhindern suchte, die Fließrichtung zu ändern, natürlich unter Einsatz der immer flinker lutschenden Zunge. Vielleicht war es seiner ständigen wechselnden Kopfhaltung zuzuschreiben oder dem klebrigen Gefühl an seinen Fingern, daß er auf die Idee kam, seinen eingeschlagenen Nachhauseweg noch ein bißchen mehr zu verlängern und den am Waldrand entlang fließenden Bach barfuß durchwaten wollte. Dies sollte ausreichen, die Verzögerung, die sich dadurch ergab, den anstehenden Anzugskauf möglichst schnell hinter sich zu bringen, da sein Vater einen wichtigen Termin wahrnehmen wollte, den er schon ihm zuliebe um eine Stunde verschoben hatte.

Das Bachwasser war trotz Sonnenbestrahlung extrem kühl, eher kalt aber erfrischend und Innozenz gedanklich auf dem Weg zu Abenteuern, die nur ein Mensch bestehen konnte, der in der Vergangenheit mit Ungeheuern, wilden Ureinwohnern, Gespenstern, Feen, Trollen und Phantasietieren gekämpft hat. Nachdem die Füße anfingen, sich eher wie kleine Eisklumpen anzufühlen, beschloß er, es sei nun an der Zeit, über die noch nicht gemähte Wiese schnurstracks den Weg nach Hause zu nehmen, da erblickte er im Bach liegend einen schwarzen Schlauch, der an einer Umwälzpumpe angeschlossen war, die leise vor sich hin brummelte. Er wußte Bescheid.

Dies war Lehrer Hubers Wasserversorgung für seine in einem Gewächshaus stehenden Pflanzen. Gehört hatte er davon. Das Dorf war sich nicht einig, ob dies gestattet sei, Wasser abzuzapfen, das nicht bezahlt würde. Die einen meinten, daß dies nicht rechtens sei, sie müßten ihr Wasser auch bezahlen, die anderen hielten dagegen, das Wasser diene ja nicht zur Trinkwasserversorgung, sondern fließe in den Ammerbach, der wiederum genügend Wasser führe, um eine Stadt damit zu versorgen.

Er begutachtete die Pumpe, die er bombastisch fand, ganz im Gegensatz zu dem Schlauch, der schwarz mit Dreieckslinien ihm nur als mickrig erschien. Er trat auf den Schlauch, der sich merklich unter seinen Füßen niederdrücken ließ. Seine Schuhe stopfte er in seinen Schulrucksack und folgte mit den Händen das Gleichgewicht auspendelnd den Weg des Schlauches durch die bis zu seinen Knien hochstehenden Gräser. Auf und ab, auf und ab, Wasser marsch, Wasser stop. Etwa in der Mitte der Wiese war ihm die Lust vergangen und er spurtete sich, nach Hause zu kommen, da drehte er sich mitten im Lauf um, rannte zurück an die Stelle, an der der Wasserschlauch lag und hopste zweimal mit beiden Füßen auf den runden Schlauch, der nach dem zweiten Sprung sich aufgelöst hatte. Etwas irritiert, weil es nicht seine Absicht war, den Schlauch zu zerstören und müßte jetzt nicht Wasser hochspritzen, stellte er beim genaueren Hinsehen fest, da liegt gar kein Schlauch auf dem Wiesenboden.

Wie lange eine Ewigkeit dauert, die in Sekundenbruchteilen ganze komplexe Zusammenhänge von Erkenntnissen vermittelt, verstand Innozenz, als er abends im Bett nicht nur über die von den besorgten Eltern geäußerten Bedenken hinsichtlich seines Verhaltens nachdachte, sondern auch, als er immer und immer wieder das Gefühl unter seinen Fußsohlen spürte von diesem runden warmen Schlangenkörper, der blitzartig seine Wärme durch die erkalteten Beine in sein Bewußtsein schoss.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Mutter Erde keineswegs entzückt

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Mutter Erde ist groß oder eher klein,
wohin des Wegs einfacher Mann?
Am Ende stehst du allein,
weil Mensch nicht anders kann.

Mutter Erde hat genug zu geben,
manche wollen Reichtümer häufen.
Am Ende bleibt nicht viel vom Leben,
weil Menschen in Armut ersäufen.

Mutter Erde dreht sich nicht allein durchs All,
manch schlaue Geister suchen allerorten.
Am Ende nichts gelöst so Knall auf Fall,
weil Menschen ratlos sich verlier’n in Worten.

Mutter Erde glänzt durch viel Geduld,
manch Krieg und Elend hat gesehen.
Am Ende gibt jeder sich die Schuld,
weil unfaßbar all dies bösartige Geschehen.

Mutter Erde wünscht sich endlich Frieden,
wohin mag der kleine Mann noch fliehen?
Am Ende haben die Götter Menschen gemieden,
weil sie all die Zerstörung nicht verziehen!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: Vorprogrammierte Gewalt bei „Welcome to Hell“

Friedliche Proteste im Schatten von Randale und Polizeigewalt

Stets gleichen sich die Bilder von Ausschreitungen brutaler Gewalt auf beiden Seiten, man kennt dies seit Jahrzehnten, als gegen Ende der 1960iger Jahre Studenten auf die Straßen gingen, auch damals die Polizei keineswegs zimperlich auf alles eindrosch, was sich bewegte.

Mit den Jahren lernten alle von einander hinzu, wie wichtig letztlich die Meinungsfreiheit und somit Demos tatsächlich sind. Nur Ausschreitungen kann kein Staat dulden, wenn Steine geworfen werden, Autos, Mülltonnen angezündet oder Schaufenster eingeschmissen werden. Auch vor Beginn des G20-Gipfels, wo zahlreiche friedliche oder gar kreative Proteste stattfanden, entlädt sich im Schatten von Randale und Polizeigewalt gestern abend zur Demo „Welcome to Hell“ die beidseitige Frustration. Mit etlichen Opfern.

Schwarzer Block kann tanzende Sambagruppe nicht verhindern

Kann man der Polizeistrategie unterstellen, ganz gezielt die Konfrontation gesucht zu haben? Auf alle Fälle, gleichwohl aber ebenso der Schwarze Block, der sich sichtbar unter die rund 12.000 Demonstranten mischte, vorneweg ging, die Polizei zählt an die 1.000, andere Quellen wesentlich weniger. Nach bereits 200 Metern stoppt der Zug, eine mit Wasserwerfern und Pfefferspray bewaffnete Polizeimacht greift hart durch, sprengt den Block auseinander, ebenso friedliche Demonstranten geraten in Mitleidenschaft.

Das wußten alle, die sich dort hinbegeben hatten. Ein unbeachtetes Vermummungsverbot, welchem der Schwarze Block erwartungsgemäßig nicht folgte, liefert den nötigen Anlaß und die Rechtfertigung für die Staatsmacht, mit jener Härte durchzugreifen. Dennoch fanden sich nach den heftigen Auseinandersetzungen neue Demonstranten zusammen, eine Sambagruppe tanzt, Musik erklingt aus Lautsprechern, die Menge klatscht ausgelassen friedlich. Auch zur Freude der Polizisten, die den neuen Zug auf der alten, genehmigten Route begleiten. Erst als die Demo die Rote Flora im Schanzenviertel erreicht, folgen erneute Ausschreitungen.

Ausnahmezustand in vollem Gange

Dieser G20-Gipfel in Hamburg scheint an Sinnlosigkeit kaum mehr zu toppen zu sein. Von den enormen Kosten und Sicherheitsvorkehrungen mal ganz abgesehen, darf man die Wut und Proteste durchaus verstehen, bewußt initiierte Gewalt auf beiden Seiten mitnichten. Jetzt ist der Ausnahmezustand in vollem Gange, obwohl die Gipfelteilnehmer gut abgeschottet ihre Treffen abhalten.

Viel Medienrummel ob der eingetroffenen Politik-Prominenz kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser G20-Gipfel keinerlei durchgreifende Lösungen oder gar Einigungen herbeiführt. Letztendlich verselbständigen sich politische Entscheidungen an anderen Stellen, verändert sich das Gesicht der Welt in erschreckend schnellen Zügen, wobei die Fratze des Raubtierkapitalismus sämtliche Register zieht, um ihre Macht und Ausbeutung aufrecht zu erhalten.

Anstatt eine tatsächlich gerechte Umverteilung zu veranlassen, setzt die Weltpolitik weiterhin auf Krieg und Elend, Umweltzerstörung und Raubbau der letzten Ressourcen. Nicht der Mensch oder der Erhalt von Mutter Erde zählen, sondern Reichtum für wenige verbunden mit ewiglichen Wachstum.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

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Neue Inspirationen

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Mit der großen Schere in der Hand
schneid ich Gestalten aus der Wand,
schneid ab alle alten langen Zöpfe,
mit Hörnern geschmückte Köpfe.

Schere fliegt eilig durch die Lüfte,
Horn an Horn gerieben, verbreitet Düfte
nach zerriebenen Borsten, Haaren,
es wird gespürt, geprüft, erfahren.

Zöpfe liegen verstreut auf dem Boden,
bei den Hörnern durfte ich mich austoben.
Das Werk getan, die Schere stumpf,
an der Wand kein Schatten, kein Triumph.

Die Welt scheint völlig sinnentleert,
kein Treiben Freude mehr beschert.
Alte Zöpfe nicht mehr da, einfach weg,
für Hornspäne kein Verwendungszweck.

Stumpf die Gier, der Geist, die Schere,
ach, wenn es so wie einstmals wäre!
Mit der großen Schere in der Hand
schnitz ich Gestalten in die Wand.

Fremde Wesen zeigen ihre Gesichter,
ihre Körper, ihre Mimik, ihre Geschwister.
Sie wirken kraftlos, still, leblos, allein,
soll ich sie erwecken, bei ihnen sein?

Nach Stunden der Unschlüssigkeit,
schaben, kratzen, polieren, ist es soweit,
sie bewegen sich, reden, sind voll Neugier,
neue Inspirationen teilen ihr Leben mit mir.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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G20-Gipfel: 1000 Gestalten in Hamburg unterwegs

© Christian Angl

Sie entern lehmgrauverschmiert die Stadt

Weder sind irgendwelche Zombies aus einem Science-Fiction-Film entfleucht, noch konnten sich die „1.000 Gestalten“ gerade rechtzeitig vor einem Vulkanascheregen retten, um die erstaunten Hamburger und deren Gäste während der Zeit vor dem G20-Gipfel anzumahnen, sondern der gemeinnützige Kulturverein „NEU am See“ rief die Aktion „1000 Gestalten entern die Stadt“ ins Leben.

Wie im Text unzweifelhaft nachgelesen werden kann, bewegen sich jene mit Lehm überzogenen Gestalten unangreifbar, ausdruckslos voran, dabei klackende Geräusche von sich gebend, die per gewölbten Blech in einer Hand ausgelöst werden. Assoziationen von aneinanderschlagenden Knochen mögen durchaus so gewollt sein.

© Christian Angl

Höhepunkt einer eindrucksvollen Kunstperformance

Das Finale findet in Hamburg Mitte auf dem Burchardplatz statt, wo normalerweise einmal wöchentlich der Wochenmarkt seine Waren feil bietet, die 1.000 Gestalten schreiten durchs Chilehaus, klackend, schweigend, der Platz ist bereits voller Erwartung gefüllt mit vielen Zuschauern, einer Schar Pressevertreter.

Zum Höhepunkt, dem Finale, bewegt sich die Masse mitten auf den Platz. Vereinzelte Schreie durchdringen das bisherige Schweigen, erste Personen lassen die lehmverschmierte Kleidung fallen, umarmen sich gegenseitig, der Beginn der Transformation, wie das Kollektiv die Performance auch beschrieben hat, die Menschlichkeit kehrt zurück, der individuelle Ausdruck.

© Christian Angl

Der wichtige Hinweis lautet: Keine Veränderung, die von oben geleitet stattfinden darf, sondern jeder Einzelne hat es selbst in der Hand. Solidarität, Toleranz und ein konstruktiver Diskurs kann nur die richtige Lösung sein. Welch tolle und wichtige Aktion und Botschaft, die gerade diesen G20-Gipfel damit kreativ ermahnen möchte.

Ein friedlicher Protest ohne Polizei und Randale

Genau das wollten wohl die Initiatoren dieser Kunstaktion vermitteln. Schlimm genug, daß dieser G20-Gipfel begleitet wird von einer eindimensionalen Richtung, Donald Trump gegen den Rest der Teilnehmer, vergessen wir nicht, daß dieser US-Präsident die größte jemals in der Menschheitsgeschichte getroffene Vereinbarung, das Pariser Klimaabkommen, ablehnt und die USA damit letztlich isoliert.

Dramatisch genug, wenn schon in zwei Tagen der Ausnahmezustand die Hansestadt belastet, friedliche Proteste bereits im Vorfeld seitens der Polizei höchst fragwürdig gewalttätig behandelt wurden, denkt man an das per Verwaltungsgericht genehmigte Protest-Camp im Elbpark Entenwerder, welches die Staatsmacht widerrechtlich stürmte und somit den weiteren Aufbau sowie eine Übernachtung dort verhinderte.

Jedoch entschied nunmehr das Oberverwaltungsgericht, daß 300 Zelte sowie ein Küche und Duschen aufgebaut werden dürfen zwecks Übernachtung in Entenwerder. Last but not least setzten sich die Demonstrantenn durch, wie es weiter geht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Proteste und Widerstände

 

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Lärm in der Nacht

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Ich hab sie gehört, die Elefanten,
sie trampeln, trampeln, trampeln
durch die ganze Nacht,
aber niemand ist aufgewacht.

Ich hab sie gehört, die Trompeten,
sie tröten, sie tröten, sie tröten
eine ganze Nacht lang,
keinem wurde kalt, heiß und bang.

Ich hab sie gehört, die Stimmen,
sie singen, singen, singen,
mitten in der Nacht, leise,
laut, auf ihre eigene Weise.

Ich habe es gehört, den Lärm,
aus der Nähe, aus der Fern,
hunderte Nächte, vielleicht länger,
sie kamen, zu schützen die Lämmer.

Ich habe sie gerufen zur Hilfe,
sie kamen, sie kamen, sie kamen,
jede Nacht zu schützen meine Kinder,
sie sind Hüter aller Wesenskinder.

Ich habe sie gerufen, die Hirten,
sie sind viele, viele, viele,
die nachts aber auch tags
hüten der Geliebten Tat und Schlaf.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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