Es ist schwierig, kein Arschloch zu sein

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Und wenn es das Letzte ist, das ich sage,
hier auf dieser hölzernen Bahre,
so ist es nicht das absolut Bemerkenswerte,
noch das sprachliche Erhaltenswerte.
Es ist auch kein Schlußplädoyer,
das ist verdummendes Romanklischee.

Und wenn ich jetzt sprechen kann,
dann nur, weil ich bin nun weder Frau noch Mann.
Ich bin ein kleines verspieltes, trauriges Wesen,
das hoffte, liebte, fluchte, um daran zu genesen.
Was wollte ich nochmal sagen, im letzten Moment,
es ist noch keine Zeit, daß die Erde verbrennt.

Und wenn das Glück auf meiner Seite steht,
komme ich wieder, nie ist es für etwas zu spät.
Sorgen habe ich mir gemacht, Leid gespürt,
gebrüllt, manchmal war die Kehle zugeschnürt.
Getanzt habe ich gerne, gesungen, gelacht,
alleine, ab und an auch euch fröhlich gemacht.

Und wenn die Kraft schwindet, Sprache nur ein Hauch,
ihr mich nicht mehr versteht, fühlt mit eurem Bauch.
Ihr habt mich nicht alle kennen oder lieben können,
einigen von euch brachte mein Antlitz schon zum Flennen,
mein Wesen war euch ein Greuel, ihr konntet mich nicht sehen,
ich versuchte, euch trotzdem zu akzeptieren, zu verstehen.

Und wenn ich nun nicht mehr mein Wesen bin,
zerbrochen, kalt, verdorrt, gestorben ohne Sinn,
so war ich hier, habe gelebt auf diesem Erdenball,
war wie ihr, mal einsam, allein, mal fern, überall.
Verachtet, beachtet, erachtet mich nicht, Stille.
Es ist schwierig, kein Arschloch zu sein, sagt der Wille.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Berechtigte Aufregung um Rolf Peter Sieferles „Finis Germania“

Fanatisch verschrobene Bücher haben auf Leselisten nichts verloren

Wo beginnt und wo endet Zensur? Hat sie generell eine Berechtigung? Stets dort, wo Menschen zur Gewalt aufgerufen oder in Haßbotschaften regelrecht gezielt manipuliert werden, sollte sehr wohl die Gesellschaft selbst im eigenen Interesse eines friedlichen Zusammenlebens eingreifen.

Insofern kann man die berechtigte Aufregung um Rolf Sieferles „Finis Germania“ durchaus nachvollziehen, fanatisch verschrobene Bücher haben auf Leselisten nichts verloren. Die Konsequenz des NDRs, die Zusammenarbeit mit der Jury der „Sachbücher des Monats“   auszusetzen, ist somit zu begrüßen. Wer schon im Vorwort Auschwitz als einen „Mythos“ bezeichnet, welcher „der Diskussion entzogen werden soll“, den sollte man mitnichten empfehlen.

NS-Gedankengut durch die Hintertür

Nichts anderes gibt es bei Rolf Peter Sieferle zu deuten, der sich ziemlich offensichtlich mit seinem Buch „Finis Germania“ verrannt hat, eindrucksvoll seinen „Rechtsruck“ sowie seine „giftigen, rechtsradikalen Bücher“, wie die FAZ dies anmahnte, gegen Ende seines Lebens vor seinem Suizid unter Beweis stellte.

Man muß auch nicht den Spiegel-Journalisten Johannes Saltzwedel verstehen, der ganz „bewußt ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollte“. Obwohl er im Nachhinein sich für seinen Vorschlag entschuldigte, verbleiben offene Fragen, was ihn hierbei wohl geritten haben mag, zumal Sieferle etliche Grenzen überschritten hat.

Ohnehin warnt Andrea Röpke keineswegs zufällig vor rechtem Alltagsterror, der sich längst Wege der Entfaltung sucht, etliche Gruppierungen versuchen mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erhaschen, denkt man an die Identitären, eine Pegida, an etliche Blogs und Seiten im Internet, die mit ihren Haßtiraden unterwegs sind, meinen, sie könnten das Volk mit rassistisch verklärten Angstszenarien beeindrucken. NS-Gedankengut sucht sich auch noch nach über siebzig Jahren Wege durch die Hintertür.

Antifaschismus obsiegt weiterhin

Nie wieder Faschismus – schlimm genug, daß ein türkischer und ein weißrussischer Despot an europäischer Grenze ihr Unwesen treiben. Die Geschichte hat uns gelehrt, wohin solche Systeme führen. Natürlich darf ebenso kein EU-Diktat noch mehr Möglichkeiten der Gängelung erhalten, oder was hierzulande eine Agenda 2010 und deren menschenverachtende Hartz-IV-Gesetzgebung im Alltag für die Betroffenen bedeutet.

Wer sich jedoch im Fahrwasser einer AfD tummelt, den gilt es, vehement abzulehnen. Die Bundestagswahl wird im Herbst zeigen, in wie weit die große Mehrheit der Bürger verstanden hat, was Demokratie bedeutet. In diesem Kontext kann man nur dem NDR beipflichten, Rolf Sieferles Buch verpönt zu haben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Systemhetze

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Hauchen wir der Konspiration neuen Atem ein

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Ohne gleich eine verschwörerische Absicht zu deuten

In unseren Breitengraden beginnt die Transpiration mit Beginn des Frühlings, jedenfalls im Allgemeinen. Es gibt sogar Augenblicke, da kann man fast nicht umhin, davon auszugehen, daß dahinter eine Konspiration steckt, vor allen Dingen, wenn man aus unabwendbaren Gründen in einem Bus, einer Bahn sitzt. Anderseits dient die Transpiration auch Menschen zur „seelischen Orientierung“ beim Kennenlernen oder zu Testzwecken für neue Antitranspirationsdeos. Hier dient die Transpiration ebenso für neue Inspirationen für ein eventuelles Zusammenleben oder eben für die Kreationen neuer Duftkombinationen.

Und über allem schwebt der Geist der Flüchtigkeit, dem Vergänglichen.

Transpiration, in unserem Sprachgebrauch übernommen aus dem französischen transpirer, mittellateinisch transpirare, zu lateinisch trans, hindurch und spirare, blasen; (be)hauchen, atmen; leben. Andere Wörter sind Ausdünstung, Schweiß und als Verbform schwitzen.

Konspiration, aus dem lateinischen conspirare, eigentlich ursprünglich, einmütig sein, im Einverständnis handeln, abgeleitet von der Vorsilbe con, com, zusammen, mit und spirare, blasen; (be)hauchen, atmen; leben. Andere Ausdrucksformen sind, Komplott, Verschwörung und als Verbform, sich verschwören, sich zusammenrotten, sich verbünden.

Inspiration, aus dem lateinischen inspirare, hineinhauchen, abgeleitet mit der Vorsilbe in, hinein, auf, an und spirare, blasen; (be)hauchen, atmen; leben. Andere Begriffe sind Einfall, Erleuchtung, Gedanke, Idee, Impuls, Intuition, Eingebung und als Verbform, motivieren, anregen, anspornen, animieren, befeuern, motivieren.

Wenn es eine Inspiration gibt auch eine Exspiration?

Exspiration, aus dem lateinischen exspirare, herausblasen, aushauchen, abgeleitet mit der Vorsilbe ex, aus, heraus und spirare, blasen; (be)hauchen, atmen; leben. Dieses Wort findet sich im Sprachgebrauch der Medizin und bedeutet Ausatmung und in der Verbform, ausatmen, ausblasen, auspusten.

Abschließend bleibt noch zu erwähnen, daß das Substantiv von spirare, der Spiritus Atem, Hauch, Luft, Puste und Lebensgeist, Geist bedeutet. Und auch als Begriff sämtlicher vergällter Äthylalkohole, Weingeist, Sprit verwendet wird.

Was ist denn nun an diesem Text und der Bedeutungserklärung von Transpiration, Konspiration, Inspiration, Exspiration und Spiritus so interessant, um so aufgeschlüsselt darüber zu schreiben?

Vielleicht ist Ihnen bei der Aufzählung aufgefallen, daß nur das Wort Konspiration in seiner ursprünglichen Bedeutung heute, möglicherweise aber schon immer vorkam, denn konspiratives Verhalten gab es wohl zu allen Zeiten, eine negative Aussage beinhaltet. Dies ist umso befremdlicher, weil doch gerade ein „zusammen“ atmen, leben eigentlich als positiv zu bezeichnen ist, da ein Handeln im gegenseitigen Einverständnis ein friedliches Miteinander beschreibt. Die Konspiration, die Verschwörung, der Komplott sind aber als Begriffe negativ zu werten, da hierbei von hinterhältigen, geheimen Treffen ausgegangen werden kann, die sogar nur dem Zwecke dienen, mit den Resultaten der Zusammenkünfte anderen zu schaden, also auch in ihrem Handeln nur eine „böse“ Absicht steckt.

Die Inspiration, das Einhauchen, die Flüchtigkeit einer Intuition, Idee kennt nicht nur der Teil der Bevölkerung, die künstlerisch, schöpferisch tätig sind. Die Transpiration, die Ausdünstung, der Schweiß ist ebenso wohl (oder übel) jedem Menschen bekannt. Die Exspiration, das Ausatmen ist ein lebenserhaltender Vorgang wie natürlich das Einatmen und wird bis auf Ausnahmen, wenn ein Kind in der Trotzphase den Atem anhält oder wenn der Atem stockt bei einem Schock, meist unbewußt von allen Wesen „praktiziert“.

Einzig die Konspiration bleibt auch in diesem Zusammenhang eine Ausnahme, zwar gibt es in der Kinder- und Jugendzeit die Anwandlung, sich verschwörerisch gegen jemanden zu positionieren, entweder um zu ärgern, zu provozieren oder um Freude, eine Überraschung vorzubereiten. Dies sind aber nur vorübergehende „negative“ Zusammenschlüsse und bedeuten nicht, daß diese Menschen generell nur schlechte Absichten verfolgen. Gerade in der Kinder- und Jugendzeit sind solche „Verschwörungen entwicklungsberechtigte Vorkommnisse und wie in dem Wort beinhaltet „flüchtig“, vergänglich.

Wenn aber im Zusammenhang mit Konspiration im gesellschaftlichen Leben gesprochen wird, so deutet hier alles darauf hin, daß dieses Zusammenhauchen keine flüchtige Erscheinung ist, sondern im Gegenteil eine abhängige, teilweise bis zum Ableben eingegangene Geheimniskrämerei, die hinterhältige Absichten hegt.

Das ist sehr schade, auch im Sinne des Wortes, denn was könnten Menschen alles erreichen, würden sie gemeinsam atmen, hauchen? Als Beispiel seien hier die Atemübungen bei Schwangeren mit ihren Partnern oder bei Meditationsübungen genannt.

Warum auch immer die Sprache hier aus einer an und für sich bestens geeigneten gemeinsamen Handlung den Bezug zu Geheimniskrämerei anstatt zu Übereinstimmung von Einmütigkeit vollzogen hat, sei dahingestellt und ist in dem Sprachgebrauch nicht zu ändern. Zu ändern allerdings ist das Bewußtsein, daß nur durch einen gemeinsamen Rhythmus des Atmens, des Geistes, der Inspiration, (Eingebung, Gedanke), der Transpiration, (Ausdünstung), der Exspiration, (Ausatmung) die Möglichkeit besteht, eine auf Dauer starke Gemeinschaft entstehen zu lassen, wenn sie zudem die Fähigkeit der heterogenen (verschiedenartig, uneinheitlich, andersartig) Entwicklung fördert.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Parteitag der Linken offenbart eine klare Botschaft

Sahra Wagenknechts Spott gen Martin Schulz durchaus berechtigt

Um es freiweg schnörkellos zu betonen, ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis darf man getrost als ziemlich unrealistisch werten, zumal gerade die SPD sich so gar nicht auf Die Linke zubewegt, die Grünen ohnehin gemeinsame Sache mit neoliberalen Parteien machen, denkt man an Zusagen zur Union sowie zur FDP.

Natürlich kann man Sahra Wagenknecht nach diesem dreitägigen Parteitag der Linken nur noch zustimmen, auf dem sie am Ende durchaus berechtigt Martin Schulz mit dem Hinweis verspottet, es stehe nicht in ihrer Macht, aus dem Kanzlerkandidaten einen Jeremy Corbyn zu machen. Die klare Botschaft offenbart zwar keine generelle Absage an Rot-Rot-Grün, dennnoch liegt der Fokus auf eine glaubwürdigere Oppositionsarbeit.

Radikaler Politikwechsel mehr als notwendig

Insofern muß man nicht unbedingt die Überschrift der Welt als plötzliche Erkenntnis werten, wer den Reden einer Sahra Wagenknecht sowohl im Deutschen Bundestag als auch in TV-Talkshows aufmerksam gelauscht hat, sollte längst wissen, welche dringend notwendigen Standpunkte sie verteidigt und unverblümt zum Besten gibt.

Einen radikalen Politikwechsel muß man mehr als notwendig fordern, will Deutschland noch innerhalb Europas sowie weltweit eine glaubwürdige Führungsrolle durchstehen. Ein simples Stillhalten und sich Fügen im Verbund einer US-amerikanischen Strategie bedeutet ohnehin ein nicht einzuschätzender, viel eher kriegerischer Weg, wie man unschwer an zunehmenden Auslandseinsätzen erkennen sollte. Eine Zustimmung für eine Regierungsbeteilung per Beschränkung ohne Kampfeinsätze widerspricht der bisherigen Haltung der Linken, Bundeswehreinsätze grundsätzlich abzulehnen.

Mit diesem Martin Schulz kann sowieso keine Regierung zustandekommen, käme er selbst in den Genuß, das Kanzleramt zu erreichen. Erstens deuten die Prognosen im Moment auf einen Sieg von Angela Merkel hin, zweitens wirkt Schulzes Koalitionsgeschacher nicht nur hölzern, obendrein besteht er weiterhin auf die Agenda 2010.

Die Grünen am Ende das Zünglein an der Waage?

Mit kurzem Blick zur letzten aktuellen Umfrage bei Emnid, fünfzehn Wochen vor der Bundestagswahl, darf die Union die vierzig Prozent anvisieren, erreicht die SPD gerade mal die 25%, während die anderen vier kleineren Parteien zwischen 7 und 9% schwanken, wobei die FDP in den letzten Wochen im Mittel etwas höhere Prozentzahlen dem Wähler scheinbar entlocken würde als Die Linke.

Der Konjunktiv deutet auf manche Überraschung hin. Daß diese AfD bereits mittelfristig eher Stimmen verliert, läßt hoffen, der mündige Wähler fällt eher nicht auf deren Phrasen herein. Dennoch könnten am Ende die Grünen das Zünglein an der Waage sein, wenn Schwarz-Gelb sie für ein sicheres Regierungsbündnis benötigt, weil die Linken zurecht einer R2G-Koalition weder zustimmen noch sie überhaupt zustande käme mit einer derart geschwächten SPD.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Das zweite Gesicht

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Ist das aber heute wieder so voll! Und der Geruch dieser vielen Menschen. Abgestanden und schal. Ein jeder trägt den Mief von einem ganzen schäbigen Arbeitstag mit sich herum und verpestet die Luft in diesem kleinen Abteil. – Wie ich das hasse! Es ist, als würde mich der Gestank an der Kehle packen und versuchen, mich zu erwürgen. Hach, das ist wirklich die Krönung eines so scheußlichen Tages wie heute. Jeden Tag wird es schlimmer auf dieser Welt. Es ist bald nicht mehr zum Aushalten!

Mein Boß hatte heute auch nicht gerade die allerbeste Laune, und wenn ich nur an meine Kollegen denke. Solche Ignoranten, die wissen auch nicht, wo die Grenze ist. Aber hetzen, ja hetzen können sie ganz gut. Als wenn ich nicht schon mein bestes bringen würde… und überhaupt, warum soll ich mich denn so reinhängen. Bringt doch eh nichts mehr in dieser heutigen Zeit.

Au! Was für ein Idiot, kann der denn nicht aufpassen, wohin er da tritt?! Kommt sich wohl besonders stark vor, so groß und breitschuldrig wie er ist. Kein Wunder, daß da die Welt vor die Hunde geht. Haben anscheinend keine Augen mehr im Kopf, diese jungen Leute!

Oh, nein. Da hinten ist schon wieder so ein Irrer, der nicht weiß, was sich gehört. Sollte gefälligst seine Meinung für sich behalten. Interessiert sowieso kein Schwein. Und deinen Sitznachbarn auch nicht. Sieht man ihm doch an. – Moment mal, schaut der mich etwa an?! Was soll der Blödsinn! – Starr gefälligst jemand anderes an, hab mit mir genug zu tun. Und außerdem, was geht mich das Ganze an, he?! – Ein jeder ist sich selbst der Nächste.

Muß mich dieser Blödian von Angsthase denn weiter so komisch anstieren? – Wo ist nur die Zeitung. Ah, hier. Mal sehen, was da so alles steht… oh mein Horoskop: Machen Sie sich auf eine Überraschung gefaßt. Der Schein trügt, folgen Sie Ihrem wahren Gefühl. – Die Zukunft hält postive Eigenschaften für Sie bereit. Noch so´n Quatsch! – Ach, endlich. Da ist meine Haltestelle, Gott sei dank…

Am nächsten Morgen

Ah, der Schlaf hat gut getan. Auch wenn ich diesmal sehr unruhig geschlafen hab. Muß wohl am Vollmond gelegen haben. Scheiß drauf, der heutige Tag wird sowieso genauso scheußlich sein wie der davor. Wenn nicht noch scheußlicher als gestern! – Hach, Kaffeesatz in der Tasse – die Filtertüte ist wohl schon wieder gerissen.

Aber, was… was suchen die Farben, die Formen so plötzlich darin? Sieht ja aus wie ein Gesicht. Wie ein scheußlich grinsendes Gesicht. Mir wird so eigenartig! – Was geschieht mit mir? Ich trete ja aus mir heraus, hinein in eine stickige Dunkelheit. Oh, dieser Geruch. Dieser abgestandene und schale Geruch. Er greift mir an die Kehle und würgt mich. Wie wird mir… so schwindlig. Es erfaßt mich und reißt mich in eine Tiefe hinab.

O nein, wo… bin… ich denn jetzt?! Es wird plötzlich so hell, …nein… fleckig. Dunkle Konturen tauchen mich hinein in ein Licht. Neonweiß und kalt. Huch, wie komm ich hierher?! Ist das denn die Möglichkeit?! Das ist ja… dieses gräßliche Abteil von gestern Abend.

Da… ist ja schon wieder dieses abstoßende Gesicht aus meiner Kaffeetasse. Und es kommt näher und näher. Verschwinde, los verzieh dich! Ich will mit dir nichts zu tun haben. Komm mir nur nicht näher. Was willst du nur von mir? – Hab doch gar nichts getan. Wirklich nichts!! – Laß deine dreckigen Finger von mir! Hilfe, zu Hilfe, hört mich denn keiner hier? Man bedrängt mich! – Das müßt ihr doch alle sehn! Schaut doch her – seid ihr etwa blind und taub?!

Ignoranten, habt wohl Tomaten auf den Augen und Petersilie in den Ohren? So helft mir doch endlich. Dieser freche Kerl. Der… der will mir an die Wäsche! – Ach, so ist es. Ihr wollt nichts damit zu tun haben, ihr Feiglinge. Ja, schaut nur weg, könnte euch ja jemand ans Bein pinkeln.

Und was ist mit dir, du dort an der Ecke, du hast doch alles genau gesehen. Warum tust du nichts? – Ja, du! Du weißt genau, daß ich dich ansehe. Oh, nein. Genauso ein feiges Schwein, versteckt sich hinter der Zeitung! Du Elender, läßt mich auch einfach im Stich. Egoist du! Hirn hast du nicht mal für einen Pfennig, sonst wüßtest du, was zu tun ist.

Ah, endlich. Er hat die Zeitung weggelegt und kommt näher. Aber, aber… ist so etwas denn möglich? Der… der schaut ja genauso aus wie ich! – Nein, nein das kann nicht sein. Unmöglich!

Hilfe, ich falle, falle immer tiefer… nein, falsch! Es ist die Tasse. Sie fällt aus meiner Hand. Nein, sie springt geradezu aus meiner Hand. Braune Brühe tropft nun an meinem Glastisch herunter. Malt Wege, viele Wege. Sie laufen alle in Zickzacklinien. Sie haben alle unterschiedliche Richtungen eingeschlagen und dennoch, sie laufen einem Ziel entgegen. Und ich, ich bin mittendrin.

Andrea Dejon

Kategorie: Satire

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Katar-Krise: Kann ein vierter Golfkrieg verhindert werden?

Pulverfaß Naher und Mittlerer Osten kommt nicht zur Ruhe

Als ob nicht schon genügend Kriege und Krisen jene Region in den letzten Jahren erschüttert hätten, scheint die Weltpolitik ganz besonders besorgniserregend aufgescheucht, obwohl die Katar-Krise nicht unbedingt total unabwendbar sich abzeichnet.

Kann dennoch ein vierter Golfkrieg verhindert werden, zumal jüngst Außenminister Sigmar Gabriel vor Krieg am Persischen Golf warnt? Gut gebrüllt, Löwe, möchte man dem SPD-Politiker erdwidern, man erinnere sich doch mal, mit welch simpler Leichtfertigkeit Waffengeschäfte auch Deutschland nebst anderen Nationen mit Saudi-Arabien tätigt, ohne irgendwelche Gewissensbisse oder moralische Bedenken.

Mit diesem Donald Trump besser das Porzellan retten

Man erinnere sich, was beim G7-Gipfel gegen Ende des letzten Monats geschah. Der frischgewählte US-Präsident glänzte eher elefantenartig bei diversen Treffen, seine rüpelhaft undiplomatische Haltung nötigte zunächst die Bundeskanzlerin, die Trumps Porzellan zusammenkehrte. Der kritische Beobachter weiß allerdings, daß dies keineswegs ausreichen wird.

Wie ein roter Faden fügen sich bestimmte Ereignisse zusammen, die somit mitnichten zufällig geschahen, denken wir an die vielen Waffendeals etlicher Nationen mit den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, – sicher doch, dies geschieht ebenso weltweit -, dennoch beschäftigt die Weltgemeinschaft jetzt jene wichtige Region vor allem wegen der riesigen Öl- und Gasvorkommen.

Inzwischen mag die Rede von übertriebenen Summen der US-Waffendeals mit Saudi-Arabien sein, trotzdem setzen die USA gewisse Zeichen, so daß andere Länder ebenso mitmischen wollen. Tragischste Voraussetzung für die nunmehr entstehenden Spannungen.

Allianzen und Bündnisse schwören diverse Szenarien herauf

Das kleine Emirat Katar, welches rund 4.000 km² kleiner ist als Schleswig-Holstein, soll nunmehr Auslöser für jene Krise sein? Etliche Staaten haben die diplomatischen Beziehungen mit ihm gestoppt, bestimmte Allianzen und Bündnisse schwören insofern diverse Szenarien herauf?

Denken wir an die Konflikte zwischen den USA, der EU, Saudi-Arabien auf der einen Seite und dem Iran, der VR China, Syrien und Russland auf der anderen, dann wird ziemlich schnell deutlich, was dort bevorstehen kann. Mittendrin keineswegs unerheblich: die Türkei mit diesem Despoten an der Macht, der gar als Schlichter betrachtet wird. Äußerst fraglich wie dies funktionieren soll.

Schon befinden wir uns erneut bei Donald Trump und dessen schroffe Verhaltensweise. Völlig zurecht schreckt das Pentagon in Washington auf, schließlich befinden sich in Katar zwei wichtige US-Stützpunkte, von Al Udeid werden die Angriffe per Flugeinsätze gegen den IS geflogen.

Der Krieg gegen den Terror schweißt daher nicht unbedingt sämtliche Nationen zusammen, die obendrein sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen begegnen. Das nützt in erster Linie den Terrorbanden selbst, die Welt kann dadurch nicht zur Ruhe kommen. Genau im Gegenteil, die Kiste wird damit erst recht in den Sand gefahren, und Wüstensand ist bekanntlich genug vorhanden im Nahen und Mittleren Osten, um das bildhafte Gleichnis mit der Realität zu bestätigen.

Kann ein vierter Golfkrieg verhindert werden, um nochmals auf die Eingangsfrage zurückzukommen? Angesichts dieser kompliziert komplexen Lage kann dies niemand ausschließen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Unsere Liebe scheint

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Sie denken, sie seien Millionen Horden,
deshalb wären sie im Recht, zu morden.
Sie töten nicht nur Menschenleben,
sie töten Freiheit, gönnen niemanden Segen.

Sie denken, dies bringe Unsterblichkeit,
für andere Angst und Sorgen, sie seien befreit.
In Wirklichkeit sorgen sie sich nur um ihr Ich,
das ist winzig, belanglos, übersehbar, mickrig.

Sie denken mit Drohungen, Haß, Häme
erschaffe man eine glückliche Atmosphäre.
Sie kennen keine Fröhlichkeit, Ausgeglichenheit,
Kadavergehorsam ist für sie Gemeinsamkeit.

Sie nörgeln an allem und jedem herum,
für Lösungsvorschläge sind sie zu dumm.
Sie besitzen keine Spontanität, Flexibilität,
nur eine einmal gefaßte Meinung zählt.

Sie fälschen Namen, Likes und Quoten,
drum laßt uns sehen auf ihre Pfoten.
Horcht genauer noch als bisher bei den Argumenten,
denn ihre Artikel, Videos sind alles Zeitungsenten.

Sie denken, sie seien Millionen Horden,
deshalb könnten sie von allen fordern,
nach ihren Bedingungen zu leben,
doch da liegen sie vollkommen daneben.

Denn du und ich, wir stehen hier zusammen,
um für Frieden, Freiheit, Stimmen zu sammeln.
Wir haben es nicht nötig, zu prahlen, zu schreien,
denn wir sind Persönlichkeiten, lassen unsere Liebe scheinen.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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