Flötenspiel

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Es begaben sich zwei Igel auf Wanderschaft,
der eine wollte bald pausieren,
während der andere voller Tatendrang.
Sie hatten all ihren Mut aufgebracht,
ihnen konnte ohnehin nichts passieren,
als von Weitem erscholl ein lauter Klang.

Den vermochten beide nicht einzuschätzen,
zumal noch ihr Ziel vor Augen lag,
welches nicht nur mit Mut verbunden.
Dank ihrer Stacheln konnte keiner sich verletzen,
das brachte sie dennoch nicht weiter an jenem Tag,
es galt, überall die Gegend zu erkunden.

Da, der Klang erscholl plötzlich ganz nah,
die Igel sich zu einer Kugel zusammenrollten,
ein Mädchen spielte beherzt eine Flöte.
Etwas einmalig schönes daraufhin geschah:
Noch mehr Tiere sich zu allen trollten,
am Ende sprang herbei ne große Kröte.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wenn das Sommerloch ausfällt

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Satirischer Rückblick…

Denn wir wissen doch ganz genau, am Ende zählt stets das Geld. Drum sei schlau und mach was aus den gegebenen Möglichkeiten, die och in solch wirren Zeiten sich uns offenbaren. Mögen selbst in Scharen vom Elend Getroffene durch die Lande ziehen, weil sie schlicht berechtigt fliehen, bestehen sture Nimmersatte auf ihr Hab und Gut, nutzen aus jedwede Not.

Das Wesen der Sinne beinhaltet nicht Verweilen, keineswegs von Problemen davoneilen, vielmehr in Frieden zusammenleben – das hat uns die Schöpfung mitgegeben! Das interessiert gewisse Machenschaften wohl kaum, für den Bialowieza-Urwald bald aus der Traum? Widerstand in Folge kündigt sich berechtigt an, jetzt und nicht irgendwann.

Drum tragen wir bunte Keider, zeigen jedem Neider, daß wir uns nicht unterkriegen lassen bei jenem stupiden Hassen. Selbst wenn die Gewalt wesentlich mehr zunimmt, dabei Menschlichkeit davonrinnt, Hetze auf Kosten der Terroropfer perfide Wege findet, Politik sich gar schuldlos windet, wird am Ende die größte Kraft im Kosmos, die Liebe, siegen. Bösartigkeit wird schlicht nichts kriegen!

Dort stehen Pflanzen am Straßenrand, wohin wohl die Gerechtigkeit verschwand? Bereits schon zu spät des Abends bevor die Welt untergeht? Wer weiß, wann es soweit. Hauptsache, ohne Scheiß, man ist einfach bereit. Dat jilt och für Paule auf dem Heimweg.

Klingt in Ihren Ohren schräg? Mag schon sein, nicht nur so zum Schein das Chamäleon auf der Jagd auf einem Baume hockt. Die Schöpfung hat nichts verbockt. Der Mensch hat’s in seiner Hand, och wenn bereits gefährlich steht an des Abgrunds Rand. Die DLRG mahnt Zunahme von Nichtschwimmern an. Schön, wer noch schwimmen kann, das Gegenteil keineswegs ne jute Option. Aber Hauptsache Reichtum erklimmt seinen Thron.

Einfach loslassen, so der gutgemeinte Rat, stoppt dieses Prassen, schreitet klug zur Tat. Och wenn Bond ist schuld, nur Geduld. Manch einer mag dies nicht glauben, doch schaut genauer hin, öffnet die Augen, das ist der Sinn! So wie zur Türkei, wo Erdogans Kurs skurile Formen annimmt. Nix einerlei, die Welt ist erneut auf Gewalt getrimmt.

Wir wissen es ohnehin schon, Gruppenstrukturen beeinflussen uns bishin zur Isolation, soziale Systeme in Abhängigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen verweilen. Da hilft kein chaotisches Davoneilen, vielmehr gerade zum Trotz gemeinsame Lösungen suchen und finden, sich nicht simpelst herauswinden, einfach verschwinden. Was gilt in höchster Not, kommt gleich einem Gebot? Mensch kann auf Erden nicht friedlich leben, wenn er vergißt, dem Nächsten zu geben.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Gerade zum Trotz

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Widerstände beim Heranwachsen oder Raubbau treiben?

Obwohl Ihnen das angebotene Produkt gefällt, wollen sie es trotzdem nicht kaufen. Der Grund für Ihre Entscheidung mag Ihnen bewußt sein oder es ist einfach ein Bauchgefühl, also ein unbestimmtes Argument, warum Sie es nicht kaufen möchten. Man könnte sagen, Sie trotzen sich selbst gegenüber.

Wenn Kleinkinder in der Trotzphase stecken, ist ihr Trotz genauso oft nachvollziehbar wie unerklärlich, da bis eben noch alles in Ordnung war. Der Trotz ist demnach selbst für Kinder nicht immer ausgelöst durch einen triftigen Grund, sondern geschieht eben auch des Trotzens willen. Man ist trotzig, trotzdem es keinen Grund gibt. Scheinbar. Denn oft erklärt sich der Trotz, weil man trotzt.

Trotzen, herausfordern zum Kampfe, Widerstand leisten, selbstbewußt, stolz sein. Die Herkunft des Wortes läßt sich nicht genau bezeichnen. In den mitteldeutschen Gebieten wird trotzen überliefert als trotzen, trutzen, tratzen und nahmen wohl von dort den Weg in die niederländische und die nordischen Sprachen. Im Bereich des Ruhrgebietes war „trotzen“ auch „Raubbau treiben“, der Begriff stammt aus dem Bergbau und Hüttenwesen und bezog sich auf Eigentümer, die das ausgehende der Flötze abbauten, also mehr oder weniger die letzten Reste noch abbauten.

Andere Begriffe für trotzen sind sich auflehnen, die Stirn bieten, entgegenwirken, opponieren, rebellieren, aufmucken, meutern, sich zur Wehr setzen, auf die Barrikaden gehen, Widerspruch erheben.

Aus dem Geschichtsunterricht vielleicht noch in Erinnerung die als Trutzburgen bezeichneten Anlagen. Die Trutzburgen sollten dem Begriff nach als wehrhaft und uneinnehmbar für Angriffe gewappnet sein. Wobei nicht jede Trutzburg gleichzeitig ständig „bewohnt“ war. Es gibt verschiedene Auslegungen für diese Art der Burgen, mal waren es rein strategische Bauten, die in der Nähe von zu erobernden Burgen erbaut wurden. Sie waren Rückzugspunkte, dienten als Waffennachschub, verhinderten durch Wegsperren eine Flucht und ermöglichten das Anbringen von Wurfgeschossen in möglichster Nähe zur feindlichen Burg. Anderseits waren diese Burgen auch Bauten auf Fremdgebiet, um deren Expansion zu verhindern. Seit dem Spätmittelalter sind diese Burgbauten bezeugt, und viele dieser Burganlagen bestanden aus Holz und befanden sich meist oberhalb der Zielburg, die es zu erobern galt.

Vielleicht ist trotzen im weitesten Sinne mit einer Nachlese zu vergleichen. Arme Menschen durften nach der Kartoffelernte über die Äcker ziehen, um die letzten Kartoffeln auszubuddeln. Oder möglicherweise vergleichbar mit, die letzten Reste noch zu verwerten, obwohl eigentlich keine mehr übrig sind. In der Bergmannssprache bedeutet „ausrauben“ die Betriebsmittel, aber auch den Ausbau aus einem aufgegebenen Grubenbau entfernen. (trotzen, Raubbau treiben)

In der deutschen Sprache gibt es einige Wörter, die heute nicht mehr häufig im Sprachgebrauch vorkommen, sich in ihrem Ausdruck auf Trotz beziehen. Trotzfeder, Feder auf dem Hut rauflustiger Burschen, Trotzfeste, Stätte des Widerstandes, Trotzgesang, Spott- und Scherzlied, Trutzgesicht, „die Zunft der Humanisten zog aus für ihren Vater, die Jugend ihrer Schulen bot den Kutten das Trutzgesicht“ (Wilhelm Schäfer), Trotzgott, Bezeichnung für den Turm zu Babel, trotzhaft, hochfahrend, Trotzhut, Prahler, Aufschneider, Trotzkrieg, Angriffskrieg, trotzmütiglich, unerschrocken, kühn, Trotzwaffe, Angriffswaffe, Trotzwinkel, und natürlich nicht zu vergessen Trotzkopf, eigensinniger, halsstarriger Mensch oder Haltung.

Dies ist nur eine Auswahl, zeigt aber deutlich, daß unsere Altvorderen sich wohl intensiv mit diesem Wort, Begriff und dessen Aussage beschäftigt haben oder anders ausgedrückt, sie haben trotzig das Wort ausgeraubt, getrotzt. Scheinbar hat es ihnen gefallen, den Raubbau, den Widerstand in vielen Dingen, Angelegenheiten zu sehen und zu benennen. Möglicherweise war es der Beginn (seit dem Spätmittelalter) nicht nur in der Sprache sich zu wehren, zu rebellieren, aufzumucken, sondern auch in verschiedenen Lebensbereichen jemanden die Stirn zu zeigen, selbstbewußter zu werden?

Wie immer man es sehen oder interpretieren mag, trotzen kann das Gegenüber dazu verleiten, eine Zustimmung zu erteilen, die ohne die Beharrlichkeit, Sturheit, des sich zur Wehr setzens nicht zustande- gekommen wäre. Trotz ist demnach ein Mittel für eine erzwungene Einwilligung, ein Angriff auf die persönliche Einstellung.

Der Trotz der Kleinkinder, der Pubertierenden, unser eigener Trotz ist sowohl als auch ein Zeichen von Selbstbewußsein, ebenso die Fähigkeit der Zerstörung (Störung) des Selbstbewußtsein des Gegenübers.

Einige der Trutzburgen wurden nach Beendigung der Angriffe aufgegeben und der Natur überlassen, andere wurden als Lehensburg dem ehemaligen Feind überlassen, andere wurden ausgebaut, um sie als eigene Burganlage zu benützen. Ähnlich verhalten wir uns, entweder reagieren wir auf den Trotz nicht, oder wir gehen Kompromisse ein, oder wir erkennen an dem trotzigen Verhalten ein Stück „Wahrheit“, so daß wir diese Position des Trotzes einnehmen können.

Bezogen auf die politischen Auseinandersetzungen, die zurzeit auch durch „Trotzreaktionen“ gekennzeichnet sind, sollte jedem klar sein, daß ein vorschnelles Einknicken die eigene Position schwächt. Anders ausgedrückt, wer sich dem Trotz von Haß, Gewalt, Häme, Diskriminierung beugt, der wird höchstens ein Lehen bekommen, geduldet sein und werden.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Soziale Systeme in Abhängigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen

Zwänge, Isolation oder Führung – was verbirgt sich in Gruppendynamiken?

Ohne die Hilfe seinesgleichen vermag der Mensch nicht im geringsten überleben, da von Geburt an ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Durchaus kann eine soziale Isolation später eintreten, aber zunächst benötigen wir unsere Entwicklung zum lebensfähigen Sein zusammen mit all jenen, die uns dorthin führen.

Bleibt menschlicher Beistand während unserer ersten Lebensjahre vom Baby zum Kind und Jugendlichen aus, würden wir tierähnlich vor uns hin vegetieren, ohne Sprachgebrauch und kulturell menschlichen Verhaltens. Mitarbeiter in psychiatrischen Anstalten oder ähnlichen Einrichtungen wissen, daß es leider ziemlich alle Formen der Verwahrlosung gibt, die Menschen einander antun können. Daß dadurch unterschiedliche Handicaps während der Entwicklung entstehen, liegt auf der Hand.

Gruppenstrukturen beeinflussen uns bishin zur Isolation

Die Kleinfamilie, wie Eltern und ihr Kind, bildet bereits eine Gruppe. Es sind Gruppen, die uns Menschen ein Leben lang begleiten. Sei es im Kindergarten, in der Schule, beim Arbeitsplatz, beim Sport, in unserer Freizeit im Bekannten- und Freundeskreis, Gruppen geben uns somit genügend Halt, auch um unser Selbstwertgefühl zu bestätigen, wir fühlen uns sicher und aufgehoben, vorausgesetzt, es gibt keine tragischen Differenzen.

Darin begründet sich die Feststellung einer gewissen Gruppenstruktur, die in jeder Gruppe vorhanden ist. Wer sich in sehr vielen Gruppen „bewegt“, z.B. durch häufigen Klassenwechsel in der Schulzeit, der weiß, daß in jeder Gruppe stets die gleichen „Typen“ anzutreffen sind: der Außenseiter, der Clown, der Führer, der Intrigant, der Schöne, der Sündenbock und noch etliche andere Rollen. Eine gewisse Rangordnung findet stets statt, was die Interaktion der Gruppendynamik beeinflußt, je nachdem, wie homogen sich ihre Mitglieder untereinander verhalten. Friedhelm Neidhardt definiert Gruppe soziologisch wie folgt: „Gruppe ist ein soziales System, dessen Sinnzusammenhang unmittelbar durch diffuse Mitgliederbeziehungen sowie durch relative Dauerhaftigkeit bestimmt ist.“

Was geschieht mit Menschen, die sich von bestehenden Gruppen lösen, eben für sich entscheiden, lieber allein zu sein, da auf lange Dauer zur Vereinsamung führen kann? Hierbei sollten wir nicht unterschätzen, wie schnell ein Rückzug entsteht, ganz besonders dann, wenn der Einzelne dem Gruppenzwang sich nicht mehr aussetzen will. Selbst der scheinbar Schwächste in einer Gruppe bleibt ein Individuum. Genau das zeichnet uns Menschen aus. In diesem Zusammenhang sei an die Zunahme von Singles erinnert, die nicht nur mit einer Beziehungsunfähigkeit erklärt werden können, sondern ebenso ein Phänomen zunehmender Vereinsamung darstellen.

Wer führt Gruppen an?

Viele Menschen blicken ihren „Führern“ oder Alpha-Menschen entgegen, nicht immer bewußt und unbedingt nach außen sichtbar, aber in der praktischen Anwendung unbedingt. Während man den Alpha-Menschen grob zwischen Commander, Macher, Strategen und Visionär unterscheidet, sind es genau deren Eigenschaften, die sie ausmachen.

Der charismatisch, erfolgshungrige Commander betrachtet sich selbst als Einzelkämpfer, der durchaus Streitigkeiten schlichtet, dennoch dominant und einschüchternd wirkt, sogar Regeln nicht so genau befolgt. Der Macher, überfordert zwar sein Team, weil er überkritisch und ungeduldig zu viel erwartet, einerseits ein gutes Auge für Probleme hat, andererseits aber oft Mißfallen zum Ausdruck bringt und daher auch keine Anerkennung ausspricht.

Der datenorientierte, analytische Stratege als selbstgefälliger und sturer Besserwisser blickt kühl und somit emotionslos hinter das Offensichtliche, hat keinerlei Teamgeist und schafft es dennoch, abweichende Vorstellungen zu integrieren. Der vierte Alpha-Typ, der enorm kreative Visionär hingegen schafft es tollkühn, die Menschen von seinen Ideen zu begeistern, sie zu überzeugen, auch wenn er sogar die Wahrheit verdreht, inspiriert er einfach mit der Zukunftsperspektive. Dennoch blicken Gruppenmitglieder auf, wenn eines dieser Alpha-Menschen in Erscheinung tritt, sie delegiert.

Menschenführung zwischen Unterdrückung und individueller Freiheit

Greift somit das Prinzip der Menschenführung, weil Menschen vielleicht doch geführt werden müssen und geführt werden wollen? Das sollte uns nicht weiter in helle Aufregung versetzen, da es ständig um uns herum geschieht. Vom Familienoberhaupt, dem Klassenlehrer, dem Abteilungsleiter bis hinein in die Politik und leider auch in despotische Verhältnisse, Führungspersönlichkeiten begleiten alle Menschen weltweit überall.

Es kommt dabei nur darauf an, daß dies in einem humanen, vertretbaren Verhältnis geschieht. Diesen Idealfall gibt es genauso wie die vielen Mißstände. Und es liegt an uns selbst, in wie weit wir trotz Führung unser ureigenes Individuum bewahren oder eben zugunsten der Gruppe aufgeben. Lassen wir Unterdrückung und einen kollektiven Zwang erst gar nicht zu, die Ergebnisse solcher Handlungsweisen an Menschen füllen schon zu genüge die Geschichtsbücher.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Bond ist schuld

Geraldine
arbeitete in der Kantine.
Ihr Haar war blond.
Ihr Lieblingsheld James Bond.

Mit jedem Wechsel der Schauspieler
änderte sie die Vorstellung über Traummänner.
Ihr Aussehen paßte sie deren Geliebten an,
Haarschnitt, Kleidung, sie war mehr als ein Fan.

War sie anfangs noch schüchtern, zögerlich,
fand die vielen Wechsel der Mimen unnötig,
ging es ihr später nicht schnell genug, mißmutig,
aus Frust darüber biß sie sich die Lippen blutig.

Nun mit fast Mitte fünfzig, noch keck und fetzig,
der Schock, kein Bond mehr, sie fix und fertig.
Wahrscheinlich, eventuell, nicht sicher,
Craig, spielt bei Bond 25 den Bösevernichter.

Vor Aufregung einer bevorstehenden Verwandlung,
das neue Bondgirl stand noch nicht in der Zeitung,
war sie abgelenkt, da fand ein Gast an diesem Tag
einen abgebrochenen Fingernagel im Salat.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Erdogans despotischer Kurs nimmt skurile Formen an

Verhaftung von Taner Kiliç keineswegs akzeptabel

Da gibt es durchaus noch so manche Steigerung, die eine Weltöffentlichkeit erleben muß hinsichtlich dieses türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der keinerlei Gewissensbisse kennt, um seine Politik zu rechtfertigen. Die jüngste Verhaftung des Menschenrechtlers und türkischen Chefs von Amnesty International, Taner Kiliç, unter dem Vorwurf, dieser habe die Gülen-Bewegung unterstützt, ist keineswegs akzeptabel, entspricht reiner gezielter Willkür.

Erdoğans despotischer Kurs nimmt inzwischen skurile Formen an, der „türkische Pascha“ läßt immer mehr Menschen einfach wegsperren, so wie die Literaturdozentin Nuriye Gülmen, die sich weiterhin im Hungerstreik befindet und in Lebensgefahr schwebt. Wie lange schaut die Weltpolitik noch weg?

Heute Amnesty International, morgen Ausstieg aus Europa und Nato?

Angesichts dieser erneuten Verhaftungswelle verbleibt viel Raum für Spekulationen, was Erdoğan in nächster Zeit noch so alles einfallen könnte, seine vermeintliche Macht auszubauen. Der schon lange sich anbahnende Schritt zum Alleinherrscher der Türkei wird nicht nur zur Gewißheit, obendrein wächst gleichzeitig der Weg zur internationalen Isolation.

Davon können andere Despoten ein Lied singen, denken wir z.B. an Kim Jong-un, der ziemlich allein in der Weltgemeinschaft dasteht. Was hatte Recep Tayyip Erdoğan alles für Träume und Wunschvorstellungen zu Beginn seiner Führungsrolle, denkt man zurück an die Zeit, als die AKP im Jahre 2002 überragend gewann, er in Folge weitgehende Reformen umsetzte, die Abschaffung der Todesstrafe, die Erweiterung der Meinungsfreiheit, der Wille zum Beitritt in die EU.

Nichts davon ist heute übriggeblieben, auch die Wiedereinführung der Todesstrafe steht zur Diskussion, heute Amnesty International, morgen vielleicht der gänzliche Ausstieg aus Europa und der Nato? Das wäre zwar für die ziemlich angespannten Räume des Nahen und Mittleren Ostens ein zusätzliche Belastung, dennoch durchaus im Bereich des möglichen.

Wenn Menschenrechte in der Praxis mit Füßen getreten werden

Dann haben Menschenrechtsorganisationen, Reporter ohne Grenzen oder eine UN nur noch symbolischen Wert, die Wirklichkeit straft somit deren Bemühungen, die im Rausch mächtiger Regierungen verebben. Welch dramatische Erkenntnis, die einmal mehr aufzeigt, was unsere Spezies in all den Jahrtausenden am Ende gelernt und umgesetzt hat: Der Stärkere setzt sich durch, es zählen nicht Gerechtigkeit und Frieden, sondern die Befriedigung einer nimmersatten Gier einiger Weniger. Der Rest der Welt hat sich ihnen unterzuordnen.

Wer durchschaut das politische Intrigenspiel? Falls ja, es nützt nur nicht viel, wenn Menschen sich verschaukeln lassen, sich verlieren im gegenseitigen Hassen. Drum erkennt endlich den eigentlichen Sinn und Zweck: Sie nehmen Euch die Menschlichkeit weg!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Einfach loslassen

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Und wenn du nicht mehr klar denken kannst,
weil die Sorgen dich zu arg belasten,
keine Zeit mehr verbleibt,
der Wahnsinn dich antreibt,
gar welche sich anmaßten,
du hättest dich einfach verschanzt,
dann laß möglichst alles raus,
was seit einer Ewigkeit sich aufstaute.
Warum jener gutgemeinte Rat?
Nicht weil’s um deine Gesundheit nur schad,
sondern dein Ich sich endlich traute,
beherzt zu widersprechen ohne Paus’.

Das Fazit solch befreiter Aktionen:
Man mag sich eine zeitlang schonen,
glaubt gar, es könnte sich lohnen.
Am Ende zählt nur Gerechtigkeit,
wenn es dann mal soweit,
geht verloren manch tiefe Einsamkeit.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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