Falsche Friedensengel unterwegs

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Bild von Ian Moone auf Pixabay

Krieg beenden durch Verhandeln,
den eigenen Verstand verschandeln,
Biermann nennt sie Secondhand-Kriegsverbrecher,
zu Recht, sie machen sich zum Gelächter,
wer dermaßen blauäugig unterwegs,
der geht so manchem auf den Keks,
wobei das Leid in der Ukraine anhält,
Kriegsnachrichten jeden Alltag quält.

Was denken solch Unbedarfte sich dabei,
glauben wohl, sie seien der letzte Schrei,
mit Narzißmus hat dies auch viel zu tun,
wir sollten nicht länger ruh’n,
sie in die politische Pflicht zu nehmen,
auf daß sie sich gewissenhaft schämen,
schließlich geht’s ums Überleben,
mitnichten nach Putins Offerten streben!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Schwarze Schwäne auf Papier

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Bild von Светлана auf Pixabay

Wo, wenn nicht hier
liegt ein Klappmesser aus Papier
auf meinem Schreibtisch,
jeder Schnitt noch ganz frisch.
Ganz frisch auch Spuren von Asche,
sieht aus wie Schmutz im Schnee.
In meinen Wimpern hängen Tränen,
durch ihr Schimmern sehe ich Schwänen
zu, schwarzen Schwänen, die zum Ufer
gleiten, zu mir, dem unbekannten Rufer.
Ich stehe auf des Messers Schneide,
umspült von sanften Wellen, beneide
der Schwäne majestätische Gelassenheit
in dem zugefrorenen See, mit Sicherheit
die brüchigen Eisstellen zu finden,
die durch ihre Bewegungen verschwinden
und ihnen den Weg zu mir freimachen,
damit meine Tränen fließen vom Lachen.
Mein Mascara ist längst verteilt
auf dem Papier und meinem Gesicht, es eilt
nicht, das Weinen zu beenden.
Ohne diese Tränen fänden
die Schwäne nicht den Weg zu mir,
und das Klappmesser aus Papier
hätte nie Spuren des Gebrauchs,
kein Abschnitt bliebe meines Zeitenhauchs.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Poetry-Slam

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Vergelt’s Gott

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Bild von Thomas Wolter auf Pixabay

Die Tür zum Himmel
steht offen sperrangelweit,
für den neuesten Trend,

wer seine Hände in Unschuld
wäscht, nicht mit Seife, obwohl
Seife schmiert, einschmiert,

einseift seinen Scheiß,
den er verzapft
mit Gottes Willen,

dem dankt Gott.
Vergelt’s Gott jedem
mit einem Bett im Himmel.

Für den Durchzug
im Schacht,
der vollgestopft

mit Ruchlosen,
die nach seinem Job gieren,
gibt’s bloß Luft, sonst nichts,

vermischt mit dem Geruch
von einem Häuschen mit
Herzausschnitt in der Tür.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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49-Euro-Ticket schlichtweg zu teuer

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Bild von Chuck Reisinger auf Pixabay

Die Ampel überläßt der FDP das Feld

Während die einen meinen, man solle doch mal die Kirche im Dorf lassen, immerhin sei die Bundesregierung so großzügig, um das beschlossene 49-Euro-Ticket allen zu gönnen, beklagen sich berechtigterweise andere, es sei einfach für eine nicht unwesentliche Bevölkerungsschicht letzlich zu teuer. Anstatt aus der Erfahrung des kurzweiligen 9-Euro-Tickets die folgerichtigen Schlüsse zu ziehen, entscheidet allen voran Bundesverkehrsminister Volker Wissling sich für die teuere Variante. Eine frapante Fehleinschätzung.

Der große Haken beim 49-Euro-Ticket lesen wir bei T-Online. Zum Jahreswechsel soll es in Kraft treten, als Plastikkartenticket oder auch digital zu kaufen sein. Sowohl die Länder als auch der Bund sollen mit rund 1,5 Milliarden Euro es finanzieren, obendrein seien noch mehr Gelder vonnöten für einen reibungslosen ÖVPN.

Die Liberalen plädieren nach einem Jahr bereits für eine Erhöhung

Ginge es nach der FDP, würde schon im zweiten Jahr eine Preissteigerung anstehen, die ausbleibe, wenn immer mehr Menschen das Ticket kaufen würden, so deren Argumentation. Klingt zunächst plausibel. Nur fragt sich halt, woher sie kommen mögen, die Massen, die sich dem Gedanken anschließen?!

Dazu gesellt sich die berechtigte Kritik seitens Parteichefin Janine Wissler, die völlig zu Recht darauf hinweist, daß schlichtweg für viele Menschen schon das 49-Euro-Ticket nicht bezahlbar sei. Nicht nur für Hartz-IV-Empfänger, im nächsten Jahr für Bürgergeld-Empfänger, sondern auch für Geringverdiener, Studenten und Rentner. In den Hirnwindungen der Liberalen offensichtlich nicht vorhanden!

Besser als gar nichts

Könnte man argumentieren. Klar doch, die Zeit der Schere zwischen Arm und Reich sollte endlich ein Ende nehmen. Aber wohl eher ein jähes, statt ein schleichendes mit etlichen Hintertürchen für all jene, die gar ein Geschäft mit der Armut im Sinn haben.

Wann wird das endlich beherzigt? Offensichtlich noch lange nicht. Erinnert sei in diesem Kontext an Krisenfall- und Notsituationsempfehlungen, die weiterhin nicht für ärmere Schichten gelten. Was für ein Armutszeugnis! Dann sollten wir uns auch nicht wundern, daß die verantwortliche Politik weiterhin zögerlich mit solchen Vorschlägen um die Ecke kommt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Soziales

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Kein Klavier benannt nach mir

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Bild von Diana Roberts auf Pixabay

Ich war ihnen peinlich,
sei nicht so kleinlich,
dachte ich mir,
wer spielt schon Klavier?

Kein Gruß, kein einziger,
geht’s noch geiziger?
Bevor auch ich Worte verlier,
spiel ich halt Klavier.

Erinnerungen benoten,
wer hat dreckige Pfoten?
Mit Tinte das Blatt ich verschmier,
ich besitze kein Klavier.

Unbekanntes Dasein,
nur der Name soll bekannt sein,
zur Ordnung auf dem Papier,
ich schlepp doch kein Klavier.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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Keinen Raum für Ohnmacht

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Bild von tprzem auf Pixabay

Die Welt gerät aus den Fugen,
Gewalt soweit das Auge reicht,
Nachrichten sich überschlugen,
Mensch auf Krieg geeicht.

Anstatt friedlich zusammenleben,
Lug und Trug der Alltag,
was soll jenes bösartige Bestreben,
woran das nur wieder lag?

Kein Blick in die Vergangenheit,
die Zukunft scheinbar vielen egal,
solch Gebaren alles andere als gescheit,
Menschheit schreitet durchs finstere Tal.

Man fragt sich, ob Lösungen in Sicht,
Geduld uns auf eine harte Probe stellt,
wichtig dabei manch Gericht und Verzicht,
vielleicht uns dies das Gemüt erhellt.

Wie können wir Frieden gestalten,
wenn Waffen weiterhin produziert,
es wußten bereits schon unsere Alten,
daß am Ende die Hoffnung verliert.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Keine Brücke

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Bild von Andreas Göllner auf Pixabay

Die Aussicht war nicht besonders toll,
eine kleine Hügelkette bewachsen
mit alten Buchen und Eichen.
Täglich stand ich am Fenster,
um mich zu vergewissern,
nichts hat sich verändert.
Manchmal nistete sich Nebel
zwischen die Bäume, als würde
er ihnen seinen Atem schenken,
oder der Schnee versuchte,
die kahlen Äste mit einer weißen Decke
zu schützen oder sie mit
weichen Flocken festlich zu schmücken,
konnte mich nie entscheiden,
was mir als Ast lieber wäre.

Ich kannte ein paar Waldwege
dort drüben über dem See,
manche so schmal, daß jeder Schritt
ein Wagnis war, ihn zu begehen.
Mit meinem Blick wich ich
einer Baumwurzel aus, duckte mich
unter tiefhängenden Ästen, stapfte
durch das Wasserloch, das selten
zum feuchten Morast wurde,
eigentlich schade, denn im Matsch
erkannte ich etliche Fußspuren,
selten deshalb meine Schuhabdrücke.
Keine Brücke verband die beiden Ufer,
die Strecke war mühsam, bis ich das Fenster
mit meinem Blick nach hier hin sah.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Gedichte

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