Frisch gestrichen

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Es war ihm unangenehm, darüber zu sprechen. Nur einen Gedanken daran zu verschwenden, stürzte ihn in einen Morast von Gefühlen. Ein modriger Gestank drang aus der Unterwelt seines Bewußtseins an die Oberfläche. Ihm wurde übel! – Ein Loch tat sich vor ihm auf. Er sprang beiseite. Gedankensprung!

Jedesmal, wenn er in den Spiegel blickte, waren es seine Gesichtszüge, die ihm seine Herkunft hart vor die Füße schmetterten. Er war in ihnen gefangen. Gefangen im Bild seiner Ahnen. Ein Gefangener seiner selbst. Wie ein unangenehmer Spuk huschte es durch seinen Kopf, sein Hirn, von Synapse zu Synapse. Sie umwirbelten ihn wie ein wilder Trommelwirbel. Aufbegehrend, ans Licht drängend, Grenzen verwischend.

Es war das Land seiner Väter und Urväter. Urwüchsige Steppen, hohe Berge und tiefe Schluchten. Endlose Weiten. Die Weite des Himmels. Offen und frei. Ein Flimmern lag über Allem. Verbarg in sich eine vielstimmige Melodie. Mit einem Rhythmus, der durch alles Lebendige zog und sie zu Brüdern und Schwestern der Mutter Erde machte.

Doch diese Töne waren verstummt. Die Freiheit beschnitten, die Traditionen geraubt. Kegelförmige, im Kreis angeordnete, aus Büffelleder gefertigte Gebilde erhoben sich aus dem sandigen Boden. – Zusammengepfercht. Zusammengepfercht auf kleinstem Raum! Längst vergessener Zeiten gedenkend. Das Licht der Sonne verhüllend.

Er knipste das Licht aus. Die Bilder verschwanden, entschwanden seinen Gedanken, tauchten seine Blicke hinein in jene Gegenwart, die ihn zu einem Namenlosen machten. Einem namenlosen, gesichtslosen Außenseiter! Der junge Mann ging langsam ans Fenster und sah auf die Straße hinunter. Dunkle Mauern, schwarze Türme, dunkle Mauern, schwarze Türme. Auswechselbar, einheitlich, monoton! Metallene Gehäuse. Gehäuse aus Schall. Laut lärmend. Ein Lärm, der jedes Gespräch übertönte. Übermalte. Anmalte. Hektisches Treiben – Hektik treibt – treibt eine Riesenschlange… vorwärts.

Köpfe rollten. Tausende rumpflose Köpfe. Seelenlos, rastlos, ratlos. Uferlos! Sein Kopf wanderte mit. Wandelte sich. Es trieb ihn weiter. Nur nicht still stehen. Nicht denken! Sich weiter drehen. Wie ein Rädchen weiter drehen. Taktvoll, rhythmisch. Dem Takt folgend.

Ein Ton löste sich. Löste sich auf. Färbte sich ein. Urwüchsige Steppen, hohe Berge und tiefe Schluchten – tiefes Schluchzen… endlose Weiten… endloses Weinen… eingeschlossen und gefangen! Beschnitten und der Freiheiten beraubt. Zusammengepfercht. Zusammengepfercht auf kleinstem Raum. Unfreies Herz, möchte schlagen. Schlagen ganz laut. Doch deine Töne wurden übertönt. Getönt mit neuer Farbe. Aus Rot wurde Weiß.

Von ihm aber blätterte die Farbe immer wieder ab! Immer noch schmetterte ihm der Spiegel seine unliebsame Herkunft in die Augen. Hart und unausweichlich! Seine Gesichtszüge verrieten ihn, hielten ihn gefangen. Er war gefangen in ihnen. Gefangener einer Farbe. Seiner Hautfarbe!

Andrea Dejon

Kategorie: Kurzgeschichten

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Xavier Naidoos Sympathiewelle für dubiose Reichsbürger

Rechtsradikale fühlen sich bestätigt – Künstlerkollegen differenzieren nicht

Welch Shitstorm geisterte durch die Medien, in sozialen Netzwerken tummelten sich besonders erfreulich angetan all jene, die endlich mal eine weitere Stimme erhielten, die ihre Meinungen nach außen trug. Hatten bereits Pegida-Kundgebungen nicht die versprochene Wirkung erzielt, selbst diese AfD konnte nicht wirklich sich steigern, punktete jedoch Xavier Naidoos Sympathiewelle für dubiose Reichsbürger endlich mit entsprechender Aufmerksamkeit.

Obwohl „Marionetten“ gänzlich übers Ziel hinausschießt, differenzieren selbst Künstlerkollegen nicht, halten dem Mannheimer Sänger lieber die Stange. Man könnte schon fast vermuten, Hauptsache Solidarität zeigen, anstatt sich inhaltlich mit Naidoos Werdegang auseinanderzusetzen.

Kritik an deutsche Politik wird mit hohlen Phrasen instrumentalisiert

Ein alt bewährtes Mittel, welchem sich nur zu gerne gerade Rechtsradikale bedienen. Der einfache Bürger möge die eigentlichen Zusammenhänge bloß nicht erkennen, schnell aufgebaute Feindbilder gilt es zu streuen. In den Fokus geraten all jene, die ganz genau hinschauen und analysieren. Wer nicht folgt, wird automatisch in die Ecke der Antifa gestellt, obendrein als US-freundlich abgefertigt.

Na klar doch, kann man die Politik einer Frau Merkel kritisieren, die demutsvolle Haltung dem Hegemon gegenüber, eine unnötige kriegerische Linie mit erhöhter Aufrüstung verbunden, aber mitnichten per rassistischen Forderungen bis hin zu gewaltverherrlichenden Umsturzphantasien. Die Neue Rechte scheint ihre Hausaufgaben gemacht zu haben, wenn sie schon Menschen wie Xavier Naidoo sowie den Söhnen Mannheims mit dermaßen simplen Phrasen beeindruckt. Die böse Saat jener fanatischen Verschwörungstheorien scheint aufzugehen.

Eine aufmerksame und wache Jugend mahnt zurecht an

Um so beeindruckender, daß die Grüne Jugend sowie die Satirepartei „Die Partei“ zum Auftakt des diesjährigen Plaza Festivals gegen Xavier Naidoos Auftritt protestierte. Richtig so. Genauso wie die konsequente Haltung des NDR, der sich von der Präsentation des diesjährigen Plaza Festivals zurückzog.

Man wird wohl kaum erwarten dürfen, daß Xavier Naidoo seinen eingeschlagenen Weg ändert, zu festgefahren hält er an diesem Gedankengut fest. Obendrein profitiert die Neue Rechte von jenem Sänger, nutzt jede Gelegenheit, dessen Präsenz für ihre Zwecke auszunutzen.

Wer hierbei nicht ganz genau differenziert, kann schnell selbst in Verdacht geraten, als Sympathisant der Neuen Rechten eingeordnet zu werden. Das sollten all jene, die weiterhin an Xavier Naidoo festhalten, sich vergegenwärtigen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Trumps heldenhafte Woche der Handshakes

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Satirischer Rückblick…

Da, ein fester Händedruck, der sich vor laufenden Kameras zeigte, keineswegs politische Ambitionen vergeigte, ganz im Gegenteil boten solche Bilder doch eines feil: Der Trump kütt och nicht drumherum, seinen beschränkten Horizont nimmt man ihm kaum krumm. Warum?

Nun, erstens, weil’s inzwischen die trögeste rechte Dumpfbacke weiß, ja, ohne scheiß, und zweitens die Welt versucht, sich auf ihn einzustellen. Verflucht, zu viele Medien über ihn Urteile fällen.

Nicht nur der feine Unterschied macht es aus, beim Produkt oder Ware. Aber man fällt doch nicht mit der Tür ins Haus, Diplomatie scheint hierbei das einzig Wahre. Schon janz schön krass, jene Rüstungsdeals in Saudi-Arabien en masse. Ob die Politik überhaupt erahnt, was sich damit anbahnt?

Solch Nachhaken mag abgehoben erscheinen, die eigentliche Gefahr sollte dennoch niemand verneinen. Was bei Lichte betrachtet manch einem aufzeigt: Sie ham’s vergeigt. Jedoch Zeit nicht umkehrt, wer’s verschweigt, lebt verkehrt. Wieviel Pflanzen und Tiere sollen denn noch verschwinden, Blauäugigen man versucht, Bären aufzubinden? Wie verrucht! In Uganda Schimpansen in den Wäldern von Bugoma gefährdet sind, manch einer vor Trauer keine Wort‘ mehr find’.

Wer alles platt macht, gewinnt nicht an Größe. Warten bis es kracht? Wer gibt sich hierbei die Blöße? Als Beispiel dient jüngst Trump, jener Lump, dessen Sparkurs zur Versorgung armer Bevölkerung exemplarisch ist, gänzlich ohne List, vielmehr ohne jede Scheu hervorgetragen. Immer mehr sich darüber lautstark beklagen.

Selbst Gedankenelfen vermögen nicht mehr zu helfen. Manchmal erscheint vieles zu spät, genauso wie die Rollenverteilung der Geschlechter im Diskurs zur Realität. Schockiert in etwa ihre letzten Fans, über First Lady’s Performance? Was dabei geschah, war doch ohnehin schon lange klar.

Welch tragische Nachricht, der Terroranschlag in Manchester verdeutlicht seine perfide Absicht. Kampf dem Terror, so lautet der gemeinsame Tenor. Zu viel Schaben schädigt Erschafftem, was wohl manche an Reichtum zusammenrafften?

Zurück zu Trumps Ziel: Dessen Forderungen beim Nato-Gipfel entsprechem seinem Regierungsstil. Dazu aber gehört nicht viel, außer ein wenig rüpelhaft sich präsentieren, dieser Präsident hat wohl nix zu verlieren. Noch mehr Proteste wären erste Pflicht, weil so gar keine Änderung in Sicht.

Woran dies wohl lag, verpaßt Tag für Tag? Wenn ich was zu sagen hab… nehm ich’s doch besser mit ins Grab. Sie wissen doch, am Ende jeder Hochstapler sich in den letzten Winkel vor Scham, wenn er welche denn hätt’, verkroch!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Wenn ich was zu sagen hab

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Wenn ich was zu sagen hab, noch nicht, aber bald. Dann wird sich einiges ändern, dann werden nicht mehr so viele ihr Maul aufreißen, das wird ihnen schlecht bekommen. Noch ist es nicht so weit, aber bald, das schwöre ich. Ich habe vorgesorgt, ich bin bestens versorgt, schließlich braucht es dafür einen langen Arm. Mit dem kleinen Finger bin ich schon dran, die merken es noch nicht, ich bin schlau. Vorbereitung ist alles, geschult habe ich mich selber, jahrelang.

Soll ich dir was sagen, du mußt nur die amerikanischen Filme ansehen, die brutalen, die ab 16, nein, du kannst auch Thriller, Krimis, Road-Movies, Horrorfilme aus anderen Ländern ansehen. Bei mir hat es halt mit den amerikanischen Helden angefangen, den Westernhelden. Diese Männlichkeit, diese Härte, diese Rücksichtslosigkeit, wenn es um eine gerechte Sache geht. Für Gerechtigkeit setz ich mich ein, meine Gerechtigkeit ist wichtig. Das ist das wahre Leben, aus dem gehänselten Kind wird ein Mann, ein Mann, der für sich kämpft und für die, die ihm zu Füßen liegen. Auch für Frauen, sexy, geile Frauen.

Keine Emanzen, Hausfrauenfrauen, die immer scharf sind, wenn ich komme, und ich komme immer, mehrmals hintereinander. Meine Männlichkeit steckt in jeder Pore, und das wissen diese verkommenen kleinen Huren zu schätzen. Deshalb lieb ich auch die seichten Romanzen, das hab ich entdeckt, da kann man diese Biester zum Heulen bringen, wenn man auch noch den harmoniesüchtigen Romantiker gibt, den Naturliebhaber auf dem Sofa, der mit heult, wenn ein Hundebaby in den Swimmingpool fällt, das gefällt den Ladies.

Überhaupt, das können die Amis am besten, diese Filme, alles wird gut, und sie leben glücklich bis diese Schmonzetten, wenn du das mitspielst, kriegst du die schüchternsten Bumsnudeln ins Bett, da vergessen die alles, sogar, wenn du sie schlägst, sie verzeihen dir einfach alles. Hast du verstanden? Da lernst du was, wenn du dir diese Filme reinziehst, da hab ich gelernt, Wolkenkratzer zu erklimmen, die Schönsten zu befreien, Komplotte aufzuklären, auf fahrende Züge zu springen, Nahkampf, da kann mir keiner was vormachen, meine Kugeln treffen sicher, jedes Messer werf ich dir in den kleinsten Punkt, und jetzt paß auf, du kannst dies alles nur, wenn du bereit bist, dich ganz schnell, schneller als dein Schatten, merk dir Sätze auch aus Comics, überall her, vom Actionfilm bis zur Kleinmädchenkomödie und kopier dies alles in dein Leben.

Ja, du hast richtig verstanden, wenn ich’s dir doch sage, deshalb kriegt mich auch keiner am Arsch, wenn ich was zu sagen habe, bald. Denn ich bin trainiert, durch und durch trainiert, mein kleiner Finger hat die Sache, die große Sache schon berührt. Die wissen es nur noch nicht, wie ich die um meine Finger wickle. Hab alles im Griff, bin so schlau, hab sogar mehrere Brillen besorgt, von Herr Professor, zu Studienrat, zum Playboy. Kann mich anpassen wie ein Chamäleon, drehen und winden wie eine Schlange, hab’s drauf.

Komm, komm, frag mich nach einer Rolle, ich kenn sie alle, vom Mafiaboss zum Psychopathen, zum Playboy, Abenteurer, Schiffbrüchigen, Wissenschaftler, Erfinder, Astronaut bis zu den mutigsten Eroberern. Und weißt du was, ich krieg die alle so am Arsch, weil ich mich ständig verwandeln kann. Übers Internet hab ich die super Plattform, was meinst du, was ich erfinderisch sein kann, ich hab Namen und Charaktere, da träumen andere ein Leben lang von. Aber sowas von.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie man die alle um die Finger wickeln kann, copy und paste, alles ist da ständig parat. Computergesteuert, finanziert sich selbst, stellst was rein, läßt es mal durch die Plattformen schießen, alles gesteuert, alles andere Namen, alles andere Gruppen, alles automatisch, automatischen Haß. Hey, das bringt Kohle, da klingeln die Kassen, und ich übernehm bald alle eure Bedürfnisse, denn ich werde dann bestimmen, was ich will, was ihr zu tun und denken dürft. Ich, mir das Meiste. Kein James Bond kommt mir auf die Schliche. Keine freien, eigenen Gedanken mehr, denn alle wollen nur so sein wie ich. Ich hab solange schon Haß gestreut, daß sie dankbar sind, wenn ich sie atmen lasse.

Überall stehen dann die Posten, alles im Griff, alles vorbereitet, wenn ich dann das zu sagen hab, was sie sein dürfen. Keiner kommt an mich ran, denn ich kenne alle Tricks. Ich hab alles gelernt, auf der Couch, zuhause, du brauchst nur mehrere Computer, mehrere Identitäten, alles verschlüsselt, macht einer die Schnauze auf und zack ist er im Knast, da paß ich auf. Kunst nur noch, die ich liebe, Wissen nur noch, das ich auch weiß, Kinder nur noch, die so aussehen wie meine Helden und die willigen Frauen. Und weißt du was, sie werden dankbar sein und mich anhimmeln, denn sie müssen nicht mehr denken, fühlen, bloß noch so handeln, wie ich es ihnen sag.

Das mögen sie, den Helden, der alles weiß, bevor sie zu denken anfangen. Und wenn es einer mal schafft, dahinter zu kommen, einer meiner Personen beim Lügen erwischt und bumm, dreh ich das um und ich bin das arme Opfer, und bumm, hab ich die Weiber hinter mir, die mich bemitleiden und bumm, bin ich der Held, weil ich Opfer bin, ein unschuldiges Opfer. Und das können dann alle lesen, in meinen Büchern steht das drin, alles natürlich fingiert, andere Namen für die Autoren, andere Namen für Verlage, andere Namen für die Helden, meinetwegen auch mal eine Mutterfrau, die sich die Augen ausweint für ihren so heiß geliebten Ernährer, dem sie alles zu verdanken hat.

Merkt keiner, hab’s bereits mehrfach ausprobiert. Wenn ich was zu sagen habe und das habe ich bald, dann bin ich das heldenhafte Opfer, der sich als Held aufopfert. Und das alles von meiner Couch aus, hinter mir ein paar von mir verfaßte Bücher, vor mir der PC, und da brülle ich jetzt zum Endspurt meine ganzen Wutattacken raus, denn ich bin so sensibel, ich halt’s nicht aus, wenn meinen Helden etwas passiert, das lasse ich nicht zu, da spürt ihr meine Wut. Nein, sag nichts, du blöder, beschissener Computer, du Verräter, du verlogener Mistkerl, du verblendeter Wichtigtuer, von dir lasse ich mir nichts sagen, gar nichts, denn ich bin der Herr der Schalter. Verdammter Stromausfall, Sabotage, zeigt eure Gesichter, ihr Feiglinge, ihr Denunzianten, ich will doch nur spielen. Ich kann keiner Fliege etwas zuleide tun, Norman Bates, Psycho, den kenn ich noch gar nicht.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Keine Änderung in Sicht

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Neue Köpfe braucht das Land,
wer regiert mit weiser Hand?

Tausend Worte sagen wenig aus,
zu viele leben halt in Saus und Braus.

Niemand kann die Leute überzeugen,
Argwohn und Mißtrauen Politik beäugen.

Solange Eliten gesättigt schweigen,
lassen Enttäuschte sich nichts mehr zeigen.

Systeme laufend seit ehedem versagen,
in den Gesichtern sieht man tausende Fragen.

Neue Köpfe könnten weise regieren,
was hat nur Humanismus real zu verlieren?

Die Gier nach ewiglichen Reichtum
verhindert Frieden, macht alles stumm!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Nato-Gipfel: Trumps Forderungen entsprechen seinem Regierungsstil

Nicht kleckern, besser klotzen – nach uns die Sintflut

Christliche Heuchelei erhielt in den letzten Tagen gleich mehrfach Bestätigung, selbst wenn man Papst Franziskus ob seiner bescheidenen, friedlichen Art ein Stückweit liebgewonnen haben mag. Es ändert nichts an den historischen Vorgaben eines Vatikans und eines weltweiten Wettrüstens, wobei gerade die USA einen wesentlichen Anteil initiieren.

Da trifft Donald Trump bei seiner Auslandstour, die bereits seit Tagen die Medien beschäftigt, den Heiligen Vater, der wiederum eindrucksvoll seine Abneigung per eindeutiger Mimik zum Besten gibt, während an Christi Himmelfahrt Angela Merkel mit Barack Obama beim Evangelischen Kirchentag in Berlin plaudert, wenige Stunden später entsprechen Trumps Forderungen beim Nato-Gipfel seinem Regierungsstil: nicht kleckern, besser klotzen – nach uns die Sintflut. Wer massive Nachzahlungen fordert, bescheinigt der Weltöffentlichkeit die eigentliche Absicht jener USA: Kriegsszenarien bedeuten Profite auf Kosten eines friedlichen Miteinanders.

Gewalt, Krieg und Terror – mittendrin eine Nato als Spielball ihrer Auftraggeber

In erster Linie betroffen: Europa nebst Russland, der Nahe und Mittlere Osten sowie Nordafrika. Solange keine Langstreckenraketen gen USA entsendet, darf dieser neue US-Präsident noch schalten und walten, wie es ihm gerade in den Kram paßt. Sein Vorgänger hat ganze Arbeit geleistet mit der Wiedereröffnung eines kalten Krieges, Feindbild Russland wurde spätestens durch den Maidan-Putsch vorgeführt.

Gleichzeitig erschufen mit 9/11 die Bushs die Öffnung der Büchse von Pandora, per War On Terror erklärt man gleich den Islam zum neuen Feindbild, schnell erschafft man einen IS, den es nunmehr global zu bekämpfen gilt. Dabei kommt der gezielt herbeigeführte Syrienkrieg zum Zuge, wo sich allerlei Terrorbanden austoben dürfen, selbst Deutschland per Bundeswehr-Kriegseinsatz verpflichtet wird.

Die Nato rückt in den Fokus größerer Aufmerksamkeit, schließlich löst man längst Krisen und Kriegskonflikte per Militärgewalt, seit dem Jugoslawienkrieg beweist sie ihre grausame Schlagkraft, kein Wunder, daß auch Russland sorgenvoll gen Westen blickt. Rüstungsdeals erlangen einen höheren Stellenwert als die eigene Bevölkerung, Trumps Sparkurs zur Versorgung der Armen im Lande unterstreicht dies exemplarisch.

Wer verliert am Ende? Trump durchs Amtsenthebungsverfahren oder unser aller Frieden?

Es wäre das erste Mal in der Geschichte der USA, sollte ein Amtsenthebungsverfahren tatsächlich erfolgreich verwirklicht werden. Viel wahrscheinlicher wird dieser Donald Trump seinen miserablen Regierungsstil fortsetzen, genauso wie seine ersten hundert Tage, die ohne Glanz und Glorienschein sich präsentierten. Enttäuschung auf ganzer Linie.

Aber wen interessiert das schon, die Welt wird viel zu sehr in den Bann sich verselbständigender Gewaltszenarien gezogen, sei es durch Terrorakte, Kriege oder andere Nöte, die noch bevorstehen, denken wir an Wetterextreme, hausgemachte Verarmung und sozialer Not, die vielfach stetig zunimmt.

Der längst neu entflammte kalte Krieg zwischen dem Nato-Westbündnis und Russland veranschaulicht auf erschreckende Weise, wie gleichgültig und menschenverachtend der Hegemon seine Ziele durchsetzen will. Freiheit um jeden Preis widerspricht jedweder friedlicher Koexistenz!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Zu viel Schaben schädigt Erschafftem

Zwischen Pfusch und Genialität

Ein Wort, das in den letzten Monaten häufig erwähnt wird in Zusammenhang mit sozialen, wirtschaftlichen, politischen Themen, ist „schäbig“. Besonders schäbig die Ausdrucksweise, sein Verhalten war schäbig, so oder ähnliche Sätze fließen in fast jeder Gesprächsrunde als Ausdruck für, eigentlich ist es unfaßbar, unvorstellbar, wie hier gehandelt, was hier gesprochen wurde.

Schäbig, mittelhochdeutsch schebic, räudig, von Schabe, Schäbe, Krätze, Räude, abgeleitet von schaben. Synonyme sind ärmlich, zerlumpt, jämmerlich, mies, knauserig, schmutzig, perfide, verachtenswert, niederträchtig.

Schaben, althochdeutsch scaban, ursprünglich, mit einem scharfen Werkzeug arbeiten, schneiden, spalten, sprachverwandt mit schaffen. Andere Wörter sind hobeln, kratzen, reiben, scheuern, raspeln.

Schaffen, althochdeutsch scaffan, scaffōn scepfen, schöpfen, ursprünglich schnitzen, mit dem Schaber bearbeiten, verwandt mit schaben. Andere Begriffe sind arbeiten werkeln, rackern, gestalten, formen, erledigen, werken, hantieren.

Allein schon durch diese kurze Aufzählung ist zu erkennen, durch zu vieles schaffen, schaben, kann etwas schäbig werden, oder? Dies vorausgesetzt läßt einen Schaden entstehen, wer kennt es nicht, wenn durch zu viel scheuern, eine Oberfläche zerkratzt wurde?

Schaden, althochdeutsch scadōn, Schaden. Andere Wörter sind beschädigen, beeinträchtigen, ruinieren.

Der Schaden, mittelhochdeutsch schade, Schade. Synonyme sind Beeinträchtigung, Schädigung, Störung, Fehler, Defekt, Verlust, Makel, Defizit, Mangel.

Der Schade, veraltet, althochdeutsch scado; gotisch skaþjan, schaden. (es soll dein Schade nicht sein), „du wirst dafür belohnt werden“

Nun wird auch hier nicht von einer eindeutigen Verbindung oder überhaupt von einer möglichen Sprachverwandtschaft gesprochen zwischen den beiden Wörtern, schaben und schaden, seitens der Sprachwissenschaft. Dies wiederum ist insoweit verständlich, da keine eindeutigen Rückschlüße zu ziehen sind. Diesen wissenschaftlichen Beweisführungen unterliegen nicht die Sprachexkursionen, die in meinen Kolumnen zu lesen sind, sodaß hier freie Gedankenassoziationen ihren Raum finden können, und es kann für eine geistige Anregung nicht schade sein.

Davonausgehend, daß die Altvorderen für ihre täglichen Handlungen Begriffe genommen haben, die so gut wie möglich ihre Handgriffe verdeutlicht haben, kann sicherlich „schaben“ als ein Ursprungswort genannt werden, dem ein schöpferischer Vorgang inneliegt. Erinnert sei an Funde, bei denen eindeutige Schabspuren an Knochen oder Steinen nachgewiesen werden konnten. Allgemein war diese Tätigkeit „schaffen“, bearbeiten, hantieren, und in einigen Fällen waren diese Ergebnisse sicher auch schöpferische, kreative, demnach eventuell auch qualitativ unterschiedliche Werkstücke.

Allgemein wissen wir, nicht jeder kann alles gleichgut, es wird bei unseren Vorfahren nicht viel anders gewesen sein. Demnach wird nicht jeder die Fähigkeit besessen haben, einen Knochen, Stein, Ast in perfekter Weise abzuschaben. Diese Arbeiten sind infolgedessen zerkratzt worden, im schlimmsten Fall zerbrochen. Das Material bekam einen Schaden oder war gänzlich zerstört, durch unsachgemäßes Behandeln, Bearbeiten. Dabei sind die Begriffe für schäbig entstanden, nämlich jämmerlich, mies und bei Totalschaden entstandene Verluste, Defekte.

Beziehen wir das Wort „schäbig“ nun nicht auf das Bearbeiten eines Materials, sondern auf eine Verhaltensweise, eventuell auf eine charakterliche Eigenart, so können wir nun differenziert erklären, warum das Wort zurzeit verstärkt die Runde macht.

Vielleicht hören Sie aus dem oben bereits genannten Ausspruch, „es soll dein Schade nicht sein, du wirst dafür belohnt werden“, eine gewisse Hinterhältigkeit, eine kleine Verschwörung, eine kleine Erpressung heraus. Denn der Ausspruch kann dahingehend interpretiert werden, machst du dies, bekommst du jenes, wobei sogar hinter dem „machst du dies“ auch eine Aufforderung gegen den Willen des Angesprochenen angenommen werden kann. Die gleiche Aussage wird bei einer Mutprobe oder Aufnahmeriten gefunden und beinhaltet oft kaum überwindbare Schwierigkeiten, je nach persönlichen Aversionen.

Schäbig, also zu viel daran gekratzt, geformt, sind auch ungehobelte Sätze, Aussprüche, die nur aus reinen provokativen und verletzenden Gründen geschrieben, gesprochen werden. Die politische Sprachlandschaft hat sich zunehmend auf eine schäbige, teilweise voll mit niederträchtigen Wortspielen eingearbeitet. Dabei ist zunehmend nicht mehr von einem konstruktiven „Schlagabtausch“ zu sprechen, sondern nur noch von zerstörerischer Sprach- und Redekultur.

Schäbig im Sinne eines Verhaltens sind die Umstände zu benennen, die durch einige Verantwortlichen unter allerdings verschiedenen Begründungen über ihr Tun geäußert werden. Bei manchen in wichtigen Positionen Stehenden ist dies womöglich auch eine charakterliche Eigenschaft, nämlich bewußt Wissen zu unterschlagen, das nötig wäre, bestimmte Zusammenhänge mit den erforderlichen Kenntnissen zu verstehen. Schäbig kann auch in diesem Zusammenhang genannt werden, wenn „altes“ als erwiesene Fehleinschätzungen, überholte Vorstellungen, Ideologien, als „neue“ Auflage proklamiert werden, und dabei sind es nur übertünchte Gedankenstrukturen.

Bei einigen dieser Aufzählungen des „schäbigen“ Verhaltens muß sogar davon ausgegangen werden, daß diese schmutzigen, ärmlichen, niederträchtigen Handlungen nur zur eigenen egoistischen Profilierung dienen und dem Gieren nach Reichtum.

Es versteht sich von selbst, daß Veränderungen sich auf Altem und Neuem aufbauen, dies besagt aber nicht, daß das Alte nur immer wieder neu poliert werden soll, oder das Neue ständig eine Kopie des Alten ist. Dies besagt lediglich, „schaben“, „schöpfen“ ist notwendig, entweder um zu erkennen, es ist nicht alles Gold, das glänzt, oder um aus dem Bestehenden eine neue Form zu bilden.

Schaben ist eine „wichtige“ Tätigkeit, jeder Handwerker und schöpferisch Tätige weiß, nur eine sachgemäße Handhabung mit dem zu Verfügung stehenden Material bringt ein gutes Ergebnis, alles andere ist Pfusch und schäbig.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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