Brief an Frau Dr. R. zur Kündigung als Integrationscoach – Teil 1

Sehr geehrte Frau Dr. R.,

Ihr „Kind“, „Integrationsberatung“, beantragt und bewilligt vom „Jobcenter Güstrow“ als freiwilliger Teilnehmer am „Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“, droht gerade „in den Brunnen zu fallen“. Ich will nicht, dass ein „Kind in den Brunnen fällt… Verzeihen Sie mir meine „poetische Ader“. Ich hab sie nun mal. Und Sie wissen das. Mit meiner Kündigung haben Sie den Grundstein gelegt.

Als „Integrationscoach“ war ich eingestellt, wie es im Arbeitsvertrag so schön hieß. Das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ kannte ich nur vom Namen her. Ich habe es mittlerweile sehr gründlich gelesen und verstanden. Ihre Kreativität, sich dort „einzuklinken“, bewundere ich. Noch mehr Ihren Mut oder Ihre Chuzpe bei der Themenauswahl „Integrationsberatung“.

Eigentlich was für sogenannte „Sozialpädagogen“… Die findet man jedoch unter der vom Bundesprogramm zu erfassenden und zu berücksichtigenden Klientel eher selten. Dies sollte Ihnen eigentlich bekannt sein.

Wir, die angeblich vom Jobcenter „Auserwählten“ (Die Einstellungsgespräche wurden von Frau B. und Frau T. ohne Anwesenheit eines JC-Mitarbeiters geführt), wurden als Personal „ins kalte Wasser“ (in einem gut ausgestatteten Büro, nix zu meckern bis auf langwierige IT-Probleme) geschmissen, komme da, was da wolle. Ich vermute im Kalkül, Hauptsache sie halten still. Weil sie befristet von „H-4“ weg zu sein glauben und hoffen, nach Auslaufen des Programms Anspruch auf ALG I zu haben (Bullshit). Das ist eine andere Sache. Wir haben uns gefreut. Riesig. Ehrlich. Hoffnungsfroh.

Jedoch, da war und ist niemand bei B., welcher mir und meinen Kolleginnen erklären konnte oder wollte, was zu tun sei, abgesehen von der „P.-Exkursion“, welche mich auch nicht sonderlich erhellte. Was Integrationsberatung eigentlich ist? In Ihrem Sinne das Ausfüllen von Zetteln anhand eines Zettels (eine halbe DIN-A4-Seite mit was durchaus vernünftig Formulierten drauf, der Rest sei für uns uninteressant, Betriebsinterna), anhand dessen ich meinen täglichen Tätigkeitsbericht gefälligst zu erstellen habe und müsse. Das war’s.

Als die interne Schulung durch Herrn F. in Sachen Bewerbungsanschreiben und Lebenslauferstellung erfolgte, hatte ich in der Praxis bereits Dutzende für Mandanten, welche ich Klienten nennen soll, erstellt und versandt… In ansprechender Qualität. Und mit Erfolg.

Ob Gesetzesgrundlagen, Asylbewerber betreffend, Ansprech- oder Netzwerkpartner, sei es nun die Ausländerbehörde des Landkreises, die Integrationsbeauftragten, die mit Asylanten befassten Mitarbeiter des JCs, die Träger der Asylantenheime, Partner mit Erfahrung – alles mussten wir uns selbst erfragen und Kontakte knüpfen. Von Seiten unserer Vorgesetzten kein Ratschlag. Nur Anwesenheitskontrolle. Kein Material, außer Büromaterial. Und einem „Duden“ als Fachliteratur. Für Frau P.: doch dazu später.

Über allem hängt das „Damoklesschwert“ Zertifizierung. Was ich durchaus verstehen kann. Da hängt ganz „S“ dran. Ich bin mir dessen bewusst. Dummerweise bin ich mit ganzem Herzen bei Integration dabei, schon weil ich um die Geschehnisse der Gegenwart weiß. Sogar wo Syrien liegt. Und wer uns die „Flüchtlinge“ beschert. Wir selbst. Und weil ich, so ganz nebenbei, in meiner Freizeit, auch noch ehrenamtlich „Integration“ betreibe. Was ich nun forcieren werde. Denn die Menschen, die sich mir anvertraut haben, vertrauen mir und achten mich.

Qualität und Quantität stimmen in diesem S-Projekt „Integrationsberatung“ nicht überein. Anwesenheit und kreative Buchführung zählen.

Erstes Beispiel: Unser Büro muss immer besetzt sein. Komme, was da wolle. Donnerstags ist bei uns verordnete Öffnungszeit (sprich Anwesenheitspflicht) eines Mitarbeiters bis 16.00 Uhr. Eines schönen Tages gegen 15.00 Uhr bekomme ich einen Anruf vom Jobcenter, ob ich einen potentiellen Problemfall (potentiell obdachlos) nicht persönlich in Empfang und betreuen könne. Das Chefbüro war nicht besetzt. Auf dieser Ebene geht dies offenbar. Gegen 15.30 Uhr entschloss ich mich, eigenmächtig auf „Wanderschaft“ zu gehen. Zum Jobcenter.

Als ich ging, fuhr Herr F. auf den „Hof“, ich schilderte ihm kurz den Sachverhalt, er wünschte mir frohe Verrichtung – na ja, jedenfalls gelang es mir, dem Problemfall ein Dach über dem Kopf zu besorgen. Am nächsten Morgen der „Anschiss“. Das Büro müsse bis 16.00 Uhr besetzt sein. Wenn denn nun das Jobcenter zur Kontrolle gekommen wäre… Ich denke, dies grenzt bereits an Schizophrenie.

Fortsetzung folgt…

Peter Petereit

Kategorie: Soziales

Veröffentlicht unter Soziales | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Uganda: Schimpansen in den Wäldern von Bugoma gefährdet

https://pixabay.com/de/chimpanzee-affe-menschenaffe-1545010/

pixabay.com

Zuckerhersteller Hoima Sugar läßt sogar in Schutzgebieten abholzen

Es waren in erster Linie Frauen, die sich wissenschaftlich per Verhaltensforschung um Menschenaffen bemühten, denken wir an Dian Fosseys Gorillas, Birutė Galdikas Orang-Utans oder Jane Goodalls Schimpansen.

Letztere wird sicherlich ebenso sorgenvoll gen Uganda blicken, wo Schimpansen in den Wäldern von Bugoma gefährdet sind, weil der Zuckerhersteller Hoima Sugar rücksichtslos sogar in Schutzgebieten abholzen läßt.

Appell an Ugandas Präsident Yoweri Museveni

Der Verein Rettet den Regenwald richtet mit seiner Petition einen Appell an Ugandas Präsident Yoweri Museveni, er möge verhindern, daß das Bugoma Forest Reserve nicht weiterhin bedroht, die Firma Hoima Sugar gestoppt wird, die Wälder zu roden, zumal sie auf dubiose Weise obendrein eine Konzession für 99 Jahre erhalten hat.

Obwohl die Umweltorganisation National Association of Professional Environmentalists (NAPE) vor Ort schon seit etlichen Jahren sich beherzt engagiert, im Land selbst neun Nationalparks und sechs Wildreservate errichtet wurden, schaffen es manche Firmen wie Hoima Sugar dennoch, per Korruption ihr Profitstreben rücksichtslos voranzutreiben.

Es war Yoweri Museveni, der sich am Sturz jenes brutalen Diktators Idi Amin mit beteiligte, allerdings regiert Präsident Museveni bereits seit über 30 Jahren, wurde zuletzt 2016 in seinem Amt zum siebten Mal bestätigt.

Uganda sollte sich besser seiner Natürschönheit besinnen

Im eigenen Interesse, statt windige Geschäftsleute gewähren zu lassen, vor allem hinsichtlich der Wälder, der betroffenen Schimpansenpopulation. Die geringe Zuckergewinnung steht in keinem zu rechtfertigenden Verhältnis. Dies scheint weder Hoima Sugar zu interessieren noch die verantwortliche Politik in Uganda.

Wenn die Fortsetzung jener Waldrodung nicht gestoppt wird, können bereits in zehn Jahren die restlich bestehenden elf Prozent des noch vorhandenen ugandischen Waldes verschwunden sein, gleichwohl keine Schimpansen mehr im Lande leben, ebenso andere Tier- und Pflanzenarten wären betroffen.

Vor vier Jahren wurde eindringlich über die illegale Rodung in den Wäldern des Bugoma Forest hingewiesen, seitdem scheint sich kaum etwas geändert zu haben. Um so wichtiger dieser Appell und weitere Anmahnungen seitens beherzter Naturschützer.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Naturschutz

Veröffentlicht unter Naturschutz | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zeit nicht umkehrt

https://pixabay.com/de/uhr-zeit-minuten-wei%C3%9F-stunden-2101053/

pixabay.com

Rücken schmerzt,
vieles Sitzen,
stundenlang.
Luft stickig,
Schweiß, Essen,
sogar Alkohol.
Haben sie sich
verändert,
groß geworden,
eingefallen?
Jahre vorbei,
gerast,
Zeit vorbei,
gerast.
Vielleicht zehn
Minuten noch.
Luft will
nicht entweichen.

Sie stehen da,
unruhig,
aus der
Entfernung
ihre Gesichter
sind zu sehen.
Namen
werden erkannt.
Tief hinunter
beugen.
Menschen,
drängeln.
Luft entweicht.
Bus fährt.
Rücken entspannt.
Luft erfrischt.
Jahre sind gefahren,
die Zeit nicht umkehrt.

Nafia

Kategorie: Gedichte

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Abgehoben

https://pixabay.com/de/disco-lichter-disko-diskothek-51338/

pixabay.com

Ah, das neue Jahr hat angefangen, wie ich mich freue. Dieses Mal wird mehr daraus gemacht. Ich will etwas erleben, Menschen kennenlernen. Eine Menge Menschen! Des Abends und des Nachts sind sie ja immer in den Kneipen und Diskos zu finden. Eine Menge Menschen, eine Unmenge von Menschen. Sie feiern und tanzen, und tanzen und lachen, lachen und grölen – haben ihren Spaß. Also dann, nichts wie los. Entlassen wir einfach den Tag und stürzten uns in die Nacht. In die tiefe Dunkelheit der Nacht. Und das Alleinsein hat ein Ende.

Rein in die ausgeflipptesten und teuersten Klamotten, die kommen mir gerade recht. Denn Kleider machen schließlich Leute. Und ich will der King des Abends sein… Herrlich diese Neonlichter und die kalten Leuchtreklamen, wie sie die Nacht erhellen – da wird einem doch gleich warm ums Herz… Ja, das ist meine Welt.

Überall sehe ich Menschen. Eine Menge Menschen. Ich bin von einer riesigen Menge von Menschen umgeben. Ja, wirklich, das Alleinsein hat eine Ende gefunden, hier bin ich richtig. Und diese tanzenden, wahnsinnig blinkenden Lichter, die immer wieder noch ein Gesicht aus der Dunkelheit ins Licht holen!

Und erst die Musik, ihr Rhythmus, ihr dröhnender Baß – sie strömen in mich hinein wie der Alkohol, fließen und fließen beständig weiter. Ich bin eins mit ihnen, mit der Musik, dem Licht und den Menschen, und sie mit mir. Es ist herrlich, all diese Menschen, diese vielen Menschen. Sie stehen und tanzen, tanzen und grölen – ein jeder für sich – und dazu schlägt die Musik den Takt. Den Takt der einsamen Herzen. Also los, laßt uns feiern, feiern bis in die Puppen. Und noch ein Glas, zum Wohl! – Solange wie Geld in meinen Taschen ist…

Wie toll er dröhnt, der alles vernebelnde Baß. Macht jede Verständigung sinnlos, aber wir, wir verstehen uns – wortlos, grußlos, grundlos, endlos. Die Musik enthebt mich aller Verpflichtungen, ich habe alle Erdschwere verloren. Allein, wer spricht da von Alleinsein – nein, hier doch nicht. Hier sind alle. All die Nightfighter, die mit mir zusammen in der neonbeleuchteten Dunkelheit der Stadt ihre Schwingen erheben wollen, um hinauf zu den Sternen zu schweben.

Und noch ein Glas, wie herrlich es durch meine Kehle fließt. – Oder, wie wäre es mit den kleinen bunten Pillen, die mein Nachbar für wenig Geld verteilt?! – Vertreiben die Müdigkeit und auch den letzten Rest von Traurigkeit. Jeder Gedanke wird zum Stillstand gebracht, das Bewußtsein aufgelöst – erlöst von der Müdigkeit des Denkens und Fühlens.

Ich spüre den Puls der Nacht, den Puls all der Menschen hier, wir sind alle eins und glücklich. Ein jeder für sich, gut eingepackt und eingelullt in eine Dosis aus künstlichem Licht und Gefühl. Aber es bedeutet Leben. Leben in Übermaß, ja, das ist es, was ich suche!

Mein Kopf, er dröhnt, alles dreht sich um mich, ich steige, verliere den Boden, immer höher und höher führt mich mein Flug. Der Baß schlägt in meinem Bauch, mein Körper spielt mit mir, als wäre ich der Beat selbst – taat tüt taat tat, taat hü taat ha, hahaha… ich sauge jeden Ton davon ein. Ich fühl‘ mich so leicht, so unendlich leicht… Ich könnte fliegen, das spüre ich genau, wenn mich nur nicht all die vielen Schläuche, Kabel und Infusionen am weißen Erdboden festhalten würden.

Andrea Dejon

Kategorie: Kurzgeschichten

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Saudi-Arabien: Rüstungsdeals en masse

Mit Donald Trumps Besuch in Riad bestätigt die Weltpolitik ihre Ignoranz

Alle Welt kehrt ein in Saudi-Arabiens Sonnenschein, nicht etwa um sich der Wärme und ihrer Strahlen zu erfreuen, vielmehr weil Geschäfte hohe Profite versprechen, Rüstungsdeals en masse, wohin das Auge reicht.

Im Königreich Saudi-Arabien gibt es de facto keine Menschenrechte im Sinne der westlichen Welt, nur die Scharia selbst bestimmt, was rechtens und was eben nicht. Insofern herrscht dort Willkür und keine Meinungsfreiheit, Frauenrechte sind tabu. Dennoch meinen viele Staaten, darunter ebenso Deutschland, mit Saudi-Arabien geschäftlich sich zu arrangieren, denken wir an Von der Leyens unheilvolle Mission im letzten Dezember, woraufhin auch die Bundeskanzlerin bald folgte.

Moral befindet sich längst auf dem Scheiterhaufen der Geschichte

Insofern verhält sich dies die ganze Zeit, lediglich beherzt Mutige versuchen stets, die Menschheit daran zu erinnern und anzumahnen, was sie bisherig versäumte. Da helfen weder Amnesty International noch andere engagierte Versuche, im Grunde genommen verhöhnt die Weltpolitik jedwede Bemühungen.

Sahra Wagenknecht ermahnte neulich die Kanzlerin und die Regierung, es herrsche eine Politik ohne Anstand und Moral. Recht hat sie, doch ändern tut sich nichts. Im Gegenteil, business as usual. Selbstverständlich allen voran dieser 45. US-Präsident bei seinem ersten Auslandsbesuch in Riad, wo er den saudischen König trifft.

Hatte Barack Obama wenigstens noch den so notwendigen Atom-Deal mit dem Iran in die Wege geleitet, schmiedet ein Donald Trump mit den Saudis ein anderes Eisen, welches auf neuentflammte Feindschaften zielt. Keine guten Zeichen angesichts der ziemlich angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten. Totally equal, könnte man fast meinen bei solch einer Einstellung Trumps, als ob den USA nicht schon genug Krisenkriegsherde ins Gesicht schauen, denkt man an die Ukraine, Syrien oder Nordkorea.

Saudi-Arabien zwischen vielen Fronten unterwegs

Geschäftliche Interessen mit der Welt sind vielfach vorhanden, zumal das Königreich reich an Bodenschätzen, allerdings weitet sich die Arbeitslosigkeit unter den ausländischen Arbeitenden im Lande aus, inzwischen hat Russland das Königreich vom ersten Platz verdrängt, in dem es mehr Erdöl fördert.

Die Beziehungen zu China und zur Türkei werden vertieft, die Saudis mischen international mehr mit, ihr Stellenwert spielt eine zunehmend größere Rolle als noch vor kurzem, trotz angespannter Verhältnisse im Land. Während das Königshaus die Politik bestimmend keine Demokratie duldet, gilt Saudi-Arabien als größte Volkswirtschaft im gesamten arabischen Raum. Ganz offensichtlich zählen keine menschenlichen Werte, sondern einzig und allein der Wohlstand, die Weltpolitik bestätigt explizit in Riad ihre Ignoranz.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Produkt oder Ware – der feine Unterschied macht es aus

https://pixabay.com/de/leute-menschenschlange-figuren-50164/

pixabay.com

Ihre Entscheidung sich vorführen zu lassen oder zu bewahren

Es dürfte hinlänglich bekannt sein, vor Fest- oder Feiertagen stehen vor den Supermarktkassen Schlangen von Menschen genauso wie bei einem Superschnäppchenangebot. Für einen neuen Verkaufsschlager übernachten sie sogar vor den Geschäften genauso wie bei Neueröffnungen, wenn speziell für diesen Tag die Preise reduziert sind. Darüber zu schreiben, lohnt sich nicht wirklich, aber haben Sie sich schon einmal gefragt, ob die Menschen Schlange stehen für ein Produkt oder für eine Ware? Sie meinen, dies ist das Gleiche, nur eben ein anderes Wort? Schließlich ist ein Massenprodukt eben eine Massenware.

Produkt, lateinisch productum, das Hervorgebrachte, abgeleitet von, producere, produzieren. Produzieren, lateinisch producere, productum, hervorbringen; vorführen, von ducere, führen. Andere Synonyme sind Resultat, Werk, Handelsgut, Fabrikat, Erzeugnis, Machwerk, Artikel.

Ware, mittelhochdeutsch war(e), Herkunft ist nicht geklärt, möglicherweise abgeleitet von veraltet Wahr (wahren), in Verwahrung Genommenes. Andere Bezeichnungen sind Handelsgut, Fabrikat, Erzeugnis, Artikel, Produkt, Konsumgut, Werk.

(Laut DWB Gebrüder Grimm, ist das Wort seit dem 13. Jahrhundert als Lehnwort belegt, obwohl in fast allen germanischen Sprachen benützt, dennoch sei es zweifelhaft oft es wirklich urgermanisch sei. Das Wort ist sprachverwandt mit gotisch waírþs, wert, preis und altindisch văra– kostbar, Kostbarkeit, vaụij– (varnij-) Kaufmann.)

Das altnordische Wort für versehen, bekleiden, verja und das altfriesische Wort ware, Aufsicht, Gewahrsam, Besitz sind ebenso sprachverwandt, demnach ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, daß eine enge Sprachverbindung zwischen Ware und wahren besteht.

Wahren, althochdeutsch wara, Aufmerksamkeit, Acht, Obhut, Aufsicht, also eigentlich, beachten, in Obhut nehmen.

Ein bißchen viel Worterklärung, aber hinsichtlich einer Unterscheidung und Wertigkeit der beiden Wortvergleiche nötig, denn anhand des Wortes Ware läßt sich beispielhaft erkennen, unsere Vorfahren waren in Handelsgeschäften sehr aktiv, dafür brauchten sie zur Verständigung einen Begriff, der fast überall verstanden wurde, und es zeigt aber auch gleichzeitig den Wertgehalt an, denn schließlich konnten sie damals nicht einfach Schlange stehen, wenn es ein günstiges Angebot gab.

Das Produkt, producere, also vorführen, ist laut der Sprachherleitung lediglich ein vorführen, hervorbringen und besagt nichts über einen Wert, noch Bewahren aus, es ist ein zusammengefügtes Wort aus dem Grundwort führen. Und demnach ist es rein sprachlich ein völliger Unterschied, ob eine Ware eingekauft wird oder ein Produkt.

Natürlich ist es in vieler Hinsicht heute, gerade wegen der industriellen Fertigung möglich, daß fast alle Menschen eine Uhr, ein Auto, einen Fernseher, eine Waschmaschine, Schuhe, Kleidung, oder was auch immer kaufen können, theoretisch. Selbst vor ein paar Jahrzehnten war dies in Deutschland nicht der Fall, Kinder gingen sommers barfuß, hatten oft höchstens zwei Paar Schuhe, es gab die Kleidung für die Wochentage oder Sonn- und Feiertage. Kleidung wurde oft selbst genäht, geflickt, Schuhe sind bisweilen von den großen Geschwistern an die jeweils jüngeren weitergegeben worden. Grundsätzlich achtete man auf seine Kleidung, das Werkzeug und seinen Besitz im Sinne von Bewahren in einer anderen Form als heutzutage.

Handwerklich hergestellte Kleidung, individuell angepaßte Schuhe würden auch heute sich nicht viele Menschen leisten können, somit hatte die industrielle Fertigung ohne weiteres seinen „Segen“ für viele Menschen. Das Problem, das sich allerdings aus der Fabrikation ergibt, ist die meist mangelnde Qualität und zwar auf Grund von der Auslastung der Maschinen, nicht unbedingt auf Grund von minderwertigem Material bei der Herstellung. Maschinen müssen laufen, da oftmals durch das Anwerfen und Abstellen der Maschinen ein erheblicher Kostenfaktor entstehen würde.

Wie kann man diesen Kostenfaktor verhindern, indem man produziert und produziert, auch wenn es einen Überschuß gibt? (Heutzutage weniger, da Maschinen schneller durch Computerprogramme auf ein neues Muster, Form etc. umgestellt werden können, dadurch immer neue Produktreihen, „Mode“ auf den Markt geworfen wird.) Den Kunden wird „vorgeführt“, dies ist besser, schöner, stabiler etc. und ein Überschuß somit weitestgehend vermieden, augenscheinlich, aber eigentlich nicht.

Warum nicht? Weil durch diese Massenproduktion Arbeitsplatze verlorengehen, somit der Kundenkreis kleiner wird, die Ressourcenverschwendung zunimmt und immense Kosten für die Entsorgung der Produkte anfallen, die wiederum durch Steuern und Abgaben bezahlt werden, und somit ist das anfänglich günstige Produkt auf Dauer teurer als eine Ware, die entweder noch handwerklich oder qualitativ höher hergestellt wurde.

Die Natur hat den Kreislauf von Angebot und Nachfrage besser im Griff als wir. Dies kann nicht nur im Insektenreich klar erkenntlich gesehen werden, durch bestimmte hohe Aufkommen einer Spezies, bei manchen in regelmäßigen Jahresabständen, wird eine überhandnehmende Spezies eingedämmt. Ähnlich verhält es sich auch bei Säugetieren, ist auf Grund bestimmter Verhältnisse eine Art stark in der Population gewachsen, bedingt sie eine Zunahme der Populationen ihrer natürlichen Feinde. Das Gleiche gilt übrigens im Pflanzenreich.

Es ist nicht unbedingt die industrielle Fertigung, die es demnach zu bemängeln gibt, es ist die Unflexibilität, Trägheit und die Gier nach ständig Neuem. Eine bessere Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen vorführen und bewahren, würde nicht nur in Bezug auf den Arbeitsmarkt, die Umwelt, eventuell auch für eine anderes Bewußtsein zwischen Natur und Mensch fördern. Diese Entscheidung liegt nicht nur bei den Produzenten, sondern ausschlaggebend bei den Konsumenten, denn diese entscheiden zwischen dem Vorführen, (Führer) und dem Wahren (Acht, Aufsicht, Obhut).

Ob Sie sich beim nächsten Einkauf für eine Ware oder ein Produkt entscheiden, kann demnach weitreichendere Folgen haben, als bloß taube Beine vom langen Anstehen in der Menschenschlange.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Gut Ding will Weile haben

https://pixabay.com/de/landschaft-h%C3%BCgel-berg-steigung-690990/

Satirischer Rückblick…

Erst recht wenn manch Politiker es wagen, nicht immer die Wahrheit zu sagen. Aber wir sollten uns nicht beklagen, immerhin wenige herausragen, gar Verantwortung tragen, selbst wenn einige völlig daneben lagen. Hauptsache positive Meldungen jagen über den Globus ohne lästige Fragen. Bekanntlich Liebe geht durch den Magen, andere sich lieber sinnlos schlagen, nicht erst seit diesen Tagen. Geht’s somit Verantwortlichen tatsächlich an den Kragen?

Von dir gelernt? Vielleicht janz entfernt, doch im Grunde bleibt vieles beim Alten, dürfen Unfähige schalten und walten. Krieg und Elend weiterhin geschieht, obwohl immer mehr um Frieden bemüht. Woran das wohl liegen mag? Wir wissen’s spätestens am Jüngsten Tag.

Der Frühling der Extreme setzt sich fort, selbst an manchem Ort, wo bisherig kaum jemand mit rechnen konnte. Das Wetter dennoch niemand verschonte. Doch zurück zur Politik. Die Ergebnisse der NRW-Wahl offenbaren eine ernüchternde Bilanz, wat fürn Affentanz! Wer’s vorher wußte, nicht staunen mußte, wer ahnungslos, dessen Verwunderung janz groß.

Einkehrende Eiszeit, ist’s schon soweit? Eine sichere Weisheit läßt dennoch hoffen, besser nüchtern als besoffen. Mit Blick zu sorglosen Verheißungen wie bei Humpty-Trumptys narzißtischen Entgleisungen, darf man schon erstaunt Fragen stellen, berechtigte Urteile fällen. Kopfzerbrechen bis die Schädeldecke wegfliegt? Am Ende vielleicht etwa die Vernunft mal siegt?

Es gibt keinen Grund, diesen Präsidenten weiter gewähren zu lassen. Der hat doch im Schrank nicht alle Tassen! Statt Obamacare jib et keene Gesundheitsabsicherung in den Staaten mehr? Welch dramatisch politische Schwankungen, genauso wie im Dschungel dubioser Heilungsangebote für Krebserkrankungen. Nicht dem Mensch soll geholfen werden, es herrscht der Profit auf Erden!

Hoffnungsschimmer in Sicht? Ick glob eher nicht. Dennoch stirbt jene zuletzt, obwohl zuvor Mensch sich ständig fetzt. Wenn Schadenfreude auf Kosten anderer per Klatsch und Tratsch stets Wege findet, manch bösartiges Gerücht sich windet, um sich zu verbreiten, wer will dabei wohl wen zu was verleiten? Die Antwort kennen nicht mal die Gescheiten.

Dann wohl lieber warten auf die Kirschen aus Nachbars Garten. Ist nicht gelogen oder an den Haaren herbeigezogen, wenn man zu jenem Despoten im Südosten der Nato schaut, was sich dortigst zusammenbraut: Erdogans USA-Besuch ein Desaster ohnegleichen, seine Bösartigkeit will wohl nicht von dannen weichen.

Sie fragen sich vielleicht, was ist da los im Schein des Kosmos. Na klar doch, es reicht. Beenden wir dieses Joch unnötig brutaler Gewalt. Friedenssehnsucht ist ohnehin uralt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar