Wenn Treppenwitze die Wahrheit verdrehen

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Kann es bereits zu spät sein

Wem ist es nicht schon passiert, daß eine Argumentation, ein Gedanke erst dann in den Sinn kommt, wenn bereits das Gespräch beendet, die Konferenz aufgelöst wurde. Allgemeinhin nennt man dies einen Treppenwitz, ein Ereignis, das eher ein schlechter Scherz ist. Es ist eine Übersetzung aus dem französischen Begriff esprit d’escalier und bedeutet in etwa, Idee, die einem erst einfällt, wenn man beim Weggang bereits auf der Treppe steht.

Dieser Ausspruch wurde seit dem 19. Jahrhundert auch in Deutschland benützt und von Denis Diderot in seinem Essay „Paradoxe sur le comédien“ (1773) erwähnt. Das Buch „Der Treppenwitz der Weltgeschichte“ (Irrtümer, Entstellungen und Erfindungen von William Lewis Hertslet) führte dazu, daß dieser Begriff zu einem Bestandteil der deutschen Sprache wurde. In diesem Buch versucht Hertslet, die Angewohnheit aufzuzeigen, vergangene Geschehnisse anekdotisch zu verschönern.

Bei Friedrich Nietzsche können wir nachlesen unter seinem formulierten „Treppen-Glück“: Wie der Witz mancher Menschen nicht mit der Gelegenheit gleichen Schritt hält, so daß die Gelegenheit schon durch die Türe hindurch ist, während der Witz noch auf der Treppe steht.

Mit ein wenig abweichender Bedeutung ist der Treppenwitz heutzutage das Synonym für Ironie des Schicksals, alberner Witz, schlechter Scherz.

Gewissermaßen erlebt der Treppenwitz zurzeit eine Wiederauferstehung, wenn der Feminismusgedanke als gezielt bewußt eingesetzte Einflußnahme zur Zerstörung des Familienbildes von Vater, Mutter, Kind gedeutet wird,

– wenn der Begriff „Gutmensch“, als Negativbegriff für Personen formuliert wird, die ihr Dasein auf der Basis von Toleranz und Nächstenliebe leben und weitervermitteln, sozusagen der soziale und humanistische Gedanke eine Abwertung erfährt, weil diese Personen ihre Fürsorge nicht auf eine vorgegebene Gruppierung beschränken,

– wenn „multikulti“ als Begriffsvorlage herhalten muß, um Diskriminierungen der Kulturen auszusprechen, wohl wissentlich, daß dies eine konkrete Verdrehung der Geschichtsschreibung darstellt,

– wenn Politiker, Möchte-Gern-Politiker die Sprache der Satiriker, der Zyniker, der Narren benützen, einzig zu dem Zweck die Menschen zu verunsichern, um ihre Wahrheit als einzige Wahrheit zu proklamieren,

– wenn Frieden unter den Völkern nur auf der Möglichkeit einer kompletten Trennung der Kulturen als Allheilmittel unter der Prämisse, jedem das Seine, mir das Meiste und ich zuerst, als Lösung für sämtliche Problematiken auf sozialer, wirtschaftlicher, politischer Ebene heraufbeschworen wird,

– wenn Verschwörungstheorien, nicht nachweisbare Vorkommnisse oder Unterstellungen mit negativen Auswirkungen für die Bevölkerung als wahrheitsgemäßes Wissen deklariert wird, um die „Verkommenheit“ der jeweils anderen Seite zu demonstrieren,

– wenn der Begriff „Lügenpresse“ durch viele Blätter der alternativen Medien schallt, um dadurch ihre Berechtigung und ihr Einkommen zu manifestieren, und dies mit Publikationen, die sehr oft nur selbstgefällige Ich-Meinungen wiedergeben,

– wenn durch den Kauf von Likes für Internetseiten oder Internetauftritte eine große Anzahl der Befürworter suggeriert werden soll,

– wenn diese Aufzählung nur einen kleinen Teil dessen erfaßt, das als Treppenwitz in zukünftigen Zeiten genannt werden kann, dann sollte es den Gesellschaften zu denken geben, inwieweit sie tatsächlich an der „Beschönigung“, „Bereinigung“ der Geschichtsschreibung beteiligt sind und dabei nicht vergessen, daß die Idee, der Gedanke für eine friedliche Welt nicht mehr ausgesprochen werden kann, wenn man bereits auf der Treppe steht!

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Zwischen Illusion und Wirklichkeit seine Träume leben

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Keine Welt für kleine Prinzen mehr übrig?

Schildere deinen Kindern die Welt, in der einzig und allein wohl zählt das Geld. Eventuell eine viel zu fokussierte Übertreibung dessen, was Leben auszumachen vermag. Erstreben nicht die meisten Menschen eine Geborgenheit in trauter Umgebung, um sorglos befreit ihre Interessen auszuleben? Was sie allerdings nur mit Unterstützung und entsprechendem Kapital verwirklichen können.

Zwischen Illusion und Wirklichkeit seine Träume leben? Keine Welt für kleine Prinzen mehr übrig, wenn spätestens nach der Schulzeit, im Berufsleben Erwachsene Grenzen setzend herbeigesehnte Freiheitsgedanken durchkreuzen?

Antoine de Saint-Exupérys kleiner Prinz

So einigiges hat wohl Antoine de Saint-Exupéry ausgerichtet in seinem viel zu kurzen Leben mit seiner märchenhaften Erzählung vom Kleinen Prinzen, die ganze Generationen seitdem beflügelt, den Blick aufs Weltgeschehen wesentlich kritischer und durchdachter zu betrachten. Vor allem möchten Kinder unbedarft ihr Dasein ausleben, die Welt am liebsten umarmen, wenn sie denn überhaupt die Möglichkeit dazu bekommen.

Beachten wir grenzenlose Armut, Kinderarbeit, Verwahrlosung oder gar Kindersoldaten, die einem auferlegten Befehl gehorchend wie fertige Kampfmaschinen funktionieren. Ein Wolfgang Borchert würde sich die Finger wundschreiben, um solche Mißstände anzuprangern.

Mutter Erde selbst ist keineswegs grausam, vielmehr die Menschen selbst, deren Expansion eine Schneise der Verwüstung nach sich zieht, immer dort, wo eine bestimmte Klientel ihre Vorstellungen erwünscht, deren Handlanger diese umzusetzen haben, völlig egal zu welchem Preis. Da stören Kindheitswünsche, die Reinheit der Seele, für die Gerechtigkeit ein Akt der Nächstenliebe, falls solche Kinder nicht selbst bereits zur Gewalt gedrängt wurden.

Und wenn der Fuchs im „Kleinen Prinzen“ diesem sagt, man sehe nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche sei für die Augen unsichtbar, dann betont Antoine de Saint-Exupéry eindrucksvoll die Leichtigkeit eines selbstverständlichen Seins, welches in Sieger-Gesellschaften ohnehin keinen Platz haben darf.

Gesetzten Idealen folgen – anerzogene Fesseln abstreifen

Obwohl wir in der Regel keine Eremiten sind, die sich sehr speziell dem gesellschaftlichen Dasein entziehen, bestimmt das nähere Umfeld den Verlauf des Lebens, wenngleich die Entscheidung ganz bei uns liegt, wo wir uns niederlassen. Ist das wirklich so? In der Regel halten viele fest an ihren Wurzeln, dem Elternhaus, den Familienstrukturen sowie dem Freundeskreis.

Daher ein einfaches Verlassen ungeahnte Fragen aufwirft, wie damit zurechtzukommen jemand vermag. Von der Ohnmacht gesetzter Grenzen befreit sich derjenige am ehesten, der unerschütterlich seinen selbst gesetzten Idealen folgt, nach einem langen Lernprozeß anerzogene Fesseln abzustreifen. Viele scheitern kläglich, doch einige beginnen einen Neustart in zunächst unvertrautem Umfeld.

Wege kleiner Schritte der Befreiung erleichtern wesentlich sicherer solch einschneidende Entscheidungen. Ein verständnisvolles Umfeld wird dem zustimmen, wobei sich dennoch die Spreu vom Weizen trennt, manch vertrauter Freund oder Verwandter sich als Mißgünstling entpuppt. Um so besser, wenn das schnellstmöglich geklärt.

Seine Träume aus Kindertagen leben, läßt sich nicht verwirklichen? Schaffen manche es, bis hinein ins Erwachsenendasein sie zu transportieren mit derselben Wehmut, diesem Elan, der sehr ansteckend nach außen wirkt, dann besteht die große Hoffnung, sie gutdurchdacht zu verwirklichen. Arbeiten wir alle daran, kehren in uns, entdecken, was da noch übrig blieb aus jungen Tagen und wagen das Unmögliche, erst recht zum Trotz in dieser Welt zerstörerischer Vorgaben und Umstände, die es zu umschiffen gilt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Verjagt diese braune Brut

Gespräche geführt,
an Themen gerührt,
niemand verliert
dabei das Gesicht.

Massen verführt,
manch Scheibe klirrt,
Reichtum unbeirrt
Recht hat vor Gericht.

Medien sollen lügen,
über Infos verfügen,
schonungslos betrügen
laut rechten Mob.

Woran mag’s liegen,
das erneute Bekriegen?
Keiner wird siegen,
geht’s in Euren Kopp?!

Die Luft anhalten,
beim Schalten und Walten.
Hört auf die Alten,
die wissen’s nur zu gut.

Nur Mut, verjagt diese braune Brut!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Der entfesselte Nationalismus übt sich wieder in Europa

Keine Heimat – wer schützt uns vor dieser Entwicklung

Ab in den Flieger, ihr Wahlkampfrecken, in Richtung sonnigen Süden, muß nicht gleich das Osmanische, sorry, Türkische Reich à la Erdoğan sein, Spanien wäre eine Option, um dortigst Wahlkämpfe zu veranstalten. Merkel in Sevilla und Schulz in Alicante, andere Provinzen haben ebenso ihren Reiz.

Heimatliches Einerlei treibt sich wie ein wiederauferstandenes Gespenst herum, der entfesselte Nationalismus übt sich wieder in Europa, oftmals per verhamlosend wirkenender Patrioten oder jüngst als identitär empfohlen. Was türkische Politiker in der Niederlande versuchten, nachdem in Deutschland bereits ein paar mal gescheitert, lockt all jene auf die Straßen, die bisherig still ihrem neuen Führer Erdoğan die Daumen drückten, er möge seine Ziele verwirklichen. Despoten zählen immer auf ihre heimischen Stimmen, selbst wenn europaweit verstreut.

Mit simpler Nazi-Keule mal schnell Unwillige diffamiert, da zählen keinerlei eigene Mißstände im Land der Türken, wo sämtliche Minderheiten wie eh und je unterdrückt, denken wir an die Kurden, Armenier, Aramäer und viele andere. Ablenkung dient der Verschleierung, die man ohnedies wörtlich nehmen kann mit Blick zur kopftuchverschleierten türkischen Sozialministerin Betul Sayan Kaya, der man in Rotterdam eine Wahlkampf-Rede verwehrte.

Feminismus ade, ob in der Türkei, in Russland oder hierzulande, es schickt sich nicht mehr, als Frau dem Mannsbild entgegenzutreten, zu widersprechen, Gebärfreudigkeit steht wieder auf der Tagesordnung, eine AfD hat’s in ihr Programm geschrieben, Identitäre frönen einer sozialromantischen Bewegung hinterher, per Lagerfeuer und willigen Frauen, die bedienend fungieren. Keine Heimat, wer schützt mich vor Amerika, sang einst Annette Humpe zu Beginn der 1980iger Jahre, daraufhin Radiostationen den Song nicht auflegen durften, zu USA-kritisch.

Die Rechnung könnte aufgehen, wenn zu viele sich einlullen lassen vom Geschrei einer Lügenpresse, der Gefahr eines sogenannten Establishments, angeblich gekaufter Demokratien, Politikverdrossenheit rechten Parteien einen Zulauf bringt, der diese begünstigt. Haarscharf dem Rechtsradikalismus entgangen in Österreich, in drei Tagen wohl auch in der Niederlande, Frankreich mag mit Le Pen für eine Überraschung sorgen, falls das Volk ihren Parolen auf den Leim geht. Hierzulande verliert diese AfD an Stimmen, der „Schulz-Effekt“ scheint zu wirken, selbst wenn die SPD ihre Agenda 2010 weiterhin hoch hält.

Eine Türkei auf bestem Wege zum demokratisch legitimierten Sultanat (Diktatur) mit Erdoğan nach erfolgreicher Verfassungsänderung, das neu installierte Präsidialsystem öffnet ihm entsprechende Türen. Gleichzeitig eine Einladung für andere Nationen, denken wir an die Russische Föderation, wo keine Opposition sich entwickeln kann?

Wer durchschaut das politische Intrigenspiel? Falls ja, es nützt nur nicht viel, wenn Menschen sich verschaukeln lassen, sich verlieren im gegenseitigen Hassen. Drum erkennt endlich den eigentlichen Sinn und Zweck: Sie nehmen Euch die Menschlichkeit weg!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Bieder geht die Welt zugrunde

Wenn Ängste entflammt werden

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Männerwelt, wenn sie zu öffentlichen Anlässen ausrückt oder geschäftliche Dinge zu erledigen hat, in dunklen, braunen, schwarzen Anzügen die Gegend bevölkert? In der westlichen Kultur erscheint schwarz die Symbolkraft für Seriosität auszustrahlen, genauso wie für den Tod. In Venedig gab es im 16. Jahrhundert einen Gesetzeserlaß, demzufolge alle Gondeln schwarz anzumalen waren, als Zeichen die Zeit des bunten Treibens ist vorbei. Dieser Erlaß vom Dogen Privli setzte der bis dahin gebräuchlichen Zurschaustellung des Reichtums, Gondeln waren mit Blattgold, Brokat, Seide geschmückt und mit bunten Farben angemalt, ein Ende.

Ungefähr ab dem 17. Jahrhundert wurde von den Puritanern die Farbe schwarz als optische Erkennung übernommen, aber auch als Beweis der Seriosität. Allerdings war die Herstellung von schwarzer Farbe, reines schwarz, für das Färben der Stoffe noch nicht gänzlich möglich. Es entstand ein „Kampf“ zwischen Spaniern und dem Britischen Reich um das als Grundstoff benötigte „Blauholz“, „Kampescheholz“, weil die übliche Methode die Stoffe mit den unterschiedlichen Farben solange zu färben, bis ein einigermaßen passables Schwarz entstand, nicht nur aufwendig, auch teuer war. Die Geschichte über die Gewinnung von schwarz ist eng verbunden mit den Auseinandersetzungen zwischen Spanien und dem englischen Königreich über die Besitztümer in der „neuen Welt“.

Eine Möglichkeit für Piraten schnell reich zu werden, war in dieser Zeitepoche, Blauholz nach Europa zu bringen. Im heutigen Belize, British Honduras, das die Briten 1798 in der Schlacht von St. Georg´s Cay gewannen, leben viele Nachkommen der Sklaven, die das wertvolle Holz in den Mangrovensümpfen rodeten. Und dies alles nur, um mittels der Farbe schwarz sich den Anstrich von Seriosität zu geben.

Zum besseren Verständnis werden in unserer Geschichtsschreibung gerne Epochen, Zeiträume in Begriffen quasi katalogisiert, der kurze Zeitraum zwischen 1815 und 1848 wird die Biedermeierzeit genannt. Als „Namensgeber“ wird die von dem Schriftsteller Ludwig Eichrodt und dem Arzt Adolf Kußmaul erfundene Figur des „Gottlieb Biedermaier“ genannt. Er symbolisierte eine spießbürgerliche, mit Doppelmoral agierende Person. Die Biedermeier-Zeit versinnbildlicht eine kleingeistige, kleinbürgerliche, spießige, biedere Kultur mit starker Präsenz zur Häuslichkeit.

Bieder, mittelhochdeutsch, biderbe, bedeutet aufrichtig, verläßlich, altbacken, einfältig, treuherzig, hausbacken, langweilig, fromm und ist wortverwandt mit biderb, althochdeutsch bitherbe, brauchbar, nützlich, ursprünglich wohl, dem Bedürfnis entsprechend. (In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, daß Bida, arabisch Neuerung, der Begriff ist für die Gesamtheit aller Bräuche und Glaubensvorstellungen, die nicht von der Sunna sanktioniert, legimitiert sind.)

Vielleicht waren Sie selbst schon mal in der Situation, sich jemandem angebiedert zu haben, sicherlich aber kennen Sie Menschen, die dieses Verhaltensmuster entweder generell oder nur ab und zu benützen, um sich Vorteile zu erschaffen. Anbiedern, verwandt mit bieder, biderbe, in der Aussage gleichbedeutend mit, sich aufdrängen, schöntun, lieb Kind machen, scharwenzeln, sich einschmeicheln und beschreibt eine Person, die auf plumpe Art jemanden für seine Zwecke, Anliegen gewinnen möchte.

Der Schriftsteller Max Frisch veröffentlichte 1958 das Drama „Biedermann und die Brandstifter“, in dem er die bereits als Hörspiel (veröffentlicht 1953) und den Prosatext „Burleske“ als wesentliche Elemente übernimmt. Inhaltlich geht es um den Aufenthalt zweier Personen (Brandstifter) im Hause von Gottlieb Biedermann. Obwohl es offensichtlich Brandstifter sind, verbrüdert er sich mit ihnen, auch wenn sie ihm seine Absichten erklärt haben, hält er dies für einen Scherz, selbst dann noch als sein Haus brennt. Biedermann selbst wird beschrieben als Mensch mit begrenzt intellektuellem Verstand, spießig, als rücksichtsloser Geschäftsmann, der unter der Maske der Anständigkeit seine Aggressionen, Brutalität verbirgt, erliegt Anbiederungen, Schmeicheleien, aus Unfähigkeit unterläßt er eine Auseinandersetzung mit den Brandstiftern und umgibt sich lieber mit Phrasen.

Wer in ein paar Jahren sich die Mühe machen wird, unsere jetzige Zeit in die lange Liste der Epochen einzufügen, wird, wenn er nicht einer Anbiederung erliegt, um „der Welt zuliebe“ die offensichtlich tätigen Brandstifter und Biedermänner, die seit längerem nicht zu übersehen sind und Hand in Hand agieren, zu vertuschen, nicht umhin kommen, genau diesen Begriff zu übernehmen.

Wenn Menschen hinter der Maske eines Biedermannes, züchtig gekleidet in dunklen Tönen, zur Unterstreichung einer vermeintlichen Seriosität, proklamieren, sich gegen das Establishment (Gesellschaftsschicht, von der die Macht ausgeht, Verantwortliche in politischer wirtschaftlicher Positionen) zu stellen, selbst aber ein Teil des Establishments sind, oder im Namen des Establishments agieren, oder ihr gerne angehören möchten, dann handeln sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen.

Als Anbiederung dienen Frömmigkeit, veraltete Moral- und Sittenvorstellung, Romantisierung von Familie und Ehe, Treue zu Traditionen und Heimat als Heilbringung für sämtliche Problemstrukturen in sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen.

Ob nun die öffentlich auftretenden Biedermänner oder die Menschen, die sich hinter einer Fassade von Biederkeit verstecken, die einen, um ihre Machtposition zu verstärken, die anderen, um eine kleingeistige scheinheilige Welt zu bewahren, als Brandstifter zu bezeichnen sind oder diejenigen, die tatsächliche Brände legen, um Angst zu verbreiten als Druckmittel, sei dahingestellt, auffällig jedoch ist das Erstarken und Bewundern von „Führerpersönlichkeiten“, die Bereitschaft von Menschen, sich hinter Phrasen zu verstecken, einhergehend mit Verbreitung von Ängsten, dies zu übersehen in der jetzigen Zeit, zeugt von Engstirnigkeit und Anbiederung zum eigenen Vorteil.

„Schau, dort spaziert Herr Biedermeier
und seine Frau, den Sohn am Arm;
sein Tritt ist sachte wie auf Eier,
sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.“
(Anfangszeilen des Gedichtes Herr Biedermeier von Ludwig Pfau)

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Wertegemeinschaft in vieler Munde macht die Runde

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Satirischer Rückblick…

Doch was sagt uns dann jene Kunde, die mittels „westlich“ eingeläutet, wenn manch faule Zwiebel sich häutet, unter Schalen tröge Metaphern kritisches anstimmen? Gewalt tat dadurch ohnehin aufglimmen, global vermehrt Menschheit sich nach Frieden zehrt. Dieser chancenlos auf sich warten läßt, Massen werden aufeinandergehetzt.

In angeblich höchster Not wird mal soeben die Familie des Vereinssprechers „Fulda stellt sich quer“ massiv bedroht. Rechtsradikale fühlen sich dazu beflügelt, ein schweigsamer Staatsapparat hat’s glattgebügelt, weiterhin auf rechtem Auge blind. Woher dat wohl kimmt?! Aber Hauptsache Maulkorb verpaßt, einen wahren Deutschen stört’s nicht, wenn mal jemand an seiner Eiche kratzt – wie widerlich.

Kein Wunder, Narzißmus eine Gratwanderung darstellt, och wenn solch Anmahnung manchem nicht gefällt. Zu viele dürstet, sind schlicht auf Krawall gebürstet, frönen ihren dumpfen Parolen auf lauten Sohlen, nix mit Versöhnen.

Simple Ablenkungsmanöver sind Erdoğans Nazi-Vergleiche, und als ob das nicht reiche, setzt jener türkische Despot seinen Kurs fort, tönt bald schon ministerial vertreten an manch deutschen Ort, um sein Präsidialsystem zu bewerben. Am Ende lauter Scherben. Noch nicht genug von Lug und Trug?

Welch simpel umgarnte Betörung, Fortschritt gleicht bedenkenloser Zerstörung. Wo bleibt dabei die Empörung? Wir wissen doch: Wenn Stimmen der Stimmung entsprechend agieren, haben solch Herrschaften nichts zu verlieren! Protestsongs sollten verändern die Welt, doch für die zählt nur das Geld, welches Bösartiges zusammenhält.

Unsere Spezies keineswegs so verschieden, sie weiß genau, wer Frieden kriegen will, muß zuerst den Krieg einfrieden. Janz ohne Schau, jenau das wird vermieden! Aber anstatt zu stutzen, macht er dies sich zunutzen: Der Trump vom Bosporus tönt herum, sei’s drum. Fragt mal besser warum!

Verschweigen, schönreden, lügen in eigene Tasche, Lippenbekenntnisse lediglich eine altbekannte Masche. Solches verbreitet sich geschwind, jenauso wie europäisch-rechtsradikaler Wind. In den Niederlanden Wahlprognosen bescheinigen der PvdA erhebliche Verluste, manch einer im Vorfeld dies längst wußte. Dennoch dem Wilders kein Regierungsbündnis sei gegönnt, das Volk sich mehrheitlich lieber zur Demokratie bekennt.

Erneut ist es soweit, in die Falle tappen durch Gefälligkeit. Mensch, sei bereit, endlich gewisse Mächte von dannen zu jagen, sonst wirste mal wieder unterjocht, kannste in deinen letzten Tagen verglimmen wie een traurig schwelender Kerzendocht.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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In die Falle tappen durch Gefälligkeit

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Neue Verbindungen ohne Fallstricke

Es ist ein Irrtum zu glauben, zu denken, die Vorfahren hätten nicht bereits ähnliche, gleiche oder sogar dieselben Probleme und Problemchen im täglichen Miteinander zu bestreiten gehabt. Wer davon ausgeht, hier und jetzt sei alles schlecht, man munkelt gar der Feminismus, „Multikulti“ und eine weltweite Verschwörung, wenn Dinge nicht so harmonisch, ideal und perfekt ineinandergreifen. Egal ob es sich um die Thematik des Wetters, der Kindererziehung, Vetternwirtschaften in Politik und Wirtschaft, den Ehestand, Bauvorhaben, Aberglauben, Religion und sicher auch die richtige Bearbeitung des Ackers handelten, waren solche Gesprächsinhalte unser aller Vorfahren zugegen.

Dies läßt sich nicht nur erklären durch Aufzeichnungen, Berichte, Fundstätten und deren Analysen, sondern vor allem durch die sprachliche Entwicklung. Obwohl weltweit verschiedene Sprachen gesprochen werden, haben sie dennoch eines gemeinsam, ihre Verfeinerung im Ausdruck, sei dies in Begriffen, in Verben, in Adjektiven, kamen mittels synonymen Vergleichens zustande und die Fähigkeit kognitiv, durch Wahrnehmung erkennend, einen Bezug zu Vorkommnissen herzustellen.

Wenn Sie nun Gefallen gefunden haben, mehr darüber zu erfahren, werden Sie schätzungsweise sich weiter informieren in der großen Welt der Sachbücher. Die Sprachwissenschaft ist sich nicht nur aufgrund der Komplexität der vielen unterschiedlich zu deutenden Begriffsursprünge nach Gebieten oftmals uneins, sondern die kognitiven Beweggründe im „Heranwachsen“ der Sprache geben Rätsel auf.

Eines dieser Rätsel steckt in dem Wort „Gefallen“. Als Ursprungswort kann das Verb „fallen“ sicher ohne Bedenken angenommen werden. Fallen, mittelhochdeutsch vallen, althochdeutsch fallan, kann gleichgesetzt werden mit stürzen, hinschlagen, umkippen. Es findet sich im Sprachgebrauch in unterschiedlichen Zusammenhängen. Die Falle, mittelhochdeutsch valle, ist ein Gerät zum Einfangen von Tieren. Damit leuchtet der Zusammenhang ein, wenn gesagt wird, jemanden eine Falle zu stellen bedeutet, jemanden hinterhältig durch List und Tücke zu betrügen. Das gleiche gilt bei dem Ausdruck, er ist in eine Falle geraten.

Sie oder er haben Gefallen am Tennisspielen gefunden. Sie oder er hat mir einen Gefallen getan. Hier leuchtet die kognitive Verbindung nicht sofort ein, oder? Gefallen, mittelhochdeutsch gevallen, Sympathie, Wohlwollen, Freude. Nicht so ganz nachvollziehbar? Dann beachten wir hierfür das Wort Gefälligkeit, mittelhochdeutsch gevellekeit, gleichbedeutend mit Hilfsbereitschaft, Entgegenkommen, Freundlichkeit.

Sicherlich hat es schon jeder erfahren, wie traurig, schmerzhaft, unverständlich es sein kann, jemanden gefällig gewesen zu sein, um zu erleben, seine Gutmütigkeit, seine Hilfsbereitschaft wurde ausgenützt, die Falle hat zugeschnappt, man wurde hereingelegt, es wurde sozusagen ein Bein gestellt, und man ist hingefallen.

Natürlich muß nicht jedes Hinfallen schlimme Folgen haben, nicht jede Falle schnappt zu, nicht alle nutzen Gefälligkeiten aus, aber die Möglichkeiten bestehen. Um diese kognitive Gemeinsamkeit sprachlich zu entwickeln, ist die Fähigkeit von Erkenntnis der Wahrnehmung vonnöten.

Das Wort Gefallsucht wird nicht mehr so oft verwendet, es beschreibt Eitelkeit, Einbildung, Selbstgefälligkeit und ist das Bedürfnis, anderen zu gefallen. Bei starker Ausprägung liegt hier ein ernstzunehmendes Krankheitsbild vor.

Unsere Vorfahren lebten nicht in einer hochtechnisierten Umgebung, und die verschiedenen Schicksale im täglichen Leben sind nicht haargenau mit der jetzigen Zeit zu vergleichen, dennoch haben sie durch Beobachtung wesentlichen Beitrag geleistet und unsere Fähigkeit des sprachlichen Verständnisses geprägt. Obwohl wir es um einiges einfacher haben könnten, aus dem uns vorliegenden Sprachschatz zu schöpfen, um unsere Verständigung untereinander besser zu bewerkstelligen, sind wir in mancher Hinsicht nicht fähig, Zusammenhänge neu zu erschließen.

Wir kommunizieren mit der ganzen Welt, unser Sprachschatz und unsere Ausdruckmöglichkeiten sind enorm, und trotzdem sind wir nicht fähig, gemeinsam neue Verbindungen zu erstellen, die ohne Fallstricke zum Gefallen aller möglich wären.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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