Wer mag schon gern im Trüben fischen und rühren

https://pixabay.com/de/landschaft-h%C3%BCgel-berg-steigung-690990/Satirischer Rückblick…

Oder gar wenn Ideologien zu Idiotien führen, dann sollten sich manch Herrscher fragen, was uns das will sagen. Nicht nur in den letzten Tagen, sondern vielmehr darüber hinaus für unser aller Wohl. Nö, nicht der erste Mann in diesem Staat, das neuernannte Idol, steht dafür parat. Da ham wir den Salat.

Weltweites Elend offenbart unfähige Schmarotzer am laufenden Band, oh, welch Schand, sie drängen die Menschheit an den Rand, der Wahnsinn greift um sich, wie widerlich! Halt doch mal die Luft an, könnte man zwar meinen. Doch was ist wohl dran, an jenem übertriebenen Zerrbild, welches uns mag erscheinen? Zu wild, solch Spekulation, der kritische Ton?

Schon zwei Opfer sind zuviel, der Humanist entsetzt ins Weite schiel’. Was mag Mutter Erde noch vertragen, will sie uns deutlich sagen? Auf daß es überall hin schalle, die Batterie ist alle? Na klar doch, stoppt jenes Joch, welches uns keine Pause gönnt, bevor Menschheit sich total verrennt. Das Ende der Pressefreiheit gefährdet demokratische Strukturen. Auf wessen Bahnen Verantwortliche wohl fuhren, ohne jedwede Bedenken? Dient welchem Ablenken?

So ein Pech, wir wissen unbedingt, och wenn der Vergleich eventuell hinkt, Blender reden Blech. Dies keineswegs gen Himmel stinkt, och wenn manch große Summe winkt, am Ende is der Zaster ohnehin wech. Wer hat’s wohl verbockt, weil ewig der Lügner lockt?

Dies gilt längst für jedes Land, Kindererziehung ständig auf dem Prüfstand. Zu Außenseitern degradiert, keineswegs auf Dauer floriert, ganz im Gegenteil, Seele verkümmert vor Langeweil’. Welch gefährlicher Fluß, zumal Narzißmus im Überfluß, wie man doch zum Verdruß beim Trump ersieht, der zwischen Krieg und Frieden taumelt. Bald schon manch Unschuldiger am Baume baumelt?

Ein perfider Garant, Alltagsrassismus auch in Deutschland mag niemand wirklich bestreiten. Worauf soll dies uns wohl vorbereiten? Wie stets zu allen Zeiten auf Kriege, die keineswegs führen zum Siege, sondern zuhauf viele Tote bedeuten. Das verschweigt man bewußt den Leuten, obwohl unser Verstand dies erfassen sollte. Tröges Blendwerk sich nicht davontrollte. Mit oder ohne Fetisch müßte es lauten: Ich habe fettich, zu viele sich nicht trauten!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Satire

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Fetisch – ein Götzenbild im Gegensatz zum Talisman

Hoffnungsträger als Glaube, der Berge versetzen kann?

Es ist immer wieder zu beobachten, vor allen Dingen in Zeiten, in denen es für den Menschen persönlich nicht gut läuft im Leben, oder wenn die allgemeine Stimmung in der Gesellschaft durch welche Vorkommnisse auch immer als düster und negativ empfunden wird, dann kommen vermehrt Fetische zum Einsatz. Sie sollen helfen, das herannahende Ungemach oder das bereits erfolgte Mißgeschick zu besänftigen, weitere zu erwartende schlechte Umstände verhindern.

Obwohl davon ausgegangen werden kann, daß es sich um Humbug handelt, das Wissen darüber allgemein bekannt ist, wir nicht mehr im finsteren Mittelalter oder zu noch früheren Zeiten leben, schließlich sogar die Zeiten des 17. und 18. Jahrhunderts hinter uns haben, erliegen Menschen dem Trugbild des Fetischs, des Talismans.

Zwischen den beiden Begriffen Fetisch und Talisman gibt es allerdings feine Unterschiede, da in der Anwendung bei dem Talisman mehr der Glücksbringer gesehen wird.

Fetisch, über das französische fétiche, Zaubermittel übernommen, vom lateinischen facere, machen, facticius, nachgemacht, künstlich, in der sprachlichen Anwendung Götzenbild, Idol, Abgott, Maskottchen, Schwarm.

Talisman, spanisch talismán, italienisch talismano, arabisch ṭilasm, Zauberbild, mittelgriechisch télesma, geweihter Gegenstand, vom griechischen teleĩn, vollenden, vollbringen; weihen, zu télos, Ende, Ziel (lt. Duden). Das Amulett, Glücksbringer, Maskottchen.

Und weil es sich direkt anbietet, Maskottchen, französisch, mascotte, Zauberei, masco, Hexe, Zauberin, mittellatein masca, laut Sprachwissenschaftlern aus dem germanischen. Dem möchte man nicht so richtig zustimmen, da das Wort Maske im Ursprung wohl aus dem arabischen Wortschatz entnommen wurde, nämlich aus dem französischen masque, von italienisch maschera, älter: mascara, vom arabischen masẖarah, Verspottung; Possenreißer; drollig.

Es ist in der Regel selten, einen Talisman zu benützen, der nicht hergestellt wurde, wie zum Beispiel einen Stein, der ohne weiteres als Talisman fungieren kann. Die meisten Fetische, Talismane, Maskotten sind gemacht, künstlich gefertigt (facere). Manche werden geweiht, damit sie ihre Bestimmung als Glückbringer vollenden können, dennoch bleiben sie bemalte und geformte Gegenstände, deren Erfolg zweifelhaft ist, deshalb sind sie eher dienlich zur Unterhaltung, also als Possenreißer und Maskerade, um tatsächliche Hilfen sein zu können.

Aber schließlich versetzt der Glaube Berge. Ihre vermeintliche Wirkung liegt schlicht und einfach darin, weil man sich nicht alleine fühlt, weil sie von jemanden angenommen wurden, der es lieb und nett meint, man dadurch ein besseres positives Gesamtgefühl erhält, das die Möglichkeit bietet, über sich herauszuwachsen, weil man unbefangener, ohne Ängste und Zweifel agieren kann.

Talismane, Fetische, Maskottchen sind Humbug, das wissen die meisten Menschen und handeln auch danach, indem sie sie zwar anwenden, aber ihre Wertigkeit nicht überschätzen. Dennoch erliegen Menschen der vermeintlichen Macht dieser Figuren, wenn sie glauben, daß der Erfolg, den sie gerade erlebt haben, nur mittels des Glücksbringers geschehen ist. Der Effekt dieses Zugeständnisses an den Talisman, den Fetisch ist in solchen Situationen eine wachsende Abhängigkeit, die es dem Träger, dem Besitzer des Maskottchens nicht mehr ermöglicht, ohne sein Beisein irgendeine Entscheidung, eine Handlung zu tätigen. In diesem Moment wurde und wird die Macht über sämtliche Geschehnisse dieser Figur übertragen.

Es gleicht einer Sucht, diese Macht, die es unmöglich werden läßt, weiteres Tun ohne die Anwesenheit dieser Gegenstände zu bewerkstelligen. Es ist, als ob nur noch der Talisman über gut und böse, richtig und falsch, gelingen oder mißlingen entscheidet, und der Besitzer ein Figürchen in der Hand des Fetischs wird oder werden kann, also die Entscheidungsfreiheit, die Selbstbestimmung abgegeben wurde.

Solange der Talisman, der Fetisch, das Maskottchen als das angesehen werden, das sie darstellen, als Posse, als Hokuspokus, als gemachter Zauber, kann der Glückspfennig ruhig in Ihrem Geldbeutel liegenbleiben, vielleicht hilft er in Situationen weiter, wenn kein anderer Gegenstand zu Hand ist, um eine Flasche Bier zu öffnen, eine Schraube zu lösen oder um Langeweile mit einem kurzweiligen Spiel zu vertreiben.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Alltagsrassismus in Deutschland

Multikulturelle Gesellschaft muß sich ständig rechtfertigen

Das in einer Welt, die ohnehin ständig zusammenwächst, ob mit oder ohne Flüchtlingsströme. In mancher Provinz ranken etliche Geschichten von Neigschmeckten (Reigschmeggden), wie es im Südbadischen lautet sowie im Elsaß, in Vorarlberg oder in der deutschsprachigen Schweiz. Fremdlinge oder ganz simpel Ausländer dem Alltagsrassismus hierzulande ausgesetzt?

Was ohnehin gängig geschah, religiöse Ausgrenzung, denken wir an die Verhöhnung der Juden weit vorm Nationalsozialismus, erreichte in der Nazi-Ära seinen brutalen Höhepunkt mit dem Holocaust, setzte sich auch nach dem Krieg in beiden Teilen Deutschlands ganz offen und versteckt fort. Die in den 1970iger Jahren in West-Deutschland angenommene Aufarbeitung dieser Form des Rassismus schlummerte lediglich vor sich hin, wie inzwischen nach etlichen Flüchtlingsheimbrandstiftungen, den NSU-Morden und einer erstarkten Neuen Rechten überdeutlich wurde.

Keine Macht dem Rassismus – Tupoka Ogette engagiert sich beherzt

Leichter gesagt und zurecht gefordert als umgesetzt. Solange in Deutschland selbst ein Ku-Klux-Klan wirken kann, eine Pegida durch Städte marschiert, rechte Parteien es schaffen, in den Deutschen Bundestag gewählt zu werden, die Justiz vielfach auf dem rechten Auge erblindet agiert, denken wir an den Sachsensumpf, an die NSU-Affäre, tobt da draußen der Alltagsrassismus mit seinen sichtbaren Facetten.

Wer kennt sie nicht, die Bilder von Hooligans bei der letztmaligen Fußball-EM 2016 in Frankreich, die Spitze des Eisberges, der im Alltagsrassismus ohnehin seine ganze Tragweite offenbart. Tupoka Ogette engagiert sich nicht nur sehr beherzt, sie arbeitet auch als Expertin und Trainerin für Vielfalt und Antidiskriminierung vor allem zu den Themen Diversity, Antirassismus. Hier im Video schildert sie über ihre Einladung als Referentin zum Thema Diversity seitens eines großen Konzerns, wie sie aber als Küchenhilfe empfangen wurde.

Im MiGAZIN schilderte sie bereits über ein kurzes Erlebnis während einer Taxi-Fahrt, Fragen tauchten auf, woher sie denn käme, einmal mehr ein Indiz des „otherings“, einer Alltagsform des Rassismus, dem oftmals eben jene ausgesetzt, wo ein Elternteil aus einem anderen Land stammt. Weitergedacht sind aber selbst all jene betroffen, die seit Generationen Deutsche sind, trotzdem uralte Vorfahren ein „anderes“ Aussehen verdeutlichen, nicht dem Bild des „reinen Deutschen“ entsprechen. Schon befinden wir uns mittendrin in jenem Rassismus, der mal wieder zunimmt.

Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ruft ICERD auf den Plan

Lediglich fast ganz Südamerika und Europa, Australien, Russland sowie drei afrikanische Staaten erkennen das Komitee nach Artikel 14 des ICERD (International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination), kurz die UN-Rassendiskriminierungskonvention an.

Was auf dem Papier bestand hat, kann sich dennoch verändern, denken wir an Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab, wobei die Mischung aus etlichen Halbwahrheiten im Buch erst recht rassistisch Veranlagte als Aufforderung betrachten, diese auszuleben.

Es bedarf eines wesentlich beherzteren Widerstandes, diesem neu entflammten Rassismus zu trotzen. Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ zeigt den Weg, mögen noch viel mehr Menschen den Alltagsrassismus nicht mehr zulassen, wehret den Anfängen, bevor jene perfide, simple Methode der Ausgrenzung und des Hasses überhand nimmt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Narzissmus im Überfluss

Blitzlichtgewitter
flackert kurz auf.
Trump im Twitter,
dessen Texte zuhauf.

In geeignete Pose
sich selbst gebracht.
Welch Getose,
die halbe Welt lacht.

Fettnäpfchen
zu genüge bedient.
Wie nen Frettchen
in jede Kamera grient.

Narzißmus
hat Hochkonjunktur.
Kaum Verdruß,
bleibt dabei stur.

Geschäftssinn
reiht sich prima ein.
Dieses Doppelkinn
grinst nur so zum Schein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Trump taumelt zwischen Krieg und Frieden

Geld allein regiert keine Welt – Waffeneinsätze sorgen für Totenruhe

Der Dollar muß rollen, nicht etwa der Rubel trotz einer angeblich merkwürdig schrägen Verbrüderung zwischen den beiden Staatsmännern der Supermächte. Wehretats bestimmen längst nicht, wer die Welt sich Untertan macht, selbst Atomsprengköpfe mögen kein Garant für Frieden sein, weder in Zeiten des alten Kalten Krieges noch beim neu entflammten.

Reduziert auf zweierlei, nämlich daß Geld allein keine Welt regiert, daraus folgernd Waffeneinsätze für Totenruhe sorgen? Die Krux jenes Handelns begleitet Menschen als involvierte Täter oder Opfer. Während im simplen US-Wahlkampf die Rede war zwischen Pest und Cholera, Clinton und Trump, etliche aufatmeten, weil Clinton unterlag, dadurch der herbeifabulierte dritte Weltkrieg in die Ferne rücken sollte, traut man jetzt Trump. Gorbatschow sorgt sich zurecht, doch das Schweigen Putins werten dessen Anhänger als eine mäßigende Friedensagenda. Welch Trugschluß mit Blick zur weiteren Nato-Treue auch seitens dieser USA.

Eine Welt voller Gewalt und Kriege

Aber Trump beklagt, die USA würden nie gewinnen, nie kämpfen, sie müssen wieder Kriege gewinnen. Dieser Präsident scheint durch Unwissenheit zu glänzen, man erinnere sich, wie er mal Belgien als eine schöne Stadt bewunderte, er glaubt tatsächlich an Siege, obwohl Kriege immer Verlierer hinterlassen.

Im Jahre 2016 tobten weltweit 19 Kriege, in Afrika gar mit neun die meisten, während der Nahe und Mittlere Osten folgt. Zieht man die Länder, wo begrenzte Kriege stattfanden und Gewalt ständig vorherrscht, verbleiben nur noch wenige Länder, die man als friedlich einstufen kann. War On Terror erzielte exakt das Gegenteil, seitdem hat der Terror Hochkonjunktur, besonders grausam anschaulich per wütendem IS.

Sozialer Frieden ständig gefährdet

In diesem Fall reihte auch Deutschland sich ein, in dem per Agenda 2010 der Niedriglohnsektor gefördert und zunehmende Armut beschlossen wurde, einer „gebeutelten“ Arbeitgeberschaft warfen politisch Verantwortliche ein paar Brotkrumen hin, während Konzernlobbyismus äußerst reich beschenkt wurde mit einer neuen Kientel zwanghaft malochender Arbeitnehmerschaft.

Einem historischen Uhrwerk gleich fühlt eine aus der Versenkung geglaubte Neue Rechte sich berufen, die Zügel in die Hand zu nehmen, Politikverdrossene und all jene, die Flüchtlingsströme für ihren Ausländerhaß mißbrauchen, finden in der AfD einen Hoffnungsträger.

Mit Donald Trump an der Spitze der USA darf vorgrammiertes Chaos um sich greifen, beflügelt erst recht Europa. Grund genug, eine Friedensbewegung hochzuhalten, zu bestärken, nicht diejenigen, die per Friedensmahnwachen mit der Neuen Rechten auf einem Podest stehen, sondern mit denjenigen, die sehr genau differenzieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Und ewig lockt der Lügner

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Was wir schon immer in Wirklichkeit wußten

Und ewig lockt der Lügner. Sie haben richtig gelesen. Es ist nicht das Weib, das immer lockt, auch wenn sich dies für einige Mitmenschen als simple Diffamierung gegenüber dem weiblichen Teil der Bevölkerung, als beliebtes Argument darbietet, um sich selber in die Position des Verführten, somit des Unschuldigen zu rücken. Auch wird hier nicht auf den 1956 gedrehten Film „Und immer lockt das Weib“ mit Brigitte Bardot und Curd Jürgens in den Hauptrollen hingewiesen, obwohl sich in Bezug zu diesem Film sicherlich eine Menge von Themen anbieten würden.

Nein, es ist der Lügner generell, der mit Reizen oder Worten lockt, sowohl weiblich als auch männlich, denn weder die Verlockungen noch die Lügen sind explizit auf eine Gruppe fokussiert, höchstens in Zusammenhang mit einer verbandelten eingeschworenen Gemeinschaft.

Locken, althochdeutsch lockōn, laut Duden wahrscheinlich verwandt mit lügen. Wie schon öfters bemerkt, sind bei einigen Wortursprüngen die Sprachwissenschaftler überaus vorsichtig mit eindeutigen Nachweisbenennungen. Da hat man als „Ungelehrter“ manchmal die Chance, seine Interpretationen der Worte freier zu äußern. Das Wort locken bedeutet unter anderem ködern, herlocken, reizen, verlocken, weglocken, gemeint ist, durch Versprechungen jemanden zu überreden, etwas zu tun.

Die Locke, ein Haarkringel, althochdeutsch loc, war ursprünglich der Begriff für das Gewundene, das Gebogene.

Bei Darstellungen und charakteristischen Beschreibungen von Lügnern wird nicht nur sehr oft die Körperhaltung in leicht gebogener, vielleicht seitlich gekrümmter Haltung dargestellt, die Sprechweise wird als um den Brei herumreden formuliert.

Wer sich in der Pflanzenwelt ein bißchen auskennt, wird wissen, daß Schlingpflanzen die Eigenart besitzen, sich schlängelnd an anderen Pflanzen oder Stämmen emporstrecken, um möglichst ganz oben einen Platz zu ergattern. Sehr oft auch unter der Prämisse, die zum Emporsteigen benötigten Pflanzen zu erdrücken.

Somit läßt sich erklären, warum das Locken, das süffisante Reden gleichgesetzt werden kann mit lügen. Denn nicht alle Verlockungen halten das Versprechen der vielen guten Zureden oder des Gezeigten. Selbst in der Pflanzen-, Tierwelt finden sich Beispiele, daß die dargebotene Verlockung ins Verderben führen kann, man denke an die fleischfressenden Pflanzen oder das Nachahmen eines Duftstoffes zur Irreführung.

Warum Menschen andere Menschen durch das Vortäuschen falscher Tatsachen, also durch Lügen, von etwas überzeugen wollen, dem sie ansonsten nicht zustimmen würden, kann durchaus ganze Bibliotheken füllen.

Ob nach dem Wissenstand verschiedenster Ansichten, Analysen und Erkenntnissen die Gefahr gebannt ist, selbst nicht mehr belogen werden zu können, ist mehr als fraglich. Sicher gibt es ein paar grundsätzliche Vorsichtsmaßnahmen, die einen Lügner enttarnen können, dennoch ist die Bandbreite, einer Verlockung zu unterliegen, um ein wesentliches höher.

Das Locken, das Heranlocken oder Weglocken, wenn Gefahr besteht, das liebreizende Reden zum Schutz kann unumwunden als positive Hilfestellung in vielen kleinen, aber auch in dramatischen Situationen Leben schützen und retten.

Vielleicht liegt hier die Crux, die Schwierigkeit für alle Menschen und zwar auf beiden Seiten, somit vom Standpunkt des Lügners und des Belogenen. Als Gedankenanstoß sei daran erinnert, fast alle Eltern versuchen durch eine mehr oder weniger „durchtriebene“ List, ihren Kindern Lebensmittel schmackhaft zu machen, die ansonsten partout nicht im bevorzugten Bereich der Nahrungsmittel für die Kinder gehören. Einerseits sind sich die Erwachsenen bewußt, hier mit einer Notlüge zu agieren, andererseits ist es zum Wohl des Kindes. Einerseits sind sich die Kinder oftmals bewußt, daß sie gerade an der Nase herumgeführt werden, andererseits empfinden sie dies aber nicht als komplett abwegig. Dies ist nur eine überspitzte Situationsbeschreibung und hat selbstverständlich keine Allgemeingültigkeit, sondern soll nur zur Erklärungsunterstützung dienen, denn diese oder andere Situationen geschehen ständig im täglichen Ablauf, auch zwischen Erwachsenen.

Um noch mal kurz an die Kletterpflanzen zu erinnern, fast keine der Schlingpflanzen benützt ihren „Artgenossen“ als unterstützende Hilfe zum Emporranken. So ähnlich wie der Spruch, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Sind wir Lügnern ausgesetzt, von denen wir ausgehen, sie gehören mit zur „Familie“, wie immer man diese gemeinschaftliche Verbundenheit empfinden mag, und aus welchen Beweggründen sie zustande- kommt, desto leichter fallen wir auf Lügner herein. Können aber keine Übereinstimmungen oder weniger identifizierende Faktoren nachempfunden werden, desto weniger wird der Lügner mit seinen Verlockungen Zustimmung erfahren.

Es wird für unmöglich gehalten, daß ein „Freund“ belogen wird. Und dies ist das Konzept von, Sie wissen schon, Verkäufern, Vertretern, Marketingstrategen und allen, die es gut mit uns meinen. Ein „Mitglied“ lockt man nicht in die Falle, benützt man nicht, um sich emporzustrecken, deshalb sind die Verführungen mit einer gewissen Raffinesse Voraussetzung für das Locken durch Lügner.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Kindererziehung ständig auf dem Prüfstand

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Vertrauen schaffen durch viel Gesprächsbereitschaft

Prinzipiell spricht man von einem cleveren Verhalten, wer sich bei bestimmten Dingen zurückhält aufgrund von Unkenntnissen. Das kann vor Fehlern bewahren, verhindert peinliche Situationen einer Selbstüberschätzung, die obendrein sogar im tragischsten Fall ziemlich gefährlich enden könnte.

Gerade bei sogenannter Kindererziehung darf keine grundsätzliche Ignoranz an den Tag gelegt werden, ein Klima des Schweigens verhindert Kommunikation. Solche Auswüchse behindern eher den Familienalltag, Vertrauen schaffen durch viel Gesprächsbereitschaft ein unverzichtbar wichtiger Schritt, den alle Beteiligten lernen und anwenden sollten.

Zu Außenseitern degradiert – eine gefährliche Isolation

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an alte Kindertage, wenn wir etwas angestellt hatten und uns nicht trauten, mit der Wahrheit herauszurücken? Entweder war eine heftig zu erwartende Strafe der Grund zur Lüge, des Vertuschens und Schweigens, oder aber wir konnten einfach nicht zu unseren Fehlern stehen.

Ersteres traf wohl meist zu. Dabei müßte eine solche Mischung aus Angst und Mißtrauen gar nicht erst entstehen, die Eltern selbst haben es in der Hand, genau solche Verhaltensmuster zu durchbrechen. Was früher per „harter, strafender Maßnahme“ angewandt wurde, entpuppt sich längst als Fehleinschätzung menschlicher Psyche. Sicherlich benötigt Mensch klare Grenzen, weil nicht jeder machen kann, was er will, gegenseitiger Respekt die wichtigste Säule in der Gesellschaft darstellt, aber durch Einschüchterung, Überautorität baut sich auf der anderen Seite eine Gegengewalt auf, die irgendwann sich am vermeintlich Schwächeren entladen wird.

Was geschieht mit denjenigen, die mitten unter uns trotzdem ihr Dasein isoliert fristen? Zu Außenseitern degradiert sich ausgeschlossen fühlen? Die tragischste Form erleben wir alle Jahre bei Amoktaten, deutlich zunehmend durch Selbstmorde bis hin zu wachsender Gewaltbereitschaft. Therapieformen mögen einiges abfangen, dazu beitragen, wieder ein Leben zurück zu finden in den normalen, gesunden zwischenmenschlichen Alltag. Bei den meisten Opfern schlummern ungelöst die Probleme, die Ohnmacht des Schweigens dient als Schutzmantel, bevor alles zusammenbricht, was sich angestaut.

Bis ins letzte Detail erfragen, nachhaken ohne Rücksicht

Ein deutliches Wort stellt Aufklärung dar, welches in diesem Zusammenhang weder mit dem Sexus gemeint noch der historischen Entwicklung der Selbsterkenntnis durch Immanuel Kant und anderen, sondern bedeutet, vielschichtige Familienprobleme bis ins letzte Detail zu erfragen. Wenn man explizit der gemeinschaftlichen Wahrheit auf den Grund geht, Mißstände wirklich anspricht und klärt, vor allem daraus weiterlernt, in dem alle aufeinander ehrlich zugehen, besteht die Chance, längst verschüttetes Vertrauen wieder aufzubauen.

Das mag alles sehr theoretisch klingen, ohne Beispiele angeführt zu haben. Stellen Sie sich mal vor, Ihre Mutter nörgelt ständig an Ihnen herum, egal was auch immer Sie tun, Sie sind in ihren Augen der ewige Versager. Obendrein unterläßt sie es, Ihnen in Notsituationen zu helfen, ein richtiger Junge kenne keinen Schmerz, Mädchen, die heulen, seien Heulsusen. Die schützende Hand Ihres Vaters gibt es schlicht nicht, weil er außer Haus auf Montage, nur zwei Mal im Monat am Wochenende seine Familie sieht.

Ein solches Beispiel setzt sich fort. Aus jenen Kindern werden irgendwann dann doch mal selbst Eltern. Und die ehemalige Mutter, nunmehr als Oma, setzt ihren Kurs des Vertuschens, der harten Hand fort, egal, was auch immer Sie Ihren Kindern gönnen, und Sie wollen natürlich reden, klären, behutsam auf Ihre Kinder einwirken. Was gibt es da noch für Optionen, wenn Oma auf ihr Erziehungsmodell beharrt, der Opa sich ständig aus allem heraushält? Entweder still dulden wie in alten Kindertagen oder endlich einen Schlußstrich ziehen!

Schweigen aus falschem Scham führt in eine Sackgasse

Der offene Umgang miteinander bietet sich als größte Chance des friedlichen Zusammenlebens. Selbst wenn in früheren Zeiten einfach geschwiegen wurde, aus falschem Scham, es nach außen sich „nicht schickte“, oder man selbst zu wenig Selbstvertrauen hatte, welches die eigenen Kinder dann gefälligst ebenso nicht aufbauen durften, muß diese Sackgasse der Ignoranz verlassen werden.

Wer sich nicht ausspricht, trägt eine viel zu große Last mit sich, das macht auf Dauer krank und kann niemals im Sinn eines glücklichen Familienzusammenlebens sein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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