Wurzeln der Liebe verbinden

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Er zeigt seine vielen Wunden ganz offen,
er atmet, da bin ich sicher, das läßt hoffen.
Er kommuniziert mit vielen seinesgleichen,
er streckt seine Wurzeln aus wie Weichen.

Der Baum steht seit endlosen langen Zeiten,
hat Kriege gesehen, Leid, auch Hochzeiten.
Er spendet Schatten während des Sommers,
er trägt Früchte, die schmecken besonders.

Er ist mit den Jahren ziemlich alt geworden,
er wird besucht von Bienen, Mückenhorden.
Er ist der stille Trostspender für meine Sorgen,
ein Besuch reicht aus, ich fühl mich geborgen.

Er weiß meine Anwesenheit stets zu schätzen,
wir brauchen daher nicht laut zu schwätzen.
Er hat mir versprochen, solange zu bleiben,
bis die Schicksale uns von der Welt vertreiben.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Plastik – weg vom Müll, hin zum Verzicht

Wenn Verbraucher Umweltschutz mitgestalten

Irgend jemand muß die nahtlos, äußerst belastende Kette argloser Umweltbelastung durchbrechen, sie nicht weiterhin unerschrocken zulassen, bevor es tatsächlich zu spät sein sollte. Ohnehin schwappen auf den Weltmeeren bekanntlich riesige Plastikmüllansammlungen, trotz kleinster Teile nicht nur in Fischen, sondern selbst in der Zahnpasta, im täglichen Bedarf begleiten uns jene Kunststoffe.

Die Devise beim Plastik muß daher lauten: Weg vom Müll, hin zum Verzicht. Wenn Verbraucher Umweltschutz mitgestalten, erhält Mutter Erde und das Leben auf ihr eine Chance der Regeneration. Das schreibt sich hier ziemlich leicht, aber die Umsetzung dürfte manchen schwer fallen. Umso erfreulicher, daß beherzte Vorbilder mit Ratschlägen unterwegs.

„Besser leben ohne Plastik“ und Plastikfasten

Nadine Schuberts Buch „Besser leben ohne Plastik“, erschienen vor einem knappen Jahr im Münchner Oekom-Verlag, bietet sehr hilfreiche Tips für alle jene, die ernsthaft ohne Kunststoffe im täglichen Bedarf auskommen möchten. Dabei dient ihr langjähriger Erfahrungsschatz beim Umgang von Lösungsmöglichkeiten dem neugierig interessierten Verbraucher ohne erhobenen Zeigefinger.

Begleitend kann jeder in ihrem Blog stöbern, wer noch unschlüssig sein sollte, sich ihr Buch zu kaufen. Im aktuell letztmaligen Beitrag „die welt ein bisschen besser machen…“ nutzt sie den wichtigen Beweggrund, daß Kinder unsere Zukunft sind, daher ein Malbuch mit Kindern selbst entwickelt wurde, in dem gezielt die Botschaft der Umweltverschmutzung durch Plastik verdeutlicht wird.

Die Online-Plattform Utopia, die sich explizit mit dem Thema des nachhaltigen Konsums sowie dem Umweltschutz auseinandersetzt, initiiert und gegründet von Claudia Langer, versteht sich als Brückenbauer zwischen Unternehmen und Konsumenten. In dem Interview, „Plastikfasten: 40 Tage ohne Plastik“, erläutern Nadine Schubert und Anneliese Bunk ihre Beweggründe, geben Tips für Einsteiger.

Utopia weist im Interview auch auf die Initiative von Hieber’s Frische Center hin, einem Unternehmen mit Hauptsitz in Lörrach, welches eng mit Edeka zusammenarbeitet. Dort kann man an der Wurst-und Käse-Frischetheke die Waren mit selbst mitgebrachten Behältern kaufen, eine tolle Idee, auf Plastikfolien zu verzichten.

Selbst die giftigste Pflanze vergiftet ihre Umwelt nicht so, wie der Mensch.“ (Erhard Blanck)

Was interessieren schon Anmahnungen und Umweltschützer, Hauptsache man schafft sich seine eigene Illusion von ständiger Selbsttäuschung, es würde sich alles irgendwie regenerieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Kalkulierte Bigotterie

Günstige Gelegenheit heuchlerisch politischer Entfaltung

Ohne wirklich bewußt wahrgenommene Bedenken unterliegen fast alle der täglichen Kalkulation. Sei es bei der Berechnung des Einkaufs über die Menge oder zu Preisvergleichen, die erforderliche Zeit eines Handelns, im Geschäftsleben natürlich in den mannigfachsten Tätigkeiten. Überall wird berechnet, kalkuliert.

Selbst Kleinkinder berechnen bei ihrem Spiel mit Bauklötzchen unbewußt deren Standfestigkeit, bevor das Aufgetürmte einstürzt. Schätzungsweise gibt es keinen Menschen, der nicht mit Klötzchen einen Teil seiner Kindheit verbracht hat, denn Klötzchen dienen auch zum Gebrauch von tatsächlichen Zahlenberechnungen. Ein Klötzchen rechts, ein Klötzchen links und zusammen zwei Klötzchen.

Kalkulieren, aus dem lateinischen calculare, ausrechnen, bemessen, ermitteln, abschätzen, vorhersagen, zusammenreimen, das Wort hat seinen Ursprung im Rechnen mit Rechensteinen, die aus Kalk gefertigt waren. Die Kalkulation ist dementsprechend Berechnung, Ansatz, Rechnung, Planung, Veranschlagung. Etwas anders sieht es aus bei dem Wort Kalkül, dessen Wortherleitung die gleiche Herkunft hat. Kalkül bedeutet aus taktischer Berechnung, abschätzende Überlegung. Dem Wort haftet damit ein als abwertend zu bezeichnender Ausdruck an. Also eher eine hinterlistige, anstatt offensichtliche Absicht hinter einer Berechnung.

Die Begriffe Scheinheiligkeit, Heuchelei, Unaufrichtigkeit können als Umschreibung für Kalkül eingesetzt werden genauso wie die Bigotterie. Das Wort entstammt aus dem französischen und wurde ab dem 18. Jahrhundert aus dem Begriff bigot übernommen. Eine genaue Herleitung ist zwar nicht möglich, doch es wird angenommen, daß sich das Wort und der Begriff aus dem englischen „be gode“ (Schwurformel) entwickelt haben. Nachweislich erwähnt wurde der Ausdruck in einem Roman von 1165 als Schimpfwort für die Normannen. Die Bigotterie bezog sich anfangs auf das Frömmeln, also auf ein vordergründig gezeigtes Glaubensbekenntnis und eine Lebensweise, die aber der tatsächlichen Lebensführung widersprach oder einer engstirnigen Auslegung einer Religion. Man kann dies auch Doppelmoral nennen.

Kalkulierte bigotte Doppelmoral. Scheinheiliges Kalkül. Heuchlerische Unaufrichtigkeit. Viele Verlautbarungen, die öffentlich platziert werden, sind in diesen Tagen scheinfrommes heuchlerische Kalkül. Die Zielsetzung dieser Berechnungen (Konglomerat aus Wertbegriffen, Sitte, Kultur und im weitläufigen Sinn auch der Kunst) ist eine strenge, engstirnige, auf „nationalistischen Traditionen berufende“, neu zu definierende Gesellschaft.

Das Kalkül beinhaltet in der Vorbereitung zu diesen Gesellschaften die Verunsicherung der Bevölkerung durch gezielt verdrehte Aussagen über sämtliche Bereiche des öffentlichen, privaten Lebens. Dadurch wird im sogenannten zweiten Schritt dieses Kalküls eine umfassende „Bereinigung“ durch streng kontrollierte Meinungsverbreitung dieser bigotten Lebenseinstellung herbeigeführt, die unter dem Deckmantel der einzig richtigen wahren Gesellschaftsform für Ordnung sorgt.

Anders ausgedrückt, man schafft chaotische Verhältnisse, um danach für die richtige Ordnung zu sorgen. In diesem Zusammenhang ist es augenscheinlich auch „Mode“, gewisse Gruppierungen zu verunglimpfen, dabei spielt es keine Rolle ob es sich um sozial schwache Menschen handelt oder um das sogenannte Establishment. Die Bandbreite ist dem Kalkül förderlich, weil darauf verwiesen werden kann, keiner ist geschützt, alle sind Verräter an den jetzigen Umständen, außer natürlich diejenigen, die genau wissen, was in den vergangenen Jahrhunderten geschehen ist, was wissenschaftlich tragbar ist, was sozialer Bezug bedeutet, was ökonomisch sinnvoll ist, was man zu glauben hat (darf) und natürlich vieles mehr.

Bleibt die Frage, wer profitiert von diesem Kalkül? Denn keine Berechnung ohne Kostenüberblick oder Planung eines Ergebnisses. Dafür ist eine nähere Betrachtung derjenigen erforderlich, die sich anmaßen, nicht nur aus verantwortlichen Positionen heraus, sondern auch aus Profilierungssucht in der „Sprache der Narren“ sarkastisch, heuchlerisch mit der Tendenz des egoistischen Spötters ihre Befindlichkeiten als den Wert für eine ihr zusprechende Gesellschaft zu proklamieren.

Dies widerspricht eindeutig der Absicht, sich für eine human ausgerichtete Gesellschaft einzusetzen, deren Ziel es ist, für das Gemeinwohl aller einzustehen ohne Berücksichtigung der Herkunft, des Geschlechtes, sozialer Positionen, der Bildung.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Valentinstag – lieben und gedenken per Knopfdruck

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Von der Überlieferung zum Brauchtum

Am heutigen Tag der Liebenden, dem Valentinstag, dürften sich ganz besonders Blumenhändler über hohe Umsätze freuen, schließlich gilt es, so manch Blumenstrauß seinem Herzblatt zu übergeben, während in Japan die Frauen den Männern zum Valentinstag lieber Schokolade schenken. Einfach nur lieben und gedenken per Knopfdruck an einem 14. Februar? Was geschah in all dieser Zeit von der Überlieferung zum Brauchtum?

In manch Filmen längst gezeigt, das Anbringen eines Vorhängeschloßes an Brückengeländern in Italien, wo sich Liebende treffen, um das Liebesschloß mit ihren Initialien als Symbol ewiger Verbundenheit anzubringen am Valentinstag. Was auf nördlicher Halbkugel hierzulande den Brauch per Blumengeschenke unterstreicht, gilt in Südafrika dem Tragen von weiß-roter Kleidung als Symbol für die Reinheit der Liebe.

Historische Wurzeln zu diesem Gedenk- oder Lostag führen zum Bischof von Interamna zurück, dem heutigen Terni, im Süden der Region Umbrien gelegen. Dieser bekehrte die Bewohner zum Christentum, traute Paare trotz römischen Verbots durch Kaiser Claudius II., wurde schließlich vor Gericht angeklagt und in Rom im Jahre 269 n.Chr. enthauptet.

Papst Julius I. ließ bereits zu Ehren des Märtyrers Valentin eine Basilika errichten, entschied im Übrigen, daß der 25. Dezember der Festtag der Geburt Jesu sei. Dennoch sollten die Christen es weiterhin schwer haben, ihre Religion unters Volk zu bringen. So erging es dem Bischof von Passau, Valentin von Rätien, der Mitte des 5. Jahrhunderts sein Glück versuchte, gar ebenso wie sein älterer Namensvetter sich als Helfer gegen „fallende Krankheiten“ wie Ohnmacht oder Epilepsie anbot, was ihm letztlich zum Verhängnis wurde, man verjagte ihn mit Schimpf und Schand.

Doch der Brauch verblieb im heidnisch geprägten Volksglauben. Dem Zufall wurde es überlassen, in dem der erste Bursche, den ein Mädchen am Valentinstag erblickt, ein Vorzeichen einer späterhin glücklichen Verbindung sei. In England und Frankreich gilt Valentin als Schutzpatron der Verliebten und Verlobten.

Bis heute scheint Brauchtum ein Dorn im Auge manch politisch-religiös Ambitionierter zu sein. In Saudi-Arabien steht der Valentinstag auf der Verbotsliste islamischen Rechts, bereits einige Tage vor diesem Gedenktag achten Gesetzeshüter auf gewisse Käufe wie rote Rosen, die daher strengstens untersagt sind.

Dennoch mag so manches Herz höher schlagen beim gegenseitgen sich Beschenken zum Valentinstag, wenn es auch pragmatisch laut Bauernregeln lauten mag:

Ist’s am Valentin noch weiß, blüht zu Ostern schon das Reis.

Am Tag von Sankt Valentin, gehen Eis und Schnee dahin.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gesellschaft

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Schlaues Füchschen

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Kleines Füchschen,
hüpf ein bißchen
zur Seit’,
nein, nicht so weit!

Wir sollen poussieren
zum Photographieren,
aber bedräng mich nicht
so fürchterlich!

Ich sag jetzt, cheese,
damit wirke ich süß.
Mach´s Mäulchen auf,
tu, als ob du schnaufst.

Ja, du bist ein Profi,
dafür gibt’s ein Leckerli,
es scheint zu schmecken,
nicht die Finger ablecken.

Du bist wirklich klug,
aber jetzt ist genug,
ab zurück in den Käfig,
sonst werd ich nicht fertig.

Kleines Füchschen,
ich hab ein Schwipschen,
wegen dir sind zig Likes
auf der Facebook-Seit’.

Ja, wo bist du dann?
Du bist durchgebrannt!
Wie undankbar von dir,
du böses, böses Tier!

Ich trau keinem Wildtier mehr,
verkleid´ den Hund als Bär!
Die Photos tu ich twittern,
da werden einige zittern

und mich noch mehr lieben,
weil ich kann’s mit Tieren.
Dann bin ich bald reich,
du säufst nur aus dem Teich.

Du bist kein kluges Füchschen,
kein Fressen aus dem Büchschen,
mein Dasein ohne sichere Gitterstäbe,
ich für Freiheit niemals aufgäbe.

Nafia

Kategorie: Gedichte

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Bundespräsidentenwahl 2017: Vom Schönredner zum Mutmacher

Frank-Walter Steinmeier wird als 12. Bundespräsident bestätigt

Im politischen Geschäft vermag das Kurzzeitgedächtnis schnell mal greifen, wenn es darum geht, Prioritäten zu setzen, wenn gerade mal kein glaubwürdig fähiger Kandidat zur Hand wie bei der CDU/CSU, so daß der ehemalige Außenminister in den Genuß kam, sich fürs Amt zum 12. Bundespräsidenten aufzustellen und gestern bestätigt wurde.

Die Bundeskanzlerin hatte doch selbst noch vor einem Vierteljahr bekräftigt, Steinmeier käme für sie als Präsident nicht infrage, überhaupt knirscht es mächtig zwischen den Parteien der Großen Koalition, die Welt interpretiert gar die Bundespräsidentenwahl zum Problem für Frau Merkel. Der Wechsel vom Schönredner Gauck zum Mutmacher Steinmeier birgt ohnehin genügend Zündstoff in sich.

Der Ruf nach Wiedereinführung der Volkswahl völlig kontraproduktiv

Immer wieder tauchen speziell in sozialen Medien wutentbrannte Kommentare auf, in Deutschland gäbe es sowieso keine Demokratie, weil ein Bundespräsident nicht direkt vom Volk gewählt würde. Die Väter des Grundgesetzes, welches nach wie vor den sogenannten „Reichsdeppen“ ein Dorn im Auge, dachten sich schon etwas dabei, nach dieser unselig brutalen Nazi-Herrschaft, daß in der Bundesversammlung in geheimer Wahl der Bundespräsident gewählt wird.

Die ersten acht Bundespräsidenten, nach chronologischer Reihenfolge, sind inzwischen verstorben. Drei übten ihr Amt zweimal hintereinander, also für zehn Jahre aus, nämlich Theodor Heuss, Heinrich Lübke und Richard von Weizsäcker, Horst Köhler trat in seiner zweiten Amtszeit vorzeitig zurück, während Christian Wulff keine zwei Jahre im Amt war (30.06.2010 bis 17.02.2012). Jetzt soll es wieder ein SPD-Politiker richten, der dritte im Bunde, sechs CDU-Politiker wählte die Bundesversammlung, zwei FDP-Politiker und nur der noch amtierende Joachim Gauck füllte diesen Posten als Parteiloser. Einer Frau traute man das Amt bisherig wohl nicht zu.

Nach Joachim Gauck folgt Mr. Agenda 2010

War schon Joachim Gauck ein äußerst unbeliebter Bundespräsident, ganz besonders bei Linken und Rechten, wählte natürlich die Fraktion der Linken nicht Frank-Walter Steinmeier, der wesentlichen Anteil bei der Planung und Durchsetzung der Agenda 2010 hatte, gar meinte, durch die Reformpolitik der SPD sei die „Wirtschaft in Deutschland so wettbewerbsfähig wie nie zuvor, die Löhne und Renten wären daher wieder gestiegen.“ Dem Programm der Linkspartei bescheinigte er den „sicheren Weg in die Armut“.

Was soll man von diesem ehemaligen Außenminister halten, der auf dem Maidan ukrainische Nazis gutheißt, auf Plätzen schreiend TTIP- und CETA-Abkommen verteidigt, eine neoliberale Politik, die kaltherzig Deutschlands sozialrassistische Gesetze installiert, um obendrein kriegerische Einsätze und Waffengeschäfte zu dulden, wissend, daß dadurch die Welt keineswegs friedlicher wird?! Frank-Walter Steinmeiers Appell zu mehr Mut wirkt eher hilflos statt überzeugend.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Erzwungene Heimatliebe bedroht Individualität

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Wenn vermeintliche Logik sich als Engstirnigkeit entpuppt

Keiner, niemand lebt im Gesamten völlig allein auf diesem Erdenball, außer er entscheidet sich bewußt gegen jegliche Gesellschaft und lebt sein Leben entweder in einem Kloster oder als Eremit, Einsiedler. Alle anderen sind in ihrem Leben ständig wechselnden Begegnungen ausgesetzt.

Genau dies ist es, welches einige Zeitgenossen verneinen und dies vehement vertreten durch ihre Aussagen, in denen sie sich dazu bekennen, zur Nationalstaaterei zurückkehren zu wollen.

Vergleichen läßt sich dies mit dem Wunsch, in ihrem Garten (Heim, Heimat) nur Tulpen in der gleichen Farbe sehen zu wollen, und jede kleinste Farbmischung wird umgehend ausgegraben, Vielfalt, nicht nur in der Pflanzenwelt stellt für sie eine Unordnung dar, deren sie nicht habhaft zu werden vermeinen. Ihr Bild der Welt ist äußerst beengt und führt zu unnötigen „Grabenkämpfen“.

Denn diese Heimat, auf die sie sich beziehen, empfindet jeder individuell anders, so ist für den einen das heimatliche Gefühl die Umgebung, vielleicht die Gasse, in der er groß geworden ist, der große Marktplatz, in dem er am Brunnen als Kind gespielt hat, bei dem anderen der Ort, in dem seine Sprache gesprochen wird, der andere bezieht sein Heimatgefühl auf ein „Bundesland“. Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie die Augen nicht für die allumfassende Erdenwelt öffnen können, und es zwangsläufig zu Händeleien führt, weil ihnen Vielfalt und das Recht des anderen auf eigene „Gefühle für sein Heim“ widersprechen. Das fördert das Gesetz des „Stärkeren“.

Scheinbar hängt dies mit dem Vermögen der kognitiven Logik zusammen, dort wo bereits die Anforderung der logischen Abfolge nach der, sagen wir mal, fünften Abfolge nicht mehr erfaßt werden kann oder gewollt ist, wird zwangsläufig ein Bild der Enge entstehen, weil das darüber Hinausdenken nicht möglich ist und Grenzen setzt. Nun ist es aber nicht so, daß alle „Heimatliebende“ an der Logik oder am IQ scheitern, sondern vielmehr ist zu beobachten, daß ein egoistisches, narzißtisches Weltbild bevorzugt wird, und dies verleitet wiederum andere, diese „Streiter für Recht und Ordnung“ zu hofieren, teils aus Angst und teils weil sie diese vermeintliche selbstsüchtige Stärke bewundern.

Das Volk, mittelhochdeutsch volc, Leute, Kriegsschar, althochdeutsch folc, Haufe ist wahrscheinlich abgeleitet von „viele“. Natürlich kann viele auch bedeuten, eine Menge von derselben Sorte, Art, doch völlig unabhängig davon ist trotzdem eine Birne nicht gleich der anderen Birne. Sie sind vielleicht von derselben Art, aber nicht dieselben, (und würden nicht in den Fabriken die Produkte aussortiert werden, die man Fehlprodukte nennt, obwohl sie durch denselben Fabrikationsvorgang hergestellt wurden, gäbe es auch hier viel mehr verschiedenartige Produktionsergebnisse). Ergo ist selbst bei derselben Art, Form, Sorte eine Verschiedenartigkeit zu erkennen.

Somit sind viele eben alle die gleichen und nicht dieselben, was gewisse Menschen, die sich als „derselbe“ (Identitäre) gerne proklamieren. Wer in einer Gemeinschaft unter vielen nur nach der Pfeife eines einzelnen tanzt, der bestimmt, was viele bedeutet und wie sich viele zu verhalten haben, dem wird seine individuelle Persönlichkeit genommen. In Bezug auf Völker bedeutet dies zudem eine strikte Abgrenzung gegenüber anderen vielen. Dies verhindert Austausch und Meinungsvielfalt und ist ein Zeichen von Engstirnigkeit.

Strikte Trennungen nach Nationen, nach Kulturen, nach sozialer Stellung oder was auch immer „sortiert“ werden kann, fördert geradezu ein Elitedenken für bestimmte Gruppierungen. Es sollte gerade auf Grund der Erfahrungen und Erlebnisse all der Jahrhunderte inzwischen bei jedem im Bewußtsein verankert sein, daß nur ein gegenseitiges Miteinander zu einer friedlichen Weltgemeinschaft führen kann.

Alles andere führt zur Unterdrückung in jeglicher Form des Zusammenlebens. Überdies ist Heimat ein individuelles Gefühl, und wer bitte hat das Recht, darüber zu bestimmen, wo sich jemand heimatlich fühlt?

Das hieße im Umkehrschluß, keiner hat mehr das Recht, sich in einem „fremden“ Land heimisch zu fühlen, außer im Geburtsland, dann liebe Erdenbürger, die ihr weltweit verstreut fern eures Geburtslandes lebt, ab nach Hause, denn auch ihr habt nicht mehr das Recht, euch in diesem Land heimisch zu fühlen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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