Malaysia: Holzfäller bedrohen das Volk der Temiar

Regierung bleibt untätig trotz Kahlschlag und Überschwemmungsgefahren

Südostastasien interessiert oftmals in erster Linie Reisende nach Thailand, mit manch Angetrauter kehren einige zurück, während der Sex-Tourismus ungehemmt Gelder ins Land fließen läßt. Im südlich gelegenen Königreich Malaysia bedrohen Holzfäller in der nördlichen Provinz, im Bundesstaat Kelantan, das Altvolk der Temiar.

In einer Petition des Regenwald e.V. „Holzfäller raus aus dem Wald!“ richtet sich der Appell an die zuständige Regierung, die trotz anhaltenden Kahlschlag und daher erfolgten Überschwemmungsgefahren bisher untätig bleibt.

Filmemacher Shafie Dris engagiert sich unermüdlich

Dem gemeinnützigen Verein „Freunde der Naturvölker“, mit Sitz in Ludwigslust, hat sich der Temiarner, der Filmemacher Shafie Dris, beherzt angeschlossen, der tatkräftig seine Workshops in einzelnen betroffenen Siedlungen finanziell unterstützt. Grundsätzlich dienen sie der Schulung, Landraub sowie illegalen Holzschlag zu dokumentieren und bei zuständigen Stellen anzuzeigen.

Wer einen Zugang zu Facebook hat, dem sei dessen Seite dort empfohlen, zumal hochaktuelle Infos direkt erfolgen, wie dessen letzte Meldung vor wenigen Stunden, nachdem dieses Mal keine Schüsse erfolgten, die Protestierenden wissen, daß die Holzfäller außerhalb der Wälder fast nichts gegen die Barrikaden ausrichten können. Unabhängig davon, daß überhaupt eine solche Bedrohung seitens Regierumgsverantwortlicher nicht unterbunden wird.

Wie viele Völker sollen noch weichen, wieviel Regenwald vernichtet werden?

Die Jagd nach Rohstoffen, nach wertvollen Edelhölzern, die Brandrodung und Zerstörung der Regenwälder für Palmöl- oder Soyabohnen-Plantagen, für billigen Bio-Sprit oder fürs leckere Futter der Fleischindustrie à la McDonald’s und Co., wo indigene Völker nur als „Störfaktor“ im Wege stehen, verfolgt, vertrieben oder gar ermordet werden, nimmt ihren brutalen Verlauf.

Berichte, Appelle und Petitionen gibt es etliche, nur Konsequenzen folgen kaum, Besserung äußerst selten in Sichtweite, die Liste bedrohter Völker wird größer, immer mehr Menschen leiden unter den Folgen einer ignoranten, nimmersatten sogenannten Zivilisation, die stets eigene Profite harsch verteidigt und rechtfertigt. Umso wichtiger, jene Verbrechen wider der Menschlichkeit aufzuzeigen und anzuprangern!

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Bedrohte Völker

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Birkenhead Drill nicht nur exemplarisch für Rettung in Not

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Wer das Establishment bekämpft, sollte nicht mit Steinen schmeißen

„Frauen und Kinder zuerst!“ Ein Ausruf, so sollte man meinen, der bei jedem Menschen so tief verinnerlicht ist, daß es über den Sinn und die daraus schließende Regelung keiner Hinterfragung bedarf. Es stellt sich keine Frage, ob der richtigen Handlungsweise, da es einer Normalität gleichkommt wie das Essen mit Messer und Gabel, zumindest in den westlichen Ländern. Sogleich gilt natürlich auch, wie das Essen mit Stäbchen oder mit Fingern, je nach gewohnter Sitte, ein Umstand also, der seit Jahrhunderten gilt.

Dem ist nicht so, auch wenn wir uns darüber noch so wundern können. Erst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Tatbestand, wenn es Menschenleben zu retten galt, „angewandt“. Natürlich kann es nicht ausgeschlossen werden, daß bereits in früheren Zeiten ebendies auch geschah, doch wirklich als beständiges Handeln wirkte sich dieser Ausruf erst seit nunmehr 177 Jahren aus, nämlich genau seit dem 25. Mai 1840 in Amerika. Laut Berichten brach auf dem Transportschiff Poland ein Feuer aus, und ein französischer Passagier setzte sich unter Zustimmung der anderen Mitreisenden durch, daß die Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote steigen durften.

Am 27. Mai 1842 wurde beim Untergang der Abercrombie Robinson ebenso verfahren, und der Dichter William Topaz McGonagall beschrieb dieses Unglück in seinem Werk „The Wreck of the Abercrombie Robinson“. Sozusagen zur Allgemeingültigkeit gelangt der Ausspruch aber wohl erst mit dem Roman von William Douglas O’Connor, „Harrington: A Story of True Love“, der 1860 veröffentlicht wurde.

Die Birkenhead, ein zum Truppentransporter umgebautes Schiff, lief am 26. Februar 1852 auf einen Felsen auf, Lieutenant Colonel Alexander Seton gab den Befehl aus, Frauen und Kinder zuerst. Diesem Umstand ist zu verdanken, daß alle Frauen und Kinder (insgesamt 56 Personen) gerettet werden konnten. Von 643 Besatzungsmitgliedern und Passagieren überlebten nur 193 Menschen. Der Ausspruch, Frauen und Kinder zuerst, wird deshalb auch oft als Birkenhead Drill benannt.

Es ist allerdings in der Praxis eher die Regel, Hilfebedürftigen, Verletzten, Alten und Kindern zuerst und dann den andern zu helfen, wobei hier natürlich große Unterschiede bei den verschiedensten Unglücken, Katastrophen zu ersehen sind.

Wenn einige Zeitgenossen gerne aber darauf hinweisen, daß „etwas“ zuerst den Vortritt hat, entweder als Person oder als Sache, so kann man nicht umhin, nach dem Moralkodex dieser Menschen zu fragen. Jedem das Seine, mir das Meiste. Ist dies wirklich die bestimmende Anstandsformel der Gegenwart und der Zukunft, und inwieweit ist dies mit dem gleichzeitigem Verweis auf christliche, religiöse Werte und Moralvorstellungen vereinbar?

Gar nicht! Denn es zeugt von einer egozentrischen Einstellung, die nicht gewillt ist, ein Gegenüber zu akzeptieren, schon gar nicht auf „Augenhöhe“. Hierbei ist auch der Versuch, eine von Harmonie triefende Heile-Welt-Bildchen und Filme verbreitende medienüberflutende Propaganda nur eine verschleiernde Darstellung der Realitäten. Denn so funktioniert weder das Leben noch jede Gemeinschaft.

Zu all diesen egoistischen Verhaltensweisen gesellt sich der hetzerische Ruf nach Beendigung, ja teilweise sogar nach Vernichtung des Establishments und so gar nicht ins Bild passend von jenen, die gerade das Establishment vertreten oder danach lechzen, diesem anzugehören.

Das Establishment, laut Duden, Oberschicht, politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftliche einflußreiche Personen. Also diejenigen, die das Ruder der Schiffe in der Hand halten. Nun mag ja der ein oder andere dieser Oberschicht seinen Status durch Vetternwirtschaft, durch Bestechung, durch sonstige kriminelle Machenschaften erreicht haben und die Verantwortung für Aufgaben übertragen bekommen haben, deren er nicht gewachsen ist oder nur provisorisch mit seinem Namen vorsteht, aber alle? Sollten wirklich alle verantwortlichen Positionen mit den falschen Personen besetzt sein? Dann ließe sich die Frage stellen, warum erst jetzt auf diesen Umstand hingewiesen wird und, wie erwähnt, gerade von Personen, die eben aus diesem etablierten Kreisen stammen? Welche Vorteile werden hier für wen geschürt und welche Nachteile für andere? Oder welche Krähe kratzt der anderen Krähe die Augen aus?

Wer wirklich Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen erreichen will, kann dies nicht, in dem einfach nur Namen ausgetauscht werden und dennoch dasselbe „Business“ weiterverfolgt wird.

Wer wirklich ein Interesse an Veränderungen hat, der muß die Aufgabe meistern, alle, jeden in sein Boot aufzunehmen und dafür Sorge tragen, daß alle sicher ans Ziel gelangen.

Dies ist möglich, es erfordert einen langen Prozeß der Annäherung, der Verständigung, der Bereitschaft, den „alten“ Kurs zu verlassen und sich auf eine „neue“ Kursrichtung einzulassen, in dem die Hilfebedürftigen, die Verletzten zuerst berücksichtigt werden und nicht diejenigen, die ihre Penunzen retten wollen. Wer sich an diesem Prozeß beteiligen will, kann dies nicht tun, indem er neue Grenzen aufstellt, sondern in dem er Grenzen öffnet, nicht nur landschaftlich, sondern auch im Bewußtsein.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Umweltbelastung durch Chemikalien keineswegs gebannt

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Unser täglich Gift Ursache etlicher Krankheiten

Was nutzen schon gesetzliche Regelungen oder Verordnungen wie Verbote von Chemikalien und Gefahrstoffen, eine Verpflichtung von Unternehmen zur Registrierung gefährlicher Chemiestoffe bei der ECHA (Europäische Chemikalienagentur), die den Gefahren der chemischen Produktpalette entgegenwirken, wenn trotzdem die toxische Belastung für Natur und Unwelt und somit auch für uns Menschen kontinuierlich zunimmt?

Wir mit den nachhaltig schädlich wirkenden Folgen leiden und leben müssen? Es gibt keinen umfassenden Schutz, weil wir überall mit gefährlichen, chemiekalischen Stoffen in Berührung kommen, dies ohnehin völlig unwissend geschieht. Aufklärung hat oberste Priorität, um zumindest einige Gefahren einzudämmen.

Gefährliche Inhaltsstoffe lauern nach wie vor in Kosmetikprodukten

Lassen Sie sich nicht von der Werbung blenden, welche seitens der herstellenden Industrie von Hygiene- und Körperpflegemitteln uns weismachen will, sie produziere umweltfreundlich, um die Gesundheit zu berücksichtigen. Das Gegenteil trifft in der Regel viel eher zu. Wer sich ein Bild darüber machen möchte, was und vor allem wo etwas drin sein könnte, der schaue mal in diese Liste gefährlicher Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten, um sie mit seinen Badezimmerartikeln zu vergleichen.

Erschreckende Ergebnisse sollten nachdenklich stimmen. Wenn es ums Wäschewaschen geht, schaut es keineswegs besser aus. Anne Steinemann, Professorin an der University of Washington, besonders im Bereich der Umwelttechnik und öffentliche Angelegenheiten engagiert, hat in verschiedenen Studien nachgewiesen, daß überall dort, wo Duftstoffe seitens der chemischen Industrie in den Waschmitteln, in der Kosmetika eingesetzt werden, gut ein Viertel dieser Stoffe als schädlich und toxisch einzustufen sind.

In den USA werden die Hersteller nicht dazu verpflichtet, Angaben über die Inhaltsstoffe preiszugeben, während dies hierzulande zumindest die Gefahrstoffverordnung regelt. Doch welcher Verbraucher hat ein solch umfangreiches Wissen, um sich entsprechend wirklich zu schützen und somit vorzusorgen?

Der beste Schutz gilt dem Verzicht auf fragwürdige Produkte

Niemand kann wirklich behaupten, er könne sich gänzlich vor weltumspannenden Umweltgiften schützen, wobei gar in der Antarktis toxische Verbindungen nachgewiesen wurden, die im Laufe der letzten Jahrzehnte den Weg dorthin fanden. Trotzdem vermögen wir uns zumindest effektiv zu schützen, in dem wir eben nicht bedenkenlos jede Tube, jede Dose an Kosmetika oder Hygiene- und Putzmittel in Discountern und Drogeriegeschäften erwerben und diese auch benutzen.

Die ständigen Behauptungen, Öko-Produkte wären ebenso ein Betrug, sollten Sie nicht ernst nehmen – es sind in der Regel bewußt gestreute Fehlinformationen seitens der Chemielobby, die natürlich ein sehr großes Interesse hat, ihre Produkte an den Mann und die Frau zu bringen. Sehr hohen Auflagen der Kontrolle haben sich gerade Ökobetriebe unterzuordnen, als daß sie Möglichkeiten des Betruges in Betracht ziehen. Die ganz wenigen schwarzen Schafe sind natürlich auch in dieser Branche nicht gänzlich wegzudenken.

„Agenda 21“ sowie „Lokale Agenda 21“ nur ein Wehrmutstropfen?

Was nutzen ernstgemeinte Absichten von weltweiten Abkommen wie die Agenda 21, die das Ziel setzt, daß Industrieländer ihre Wirtschaftspolitik und somit die Agrar-, Energie- und Handelspolitik eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen hat, während der Fokus bei den Schwellen- und Entwicklungsländern auf die Armutsbekämpfung, die Bildung, Gesundheit, Trink- und Abwasserversorgung, die Abfallbeseitigung aber auch die ländliche Entwicklung gerichtet ist?

Kriterien der sogenannten „Lokalen Agenda 21“, nämlich Ökonomie, Ökologie und Nachhaltigkeit, sind fragwürdig, was ihre Umsetzung anbelangt. Viel zu heftig äußert sich in der Praxis der Widerstand der Lobbyisten in der Wirtschaft. Diese nutzen ihren Einfluß, verhindern wirksame Möglichkeiten der Verbesserung für Betroffene.

Daher kommt keine tatsächliche Entwicklung zustande, der ewige Schrei nach immer mehr Wachstum hat die Gemüter und den Geist dieser Klientel vergiftet. Während wir schon von einer Kapitulation sprechen sollten, weil die toxische Belastung ungehindert auf die Menschheit niederprasselt, gibt es dennoch ein wenig Hoffnung, wenn Verbraucher entsprechend aufmerksam eben nicht alle toxisch fragwürdigen Produkte konsumieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Vorwürfe – Gratwanderung zwischen Objekt und Subjekt

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Alea iacta est – welcher Hund bringt das Stöckchen zurück?

Wem ist nicht schon einmal vorgeworfen worden, dies gesagt, jenes getan zu haben? Vorwürfe, die manchmal nicht ohne Schwierigkeiten wieder aus der Welt geschaffen werden können, entweder weil ein gewisser Wahrheitsanteil beinhaltet ist, oder aber weil die Vorwürfe trotz Gegenbeweis keine Möglichkeiten mehr haben, aus dem Bewußtsein vieler wieder „gelöscht“ zu werden. Diese Taktik der Vorwürfe dient oft dazu, jemanden zu diskreditieren und folgt dem Motto, an jeder Lüge klebt ein Fünkchen Wahrheit.

Alea iacta est, der Würfel ist gefallen, (eigentlich, der Würfel ist geworfen worden). Vorwürfe können also Straftaten aufklären helfen, genauso aber dazu dienen, Mitmenschen in ein falsches Licht zu rücken. Das Wort selbst besagt, daß etwas vorgeworfen wird, also nach vorne, vergleichbar einem Wurf eines Holzstöckchens für einen Hund, damit dieser es wieder freudig zurückbringt, aber auch vergleichbar mit dem Wurf von Wörtern, die jemand einer Person „entgegenschleudert“.

Seit einigen Jahren, mit zunehmender Tendenz werden Projekte nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch die Schulen und Universitäten abgehalten, durchgeführt. Sie sind ein probates Mittel, um Themenbereiche genauer, sorgfältiger und damit intensiver zu hinterfragen, zu erklären, zu erproben. Im Grunde genommen also nicht negativ, sondern äußerst praktikabel, um möglichst viele Aspekte in die gestellten Aufgaben zu integrieren.

Projekt, aus dem lateinischen proiectum, das nach vorn Geworfene, das Ausstrecken, und weil es sich direkt anbietet: das Projektil, Geschoß, Patrone ist natürlich auch diesem Wort entlehnt. Genauso wie der von einigen Kindern in der Schulzeit beliebte Projektor, der Bilder, Filme an die weiße aufgespannte Leinwand geworfen hat und die Gelegenheit bot, nebenbei sich Briefchen und andere ansonsten nicht „genehmigte“ Interessen zu verfolgen, während der Projektor leise oder etwas lauter brummte und entweder die Stimme der Lehrkraft oder die von einem Band gesprochenen Sätze in dem abgedunkelten Klassenraum dazu verführten, in einen trägen Vormittagsschlaf zu fallen.

Die Projektion, also das Übertragen, das Hervorgeworfene, das Abbild eines Objektes ist eine Darstellungsform, die es ermöglicht, die reale Sicht zu schärfen. Die Fähigkeit dadurch zu projektieren, auszuarbeiten, zu entwickeln, zu konzipieren, zu umreißen, zu erstellen, ist durch Vielsichtigkeit, die durch das Vorgeworfene, die Projekte um einiges effektvoller, als Themen nur von einem Gesichtspunkt aus zu betrachten.

Nun kann an dieser Stelle daran erinnert werden, daß nicht jeder Wurf, Vorwurf gelingt. Egal ob beim Würfelspiel, beim Wurfspiel mit dem Hund, bei der Themenauswahl oder beim Vorwurf, also bei einer Anklage. Überall ist davon auszugehen, daß es einiger Übungen bedarf, bis der Wurf gelingt oder bis das Projektil trifft.

Es wäre sicher verwunderlich, hätten die „Lateiner“ nicht die Gelegenheit benützt, das Verb werfen, nicht auch in andere Bezugsinhalte zu übernehmen. Das Subjekt, subiectio, darunterlegen, emporwerfen, das Hinstellen, im heutigen Sprachgebrauch, Gestalt, jemand, Person, Individuum und das Objekt, obiecto, entgegenwerfen, vorwerfen, im heutigen Sinne, Gegenstand, Themenstellung, Artikel, Erzeugnis, Produkt.

Wenn ein Subjekt, eine Person einem Objekt, einem Körper etwas vorwirft, projektiert erhalten wir eine Projektion, ein Ausstrecken von beiden, also von Subjekt und Objekt. Eine Wechselwirkung. Und genau diese Wechselwirkung ist bei Projekten mit möglichst vielen verschiedenen Fragestellungen und Antwortmöglichkeiten ein nicht zu unterschätzender Aspekt, um eine möglichst genaue differenzierte Beurteilung zu erreichen.

Somit ist wie eingangs erwähnt nicht unbedingt das „Objekt“, also der, dem ein Vorwurf gilt, genau zu analysieren, sondern ebenso das „Subjekt“, das den Vorwurf ausgesprochen hat. Es erübrigt sich sicher, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß gerade eine immense Flut von Vorwürfen jeglicher „Couleur“ im politischen Umfeld durch die Medienwelt, besonders im Social Media-Bereich herum- geistern, um mittels Vorwürfen gegenüber Andersdenkenden sich Vorteile zu verschaffen für eine bestimmte politische Ausrichtung.

Dabei ist nicht nur zu bedenken, welche Vorteile sich ergeben, sondern genau darauf zu achten, wer den ersten Wurf tätigt, mit welcher Wucht gegen wen geworfen wurde, und ob er offen oder aus dem Hinterhalt sein Ziel treffen möchte. Wahrlich ein spannendes Wurfspiel, und möge der gewinnen, der mit fairen Pässen kontert, sich in die Karten sehen läßt und die Fähigkeit besitzt, für ein Team, ein Miteinander sich hinzustellen.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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Österreich: Wehret entschiedener den Anfängen rechter Hetze

Sebastian Bohrn Mena mischt zurecht die politische Landschaft auf

Dem politischen Kurzzeitgedächtnis sollte man stets gern nachhelfen, damit etliche Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, wie die jüngste Schlappe Europas Rechtspopulisten im kleinen Österreich. Dort konnte sich Alexander Van der Bellen gegen den FPÖ-Politiker Nobert Hofer durchsetzen.

Gerade deshalb gilt, äußerste Wachsamkeit in Österreich walten zu lassen. Wehret entschiedener den Anfängen rechter Hetze, kann es nur lauten. Natürlich überall, wo sie ihre bösartige Fratze zum Besten gibt. Einerseits mischt Dr. Sebastian Bohrn Mena zurecht die politische Landschaft auf, scheut sich nicht, die SPÖ zu kritisieren, andererseits werden er und seine Frau massiv im Netz verunglimpft und bedroht.

Eine Wiederholung der Nazi-Ära nur mit anderen Mitteln?

Wer sich im Netz tummelt, genauer hinschaut, eben nicht auf den billigen Shitstorm der Lügenpresse-Kampagne hereinfällt, den gern Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und einschlägige Seiten à la Kopp-Verlag, Elsässer und Co. sich verschrieben haben, um dort selbst ihre „krude rechtspopulistische Hirnwäsche“ zum Besten zu geben, weiß wie schnell rechte Hetze auf fruchtbaren Boden stößt, einem Lauffeuer gleich auch einzelne Personen diffamiert und bedroht werden.

Jene Nazi-Ära scheint sich tatsächlich zu wiederholen, nur mit anderen, aber wesentlich wirkungsvolleren Mitteln. Ein Grund mehr, darauf hinzuweisen, auch wir berichteten über schlafende, aber jetzt längst erwachte Hunde, die den rechter Terror fördern. Was niemand so recht für möglich gehalten, darf sich vor unser aller Augen ungebremst erneut entfalten?

Schreibt es an jede Wand: Eure verbrecherischen Taten werden überall benannt!

Genau das praktiziert sehr beherzt Sebastian Bohrn Mena, Doktor der Psychotherapiewissenschaften, dessen Eltern den Weg aus chilenischem KZ 1975 nach Österreich fanden, der in seiner Jugend mal Mitglied der ÖVP war, sie allerdings bald enttäuscht verließ, nach dem Eintritt die SPÖ aufmischt, dem roten Urgestein trotzt.

Parallelen zur deutschen SPD kann man unschwer abstreiten, auch was die Dauerkoalition der SPÖ mit der ÖVP anbelangt. Die Politik beider schwarzen Parteien, den deutschen mit dem C vorneweg und der österreichischen mit der fragwürdigen Behauptung, fürs Volk Politik zu machen, ähnelt sich frapant. Das Vertrauen in den Bevölkerungen schwindet zumindest gefühlt, wenn auch letzte Umfrage hierzulande ein anderes Bild zeichnen.

Ein Grund mehr, daß genau hierbei die Neue Rechte ansetzt, um in Rattenfänger-Manier unschlüssig Enttäuschte für ihre Hetze zu gewinnen. In seinem heutigen Bericht auf seiner Facebook-Seite weist Sebastian Bohrn Mena auf die Wiederholung gleicher Fehler der 1930er Jahre hin, die Ignoranz des aufkommenden Nationalsozialismus. Die heutige Neue Rechte gibt sich andere Namen, ob AfD, Identitäre oder eben FPÖ, die Inhalte und deren Weltanschauung haben sich jedoch nicht geändert, genauso wie die Methoden der Hetze sowie ihre menschenverachtende Politik. Inofern sei Bohrn Menas Schlußsatz gern auch hier wiederholt: Wir müssen das Bewusstsein für diese Gefahren schärfen.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Quergedachtes

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Traum vom Frieden

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Reisende solle keiner aufhalten,
sagt man so allenthalben,
Menschen ohnehin nicht verwalten.
Verängstigte Bordsteinschwalben
nutzen jede Gelegenheit,
ein Stückweit ihr Leben zu genießen.
Welch brisante Einsamkeit,
verstummte Gespräche davonfließen.

Eine Welt voll hinterlistiger Tücken,
in der neue Menschen hineingeboren.
Was vermag Gewalt nur entzücken?
Manch Gedemütigte sich daher schworen,
Veränderungen herbeizuführen,
die solch Treiben ein Ende setzen.
Das kann heute nicht, morgen schon passieren:
Eine Welt, ohne andere zu verletzen.

Der Traum vom Frieden uns begleitet,
solange Mensch ihn nicht wirklich lebt.
Drum sei er unbedingt vorbereitet,
wenn Feindes Blut an seinen Händen klebt.
Es gilt, diesen Kreislauf zu beenden,
der schon ewiglich auf Erden währt.
Gegen Frieden ist nichts einzuwenden,
Krieg hat stets nur das Leid vermehrt.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Gedichte

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Wegen Dir

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Das matschige, patschige Geräusch der Tritte aus dem im Verfall befindlichen Blätter hörte sich fast genauso an wie Ulis Kaugummigeräusche, wenn er mal wieder mit voller Absicht und offenem Mund seine Kaugummis versucht, komplett aufzulösen, was ihm nicht gelingt, er aber behauptet, irgendwann käme der Tag, an dem er den Beweis antreten würde, daß es möglich sei, durch den ständigen Abrieb beim Kauen, die Masse sich auflöse, und dann wäre er eine Berühmtheit.

Beim Versuch eine Konstruktion zu basteln, die das Gebiß darstellen sollte, das angetrieben durch einen Elektromotor, das Kauen zu simulieren, erhielt er einen so heftigen Stromschlag, weil er an die Hauptsicherung der Fernheizung herumgefummelt hat, in der Meinung, da ist mehr Saft drauf als in einer Steckdose. Jedenfalls kam er mit Verbrennungen ins Krankenhaus, was ihn aber nicht davon abhält, weiterhin an seinem Bekanntwerden zu arbeiten, deshalb ist der Kaugummi, der diese fürchterlichen Geräusche verursacht, sicher schon einige Wochen alt.

„Scheiße!“, genau in die Pfütze, die müßten den Motorrad- und Treckerfahrern verbieten, durch dieses Waldstück zu fahren. Jetzt ist der linke Schuh total naß, Mist, die Socken auch. Es ist aber heute auch verdammt dunkel, hätte nicht gedacht, daß hier noch Wasserlachen auf dem Weg sind, wann hat es das letzte Mal geregnet. Vorgestern. Und ich Trottel latsch um halb zwei nachts los, um Siggi abzuholen. Sechs Kilometer hin, sechs Kilometer zurück. All das nur, weil sie sich mit ihrem Freund gestritten hat und jetzt heulend an der neuen Tankstelle wartet. Sie hätte ja nicht wissen können, daß mein Auto kaputt sei, Siggi, seit einer Woche fahre ich mit Andreas schon zur Arbeit. Ach nee.

Kalt ist mir, nicht mal den Schal hab ich mitgenommen, keine Mütze, okay, das Laufen wärmt einigermaßen, knatsch, knatsch, platsch, platsch. Ich hol mir hier noch die Grippe oder eine Lungenentzündung. Das Feuerzeug hab ich vergessen, was nützen mir Zigaretten ohne Feuer? Wegen dir Siggi bin ich gerade drauf und dran, mir den Tod zu holen. Vielleicht hätte ich doch lieber an der Straße langlaufen sollen, geschätzter Umweg drei Kilometer, geschätzte Wahrscheinlichkeit noch jemanden fahrend auf der Strecke anzutreffen bei fünf Prozent. Pfützen hätt’s dort nicht gegeben. Dafür ist mir die Siggi aber was schuldig. Wie lange waren wir befreundet, nein, ein Paar, zwei Jahre, dann bäng war plötzlich Schluß. Ihre neue Freundin vom Gymnasium, diese doofe Zicke, war wichtiger, hat nur noch mit ihr abgehangen.

Große Liebe zerbrochen. Schutt und Asche. Nicht ganz, versteh mich immer noch ganz gut mit ihr, ist inzwischen sowas wie eine heiß geliebte Schwester. Nicht ans Rauchen denken. An der Tanke gibt es Feuer. Na, klar, Feuer an der Tanke. Mistkarre. Total kaputt. Hätte ruhig noch ein bißchen durchhalten können. Komm mir vor wie beinamputiert. Wie schnell man sich an so einen fahrbaren Untersatz gewöhnen kann. Früher bin ich diese Strecke oft mit Siggi und ein paar Kumpels gegangen, ab ins Stadtleben. Im Dorf ist tote Hose. Vielleicht hätte ich meinen Alten doch wecken sollen, damit er mir das Auto leiht, aber nein, ich hab ihm den Schlaf gegönnt und mir das Laufen.

Werd mir erstmal einen Kaffee ziehen und ne Zigarette rauchen, bevor ich mit ihr wieder loslaufe. Hoffe, sie hat sich inzwischen etwas beruhigt, sie kann mordmäßig übertreiben, wenn sie mal ihre Heularie hat.

„Hallo, ähm, ich, hier, war hier kein blondes Mädchen? Sie wollte auf mich hier warten, hat von hier aus angerufen.“
„Ach die, die sitzt seit Ewigkeiten unten auf der Toilette, dachte schon, ich sollte den Krankenwagen rufen!“

„Siggi, Siggi!“
„Ah, Simon, Mensch Simon, mir geht’s so dreckig!“
„Komm, ich lad dich auf nen Kaffee ein, du siehst ja verheerend aus. Sag mal, hat der dich geschlagen?“
„Nein, er hat nur, sag mal, was ist das für ein Lärm?“
„Hört sich an wie Halbstarke, die gerade aus der Disko kommen. Komm, wisch deine Tränen ab und laß uns nachsehen.“

„Happy Birthday to you!“ „Alles Gute zum Geburtstag!“ „Hey, Simon, guck mal hier rüber, kriegst auch das Photo!“
„Uli, Silke, Til, Sabine, Moni, Jessi, Julian, Papa, Mama?“

„Überraschung, Überraschung!“
„Hier sind deine neuen Autoschlüssel, der rosa Golf steht draußen, quatsch, er ist blau, ist das nicht klasse, alle haben dicht gehalten, sogar deine Eltern.“
„Echt krass, das alles!“
„Ja, das alles wegen dir und unserer Freundschaft!“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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