Ausleben menschlicher Fähigkeiten begrenzt

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Ohne Toleranz keine Wege der Selbstbestimmung

Die Fähigkeiten des Menschen sind durch fünf Sinne gekennzeichnet, hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen. Nach neuesten Erkenntnissen sind vier weitere Sinne ausschlaggebend, Schmerzempfinden, Gleichgewichtssinn, Körperempfindung, Temperatursinn, für die physiologische Wahrnehmung. Die Einschränkungen des Lebens bei Fehlen nur eines der Sinne kann zur gänzlichen dauerhaften Unselbständigkeit führen. Wobei es dank guter Therapien durchaus heute möglich ist, seinen eigenen Weg zu gehen, selbst mit dem Handicap der Blindheit oder Taubheit.

Überdies bestimmen Fähigkeiten, die jedem Menschen individuell innewohnen, das gesamte Lebensgeschick oder den Lebensweg. Eine Umschreibung für Fähigkeit ist zum Beispiel die geistige, körperliche Anlage, die sich in Wissen und Können zeigen kann. Das Vermögen, Neigung, Auffassungsgabe, Eignung, Talent, Qualifikation, Veranlagung sind ebenso Ersatzbegriffe für das Fähig sein.

Fähig, mittelhochdeutsch gevæhic, abgeleitet von vahen, fangen, in der Bedeutung etwas zu empfangen oder aufzunehmen. Fangen wiederum, althochdeutsch fāhan, mittelhochdeutsch vāhen in der Begrifflichkeit von greifen, fassen. In diesem Zusammenhang sei an den Greifreflex des Babys erinnert.

Das Greifen und Fassen, Begreifen und Erfassen sind also Umschreibungen für körperliche und geistige Eigenschaften, Fähigkeiten. Und diese sind, da der Mensch ein Individuum ist, bei jedem unterschiedlich ausgeprägt. Was allerdings kein Nachteil darstellt, sondern im Gegenteil die Möglichkeit bietet zum Austausch der Erfahrungen des individuellen Wesens mit anderen.

Fähig sein beinhaltet, empfangen, aufnehmen. Das Aufnehmen von anderen Fähigkeiten, die vielleicht gar nicht oder nur zum Teil vorhanden sind, gestattet den Menschen, neue Eindrücke zu empfangen, die ansonsten nicht wahrgenommen werden könnten oder deren Erkenntnisfindung einen längeren Prozeß darstellen würde. Es wäre demnach ziemlich kontraproduktiv, wenn das Begreifen, Erfassen anderer nicht angenommen, aufgenommen werden würde.

Aber genau hier liegt die Schwierigkeit, denn die Begründungen zur Erläuterung, warum dies nicht überall geschieht, die Verweigerung etwas Neues, etwas Unbekanntes von anderen anzunehmen, sind mannigfaltig und haben schlußendlich mit der Fähigkeit zu tun, ob jemand tolerant, offen, vorurteilsfrei, freisinnig, ja, sogar human ist.

Je weniger Aufgeschlossenheit, Aufgeklärtheit, je mehr Engstirnigkeit, Befangenheit, desto weniger ist die Bereitschaft, die Fähigkeit vorhanden, auf die Fähigkeiten anderer positiv zu reagieren, sie verständnisvoll zu akzeptieren, sich für sie zu öffnen. Und hier kann man ohne Umschweife auch darauf hinweisen, daß die Fähigkeit, das Empfangene, das wir symbolisch aufgenommen und in „Händen halten“, als Ausstrahlung nach außen wirkt. Um bei dieser Symbolik zu bleiben, die Sicht auf einen Menschen, der einen Korb voll Haß oder einen Korb voll Liebe hält, ist der erste Eindruck seine Ausstrahlung, denn das, was der Mensch am meisten empfangen hat, ist das, was am stärksten zu ersehen ist.

Erst die Fähigkeit zur Unterscheidung, woher der Haß, Liebe kommt, warum ein Mensch damit eingedeckt ist, welchen Nutzen er daraus ziehen kann, will, zeigt das eigentliche Vermögen, andere zu verstehen oder verstehen zu wollen, und es zeigt gleichzeitig die Neigung, wieviel aus dem symbolischen Korb weitergegeben wird, und welche Zwecke sich eventuell dahinter verbergen.

Wer nicht bereit ist, von seinen „Früchten“ abzugeben, um sich beim Beispiel Haß (negative Komponente) zu befreien, um beim Beispiel Liebe (positive Komponente) weiterzugeben, der handelt egoistisch und nicht im Sinne eines Austausches von Fähigkeiten. Diese Menschen haben einen Machtanspruch auf ihre eigenen Fähigkeiten und die Tendenz, andere Menschen und deren Fähigkeiten nicht zu akzeptieren. Genau diese „Anti-Haltung“ gegenüber Mitmenschen wird durch Verantwortungsträger und die, die sie gerne übernehmen möchten, zurzeit massiv vorgelebt, sie scheinen sich darüber nicht im Klaren zu sein, daß damit eine konstruktive Wahrnehmung unterbunden und das Empfangen von negativem Egoismus gefördert wird.

Sollten sie wider besseres Wissen handeln, ist es keine Unterstellung zu behaupten, sie tragen zur Mißachtung von andersdenkenden, andersfühlenden, andershandelnden Menschen bei und verursachen eine Gesellschaft, die sich gegen ein Miteinander stellt.

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kolumne

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SPD-Kanzlerkandidatur: Gabriels Verzicht war absehbar

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flickr.com/ Martin Schulz – Former EP President (2012 – 2017)/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Mit Martin Schulz tritt ein neoliberaler Hardliner gegen Merkel an

Nunmehr hat der Eiertanz, – nicht ums goldene Kalb -, sein jähes Ende gefunden beim nebolösen Ringen innerhalb der SPD, wer denn die Kanzlerkandidatur antritt. Beim Wechsel des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten zurück in die Bundespolitik zeichnete sich dessen Einfluß ohnehin ab, war letztlich Gabriels Verzicht durchaus absehbar.

Hinterher sind viele sowieso schlauer. Ob eine Frau Merkel damals schon erahnen konnte, daß der Vizekanzler das Handtuch schmeißen würde, sie deshalb in den Ring als erneute Kanzlerkandidatin stieg, bleibt mal dahingestellt. Mit Martin Schulz tritt zumindest ein neoliberaler Hardliner gegen Merkel an.

Lobhudelei täuscht nicht über Schulzes Verfehlungen hinweg

Das Wort Stallgeruch darf man getrost als übertrieben bezeichnen genauso wie die Behauptung, Martin Schulz sei ein Sozialdemokrat der alten Schule. Welche hätten wir denn gerne? Die wahrhaftige unter Brandt und Wehner oder eher die unter eines Gerhard Schröder, der mit dem Niedriglohnsektor und den Hartz-IV-Gesetzen den größten Sozialabbau in der BRD einleitete?

Die Vorschußlorbeeren des neuen Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden sollten mit Nachdruck gerügt werden. Wer hat denn damals in der EU Griechenland den Rücken gekehrt, mit großer Sorgfalt keine Gelegenheit ausgelassen, das Brüsseler Diktat über etliche politische Entscheidungen zu stülpen, denken wir an die Durchsetzung vom CETA, mit freundlicher Unterstützung des Vizekanzlers, das Amt des EU-Parlamentspräsidenten vom Versammlungsleiter zur Ausweitung auf globaler Weltbühne eingesetzt.

Chancenloser Weg oder Aussicht auf Erfolg?

Jetzt soll das Sprachtalent, Schulz spricht fließend fünf Fremdsprachen, gegen Angela Merkel antreten, der Erfahrungen als sehr junger Bürgermeister von Würselen sammelte, aber noch nie im Deutschen Bundestag saß. Ein Novum eines Kanzlerkandidaten, so gänzlich ohne die Auseinandersetzungen im Bundesparlament.

Dieser Weg bedeutet harte Arbeit, bedenken wir, daß die SPD laut Forsa-Umfrage von heute bei gerade mal 21% liegt, die CDU/CSU ganze 16% mehr an Stimmen für sich erhielte, eine AfD mit 12% im Hintergrund lauert, eine schwarze Ampel ihm einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Rot-rot-grün dürfte wohl mit Herrn Schulz und Frau Wagenknecht keine Option mehr sein.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Politik

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Blumen und Pralinen – angeschmiert oder abgewickelt

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Schwertfeger. Schwertfisch! Mit einem Wisch ist alles weg! Auf Grund der Umstrukturierung in den Geschäftsgebieten haben wir uns entschlossen, unter Berücksichtigung aller erforderlichen gewinnrelevanten Komponenten, die bisherigen Abteilungen des Versandhandels auszulagern. Das Team unter Leitung von Herrn Schwertfeger, Halsabschneider, hat dafür sechs Wochen lang in der Firma geschnüffelt und sich eingeschleimt, den Arbeitsaufwand zu minimieren, die Leute auszuhorchen, psychologische Gutachten erstellt, Verhaltensauffälligkeiten, Teamfähigkeit, Privatleben ausgekundschaftet, Hobbies, Verein, Familie geschieden, Kinder, Wohnverhältnisse, von wegen betriebsinterne Abläufe, menschliche Schicksale habt ihr ausspioniert.

Ja, nun nimm mir die Vorfahrt! Suchst wohl einen, der dir reinfährt? Versicherungsbetrug! Hast es wohl nötig. Und weg, überhol du nur, da vorne ist eine Kuppe, du Hanswurst! Mir ist die Lust vergangen, hoffentlich hat Rosi schon das Essen fertig, hab einen Mordshunger, das Buffet und der Sekt konnten mir gestohlen bleiben. Wußte doch, worauf das hinausläuft! Recht gehabt! Boah, schau mal, Thomas, was die da alles aufgetragen haben! Lecker! Dafür haben sie das Urlaubs-und Weihnachtsgeld die letzten beiden Jahre nicht gezahlt. Thomas, du bist ein Miesepeter, es läuft doch überall schlecht und bis jetzt… Bis jetzt hat man mit einem Teil der eingesparten Gelder in das Team Schwertfeger investiert, und in Rumänien den neuen Zweitbetrieb auf die Beine gestellt, mit EU-Geldern.

Wir haben uns angesichts der Weltwirtschaftslage entschlossen, zur Erhaltung der Arbeitsplätze neue Arbeitsverträge angepaßt, schwierige Investitionsaufgabe, geschafft. Geschafft, wenn ich das schon hör, geschafft, schaffen lassen, die Mitgliedskarten für den Golfclub umsonst auf Jahre, da der Herr Chef unter die Finanziers gegangen ist, um in sportlicher Verausgabung aus den Menschen noch mehr herauszuholen, noch mehr auszubeuten. Sitzt nachmittagelang mit Geschäftspartnern in der Besprechung im dafür eingerichteten Konferenzraum „Donau“, oder „Rhein“ oder „Elbe“, sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen.

Hey, das war ja fast ein Reim. Sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen. Sportlich, sportlich seid ihr Mannen, fair nur zu euren eigenen Belangen. Sportlich, haha. Deine vier Autoreifen kosten mehr, als du für eine deiner Packerinnen monatlich ausgibst. Unter Sozialsatz, nur Teilzeit, dafür stehen die 20 Frauen abwechselnd in der Halle, keinen Beitrag zahlst du bei ihnen in die Sozialkasse, okay, das mini Minimum, aber hey, das mini Minium stützt nicht die gesamte Solidargemeinschaft. Dein Segelboot steht seit zwei Jahren nicht mehr in Eckernförde, sondern in einem Hafen auf Mallorca. Du Orca. Mallorca, Orca.

Bin ich ein Dichter heut, wenigstens das mein Herz erfreut! Vielleicht sollte ich Rosi mal wieder ein paar Blumen schenken? Wie lang ist das schon her? Oder Pralinen? Blumen und Pralinen zusammen. Hab ich das schon mal? Sag mal, hast du im Lotto gewonnen? Dir geht´s wohl zu gut? Ach, Rosi. Mensch, hast du keine Blinker, fährt links ab, ohne zu bremsen, gerade noch die Kurve gekriegt. Ich übergebe das Mikrophon Herrn Berndorf, stellvertretender Geschäftsführer, meine Damen und Herren, sehr geehrter Golfpartner, gerade hier in der ländlichen Region können wir mit Stolz auf die Geschichte der Firma Raubbau…, seit der Alte gestorben ist und er die Schwester eiskalt aus der Firma vertrieben hat, die hatte noch sowas von Firmenehre von ihrem Vater übernommen, hat hin und wieder Schwätzchen geführt und manchen mit kleinen Krediten aus der Patsche geholfen.

Deshalb beglückwünschen wir die Weitsicht in dieser wirtschaftlichen prekären Lage, den Mut und die unternehmerische Fähigkeit, das Werk des Vaters fortzusetzen und zu erweitern. Und ein Drittel der Belegschaft vor die Türe zu setzen, Vorruhestand, die, die gewerkschaftlich aktiv sind, die, die anfangen zu denken und die, die nicht gewillt sind, mit weniger Lohn mehr zu arbeiten. Servus, Tschau. Noch ein halbes Jahr, dann bin ich raus. Glückwunsch, Thomas, Rosi wird es freuen! Wo krieg ich jetzt die Blumen und Pralinen her, soll ich die einpacken lassen?

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Katzensteuer: Deutscher Jagdverband spielt sich als Artenschützer auf

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Einführungsforderung sorgt erneut für heftige Diskussionen

Alle Jahre wieder geistern sie durch die Medien oder durchs Internet, die Falschmeldungen einer angeblich verordneten Katzensteuer. Derzeit spielt sich der Deutsche Jagdverband auch dahingehend als Artenschützer auf mit seiner Forderung einer Katzensteuer, Katzenbesitzer sollten mehr Verantwortung übernehmen.

Dementsprechend sorgt das Thema erneut für heftige Diskussionen, treten Hundebesitzer gern auf den Plan, die sich ohnehin benachteiligt fühlen. Die rund zwei Millionen streunenden Katzen hierzulande sprechen schon dafür, sowohl eine Melde- als auch Kastrationspflicht zu verordnen.

Kein April im Januar – vereinzelte Katzensteuern setzten sich nicht durch

Gern tauchen sie alljährlich als Aprilscherz auf, die Fake-News in den Medien über eine baldige Einführung der Katzensteuer. Weniger lustig wurde diese Steuererhebung real im alten Deutschen Reich in vereinzelten Gemeinden wenn auch kurzfristig durchgesetzt. Zu Beginn des 20. Jahrunderts in vier Kleinstädten des Königreichs Sachsen, die sich in Sebnitz und Augustusburg immerhin auf 3 Mark und 6 Mark auf jede weitere Katze belief.

Im Dresdner Stadtteil Blasewitz wurde die Katze gar als Mitesser betrachtet, aufgrund der Notzeiten während des Ersten Weltkriegs, so daß kurzfristig dort eine Steuer von 5 Mark für die erste Katze, 10 Mark für die zweite und gar 15 Mark für jede weitere berappt werden mußte.

Artenschutzargument in Frage zu stellen – Katzensteuer Ländersache

Zumal per Kastration und Meldepflicht auf alle Fälle viel getan werden kann, um eine zunehmend streunende, anwachsende Katzenpopulation einzudämmen. Die Genehmigung zum freien Abschuß seitens Jägern als Argument des Artenschutzes, den diese gern generell anführen, um ihr Treiben zu rechtfertigen, steht ohnehin auf sehr wackeligen Beinen. Denn eigentlich regelt das die Natur letztlich von ganz allein, es sei denn, der Mensch greift dort mittels seines Verhaltens ein.

Daß der Deutsche Jagdgverband sich als Artenschützer aufspielt, kann man somit durchaus in Frage stellen. Die Katzensteuer einzuführen, geht nicht so einfach, weil die Landesparlamente zuständig wären und eben nicht einzelne Gemeinden sie nonchalant je nach Bedarf erheben dürfen.

Doch wir sollten uns alle wieder beruhigen, weil diese Katzensteuer eher nicht eingeführt wird. Höchstwahrscheinlich wäre sie sowie nicht zielführend, würde ihren Zweck verfehlen, weil etliche Katzenbesitzer, besonders diejenigen, die eine Katzensteuer sich nicht leisten könnten, sie somit auswildern würden.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Tierschutz/Tierrechte

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Früher war alles anders

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„Hey, Mama, stell dir vor, Mona hat von ihren Eltern zur Geburtstagsfeier Kinokarten geschenkt bekommen, jetzt für Samstag! Abends, natürlich, wir sind doch keine Kleinkinder mehr! Der Vater und ihr Onkel fahren uns hin, na klar holen die uns auch wieder ab. Hab vergessen, wie der Film heißt, aber wird schon nicht das Rotkäppchen sein, Mensch Mama, wir sind doch zu sechst dort und ich bin doch schon 15.“

Fünfzehn, schwierig, leicht, alles erreichbar. Kinokarten für ne Geburtstagsfeier, was das kostet? Keine Mark ist mehr was wert. Euro. Eine Mark und eine Cola, eine Mark siebzig hat Mama vorgerechnet, als wir, ich zum ersten Mal im Kino war, Ausflug? Vorgerechnet! Alles wurde vorgerechnet, aufs Butterbrot geschmiert. Gab es eigentlich etwas, was nicht berechnet wurde? Das Geld wurde zusammengehalten wie die Moral, der Anstand, sogar die Kniestrümpfe, die heruntergerutscht sind, wurden als nicht schicklich angesehen. Lächerlich, aber daran gehalten habe ich mich trotzdem, wollte doch nicht sündig sein!

Sündig, hat das jemals aufgehört? Der Fernseher war auch Sünde, hat von der Arbeit abgehalten, aber heimlich haben sie gespart, plötzlich stand das Ding im Wohnzimmer, Farbe, wer hat, der hat, zum Gucken der Mondlandung, zig Mal standen Papa und Oma davor, ganz nah, ungläubig. Oma hat geschimpft, so viel Geld. Später war sie es, die im Wohnzimmer Kartoffeln und Gemüse geschält hat, weil der Sessel für ihren Rücken und überhaupt bequemer sei als der Küchenstuhl und die alte Holzbank, die sie „zum Verrecken nicht“ erlaubte, aus der Küche zu entfernen, selbst als der Kühlschrank angeschafft wurde. Darauf saßen schon meine Mutter und Vater, die tut’s noch, die bleibt, oder ich verklopp den Wald an die Gemeinde. Die Küchenbank blieb sogar noch nach ihrem Tod stehen, ich hab jetzt die Decken und Kissen für die Gartenbestuhlung drin, im Flur. Der Fernseher lief für sie ab nachmittags, amerikanische Serien, die Menschen echt für sie, wirklicher als ich, als ihre Enkel. Sie war nie damit zufrieden, daß Papa Mama geheiratet hat, gegen ihren Willen, evangelisch und aus der Stadt.

Margarethe war ich nur zuhause, Oma hieß so, war aber im Dorf die Greti, war wohl seit Kindertagen die Greti. Ich war die Marga in der Schule, von Anfang an. Fräulein Buchner fing damit an, zur Unterscheidung, sagte sie. Margarethe, Tochter vom Brielhof hieß auch so. Wurde ein Jahr früher eingeschult, ein kluges, artiges Mädchen hat einen Test gemacht, so schlau ist sie. Ich bin klein und dick, Vater meinte Pummelchen, und Patrik ergänzt Dummerchen. Und die Klassenkameraden riefen Marga, Versaga, wenn ich nicht schnell genug die Zahlenreihen auswendig aufsagen konnte, aber erst in der Pause. Als Margarethe auf die höhere Schule kam, wie sich das anhört, höhere Schule, wurde ich immer noch Marga genannt, aber da war das nicht mehr schlimm für mich. Wie lange ist Margarethe schon tot? Das müßten jetzt auch schon zehn Jahre her sein, verunglückt auf dem Weg nach Italien mit ihrem Liebhaber. Geschieden war sie da schon. Hatte wohl etliche Affären, sagt man, gegrüßt hat sie mich aber immer, manchmal hat sie auch gefragt, wie´s mir geht. Der ist zu schnell gefahren, sind einen Steilhang runter mit dem Cabrio, offen, nicht angeschnallt, glaub, da gab’s noch keine Gurte. Selbst wenn, die hätten sie sowieso nicht retten können.

Lina geht auch auf die „höhere Schule“, sie hat es einfacher, dafür sorg ich schon. Und Paul und der Johannes passen schon auf sie auf, auf ihre kleine Schwester. Die haben jetzt noch ein Jahr bis zum Abi, wollen studieren, eigene Wege gehen, Paul will nach Berlin und Johannes nach Aachen. Architektur. Haben früh angefangen, sich zu lösen, obwohl sie so viel zusammenhängen, viele können sie bis heute nicht auseinander halten. Lina, Kinokarten anstatt Geburtstagfeier zuhause. Die macht ihren Weg und kriegt ihn nicht gemacht, so wie ich. Patrik wollte das Haus nicht, hat neu gebaut in Waldsiedlen, großes Haus, haben keinen Streit beim Erben gehabt, der Wald gehört uns beiden noch, fifty-fifty.

Fifty-fifty und ich werd nicht mit der Wäsche fertig, trödel hier was rum, die Hanna wollte gleich kommen, schwimmen gehen unter der Woche im Hallenbad, das hätt´s früher nicht geben können, ohne nicht schief angeguckt zu werden.

„Mama, wo ist denn die neue Jeans, hast du die nicht gewaschen? Das T-Shirt ist auch nicht im Schrank. Machst du mir morgen Locken ins Haar fürs Kino? Hab dich lieb, Mama.“

Doris Mock-Kamm

Kategorie: Kurzgeschichten

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Ökostrom und Klimalüge im widersprüchlichen Disput

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Zwischen Verschwörungstheorien und gesundem Menschenverstand

Die Ära der Atomkraftwerke blickt zumindest hierzulande ihrem Ende entgegen, außer Rechtspopulisten erklimmen wider Erwarten im Herbst Plätzchen in der Regierungsverantwortung. Ansonsten darf sich der Ökostrom zurecht weiterhin Hoffnung auf steigende Beliebtheit machen trotz fossiler Energiebefürworter wie die des Vizekanzlers zur Kohle.

Dennoch verharrt ein unübersehbarer Streit zwischen Verschwörungstheorien und gesundem Menschenverstand, stehen Ökoststrom und Klimalüge im widersprüchlichen Disput, heftigst entfacht durch die neue Administration in den USA. Für Donald Trump kommen nur noch ausschließlich fossile Energien in Frage, allen voran ein Grund, das Fracking mehr zu fördern.

Robin Woods aktueller Recherchebericht zu Ökostrom

Dabei legt das Ergebnis unbedingt die Betonung auf 100-prozentigen Bezug erneuerbarer Energien nahe, bringen die im Bericht genannten Ökostromanbieter die wichtige Energiewende voran, immerhin liegt der Anteil Erneuerbarer Energien hierzulande ungefähr bei 30 Prozent der gesamten Stromerzeugung.

Ein ganz wichtiger Bestandteil des jährlich erscheinenden Ökostrom-Rechercheberichts beinhaltet die akribische Unterscheidung zwischen dem Desinteresse konventioneller Stromkonzerne, die weiterhin auf fossile Energie setzen, halbherzig angeblicher Ökostrom seitens der Unternehmen von Stadtwerken verkauft wird. Um so wichtiger, ganz deutlich diejenigen hervorzuheben, die transparent sich verhalten, den umweltschädlichen Strommix vehement negieren.

Klimalüge – genauso unsinniges Schlagwort wie die Lügenpresse

Wer im Glashaus sitzt, sollte besser nicht mit Steinen schmeißen! Das trifft ganz besonders bei Rechtspopulisten zu, die jedes Mittel nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Dabei werden gern die Ängste der Menschen bedient, denken wir an die Mär der Chemtrails.

Kann ein Weltklimagipfel, der sich hauptsächlich mit der Erderwärmung auseinandersetzt, einfach mal so nonchalant als Klimalüge abgetan werden, um gleichzeitig eine kleine angeblich eintretende Eiszeit als Gegenargument hervorzuholen, den Tatbestand menschengemachter, global forcierter Erderwärmung damit anzuzweifeln? Yes, they can, besonders mit Trump und all den ewiggestrigen Leichtgläubigen, die wider sämtlicher Physikkenntnisse Verschwörungstheorien auf den Leim gehen.

„Selbst die giftigste Pflanze vergiftet ihre Umwelt nicht so, wie der Mensch.“ (Erhard Blanck)

Was interessieren schon Anmahnungen und Umweltschützer, Hauptsache man schafft sich seine eigene Illusion von ständiger Selbsttäuschung, es würde sich alles irgendwie regenerieren.

Lotar Martin Kamm

Kategorie: Umwelt

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Liebe strömt bis zum Genick

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Der Florian,
der hat’s mir angetan,
mit seinem hellblauen Blick,
strömt Liebe bis zum Genick.

Er grüßt stets unbändig freundlich
jeden Tag, jede Woche getreulich,
mit der gleichbleibenden Intensität,
dies Treffen wär von großem Wert.

Diese unverfängliche ehrliche Art
schenkt er dem Herrn mit Bart,
genauso wie den Kindern,
da läßt er sich nicht hindern.

Verletzende Stiche im Herzen
kann man nur verschmerzen,
weil genau diese Eigenschaft
ihn so liebenswert macht.

Sein Freiheitsdrang ist groß,
die Unabhängigkeit nicht bloß
Worthülsen, sondern Charakter,
er ist überdies ein Charmanter.

Florian und sein Besitzer, Herrchen
sind fast ein eingespieltes Pärchen,
obwohl man nicht sicher sein kann,
wer die Leine führt beim Spaziergang.

Der Husky hat seinen eigenen Willen,
da hilft kein Befehlen und Brüllen,
nur durch gegenseitigen Respekt
sein Interesse an dir ist geweckt!

Nafia

Kategorie: Gedichte

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