Tagträume: Flucht aus der Wirklichkeit

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Ein heilsamer Schutz oftmals als Gehirngespinst abgetan

Am weit entfernten Horizont verblasste das Licht nahezu unmerklich, tauchte in ein dunkles Taubenblau, dessen Grenze zum darüberliegenden Himmel fließend überging in ein wolkenreiches blasses Weiß, welches Abwechslung erfuhr aufgrund versprengter Regenwolken.

Keinesfalls durften diese sich aber entladen, weil ein kräftiger Nordwestwind sie kontinuierlich vor sich hintrieb, keinerlei Gelegenheit gegeben ward, dem Meer ein wenig Süßwasser zu gönnen. Möwen zogen kreischend ihre unruhigen Bahnen, ein sicheres Zeichen, daß das Festland nicht fern. Was erwartete dort den neugierigen Besucher, der bereits völlig erschöpft an einem Wrackteil sich klammernd zu wissen meinte, in welcher Richtung das möglich rettende Festland sich befinden sollte?

Selbst den klarsten Verstand vermag Hoffnung in höchster Not eintrüben, besonders wenn Gedanken an mögliche Haiattacken die einsam verzweifelte Seele befielen. Der Ohnmacht sehr nah führte ein Schauer der Erleichterung ihn jetzt dann doch zu gezieltem Handeln, den Blick auf den Vulkan gerichtet, der unübersehbar plötzlich wie aus dem Nichts auftauchte. Mit letzter Kraft, die trotz stundenlangem Paddeln verblieb, erreichte Jim das rettende Ufer, rollte sich den Sandstrand entlang landeinwärts, nur weg von Meereswellen und dem befreienden Wissen, möglichen Haien entronnen zu sein.

Sein zurückkehrendes Bewußtsein erahnte nach todesähnlichem Tiefschlaf die Allgegenwart, ohne dabei tatsächlich aufzuwachen. Einem Gedankengang folgend, der ihn in gewisse Unruhe versetzte, begab er sich in einen sehr realistischen Traum, der ganz deutliche Signale ihm vermitteln zu wollen schien. Zugleich verspürte er ein außergewöhnliches Wohlsein, was er in solcher Form noch nie wahrgenommen hatte, außer vielleicht im Leib seiner Mutter, dem kurzen Zeitraum vor der Geburt.

Exakt diese Rückerinnerung beschäftigte ihn kurzweilig, beeinflußte sogar das Geschehen im halbwachen Schlafzustand, obwohl er sicher war, nicht real wach zu sein. Welch merkwürdige Situation, fragte er sich noch, als im nächsten Moment ein Riesenschwall Wasser ihn schlagartig ins Jetzt zurückholte, er gerade noch verhindern konnte, unfreiwillig einen Schluck vom kühlen Meerwasser dabei zu trinken. Was war geschehen?

Grellscheinendes Sonnenlicht blendete Jim zunächst, aber mit der Zeit erkannte er deutlich seine nächste Umgebung. Das vermeintliche Wrackteil entpuppte sich nunmehr als sein Surfbrett, auf dem er wohl eingeschlafen war. Dennoch grübelte er, sich verunsichert umschauend, wieso die Angst vor möglichen Haiattacken ihn dermaßen befallen konnte. Auf der anderen Seite lenkte ihn ein völlig anderer Umstand ab, die typische Geräuschkulisse emsigen Treibens am Meeresstrand holte ihn akustisch zurück in die direkte Gegenwart, alldieweil im nächsten Moment zwei sich verfolgende Jungen jede Menge Sand aufwirbelten, der sich über Jims noch nassen Körper verstreute. Einige Körner gerieten in seine Augen, was ihn veranlaßte, schlagartig aufzuspringen. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie ausgespült wieder ein befreites Sichtfeld ermöglichten.

Nun stand da der durchtrainierte Mittdreißiger am Meeresstrand, umgeben von meist entspannten Badegästen, die einfach ihren lang ersehnten Jahresurlaub genossen und fragte sich, wer ihn zurückgeholt hatte in die sonnenüberflutete Wirklichkeit hier am Atlantik, ihn ein Eimer Meerwasser, der bis auf letztem Tropfen entleert neben dem Surfbrett lag, aufgeweckt hatte. Erst als die ewigkühle Hand seiner Freundin Janis ihn vorsichtig tastend berührte und dann gar sie ihn umarmte, wußte er, daß sie es gewagt hatte. Ahnungsvoll löste sie sich und verließ fluchtartig gen Meer rennend die rettenden Wellen, denn Jim hatte kurz zuvor versucht, ihr linkes Handgelenk schraubstockartig zu umklammern. Das altbekannte Spiel zweier sich Liebender mischte die sonnenhungrigen Urlaubsstrandgäste auf, teils fluchende aber auch hinterherlächelnde Gesten kommentierten die Verfolgungszeremonie. Janis war gerade mal eingetaucht ins Wellennaß, als Jim sie schon zielsicher erreichte und zu sich zog.

Gönnen wir den beiden die Romanze des wiedergefundenen Glücks, schweifen nochmals den Blick in Richtung Horizont, der mit dem Meeresblau eine unscharfe Trennlinie aufweist zwischen Ozean und Himmel, lediglich das geschärfte Auge die unruhig glitzernde Wellenbewegung in ihr sie wahrnimmt. Was veranlaßt den Menschen, in seinen Tagträumen eine gewisse Eigendynamik an Ereignissen entstehen zu lassen, die sogar jedweder Realität sich entzieht, selbst das absurd Unwahrscheinliche annimmt?

Benötigen wir solche Grenzüberschreitungen, um das Leben um uns herum ein wenig besser verarbeiten zu können? Tagträume nicht nur reinigende Selbstheilungskräfte initiieren, sondern letztendlich ein Schlüssel zum Über-Ich darstellen, das Bewußtsein ausblendend im Schlafzustand Rücksprache hält? Wir ahnen es, teilweise Wissen darum uns bestätigt. Seien wir gewogen, wachsam durchs Leben zu schreiten, suchend, fragend, aber auch unbedingt liebend, den Haß erst gar nicht zulassend.

Lotar Martin Kamm

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Nachtschicht

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Die Zeit, Minuten, Sekunden liefen seit Stunden,
er drehte unablässig gewissenhaft seine Runden.
Kalt war die Nacht und menschenleer die Fabrik,
der hochgestellte Kragen wärmte sein Genick.

Jedes Geräusch war ihm bekannt hier drin,
das Draußen sorgte eher für seinen Grimm.
Die Menschen flößten Unbehagen ihm ein,
selbst die Natur widersprach seinem Sein.

Hier in der Fabrik war alles an seinem Platz,
die großen Apparaturen waren sein Schatz.
Obwohl auch sie manchmal nachts ächzten,
ihre metallene Gestalt wußte er zu schätzen.

Das glitzernde Grau besänftigte seine Gedanken,
die kleinsten Gefühle hielt es in Schranken,
höchst konzentriert horchte er immer wieder auf,
ob sich was einschliche im Stundenablauf.

Selbst seine Straßenschuhe hatten ihn gestört,
sie hatten sich zu laut oder zu quietschend angehört.
Erst die Filzpantoletten mit Riemen zum Schnüren
harmonisierten die Schritte, öffneten ihm Türen.

Man mag es für möglich halten oder eben nicht,
er ist nicht der einzige Mensch auf Nachtschicht.
Wie er fürchten viele die eigene Gedankenfülle,
lenken sich ab mit Hilfe äußerlich materieller Hülle.

Sie lassen die Lebenszeit im Einheitsbrei verstreichen,
füllen ihre Schubladen mit Gedanken-, Gefühlsleichen,
drehen ihre Runden in geordneten, gefestigten Räumen,
haben längst vergessen, Chaos inspiriert zum Träumen.

Würde er ausprobieren, Runden zu drehen auf dem Eis,
Kragen hochgestellt wegen der Kälte, fühlte er sich Eins
mit der Schwingung der Kufen, befreit von Schranken
und ihn bedrängenden, geflüsterten Gedanken.

So fließen die Stunden, Minuten, Sekunden, Jahre dahin,
er dreht leise seine Runden, Freiheit der Leere im Sinn,
die Fabrik produziert keine Uhren, um Zeit zu verprassen,
Gedanken, Gefühle will das pochende Herz erfassen.

Nafia

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Zeitalter der Entbehrungen rast auf uns zu

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Satirischer Rückblick…

Nachdem ein langer europäischer Frieden im Nu seinem Ende entgegengeht. Wer weltweit solch böse Saat hat gesät, darf sich nicht wundern über Krieg und Terror, der demokratisch korrekte Mensch ohnehin seine Moral verlor. Die hat er mitnichten an der Garderobe abgegeben, all der Waffenverkauf kostet stets vielen das Leben, Konsum Hirne benebelt, Arbeitsunwillige werden obendrein geknebelt.

Manch einer hat vielleicht den Braten gerochen, um wie von der Tarantel gestochen, seine letzten Reserven aufzubringen, jedoch hört man eigentlich keine Friedensglocken erklingen. Welch Zukunft uns wohl da erwarten mag, da hülft recht wenig so manche Klag, manch Krampf, auch nicht das Ausloten vor dem Wahlkampf, der schon bald bevorsteht – zu spät.

Wer oder was hat uns wohl ausgekoren, der Weg, der Weg ist verloren, denn eines kann niemand wegdenken: Überwachung längst verankert fest im Alltag. Och wenn’s keener mag, klappt wunderbar per Ablenken.

Schlafende Hunde ohnehin beim rechten Terror erwacht. Niemand weiß, wann es wo demnächst kracht, dennoch alle Demokraten viel eher zusammenhalten müssen, wollen wir nicht schon bald ein gewaltfreieres Leben missen. Am Ende lautet wohl die Frage, ob verwaist oder weise. Manch einer sagt’s uns ganz leise, wie gefährlich im Grunde die Lage.

Na klar doch, du Tor, düstere Szenarien stehen bevor. Dem kann sich letztlich niemand entziehen, fraglich ob hilfreich ein spontanes Fliehen. Folgenlose Einsätze verdeutlichen all die politischen Weichen, um Reichtum und Macht zu erreichen. Im Grunde ein sinnloses Unterfangen, was Mensch an Menschen grausam begangen.

Selbst wenn die Trumpomanie sich als Lachnummer entpuppt, manch Medienspektakel daher nur so fluppt, im Grunde genommen gilt, die Welt entsetzt gen USA schielt. Hat da jemand uns etwa die Zeit geklaut, uns somit die Zukunft verbaut? Na klar doch, auch hierzulande just ne SPD vor allem den leckeren Braten roch, erst recht beim Hartz IV folgt die Justiz sozialrassistischer Vorgabe, welch bösartiges Gehabe.

Ewiglich habgieriges Erscheinen, man kann dies nimmer verneinen, beflügelt all jene selbstgefälligen Genossen, die wie Pilze aus dem Boden schossen, um an geeignete Stellen zu rücken, welch Entzücken. Hört auf zu hassen, stoppt dieses elendige Prassen!

Lotar Martin Kamm

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Hört auf zu hassen

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Ich will keinen Besitz,
ich will beleben.
Ich will ´nen Geistesblitz
und Menschen Ideen geben.

Ich will nichts für mich behalten,
ich will nichts verderben lassen.
Ich will nichts für ewig verwalten
und Menschen hindern am Prassen.

Ich will keine Macht ausüben,
ich will keine Kämpfe fördern.
Ich will nicht nach Honolulu fliegen,
wenn Menschen hilflos sterben.

Ich will keine Wut spüren,
ich will kein Blatt vor den Mund nehmen.
Ich will keine Angst schüren,
mit Menschen Vielfalt vermehren.

Ich will keinen Besitz,
ich will beleben.
Ich will nicht nur mit Witz
den Menschen Hoffnung geben.

Ich will nichts für mich behalten,
ich will nichts verderben lassen.
Ich will, daß wir zusammenhalten,
Menschen, hört auf zu hassen!

Nafia

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Hartz IV: Justiz folgt sozialrassistischer Vorgabe

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Geld heiligt die Mittel – Jobcentermitarbeiterin unterliegt vor Gericht

Deutsche Gründlichkeit hat mal wieder erbarmungslos zugeschlagen, dabei müssen dies die Erfinder und Vollstrecker der Hartz-IV-Gesetzgebung nicht nur billigend in Kauf genommen haben, sie wußten sehr wohl, welch bösartige Instrumente betroffene Menschen erwarten würden.

Die einen bezeichnen es Arbeitszwang, Hartz IV die Offerte für Billigjobs und Knebelverträge mittels sogenannter Eingliederungsvereinbarungen, ein maßgeschneidertes Gesetz, um noch Willige sowie Verweigerer nach Gutdünken entsprechend zu behandeln. Im Fall einer Jobcentermitarbeiterin, die in erster Instanz vor Gericht unterliegt, folgt daher die Justiz sozialrassistischer Vorgabe, erweist sich als Büttel Regierungsverantwortlicher, das System funktioniert in dessem Sinne, das da lautet: Selbst Menschenwürde wird erfolgreich mißachtet.

Weitere Inge Hannemanns werden nicht geduldet

Nachdem Inge Hannemann, Mitarbeiterin des Jobcenters Hamburg-Altona, im Frühjahr 2013 sich vehement gegen die Sanktionierungspraxis zur Wehr gesetzt hatte, eine Online-Petition schließlich mit genügend Stimmen ihr Gehör verschaffte, ein Jahr später der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages in einer öffentlichen Sitzung sie behandelte, hat sich seitdem letztlich nichts geändert. Sanktionen werden weiterhin verhängt, im Gegenteil, die verantwortliche Bundesregierung verschärft viel eher den Kurs.

Selbst eine Podiumsdiskussion im letzten Herbst scheint die Öffentlichkeit kaum mehr zu erreichen, weder folgten weitere Aktionen oder Demos, noch meint die Bundespolitik, jene menschenverachtende Hartz-IV-Praxis zu ändern oder gar abschaffen zu wollen. Die Verunglimpfung Betroffener ist längst perfide Selbstverständlichkeit. So hat auch die Fallmanagerin des Jobcenters Osterholz-Scharmbeck keinerlei Chancen, ihre berechtigte Klage in zweiter Instanz fortzusetzen, weil ihr schlicht das Geld dazu fehlt.

Das Urteil der ersten Instanz kann fadenscheiniger kaum mehr ausfallen! Die Begründung des Gerichts entbehrt jedweder Logik, zumal das besonders dreiste Vorgehen mit der formulierten Lüge eines angeblich stattgefundenen Beratungsgespräches in der EGV einfach ignoriert wird genauso wie die nicht erfolgte Einzelfallprüfung. Hauptsache die Fallmanagerin zurechtgewiesen, weitere Inge Hannemanns werden per se nicht geduldet, der Staat zeigt per Justiz seine sozialrassistischen Beißer.

Anbiederung ohne Furcht und Tadel

Im Grunde hat sich nichts verändert, ein angedachter Sozialstaat entpuppt sich in Wirklichkeit als williges Werkzeug einer Gesetzgebung, die Menschen zurechtweist, sie knebelt. Wer nicht spurtet, wird sanktioniert, selbst daraus folgende Krankheitsverläufe als auch Todesopfer werden hingenommen, Statistiken helfen zusammen mit einer stillhaltenden Medienlandschaft sowie entsprechender Ablenkung, Mißstände kleinzureden, auch ein Gegeneinander ausspielen scheint Wirkung zu zeigen.

Mit Sicherheit gibt es etliche Jobcentermitarbeiter, die ohne weiteres am liebsten ebenso keine Sanktionen verhängen möchten, ihre Klientel menschlicher behandeln würden. Jene Ausnahmen aber fügen sich, um nicht selbst ihre Arbeit zu verlieren. Andere Kollegen hingegen nutzen gar ihre eigenen Minderwertigkeitskomplexe, um ihre sadistisch bösartigen Neigungen auszuleben, was die betroffenen „Kunden“ deutlich zu spüren bekommen.

Aber eine Frau Nahles und andere Politiker gehen einfach zur Tagesordnung über, die einmal ins Leben gerufene sozialrassistische Hartz-IV-Gesetzgebung funktioniert ganz im Sinne ihrer Schöpfer und nunmehr all derjenigen, die ihre Pfründe gesichert wissen wollen per Maßregelung, Arbeitszwang und Unterdrückung.

Muß man mit Fug und Recht davon ausgehen, daß auf dem politischen Parkett nicht nur mit äußerst harten Bandagen gerungen wird, sondern darüber hinaus es einer wirtschaftlichen Kontrolle unterliegt? Auf alle Fälle – wie sonst sind weltweit korrupte Verstrickungen und Abhängigkeiten zu erklären.

Lotar Martin Kamm

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Mysteriöse Diebstähle häufen sich

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Liebe Lotte,

ich sag es Dir ohne Umschweife und direkt, ich werde beklaut, seit Wochen schon, ach, was sage ich, seit Jahren. Wundere Dich deshalb nicht, jetzt erst wieder von mir zu hören, aber ich wollte ganz sicher sein, bevor ich Dir von diesen Ungeheuerlichkeiten schreibe.

Wer hat nicht schon einmal seine Geldbörse als verloren geglaubt und sie dann doch wieder gefunden, genauso wie es mit Schlüsseln passieren kann. Aber wenn sich diese als verloren geglaubten Dinge sozusagen in Luft auflösen, nicht mehr auffindbar sind, sind sie geklaut. Obwohl, das weißt Du sicher, ich eine recht gute Übersicht über meine Sachen habe und stets nicht nur im Getümmel aufpasse.

Es ist nicht nur bei dem Verlust von materiellen Dingen geblieben, neuerdings, wie soll ich es sagen, Lotte, mir werden Gedanken, Zeit und Gefühle geklaut. Lach nicht, was denkst Du denn, warum ich jetzt erst dazu in der Lage bin, diesen Brief zu schreibe, man beklaut wahllos selbst immaterielle Dinge.

Lotte, stell Dir das mal vor, welch Durcheinander, welch unruhige Nächte, Tage ich verbringe! Inzwischen bin ich sicher zu wissen, wohin all meine Kugelschreiber, Stifte, Scheren, Kaffeelöffel über all die Jahre, die ich nun schon in diesem Haus lebe, verschwunden sind. Es leben hier um mich herum Wesen, ich höre ihr Tapsen, ihr Flüstern, die meine vermissten Dinge geklaut haben. Früher habe ich dem Knarren der Treppenstufen und der Holzvertäfelungen wenig Beachtung geschenkt, da ich mit meinen Arbeiten vollends beschäftigt war, aber inzwischen weiß ich, genau in diesen Momenten, wenn sie glauben, ich sei in meiner Arbeit versunken, leben sie auf, irgendwo müssen sie einen oder sogar mehrere Spione platziert haben, die diese Informationen weitergeben.

Selbst vor der Waschmaschine kennen sie keine Scheu, und der Monteur, den ich extra anrief, konnte die verschwundenen Socken nicht mehr auffinden. Die Wasserwerke behaupten überdies, in den Abwasserrohren keine Ansammlungen von Socken zu finden, obwohl sogar die Zeitungen über den Sockenschwund eines jeden Haushaltes berichten. Der Reporter, den ich bat, sich dieses Themas anzunehmen, ich tat dies nur, um mich zu überzeugen, daß ich in Wahrheit dieser Klaubande ausgeliefert bin, um die Verlogenheit der Wasserwerke zu beweisen, läßt sich nach meinem dritten Anruf nunmehr verleugnen.

Die Kriminalbeamten, die hier im Haus waren, saßen neben mir auf dem Sofa und keinen, keinen der beiden machte es stutzig, daß anstatt zehn Minuten plötzlich eine halbe Stunde vorbei war. Zwanzig Minuten waren vor ihren Augen geklaut worden, sie besaßen sogar die Frechheit zu behaupten, ich würde phantasieren.

Aber, Lotte, bei allem was mir lieb und teuer ist, sie rauben die Zeit. In diesem Metier gehen sie so sehr geschickt vor, das sogar bei allen Uhren, die ich aufgestellt habe, es sind inzwischen annährend an die zwanzig, die genaue Zahl schwankt, da plötzlich der rote Wecker nicht mehr auf dem Küchentisch steht und der Marienkäfer, in dem eine Uhr versteckt war, ist auch weg, einfach weg, die Zeit wird überall auf die Sekunde gleichzeitig geklaut.

Das bringt mich ganz durcheinander und darauf spekulieren diese Diebe, der Besitz von fremdem Eigentum reicht ihnen nicht mehr, deshalb nehmen sie mir auch die Gefühle. So geschickt sind sie, man merkt es kaum, da habe ich mich doch neulich beim Kochen am heißen Wasserdampf verbrannt und Lotte, stell dir vor, ich habe das erst gemerkt, als schon eine große Blase auf meinem rechten Zeigefinder sich zeigte. Sie sind so unbarmherzig, doch ich wehre mich, so gut ich kann.

Sie haben übrigens auch schon versucht, mir Wasser zu klauen, aber ich habe noch gute Ohren und frühzeitig das Fließgeräusch gehört. Du hättest das Gurgeln hören sollen, als ich alle Wasserhähne im Hause voll aufgedreht habe.

Ich verstecke jetzt alles, so daß kein Ding jeden Tag an demselben Platz zu finden ist, nur ich weiß es, denn ich schreibe alles gewissenhaft auf, auf verschiedene Zettel und in Büchern, die ich beschriftet habe. Seit ich aber festgestellt habe, sie lesen in dem Moment mit, wenn ich auf das Papier schaue, habe ich mir eine Geheimschrift ausgedacht. Keine einfache!

Zwar weiß ich noch nicht, wie ich gegen den Raub meiner Zeit und Gefühle vorgehen kann, aber ich hab da schon so meine Gedanken. Und da ich weiß, sie sind auch scharf auf meine Ideen, denke ich einfach weniger oder absichtlich falsch, das irritiert sie dermaßen, daß sie zeitweise vergessen, mir meine Wohnung Stück für Stück leerzuräumen. Ich krieg diese Verbrecher schon noch.

Jetzt haben sie schon wieder meine Zeit geklaut, gerade eben war es noch zehn vor vier, und nun ist es schon drei vor sechs, und ich kann wieder mal keinen Nachmittagskaffee trinken, sondern muß mich gleich ums Abendessen kümmern.

(Lotte, ich habe Dir anbei eine Anleitung gelegt, damit Du den Brief entziffern kannst, hoffe, ich habe nicht zu undeutlich geschrieben, es ist hier, seit ich die Rolläden nicht mehr hochziehe, etwas düster. Mach Dir keine Sorgen, aber in dem tristen Licht kann ich besser hören, wo sie gerade wieder im Haus herumschleichen. Und Lotte, natürlich weiß ich, daß Du nicht wirklich Lotte heißt, aber das werde ich nicht verraten, auf keinen Fall, ich bin doch nicht tüttelig.)

Deine Emma (Codename, du verstehst das doch, oder?)

Doris Mock-Kamm

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USA: Trumpomanie entpuppt sich als Lachnummer

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Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden Grenzen gesetzt

Diesen Satz darf die Weltgemeinschaft baldigst des öfteren hören und lesen: You’re fired! Donald Trump gab gestern seine erste Pressekonferenz in diesem neuen Jahr kurz vor seiner Vereidigung als 45. Präsident, ein „Schauspiel zum Schaudern“ wie die Zeit zurecht bemerkt.

Was soll man von ihm halten, wenn bestimmte Medien per se als Fake abgetan, während er anderen das Wort erteilt? Eine neuartige Form irrealer Arroganz, zumal auch der bald mächtigste Mann in den USA keinesfalls dauerhaft diesen Kurs durchhalten kann, es sei denn, er installiert eine gezielte Zäsur mit entsprechenden Berufsverboten, was einer schallenden Ohrfeige gen Pressefreiheit bedeuten würde. Entpuppt sich etwa die Trumpomanie als Lachnumer, bevor diese reale Gestalt annehmen vermag? Sicher doch, auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden Grenzen gesetzt.

Nach der Wahl folgt die Ernüchterung

All diejenigen, die berechtigt äußerst skeptisch diesen neugewählten Präsidenten während der Wahlkampfauftritte mit seinen vielen Entgleisungen beobachtet hatten, werden weiterhin bestätigt. Sein auserwähter Regierungsstab deutet auf eklatante Fehlbesetzungen hin, wie sich noch in Zukunft erweisen wird.

Obendrein rudert er bereits zurück, was den angeblichen Schmusekurs mit Russland anbelangt, den wohl ebenso viele europäische Rechtspopulisten sich erhofft hatten, plötzlich stecken hinter den Hackerangriffen doch die Russen, nachdem zuvor Trump die Geheimdienste ob jener Beschuldigung beschimpft hatte.

Eines seiner Wahlversprechen soll zügig umgesetzt werden, die Mauer an der Grenze zu Mexiko, die allerdings die Mexikaner bezahlen sollen. Verständlicherweise wehrt sich Staatschef Peña Nieto gegen Trumps willkürliche Bestimmung.

Eine Politik der Eskalation?

Rüpelhaft entgleiten die Äußerungen dieses neuen Präsidenten sich wie ein roter Faden, man könnte nicht nur, man sollte sogar annehmen, er provoziert ziemlich bewußt. Sei es gen Mexiko, dem südlichen Nachbarn, Kanada hat übrigens ebenso schon mal vorsichtshalber reagiert, in dem die ehemalige Handelsministerin Chrystia Freeland nunmehr von Justin Trudeau als Außenministerin berufen wurde.

Bekanntlich haben die USA keinerlei Probleme, UN-Resolutionen zu mißachten oder gar Kriege ohne UN-Mandat ins Leben zu rufen, denken wir an den Irak-Krieg. Umso befremdlicher wirkt die Twitter-Nachricht von Donald Trump, die Vereinten Nationen seien „unwirksam“, ein trauriger Club, wo sich Leute treffen, unterhalten und vergnügen können. Ein Schelm, wer dabei böses denkt, oder? Man beachte nur mal seine Äußerungen an die VR China, an den Willen zur Atomwaffenaufrüstung. Alles Indizien einer Politik der Eskalation.

Lotar Martin Kamm

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