Eine endliche Geschichte (Teil 2)

https://pixabay.com/de/bauernhof-geb%C3%A4ude-fachwerk-dach-1555163/

pixabay.com

Es geschieht dann unverhofft und mit erschreckender Gründlichkeit. Als hätte die Nacht sie ausgespieen, sind da auf einmal zwei, drei, vier schemenhafte Gestalten. Ein Axtstiel teilt mit leisem Fauchen die Luft, und das Schlüsselbein des Jungen splittert mit trockenem Knacken. Augenblicks stürzt er zu Boden. Noch in der selben Sekunde wird das Mädchen von harter Hand derart beiseite gefegt, wie sich ein zorniges Kind mitunter seines Spielzeugs entledigt. Ihr Kopf prallt an einen Findling, und bei Tageslicht hätte man sehen können, wie rasch ihr Blondhaar die Farbe wechselt. Benommen und blind, grad wie ein Kalb in den ersten Minuten seines Daseins, taumelt sie auf allen Vieren. Dann – nicht einmal mehr das…

Als das Mädchen Mutter Erde schon sehr, sehr nahe ist, stellen Verstand und Gehör einen vorerst letzten Kontakt zu dieser, unserer Welt her. Doch auf seltsame, nie zuvor erlebte Art. Die Tritte und Schläge, die dem bereits leblos scheinenden Körper des Jungen gelten, empfindet sie, als träfe es sie selbst. Bei jedem dieser dumpfen Geräusche zuckt ihr geschundener Leib wie unter einem Stromschlag.
„Was tut ihr da!“, vernimmt sie ihre Stimme…
„So hört doch auf, ihr seid doch Menschen…“
Doch, es war ein stummer Schrei. Das letzte Aufbegehren vor der großen Dunkelheit…

Als sich wenig später herumspricht, der Junge sei Deutscher gewesen, es gäbe da doch diesen ostpreußischen Einschlag, zuckt man im Dorfe die Schultern. Der hätte das doch sagen können. Dann wär‘ ihm sicher nichts passiert…

Peter Petereit

Epilog

Im November 1990 war es. 34 Lenze zählte ich und hatte seit der „Wiedervereinigung“außer einem „Abitur“ keinerlei Qualifikationen. Mein Hochschulabschluss war militärischer Herkunft und folgerichtig nicht das Papier wert, auf dem es mir bescheinigt wurde. Einem „Sicherheitsdienst“ war das egal – solange ich bereit war, in jeweils 10-tägigen Tag-Nacht 12-Stundenschichten à 7 DM/h Millionenwerte eines Arzneimittelgroßhändlers waffenlos zu bewachen.

Der Arzneimittelgroßhändler hatte zu jener Zeit einen nie in Betrieb genommenen Neubau der Güstrower Kleiderwerke übernommen, baute ihn für seine Zwecke im Inneren um und hatte der Einfachheit halber den vorgesehenen Ost-Betriebsleiter gleich mit übernommen. Wir fanden rasch einen Draht zueinander, er parlierte gerne auf etwas höherem Niveau über Literatur und das meinte er, beim Pförtner/Nachtwächter gefunden zu haben. Ich las ihm aus meinen handschriftlichen „Frühwerken“ vor, und eines schönen Tages meinte er, ich könne mir doch Nachts und an den Wochenenden die Schreibmaschine seiner Sekretärin ausleihen. Um die Texte in Form zu bringen, denn manche seien gar nicht so übel…

Da saß ich nun in jenem November in meiner Pförtnerloge, hörte Radio und hörte den Namen „Antonio Amadeu“ und was ihm zu Eberswalde geschehen, in allen Nachrichten… Damals wurde noch „wertfrei“ berichtet, das Wort Rassismus wurde tunlichst vermieden. Lichtenhagen und Hoyerswerda waren noch Zukunftsmusik. Wohin soll das führen, dachte ich, und eine Begebenheit, welche einige Jahre zurück lag, kam mir wohl damals in den Sinn…

…ein Restaurantsaal in meiner Heimatstadt, abends nur spärlich besucht. Mit einem Freund sitze ich am „Ringerstammtisch“, daneben hat man ein paar Tische zusammengestellt und feiert frohes Jugendleben.

Es ist die Zeit der „Vertragsarbeiter“, Vietnamesen, Kubaner, Angolaner. Ein paar Tische weiter sitzen zwei davon und trinken Bier. Als ich „Affenlaute“ aus Richtung der Fetentafel höre, werde ich irgendwie wachsam. Und als ich sehe, wie sich einer der Angolaner in Richtung Toilette begibt und sich drei, vier der Feiernden grinsend anschicken, dem „Affen“ zu folgen, um ihm zu zeigen, wo die Bäume sind, stehe ich auf und folge ihnen. Vor Ringern hat man zu jener Zeit Respekt. Die Mutigen starrten mich auf dem WC an, vergessen das Pinkeln und eilen wieder nach oben… An jenem Abend geschieht nichts. Und als wir die Angolaner auch noch an unseren Stammtisch bitten, verkrümeln sich die grad noch Mutigen nach und nach. Sie hatten Angst gehabt, gestehen uns unsere neuen Gesprächspartner in perfektem Deutsch, so als seien sie wieder im Krieg…

…also, diese Szene und den Namen Antonio Amadeu im Sinn, begann ich damals, 1990, zu tippen. Der Betriebsleiter und ein befreundeter Schriftsteller fanden die Geschichte gut. Zeitungen und Magazine sandten sie mir mit der freundlichen Bemerkung zurück, das Thema Amadeu sei von der Presse und Experten ausgiebig behandelt worden.

Kein Bedarf, alles ist gesagt und geschrieben…

Peter Petereit

Eine endliche Geschichte (Teil 1)

Veröffentlicht unter Kurzgeschichten | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Frieden: Wunschtraum einer desillusionierten Gesellschaft

https://pixabay.com/de/landschaft-h%C3%BCgel-berg-steigung-690990/

Satirischer Rückblick…

Die nur noch zusammenrafft, unermeßlichen Reichtum aufhäuft, während Humanismus wie im reißenden Strom absäuft. Welch armseliges Treiben manch bösartige Gesellen auszuleben wagen, seit Ewigkeiten zu viele Menschen am Hungertuche nagen.

Genug vom Kurztrip zu dir, laßt uns schauen, was alles geschehet hier, Mächte erneut uns Frieden klauen. Humanismus im Diskurs einer feindseligen Gesellschaft Wege aus der Misere sucht, doch einmal gepflanzter Haß bleibt verrucht, breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus, oh graus! Wir sehen es beim Umweltschutz schon viel zu lang, die Belastung der Gewässer hält an. Gifte in Flüsse gekippt und in Meere entlassen: Zeugnisse vom widerlichen Prassen.

Jahrmarktbesuche mögen für Ablenkung sorgen, doch was geschieht dann am nächsten Morgen? Halloween as usual, alles egal? Die spinnen, die Menschen, allemal. Anstatt ein friedliches Miteinander zu pflegen, gibt man Raketen und Panzern den Segen. Wenn Moralapostel manipulativ unterwegs, gehen manch Kritiker längst auf den Keks, sollte vermehrt höchste Wachsamkeit walten, das wußten schon die Alten.

Wer nicht fragt, bleibt dumm, Widerworte eine passende Antwort darstellen, weil zum „warum“ sich Lösungen gesellen. Dies gilt nicht nur morgens zum Sieben Uhr Frühstück, sondern bedingt unser aller Glück. Doch die Willkür nimmt bereits freien Lauf, weil zuhauf Übereifer mancher Jobcenter Betroffene bedroht, eine Gesellschaft längst aus dem Lot. Alles Absicht, jene künstlich erschaffene Not!

Sehnsucht nach Harmonie nimmt zu wie noch nie? Da kannste staunen über manch bösartige Launen in sogenannter Politik. Na, wird Rechtspopulismus schon wieder schick, findet rechte Gewalt immer mehr Zulauf? Und setzt noch einen drauf mit ihrer fadenscheinigen Argumentation, sie stünden für völkischen Frieden, welch billiger Hohn.

Gehässigkeiten in aller Munde, keine Antriebsfeder zum Wohle des Volkes sich findet. Immer in dieselbe Wunde, wenn im Grunde sich das Bösartige schlängelt und windet. Dürfen wir auch mal erfreuliches berichten, oder herrscht auch hier verlogenes Dichten?

Robert Habecks Versprechen zum Ölbohrstop ein Erfolg? Fürs Wattenmeer vorerst dies sein mag, dennoch ein Haar in der Suppe bringt’s an den Tag. In direkter Näh auf dem Festland Ölbohrungen stattfinden. Umsonst alles beherzte Schinden, den Umweltschutz anzumahnen? Schreibt’s euch auf die Fahnen: Solange Menschen Ausbeutung entdecken, zu viele daran deshalb verrecken, werden Proteste zurecht anhalten.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Gehässigkeiten in aller Munde

https://www.flickr.com/photos/hilberer/18181970684/sizes/z/

flickr.com/ Thilo Hilberer/ (CC BY-ND 2.0)

Keine Antriebsfeder zum Wohle des Volkes

Wenn Gehässigkeit zum guten Ton wird, dann, ja wo befinden wir uns dann? Gibt es einen Ort, der dafür prädestiniert ist, oder ist es vielmehr kein Ort, sondern eine Lebenseinstellung? So in etwa nach dem Motto, gib’s ihm, scheu dich nicht, jemanden verbal ins Maul zu schlagen. Egal ob schriftlich oder direkt neben dem Angesprochenen stehend.

Was bedeutet Gehässigkeit? Klar, Haß ist unschwer daraus zu erlesen, also brauche ich Haß, um mich unverschämt zu äußern. Haß auf etwas Bestimmtes ist in diesem Moment nicht der ausschlaggebende Anlaß. Es stecken in dem Wort noch andere Bedeutungen, Gemeinheit, Boshaftigkeit, Niederträchtigkeit, Tücke. Da in der Gehässigkeit nicht direkt, also keine im Allgemeinen sofortige Aktion einer Wut erkennbar ist, sondern hinterrücks durch sarkastische Tücke ihre Boshaftigkeit ausdrückt, scheint sie eine spontane Äußerung zu sein, die durch das verbale oder schriftliche Loslassen ihr Ziel erreicht hat und damit sich im Sande verläuft.

Wer als Kind oder Jugendlicher sich in gehässigen Ausdrücken Luft gemacht hat, sei es gegenüber Spielgefährten, Eltern, Erzieher hat in der Regel eine Standpauke, Strafe oder Prügel bezogen. Dabei wurde nicht berücksichtigt, ob inhaltlich an der Äußerung ein Wahrheitsgehalt zu finden war, sondern es wurde die hinterhältige, tückische Art der Gehässigkeit moniert.

Erstaunlich muß festgestellt werden, daß Gehässigkeiten gegenüber den Mitmenschen in Mode gekommen sind. Je heftiger anhand der Wortwahl denunziert, dreister gelogen, sarkastisch verdrehte Tatsachen in den Raum geworfen werden, desto mehr Applaus erhält der Boshafte. Dabei ist es nicht nur in den sogenannten unteren Gesellschaftsschichten anzutreffen, nein, diese moderne Art der Beschimpfung ist längst in den eigentlich als vorbildlich geltenden „gehobenen“, sozialen Schichten angekommen. Manchmal erscheint es, daß das Gehässigsein gerade durch die, die die Verantwortung entweder durch ihren Stand, ihre Wahl oder Amt besitzen, den Zugang für eine verbrämte Sprechweise zu den anderen „unteren“ Gesellschaftsschichten begründet haben.

Verbrämen, mittelhochdeutsch verbremen, bremen, brem, Einfassung, Rand bedeutet etwas, das als negativ empfunden wird, durch positives erscheinen lassen oder abzuschwächen. Man kann verbrämen mit bagatellisieren, beschönigen, verschleiern, verbergen, idealisieren, herunterspielen, schönreden gleichsetzen. Gehässigkeiten, die mit diesen Verben in Zusammenhang benützt werden, sind in der heutigen politischen Auseinandersetzung zum „guten Ton“ geworden, so zu erkennen auf Wahlplakaten, bei Diskussionen, Internetauftritten.

Die gerne immer mal wieder angeführte Erfolgsgeschichte einer Publikumsbeschimpfung als Mittel zum Zweck, um Gehör zu finden, in aller Munde zu sein, wird durch eine verbrämte Gehässigkeit zu neuen Ufern geleitet. Sinn und Zweck dieser Art des Miteinanders ist die Hoffnung und das Ziel, möglichst breitgefächert Zweifel und Unbehagen zu streuen.

Gerade Menschen, die politische Ämter anstreben, also dadurch legitimiert sind, Entscheidungen im Sinne des Volkes zu übernehmen, sollten diese Art der Kommunikation über bestehende Probleme ablehnen. Es sei denn, ihre Absicht besteht darin, in ihrem zukünftigen Amt nicht für Ausgleich, Harmonie innerhalb verschiedener Interessengruppen sich einzusetzen. Wer mit Gehässigkeiten, Verbrämungen (Beschönigungen von Negativem) die Zukunft eines Landes gestalten will und gleichzeitig Wertevermittlung an die vorderste Spitze ihrer „Antriebsfeder“ malt, der will nur eines, sich für seine ansonsten nicht akzeptablen Vorschläge zu Problemlösungen in den Vordergrund stellen und nicht zum Wohle des Volkes antreten.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wattenmeer: DEA-Ölbohrungen gefährden das wertvolle Ökosystem

https://www.flickr.com/photos/web-stark/4963087874/sizes/z/

flickr.com/ daniel.stark/ (CC BY 2.0)

Robert Habecks Versprechen ein Erfolg?

In Schleswig-Holstein ticken die Uhren ein wenig anders als im übrigen Deutschland, in diesem speziellen Fall eher gut fürs Wattenmeer könnte man meinen, wo doch jüngst der zuständige Umweltminister Robert Habeck per vollmundigem Versprechen bei der Übergabe der rund 24.000 gesammelten Unterschriften, die ihm per Flaschenpost übergeben wurden, in Aussicht stellte, daß die beantragten erneuten Ölbohrungen des Ölunternehmens DEA nicht genehmigt würden.

Eine Erfolgsstory nach vehementen Protesten, wo besonders Greenpeace tatkräftig mitwirkte oder eher eine Verzögerung, da Konzerne kaum ruhen werden, wenn es um mögliche Profitverluste geht?

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ständig bedroht

Ging doch bisher alles gut, oder? Allein die erteilte Erlaubnis, daß DEA in der Vergangenheit das größte Ölfeld „Mittelplate“ am südlichen Rand des Nationalparks Schleswig-Holstein Wattenmeer errichten durfte, die Produktion begann vor dreißig Jahren, wirft genug Fragen auf, was sich die zuständige verantwortliche Politik dabei gedacht hat.

Schwierig genug gestaltete sich der Prozeß der Gründung des Nationalparks, dem zunächst etliche Proteste der Bevölkerung vor Ort vorausgingen, sie fühlte sich schlicht übergangen. Dem ersten Nationalparkgesetz folgte 14 Jahre später 1999 das zweite, welches wesentlich verbesserte Angebote beinhaltete, die Bevölkerung und Nutzer vor Ort einzubeziehen, Arbeitskreise und kooperative Projekte berücksichtigten die unterschiedlichen Belange, der Küstenschutz hatte weiterhin Vorrang vor dem Naturschutz.

Landtagswahl im Mai 2017 – Fortsetzung der Dänen-Ampel?

Laut den jüngsten Umfragen des Meinungsforschungsinstituts INSA dürfte die SPD diesmal als stärkste Partei mit 31% hervorgehen, die CDU verlöre gar 5%, erhielte somit nur 26% der Wählerstimmen, die Grünen blieben bei 13% (0,2% weniger), die FDP rücke ihr allerdings mit 12% auf die Pelle, die AfD wäre mit 6% als fünfte Partei im Landtag, die Piraten mit einem Verlust von 7% die Wahlverlierer. Somit könnte die Dänen-Ampel, da der SSW mit 4% von der Sperrklausel ausgenommen, weiterregieren.

Bei einer solchen Prognose stünden die Chancen gut, daß das gegebene Versprechen des Umweltministers Habeck weiterhin greift, DEA demnach mit keinen weiteren Bohrungenen das Wattenmeer gefährden könne. Es verbleiben die Gefahren durch die Bundeswehr, die dort Rüstungs- und Raketentests durchführt, von den im Wattenmeer sich befindenden Altlasten an Munition vom Zweiten Weltkrieg (von 400.000 bis 1,3 Millionen Tonnen ist die Rede), die korridieren, in sofern tickenden Zeitbomben gleichen.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Umwelt | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sehnsucht nach Harmonie

https://pixabay.com/de/sonnenuntergang-landschaft-sommer-264865/

pixabay.com

Folgsamkeit erstrebenswert?

Die Zusammenstellung bestimmter Töne eines Musikstückes folgt in der Regel einer harmonischen Gesetzmäßigkeit. Der Unterschied ist in dem Moment erkennbar, wenn Ungeübte, Anfänger sich eines Musikinstrumentes bedienen und die Tasten, Saiten drücken, zupfen, oder gesanglich uns ihre Stimme zu Gehör bringen. Dies sind die Momente, in denen wir gerne die Möglichkeit hätten, die Ohren mit einer Klappe zu verschließen. Diese Disharmonie der Tonabfolge und deren Klang kann im schlimmsten Fall zu Ärgernissen führen, die sogar zu handfesten Streits ausarten mögen. Allerdings können sich vermeintlich disharmonische Tonabfolgen auch zu hörenswerten Musikstücken vereinen, die trotz keiner harmonischen Gesetzmäßigkeit als angenehm empfunden werden, vor allen Dingen bei Jazz oder Free Jazz.

Natürlich kann durch das Auge Disharmonie empfunden werden. Je nach Farbzusammenstellungen auf Bildern, Blumenbeeten, Kleidungsstücken, Wohnungsaccessoires assoziieren wir angenehme oder eben unangenehme Eindrücke. Für die einen sind es generell grelle Farben, für andere die Vermischung von grell und pastellen Farben, oder es sind eine oder zwei Farben, die generell als nicht harmonisch für das eigene Befinden angesehen werden.

Wobei bei harmonisch wirkenden Eindrücken, Empfindungen der Gefühlspegel nach oben steigt und eine Art Glücklichsein auslöst. Ergo ist es selbstverständlich, daß sich die Menschen nach Harmonie sehnen, sogar regelrecht harmoniesüchtig sein können?

Harmonie, Zusammenklang, Ausgeglichenheit, Wohlklang, Einstimmigkeit, Übereinstimmung, Ebenmaß, Gleichmäßigkeit, ein Zeichen für Zufriedenheit und Glück? Klingt nach Schlaraffenland, Friede, Freude, Eierkuchen, ein Zustand ohne Probleme. Harmonie vom griechischen Wort harmonía, bedeutet im ursprünglichen Sinn Fügung.

Fügung, Synonym für Bestimmung, Vorsehung, Schicksal, höhere Gewalt, eine gute Wahl für den Begriff Harmonie? Die Fügung aus dem mittelhochdeutschen vüegunge, Verbindung, ebenso gleichgesetzt mit Verknüpfung von Ereignissen, schicksalhafte Geschehnisse. Das Adjektiv fügsam war vielleicht früher noch eher im Gebrauch, aber auch die Kolumnistin kann sich irren, verdeutlicht in Bezug auf die Beschreibung zum Beispiel eines Kindes, gehorsam, folgsam, brav, gesittet, lammfromm, manierlich, wohl erzogen, zahm und kann ohne weiteres mit harmlos umschrieben werden.

Harmlos bezeichnen wir Menschen, Tiere, Pflanzen, die niemanden Schaden zufügen. Keine versteckten Gefahren lauern, arglos sein, unbedarft, unschuldig, naiv, simpel, anspruchslos sein. Ist Harmonie also harmlos, fügsam, Vorsehung, schicksalhaftes Geschehen? Und wird deshalb von den meisten Menschen bevorzugt? Aber ist ein schicksalhaftes Geschehen, eine Vorsehung nicht gleichzeitig eine Art, sein Zepter aus der Hand zu geben, gefügig zu sein, gegenüber allem was da kommt, gleichwohl Schlechtes? Die geistige Vorkehrung sich nicht zur Wehr zu setzen, um sein vorbestimmtes Schicksal abzuwenden, da ansonsten die Harmonie gestört wird und damit erst die Disharmonie zustandekommt?

Würden wir tatsächlich permanent in Harmonie leben, ohne Gefahren, ohne Ängste, ohne Schmerzen, ohne Leid, immer in Fügung einer Vorsehung, wäre das Leben dann wirklich erst lebenswert? Fügsam sich eingliedern, gehorsam, brav einer höheren Gewalt, einem Schicksal gehorchend, ist dies der Weg zum Glück?

Diese Entscheidung liegt in der Hand jedes Einzelnen, Einspruch erheben dürfen andere nur, wenn jemand der Gefahr unterliegt, daß die Fügung unter Zwang, Drohung von Gewalt angenommen wurde oder wird. Ansonsten gilt der Hör- und Sehgenuß, sind wie die Lebenseinstellung eine individuelle Entscheidung, und solange nicht der Versuch unternommen wird, den anderen zu harmonisieren, um ihn in sein Weltbild zu fügen, in dem er naiv, anspruchslos zu sein hat, wird das Schicksal, die Fügung, die Harmonie schon wissen, was sie tut, oder?

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Es geschah vor 40 Jahren (01. bis 07. November 1976)

https://www.flickr.com/photos/schlepper/4813223061/sizes/z/

flickr.com/ qtschlepper/ (CC BY-ND 2.0)

Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zu einer weiteren Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter makadomo TV | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Rechte Gewalt findet immer mehr Zulauf

https://www.flickr.com/photos/a-issleib/7942315516/sizes/z/

flickr.com/ Andreas Issleib/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Weiterhin verharmlosen oder entsprechend energischer handeln?

Unsere Demokratie muß unnbedingt als gefährdet betrachtet werden. Wer dies leugnet, darf sich am Ende nicht wundern, wenn wir vor vollendeten Tatsachen stehen, die kaum noch ein Zurück zulassen. Ganz im Gegenteil, unter der Herrschaft einer rechtspopulistischen Politik waltet ein inhumaner Ton, wer sich diesem widersetzt, hat mit den Konsequenzen zu leben. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit findet rechte Gewalt immer mehr Zulauf. Weiterhin verharmlosen oder entsprechend energischer handeln?

Alles übertriebene Hysterie, weil eine AfD noch unter der 20-Prozent-Marke weilt? Könnte man so behaupten, aber die jüngsten Ereignisse im Lande sowie europaweit zeigen ein anderes Bild vom Geschehen, was keineswegs als harmlos daherkommt.

Hetze zeigt inzwischen vielerorten ihre Wirkung

Das gilt natürlich ebenso für die Social Media. Ein Facebook-User wurde neulich zu 10 Monaten Haft ohne Bewährung wegen ausländerfeindlicher und rechtsextremer Hetze im Facebook vom Amtsgericht Oldenburg verurteilt. Die Bewährung wurde ihm aufgrund seines Vorstrafenregisters versagt. Dennoch legte der 47-Jährige Berufung ein.

Erinnern wir uns an den Auftritt der Pegida in Dresden zum Einheitstag, wo sie ihre böse Fratze überdeutlich zum besten gab. Von Einsicht keinerlei Spur, ganz im Gegenteil, die rechten Kräfte fühlen sich zunehmend bestätigt in ihrem Handeln, zumal immer mehr Anhänger sich einfinden, der Zulauf stetig wächst. Auch der Brennpunkt Bautzen kommt nicht zur Ruhe, Rechtsextreme gingen erneut auf Flüchtlinge los, machten regelrecht Jagd auf sie, während die zuständige Polizei es vorzog, zu verharmlosen, nicht weiter verwunderlich angesichts der Haltung des Oberbürgermeisters Alexander Ahrens, der doch tatsächlich meint, Lichterketten seien „kein brauchbares Mittel“ dagegen, dafür sich aber am 27. Oktober mit Neonazis zu einem Gespräch getroffen hatte.

Rechter Terror längst salonfähig?

Mit einem kurzen Blick zum NSU-Prozeß und dessen unfaßbaren Ungereimtheiten, von wirklicher Aufklärung kann keine Rede sein, zusammen mit der eindeutigen Zunahme rechter Gewalt auch gegen Politiker, von 813 gewalttätigen Übergriffen ist die Rede, muß man den rechten Terror bereits als salonfähig beschreiben. Wieso eine derartge laxe Haltung? Aus Angst oder eher berechenbarem Kalkül? Letzteres mag man so gar nicht glauben, zumal die Unverfrorenheit, mit der rechte Gruppierungen sich in die Öffentlichkeit trauen, verstärkt zunimmt.

An der Spitze gesellen sich neben der Initiative „Ein Prozent für unser Land“ all jene, die diese auch tatkräftig unterstützen, denken wir an Jürgen Elsässer, Herausgeber des verschwörungsideologischen Querfront-Magazins „Compact“, vom Strafrechtler und AfD-Sympathisant Prof. Karl Albrecht Schachtschneider. Geleitet wird die Initiative von Philip Stein, auch Sprecher der Burschenschaft Germania Marburg, der wiederum von Martin Sellner, der Gallionsfigur der Idenitären Bewegung in Wien unterstützt wird. Sellner selbst wurde jüngst vom Betreiber der rechtspopulistischen Seite „Buergerstimme“ interviewt, die entsprechend sichtbare Werbung für den Kopp-Verlag betreibt.

Die neue Spielart des Rechtsextremismus, die Identitäre Bewegung, kommt smart und angeblich freundlich daher, um in Wirklichkeit ihren Ethnopluralismus unters Volk zu streuen. Dabei nutzt sie geschickt ihren Rassenhaß mit einer sich verselbständigenden Welle der Ausländerfeindlichkeit aufgrund hoher Flüchtlingszahlen. Aufrechte Streiter hoch zu Roß in gnadenloser Mission, so die Überschrift eines Artikels, in dem wir versuchten, diesen Weg aufzuzeigen.

Wer durchschaut das politische Intrigenspiel? Falls ja, es nützt nur nicht viel, wenn Menschen sich verschaukeln lassen, sich verlieren im gegenseitigen Hassen. Drum erkennt endlich den eigentlichen Sinn und Zweck: Sie nehmen Euch die Menschlichkeit weg!

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare