CETA: EU unterstreicht ihren politischen Herrschaftswillen

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Aufschiebung dienlich den Druck zu erhöhen

Das Medienspektakel kann kaum mehr überboten werden, so viel Betroffenheit angesichts des beherzten Widerstandes von Paul Magnette zeigt überdeutlich die einseitige Befürwortung dieses höchst fragwürdigen Freihandelsabkommens.

Dabei geht ein Aufschrei quer durch Europa, die EU selbst fühlt sich in ihrer wichtigtuerischen Ehre gekränkt, ein Martin Schulz rückt in die Nähe despotischer Anmahnungen, man sollte gefälligst CETA zustimmen, er rechne nicht mit einer Lösung in dieser Woche, egal ob man diesen Gipfel verschieben müsse, Hauptsache man habe am Ende einen Kompromiß. In der Sprache der Politik bedeutet solch Verhalten, einfach den Druck zu erhöhen.

Nationalstaaterei darf niemals als moderate Lösung verkauft werden

Schon frohlocken all jene, die schon immer eine Nationalstaaterei im Visier hatten, denen eine europäische Einigung ein Dorn im Auge, schließlich solle doch jede Nation sich für eigene Belange stark machen. Vorsicht vor derartigen Rückschritten, der Verlauf der Geschichte sollte eine Warnung sein, wie verkehrt da manches lief.

Natürlich sollte diese EU sehr kritisch betrachtet werden, zu viele Fehlleistungen bis hin zum Vertragswerk von Lissabon zeugen von wenig Vertrauen in die Politik aus Brüssel. Mit diesem bevorstehenden Abkommen, aber auch den noch zukünftigen in den Verhandlungen stehenden wie dem TTIP und TiSA hat sich völlig zurecht Widerstand in der europäischen Bevölkerung gebildet.

Die kritischsten Punkte sind neben den Geheimverhandlungen, die Privatisierung sowie Aushöhlung weiter Teile öffentlicher Daseinsvorsorge, die erneute Hofierung der Gentechnik, die Beweislast liegt mal wieder bei Betroffenen, wenn gefährliche Stoffe Mensch und Umwelt belasten, d.h. Firmen dürften fleißig so lange agieren, bis die wissenschaftliche Gefährlichkeit zweifelsfrei bewiesen wäre. Welch Unsinn und Verbrechen!

Wer setzt sich am Ende durch?

Schon gestern hätte eine Entscheidung fallen müssen, daß jetzt am Donnerstag keine Unterzeichung stattfindet, weil die Wallonen sich sträuben. In wie weit Politik sich nicht beirren läßt, hatten wir doch allesamt bei Sigmar Gabriel beobachten dürfen, trotz Auflage des Bundesverafssungsgerichts kam er eben nicht den beanstandenden Punkten nach, weiterhin wird trotzig das CETA als ein moderates Abkommen hochgehalten. Unsere Umfrage, die heute zu Ende geht, zeigt im bisherigen Ergebnis ziemlich deutlich, daß noch ein Stop von diesem fragwürdigen Abkommen eine Chance gegeben wird.

Wir bedanken uns ganz besonders für den Beitrag von Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf) beim Spiegelfechter. Die Meinungsmachungsmedien setzen in der Tat alles daran, ihren Gehorsam den mächtigen in Politik und Wirtschaft zu unterstreichen, das ist nicht nur peinlich, sondern ein Armutszeugnis sondergleichen, weil damit jedwede Kritikfähigkeit verhindert wird.

Lotar Martin Kamm

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Trachten betrachten

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Um sich besser zu schützen, oder?

Sehr wahrscheinlich, möglicherweise, eventuell, sicherlich, nein, definitiv jeder Mensch unterliegt dem Betrachten, mal nur für kurze Sekunden, mal in länger anhaltenden Momenten. Entweder, um blitzartig, meist unterbewußt, das Gesehene, Gehörte zu unterteilen, in eventuell möglich, gefährlich, annehmbar oder bei längerem bewußtem Betrachten zu dem gleichen Schluß zu kommen, wie nicht darüber nachgedacht zu haben.

Jüngere Menschen nennen diesen Vorgang eher checken oder abchecken, es ist aber im Ergebnis und sogar bei Tieren zu beobachten, die Art und Weise der Absicherung einer Gefahr oder des Zusammenfügens in strukturierte Gedankenwelten.

Was aber nicht alle Menschen veranlaßt, dasselbe Wort ohne das „be“ davor, nämlich „trachten“, in ihren Lebensweg zu integrieren.

Trachten, mittelhochdeutsch trahten, althochdeutsch trahtōn, stammt vom Lateinischen tractare ab und bedeutet traktieren. Traktieren, gleichgesetzt mit bedrängen, verkloppen, drangsalieren, nötigen, keine Ruhe geben, nerven. Ist dies wirklich der Vorgang beim Betrachten? Betrachten, mittelhochdeutsch betrahten, althochdeutsch bitrahtōn, bedenken, erwägen. In diesem Zusammenhang kann auch das Traktat, die Abwandlung, Artikel, Schmähschrift, Essay, Streitschrift, Pamphlet erwähnt werden, denn das Traktat beinhaltet je nach Verwendung eine Abhandlung, Erörterung und ist somit mit dem Betrachten gleichzusetzen, das Checken, das uns allen innewohnt.

Nun besitzt unsere Sprache ein „verwandtes“ Wort, das aber bei den Sprachwissenschaftlern nicht in Verbindung zu ‚trachten‘ gesetzt wird. Die Tracht, die Kleidung bestimmter Volksgruppen, hauptsächlich getragen zu besonderen Festen. Laut Duden entstammt das Wort von mittelhochdeutsch trahte und bedeutet tragen, getragen werden. Informiert man sich über ‚tragen‘, so wird die Herkunft als nicht geklärt angegeben. Tracht ist auch ein Synonym für Uniform, Montur, Kluft. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Und vielleicht für diesen Gedankengang eine Tracht Prügel einkassiert.

Tracht wird nicht nur bei einer Tracht Prügel angewandt, sondern bedeutet, die von Bienen eingetragene Nahrung, Stellung einer Fruchtart in der Anbaufolge, Traggestell für die Schultern zum Tragen von Körben und in veralteter Form, die Last, die jemand trägt.

Betrachten wir nun unser Wissen, checken kurz die Fakten, so kommt man nicht völlig umhin, dem Trachten und den Trachten eine gewisse verwandtschaftliche Beziehung zuzugestehen, auch im Hinblick auf die ansonsten mit anderen Wortsynonymen hergeleiteten Begriffe unserer Vorfahren. Denn immer wieder ist zu beobachten, daß ein grundlegendes Prinzip bei den Wörtern eingehalten wurde, nämlich, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Warum sollten unsere Vorfahren also nicht eine Verbindung hergestellt haben zur Erklärung eines Begriffes, wenn es naheliegende Betrachtungen dafür gab?

Eine gute Beobachtungsgabe ist unerläßlich, um uns vor Gefahren zu schützen, sie bewirkt aber wenig, wenn das Gesehene, Gehörte nicht betrachtet wird, das heißt, analysiert, gecheckt. Denn es nützt wenig zu registrieren, daß ein Auto herannaht, wenn wir nicht die Geschwindigkeit abschätzen können. Demnach ist das Trachten, das Bedrängen, das Nerven, das sich bei Betrachtungen einstellt, wie oben erwähnt entweder unbewußt oder bewußt ein Mittel, die Beobachtungsgabe zu schärfen, zu hinterfragen.

Beziehen wir nun die Tracht, die Last in diesen Gedankengang mit ein, so ist es wahrlich bei einigen Beobachtungen eine Last, zu einem Ergebnis zu kommen, das sich als Lösung, als keine Gefahr vorhanden, als zu Ende gedacht, als mit Getragen werden, also als Zustimmung der Beobachtung abschließt. Die Tracht kann demnach auch als getragene Last bezeichnet werden.

Unabhängig von einer tatsächlichen Last, die zu tragen ist, wenn man eine Tracht trägt, wer tatsächlich schon eine Originaltracht angezogen hat, weiß, wovon hier gesprochen wird, kann also eine Tracht eine schwere Bürde, Last sein. Denn es ist durchaus üblich, vor dem Tragen einer Tracht, Kluft, Montur, sich durch Betrachtung einen Überblick über die Konsequenzen angeeignet zu haben, entweder durch bewußtes oder unbewußtes Beobachten.

Lassen Sie sich nicht traktieren, eine Tracht zu tragen, wenn Sie die Betrachtung noch nicht abgeschlossen haben, denn eine Tracht kann Sie nicht von der Beobachtung weiterer Geschehnisse befreien, außer Sie sind es leid, eigene Betrachtungen anzustellen, doch damit sind Sie der Gefahr ausgesetzt, Ihre eigene Fähigkeit des Abwägens, Bedenkens in fremde Hände zu legen.

Nicht umsonst haben unsere Vorfahren hier wohl eine synonyme Verbindung hergestellt.

Doris Mock-Kamm

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Deutschland im Taumel dekadenter Politik

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Zwischen Bundespräsidentenwahl, Hartz IV und Armutszunahme

Um das Ganze noch abzurunden, folgen demnächst noch höhere Rüstungsausgaben, schließlich möchte man doch gefälligst mitmischen beim globalen Prozedere kriegerischer Einmischungen in potentiellen Ländern, die man mal ebenso als Schurkenstaat verunglimpfen könne, wenn’s paßt.

Das hat nichts mit Sarkusmus zu tun, sondern entspricht dem Werdegang einer sich verselbständigenden Politik, die sich immer mehr vom Volk entfernt, um Konzerne und die Hochfinanz zu bedienen. In sofern Politiker nicht nur als Steigbügelhalter funktionieren, obendrein noch als Vermittler zwischen murrenden Bürgern und den Nutznießern, Hauptsache es kommt nicht zum Aufstand, die Woge von Protesten verebbt.

Scheinheiligkeit nicht nur ein Relikt der Katholischen Kirche

Wenn schon beim CETA nicht alles so reibungsungslos verläuft, wie es der „dicke Siggi“ gern hätte, so kann man doch nonchalant Frank-Walter Steinmeier fürs Amt zum Bundespräsidenten vorschlagen. Während die Welt sich noch in ihrem Artikel u.a. über die Unschlüßigkeit der CDU ausmehrt, dabei völlig die Einwände der Linken ignoriert, zitiert wenigstens der Spiegel Bernd Riexinger, der den Außenminister als „unwählbar“ hält.

Scheinheiligkeit hat die SPD längst verinnerlicht übernommen, gerade im Hinblick zur Sozialpolitik, die das Gespann Schröder-Steinmeier in seiner Regierungszeit vorangetrieben hatte mit der Agenda 2010 und den Hartz-IV-Gesetzen. Die Podiumsdiskussionsrunde vom Verein Sanktionsfrei ist noch nicht verebbt, schon meint Gabriels SPD, sie könne ihren Kurs einer dekadenten Ignoranz den Ärmsten der Armen gegenüber unbehelligt fortsetzen. Wie sonst soll man diesen Vorschlag werten?

Armut offensichtlich als notwendiges Übel hingenommen

Dabei müßte es erst gar nicht so weit kommen, wenn denn die Politik endlich regulierend einschreiten würde, den Run ungebremster Vermögensgewinne zu stoppen. Stattdessen wird dieser superreichen Klientel Tür und Tor geöffnet, immer mehr Menschen gehen leer aus, wie auch der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht offenbart.

Schon kann man erneut die ewiggestrigen Gegenargumente in Sozialen Medien nachlesen, woanders in der Welt gäbe es eine wesentlich höhere, sichtbarere Armut. Sicher doch, weil der Überreichtum dortigst sich wesentlich ungebremster austoben darf, hierzulande jetzt dessen Spuren dennoch zunehmen. Damit Hartz-IV-Empfänger in Zukunft besser spuren, drohen schnellere Bußgelder bei Säumnissen über eigene Einkünfte. Selbst vor einer Erzwingungshaft bei Nichtzahlung von Verwarn- oder Bußgeldern schreckt die Staatsmacht nicht zurück. Erinnerungen an Schuldtürmen des Mittelalters glimmen auf.

Nicht nur Deutschland selbst befindet sich im Taumel einer dekadenten Politik, wie man unschwer in Brüssel mittels der EU feststellen muß oder in den USA, wo die Armut in der Bevölkerung wesentlich höher als hierzulande.

Lotar Martin Kamm

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Vorbilder

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Der Zug fuhr
aus dem Bahnhof.
Sie blieb, bis er nicht
mehr zu sehen war.
Gab es nicht ein Photo
mit ihren Cowboystiefeln?
Durchnäßt waren
die Socken immer.

Der Zug fuhr
aus dem Bahnhof.
Sie stand noch
atemlos, Leute winkten.
Warum hat sie die
bloß verschenkt?
Mit ihnen war sie
Revolverheld, der Gute.

Der Zug fuhr
aus dem Bahnhof.
Der lange Mantel
hielt warm.
Leichtfertig sie
Männerrollen annahm?
Kampf für Gerechtigkeit,
die Männer waren erfolgreich.

Der Zug fuhr
aus dem Bahnhof.
Ihr Blick an einem
Mädchen haften blieb.
Die Metallplättchen
durften nicht fehlen?
Der Klang ihr
Stärke verlieh.

Der Zug fuhr
aus dem Bahnhof.
Sie lächelte, denn
sie erkannte,
dies Mädchen braucht
keine Cowboystiefel.
Starke Frauen als Vorbilder
sind keine Seltenheit mehr.

Nafia

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Umdenken durch „FestivalMensch“ – ein Interview mit Karl-Heinz Schuster

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Ganzheitliche Bildungssysteme eine Utopie oder sinnvolle Notwendigkeit?

Natürlich dürfen angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen ganzheitliche Bildungssysteme keineswegs eine Utopie bleiben, sind somit durchaus eine sinnvolle Notwendigkeit. Angesichts einer eklatant sichtbaren Gewaltzunahme stellen derartige Ideen eine moderate Möglichkeit dar, um Menschen in ein friedlicheres Miteinander zu führen.

Bekanntlich beginnt zunächst im Elternhaus die sogenannte Erziehung, es folgen die Kindergartenbetreuung und schließlich der Weg durchs Schulsystem. Karl-Heinz Schuster hat sich schon lange mit der Thematik beschäftigt, gründete die Initiative „FestivalMensch“ zusammen mit seinem Freund und Partner Liberto Riedel, der allerdings im letzten Jahr verstarb.

Wenn schon die Politik kaum mehr sich notwendig kümmert, wie auch Querdenkende anmahnt, denken wir an die unübersehbare Gewalt an Schulen, dann sollten gleichwohl Eltern, Lehrer und Schüler selbst an einem Strang ziehen. Wir freuen uns insofern, Karl-Heinz Schuster für dieses Interview gewonnen zu haben.

Lotar Martin Kamm: Schön Sie hier begrüßen zu dürfen. Angesichts nicht weniger werdender Probleme im Schulalltag stellte sich auch für Sie die Frage, woran dies wohl liegen mag, welche Möglichkeiten direkt vor Ort man umsetzen kann. Möchten Sie uns den Weg bis zur Gründung von „FestivalMensch“ hier erläutern? Gab es einen besonderen Anlaß?

Karl-Heinz Schuster: Ein gravierendes Umdenken in Bezug auf meine Lebenseinstellung begann bereits vor 24 Jahren nach einem gemeinsamen 10-tägigen Urlaub mit meiner damals 5-jährigen Tochter. Vor dem Urlaub kam ich schon über einen längeren Zeitraum schwer mit ihr zurecht – sie war verhältnismäßig zum Alter oft zornig -, sodass ich meiner Frau den Vorschlag machte, einmal allein mit meiner Tochter für 10 Tage auf die Kanaren zu fliegen. Wir wanderten und schliefen meist im Zelt. Naturerlebnis pur. Es war in meinem Leben eines der schönsten bewegendsten Erlebnisse und bewussten Wahrnehmungsprozesse. Meine Tochter zeigte mir wahrlich den Sinn des Lebens: „das Leben“. 10 gemeinsame Tage veränderten das Verhalten von Tochter und Vater. Wir sind seither sehr eng verbunden. Mir wurde prägend klar, was Wahrnehmungs-/Bildungsprozesse ausmachen. Es begann das erste nachhaltige Interesse für psychologische Zusammenhänge.

Einige Jahre später wurde ich dann zufällig mit dem Buch „Mein Kampf“ (Hitler) konfrontiert. Mir fiel die Kinnlade runter. Wie war es möglich, dass er bspw. ganz offensichtlich in seinem Buch die Notwendigkeit einer primitiven Gefolgschaft und primitiver Soldaten befürwortete. In diesem Zusammenhang beschrieb er auch, wie Propaganda gegenüber der breiten Masse auszusehen hat, um politische Ziele durchzusetzen. Einfach nur erschreckend.

Mir wurde erstmals die Notwendigkeit ganzheitlicher Bildungssysteme klar. Es fehlt schlichtweg an Aufklärung über Erkenntnisse der menschlichen Verhaltensforschung. Wären nur einige entsprechenden Texte aus „Mein Kampf“ in allgemeinbildenden Schulen in Verbindung von Erkenntnissen menschlicher Verhaltensforschung analysiert worden, wäre die Machtergreifung Hitlers wohl kaum möglich gewesen.

Einige Zeit später lernte ich Liberto Riedel kennen, mit welchem sich eine tiefe Freundschaft bildete. Diskussionen zum Thema „ganzheitliche Bildungsprozesse“ führten im Laufe der Zeit schließlich zur Erkenntnis, dass wir irgendwie handeln sollten. Es wurden immer wieder kleinere Aktionen geplant, teilweise auch umgesetzt, leider ohne nachhaltigen Erfolg. Es war schwer, Unterstützer längere Zeit ohne sichtbare Erfolgsergebnisse aktiv zu halten.

So entstand später der Gedanke mit der „Aktion FestivalMensch“. Der gemeinsame Plan war die Ausrichtung eines größeren örtlichen Festes zum Thema „Mensch und Bildung“. Die Absicht war, auf eine lockere Art nebenbei Menschen für die Thematik Mensch und Bildung zu sensibilisieren. Leider verstarb Liberto Riedel während der Vorbereitungsphase unerwartet.

Lotar Martin Kamm: Natürlich lähmte der Tod Ihres Freundes und Partners zunächst die weitere Vorgehensweise, wie man sich unschwer vorstellen mag. Dennoch bleiben Sie weiterhin dran, „Baden online“ hat neulich unter der Überschrift „Freistett: Schulfach »Menschenkunde« gefordert“ über Ihre Initiative berichtet. Dort erläutern Sie, daß in Spanien ähnliche Wege beschritten wurden. In wie weit unterscheiden sich Ihre Ideen von den spanischen, gibt es auch gemeinsame Erfahrungen und Lösungen?

Karl-Heinz Schuster: Ja, der Tod meines Freundes traf mich schon schwer. Hinzu kam, dass ich kurze Zeit später selbst mit einer ungünstigen Gesundheitsdiagnose konfrontiert wurde. Mir wurde bewusst, dass Handlung jetzt unabdingbar ist, sollten die ganzen vergangenen Aktivitäten und Visionen nicht ins Leere laufen. Die Frage war, wie allein weitermachen im Zusammenhang eigener gesundheitlichen Einschränkungen. Heraus kam die Idee, „FestivalMensch.de“ fürs Erste als Internetaktion zu etablieren mit der Ermunterung an Dritte > Schulen, Unternehmen, Eltern, Schüler, etc. öffentlich und/oder individuelle Aktionen selbst zu kreieren und durchzuführen.

D.h., FestivalMensch.de ist als Vernetzungsportal gedacht, welches teilnehmende Aktivisten und Interessenten verbindet und diese durch entsprechende Informationen für die Notwendigkeit ganzheitlicher Bildungssysteme bzw. für die Notwendigkeit eines Schulfaches Menschenkunde nachhaltig aktiv werden lässt. So die Hoffnung.

Die von Ihnen angesprochenen Schulprojekte in Spanien (siehe u. a. Video > Neue Schulfächer: ‚Empathie‘, ‚Respekt‘ und ‚Vertrauen‘) kamen unterstützend zeitlich genau richtig. Unterrichtet wird dort Empathie, Vertrauen, Verantwortung und Respekt, d. h. Bildungsprozesse, welche die zwischenmenschliche Beziehung – laut spanischer wissenschaftlicher Beobachter – zwischen Lehrern, Schülern und Eltern bereits spürbar verbessert haben.

Das im Zusammenhang der Initiative FestivalMensch vorgeschlagene Schulfach Menschenkunde beinhaltet diese Themen ebenso. Wie der Lehrplan spanischer Projektschulen im Detail aussieht, ist mir leider nicht bekannt. Themenanregungen im Sinne der Aktion FestivalMensch für das Schulfach Menschenkunde sind aus der Internetseite Menschenkunde als Lehrfach in Schulen zu ersehen.

Wie man unschwer erkennen kann, geht Menschenkunde sehr in die Tiefe. Es beinhaltet Basis-Wissensvermittlung rund um menschliche Verhaltensweisen und deren damit verbundenen Abhängigkeiten und/oder Bedürfnisse. Diese Abhängigkeiten und Bedürfnisse bestimmen maßgeblich das zwischenmenschliche Verständnis auf allen gesellschaftlichen Ebenen, d.h. von der Zweierbeziehung über Gruppenverhalten bis hin zu nationalen/internationalen Interessen in Bezug auf das Sozial-, Wirtschafts-, Umweltschutzverständnis.

Lotar Martin Kamm: Gerade weil das Thema Flüchtlinge dermaßen hochbrisant die gesamte Gesellschaft betrifft, kann man Ihre Idee zu ganzheitlichen Bildungssystemen nur befürworten und als Chance werten. Gibt es bereits reelle Aussichten auf ein zukünftiges Pilotprojekt? Falls ja, wo in Deutschland? Falls nicht, welche Hürden sind noch zu erwarten, müssen gestemmt werden?

Karl-Heinz Schuster: Im Zusammenhang der Flüchtlingsproblematik sprechen Sie einen wichtigen Punkt an.

Fakt: Die wohl meisten Menschen wünschen sich, anerkannt zu werden. Menschen, die diese Anerkennung nicht erfahren, einige neigen zumindest dazu, sich Gruppen anzuschließen, wo sie diese Anerkennung wenigstens ansatzweise erfahren. Dies kann bereits eine Meinungsgruppe sein, welche die eigene Meinung teilweise bestätigt. Das individuelle menschliche Hirn neigt oft dazu, dass seine Denkstruktur befriedigt wird. Auf der Suche nach Befriedigung der Denkstruktur werden unbewusst Manipulationsmechanismen Tür und Tor geöffnet. Dieser Vorgang kann sehr fatal sein. Es können sich somit Menschen, die ursprünglich im eigentlichen Sinne Gegner waren, sich in ihrer Abneigung gegenüber der Gruppe X zusammenfinden.

Bezogen auf die Flüchtlingsproblematik: Wenn bspw. Flüchtlinge im Aufnahmeland immer wieder hinsichtlich ihrer zwischenmenschlichen Erlebnisse abwertende Wahrnehmungsprozesse und/oder fehlende wirtschaftliche Gleichstellung (Existenzialneid) erfahren, können anfängliche Sympathie gegenüber Bürgern des Aufnahmelandes schnell in Antisympathie umschlagen. Dabei handelt es sich schlichtweg um normale menschliche Prozesse, die rein auf emotionaler Ebene kultur- und intelligenzunabhängig ablaufen. Grotesk dabei ist, dass in solchem Falle menschliche Gruppen-/Verhaltensmechanismen unterschiedlicher Meinungsgruppen kontraproduktiv aufeinanderprallen. D.h., Menschen, die sich aufgrund der Überfremdung und damit möglichen verbundenen kulturellen Konflikten bspw. gegen Flüchtlingshilfe aussprechen und Flüchtlinge verallgemeinernd negativ bewerten, sind sich der Gefahr der eigenen kontraproduktiven Handlung wohl eher nicht bewusst. Sie fördern mit ihrer Ablehnung/Abwertung von Flüchtlingen groteskerweise sogar genau die Entwicklung, vor welcher sie Angst haben.

Das Beispiel der Flüchtlingsproblematik zeigt, dass beide Gruppen, Flüchtlinge wie auch Flüchtlingsgegner, in Gefahr laufen, aufgrund von möglichen zwischenmenschlichen Verhaltensmechanismen begründet auf eigene individuelle addierte vergangene Wahrnehmungsprozesse sich plötzlich feindlich gegenüberstehen können. Individuell gebildete Denkstrukturen neigen dazu – wie schon angesprochen -, sich zu bestätigen. „Ich habe es schon immer gesagt, die Gruppe/die Person „X“ ist schlecht“.

Dieser Vorgang lässt sich auf viele kontraproduktive zwischenmenschliche Entwicklungen übertragen. D. h. gleichermaßen auf Konfliktentwicklung zwischen zwei Menschen, Gruppen oder Nationen. Im Falle der Konfliktzuspitzung zweier unterschiedlicher Denkstrukturen kommt erschwerend hinzu, dass das Unrecht der Gegenseite erkannt wird, das eigene Unrecht dagegen kaum bis nicht wahrgenommen oder sogar für legitim gehalten wird. Werden diese Gruppen von Menschen mit wenig bis keiner Empathiefähigkeit aufgepeitscht, sind destruktive Entwicklungen abzusehen.

Man sollte bedenken, dass der Mensch nicht als Täter geboren wird, sofern keine Anomalien vorhanden sind, sondern durch Wahrnehmungs-/Bildungsprozesse zum direkten Täter oder Mittäter gebildet wird. Diese damit verbundenen Bildungsprozesse sollten in der Wissensvermittlung allgemeinbildender Schulen dringendst ideologisch, kultur- und religionsneutral in all ihren möglichen Facetten hinterfragt werden. Nur so lassen sich bestmöglich Fehlentwicklungen vermeiden oder korrigieren.

Bezogen auf die Frage, ob es bereits Projekte oder Pilotprojekte gibt: Hinsichtlich der Umsetzung von Schulprojekten als Pilotprojekte werden Schulen angeschrieben und Leute gesucht – siehe: Mögliche Kooperation zwischen Medien, Projektschulen, Bürger und Kommunalverwaltung, – die sich mit der Notwendigkeit ganzheitlicher Bildungssysteme identifizieren und bereit sind, sich aktiv dafür einzubringen. Ich hoffe, dass sich Pilotprojekte in Bälde umsetzen lassen.

Die Hauptaufgabe wird anfangs in der Öffentlichkeitsarbeit zu sehen sein. Damit sich diese und auch obig angesprochenen Pilotprojekte nachhaltig umsetzen lassen, benötigt es finanziellen Rückhalt, welcher über spezielle Sponsoringkonzepte vorgesehen ist. Die damit verbundenen Bedingungen befinden sich im Aufbau.

Lotar Martin Kamm: Am Ende des Interviews möchten wir Ihnen unbedingt die Gelegenheit geben, im Schlußwort zu nicht gestellten Fragen sich zu äußern.

Karl-Heinz Schuster: Wir können m. E. nach von einem durch Menschen verursachten Missstand zum anderen wechseln, es wird bei der Bekämpfung/Beseitigung eines Missstandes bei einer Art Symptombekämpfung bleiben, solang die Ursache – der Mensch in seiner Komplexität – nicht nachhaltig in der Allgemeinbildung hinterfragt wird. Ich persönlich halte in diesem Zusammenhang die Aussagen von Josef Rattner (österreichischer Psychotherapeut, Mediziner und Philosoph), Peter Lauster (Psychotherapeut und Autor) für eine logische Konsequenz.

Rattner: Bechtermünz Verlag 1998 Auszug aus „Menschenkenntnis durch Charakterkunde“ Gut passend zur heutigen Zeit: — Eine von kollektivem Hass erfüllte Welt muss auf viele Individuen stark prägend wirken. Daraus soll man aber nicht die Lehre ziehen, dass die Kultur den Hass nicht überwinden kann. Sie wird dies leisten, wenn die Eltern in der „Kunst der Erziehung“  besser geschult werden; wenn die Schulen nicht nur Stätten (meist unbefriedigendem) Lernens, sondern auch „Orte der Psychohygiene“ sein werden; wenn die überwiegende Mehrheit der Bürger psychologisch geschult sein wird, so dass sie den Einflüsterungen der Hassideologen ihr Ohr verweigern kann; — Es hat sich gezeigt, dass der Mensch in einem Netz von Abhängigkeiten – Erziehung Elternpersönlichkeit, sozialer und ökonomischer Status – verstrickt ist, die er nur überwinden kann, wenn er sich selbst und andere erkennen vermag.

Lauster: Auszug aus dem Buch „Lassen sie sich nichts gefallen“ — Die moderne Pädagogik und Psychologie haben bisher so gut wie keine bewusstseinsverknüpfende auf das Erziehungsverhalten der Eltern ausüben können. Um hier in Zukunft einen Fortschritt zu erreichen, müsste Psychologie als Unterrichtsfach (zweimal wöchentlich) in allen Schulen eingeführt werden, damit wenigstens die nächste Generation die psychologischen Zusammenhänge der Erziehung Persönlichkeitsentwicklung klarer werden.
Eine schöne Utopie, die noch lange auf sich warten lässt, wenn es den Psychologen und den Psychotherapeuten nicht gelingt, sich breiten Bevölkerungskreisen und den Politikern endlich Gehör zu verschaffen. — Mehr namhafte Personen, die direkt oder indirekt ein Schulfach Menschenkunde befürworten

Fakt: Bildungs-/Wahrnehmungsprozesse formen maßgeblich die Denkstrukturen eines Menschen, die Denkstrukturen wiederum beeinflussen maßgeblich sein Handeln. Hinterfragt man das menschliche Handeln > Gewalt, Terror, Hass, Krieg, Korruption, Mobbing, Umweltzerstörung, Machtmissbrauch, Tiermisshandlung, Gier, Egozentrik, gegenseitige Abwertung, Betrug, etc. muss man sich logischerweise fragen, was mit den Bildungsprozessen/Bildungssystemen (auch global gesehen) nicht stimmt.

Beschäftigt man sich aber mit dem Thema Menschenkunde und deren Unterthemen, werden kausale Zusammenhänge menschlichen Handelns klar. Friedensbildung bspw. bekommt eine ganz neue Qualität. Man fordert nicht nur Frieden, sondern fördert auch die Friedensfähigkeit durch konfliktfreie Kommunikation, die notwendig ist, friedliches Miteinander in die Realität umzusetzen. Interessant ist auch, dass durch ein neues Denken sich parallel ein Feuerwerk neuer Ideen und Perspektiven entwickelt.

These: Präventive neutrale Wissensvermittlung hinsichtlich Erkenntnissen menschlicher Verhaltensforschung ist mit der beste Schutz vor menschlichen negativen Entwicklungen.

Eigentlich bedarf es einer globalen, intelligenten friedlichen Bildungsrevolution, welche Schritt für Schritt friedlich Systeme schafft, in welchen bestmögliches respektvolles, gerechtes Teilen/Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Harmonie mit der Umwelt möglich ist.

Beginnen müssen wir im Kleinen!

Wichtig ist zu beginnen!

Vergleich ohne/mit Menschenkunde

Vergleich zwischen ganzheitlichen und nichtganzheitlichen Bildungsprozessen

Lotar Martin Kamm: Im Namen des gesamten Teams bedanken wir uns recht herzlich für das wichtige und hochinteressante Interview.

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Geistige Brandstifter unterwegs

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Kreischend starrte die Meute,
belustigt und voller Häme
gen verängstigt Eingeschüchterte,
auf daß nicht nur heute
eine humane Erleuchtung käme,
das Böse irgendwie ernüchterte.

Eingespielt wie ein trainiertes Team
folgten Wellen der Gewalt,
die schier endlos sich verausgabten.
Solch Haß sich doch hierbei geziehm,
sie dachten, um alsbald
neues auszuhecken, darüber tagten.

Geistige Brandstifter ersannen ganz im Stillen
Strategien, die planvoll wirken sollten,
um ihr Bedürfnis nach Macht auszuleben.
Wer nicht folgen wollte nach ihrem Willen,
dem sie, wo immer möglich, widerlich grollten.
Sie konnten niemandem etwas gutes geben.

An vielen Orten blieben sie verpöhnt,
weil genug Widerstand sich ihnen entgegenstellte,
ihr Machteinfluß keineswegs griff.
Wir dachten stets, sie seien genug verhöhnt,
doch Ahnungslosigkeit sich dazu gesellte,
die Hemmschwelle der Gewalt sank enorm tief.

Welch gespenstische Stille durchfuhr den Ort,
kaum ein Raunen ward zu hören,
Blaulicht flackerte nonstop auf.
Keine Reue, kein Mitleid ergriff das Wort,
im Gegenteil, sie begannen gar Hilfe zu stören,
was für ein brutaler, menschenverachtender Hauf!

Lotar Martin Kamm

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Wo gehobelt wird, fallen Späne

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Manchen Müll bekommt man einfach nicht los

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, zugemüllt zu sein? Für den einen ist es die Flut der Spam-Mails auf seinem E-Mail-Konto, die Anzeigenblättchen im Briefkasten, die falschen Versprechungen von wem auch immer, die verschwenderische Verpackung, die sich auf dem Küchentisch stapelt nach dem Einkauf, die dringlich wirkenden Phrasen eines Versicherungs- oder Autoverkäufers, die moralischen Wertezitate von der Kanzel einer Kirche, dem Elternhaus oder der nicht mehr überall zu übersehende Müll, der sich in der Landschaft breitmacht, teilweise wie das Wasser bei einer Überschwemmung.

Müll, nicht nur eine Bezeichnung für den entstehenden Abfall von Produkten, sondern längst im Sprachgebrauch übernommen für sämtliche überflüssige, abwertende Dinge, Sachen, Personen, Meinungen. Da kann man sich schon manchmal zugemüllt vorkommen und das Gefühl entstehen,  nur noch durch einen Müllschlamm wühlend, die Hoffnung nicht aufgebend, wieder „handfesten“ Dingen, Sachen, Personen, Meinungen zu begegnen.

Nun könnte man ja davon ausgehen, daß unsere Vorfahren noch nicht so vehement dem Müll (allgemein) ausgesetzt gewesen sind, auf Grund mangelnder Austauschmöglichkeiten, mangelnder Verschwendung, mangelndem Besitzes und somit das Wort erst neuerer Herkunft sei. Laut Duden stammt das Wort aus dem Niederdeutschen, mittelniederdeutsch mül, althochdeutsch mullen, zerreiben. Ist demnach also schon ein eher „altes“ Wort und wie zu ersehen, wieder einmal einem Handwerk entnommen. Und anscheinend einem Handwerk, dem größere Bedeutung zugemessen wurde, findet sich doch in dem Nachnamenverzeichnis der Name ‚Müller‘ sehr oft.

Das DWB zitiert: ja manchmal ist es (das publicum) geneigt diejenigen welche das wirkliche leisten, so herunterzuhalten, dasz wer nicht sicher weisz was er thut, gern den plunder an den nagel hängt, und mit in dem schutt und müll herumläuft, den sie alle machen. Zelter und Göthe briefwechsel.

Nach diesem Zitat zu schließen, wurde ‚Müll‘ also schon im 18. bis 19. Jahrhundert für Wertloses, Unnützes angewandt. Sicher wäre es jetzt auch reizvoll, zu o.g. Zitat sich zu äußern, bietet es doch in Bezug auf den ‚Müll‘, den wir immer noch konsumieren, interessante Aspekte. Immerhin können wir vielleicht beruhigter schlafen in dem Wissen, die Altvorderen wurden auch schon mit „Gedankenplunder“ zugemüllt.

Zerreiben als Handlungsbeschreibung einer Aktion bedeutet, aus einem Gegenstand ein anderes Produkt herzustellen mit demselben Inhaltsstoff. Zerfleddern wir Papier, bekommen wir Schnipsel, sie sind immer noch Papier. Zersägen wir Holz, erhalten wir Späne, sie sind immer noch Holz. Zerreden wir ein Thema, ergeben sich Ansichten, sie sind immer noch Thema.

Vielleicht reichen diese drei Beispiele nicht aus, um dem Wort Müll einen wirklichen wichtigen Zweck in seiner Bedeutung zuzugestehen. Doch was für eine Weltgeschichte läge hinter uns, wenn nicht unsere Vorfahren Dinge, Sachen, Personen, Meinungen auseinandergenommen, zerbröselt, zermalmt, zerstoßen, zerrupft, zerfetzt, zerschnitten, zerrissen hätten, um je nach Beweggrund für dieses Handeln eine Sache, Ding, Person, Meinung besser anzuwenden oder besser zu verstehen.

Es gehört zum Wesen eines wißbegierigen Menschen, sich mit verschiedenen Sachen, Dingen, Personen, Meinungen auseinanderzusetzen, der Haken ist nur, die meisten sind nicht bereit, die „Späne, die beim Hobeln“ entstehen, in den dafür bereitstehenden Korb zu legen, sondern wedeln gerne mit den einzelnen Spänen weiterhin vor den Nasen der Menschen herum, um zu beweisen, wie toll sie hobeln können. Das ist dann der Müll, den wir nicht gebrauchen können, das ist der Grund, warum wir uns zugemüllt vorkommen.

Doris Mock-Kamm

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