Burkina Faso: Yacouba Sawadogos Wald in der Wüste

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Verbesserte Zaï-Methode wider internationaler Entwicklungshilfe

Die trockene Sahelzone bietet Mensch und Tier kaum Chancen, ein dortigst längeres Überleben darf als nahezu aussichtslos gewertet werden, es sei denn, entsprechende Vegetation setzt diesen Zuständen etwas wirkungsvolles entgegen.

Im Norden von Burkina Faso, eines der ärmsten Länder Afrikas, gelang dem Bauern Yacouba Sawadogo, was noch keine Holfsorganisation zustande gebracht hatte, er ließ die Wüste in Bäume sprießen, wie Andrea Jeska in ihrem Artikel beschrieb. Die uralte, aber nunmehr verbesserte Zaï-Methode wider internationaler Entwicklungshilfe. Welch imposante Erfolgsstory!

Vom Bauern zum „Der Mann, der die Wüste aufhielt“

Zu Beginn der 1980iger Jahre herrschte eine besondere Dürre ebenso am Rande der Sahelzone im Nordwesten von Burkina Faso in der Provinz Yatenga, eine große Hungersnot kostete Millionen Menschen das Leben, doch der einfache Bauer Yacouba Sawadogo entsann sich der alten Zaï-Methode, die allerdings nur verbessert Wirkung zeigen würde. Kurzentschlossen vergrößerte er die Pflanzlöcher, setzte Steine drumherum, füllte sie mit einem Gemisch aus Asche, Blättern und Dung, Termiten taten ihr übriges, die Erde lockerte sich, ein besserer Wasserabfluß war gewährleistet. Beste Voraussetzung für die Regenierung der Böden, der Wald konnte wachsen.

Der Kamera-Mann, Mark Dodd, der Yacouba Sawadogo 2007 kennenlernte, war schnell Feuer und Flamme, drei Jahre später erschien sein Dokumentarfilm „Der Mann, der die Wüste aufhielt“ (The Man Who Stopped the Desert), dem eine hohe internationale Anerkennung folgte.

Entwicklungshilfe alles andere als nachhaltig – Yacouba Sawadogo setzt sich durch

Solche Ausnahmeerscheinungen sollten keineswegs darüber hinwegtäuschen, was noch alles verkehrt läuft im geschundenen Afrika. Die Entwicklungshilfe erweist sich als alles andere als nachhaltig, wie bereits seit Jahren schon Volker Seitz zurecht anmahnt. In seinem Interview, welches Querdenkende mit ihm im Dezember des letzten Jahres führte, betonte er, daß bisherig in keinem Land der Welt Entwicklungshilfe zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum geführt habe.

Muß erst ein Yacouba Sawadogo erscheinen und die Weltöffentlichkeit quasi vorführen, daß es auch anders gehen kann? Es scheint so, aber im positiven Sinne, obwohl ihm sein Erfolg mißgönnt wurde, Andrea Jeska wies bereits darauf hin, sein Wald war gefährdet. Die jüngsten Aktionen lassen allerdings hoffen, daß er sich doch noch durchsetzen konnte, Masterclasses zur Schulung seines Erfolgsrezeptes zeugen vom Willen der Weiterführung.

Lotar Martin Kamm

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Geltungsbereiche alles andere als zufällig

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My home is my castle und Gebräuche in der Praxis

Hier gelten meine Regeln, denn my home is my castle. Mein Wort hat hier Geltung, ist gültig. Klingt ziemlich herrisch, nach diktatorischem Verhalten, dem sich alles andere unterzuordnen hat. In der ein oder anderen Familie, Gesellschaft mag dies Gültigkeit haben und zeigt den Dominanzanspruch einer oder mehrerer Personen, die von allen anderen erwarten, sich ihren Regeln, Verhalten, Meinung anzupassen.

Sicher ist eine gewisse Bereitschaft, die Normen und Regeln innerhalb einer Familien- Gesellschaftsstruktur anzunehmen vonnöten, um nicht permanent unter Streß, Auseinandersetzungen und Streitigkeiten zu leben. Schon kleinste Details können zu Spannungen führen, denken wir nur daran, welchen Aufruhr es verursachen kann, mit Dreck, Schlamm verschmierten Gummistiefeln in die Wohnung zu laufen. Nicht beim Essen schmatzen, sich nicht die laufende Nase am Ärmel abzuwischen, sind kleine Regeln, die wir zumindest beherrschen, wenn wir nicht allein am Tisch sitzen.

In den 50-60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren Männer selten ohne Hut auf den Straßen zu sehen, Frauen trugen Kittelschürzen gar beim Einkaufen, man trug mindestens ein Jahr schwarze Kleidung, wenn ein naher Verwandter starb, dies sind kleinste Details einer Gesellschaftsstruktur, und sie hatten, wenn auch nicht überall, ihre Geltung. Verkürzt kann man sagen: andere Länder, andere Sitten.

Gelten, althochdeutsch, geltan, zurückerstatten, opfern, ursprünglich entrichten, erstatten, wahrscheinlich in Bezug zu heidnischen Opferdiensten, Zahlungen von Bußen und Abgaben, mittelhochdeutsch gelten, zurückzahlen, wert sein, für etwas büßen. Heute im Gebrauch für, gültig sein, wert sein, von Bedeutung, Wichtigkeit sein, sich handeln um, unabänderlich sein, angesehen, betrachtet werden.

Geltung bedeutet, Gültigkeit, Aussagekraft, Achtung, Anerkennung, Wirkung, Gewicht, Autorität, Verbindlichkeit, die Geltungssucht unterstreicht das Streben nach Ansehen und Wertschätzung.

Wenn wir versuchen, den ursprünglichen Sinn von gelten, nämlich opfern, zurückerstatten in unser jetziges Verständnis des Wortes mit einzubeziehen, so kann man nicht umhin, zu erkennen, daß eine gewisse „Opferbereitschaft“ in der Wortbedeutung beinhaltet ist. Denn wenn ich einen „Geltungsbereich“ annehme, etwas gelten lasse, so bedeutet es nicht eine hundertprozentige Einwilligung, Übereinstimmung, sondern eine Bereitschaft zum Einverständnis einer Regel, einer Meinung, einer Sitte.

Wir lassen gelten, weil wir einen Sinn erkennen oder jemanden achten, ihm Respekt zollen, ohne dazu gezwungen worden zu sein, das heißt aber auch, wir haben ein kleines Stückchen von unserem eigenen Gefühl, unserer Meinung für das Wohlbefinden eines anderen aufgegeben, um uns gemeinsam gut zu fühlen. Dies ist ein „Opfer“ wert.

Nun nützt, wer weiß das nicht, ein Opfer oder Bußzahlung wenig, wenn etwas nicht aus freien Stücken mitgetragen wird. Dies mag kurzfristig eine Situation entspannen, wird aber höchstwahrscheinlich zu einem anderen Zeitpunkt umso massiver zu einer Konfrontation führen. Und wie so oft im Leben, wenn ich etwas gutfinde, liebe, es gernhabe, ist es leichter, „gelten zu lassen“. Dies bedeutet, schließt ein, daß ich vertraut bin mit dem Gegenüber, der Regel, der Sitte, und beinhaltet gleichzeitig das Bemühen, das Verständnis der Geltung. Dies funktioniert am besten ohne Herrschaftsanspruch, denn erzwungene „Opferbereitschaft“ hat nichts mit Gültigkeit zu tun, sondern mit diktatorischer Geltungssucht.

Nur wer sich der Mühe unterzieht, andere, anderes kennenzulernen, vertraut zu werden, der hat die Geltung, das „Opfer“ des Verstehens und Respektierens verstanden und trägt damit zu einem friedlichen Leben in „my home is my castle“ bei.

Doris Mock-Kamm

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Eine endliche Geschichte (Teil 2)

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Es geschieht dann unverhofft und mit erschreckender Gründlichkeit. Als hätte die Nacht sie ausgespieen, sind da auf einmal zwei, drei, vier schemenhafte Gestalten. Ein Axtstiel teilt mit leisem Fauchen die Luft, und das Schlüsselbein des Jungen splittert mit trockenem Knacken. Augenblicks stürzt er zu Boden. Noch in der selben Sekunde wird das Mädchen von harter Hand derart beiseite gefegt, wie sich ein zorniges Kind mitunter seines Spielzeugs entledigt. Ihr Kopf prallt an einen Findling, und bei Tageslicht hätte man sehen können, wie rasch ihr Blondhaar die Farbe wechselt. Benommen und blind, grad wie ein Kalb in den ersten Minuten seines Daseins, taumelt sie auf allen Vieren. Dann – nicht einmal mehr das…

Als das Mädchen Mutter Erde schon sehr, sehr nahe ist, stellen Verstand und Gehör einen vorerst letzten Kontakt zu dieser, unserer Welt her. Doch auf seltsame, nie zuvor erlebte Art. Die Tritte und Schläge, die dem bereits leblos scheinenden Körper des Jungen gelten, empfindet sie, als träfe es sie selbst. Bei jedem dieser dumpfen Geräusche zuckt ihr geschundener Leib wie unter einem Stromschlag.
„Was tut ihr da!“, vernimmt sie ihre Stimme…
„So hört doch auf, ihr seid doch Menschen…“
Doch, es war ein stummer Schrei. Das letzte Aufbegehren vor der großen Dunkelheit…

Als sich wenig später herumspricht, der Junge sei Deutscher gewesen, es gäbe da doch diesen ostpreußischen Einschlag, zuckt man im Dorfe die Schultern. Der hätte das doch sagen können. Dann wär‘ ihm sicher nichts passiert…

Peter Petereit

Epilog

Im November 1990 war es. 34 Lenze zählte ich und hatte seit der „Wiedervereinigung“außer einem „Abitur“ keinerlei Qualifikationen. Mein Hochschulabschluss war militärischer Herkunft und folgerichtig nicht das Papier wert, auf dem es mir bescheinigt wurde. Einem „Sicherheitsdienst“ war das egal – solange ich bereit war, in jeweils 10-tägigen Tag-Nacht 12-Stundenschichten à 7 DM/h Millionenwerte eines Arzneimittelgroßhändlers waffenlos zu bewachen.

Der Arzneimittelgroßhändler hatte zu jener Zeit einen nie in Betrieb genommenen Neubau der Güstrower Kleiderwerke übernommen, baute ihn für seine Zwecke im Inneren um und hatte der Einfachheit halber den vorgesehenen Ost-Betriebsleiter gleich mit übernommen. Wir fanden rasch einen Draht zueinander, er parlierte gerne auf etwas höherem Niveau über Literatur und das meinte er, beim Pförtner/Nachtwächter gefunden zu haben. Ich las ihm aus meinen handschriftlichen „Frühwerken“ vor, und eines schönen Tages meinte er, ich könne mir doch Nachts und an den Wochenenden die Schreibmaschine seiner Sekretärin ausleihen. Um die Texte in Form zu bringen, denn manche seien gar nicht so übel…

Da saß ich nun in jenem November in meiner Pförtnerloge, hörte Radio und hörte den Namen „Antonio Amadeu“ und was ihm zu Eberswalde geschehen, in allen Nachrichten… Damals wurde noch „wertfrei“ berichtet, das Wort Rassismus wurde tunlichst vermieden. Lichtenhagen und Hoyerswerda waren noch Zukunftsmusik. Wohin soll das führen, dachte ich, und eine Begebenheit, welche einige Jahre zurück lag, kam mir wohl damals in den Sinn…

…ein Restaurantsaal in meiner Heimatstadt, abends nur spärlich besucht. Mit einem Freund sitze ich am „Ringerstammtisch“, daneben hat man ein paar Tische zusammengestellt und feiert frohes Jugendleben.

Es ist die Zeit der „Vertragsarbeiter“, Vietnamesen, Kubaner, Angolaner. Ein paar Tische weiter sitzen zwei davon und trinken Bier. Als ich „Affenlaute“ aus Richtung der Fetentafel höre, werde ich irgendwie wachsam. Und als ich sehe, wie sich einer der Angolaner in Richtung Toilette begibt und sich drei, vier der Feiernden grinsend anschicken, dem „Affen“ zu folgen, um ihm zu zeigen, wo die Bäume sind, stehe ich auf und folge ihnen. Vor Ringern hat man zu jener Zeit Respekt. Die Mutigen starrten mich auf dem WC an, vergessen das Pinkeln und eilen wieder nach oben… An jenem Abend geschieht nichts. Und als wir die Angolaner auch noch an unseren Stammtisch bitten, verkrümeln sich die grad noch Mutigen nach und nach. Sie hatten Angst gehabt, gestehen uns unsere neuen Gesprächspartner in perfektem Deutsch, so als seien sie wieder im Krieg…

…also, diese Szene und den Namen Antonio Amadeu im Sinn, begann ich damals, 1990, zu tippen. Der Betriebsleiter und ein befreundeter Schriftsteller fanden die Geschichte gut. Zeitungen und Magazine sandten sie mir mit der freundlichen Bemerkung zurück, das Thema Amadeu sei von der Presse und Experten ausgiebig behandelt worden.

Kein Bedarf, alles ist gesagt und geschrieben…

Peter Petereit

Eine endliche Geschichte (Teil 1)

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Frieden: Wunschtraum einer desillusionierten Gesellschaft

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Satirischer Rückblick…

Die nur noch zusammenrafft, unermeßlichen Reichtum aufhäuft, während Humanismus wie im reißenden Strom absäuft. Welch armseliges Treiben manch bösartige Gesellen auszuleben wagen, seit Ewigkeiten zu viele Menschen am Hungertuche nagen.

Genug vom Kurztrip zu dir, laßt uns schauen, was alles geschehet hier, Mächte erneut uns Frieden klauen. Humanismus im Diskurs einer feindseligen Gesellschaft Wege aus der Misere sucht, doch einmal gepflanzter Haß bleibt verrucht, breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus, oh graus! Wir sehen es beim Umweltschutz schon viel zu lang, die Belastung der Gewässer hält an. Gifte in Flüsse gekippt und in Meere entlassen: Zeugnisse vom widerlichen Prassen.

Jahrmarktbesuche mögen für Ablenkung sorgen, doch was geschieht dann am nächsten Morgen? Halloween as usual, alles egal? Die spinnen, die Menschen, allemal. Anstatt ein friedliches Miteinander zu pflegen, gibt man Raketen und Panzern den Segen. Wenn Moralapostel manipulativ unterwegs, gehen manch Kritiker längst auf den Keks, sollte vermehrt höchste Wachsamkeit walten, das wußten schon die Alten.

Wer nicht fragt, bleibt dumm, Widerworte eine passende Antwort darstellen, weil zum „warum“ sich Lösungen gesellen. Dies gilt nicht nur morgens zum Sieben Uhr Frühstück, sondern bedingt unser aller Glück. Doch die Willkür nimmt bereits freien Lauf, weil zuhauf Übereifer mancher Jobcenter Betroffene bedroht, eine Gesellschaft längst aus dem Lot. Alles Absicht, jene künstlich erschaffene Not!

Sehnsucht nach Harmonie nimmt zu wie noch nie? Da kannste staunen über manch bösartige Launen in sogenannter Politik. Na, wird Rechtspopulismus schon wieder schick, findet rechte Gewalt immer mehr Zulauf? Und setzt noch einen drauf mit ihrer fadenscheinigen Argumentation, sie stünden für völkischen Frieden, welch billiger Hohn.

Gehässigkeiten in aller Munde, keine Antriebsfeder zum Wohle des Volkes sich findet. Immer in dieselbe Wunde, wenn im Grunde sich das Bösartige schlängelt und windet. Dürfen wir auch mal erfreuliches berichten, oder herrscht auch hier verlogenes Dichten?

Robert Habecks Versprechen zum Ölbohrstop ein Erfolg? Fürs Wattenmeer vorerst dies sein mag, dennoch ein Haar in der Suppe bringt’s an den Tag. In direkter Näh auf dem Festland Ölbohrungen stattfinden. Umsonst alles beherzte Schinden, den Umweltschutz anzumahnen? Schreibt’s euch auf die Fahnen: Solange Menschen Ausbeutung entdecken, zu viele daran deshalb verrecken, werden Proteste zurecht anhalten.

Lotar Martin Kamm

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Gehässigkeiten in aller Munde

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Keine Antriebsfeder zum Wohle des Volkes

Wenn Gehässigkeit zum guten Ton wird, dann, ja wo befinden wir uns dann? Gibt es einen Ort, der dafür prädestiniert ist, oder ist es vielmehr kein Ort, sondern eine Lebenseinstellung? So in etwa nach dem Motto, gib’s ihm, scheu dich nicht, jemanden verbal ins Maul zu schlagen. Egal ob schriftlich oder direkt neben dem Angesprochenen stehend.

Was bedeutet Gehässigkeit? Klar, Haß ist unschwer daraus zu erlesen, also brauche ich Haß, um mich unverschämt zu äußern. Haß auf etwas Bestimmtes ist in diesem Moment nicht der ausschlaggebende Anlaß. Es stecken in dem Wort noch andere Bedeutungen, Gemeinheit, Boshaftigkeit, Niederträchtigkeit, Tücke. Da in der Gehässigkeit nicht direkt, also keine im Allgemeinen sofortige Aktion einer Wut erkennbar ist, sondern hinterrücks durch sarkastische Tücke ihre Boshaftigkeit ausdrückt, scheint sie eine spontane Äußerung zu sein, die durch das verbale oder schriftliche Loslassen ihr Ziel erreicht hat und damit sich im Sande verläuft.

Wer als Kind oder Jugendlicher sich in gehässigen Ausdrücken Luft gemacht hat, sei es gegenüber Spielgefährten, Eltern, Erzieher hat in der Regel eine Standpauke, Strafe oder Prügel bezogen. Dabei wurde nicht berücksichtigt, ob inhaltlich an der Äußerung ein Wahrheitsgehalt zu finden war, sondern es wurde die hinterhältige, tückische Art der Gehässigkeit moniert.

Erstaunlich muß festgestellt werden, daß Gehässigkeiten gegenüber den Mitmenschen in Mode gekommen sind. Je heftiger anhand der Wortwahl denunziert, dreister gelogen, sarkastisch verdrehte Tatsachen in den Raum geworfen werden, desto mehr Applaus erhält der Boshafte. Dabei ist es nicht nur in den sogenannten unteren Gesellschaftsschichten anzutreffen, nein, diese moderne Art der Beschimpfung ist längst in den eigentlich als vorbildlich geltenden „gehobenen“, sozialen Schichten angekommen. Manchmal erscheint es, daß das Gehässigsein gerade durch die, die die Verantwortung entweder durch ihren Stand, ihre Wahl oder Amt besitzen, den Zugang für eine verbrämte Sprechweise zu den anderen „unteren“ Gesellschaftsschichten begründet haben.

Verbrämen, mittelhochdeutsch verbremen, bremen, brem, Einfassung, Rand bedeutet etwas, das als negativ empfunden wird, durch positives erscheinen lassen oder abzuschwächen. Man kann verbrämen mit bagatellisieren, beschönigen, verschleiern, verbergen, idealisieren, herunterspielen, schönreden gleichsetzen. Gehässigkeiten, die mit diesen Verben in Zusammenhang benützt werden, sind in der heutigen politischen Auseinandersetzung zum „guten Ton“ geworden, so zu erkennen auf Wahlplakaten, bei Diskussionen, Internetauftritten.

Die gerne immer mal wieder angeführte Erfolgsgeschichte einer Publikumsbeschimpfung als Mittel zum Zweck, um Gehör zu finden, in aller Munde zu sein, wird durch eine verbrämte Gehässigkeit zu neuen Ufern geleitet. Sinn und Zweck dieser Art des Miteinanders ist die Hoffnung und das Ziel, möglichst breitgefächert Zweifel und Unbehagen zu streuen.

Gerade Menschen, die politische Ämter anstreben, also dadurch legitimiert sind, Entscheidungen im Sinne des Volkes zu übernehmen, sollten diese Art der Kommunikation über bestehende Probleme ablehnen. Es sei denn, ihre Absicht besteht darin, in ihrem zukünftigen Amt nicht für Ausgleich, Harmonie innerhalb verschiedener Interessengruppen sich einzusetzen. Wer mit Gehässigkeiten, Verbrämungen (Beschönigungen von Negativem) die Zukunft eines Landes gestalten will und gleichzeitig Wertevermittlung an die vorderste Spitze ihrer „Antriebsfeder“ malt, der will nur eines, sich für seine ansonsten nicht akzeptablen Vorschläge zu Problemlösungen in den Vordergrund stellen und nicht zum Wohle des Volkes antreten.

Doris Mock-Kamm

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Wattenmeer: DEA-Ölbohrungen gefährden das wertvolle Ökosystem

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Robert Habecks Versprechen ein Erfolg?

In Schleswig-Holstein ticken die Uhren ein wenig anders als im übrigen Deutschland, in diesem speziellen Fall eher gut fürs Wattenmeer könnte man meinen, wo doch jüngst der zuständige Umweltminister Robert Habeck per vollmundigem Versprechen bei der Übergabe der rund 24.000 gesammelten Unterschriften, die ihm per Flaschenpost übergeben wurden, in Aussicht stellte, daß die beantragten erneuten Ölbohrungen des Ölunternehmens DEA nicht genehmigt würden.

Eine Erfolgsstory nach vehementen Protesten, wo besonders Greenpeace tatkräftig mitwirkte oder eher eine Verzögerung, da Konzerne kaum ruhen werden, wenn es um mögliche Profitverluste geht?

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ständig bedroht

Ging doch bisher alles gut, oder? Allein die erteilte Erlaubnis, daß DEA in der Vergangenheit das größte Ölfeld „Mittelplate“ am südlichen Rand des Nationalparks Schleswig-Holstein Wattenmeer errichten durfte, die Produktion begann vor dreißig Jahren, wirft genug Fragen auf, was sich die zuständige verantwortliche Politik dabei gedacht hat.

Schwierig genug gestaltete sich der Prozeß der Gründung des Nationalparks, dem zunächst etliche Proteste der Bevölkerung vor Ort vorausgingen, sie fühlte sich schlicht übergangen. Dem ersten Nationalparkgesetz folgte 14 Jahre später 1999 das zweite, welches wesentlich verbesserte Angebote beinhaltete, die Bevölkerung und Nutzer vor Ort einzubeziehen, Arbeitskreise und kooperative Projekte berücksichtigten die unterschiedlichen Belange, der Küstenschutz hatte weiterhin Vorrang vor dem Naturschutz.

Landtagswahl im Mai 2017 – Fortsetzung der Dänen-Ampel?

Laut den jüngsten Umfragen des Meinungsforschungsinstituts INSA dürfte die SPD diesmal als stärkste Partei mit 31% hervorgehen, die CDU verlöre gar 5%, erhielte somit nur 26% der Wählerstimmen, die Grünen blieben bei 13% (0,2% weniger), die FDP rücke ihr allerdings mit 12% auf die Pelle, die AfD wäre mit 6% als fünfte Partei im Landtag, die Piraten mit einem Verlust von 7% die Wahlverlierer. Somit könnte die Dänen-Ampel, da der SSW mit 4% von der Sperrklausel ausgenommen, weiterregieren.

Bei einer solchen Prognose stünden die Chancen gut, daß das gegebene Versprechen des Umweltministers Habeck weiterhin greift, DEA demnach mit keinen weiteren Bohrungenen das Wattenmeer gefährden könne. Es verbleiben die Gefahren durch die Bundeswehr, die dort Rüstungs- und Raketentests durchführt, von den im Wattenmeer sich befindenden Altlasten an Munition vom Zweiten Weltkrieg (von 400.000 bis 1,3 Millionen Tonnen ist die Rede), die korridieren, in sofern tickenden Zeitbomben gleichen.

Lotar Martin Kamm

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Sehnsucht nach Harmonie

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Folgsamkeit erstrebenswert?

Die Zusammenstellung bestimmter Töne eines Musikstückes folgt in der Regel einer harmonischen Gesetzmäßigkeit. Der Unterschied ist in dem Moment erkennbar, wenn Ungeübte, Anfänger sich eines Musikinstrumentes bedienen und die Tasten, Saiten drücken, zupfen, oder gesanglich uns ihre Stimme zu Gehör bringen. Dies sind die Momente, in denen wir gerne die Möglichkeit hätten, die Ohren mit einer Klappe zu verschließen. Diese Disharmonie der Tonabfolge und deren Klang kann im schlimmsten Fall zu Ärgernissen führen, die sogar zu handfesten Streits ausarten mögen. Allerdings können sich vermeintlich disharmonische Tonabfolgen auch zu hörenswerten Musikstücken vereinen, die trotz keiner harmonischen Gesetzmäßigkeit als angenehm empfunden werden, vor allen Dingen bei Jazz oder Free Jazz.

Natürlich kann durch das Auge Disharmonie empfunden werden. Je nach Farbzusammenstellungen auf Bildern, Blumenbeeten, Kleidungsstücken, Wohnungsaccessoires assoziieren wir angenehme oder eben unangenehme Eindrücke. Für die einen sind es generell grelle Farben, für andere die Vermischung von grell und pastellen Farben, oder es sind eine oder zwei Farben, die generell als nicht harmonisch für das eigene Befinden angesehen werden.

Wobei bei harmonisch wirkenden Eindrücken, Empfindungen der Gefühlspegel nach oben steigt und eine Art Glücklichsein auslöst. Ergo ist es selbstverständlich, daß sich die Menschen nach Harmonie sehnen, sogar regelrecht harmoniesüchtig sein können?

Harmonie, Zusammenklang, Ausgeglichenheit, Wohlklang, Einstimmigkeit, Übereinstimmung, Ebenmaß, Gleichmäßigkeit, ein Zeichen für Zufriedenheit und Glück? Klingt nach Schlaraffenland, Friede, Freude, Eierkuchen, ein Zustand ohne Probleme. Harmonie vom griechischen Wort harmonía, bedeutet im ursprünglichen Sinn Fügung.

Fügung, Synonym für Bestimmung, Vorsehung, Schicksal, höhere Gewalt, eine gute Wahl für den Begriff Harmonie? Die Fügung aus dem mittelhochdeutschen vüegunge, Verbindung, ebenso gleichgesetzt mit Verknüpfung von Ereignissen, schicksalhafte Geschehnisse. Das Adjektiv fügsam war vielleicht früher noch eher im Gebrauch, aber auch die Kolumnistin kann sich irren, verdeutlicht in Bezug auf die Beschreibung zum Beispiel eines Kindes, gehorsam, folgsam, brav, gesittet, lammfromm, manierlich, wohl erzogen, zahm und kann ohne weiteres mit harmlos umschrieben werden.

Harmlos bezeichnen wir Menschen, Tiere, Pflanzen, die niemanden Schaden zufügen. Keine versteckten Gefahren lauern, arglos sein, unbedarft, unschuldig, naiv, simpel, anspruchslos sein. Ist Harmonie also harmlos, fügsam, Vorsehung, schicksalhaftes Geschehen? Und wird deshalb von den meisten Menschen bevorzugt? Aber ist ein schicksalhaftes Geschehen, eine Vorsehung nicht gleichzeitig eine Art, sein Zepter aus der Hand zu geben, gefügig zu sein, gegenüber allem was da kommt, gleichwohl Schlechtes? Die geistige Vorkehrung sich nicht zur Wehr zu setzen, um sein vorbestimmtes Schicksal abzuwenden, da ansonsten die Harmonie gestört wird und damit erst die Disharmonie zustandekommt?

Würden wir tatsächlich permanent in Harmonie leben, ohne Gefahren, ohne Ängste, ohne Schmerzen, ohne Leid, immer in Fügung einer Vorsehung, wäre das Leben dann wirklich erst lebenswert? Fügsam sich eingliedern, gehorsam, brav einer höheren Gewalt, einem Schicksal gehorchend, ist dies der Weg zum Glück?

Diese Entscheidung liegt in der Hand jedes Einzelnen, Einspruch erheben dürfen andere nur, wenn jemand der Gefahr unterliegt, daß die Fügung unter Zwang, Drohung von Gewalt angenommen wurde oder wird. Ansonsten gilt der Hör- und Sehgenuß, sind wie die Lebenseinstellung eine individuelle Entscheidung, und solange nicht der Versuch unternommen wird, den anderen zu harmonisieren, um ihn in sein Weltbild zu fügen, in dem er naiv, anspruchslos zu sein hat, wird das Schicksal, die Fügung, die Harmonie schon wissen, was sie tut, oder?

Doris Mock-Kamm

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