Es geschah vor 40 Jahren (01. bis 07. November 1976)

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Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zu einer weiteren Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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Rechte Gewalt findet immer mehr Zulauf

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flickr.com/ Andreas Issleib/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Weiterhin verharmlosen oder entsprechend energischer handeln?

Unsere Demokratie muß unnbedingt als gefährdet betrachtet werden. Wer dies leugnet, darf sich am Ende nicht wundern, wenn wir vor vollendeten Tatsachen stehen, die kaum noch ein Zurück zulassen. Ganz im Gegenteil, unter der Herrschaft einer rechtspopulistischen Politik waltet ein inhumaner Ton, wer sich diesem widersetzt, hat mit den Konsequenzen zu leben. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit findet rechte Gewalt immer mehr Zulauf. Weiterhin verharmlosen oder entsprechend energischer handeln?

Alles übertriebene Hysterie, weil eine AfD noch unter der 20-Prozent-Marke weilt? Könnte man so behaupten, aber die jüngsten Ereignisse im Lande sowie europaweit zeigen ein anderes Bild vom Geschehen, was keineswegs als harmlos daherkommt.

Hetze zeigt inzwischen vielerorten ihre Wirkung

Das gilt natürlich ebenso für die Social Media. Ein Facebook-User wurde neulich zu 10 Monaten Haft ohne Bewährung wegen ausländerfeindlicher und rechtsextremer Hetze im Facebook vom Amtsgericht Oldenburg verurteilt. Die Bewährung wurde ihm aufgrund seines Vorstrafenregisters versagt. Dennoch legte der 47-Jährige Berufung ein.

Erinnern wir uns an den Auftritt der Pegida in Dresden zum Einheitstag, wo sie ihre böse Fratze überdeutlich zum besten gab. Von Einsicht keinerlei Spur, ganz im Gegenteil, die rechten Kräfte fühlen sich zunehmend bestätigt in ihrem Handeln, zumal immer mehr Anhänger sich einfinden, der Zulauf stetig wächst. Auch der Brennpunkt Bautzen kommt nicht zur Ruhe, Rechtsextreme gingen erneut auf Flüchtlinge los, machten regelrecht Jagd auf sie, während die zuständige Polizei es vorzog, zu verharmlosen, nicht weiter verwunderlich angesichts der Haltung des Oberbürgermeisters Alexander Ahrens, der doch tatsächlich meint, Lichterketten seien „kein brauchbares Mittel“ dagegen, dafür sich aber am 27. Oktober mit Neonazis zu einem Gespräch getroffen hatte.

Rechter Terror längst salonfähig?

Mit einem kurzen Blick zum NSU-Prozeß und dessen unfaßbaren Ungereimtheiten, von wirklicher Aufklärung kann keine Rede sein, zusammen mit der eindeutigen Zunahme rechter Gewalt auch gegen Politiker, von 813 gewalttätigen Übergriffen ist die Rede, muß man den rechten Terror bereits als salonfähig beschreiben. Wieso eine derartge laxe Haltung? Aus Angst oder eher berechenbarem Kalkül? Letzteres mag man so gar nicht glauben, zumal die Unverfrorenheit, mit der rechte Gruppierungen sich in die Öffentlichkeit trauen, verstärkt zunimmt.

An der Spitze gesellen sich neben der Initiative „Ein Prozent für unser Land“ all jene, die diese auch tatkräftig unterstützen, denken wir an Jürgen Elsässer, Herausgeber des verschwörungsideologischen Querfront-Magazins „Compact“, vom Strafrechtler und AfD-Sympathisant Prof. Karl Albrecht Schachtschneider. Geleitet wird die Initiative von Philip Stein, auch Sprecher der Burschenschaft Germania Marburg, der wiederum von Martin Sellner, der Gallionsfigur der Idenitären Bewegung in Wien unterstützt wird. Sellner selbst wurde jüngst vom Betreiber der rechtspopulistischen Seite „Buergerstimme“ interviewt, die entsprechend sichtbare Werbung für den Kopp-Verlag betreibt.

Die neue Spielart des Rechtsextremismus, die Identitäre Bewegung, kommt smart und angeblich freundlich daher, um in Wirklichkeit ihren Ethnopluralismus unters Volk zu streuen. Dabei nutzt sie geschickt ihren Rassenhaß mit einer sich verselbständigenden Welle der Ausländerfeindlichkeit aufgrund hoher Flüchtlingszahlen. Aufrechte Streiter hoch zu Roß in gnadenloser Mission, so die Überschrift eines Artikels, in dem wir versuchten, diesen Weg aufzuzeigen.

Wer durchschaut das politische Intrigenspiel? Falls ja, es nützt nur nicht viel, wenn Menschen sich verschaukeln lassen, sich verlieren im gegenseitigen Hassen. Drum erkennt endlich den eigentlichen Sinn und Zweck: Sie nehmen Euch die Menschlichkeit weg!

Lotar Martin Kamm

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Sieben Uhr Frühstück

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Sieben Uhr Frühstück,
das wandelbare Glück.
Kaffee geschlürft,
vornüber gestürzt.

Jede Hilfe zu spät,
kein Herz mehr schlägt.
Zeit steht still,
weil der Tod es will.

Sieben Uhr Frühstück,
das wandelbare Glück.
Sonnenstrahlen
vom ewigen Leben prahlen.

Regenschauer
fühlen keine Trauer.
Jahreszeiten vergehen,
vermissen kein Leben.

Sieben Uhr Frühstück,
das wandelbare Glück.
Das große Los gezogen,
zuviel für den Obdachlosen.

Sie verstecken sich im Wald,
der große Krieg tobt weltweit.
Zerfetzte Körper in den Städten,
Flüchtende zuhauf verrecken.

Sieben Uhr Frühstück,
das wandelbare Glück.
„Hier liegt einer verrottet,
der Tod hat ihn vorm Krieg errettet.“

Die Erde ist ausgetrocknet,
der Leichnam mit Steinen abgeschottet,
als Dank für die Geldscheine,
Hoffnung ersetzt kurz das Geweine.

Nafia

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Eine endliche Geschichte (Teil 1)

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Mitunter soll sich dies wahrhaftig zutragen: Da begegnen sich zwei Menschenkinder, die bis zu dieser Sekunde voneinander nicht einmal um ihre gemeinsame Existenz auf unserem Planeten Erde wußten. Und die Liebe schlägt ein, wie ein Blitz.

Irgendwie ist das immer, als zöge da ein großer Unbekannter seine Fäden. An Alter und Aussehen, an Muttersprache und Konfession, an Herkunft und Hautfarbe, ja selbst, und das ist gar nicht selten – am gleichen Geschlecht -, stört sich jener Geheimnisvolle nicht. So soll sie denn beginnen, die kurze Geschichte einer Liebe in Deutschland.

Das Mädchen und der Junge sitzen dicht beieinander auf dem steinernen Geländer der alten Brücke. Scheinbar gedankenverloren genießen sie die Stille, die durch das zu ihren Füßen dahinmurmelnde Flüßchen eher noch unterstrichen wird. Der Himmel ist beinahe wolkenlos, und bei genauerem Hinsehen entdeckt man im Gras und in den Zweigen der Uferbüsche abertausende, im warmen Licht flirrende Gespinste. Altweibersommer.

Sie sind jung, die beiden. So um die Zwanzig, und jeder für sich mit der Welt zufrieden und bis über beide Ohren in den anderen verliebt. Seit mehreren Tagen radeln sie ohne rechten Plan durchs Land, und neben vielem Sehenswerten für Auge und Verstand hatten sie ausgiebig Zeit, sich selbst zu erkunden. Dabei kamen sie freilich immer wieder zu dem Schluß, daß sie wohl füreinander bestimmt seien. Räder und Gepäck haben sie unter der Brücke verborgen, dort, wo sie in ihrem winzigen Zelt die Nacht zu verbringen gedenken.

Das schmale, von einigen wenigen Sommersprossen gesprenkelte Gesicht des Mädchens ist von den Anstrengungen der heutigen Tour noch leicht gerötet. Es fährt sich mit gespreizten Fingern durchs Blondhaar; versucht vergeblich die fahrtwindzerzauste Pracht zu ordnen und ärgert sich, ganz weit hinten im Oberstübchen, über ihr Mißgeschick, das Stirnband verbummelt zu haben.

Der Junge betrachtet sie still von der Seite, zärtlich lächelnd, denn er liebt jede ihrer Gesten. Und als sie sein Lächeln schließlich erwidert, kann er sein Verlangen, sie zu küssen, nicht länger zügeln. Er zieht sie an sich.

Nach geraumer Zeit spürt sie sehr deutlich seine wachsende Erregung. Obwohl sie durchaus ähnlich empfindet, stößt sie ihn mittels ihrer kleinen Fäuste und in gespieltem Ernst zurück: Sie seien doch keine Tiere, die es am hellichten Tag vor allen Leuten treiben würden. Die Steine seien ihr zu hart, die Mauer zu schmal und überdies verspüre sie gewaltigen Hunger und sei deshalb sowieso ungenießbar.

Er rückt von ihr ab, streichelt ihr eine widerspenstige Haarstähne aus der Stirn und seine Augen blitzen schelmisch. Ein paar Pfunde könne sie tatsächlich noch vertragen, scherzt er. Das mache sie handlicher und er brauche nicht solange umhertasten, bis er gefunden habe, was sie so perfekt unter ihrer Kleidung verberge. Er sei sich allerdings sicher, daß sie im nächsten Ort einen gemütlichen Gasthof fänden, wo sie ihre, jawohl, abnormen Gelüste befriedigen könne.

Behende schwingt er sich zur Straße hin von seinem Sitz, umfaßt dann die Taille des Mädchens und hebt es von der Brüstung. Sich ihm zuwendend, schmiegt sie sich an seinen starken, sonnenwarmen Körper und reicht ihm so gerade bis zur Brust. Sie fühlt seine Lippen ihren Scheitel streifen, genießt diese Geborgenheit, und eine Welle unfaßbaren Glücks steigt in ihr empor.

Von der Brücke aus verläuft die Straße ein gutes Stück bergauf und kerbt dennoch die zu beiden Seiten sanft zum Wald hin ansteigenden Hänge. Dort, wo das schmale Asphaltband ins Nichts abzukippen scheint, ragt vor dem Hintergrund sehr ferner Berge eine Kirchturmspitze, deren Turmkreuz gelegentlich gülden blitzt, wenn es von den Strahlen der Sonne getroffen wird. Hand in Hand wandern nun die jungen Leute ohne sonderliche Eile diesem Ziel entgegen.

Als sich dann gegen Ende der Steigung der Blick ins Nachbartal eröffnet, drückt das Mädchen die Jungenhand merklich fester und bleibt wie angewurzelt stehen: Sehr still, sehr sauber und sehr friedlich angepaßte Zweckbauten.

Ist das schön, denkt das Mädchen und hat Bilder längst verlorengeglaubter Kindheitsträume vor Augen. Hier müßte man leben können. Für immer weg von der Hektik der Stadt und alles erstickenden Blechlawinen. Und, für einen Augenblick wünscht es sich sogar, die Zeit möge stehenbleiben und diesen Frieden nimmer stören.

Der Sinn des Jungen für solcherart Romantik ist wohl weniger stark ausgeprägt. Er erfreut sich einige Minuten an ihrer Fähigkeit, derart intensiv staunen zu können und reißt sie dann aus ihrem Tagtraum: Dies müsse es wohl sein, jenes sagenhafte Land der glücklichen Kühe…

Das Mädchen bedenkt ihn ob solcher Sprüche wie immer mit einem strafenden Blick aus klaren blauen Augen, prustet dann das befreiende Lachen heraus und zieht ihn ungestüm mit sich.

Das letzte Wegstück ist das Paar mehr mit gegenseitiger Neckerei befaßt, als daß es Einzelheiten der Umgebung mehr als flüchtige Beachtung schenkt. Daß sich im Dorf kaum eine Menschenseele zeigt, ist für sie ebenso belanglos wie sich hier und da hinter blumengeschmückten Fenstern bewegende Gardinen.

Das Einzige, was für einen Moment ihre Lebensfreude trübt, ist ein hochmoderner Traktor, der, das Dorf in zügiger Fahrt durchquerend, reichlich Staub aufwirbelt und sie von der Straße zwingt. An einem Zaun stehend warten die beiden ab, bis sich die unzähligen Partikel wie ein anfangs hauchzarter, am Ende jedoch wieder unsichtbarer Schleier über das gepflegte Grün der Vorgärten gesenkt haben.

Der Gasthof entspricht schon vom Äußeren allen ihren Erwartungen. Ein Fachwerkbau, die Fachen frisch geweißt und das Holz der vor mehr als einem Menschenalter gesetzten Balken mag durchaus noch einem weiteren Jahrhundert widerstehen. Die Einrichtung ist einfach und rustikal, man sieht, daß Sauberkeit den Wirtsleuten hier hohes Gebot ist.

Um den Stammtisch sitzt ein gutes Dutzend Männer verschiedener Generation beim Biere und macht sich, lautstark durcheinander redend, die an solchen Orten üblichen Gedanken über die Zeitläufe. Die Gespräche verstummen beim Eintritt der jungen Leute und plätschern dann, nach einem Weilchen der Musterung und Besinnung, in weniger als Zimmerlautstärke fort.

Das Mädchen schaut sich um, steuert zielbewußt einen Tisch am Fenster an und greift noch halb im Stehen nach der Speisekarte. Es wird ein opulentes Mahl, und gelegentlich wundert sich der Junge, wo seine Liebste die reichlich bemessenen Portionen läßt. Und da es ihnen überdies an Gesprächsstoff nicht mangelt, folgt der ersten Flasche Wein eine zweite, und draußen setzt derweil gemächlich die Abenddämmerung ein.

Es ist wohl so, daß Verliebte die Welt im Allgemeinen und sich selbst im Besonderen mehr mit dem Herzen sehen als mit wachem Gespür. So auch das Mädchen und der Junge, die nur Aug‘ und Ohr füreinander haben. Ach, hätten sie doch nur den Gesprächen am Stammtisch gelauscht, ein wenig nur, oder Blicke zu deuten versucht…

Von Kanaken wird dort bierseelig gezischelt, und von Schlampen, denen die rechtschaffenen Schwänze deutscher Mannsbilder nicht gut genug seien… Stammtischgeschwätz eben. Und, was soll’s…

Unser schwarzgelockter Dreitagebartträger mit dem gebräunten Teint macht einen sehr handfesten Eindruck, man weicht ihm, selbst auf dem Weg zu Kaisers Klause, respektvoll aus.

Zu vorgerückter Stunde rüsten die jungen Leute zum Aufbruch. Sie zahlen großzügig und treten hinaus in die erfrischende Kühle der Nacht. Nicht nur, weil sich ihr Zelt mit wenigen, in den letzten Nächten oft geübten Handgriffen im Scheine einer Taschenlampe aufschlagen läßt, haben sie es nicht sonderlich eilig. Man hat ja einander und dazu alle Zeit dieser Welt. Eng umschlungen, schlendern sie entlang der Häuser, in denen man sich nun wohl auch anschickt, das Tagwerk zu beschließen.

Peter Petereit

Fortsetzung folgt

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Hartz IV: Übereifer mancher Jobcenter bedroht Betroffene

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Willkür nimmt bereits freien Lauf

Eigentlich sollte sich niemand wundern, zumal einige Menschen sich prädestiniert fühlen, ihre Macht ohne irgendwelche Gewissensbisse auszuführen. Das kennt man nicht erst seit dem Film „Die Welle“, sondern zeigte sich stets genau dann, wenn Menschen eine Möglichkeit gegeben, andere demütigen zu dürfen.

Was neben den Medien auch politisch Verantwortliche skrupellos in der Öffentlichkeit präsentierten, die Hetze gen Hartz-IV-Empfänger, veranlaßte daher ebenso manche Jobcenter, in ihrem Übereifer Betroffene zu bedrohen, die Willkür nimmt ihren freien Lauf.

In Soest und Stade ticken die Uhren ein wenig anders

Um es gleich mal vorwegzunehmen, die Bewohner der beiden genannten Orte tragen keinerlei Schuld, es sind mal wieder Einzelne, die unglaubliche Entscheidungen und Handlungen vollziehen. Unfaßbar das Verhalten des Jobcenters Soest, welches sich über den richterlichen Beschluß im Fall einer betroffenen alleinerziehenden Mutter hinwegsetzt, ihr weiterhin keine Leistungen ausgezahlt werden, so daß sie von Obdachlosigkeit betroffen ist.

Der zuständige Sachbearbeiter des Jobcenters besitzt die Unverfrorenheit, die Entscheidung des Gerichts zu mißachten, um sogar im Gegenzug eine Beschwerde seinerseits einzureichen. Eine Mutter mit Kind auf bestem Wege in die Obdachlosigkeit, während eine deutsche Behörde die zuständige Justiz einfach ignoriert, so etwas nennt man Willkür!

Vor kurzem fühlten sich auch die Mainstream-Medien aufgerufen, über das Jobcenter Stade zu berichten, weil dortigst ein übereifriger Mitarbeiter einen eigens angefertigten Fragebogen entwarf, in dem eine Betroffene über ihr Sexuelleben ausgehorcht wurde.

Alles nur Einzelfälle oder eher die Spitze des Eisbergs?

Sie dürfen von der Spitze des Eisbergs ausgehen, weil viele Betroffene sich höchstwahrscheinlich nicht trauen, den Entscheidungen oder gar der Willkür mancher Jobcenter zu widersprechen, sich zu wehren. Deutsche Gründlichkeit in Sachen Sozialrassismus flammt erwartungsgemäß auf, ein Nachtreten gen Ärmste der Armen beweist nur zu deutlich, in wie weit unsere Gesellschaft verkommt. Statt über moderate Lösungen nachzudenken, endlich die Sanktionspolitik oder noch besser diese Hartz-IV-Gesetze gänzlich abzuschaffen, erleben wir nunmehr die ganze Tragweite inhumaner Handlungsweisen.

Dabei gäbe es durchaus andere Abhilfen politischer Gestaltungen, denken wir ans BGE oder ans Bandbreitenmodell. Solange aber die Politik meint, sie müsse den vorbestimmten Weg einer nimmersatten, profitgeilen Wirtschaft folgen, wird sich kaum etwas bis gar nichts ändern.

Lotar Martin Kamm

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Widerworte eine passende Antwort

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Wer nicht fragt, bleibt dumm

Jemandem die oder eine Antwort schuldig bleiben, in dieser Situation wird sicher schon jeder gesteckt haben. Entweder, weil er die Antwort auf eine Frage nicht wußte, kein Interesse hatte zu antworten, dafür können mehrere Gründe vorliegen. Ein hervorstechender Grund kein Interesse zu haben, um eine Antwort zu geben, ist wahrscheinlich der Punkt, an dem man im Gespräch mit einem Kind, kann auch mit einem Jugendlichen oder einem „hartgesottenen“ Erwachsenen geschehen, bereits schon eine ganz lange Zeit das Frage-Antwort-Spiel gespielt oder besser ausgedrückt, der Fragende mit keiner Antwort so zufrieden war, daß sofort die nächste nicht unbedingt speziell auf das ursprüngliche Thema fixiert, ausgesprochen wurde. Eine zuweilen schiere Endlosschleife, die meistens von dem Antwortgebenden durchbrochen wird, dieses Unterbrechen kann bis zu Wutausbrüchen führen.

Es war bis vor einiger Zeit nicht unüblich, oder vielleicht besser gesagt, an der Tagesordnung, daß in den Familien das letzte Wort vom Vater oder der Mutter ausging und keine weiteren Fragen gestellt werden konnten, ohne mit Stubenarrest oder sogar Schlägen daran gehindert worden zu sein. Diese Methode wurde auch in den Firmen und Betrieben angewandt und führte oftmals zu sogenanntem Duckmäusertum. Nicht die Furcht vor Strafen oder Schlägen bewog Erwachsene, keine weiteren Fragen zu stellen, sondern es war verinnerlicht, vermeintlich Höhergestellten nicht zu widersprechen oder nachzufragen, man hatte zu parieren.

Der Duckmäuser, spätmittelhochdeutsch tockelmüsen, Heimlichkeiten treiben, Heuchler, Kriecher, Speichellecker, Untertan, ist ein Mensch, der es nicht mehr wagt zu fragen, zu hinterfragen. Natürlich nicht nur, weil seine Fragen nicht ständig beantwortet wurden, sondern auch weil er sich entweder nicht traut, (dies kann ohne weiteres an der Persönlichkeit liegen), aus Berechnung damit mehr zu erreichen, beliebter zu sein, nicht aufzufallen, schließlich dennoch auch wegen der Anerzogenheit nicht weiter Fragen stellen zu dürfen.

Jetzt könnte man daraus schließen, daß Antwort etwas mit Endwort, das letzte Wort zu tun hat. Keine Widerrede mehr geduldet wird. Nun, irren ist menschlich. Antwort, mittelhochdeutsch antwürte, althochdeutsch, antwurti bedeutet Gegenrede. Verwirrend, nicht wahr? Denn nicht jede Frage ist prädestiniert, eine Gegenrede zu erhalten, oder? In älteren Schriften wird sogar von Antwort werfen gesprochen, anstatt Antwort geben. Es scheint, einige unserer Vorfahren waren wohl genervt, überhaupt Antworten zu geben und wenn dann eher als Gegenrede oder als Widerspruch. Lag das an einer Wortkargheit, daran daß die Sprache, das Mitteilen noch nicht so einen großen Stellenwert, eine Diskussion im alltäglichen zwischenmenschlichen Umgang nicht vonnöten, nicht gewollt war, nicht erforderlich für die täglichen Belange?

Womöglich ist es ein Gemisch aus vielen Faktoren, gerade angesichts des Wissens, daß Bildung, Sprachvermittlung noch gar nicht so lange wirklich Einzug in die Gesellschaft gefunden haben. Vielleicht hat deshalb die Fähigkeit zur Diskussion oder Kommunikation nicht den Stellenwert bekommen, den sie nötig hätten, um das Frage-Antwort-Spiel für beide beteiligten Seiten zur Zufriedenheit aller zu nutzen.

Warum fragen wir? In der Regel um etwas zu erfahren, daß wir nicht wissen, noch nicht verstanden haben, etwas einer Klärung bedarf, ein Problem gelöst sein will. Wenn der Angefragte allerdings daraufhin mit einer Gegenrede (Antwort) reagiert, werden wir womöglich ihm in Zukunft weniger Fragen stellen, außer diese Gegenrede initiiert ein Folgegespräch, das bedingt aber beiderseitiges Einverständnis zu einem lebhaften Gesprächsaustausch. Ist dies nicht gegeben, wird der Fragesteller sich an andere Personen wenden. Werden Fragen nur lieblos, uninteressiert beantwortet oder nur kurz eine unbefriedigende Antwort gegeben, das heißt der Fragende empfindet eher Ablehnung, jetzt nicht, keine Zeit, so wird er irgendwann sich ebenfalls abwenden.

Keine Frage, es ist nicht immer einfach, Antworten ausschweifend und komplett wissend zu geben, aber jeder Fragende wird die Bemühung erkennen, soll bedeuten, es ist nicht ausschlaggebend die Lösung, Wahrheit zu erfahren, sondern die Bereitschaft zur Antwort ist wichtig. Solange aber die Gesellschaft nicht die Wichtigkeit des Frage-Antwort-Spiels und deren Abläufe, Regeln in den Schulen, Kindergärten mit einbezieht, wird es stets einfacher sein, Duckmäusertum und Gegenredner zu finden, als Menschen, die einfach mal eine Antwort schuldig bleiben, weil sie die Aufrichtigkeit besitzen, eine konkrete Begründung zu geben, ohne mit Strafen zu drohen.

Doris Mock-Kamm

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Gwens Leben erhielt endlich eine Wendung

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Wehmütig blickte sie gen graudüsteren Himmel, während es in Strömen goß, ihr schwarzes, langes Haar komplett durchnäßt in ihrem Ausschnitt hing, die Bluse zerfetzt, all die Tränen verloren im Fluß einer undurchdringlichen Ohnmacht, die keine Wege fand, sich auch nur ansatzweise zu äußern. Leere, begleitet mit Taubheitsgefühlen umgaben Gwen, ohne daß die Dreiundzwanzigjährige irgendeine Notiz nahm vom Geschehen in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Es stank erbärmlich neben ihr, Hundekothaufen lösten sich auf, manch einer schwappte vorbei wie ein führerloses Boot in tobender See, ein vorbeiflitzender Sprinter sorgte für zusätzliche Nässe, die sie aber nicht weiterhin störte, zu sehr lähmte Gwen der nicht enden wollende Schmerz, den zuvor Mark ihr angetan. Ausgerechnet ihr Ex-Freund, von dem sie sich doch so friedfertig getrennt hatte. Warum nur, fragte sie sich ständig, wie konnte er ihr das antun? Welch Demütigung!

„Sie können doch nicht einfach so auf dem Bürgersteig sitzen, junges Fräulein. Ja, Sie meine ich“, sprach Gwen eine alte Frau mit Krückstock an, bückte sich umständlich, reichte ihr die Hand. Doch Gwen schüttelte stumm ihren Kopf, hielt sich beide Ohren zu.

„Na, na, na, nun aber mal ganz sachte, nehmen Sie meine Hand, ich mein es nur gut mit Ihnen. Egal, was auch geschehen, es gibt immer einen Weg aus jeder Misere. Komm schon, Mädchen, laß dir mal von ner ollen Schabracke helfen!“, betonte die Alte und lachte. Gwen schaute sie völlig entgeistert an, mußte unweigerlich grinsen und ergriff die linke, knöcherne Hand der Alten.

„Danke Ihnen. Wie heißen Sie, ich bin die Gwen“, bemerkte sie und richtete sich langsam auf.

„Nennen Sie mich Cindy, heute heiße ich Cindy, morgen vielleicht Mary, keine Ahnung.“ Gwen musterte Cindy, die ein wenig unständlich ihren Krückstock hielt, aber beherzt und entsprechend energisch mit ihr die Straße überquerte.

„Komm mal mit, Mädchen, ich glaube, du kannst einen ordenlichen Schluck vertragen. Dabei erzählst du mir gleich am besten, was geschehen. Keine Widerrede, ich bin noch jung genug, zu erkennen, daß irgendein Kerl über dich gestiegen ist“, sagte Cindy und öffnete die Tür der Eckkneipe „Zum goldenen Anker“. Laut war’s in der verrauchten Spelunke, zwei kräftige Haudegen brüllten sich just am Tresen an, im nächsten Moment knallte der Wirt ihnen zwei Schnäpse auf die Theke und forderte sie auf, diese zu trinken, um danach die Kneipe zu verlassen.

Gwen machte Anstalten zu gehen, weil ihr der Raum so gar nicht gefiel, doch Cindy hielt sie zurück, bugsierte sie an einen Tisch in einer Ecke, dort saßen keine Gäste, niemand würde die beiden hier nerven, wie die Alte mit fester Stimme betonte.

„Was kann ich euch bringen?“, fragte der Wirt und wischte den Tisch mit einem blauen Lappen ab. Gwen bestellte ein kühles Blondes, Cindy einen Gin Tonic, aus den Lautsprecherboxen erklang die kreischende Stimme von Nick Cash, „Homicide“ war Gwen durchaus bekannt, schließlich hatte sie gar den Punkrock-Sänger mal im SO36 getroffen.

„No one cares when someone lies, they’d rather say that it’s a red alert, you’d better believe it, that’s the truth of it take it or leave it, resign to it homicide, homicide, homicide”,…die Gäste schienen kaum auf den Song zu reagieren, während Gwens Lebensgeister allmählich erwachten, Erinnungen flammten kurz auf an eine Zeit, in der sie glücklich war, damals gerade Mark kennenlernte, bevor sie zusammenfanden. Cindy holte sie zurück in die Gegenwart.

„Jetzt erzähl doch mal, was dir geschehen!“, forderte sie die Alte auf und stieß mit Gwen dabei an. Die Dreiundzwanzigjährige berichtete von ihrer Beziehung mit Mark, der sie anfangs auf Händen getragen, ihr fast jeden Wunsch von den Augen abgelesen hatte, bis Gwen einmal fremdging, ihn enttäuscht hatte. Schnell endete ihre Liebe, sie einigten sich, dennoch im Guten sich zu trennen. Mark zog nach Frankfurt, sie blieb hier in Berlin. So weit so gut. Bis gestern abend er plötzlich vor ihrer Wohnungstür stand, nach zwei Jahren, wo sie sich nicht mehr gesehen hatten, er nicht fragte, ob er willkommen sei, sie zur Seite gestoßen hatte, aufs Bett warf und wortos heftigst vergewaltigte.

Cindy tupfte sich eine verlorene Träne von ihrer Wange, hielt Gwens rechte Hand dabei fest, die mutlos in sich zusammensank. Dabei fiel der Alten Gwens Muttermal am Handgelenk auf.

„Woher hast du dieses Muttermal, mein Kind?”, fragte Cindy völlig erstaunt.

„Mein Papa hatte mir stets versichert, dies sei vererbt, meine verstorbene Oma soll das ebenso gehabt haben“, erwiderte Gwen.

„Verstorben?”, fragte Cindy hörbar entrüstet, einige Gäste schauten aufmerksam geworden zu ihnen hinüber, „was hat denn deinen Papa dabei geritten?“

Gwen schaute zum ersten Mal genauer ins Gesicht von Cindy, kam ins Grübeln.

„Bevor du herumrätst, mein Kind, ich bin es, deine Oma!”, rief Cindy, stand auf und umarmte ihre Enkelin. Die beiden Frauen boten ein schönes Bild herzlicher Nähe. Im ganzen Raum herrschte schlagartig Ruhe, selbst die Musik verebbte, weil der Wirt sie abgestellt hatte.

Lotar Martin Kamm

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