Luxusleben zieht Verbrecher an

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Neidgesellschaft blickt gen Überreichtum mit dekadenter Lebensweise

Müssen wir uns von unbeschwerter Glückseligkeit im Rausche von überteuerten Festen und Plausch verabschieden, weil stets irgendwo versteckt das Verbrechen lauert, niedere Instinkte nach sauer verdientem Geld und teuren Schmuck trachten? Nicht wirklich neu, jene Szenarien, die weltweit überall vorkommen, mehr oder weniger.

Luxusleben zieht Verbrecher an, wobei mancher meint, eine Neidgesellschaft blickt gen Überreichtum mit dekandenter Lebensweise. Ersteres umschreibt im Wort selbst bereits in ziemlich abfälliger Art, daß extrem hoher Luxus gefälligst gerechtfertigt sei, frei nach dem Motto, jeder ist seines Glück Schmied. Falsch. Wer am besten ausbeutet, erzielt den höchsten Gewinn, trifft eher zu. Dies allerdings bedeutet noch längst kein unbeschwertes Leben.

Raubüberfall überrascht Kim Kardashian

Ohnehin schon aus extravaganter Familie stammend, ihr Vater befand sich im Verteidigerteam des Mordprozeßes gegen O. J. Simpson, der letztlich für schuldig befunden und verurteilt wurde, seine Frau ermordet zu haben, erlangte Kim Kardashian ihren ersten Ruhm per Sex-Video, es folgte eine Familien-Reality-Soap. Typisch fürs US-Fernsehen, auch hierzulande gibt es genug nachgeäfftes, denkt man an Big Brother oder das Dschungelcamp.

Um es abzukürzen, schnell entstand mittels solcher Berühmheit die Chance, per Modeboutique Fuß zu fassen, neben mancher Beziehung und Hochzeit einiger gut Betuchter der höheren Gesellschaft, nicht zuletzt die Hochzeit mit Kanye West. Geld spielt in sofern eine untergeordnete Rolle, man praßt gern. Wie sonst läßt sich das Mitführen solch erheblich teuren Schmucks auf Reisen erklären? In Paris erfolgte schließlich der professionell durchgeführte Raubüberfall, schon spricht die Presse vom Schatten über der „Stadt der Liebe“.

Fern jedweder Realität – Bescheidenheit eine wirkungsvollere Option?

Manch hart arbeitender Mensch mag sich sehr berechtigt fragen, wieso eine Kim Kardashian dermaßen teuren Schmuck mit sich führte, immerhin mit einem geschätzten Wert von neun Millionen Euro. Normalzustand im Leben der Superreichen, wobei manch einer mal eben des nachmittags für einen fünfstelligen Wert shoppen geht, ohne mit der Wimper zu zucken. Reichtum bleibt in sofern ein Verbrechen selbst wider einer gerechteren Gesellschaft.

Denn nichts geschieht zufällig, am Ende der Kette befinden sich die Schicksale derer, denen man es genommen, weil Überreichtum stets Ausbeutung bedeutete bis hinein in die Gegenwart. Natürlich werden jetzt wieder all jene aufschreien, die meinen, mittels harter Arbeit sei dieser Reichtum entstanden, dies vermögen alle, die das beherzigen. Je länger und intensiver man darüber nachdenkt, desto eher gelangt man zur Erkenntnis: Es stimmt einfach nicht. In den allermeisten Fällen gehen stets Unfairneß, Ausbeutung bis hin zu verbrecherischen Methoden voraus, auf der Strecke bleiben andere und vor allem eine große Menge, die im Alltag versucht, halbwegs menschenwürdig zu überleben.

Bescheidenheit täte dieser Welt wahrlich gut, wäre eine wirkungsvollere Option für ein friedlicheres Zusammenleben. Am Geld, an der Macht hängt das Bestreben nach noch mehr Habitus, welches einer Sucht gleich ständig neue Opfer sucht und findet. Erich Fromm hat dies in seinem Buch „Haben oder Sein“ zu verdeutlichen versucht. Beherzigt hat dies noch kein Land, keine Gesellschaft, zumindest in der sogenannten Zivilisation. Manche Naturvölker praktizieren dies allerdings in einer gottgegebenen Selbverständlichkeit.

Lotar Martin Kamm

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Ich brauche deine Hilfe nicht

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„Nein, du braucht mir nicht helfen, meine Schuhe werde ich wohl alleine finden können!“
„Die können doch nicht verschwunden sein, hast du denn wirklich schon überall gesucht? Wir kommen noch zu spät!“
„Ja, ich weiß, wir sind spät, durch dein Gebrüll machst du mich nur noch mehr konfus.“
„Ich habe nicht gebrüllt, lauter gesprochen, schließlich bin ich in meinem Zimmer, und du wuselst durch das ganze Haus.“
„Das gibt dir nicht das Recht, durch das ganze Haus zu schreien, nur weil ich für kurze Zeit nicht in deiner Reichweite bin!“
„Vielleicht hat Benno deine Schuhe in den Garten geschleppt, weil du sie wieder einmal im Wohnzimmer hast liegenlassen.“
„Nein, und wenn er es getan hat, hat er inzwischen einen anderen Platz, um sich an ihnen gütlich zu tun. Sowieso fehlen beide Schuhe, nicht bloß einer. Seit wann schleppt Benno die Schuhe paarweise weg?“
„Was weiß ich! Zieh doch einfach andere an, schließlich ist der Schuhschrank zu neunzig Prozent mit deinen Schuhen vollgestopft!“
„Was?“
„Zieh andere Schuhe an, schau mal auf die Uhr, wir kommen jetzt definitiv zu spät!“
„Zieh andere Schuhe an! Das geht nicht! Zu dem Kleid passen nur diese Schuhe. Komm jetzt bloß nicht auf die Idee, mir zu sagen, ich soll mich umziehen!“
„Umziehen, umziehen! Nein, ehrlich, habe sowieso nicht verstanden, warum du dieses farbige Etwas heute anziehen wolltest. Warum nicht das Blaue, das so schön fließend deinen Körper schmeichelt, das sagst du doch immer.“
„Aha, der Herr hört mir doch ab und an zu. Interessant!“
„Moni, müssen wir uns jetzt streiten?“
„Ich streite nicht! Ich suche meine Schuhe, und du machst dich über mich lustig!“
„Lustig, ich will dir helfen, gebe dir Ratschläge, und du nimmst sie nicht an.“
„Hast du mich vielleicht vorhin nicht richtig angesehen, zu der Frisur paßt das blaue Kleid nicht. Soll ich jetzt auch noch eine andere Frisur machen, ich dachte wir hätten keine Zeit. Die Ohrringe und die Kette müßte ich auch ausziehen, wie sieht denn das aus, rote Ohrringe, Pferdeschwanz und dazu ein blaues Kleid!“
„Vielleicht hat deine Tochter sich der Schuhe bemächtigt, wäre ja nicht das erste Mal. Soll ich sie mal anrufen?“
„Deine Tochter? Das sind doch wohl eher deine Töchter, hast du vergessen, daß du drei Töchter hast, auch wenn zwei davon nur noch alle halblang hier sind, um sich mal wieder die Wäsche waschen zu lassen, weil sich ja ach so viel angehäuft hat und sie ach so viel zu tun haben, Papi! Du sitzt mit ihnen gemütlich am Tisch, und ich stehe in der Küche und bin am Kochen oder Bügeln. Papi, Papi, immer die gleiche Masche und du fällst drauf rein, wie ein Jüngling, Papi!“
„Liebes…“
„Dein Liebes kannst du dir schenken, weißt du was, fahr alleine zu der Scheißfeier, mir ist die Lust vergangen.“
„Diese blöden Schuhe können doch nicht der Grund sein, dann nimm halt die Zeit, dich umzuziehen, wir kommen sowieso zu spät, schließlich sind Barbara und Jörg auch nicht immer die pünktlichsten!“

„Moni!“
„Moni.“
„Moni, wie siehst du denn aus?“
„Wie soll ich schon aussehen, wütend!“
„Aber…“
„Mir ist gerade eingefallen, wo meine Schuhe sind.“
„Und, wo?“
„Ich habe sie letzte Woche beim Shoppen mit Barbara zu ihren Einkäufen gesteckt, weil ich die neuen Schuhe gleich angelassen habe.“

Doris Mock-Kamm

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Spiegel

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Schau in den Spiegel, zier Dich nicht,
Glas kann nichts offenbaren.
Es zeigt Dir höchstens ein Gesicht,
wie Du es kennst seit Jahren.

Muttermale, Narben wirst Du seh’n,
kaum Glanz in Deinem Augenlicht.
Das Haar, es scheint Dir auszugeh’n
und Deine Lippen lächeln nicht.

Dich wegzudreh’n, nun laß das bleiben,
dies Spiegelglas wird sich verwandeln.
Kann Dir Vergangenes und Zukunft zeigen,
und so Du willst, auch Mut zum Handeln.

Hör und sieh den Spiegel lachen,
Ihr Blondschopf ist im Bild zu seh’n.
Und um die ernste Mutter nachzumachen,
muß sie noch auf Zehenspitzen steh’n.

Schau nochmal hin, im Hintergrund, genau,
halt ich mich wohl verborgen.
Freu‘ mich an der Schönheit einer Frau,
die Ihre Liebe zeigt. Bis morgen.

Peter Petereit

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Gesellschaft im Zwiespalt ihres Wertezerfalls

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Scheinwelt der Superlative fördert mehr Mißstände

Erneut ein Spätnachmittag mit trüben Aussichten, sie finden sich gelangweilt ein. Wütende Blicke kreisen suchend umher, um spontan ein Opfer eventuell noch zu finden, welches somit für ein bißchen Abwechslung sorgen könnte. Zu dumm, daß just in diesem Moment ein gerade mal 10-Jähriger allein des Weges kommt.

Schnell sieht dieser sich von einer Horde Halbstarker umstellt, wissend, was ihm bevorstehen mag, versucht zwar nahezu ohnmächtig, aber chancenlos hasenhakenschlagend zu entfliehen. Doch die Übermacht der aggressiven Jugend schnappt ihn im letzten Augenblick. Gruppenhaß auf alles und jeden eine Option, weil keine Perspektiven für die Jugend vorhanden?

Eine knallharte Wirtschaft diktiert den Kurs

In sämtlichen Gesellschaftsschichten hat längst die Formulierung vom Zerfall der Werte selbst die entferntesten Winkel erreicht, mag bei dem ein oder anderen vielleicht gewisse Sorgenfalten hervorrufen, die sogar gedankenmachend etwas ändern könnten, wenn da nicht ganz gezielte, bewußt installierte Vorgaben den gesamtgesellschaftlichen Konsens beeinflussen und somit prägen, sich diesem unterzuordnen.

Gefangen im Netz des Konsumglamours in einer zunehmenden Welt der Gleichgültigkeit? In der kaum Spielraum vorhanden, einmal gelassen durchzuatmen, sich zurück zu lehnen, um in Ruhe einen Überblick zu erhalten ob so mancher Mißstände? Nein, es darf nicht sein, was sein könnte, den Menschen eine Möglichkeit und daher die Hoffnung zu gönnen, aus der Tretmühle bestimmter Zwänge zu gelangen. Eine knallhart kalkulierte Wirtschaft diktiert herzlos ihren Kurs, dem sich alle unterordnen müssen, wollen sie nicht existenziell scheitern.

Derjenige, der sich auflehnt, rebelliert, erhält sofortigst die Quittung, wird unfreiwillig auf die soziale Rutsche gesetzt, befindet sich im Abseits, chancenlos und darf höchstens einen Hoffnungsschimmer aufglimmen lassen, wenn halbwegs humane Vertreter in den zuständigen Behörden ihnen im Rahmen der übriggelassenen Möglichkeiten einen Spielraum einer winzigen Chance überlassen. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Weise Entscheidungen treffen zu einem friedlicheren Miteinander

Im Grunde genommen kann der Run auf den ewigen Erfolg eigentlich nur verlorengehen, weil es genauso sinnlos wäre, wenn man nonstop das Glück einfordern würde, was niemals in dieser Form vorhanden. In einer Scheinwelt der Superlative unterscheiden viele zwischen Winner und Loser. Aber was geschieht dazwischen? Dort tummeln sich all jene, die ständig dem Erfolg hinterher hecheln oder aber im Begriff sind, sich aufzugeben, während eine breite Masse unkritisch Selbstzufriedener von den Mißständen entweder gar nichts mitbekommt oder lieber betreten wegschaut.

Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die genau dieses Prozedere längst durchschaut haben und eben nicht mehr diesem Diktat folgen wollen. Einige sind ausgestiegen, suchen das Weite oder tun sich trotzig zusammen, erschaffen sich Oasen der Unabhängigkeit fernab des Mainstreams. Andere wiederum fügen sich in ihrem Schicksal, resignierend und somit aus Frust zunehmend gewaltbereit sich ein Ventil suchend. Erdenken Sie sich das Ende des oben beschriebenen Konflikts. Ob zusammengetreten liegen gelassen oder aufgrund eines glücklichen Umstandes der Junge gerade noch entkommen konnte, tatsächlich allerorten eine erhebliche Gewaltzunahme zu beobachten ist.

Wir sollten solche Zustände nicht tatenlos dulden, sondern dieser Entwicklung mutig und ideenreich entgegentreten, um den Verursachern die Möglichkeiten ihres schädlichen Handelns aufzuzeigen bzw. sie zu nehmen. Das nennt man politische Verantwortung tragen, die wir alle uns gegenseitig schulden. Beachten wir sämtliche Umstände und treffen weise Entscheidungen zu einem friedlicheren Miteinander, bevor Gewalt zügellos sich stets neue Opfer sucht!

„Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.“ (Mark Twain)

Illusionen aber sind manchmal trügerische Ratgeber, wenn wir nicht in der Lage, sie verinnerlicht umzusetzen, sie gar mit anderen zu teilen. Beste Voraussetzung: reinen Herzens sein!

Lotar Martin Kamm

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Kohlenhändler Onkel Heinzel

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Er hatte mir versprochen, die Eisenbahn zu kaufen, die bei Hochmeyers im Schaufenster stand, mit Tender und zwei Waggons. Wir, Mutter und ich, haben ihn zum Bahnhof gebracht, da hat er so viel gelacht, Mutter immer wieder in den Arm genommen vor allen Leuten, mir über den Kopf gestrichen, mir zugezwinkert, verschwörerisch, denn Mutter durfte nichts erfahren von der Eisenbahn, das war abgemacht. Auf dem Heimweg hat sie nur geweint, leise, aber ich habe es an den Augen gesehen, und ich wollte ihr sagen, er kommt doch zurück, er kauft mir die Eisenbahn, das ist fest versprochen. Vatern kam nie mehr zurück, nichts von ihm kam jemals zurück. Zurück blieben ich, Mutter und Elsi, die hat Mutter irgendwann mitgebracht.

Ich war bei Heinzels, ein Stockwerk unter uns, durfte dort sogar in der Stube spielen, dann kam Mutter und hat mir Elsi gezeigt und gesagt, das ist deine Schwester. Blond war sie, und Mutter Heinzel wollte sie fast nicht mehr Mutter wiedergeben. Und ab da durfte ich jeden Tag zu Mutter Heinzel mit Elsi, denn Mutter ging wieder auf Arbeit. Sie konnte gut rechnen, und wir sollten nicht hungern. Onkel Heinzel hatte nur ein Bein, er hat Kohlen verkauft und konnte schlecht schlafen.

Manchmal denke ich, ohne Onkel Heinzel wäre ich nie Maler geworden, die ersten Male, als ich alleine runter durfte, um ihm sein Essen zu bringen, da hat er mir einen Schrecken eingejagt. Sein Gesicht, seine Hände waren schwarz und er hat nicht freundlich geguckt. Wenn Mutter uns zu spät abholte, weil sie manchmal mehr arbeiten mußte und er zum Abendessen kam, sah er stets wie frisch gebadet aus. Mutter Heinzel erlaubte ihm ansonsten nicht, die Wohnung zu betreten, er mußte sich unten waschen und umziehen, bevor er in ihre Küche durfte. Und bei ihr hat er auch gelacht.

Unten zwischen den Kohlen auf der linken Seite und den Briketts, fein gestapelt auf der rechten Seite war Onkel Heinzel ein anderer Mensch, er hat seine „Handlanger“, aber irgendwie waren sie eher seine Freunde, angeschrien, aber mit ihnen auch ein Bier getrunken unter der Lampe, die über einer Art Theke hing. Dahinter saß er meistens und dirigierte und herrschte über seine Kohlen. Karle und Ernst, seine Arbeiter, nahmen es ihm nicht übel, hier unten waren auch sie schwarz und verdreckt, und sie waren froh bei Onkel Heinzel arbeiten zu können, sie mußten nie frieren.

Als ich verstand, daß Onkel Heinzel trotz des harschen Tons auch hier unten ein Lieber war, bin ich erst heimlich, dann immer öfter unter einem Vorwand bei ihm unten geblieben. Ich saß auf einer Kiste neben der Theke und der Glühbirne, die von oben herunterhing, und ab und zu flackerte das Licht. Die Kohle zeichnete auf seinem Gesicht immer wieder neue Gesichter, mal wirkte er unter der Lampe mager, mal dick, mal lustig, mal gefährlich. Und ich fing an, auf altem Zeitungspapier mit Kohleresten ihn abzuzeichnen. Die kleinen Stückchen der Eierkohle waren gut geeignet zum Verschmieren und die kleinen Brikettstücken für die Umrisse. Bis ich dies aber zu einer gewissen Perfektion gebracht habe, vergingen Wochen oder Monate, das weiß ich nicht mehr so genau.

Irgendwann erfreuten sich die Kunden, wenn sie ihre einzelnen Brikettstücke in von mir bemaltem Zeitungspapier gewickelt bekamen. Und manchmal gab es dafür sogar ein Einpfennigstück. Denn ich zeichnete nicht nur Onkel Heinzel, sondern auch die Eisenbahn, die bei Hochmeyers im Schaufenster stand, und für Elsi Puppen, für Mutter Hüte und für Mutter Heinzel ganze Zeitungsbögen voll mit Obst, Gemüse, weil sie so gern kochte. Frau Baisel schenkte mir Papier, richtiges Papier, und sie überredete Mutter, daß ich bei dem Kunstlehrer Friedrichsen unterrichtet werden sollte. Ab da durfte ich jeden Donnerstag nachmittag für zwei Stunden zu Friedrichsen in den Zeichenunterricht. Und als ich in die Schule kam, war ich bereits in sämtliche Techniken des Zeichnens eingeweiht und durfte sogar schon einige Farben für Friedrichsen herstellen.

Onkel Heinzel starb, bevor ich richtig mit Farben malen konnte, er ist einfach morgens tot im Bett gelegen. Ich bin Maler geworden, ziemlich erfolgreich, aber niemand bekommt von mir ein gezeichnetes Portrait, diese Kunst bewahre ich mir für Onkel Heinzel, und obwohl ich ihn aus dem Gedächtnis nur mit Kohle zeichne, ist er auf jeder Zeichnung mit der ganzen Vielfalt der Farbnuancen des Lebens zu erkennen.

Doris Mock-Kamm

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Ernährung: Kennzeichnung bei Säften hintergeht Veganer

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Lebensmittellobby mogelt mit tierischer Gelatine

Was interessiert schon das Geschwätz einiger Kunden, und seien es ein paar wenige Veganer oder Vegetarier? Genauso könnten jene sich betroffen fühlen, betrachtet man das Vorgehen der Lebensmittellobby, die mit eingesetzter tierischer Gelatine mogelt.

Daß der Etikettenschwindel nach wie vor an der Tagesordnung, berichteten wir im Dezember des letzten Jahres, die Lebensmittelindustrie hat dermaßen viele Mittel und Wege sowie Schlichen, allesamt nahezu vollkommen legal, um eigentlich wichtige Informationen dem Verbraucher vorzuenthalten. Daher nicht weiter verwunderlich, wenn die Kennzeichnung bei Säften Veganer hintergeht, die Kritik seitens foodwatch mit dem Titel „Ein Schweinchen namens Saft“ unverblümt direkt anklingt.

Die Thematik kursiert schon länger in der Öffentlichkeit

Bereits vor über vier Jahren wies Annette Niemeyer beim Ratgeber des NDR mit der Frage „Stecken tierische Reststoffe im Apfelsaft?“ auf die Thematik hin. Gleichwohl den längst bekannten widerwärtigen Umstand, daß Gelatine als Gelier- und Verdickungsmittel in Süß- und Backwaren, Joghurts oder generell in Milchprodukten steckt. Schlimm genug für all jene, die sich vegetarisch ernähren.

Mit diesem Wissen kann man ja entsprechend wachsam vorsorgen, um solche Produkte zu meiden. Gesagt, getan, Vegetarier und Veganer verinnerlichten, wenn auch murrend, das dreiste Verhalten der Lebensmittelindustrie. Zwar haben manche Hersteller auf den Gebrauch von Gelatine verzichtet, griffen auf durchaus mögliche Ersatzstoffe zurück, wie Frau Niemeyer im Artikel erläuterte, aber in vielen Produkten schlummert nach wie vor Gelatine, eine exakte Kennzeichnung bleibt die Lebensmittellobby ihren Kunden schuldig.

Bio-Branche mutet Veganern gelatinegeklärte Säfte zu – Chancen der Vermeidung?

Wer jetzt glaubt, die Bio-Branche handle sensibler, der irrt sich gewaltig. Auch dort kommt die Klärung mittels Gelatine zum Einsatz. Dabei spielt die Fruchtsaftverordnung eine entscheidende Rolle. In dieser sind Klärungs- und Schönheitsverfahren ausdrücklich erlaubt, obendrein eben nicht kennzeichnungspflichtig. Man könnte überspitzt annehmen, daß auch hierbei die Fleischindustrie einen erheblichen Anteil an politischen Entscheidungen mitträgt.

Um ganz sicher gehen zu können, eben keine tierische Restrückstände in Lebensmitteln vorzufinden, dem sei diese Info empfohlen, in der die Labels der veganen Logos beschrieben werden, welche somit vertrauenswürdig genug den interessierten Verbraucher schützen mögen.

Lotar Martin Kamm

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Wenn der Vorhang sich kaum bewegt

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Der Vorhang bewegt sich unmerklich,
das ist der Moment, es ist unsäglich,
da steht sie wieder am Fenster
traurig zugleich und finster.

Sie bewegt sich kaum
in ihrem kleinen Raum,
ihre Anwesenheit, das Warten
wird nur spürbar durch ihren Atem.

Vor Wochen verlor sie die Sprache,
ihr Hund wurde geklaut auf offener Straße.
Von hinten wurde sie angegriffen,
die Tasche mit Samson weggerissen.

Der kleine Chihuahua gab ihr Halt,
damit sie sich nicht verlor im Wald
von Erinnerungen, Gedanken,
die nach einem langen Leben den Geist umranken.

Samson nahm sie mit in sein Erleben,
frech, tollpatschig, ruhelos sein Streben.
Er gab ihr Liebe, sie Fürsorge, ein Heim,
sie waren ausgelassen, mutig, nicht allein.

Ihre Atemluft strömt so schwach,
kaum der Vorhang spürt das Naß.
Und ich, ich werd mich nie mehr aufregen,
wenn sie beide am offenen Fenster zu mir rübersehen.

Nafia

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