Du hast mir die Augen geöffnet, Milli

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Das Datum weiß ich noch sehr genau, es war der 17.7.1969, denn am Tag zuvor hatte ich meinen 21. Geburtstag gefeiert. Dad und Onkel Will waren Tage davor so aufgeregt, so beinahe unausstehlich wie der Geruch von verfaultem Fisch, zu allem Übel hatten sie Mam nicht eingeweiht, deshalb war sie in diesen Tagen ständig mieser Laune, so daß sie den Tag verflucht hat, der nun mein 21. Geburtstag werden sollte. Sie hatten viel zu organisieren, Mam mit Backen und Kochen, Zimmer herrichten für die Verwandtschaft, die von weiter her extra anreisen wollte. Weiter her, hieß 30 Meilen von uns entfernt, aber schließlich sollten die Großeltern nicht am selben Tag wieder zurückfahren. Dad und Onkel Will taten so geheimnisvoll und verschwörerisch, daß auch ich die letzten Tage ein unbändiges Kribbeln der Vorfreude verspürte, lag doch die Hoffnung in der Luft, ein eigenes Auto endlich mein nennen zu können.

Was soll ich sagen, ich habe mein erstes eigenes Auto bekommen, 250 Dollar, einen Anzug mit tausend Tränen meiner Mutter bestickt. Immer bin ich davon ausgegangen, eines Tages die Autowerkstatt meines Vaters zu übernehmen, schließlich bin ich größtenteils in der Werkstatt aufgewachsen und hatte bis zu diesem Geburtstag meinem Vater geholfen, so daß ich ohne Lug und Trug behaupten konnte, jedes Auto reparieren zu können. Nach dem Willen meiner Eltern hatte da auch nie ein Zweifel bestanden

Meine Urgroßeltern stammten aus Deutschland, sie haben sich hier im Ort niedergelassen und mein Urgroßvater hat eine Zimmerei aufgebaut, erst wohl eher als Nebenjob, aber immerhin hat er es geschafft, eine große Zimmerei mit etlichen Angestellten weiterzuvererben. Nun denn, von diesem Erbe war, als ich geboren wurde, nicht mehr viel übrig, und Dad hatte wie gesagt eine Autowerkstatt, wohingegen Onkel Will sich lieber auf alles stürzte, was zu kaufen und verkaufen war. So kam er irgendwann in den 60igern auf die Idee, mit Versicherungen das große Geschäft zu machen und schaffte es tatsächlich zu einem ansehlichen Wohlstand.

Während ihres feuchtfröhlichen Abends schlug Onkel Will Dad vor, daß ich als cleverer Junge auch das Zeug zu mehr hätte, als in der Autowerkstatt mein Leben zu vergeuden. Und er erinnerte Dad an Erzählungen, nachdem es Sitte sei, in Deutschland nach einer Lehre ein Jahr lang in der weiten Welt sein Glück zu versuchen ohne die Hilfe seiner Eltern, und da dies besser zu bewerkstelligen sei für mich als Versicherungsvertreter und nicht als Autoschrauber, sollte ich, bevor ich die Werkstatt übernehme, mein Verkaufsgeschick beweisen, da man ja irgendwann planen könnte, neben der Werkstatt auch Autos zu verkaufen.

So kam es, daß ich am 17.7.1969 durch eine Kleinstadt fuhr, als mir eine ältere Frau fast vor das Auto gelaufen wäre. Da die Straße kerzengerade durch den Ort führte, muß sie mich gesehen haben, und ich vermutete im Nachhinein, das war reine Absicht von ihr. Jedenfalls waren mir nach dem Schock, sie ging einfach ohne sich umzuwenden weiter, die Knie weich geworden, und ich hielt an einem Restaurant, keine 100 Meter weiter, um mir einen Drink zu gönnen.

„Na, Sie haben wohl schon Kontakt geknüpft und Milli kennengelernt?“
„Ich, nein, aber mir ist eine alte Frau direkt vor das Auto gelaufen, jetzt brauch ich erstmal einen Drink!“
„Sag ich doch, so weiß, wie Sie um die Nase herum aussehen, kann es nur Milli gewesen sein, die Sie getroffen haben.“

Und ich erfuhr, daß Milli, seit ihr Mann bei einem Unfall gestorben war, ihre Kinder verlor sie im 2. Weltkrieg, nur noch das machte, was sie will. Vornehmlich Autofahrer einen Schrecken einjagen, sie sei deswegen auch schon eine Nacht eingesessen, aber Milli sei unerschütterlich. Überhaupt zeige sie seitdem eine ganz andere Seite an ihr, sie beharre darauf, jetzt endlich das tun zu dürfen, das sie jahrelang aus Rücksicht auf ihre Familie, ihren Mann, ihren Kindern und überhaupt wegen so vielem nie habe tun dürfen. So sei sie auch schon beim Stehlen erwischt worden, aber nur einmal, sie wollte einfach nur sehen, wie man sich fühlt, wenn man ertappt wurde.

Nun, ich hatte für heute genug und blieb eine Nacht in der Stadt, auch mit der leisen Hoffnung Milli nochmal zu sehen, damit ich mir ein besseres Bild über diese Frau machen könnte. Auch schien mir diese Kleinstadt ein guter Ort, um mit meinen Versicherungen mein Glück zu versuchen. Und tatsächlich konnte ich am nächsten Tag die ersten Abschlüsse in meiner Mappe stapeln. Aber von Milli keine Spur.

In dem gesamten Jahr, das ich weg von zuhause verbrachte, fiel mir immer wieder das Gesagte zu Milli ein, gerade in Zeiten, in denen ich nicht vom Glück getroffen wurde, Heimweh mich plagte und ich mich auch fragte, mache ich das hier alles für mich oder für Dad oder Onkel Will. Aber das Geld, das mit Versicherungen zu verdienen war, war reizvoll, so daß ich mit Stolz nach einem Jahr Prämien einstecken konnte, um mir damit ein kleines Haus zu kaufen, ohne am Hungertuch nagen zu müssen. Man konnte sagen, ich war angekommen in der Welt der Erwachsenen.

Genau ein Jahr später fuhr ich stolz bei meinem Elternhaus vor. Aber zuvor machte ich Halt in der Kleinstadt, die in meinem Kopf Milli hieß, ich war einfach zu neugierig und hätte es mir selbst übel genommen, nein, heute konnte ich sagen, das Leben hätte einen anderen Menschen aus mir gemacht. Ob es Zufall war oder nicht, als ich vorsichtig und bremsbereit in die Stadt einfuhr, lief sie mir tatsächlich hinter einem Van vorkommend über den Weg. Ich glaube, ich war noch nie so schnell aus einem Auto gesprungen wie damals, durch mein „Hallo Milli!“ blieb sie verdutzt stehen, so daß ich ihr erklären konnte, sie schon einmal getroffen zu haben und sie in das Restaurant an der Ecke einlud. Etwas irritiert musterte sie mich von oben bis unten, aber schließlich überzog ein Lächeln ihr Gesicht und sie grinste: „Der junge Mann, der bleich wie ein Butterteig einen Drink sich genehmigt hat. Ann kann es nicht lassen, ihre Anekdoten vom Restaurant zum Besten zu geben!“

Milli, Mildred, war 70 Jahre alt, genauso alt wie das Jahrhundert und das hätte sie immer dazu veranlaßt, nicht so viel nachzudenken, denn vieles sei einfach offensichtlich gewesen. Wer mußte schon über seinen Geburtstag nachdenken, wenn die Jahreszahl immer der Anzahl der Jahre des Jahrhunderts entsprach. So nahm sie alles hin, die Arbeit bereits in jungen Jahren auf der Farm der Eltern, die Heirat mit John, dem Friseur, die die Eltern eingefädelt hatten. Die Geburten der Kinder, ihre Näharbeiten, weil der Laden zu wenig abwarf, die Untreue ihres Mannes, der es bestens verstand, Frauenherzen zu brechen. Die Schmerzen über den Verlust ihrer beiden Söhne, sie konnte nicht mal diesen Schmerz für sich alleine fühlen, denn so viele Eltern verloren ihre Kinder in dem unsinnigen Krieg. Ihr Leben war nicht ihres, sondern das, das andere von ihr erwarteten, selbst die vergänglichen Jahre des Jahrhunderts zählten ihre Lebensjahre.

Nach dem Tod ihres Mannes wurde ihr bewußt, daß sie selber nicht gelebt hatte, nicht ihr Leben gelebt hatte, sondern das Leben für andere gelebt wurde, und das genau wurde ihr vor Augen geführt, als sie in Trauer über die Hauptstraße ging und fast von einem Lastwagen erfaßt wurde. Das Hupen des Fahrers war für sie wie eine Glocke, die unter der Wucht des Schlegels zersprang und ihr Leben wie aus tausend Splittern vor ihr lag, sie dadurch erkannte, daß das nicht ihre Glocke war, sondern die Glocke, die andere für sie geformt hatten.

So hat sie angefangen sich Bücher zu besorgen, nahm an sämtlichen Kursen teil, die hier in der Stadt angeboten wurden, verweigerte aber, irgendetwas für die wohltätigen Vereine zu geben, sie wollte selbst entscheiden, wer Hilfe benötigte und wer nicht. Sie hat nicht nur tanzen gelernt, sie konnte inzwischen Klavier spielen, tobte mit Kindern auf dem Spielplatz und veranlaßte seither Autofahrer, umsichtiger durch die Straßen zu fahren. Irgendwie sei das für sie zur Bestimmung geworden, Aufmerksamkeit zu erregen, jedenfalls seien die Verkehrsunfälle in der Stadt weniger geworden.

Milli sagte, du bist erst erwachsen, wenn die Glocke deines Uhrwerkes von dir selbst ohne Hilfe wieder zusammengesetzt werden kann und das könne man nur, wenn sie selbst geschmiedet wurde.

Genau dies habe ich seit dem 17. 7. 1970 getan, ich habe kein Haus gekauft, habe nicht die Werkstatt meines Vaters übernommen, habe nicht weiterhin Versicherungen an Menschen verkauft, die sie nicht brauchten, habe nicht das Leben geführt, das Mam, Dad, Onkel Will und andere von mir erwartet haben, ich bin in die Welt gezogen und habe angefangen, an meiner Lebensglocke zu formen.

Mille Grazie, Mildred, mein letztes Kapitel ist dir gewidmet und ich hoffe, ich habe mit meinen Büchern dazu beigetragen, den Menschen den Unterschied zwischen leben und gelebt werden aufzeigen können.

Dear Mildred,

your lips were red,
your eyes were blue,
your ideas were true.

Where ever you are,
your heart beware
how to live
the spirit of love.

Thank you, Milli

Doris Mock-Kamm

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Es geschah vor 40 Jahren (11. bis 17. Oktober 1976)

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Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zu einer weiteren Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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CETA: BVerfG-Ablehnung zum Eilantrag war voraussehbar

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Schlappe für Gegner und Erfolg für Gabriel?

Alles bleibt offen, nichts wirklich entschieden, weil das Hauptverfahren noch anhängig? Leider muß man die Frage zum Teil verneinen. Zunächst hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gestern die eingebrachten Eilanträge zum Stop des Handelsabkommen CETA abgelehnt, die Richter sollen das mal genauer prüfen.

Etwa eine Schlappe für die Gegner und ein Erfolg für den Vizekanzler Sigmar Gabriel, der unter allen Umständen sein Gesicht wahren will, somit am 27. Oktober beim EU-Kanada-Gipfel in Brüssel das Abkommen unterzeichnet werden kann? Die Freude des Wirtschhaftsministers mag nunmehr groß sein, tatsächlich stellt die Reaktion der Bundesverfassungsrichter eine schallende Ohrfeige an die Arbeit der Bundesregierung dar, da mehrere offene Kritikpunkte angemahnt wurden, das BVerfG sich daher im Hauptverfahren entscheiden wird. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten?

Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten

Nach einem langen Weg der Widerstände, der dennoch längst nicht beendet, blieb der finale Showdown per Klage vorm BVerfG gestern zunächst aus, damit die Beteiligten in Brüssel ihr Gesicht bewahren mögen. Katja Kipping twitterte nach der Urteilsverkündung, man nenne das dann wohl Klassenjustiz, das BVerfG billige CETA und mache sich zum Handlanger der GroKo und Großkonzerne. Recht hat sie.

Thilo Bode von foodwatch betitelt seinen Erlebnisbericht mit den Worten: „Wir haben vieles erreicht, wenn auch nicht alles“, um an dessen Ende seinen weiteren Einsatz zu betonen, sowohl CETA als auch das TTIP zu verhindern. Während Gabriel tönte, er werde die drei Auflagen natürlich erfüllen, bezweifelte genau das Sahra Wagenknecht angesichts der relativ kurzen Frist bis zur geplanten Entscheidung im Rat.

Im Essay der Süddeutschen geht gar Marc Beise davon aus, es gäbe noch Chancen für ein solches Abkommen, wie in der Überschrift angekündigt: So lassen sich Gegner und Befürworter von Freihandelsabkommen versöhnen.

Ende gut, alles gut?

Das Vertrauen in die Demokratie bleibt erschüttert, zumal Geheimverhandlungen erst recht Anlaß genug sein sollten, daß viele Menschen ihre Stimme erheben, protestieren und sich somit zur Wehr setzen. Die einen sprechen von einem erfolgreichen Zeichen wie Campact, Mehr Demokratie e.V., andere wiederum bleiben skeptisch, alldieweil die Macht der Konzerne sich bisherig in weiten Teilen durchsetzen konnte.

Deshalb in Pessimismus zu verfallen, wäre dennoch fatal, ließe die Befürworter des CETA und all der anderen noch bevorstehenden Abkommen wie das TTIP, TiSA frohlocken. Ganz so einfach sollte man es ihnen nicht machen.

„In der modernen Geschäftswelt ist es nutzlos, ein kreativer Denker zu sein, wenn man das, was man erschaffen hat, nicht auch verkaufen kann.“ (David Ogilvy)

Stimmt. Aber ich sage: „Wenn die moderne Geschäftswelt am Ende feststellen muß, daß viel Geld Reichtum, Macht und Ausbeutung bedeuten, letztendlich sie daher daran scheitert, wird der kreative Denker dann besonders wertvoll mit viel mehr Achtung behandelt.“

Lotar Martin Kamm

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Sekt oder Sekte – der Unterschied währt gar nicht so groß

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Weder süße Verheißung noch Bereicherung

Es gibt wohl wenige Menschen, die ihn nicht mindestens einmal im Leben gekostet haben, den Sekt. Zu fast allen Anlässen wird er serviert, gerne in Verbindung mit Orangensaft, bei Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Vernissagen, Hochzeiten, Empfängen und sicher gibt es noch eine ganze lange Reihe von Begebenheiten, bei denen der Sekt kühl gestellt wartet, in die schlanken Stielgläser gefüllt zu werden.

Menschen, die unter dem sogenannten „niedrigen Blutdruck“ leiden, lassen ihn sich gerne schmecken, verleiht er doch ziemlich schnell einen Schub Energie. Apropos Energie, Traubenzucker verhilft hier ebenso schnell und zuverlässig.

Aber bleiben wir bei dem süßlich, herben Getränk, das sich so vorzüglich dafür eignet, um bei so manchen „steifen“ Festen von vorneherein eine „lockere“ Stimmung erzeugen kann, wie anders wäre es möglich, ihn so oft kredenzt zu bekommen.

Sekt, übernommen aus dem französischen vin sec, italienisch vino secco, süßer schwerer aus Trockenbeeren gekelterter Wein, wobei sec für herb und trocken steht. Schampus, Schaumwein und Diplomatenwasser sind Bezeichnungen, bei denen jeder sofort weiß, es handelt sich um Sekt.

Nun gibt es in der Sprache manchmal ähnliche Wörter, die aber einen komplett anderen Hintergrundursprung besitzen, aber dennoch steht manchmal trotzdem einer „geistigen“ Verbindung nichts im Wege.

Und wir können sagen: Es gibt wohl wenige Menschen, die sie in ihr Leben gelassen haben, die Sekte. Zu fast allen Problemen, Sorgen, Ängsten, und sicher gibt es noch eine ganze lange Reihe von Lebensumbrüchen, bei denen Sekten gezielt ihre Hilfe anbieten und aus der „Not einen Segen“ gestalten.

Sekte, spätlateinisch secta, philosophische Lehre, befolgter Grundsatz, Ursprungswort schätzungsweise, sequi, folgen. In der Regel sind sie kleinere Religionsgemeinschaften, Splittergruppen, die meist in radikaler einseitiger Form religiöse, ideologische Werte vertreten, die oftmals den ethischen Grundsätzen einer Gesellschaft widersprechen.

Wer den Sekten verfallen ist, einerlei ob dem alkoholischen Getränk oder den ideologischen Phantasien, wird auf alle Fälle beim Abwenden von den Sekten große, wenn nicht sehr große Probleme bewältigen müssen. Bei beiden Arten der Sekten ist es wie ein Entzug, ein Kampf, teilweise gegen körperliche und geistige Beschwerden.

Wer sich intensiver informieren möchte, es gibt über Sekten und/oder Aussteiger inzwischen eine große Auswahl an Literatur, die sich diesen Themen widmen. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an die Massenselbstmorde in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Hier sei an den Massenselbstmord von über 900 Mitgliedern der „Peoples Temple“ 1978 erinnert und an die „Sonnentempler“, deren Mitglieder sich in den 90iger Jahren getötet haben.

Der verlockenden Genüsse des Sektes, süßlich berauschend, bedient sich derzeit auch die „Identitäre Bewegung“, indem sie ideologische politische Versprechungen mit romantisch verklärten Weltbildern, ähnlich anderer Sekten, anbietet.

Bleibt nur zu hoffen, daß nach der Berauschung an der idealen Zukunft, der versprochenen Harmonisierung in allen Lebens- und Gesellschaftsfragen, dem Verlust der eigenen Identität zum Wohle der Ideologie, noch die Möglichkeit besteht, auf eigenen Füßen den Weg zurückzufinden, denn nach der Süße des Sektes verbleibt ein herber Nachgeschmack, der beiden anlastet, dem Sekt und den Sekten, und bei beiden ein Kontrollverlust des Körpers und des Geistes bedeuten kann.

Doris Mock-Kamm

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Sprachlicher Austausch Herzstück menschlicher Kommunikation

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Mythen und Dialekte folgen ihrem Wesen

Unser blauer Planet offenbart sich vielseitig, bunt und voller Leben, herrlich das gesellige Treiben zu beobachten trotz aller Sorgen. Während in der Tierwelt eindeutig kommunikativer Austausch stattfindet, um den Fortbestand zu sichern, begann der Mensch sich gleich erheblich zu unterscheiden, in dem das Sprechen sich vielseitig entwickelte.

Zu welchem Zeitpunkt der Homo sapiens tatsächlich begonnen haben mag, mittels ersten Lauten eine Form der sprachlichen Kommunikation zu bilden, bleibt mal dahingestellt, die offiziellen Mutmaßungen selbst sind in Frage zu stellen, weil die Wissenschaft ohnehin ganz gewisse Mythen einfach ausblendet, für sie nicht existiert, was wohl nicht sein darf.

Heute geht man von rund 6.500 Sprachen aus, wobei selbstverständlich in dieser Zahl keineswegs die vielen Mundarten vorhanden sind. Mensch zog es schon immer vor, zu sprechen wie ihm der Schnabel gewachsen, frei heraus sich folglich äußert, völlig unbekümmert und eben jeweils unterschiedlich, je nach Landstrich in sich differenzierten Dialekten.

Anglizismen eine sich verselbständigende Übermacht?

Keiner kann wirklich voraussagen, in wie weit sich eine Sprache verändern wird. Wenn wir einen Blick auf die letzten vierzig Jahre werfen, muß man schon eingestehen, daß neben vielen anderen Sprachphänomenen besonders die Anglizismen sich längst im täglichen Gebrauch verselbständigen konnten. Und wer besorgt die Frage stellt, was selbst von der deutschen Sprache noch übrig sein mag, den gilt es zu beruhigen, weil eine derartige Entwicklung nicht stattfindet.

Sicherlich wird jede Sprache als dynamischer, sich stetig wandelnder Prozeß vielen Einflüssen ausgesetzt, aber ihr Kern, ihr riesengroßer Wortschatz mit all ihren grammatikalischen Gesetzmäßigkeiten darf mit Fug und Recht als stabiles Fundament bezeichnet werden. Nein, man muß viel eher wesentlich gezielter dem täglichen Sprachgebrauch folgen, unterscheiden zwischen den Begrifflichkeiten, um somit eine Entwicklung besser abschätzen zu können. Allein schon der Unterschied zwischen Dialekt und Jargon verrät, in wie weit unsere Sprache bestimmte Einflüsse längst als vollkommen selbstverständlich zugelassen hat, ohne sie selbst zu gefährden oder gar verdrängen zu wollen.

Was zeichnet den Jargon eines Menschen aus?

Durchaus seine Herkunft, also sein Elterhaus, seine Vergangenheit, die ihn unter Umständen belasten kann, denken wir z.B. an klare Absagen nach einem Vorstellungsgespräch. Der Jargon, oder auch Slang genannt, verzweigt sich ohne weiteres sehr, allein im Fachjargon gibt es enorme Unterschiede der jeweiligen Berufsgruppen, bei denen angewandte Fachsprachen für den Ungelernten „böhmische Dörfer“ bedeuten.

Ob Netz-Jargon, Knast-Jargon oder Hip-Hop-Jargon, um nur mal drei zu benennen, sie haben alle eines gemeinsam: Sie grenzen sich ganz bewußt ab von der „normalen“ Gesellschaft, schaffen ein gewisses Gefühl der Verbundenheit unter Gleichgesinnten, ähnlich wie eine Schicksalsgemeinschaft. Falls es Forscher tatsächlich ernst meinen sollten, dann schadet bestimmt nicht die Differenzierung zur Vulgärsprache, die mit einem Jargon nichts gemein hat, zumal der sonst landläufig benutzte Begriff für das Kiezdeutsch, nämlich „Kanak Sprak“, ohnehin eine unglücklich, viel eher abwertend provozierende Formulierung darstellt!

Schweigsame Menschen vermögen nach außen verschlossen wirken. Wer in die Tiefen mancher Seele taucht, kann viel ungefragtes entdecken. Ohne Kommunikation verbleiben viele offene Fragen, wofür gar ein langes Menschenleben einige unbeantwortet hinterläßt.

Lotar Martin Kamm

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Vom Erklimmen von Stockwerk zu Stockwerk

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Oder aber ne Etage tiefer fallen?

Es mag für manche Kinder, aber auch für Menschen, die unsere Sprache erlernen, manch Wörter geben, die zu Verwechslungen oder gar zu Kopfschütteln führen können, weil sie oberflächlich betrachtet einfach nicht den Sinn erschließen, warum sie für diesen Ausdruck gewählt wurden.

Zu diesen Wörtern gehören Stockwerk, Obergeschoß, Etage als Beschreibung einer weiteren Raumfläche über einem Gebäude. Nun gibt es die Stockwerke, Obergeschosse, Etagen schon lange als „Baustil“, und somit kann man auch davon ausgehen, daß die Wörter keine neue Erfindung sind, also erst mit dem Zeitalter der Wolkenkratzer in den Sprachgebrauch aufgenommen wurden.

Stockwerk, ein Werk des Stockes? Eher nicht, es ist nicht nur der Stock, der hier zu dem Wort verholfen hat, sondern auch das Verb aufstocken, etwas erhöhen, vergrößern, erweitern. Stock, mittelhochdeutsch stoc, Baumstumpf, Klotz, ursprünglich abgeschlagener Stamm, Ast und ist, wie kann es anders sein, wortverwandt mit stoßen. Allein hier kann man schon gut ersehen, wie alt der Gebrauch des Wortes ist.

Obergeschoß, oben wird geschossen? Auch wohl eher nicht, hier wird aus Schoß, Geschoß formuliert, sonst müßte es heißen Oberschoß, was natürlich offensichtlicher wäre, um die Bedeutung besser zu verstehen. Der Schoß althochdeutsch, scōʒa, mittelhochdeutsch, schōʒ, Kleiderschoß, Mitte des Leibes, beim Sitzen durch die Oberschenkel geformte Vertiefung, ursprünglich aber Ecke, Zipfel, Vorspringendes, verwandt mit schießen, emporragen, hervorspringen, hier zum Vergleich, Geschoß.

Sind Sie noch dabei, auf dem Weg zur nächsten Etage? Etage, aus dem französischen, étage, Rang, Stand, Aufenthalt, übernommen aus dem vulgärlateinischen status, Staat.

Der Staat, spätmittelhochdeutsch, staat, stat, wiederum hat unter anderem die Bedeutung, Stand, Stellung, Stehen, Verfassung, Rang, zu stare, aufhalten wohnen.

Nun sind wir sprachlich in die oberen Stockwerke gelangt und können durch die Rundumsicht besser den Überblick über das Zustandekommen dieser drei Wörter verstehen, oder?

Alle drei Wörter zeigen für sich den Umstand des bau- oder handwerklichen Einflusses zur Begriffszusammenstellung. Der beim Fällen eines Baumes übriggebliebene Baumstumpf erklärt uns die Verwendung für das Stockwerk. Der Schoß, als Vorspringendes, als Emporragendes, Erhöhung den Begriff für Obergeschoß. Der Rang, der Stand, die Stellung erklärt die Etage, das Aufhalten, das Wohnen.

Warum nun der ganze Aufwand über diese drei Wörter? Wenn Sie sinnbildlich gesehen vorhaben, in Ihrem Leben in die oberen Stockwerke, Obergeschosse, Etagen zu steigen, um einen Rundumblick, Überblick auf die geleistete Mühe Ihres Arbeitseinsatzes zu ergattern, so ist es nicht hilfreich, dabei diese Position mit Stöcken zu verteidigen, noch um sich zu schießen, noch auf ein Anrecht zu pochen, diesen Stand erreicht zu haben. Vielmehr sollte Sie die Frage beschäftigen: Beherrsche ich die Kunst des Wägens?

Die Kunst des Wägens ist die Statik, und ohne Berücksichtigung der Statik nützt Ihnen weder Ihr Stand, noch ein Fuchteln mit einem Geschoß, noch das Hantieren mit Stöcken.

Die Statik ist verantwortlich für die Tragfähigkeit Ihrer Leistung beim Bau des Gebäudes, symbolisch aber auch für Ihre Fähigkeit ausgewogen mit Ihrer Umwelt und den Mitmenschen umzugehen, denn ein Nichtbeachten der Ausgeglichenheit in vielen Bereichen des Lebens hat schon viele Baumeister wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht.

Doris Mock-Kamm

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Weltpolitik: Reflektion einer desaströsen Entwicklung

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Jede Zerstörung birgt auch eine Lösung

Schau dich nur in Ruhe um, siehst du nicht all die Veränderung, die längst eingetreten, unser Umfeld entscheidend prägt und belastet? Wahrscheinlich eher nicht, weil so fließend und keineswegs plötzlich, vielmehr eine gewisse Normalität sich eingeschlichen hat. Würde man das Rad der Zeit nur für eine Weile fünf Jahrzehnte zurückdrehen, die damals Lebenden ins heute projizieren, so mancher wäre schnell am Boden zerstört ob all der hiesigen Zustände.

Der Konjunktiv bringt uns allerdings nicht weiter, zumal jedwede Spekulation niemandem dient. Wesentlich hilfreicher vermag jedoch die genaue Beobachtung im Kontext einer nüchternen Analyse die Entwicklung der Weltpolitik aufzeigen, die alles andere als günstig für den Menschen und das gesamte Leben auf Erden verläuft. Trotzdem birgt jede Zerstörung auch eine Lösung, so paradox dies klingen mag.

Wie kann das sein, möchte man ganz spontan nahezu entrüstet erwidern. Wer denn das bisherige Weltgeschehen verinnerlicht, wird vielleicht bemerkt haben, daß trotz all der Kriege Menschen Zeiten des Friedens durchlebten. Oder muß man annehmen, weil bisherig nicht genügend Potential vorhanden, sich durchsetzte, eine flächendeckend weltweite Zerstörung möglich und somit in Kauf zu nehmen ist? Denken wir an Atomwaffen, die längst als Drohkulisse jederzeit zum Einsatz gelangen können. Noch finden derartige Szenarien nicht statt, außer daß die USA zweimal von ihnen bekanntlich in Japan Gebrauch machten.

In einer nicht enden wollenden Gewaltspirale kann sich die Zurückhaltung nunmehr ändern, der alte Kalte Krieg, der noch vor einem Viertel Jahrhundert als beendet galt, hat längst neue Lunte gerochen, die beiden Supermächte stehen sich im Grunde genommen feindseliger gegenüber als jemals zuvor. Obendrein kurz vor einer direkten Auseinandersetzung in einem fremden Land wie Syrien. Eine neue Qualität kriegerischer Strategie, für manche der Start zum Flächenbrand in einen dritten Weltkrieg, der wesentlich schrecklicher verlaufen und enden wird als die beiden vorangegangenen des letzten Jahrhunderts und Jahrtausends.

Wie im Großen, so auch im Kleinen. Die Gewalt zeigt überall ihre bösartige Fratze einer destruktiven Einstellung, die nur Zerstörung kennt, von Liebe keine Spur mehr. Allgegenwärtig stehen sich haßerfüllte Lager gegenüber: Links gegen Rechts, Europäer gegen Flüchtlinge, Politiker gegen ihr Volk, Gläubige gegen Ungläubige, Mackertum gegen Emanzipation, Heteros gegen Schwule und Lesben, Reichtum gegen Armut, Arbeit gegen Arbeitslosigkeit, die Reihe ließ sich bequem fortsetzen. Was soll das? Hat Mensch seinen Auftrag vergessen oder verpennt, der da lautet: Du sollst nicht töten, liebe deinen Nächsten wie dich selber? Vor allem, warum entwickelt sich eine solch blutige Spur wider des Kosmos?

Man könnte behaupten, daß die Gier obsiegt, das nimmersatte Lechzen für das bißchen Reichtum, welches lächerlich angesichts der Tatsache, daß das letzte Hemd ohnehin keine Taschen hat. Das gilt insofern für jeden Menschen. Was muß noch alles geschehen, bis eine vertiefte Umkehr einsetzt, die genau eine solche Entwicklung endlich stoppt?

Politische Entscheidungen lassen sich viel zu sehr von den Vorgaben wirtschaftlicher Einflüsse leiten, die oftmals keine Rücksicht auf menschliche Belange hegen, da der Profit stets nur seine Ziele verfolgt und somit durchsetzt. Frieden soll nicht währen, weil Kreativität eben nicht Stillstand bedeutet. Wenn sie lang genug die Meinungsfreiheit mit Lügen strafen, Ehre für ihre Zwecke mißbrauchen, dann hetzen sie wieder Völker aufeinander.

Lotar Martin Kamm

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