ARD-DeutschlandTrend: Statistik verschleiert viel Verunsicherung

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Merkels erneutes Hoch längst kein Indiz guter Politik

Damit kein Mißverständnis aufkommt, es liegen Welten zwischen dem trögen Gebrülle „Merkel muß weg“ von manch willfährigen Mitläufern der Pegida oder der AfD und einer differenzierten Auseinandersetzung zur deutschen Politik. Denn wenn Frau Merkel ihren Hut nimmt, abdankt und nicht mehr als Kanzlerin regiert, macht ein/e gleichwertige/r ihren/seinen Job. Punkt. Und dann?

In sofern verschleiert die jüngste Statistik vom ARD-DeutschlandTrend viel Verunsicherung, Merkels erneutes Hoch stellt somit kein Indiz guter Politik dar, ganz im Gegenteil, die Befragten scheinen keinen potentiellen Ersatz zu sehen. Ein Armutszeugnis angesichts globalpolitischer Herausforderungen und Probleme.

Umfragen exemplarisch für das Versagen politischer Verantwortung

Die Menschen wollen in Wirklichkeit keinerlei Show oder Umfragetrends, weil tatsächlich handfeste Lösungen Besserung im Alltagsleben ergeben, statt Markt- und Effekthascherei solcher Podien. Dramatisch genug, um mal den Personenkult außer acht zu lassen, daß laut DeutschlandTrend zur Einschätzung der Gefahr durch extremistische Gewalt, die rechtsextreme vor der islamistischen liegt, die linksextreme gar an dritter Stelle. Was bedeutet ein derartiges Ergebnis?

Letztlich ein Widerspruch in sich. Einerseits verdeutlichen Umfragen weiterhin den AfD-Aufwärtstrend auch im Hinblick zur Bundestagswahl, die rechtspopulistische Partei kann sich verbessern, auf der anderen Seite darf man sich ruhig über soviel Unwissen und Ignoranz wundern im Hinblick zur Politik dieser neuen Rechtspartei. Eine politische Verantwortung schaut eigentlich gänzlich anders aus, wie auch Gregor Gysi hier scharfsinnig verdeutlicht. Da haben wohl Medien bisher entweder gepennt, weil sie eben nicht die richtigen Fragen stellen, oder aber mittels Weglassen hofieren sie sogar das Unvermögen der AfD, eine Politik fürs Volk zu gestalten.

Politik selbst zerlegt sich permanent

Was man eindrucksvoll just im US-amerikanischen Wahlkampf beobachten darf. Die beiden Kontrahenten stehen sich in vielem nichts nach, beides bedeutet so oder so den Worst Case, vielleicht hat ja Thomas Gottschalk nicht ganz so Unrecht mit seiner Bemerkung bei „Anne Will“, wenn Trump gewinne, wäre das, wie wenn Dieter Bohlen Nachfolger von Herrn Gauck werden würde.

Apropos Joachim Gauck, laut Umfrage des Forsa-Instituts für den „Stern“ soll dieser fast so beliebt sein wie unser ehemaliger sechster Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Manch einer wird wohl den Kopf schütteln, wie kritiklos inszwischen der mündige Bürger durchs Leben wandelt. Von Weizsäcker hatte wenigstens den Mumm, die verantwortliche Politik scharf anzumahnen, was Gauck eher nicht gelingt.

Lotar Martin Kamm

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Es geschah vor 40 Jahren (04. bis 10. Oktober 1976)

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Wußten Sie was in diesem Zeitraum?

makadomo TV begrüßt Sie recht herzlich zu einer weiteren Sendung „Es geschah vor 40 Jahren“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Für all jene, die Interesse haben, was da im Hintergrund geschieht, bis solch eine Sendung aufgenommen, ein paar Infos zur Technik und Ausstattung:

Die Kulisse stammt noch aus meinen beruflichen Zeiten im Schloßtheater Neuwied, bestehend eine Aneinanderreihung aus zwei Wänden, zwei Portalwänden und einem Sturz mit dahinter gespanntem Stoff, per Klettverschluß befestigt.

Ausgeleuchtet mit zwei alten Scheinwerfern, zum einen einem „Mettmann – 1.000 Watt“, zum anderen einem „Strand Lighting – 650 Watt“, aufgenommen mit einer Samsung Video-Kamera.

Ständig wechselnde Bilder (Skulpturen) von uns an linker, großer Wand.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm und Lotar Martin Kamm

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Blümchenkaffee

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Anstand oder Feigheit bei zuviel Geiz?

Eventuell unterliegt man als junger Mensch eher der Versuchung, nicht die Wahrheit zu sagen, wenn etwas bedenklich oder gar völlig falsch erscheint. Man möchte wahrscheinlich rücksichtsvoll erscheinen oder befürchtet, nicht mehr in den Genuß von Vorteilen zu gelangen.

Kurzum, man trinkt seinen Blümchenkaffee mit der Bemerkung, er sei vorzüglich oder einfach sehr gut. Man trinkt die Brühe und lächelt. Sie wissen nicht mehr, was ein Blümchenkaffee ist? Aber Sie erinnern sich sicher an die netten, blumigen, auch gemusterten Kaffeeservice, die man als Kommunionskind für die Aussteuer oder als Geburtstagsgeschenk überreicht bekommen hat. Hatte man sehr reiche Verwandte, dann bekam man sogar ein ganzes Service, also sechs Tassen, sechs Unterteller, eine Kaffeekanne, Zuckerdose, Milchkännchen. Und unten am Tassenboden war eine Blume, ein Blümchen. Wenn es echtes Meißner Porzellan war, wurde es sichtbar ins Wohnzimmerbuffet drapiert, oftmals so, daß man den Tassenboden sehen konnte.

Der Begriff Blümchenkaffee leitet sich von eben jenen schönen Tässchen ab, sah man durch den frisch eingeschenkten Kaffee hindurch eben jene Blümchen, war es ein Zeichen, daß am Kaffee gespart wurde, und die Hausfrau eventuell zu geizig war, ein paar Bohnen mehr mit aufzubrühen. Dies vor dem Hintergrund, wer denn so eine teure Aussteuer hatte, sollte es nicht nötig haben, am Kaffee zu sparen.

Nun sind die Zeiten des sparsamen Umganges mit Kaffee längst vorbei, und nur noch wenige Menschen werden sich daran erinnern, daß es eine Zeit gab, in der Kaffee einen kleinen oder großen Hauch von Luxus anlastete. Der Ersatzkaffee mit Eicheln und Getreide, oder vielleicht kennt jemand noch den Caro-Kaffee, den konnte man auch aus diesen Blümchentassen serviert bekommen. Kaffee gibt es inzwischen an jeder Ecke, anstatt Kaugummi- und Zigarettenautomaten. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die man heute erhält, sind so mannigfach, daß man bei der Entscheidung, welchen man nun probieren könnte, sicher je nach Geschäft einen Monat bräuchte, um sich durchzukosten.

Aber wieder zurück zum Blümchenkaffee. Da sitzt man nun artig bei dem Nachmittagskaffee und bringt es nicht übers Herz, den angebotenen Kaffee abzulehnen, weil man das Blümchen, sogar wenn man kurzsichtig ist, sieht, bevor man einen Schluck getrunken hat. Ist dies nun Anstand oder ein Zeichen von Feigheit?

Anstand kann es ohne weiteres sein, da man die Gastgeber nicht blamieren möchte, falls noch andere Gäste zugegen sind. Feigheit kann es ohne weiteres sein, da man nicht die Fähigkeit aufbringt, der Wahrheit entsprechend zu monieren, daß der Kaffee aber etwas zu dünn ausgefallen sei. Als junger Mensch steht man öfters vor solchen Entscheidungen, sinnbildlich gesehen.

Wenn man in den ersten Fußstapfen seines Berufes steht und noch nicht „fest im Sattel sitzt“, wird man es tunlichst vermeiden, Dinge beim Namen zu nennen und lieber den „Spülwasserkaffee“ trinken. Das ist auch nicht ein Zeichen von fehlender Persönlichkeit oder Anbiederung, sondern zählt bei jungen Menschen eher noch (hoffentlich) zur Entwicklung. Anders sieht es aus, wenn Erwachsene sich nicht äußern und den Blümchenkaffee ohne Kommentar schlürfen. Dies zeigt eher ein Fehlen der Persönlichkeit und ist oftmals ein Anbiedern, um damit gewisse Vorteile zu erzielen, denn er kann ohne weiteres wissen, daß sich auf dem Boden der Tasse nur ein gemaltes Bildchen befindet, keine echte duftende Blume.

Neuerdings kann man allerdings feststellen, daß eine zunehmend größere Anzahl Erwachsener dieses Wissen nicht nützen, denn sie trinken „das Spülwasser“, das ihnen von neuen politischen Parteien vorgesetzt wird, ohne mit der Wimper zu zucken und erfreuen sich sogar noch daran, vor dem Kosten schon einen Blick auf die vorgegaukelte, schöne blühende Welt zu erhaschen.

Doris Mock-Kamm

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CITES-Konferenz: Elefanten und Löwen weiterhin betroffen

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17. Konferenz in Johannesburg – Freud und Leid liegen dicht beieinander

Gestern ging die 17. Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES, in der die 181 Mitgliedsstaaten seit dem 24. September über gefährdete Tier- und Pflanzenarten verhandelten, zu Ende. Die Ergebnisse können sich durchaus zeigen lassen, sind somit insgesamt betrachtet als positiv zu bewerten.

Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid, beides liegt dicht beieinander, so auch in den Beschlüssen und Empfehlungen dieser Konferenz. Dabei spielten gerade die eingerichteten Schutzkategorien, die Anhänge I bis III eine besondere Rolle. Jedoch verpaßten die Teilnehmer die Durchsetzung und somit erhoffte Hochstufung der Elefanten und Löwen auf Anhang I, so daß man sie als die Verlierer bezeichnen muß, sie weiterhin betroffen sind.

Etliche Tierarten erhalten mehr Schutzstatus

Obwohl Kanada versucht hatte, beim Wanderfalken die verhängte Anhangstufe I wieder auf II herabstufen zu lassen, widersprachen die Teilnehmer und stimmten per eindeutigem „Nein“ ab. Endlich griff auch der höhere Schutz betroffener Schuppen- und Tannenzapfentiere, die gern häufig illegal gehandelt werden, um letztlich der tradionellen chinesischen Medizin zu dienen. Die Mitglieder entschieden sich für den Anhang I.

Der Antrag von Swasiland doch den Handel mit Rhinozeros-Horn erneut zuzulassen, wurde vereitelt, so daß die letzten betroffenen 30.000 Nashörner zumindest per Beschluß auf dem Papier einen höheren Schutz erhielten. Die Praxis wird aufzeigen, in wie weit vor Ort dieser gewährleistet werden kann.

Der internationale Handel mit Graupapageien darf nunmehr nicht mehr stattfinden. Auch der Plünderung der Weltmeere wurde ein Riegel bei Seiden- und Fuchshaien sowie dem Teufelsrochen vorgeschoben, diese genießen jetzt einen höheren Schutz per strengere Handelskontrollen. Ebenso der Berberaffe, unterschiedliche Chamäleon-und Gecko-Arten sowie der kaukasische Steinbock erhielten einen verbesserten Schutzstatus.

Elefanten und Löwen auf der Schattenseite

Verstehen muß man dies keineswegs, eher sollte Verwunderung in berechtigte Wut und Enttäuschung münden. Gerade beim Elfenbeinhandel scheinen die Interessen des weißen Goldes weiterhin zu dominieren, solche gewinnträchtigen Geschäfte läßt man sich nicht entgehen, dem illegalen Elfenbeinhandel wird angesichts derartiger Unentschlossenheit Vorschub geleistet.

Zwar erfolgte ein klares Nein zu den Anträgen von Namibia und Zimbabwe, den Elfenbeinhandel wieder aufblühen lassen zu dürfen, es verbleibt dennoch der miese Beigeschmack, weil die Heraufstufung auf Anhang I eben nicht erfolgte, wobei die EU gleichwohl sich nicht einsetzte. Die Ausnahme für Südafrika, welches gar gezüchtete Löwen trotz Quotenregelung exportieren darf, muß man nicht nachvollziehen können.

Dies steht im krassen Widerspruch, zumal eine Nachfrage zu deren begehrten Knochen anhält, Löwen ohnehin mit zu den vorm Aussterben bedrohten Tierarten zählen, genauso wie die Restbestände der Elefanten. Vergessen wir bei all dem eines nicht: CITES bedeutet lediglich eine Empfehlung. Ob sich alle daran halten, wird die Zukunft erweisen.

Lotar Martin Kamm

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Hirnwäsche

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„Wir sind das Volk!“
„Komm runter von deiner Wolk!“
„Wieso denn das,
macht doch Spaß,
die Leut aufzumischen.“
„Rechtes Gedankengut auftischen?
Das nennst du gut,
all diese Wut?“

„Na klar doch, es muß raus!“
„Nu mach mal Paus
mit diesem widerlichen Haß,
erzähl mir bloß nicht, dies sei nicht kraß.
Was folgt wohl danach?“
„Ach – lauter Krach!
Wir fühlen uns dabei wohl,
nicht erst seit dem ollen Kohl.“

„Alles nur billige Ausreden,
immer wieder diese angeblichen Fehden,
die keine sind.
Am Ende ganz geschwind,
habt Ihr das erreicht, was niemand will.
Und das ist dann extrem schrill.“
„Mir doch völlig egal,
es gibt eh keine andere Wahl!“

„Von wegen, die hast auch du,
zieh dir bloß nicht an jenen Schuh,
der dich zur rechten Mischpoke lenkt.
Dann werden wieder Menschen gehenkt.
Ist es das, was du echt zuläßt?“
„Alles Gerede, du nur hetzt.
Geht doch um Ehre, Stolz und Vaterland.“
„Sicher nicht, du hast die Lage total verkannt.

Das kehrt unweigerlich zurück in eine Diktatur,
dies will niemand glauben, sieh nur,
wie sie dich bereits für sich wähnen,
da brauchste nicht gelangweilt zu gähnen!“
„Laß mich mal machen,
du wirst lachen, soll endlich mal ordentlich krachen.“
„Nun denn, dann zieh mal weiter
auf deiner diffusen Karriereleiter – das wird heiter!“

Lotar Martin Kamm

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Dresden: Zum Einheitstag trumpft Pegida mit böser Fratze auf

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Rechtsstaat stößt an seine Grenzen – Verharmlosung des Rechtspopulismus fatal

Gleich vorneweg: Mit Unbelehrbaren spricht man nicht, sie wollen nur eines, ihr diffuses Weltbild mit allen Mitteln durchsetzen, nehmen keinerlei Rücksicht, interpretieren ohnehin Menschlichkeit lediglich nach ihren Vorstellungen, fühlen sich in ihrem Narzißmus im Bade einer kritiklosen Menge bestätigt, um im Alltag ihre teilweise giftspritzende Einstellung anderen zuzumuten.

Exakt jene Klientel trat mit hunderten Anhängern unbehelligt zum Einheitstag in Dresden an, so daß eine Pegida mit böser Fratze auftrat, den Behörden fehlte es gegenüber dem rechten Ungeist an Sensibilität, wie Tilman Steffen in der Zeit feststellt. Der Rechtstaat stößt an seine Grenzen, die Verharmlosung des Rechtspopulismus muß man als fatal bezeichnen.

„Merkel muß weg“ – „Haut ab“ – „Volksverräter“ – was bleibt übrig von der Einheit?

In erster Linie ein seit über einem viertel Jahrhundert zusammengewachsenes Deutschland, wo trotz aller Widerstände, die Gräben zwischen Ost und West schienen nahezu unüberwindbar, in einigen Bereichen so manches gelang, obwohl parallel ganz gut abgezockt wurde, bestimmte kriminelle Elemente, manche gar mit scheinbar weißer Weste, bis hinein in Politik und Wirtschaft das ein oder andere Geschäft sich gönnten, während andere wiederum leer ausgingen. Im Osten herrscht vielerorts nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, besonders in der Jugend.

Günstige Aussicht für Rattenfänger, den Unmut für ihre Zwecke zu mißbrauchen? Doch anstatt sich sozialer Belange anzunehmen, ziehen es die Steigbügelhalter einer AfD, die Pegida, vor, beim Tag der Deutschen Einheit aufzutreten, ein Polizist wünscht ihr gar noch einen erfolgreichen Tag. Hinterher bemüht sich die Polizei um Schadensbegrenzung, sie sei ein „Garant für Neutralität“. Daß dem meist nicht so ist, bekamen bisherig die Linksbündnisse gegen Rechts oftmals zu spüren, die Tagesschau präsentiert den Gründer und Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung in Dresden, Professor Hans Vorländer, der zwar ein „gestörtes Verhältnis zur Demokratie“ seitens der aufkommenden Störer zum Einheitsfest bescheinigt, dennoch das laxe Verhalten der politischen Führung und der Polizei speziell in Sachsen nicht anmahnt.

Rechtsextremismus darf sich erneut ungebremst ausbreiten?

Und das ausgerechnet in Deutschland? Wer jetzt noch weiter verharmlost, verschließt ganz offensichtlich die Augen vor einer neuen Welle der Gewaltzunahme. Ein aggressives Gebrülle, erst recht anläßlich eines solchen Tages wie dem Tag der Deutschen Einheit, hat überhaupt nicht das Recht, für sich die Phrase „Wir sind das Volk“ zu beanspruchen! Ganz im Gegenteil, solche Menschen haben gänzlich das Podium einer Diskussion längst verlassen, sie üben sich in ihrem abgrundtiefen Haß, den besonders ausländische Mitbürger immer häufiger zu spüren bekommen.

Obendrein wird der neu entflammte Extremismus ziemlich deutlich, den gerade eine AfD gern zur Schau stellt, wir erinnern uns an das medienwirksame Verhalten seitens Frauke Petry Aiman Mazyek gegenüber, sie verließ das Gesprächstreffen entrüstet. Was im Frühjahr sich ereignete, war nunmehr als Aufforderung gedacht, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime aufzulauern und zu bedrängen. Lutz Bachmann, der Organisator der Pegida, macht jetzt die „Drecksarbeit“, was eine sogenannte seriöse Politik à la AfD sich nicht trauen darf? Wer ohnehin schon wegen Volksverhetzung angeklagt, meint jetzt, noch einen draufsetzen zu können. Überspitzt darf man schon angesichts des Sachsensumpfes die Vermutung formulieren, ob ein Lutz Bachmann davon ausgeht, er würde mit einem harmlosen Gerichtsurteil rechnen.

Müssen wir hier mitten in Europa mit einer erneuten dunklen Zeitepoche rechnen, wo die Mehrheit still wegschaut, während eine Minderheit die Unverfrorenheit besitzt, ihr rechtsextremes Gedankengut auszuleben? Wenn kein beherzter Widerstand folgt, kann durchaus ein derartiges Szenarium sich wiederholen.

Lotar Martin Kamm

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„Wir sind das Volk“ – aggressives Gebrülle entlarvt sich

© Doris Mock-Kamm

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Öffentlich Gesicht zeigen und dem entgegentreten

Um es vorwegzunehmen, manchmal ist es nötig, ganz weit auszuholen, um etwas zu erklären, ähnlich den belehrenden Geschichten, Märchen, Fabeln, Legenden, die durch sinnbildliche Vergleiche oft die Möglichkeiten boten und bieten, Zusammenhänge von Charakteren oder Geschehnissen zu erläutern.

Manche Inhalte dieser Geschichten waren und sind nicht immer alle ernst zu nehmen, dennoch verbarg und verbirgt sich hinter den Aussagen manch Wahres, wenn es aus einer scheinbar undenkbaren Perspektive heraus erzählt wurde. Ob dies auch bei diesem Text sich am Ende ergibt, muß jeder Leser selbst entscheiden.

Die Historie, Weltgeschichte, Geschichtswissenschaft oder veraltet erdichtete Erzählung wurde in früheren Jahrhunderten zum großen Teil mündlich weitergegeben, in den Dörfern oftmals durch fahrende Händler, durch Gaukler und aber auch durch Ausrufer, die Bekanntmachungen der jeweiligen Herren den Untertanen mitgeteilt haben. Viele dieser Weisungen, Erzählungen wurden im weiteren Verlauf verändert, gerne ausgeschmückt mit fürchterlichen Ausführungen oder die tatsächlichen Aussagen waren so unvorstellbar, daß man ihnen keinen Glauben schenken wollte. Nun ist in der kleinsten Lüge stets ein Stückchen Wahrheit und sei es auch nur, daß es sich um einen Ort oder Namen handelt, den es tatsächlich gab oder gibt.

Historie, ursprünglich abgeleitet vom Griechischen historía, lateinisch historia bedeutet Wissen. Wenn wir nun bezogen auf die Überlieferungen, die eventuellen falschen Übersetzungen, die hinzugedichteten Textstellen oder Aussagen, die absichtlichen Ausschmückungen, ob fürchterlich oder verharmlosend, dazunehmen, so können wir das Wissen, das uns zur Historie vorliegt, ohne Bedenken als nicht ausreichend oder höchstens als befriedigend bezeichnen.

Nichtsdestotrotz sind dennoch genügend Zeugnisse vorhanden, die uns einen recht guten Einblick auf die vorherigen Jahrtausende bieten und zwar gerade auch wegen der Unvollkommenheit in den uns vorliegenden Berichten. Wir wären nicht Mensch genug, um nicht selbst zu wissen, wo es eben gemenschelt hat und wo nicht, wo Lügen überhandgenommen haben und wo nicht, wo durch neue Erkenntnisse gewisse Begebenheiten korrigiert und neu definiert wurden und werden.

Spätestens ab Mitte des vorigen Jahrhunderts ist es fast jedem Menschen möglich, durch Hinzunahme verschiedener Aussagen dem Wissen näherzukommen. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, daß bei einer Minderheit, die sich aufplustert wie ein Gockel, um annähernd eine gewisse Art von Größe zu symbolisieren, dieses Wissen durch bewußte Verdrehungen und Phrasen so dargestellt wird, daß sich 90% der Menschheit in völliger Unkenntnis den Tatsachen oder doch zumindest komplett Lügen aufgesessen ist. Diese Minderheit besitzt sogar die Unverfrorenheit, Menschen der Lüge zu bezichtigen, die von ihren Erlebnissen des II. Weltkrieges berichten und nicht nur das, sie berufen sich tatsächlich auf dieselbe Propaganda-Maschinerie, die es geschafft hat, Menschen in Angst und Starre zu versetzen.

Gleichzeitig proklamieren sie Wertevorstellungen, die eher in das 19. Jahrhundert gehören, da sie sich inhaltlich der moralisierenden, herrischen „Oberschicht“ entnommen erscheinen. Es kann nicht angehen, daß eine aufgeklärte Gesellschaft, die es geschafft hat, sich von dem Mief der Scheinmoral, einer diktatorisch agierenden Oberschicht zu befreien, wieder in deren Fänge begibt. Es ist an der Zeit, entschieden dem Aufkommen einer völkisch, patriotischen mit romantisch verklärten Moralvorstellungen entgegenzutreten.

Das Wort Hysterie entstammt ebenfalls dem Griechischen und bedeutet ursprünglich an der Gebärmutter leidend, weil nach Auffassung unserer Altvorderen die Ursache der Hysterie mit krankhaften Vorgängen in der Gebärmutter lag.

Wenn zehn Prozent in Deutschland es schaffen, eine hysterische Menge heraufzubeschwören, die lauthals „Volksverräter“, „wir sind das Volk“ brüllen und jede Gegenargumentation niederschreien, nicht gewillt sind, konstruktiv mitzudenken, sich hinter „Hintermännern“ verstecken, die freiheitliche Gedanken und neue gesellschaftliche Ideen korrumpieren, dann, ja dann sollten die restlichen neunzig Prozent ihre Kräfte aufbringen und mit den Gedanken, mit denen sie schwanger gehen, öffentlich Gesicht zeigen.

Wir dürfen die Historie, das Weltgeschehen nicht dem hysterischen Geist einer auf Lügen aufgebauten besseren Welt überlassen, wir dürfen aber unsere „Schwangerschaft“ für eine bessere Welt gemeinsam erörtern, diskutieren und mit „neuem Geist“ beleben.

Doris Mock-Kamm

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