Den VW-Käfer doch nicht verwettet

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Okay, okay, schön langsam. Wie komm ich denn jetzt auf okay, okay, so lange nicht mehr gehört, gesagt, geschweige denn gedacht! Aus dem Gedächtnis verdammt, weil zu oft angewandt, bei fast jeder Gelegenheit, ob passend oder nicht ausgesprochen, den Leuten auf den Nerv damit gegangen, bis sie selber anfingen, okay, okay zu benützen, egal ob für gebongt, alles erledigt, verstanden, ist schon gut. Ab da war gar nichts mehr gut, es war einfach nur nervend, okay, okay.

Das Ganze ist eine saublöde Idee gewesen, ich konnte mal wieder meinen Mund nicht halten, hätte schon können, wollte nicht, manchmal überrumpelte mich das alte: Hab dich nicht so, das ist doch machbar, das geht doch mit links, da steh ich drüber, und dann steh ich erstmal wieder drunter. Unter meiner eigenen Fuchtel, die mich zu Äußerungen verleitete, die mir geholfen haben, Situationen zu meistern, Respekt zu erlangen, mich abzugrenzen, mich selbst kennenzulernen, wenn ich mit dem Kopf durch die Wand gerannt war. Dachte, ich hätte die Hörner schon längst abgestoßen, aber heute morgen war mir das Gesäusel von Helmuts neuer Freundin einfach zu viel.

Nicht nur, daß sie dauernd wie eine Klette an ihm hing, ihm permanent Honig ums Maul schmierte, indem sie zu allem was er sagte, dachte, zustimmte, bejahte, ihn bestätigte, so als ob sie keinen eigenen Kopf besäße und er, er schien es zu genießen, Dösbaddel, selbst Hajo hat ihn gestern abend flapsig gefragt, als sie die Toilette aufgesucht hatte, um ihre Toilette zu richten, ha ha ha, ob er nicht ein wenig zu blauäugig wär, aber er schien es überhaupt nicht zu bemerken, wie unselbständig sie sich gab, um ihn um den Finger zu wickeln. Sie schien die Art von Frauen zu sein, die anfangs alles, aber auch alles an dem Partner faszinierend finden, bezaubernd alles von ihm Geäußerte sogar noch mit eigenen Gedanken untermalen, und es als eigenes Gedankengut in Anspruch nehmen, sogar die gleiche Gefühlsebene vorgaukeln, bis der Fisch an der Angel sitzt und sie dann schleichend ihre Gedankenwelten und Gefühle indoktrinieren, das Gegenüber selbst nicht mehr erkennt, daß er nur noch ihr Sprachrohr ist und willig zu allem Ja und Amen sagt.

Okay, okay, mochte sein, ich war eifersüchtig, vielleicht auch neidisch, neidisch, nein, vorsichtig, Hajo war schließlich mein Bruder, und er hat eine verdammt harte Zeit hinter sich. Und nein, ums Geld ging’s auch nicht, oder doch? Scheiße! Ne, okay, okay. Dann eben doch lieber okay, okay. Es ging sicher auch ums Geld, bei mir oder bei ihr. Beides. Jetzt stand ich hier oben, der Hang war rutschig, wir haben ausgemacht, keine Telefonate, nur im Notfall, dann aber dreimal hintereinander, einmal hieß alles okay, schon wieder, okay. Okay, okay. Blöder Film, hundertmal angeguckt, um dieses blöde okay, okay zu hören und um uns schlapp zu lachen, okay.

Irmi, Hajo, Helmut und ich waren wie ein Flächenbrand über alle Konventionen hinweg durch dick und dünn gegangen, irgendwie waren wir von Anfang an, als wir uns auf dem ersten gemeinsamen Unifest kennenlernten, nicht mehr zu trennen. Helmut, der gemütliche, gemächliche Stubenhocker hatte bereits vier Semester an der Uni verbracht, aber die meiste Zeit wohl eher hinter seinen Büchern versteckt die Welt beobachtet. Er wollte mir anhand dieser wilden Unifeste zeigen, wie gefährlich so ein Leben für mich werden könnte, wenn ich erstmal in den Tümpel von wilden aufsässigen Losern, die hier an der Uni rumhingen, ins Nichtstunleben abdriften würde, gäbe es für mich keine rosige Zukunft.

Und kaum waren wir auf der Fete, hat er Irmi gesehen, mich vergessen und mich meinem Schicksal überlassen. Hajo hat sich meiner angenommen, er studierte wie Helmut Jura, saß mit ihm in den gleichen Vorlesungen. Irmi war wie ich eher ein Heißsporn, immer fröhlich, unerschütterbar, und wir dachten, wir könnten die Welt in die Knie zwingen.

Irgendwie haben wir das auch geschafft, bis Irmi vor fünf Jahren ihre Eltern bei einem Autounfall verlor, in ein tiefes Loch fiel, sich immer mehr abkapselte und schließlich auf Druck von Helmut einen Psychiater aufsuchte, in der Hoffnung, sie dadurch wenigstens von den Tabletten wieder runter zu bringen, die sie haufenweise schluckte. Er hat sie aber nicht nur von den Tabletten befreit, sondern ihr ihre wahre Befreiung offenbart, sie hat nach einem halben Jahr Therapie die Scheidung eingereicht und lebte jetzt mit ihrem Psychiater in Südfrankreich, beide leiteten dort gemeinsam Seminare, in denen sie die Menschen spirituell von ihren weltlichen Übeln befreiten. Irmi war nicht mehr Irmi, sondern Maybella, die Muse, Gönnerin und geistige Mittlerin zwischen den Welten. Sie hat jeglichen Kontakt zu den Menschen abgebrochen, sogar zu ihren Kindern, die ihr neues Leben in Frage stellten.

Eigentlich war für heute eine Wanderung rund um unseren Urlaubsort geplant, seit Irmis Weggang haben wir uns immer wieder Zeit genommen und mit Helmut einen Wochenendtrip organisiert. Diesmal sollte es nach langer Zeit mal wieder in die Berge gehen, mal wieder wandern, den Kopf frei machen. Helmut hat nach anfänglichen Depressionen über den Verlust und über die Selbstzweifel, die ihn zermarterten, langsam wieder zurück in sein Leben gefunden, hat seine Firma vergrößert, die Kinder waren, wie unsere, sozusagen aus dem Gröbsten und nur noch sporadisch zu Hause. Drei Tage vor der Abreise hat er nun Rita kennengelernt und darauf bestanden, sie mitzunehmen, da sie noch nie in den Bergen war.

Okay, okay, er hat sie extra eingekleidet mit Schuhen, Hose, Jacke, Rucksack und noch anderem Kram, eher für eine Gipfelbesteigung als für eine gemütliche Wanderung rund um die Sehenswürdigkeiten des Hotels. Und heute Morgen nun, es regnete, regnete immer noch, ich war naß bis auf die Knochen, mir war kalt und ich hatte die Orientierung verloren, die blöde Karte half mir kein bißchen, den letzten Wegweiser hatte ich vor einer Stunde gesehen und jetzt ging es hier entweder steil bergab oder ich mußte den ganzen verdammten Weg zurück. Und das alles nur, weil Madame heute morgen sich gesträubt hat, das Hotel zu verlassen und Helmut fast schon überzeugt hätte, daß es auch seine Meinung sei, lieber nochmal in die Federn zu steigen und mittags sich am Swimmingpool des Hotels zu treffen.

Da kam ich auf die glorreiche Idee zu dieser Wette, jeder sollte eine etwa gleich lange Strecke sich aussuchen, und wer zuerst wieder im Hotel ankam, dem würde ich meinen alten VW-Käfer schenken. Okay, okay, größenwahnsinnig, ich weiß. Nicht mal Hajo durfte mit ihm fahren, wenn ich nicht daneben saß, Helmut schon gar nicht, der durfte nur als Beifahrer die Fahrt genießen. Himmelblau, ein Geschenk von Vater zum Uniabschluß und mein absolut wichtigster Besitz. Okay. War ich blöd.

Helmut war als erster an der Rezeption, um sich Karten über die Wanderrouten geben zu lassen. Die nächste Stunde verbrachten wir mit dem Abwägen der möglichen Streckenabschnitte, ob deren Länge und Schwierigkeitsgrade, die sollten, so Hajo, mit berechnet werden. Und ich war so verdammt bescheuert, hatte mir den Weg ausgesucht, der wohl die meisten Höhenunterschiede hat. Der einzige Trost, der mir blieb, war, daß es höchst unwahrscheinlich war, daß Rita sich meinen Käfer unter den Nagel riß, Helmut würde es wohl auch nicht schaffen und Hajo, naja, wenigstens konnte er mir nicht verbieten, mit ihm mitzufahren.

Also Zähne zusammenbeißen und jetzt diesen Hang runter, schön immer seitlich, mit den Armen ausgleichend, nichts überstürzen, erst locker dann fest auftreten, ging doch. Okay, hier war wenigstens noch eine Ahnung von Weg zu sehen, mußte mich wohl rechts halten. Aha, war auf der Straße zum Hotel, schlappe zwei Kilometer, eine Ewigkeit, aber ich hatte nicht um Hilfe gerufen, ich hatte es geschafft, geschafft, meinen Käfer zu opfern und mir eine Grippe einzufangen.

Rita war Vergangenheit, Helmut so gut wie unter der Haube, nicht nur beziehungsmäßig, sondern auch real, denn er verbrachte jede freie Minute in der Werkstatt von Brigitte, und gemeinsam schraubten sie nicht nur an Autos.

Helmut war so nach der Hälfte seiner Strecke übel geworden, also schlich er sich als Verlierer fühlend zurück zum Hotel, die Zimmerschlüssel seien bereits ausgehändigt worden und  fand Rita in der Wanne liegend, unter der Dusche die Wanderklamotten und Schuhe. Die Vorbereitung für einen nassen Eindruck, wenn denn die Zeit in etwa gekommen wäre und wir uns alle wieder im Hotel einfinden würden. Sie war bereits mit einem Taxi zum nächsten Bahnhof gefahren, als Hajo im Hotel ankam und von einem grinsenden Kellner abgefangen wurde, der ihn in die Hotelbar führte zu einem gestikulierenden, dem Redefluß verfallenen Helmut, der jedem die Geschichte von einer triefenden Lady erzählte, die er zwang, in den nassen Klamotten das Zimmer zu verlassen. Sie mußte sich in den Toiletten des Restaurants umziehen und hatte es eilig, mit dem bestellten Taxi das Hotel zu verlassen.

Mein Wetteinsatz wurde mir zugesprochen, da die Wette für ungültig erklärt, und Helmut hat auf der Suche nach einem VW-Käfer, den er sich als Warnung für die nächste Liebelei anschaffen wollte, Brigitte kennengelernt.

Okay, Hajo durfte inzwischen meinen Käfer auch alleine fahren, für mich als Warnung, nicht mehr so übermütig mit meinen Gefühlen und Worten umzugehen.

Doris Mock-Kamm

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Augen

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Spätsommer war’s, die Sonne geizte nicht mit ihren Wärmegaben.
Da schritten wir durch jenen Garten, in dem die vielen Käf’ge steh’n.
Um ein Meer von Blumen, und hundertjährige Bäume anzuseh’n,
und uns an dem, was kreucht und fleucht auf dieser Welt, zu laben.

Die Wege waren lang, verschlungen, und manchmal staubig auch.
Und hin und wieder murmelt leis ein Bächlein durch sein Bett aus Stein.
Doch, nirgendwo an diesem Orte konnte man zu Zweit alleine sein,
seh‘ nur allenthalben Schilder mit Geboten, so’s in uns’rem Lande Brauch.

Irgendwann, umhüllt von Kinderlachen, lauschend fernem Pfau’ngeschrei,
da bist Du einfach steh’n geblieben, Dir jene grauen Riesen anzuseh’n,
die da in ihrer stahlumzäunten Enge wohldressierte Runden dreh’n.
Die Karre Grünzeug und – ein Mensch, mit Haken – der war auch dabei.

Wir standen lange am Geländer vor dem breiten trock’nen Graben.
Hand an Hand, und irgendspäter, dacht‘ ich, es wär Zeit zum Geh’n.
Wand‘ mich Dir zu und mußte feuchtschimmernd‘ Haselnüsse seh’n.
Da erst ging’s mir auf, daß traurige Tiere sehr oft braune Augen haben.

Peter Petereit

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Syrien-Krieg: Die Welt schaut selbstgerecht zu

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Wege aus dem Dilemma?

Eine der sinnlosesten Fragen, „Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn?“, kann man genauso gut bei Kriegen anwenden. Denn Menschen, die dem Leid ausgesetzt, verletzt oder getötet werden, haben gar keine Gelegenheit dazu, solche Fragen zu stellen, es zählt einzig und allein das nackte Überleben. So wie seit über fünf Jahren im Syrien-Krieg, den Wikipedia weiterhin als Bürgerkrieg bezeichnet wie so manche Medien gleichwohl.

Die Welt schaut selbstgerecht zu, wobei etliche Staaten keineswegs unbeteiligt sind, allen voran, wie sollte es auch anders sein, die USA, aber auch seit einiger Zeit logistisch unterstützend die BRD, obwohl anfangs vehementer Protest aufkam per Aufruf, den Syrien-Befehl doch zu verweigern. Seit einem Jahr fühlt sich Russland dazu berufen, ebenso per Militärflugzeuge einzugreifen. Was geschah seitdem, Wege aus dem Dilemma in Sicht?

Aleppo und das tägliche Sterben

Inzwischen sollte deutlich sein, daß die Menschen in der eingeschlossenen Stadt Aleppo hoch oben im Norden Syriens kaum mehr eine Chance haben, seit über vier Jahren stark umkämpft in weiten Teilen zerstört, sie sich nur noch nach Frieden sehnen. Ein Waffenstillstand von vielen, wie der im Mai dieses Jahres, sollte eine kurze Verschnaufpause von 48 Stunden bedeuten, danach tobte der Krieg bis heute heftiger denn je.

Nunmehr hat die Bodenoffensive seitens Syriens Regimeanhänger begonnen, die Zivilbevölkerung in den Rebellengebieten im Osten Aleppos wird am meisten in Mitleidenschaft gezogen, wo ohnehin schon seit Wochen Mangel an Nahrung, medizinischer Versorgung und Trinkwasser anhält. Vor einer Woche richtete Jürgen Todenhöfer einen dringenden Appell an alle Kriegsbeteiligten, somit an den Westen und den Osten, der ungehört verhallte. Was muß noch alles geschehen, bevor endlich dieser Wahnsinn beendet wird?

Die Fronten sind festgefahren

Keine der Weltmächte rückt einen Zoll von ihrem Standpunkt. Während die Zeit berichtete, Putins Russland verbitte sich Kritik des Westens, die UNICEF betont, es gehe um ein Minimum an Menschlichkeit, die russischen Bombardements seien vergleichbar mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs.

Aus russischer Sicht schaut das Ganze anders aus, Syriens Problem liege nicht an Assad, schon gar nicht an Russland. Wer den Beginn dieses Krieges genau beobachtet hat, weiß, in wie weit die USA und deren Verbündete alles daran setzten, den gewählten Präsidenten Assad per Unruhen in Syrien selbst zu stürzen. Das Ukraine-Modell fruchtete allerdings nicht im Nahen Osten, so daß Terrormilizen in Syrien einmarschierten, der Krieg seinen Lauf nahm. Mit der Entscheidung, deutsche Truppen zu involvieren, verdeutlichte die NATO erneut ihren Einfluß, stellt sich schon die Frage, ob in Syrien das Los der Weltgemeinschaft entschieden wird, zum Leidwesen der Zivilbevölkerung Syriens.

Destabilisierung des Nahen Ostens eine strategische Notwendigkeit?

Im Grunde nichts neues, wer denn das perfide Spiel der Rüstungsinteressen verfolgt, wobei die Umzingelung Russlands keineswegs zufällig geschieht, mit einer simplen Verschwörungstheorie man diese offensichtliche Vorgehensweise seitens der NATO und den USA nicht von der Hand weisen kann, es sei denn, man legt sich fest, Russland mal wieder als Erzfeind zu betrachten, wie schon so oft geschehen.

Daß Putin irgendwann mal reagiern muß, liegt auf der Hand. Die aggressive US-Kriegspolitik kann kaum deutlicher dies provozieren und erzwingen. Während die NATO weiterhin stoisch behauptet, ihr Vorgehen diene der Friedenssicherung, sprechen die bisherigen letzten Kriegskonflikte eine nur allzu deutliche Sprache, denken wir an den Irak-, den Ukraine-, Libyen- und Syrienkrieg, derweil zuvor der Afghanistan- und Jugoslawienkrieg die westlichen Bündnispartner richtig aufmischte, sich verstärkt zu beteiligen. Blickt die Menschheit am Ende doch einem dritten Weltkrieg entgegen, der letztlich eigentlich längst begonnen hat?

Dürfen wir dennoch hoffen, wenn jetzt am Wochenende (vom 30. September bis 02. Oktober) der weltgrößte Friedenskongreß des Internationalen Peace Bureaus (IPB) stattfindet, den Reiner Braun leitet, im Interview er vor einer neuen Aufrüstungswelle warnt? Auf alle Fälle, selbst wenn die Aussichten nicht gut ausschauen.

Lotar Martin Kamm

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Was man als Kind so denkt

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‚Kernseife, Mehl, Grieß‘, ganz einfach, vielleicht hat heute Mittag Stefanie mal wieder Zeit zum Spielen, seit sie in die Schule darf, kommt sie fast gar nicht mehr raus. Ich weiß jetzt auch schon, wie man Buchstaben schreibt, A, M, L, und das mit dem großen Strich, aber sie darf nie alleine einkaufen, auch nicht Milch holen, nur an der Hand von Fräulein Margret, die kocht und putzt da und paßt auf Stefanie und Wolfgang auf. Der ist schon groß, kann rechnen und ärgert mich immer, wenn ich nicht weiß, was irgend etwas ist, bald kann ich es auch, nächstes Jahr, dann zeig ich ihm, was ich kann. Er kann dafür noch nicht richtig Fahrradfahren, sein Rad ist neu und blau, hat eine Klingel und richtige Bremsen, sagt er. Ich muß immer ohne sitzen fahren, sonst kann ich nicht treten, das Rad gehört mir auch nicht. Gehört uns allen, haben drei Räder, alle sind mir zu groß, das eine fährt nur Vater.

‚Kernseife, Mehl, Grieß, Kernseife, Mehl‘, Mama sagt immer, die sind arm dran, obwohl die eigene Zimmer haben, Stefanie hat eine Puppe mit richtigem Haar, die darf ich nicht anfassen, höchstens mal die Haare streicheln. Und Wolfgang hat eine Eisenbahn, die fährt, und er hat eine Mütze und die kann im Kreis fahren. Ich bin auch schon mal Zug gefahren, da waren überall Lichter auf den Straßen, und überall in den Geschäften waren Spielsachen, die konnten sogar mit dem Kopf wackeln. Meine Puppe ist kaputt, die Susi Katze hat drauf gemacht, hab sie draußen liegen lassen, Mama konnte sie nicht retten, hat ihr die Haare geschnitten, keine echten, aber am Kopf war auch Kacke, sagt Mama. ‚Mehl, Grieß, Mehl, Grieß.’

Alle essen Kacke, aber das darf ich nicht sagen, Mama wird wütend, und Vater hat mich versohlt, weil ich nichts essen wollte von der Kacke und ihnen das Essen verdorben habe. Der Andrea ist schlecht geworden und Jupp, mein Bruder, hat angefangen zu würgen, was kann ich dafür, wenn die die Kacke aufs Feld bringen, habe es selbst gesehen, auch im Garten. ‚Kernseife, Grieß, Grieß, Kernseife.‘ Ich eß ja auch wieder, auch die Kacke, Mama sagt, die Pflanzen bräuchten die Kacke zum besser Wachsen, und da sei nichts mehr auf dem Essen, weil der Regen alles sauber mache. Doch das stimmt nicht, hab nachgeguckt, da ist immer noch was da, hab im Garten Möhren ausgebuddelt, die Erde hat nach Pipi gerochen. Klaue jetzt keine mehr, aber die Erbsen schmecken sowieso besser und sind eingepackt, Schimpfe hab ich auch gekriegt. ‚Mehl, Grieß, Kernwäsche, Grieß.‘

Die Stefanie hat gesagt, sie spielt nicht mehr mit mir, wenn ich nicht aufhöre, sowas zu sagen. Die darf eh nur sonntags in der Stube essen mit ihrem Papa, und manchmal abends sieht sie ihren Papa auch, manchmal, der arbeitet immer so viel und hat ein Auto. ‚Weißkern, groß, Mehl.‘

„Na, Sibylle, wo gehst du denn hin?“ „Einkaufen.“ „Na, du bist aber schon eine Große! Magst eine Mirabelle haben?“ „Nein, vor dem Essen darf ich nichts essen.“

Frau Braun hat immer so dreckige Hände, die hat mir mal eine Kirsche, als ich klein war, in den Mund gesteckt, da war ein Wurm drin, hab’s aber gewußt und sie ausgespuckt. Von der nehm ich nur noch Bonbons mit Papier, am besten schmecken die mit dem gelben Papier, die verteilt sie immer. Hat keine Kinder mehr, sagt Mama, und ihr Mann tät ihr leid, weil die immer so viel quatscht, und der wird in der Wirtschaft so gut wie gar nicht reden, sagt der Vater, nur immer sein Bier trinken und dann wieder gehen. Das sei ein Griesgrämiger.
„Da, nimm halt ein paar mit für später und deine Geschwister. Ist die Mama am Kochen?“ „Weiß nicht.“

‚Waschweiß, Gram, mehr, groß, Mehrweiß, Kirschkern, Kirschkern, Gram, Maß, Kirschkern, Gram, Maß.‘

Ich soll froh sein, daß ich keine so eine Familie hab, sagt Andrea, die weiß immer so viel, obwohl ich glaub ihr nicht alles, die macht sich immer so groß und gibt an, daß die schon alles versteht. Die sagt, Stefanie und Wolfgang dürften ja nicht so oft wie ich draußen spielen und sich dreckig machen, die müßten immer aufpassen, daß sie schön aussehen, und die Zöpfe von der Stefanie würden am Tag dreimal geflochten, und beim Wolfgang würde das Fräulein Margret am Tag hundertmal über seine Haare streichen, damit die ihm nicht in der Stirn wären, mit Spucke hätte der Wolfgang gesagt, und er mag das nicht, aber seine Mutter hat gesagt, sie würde ihm die Haare abrasieren, weil er oft so wuschige Haare hätt, und da läßt er das Fräulein Margret halt machen. Und die Frau Braun hätte Kinder gehabt, die hätt der Krieg aber nicht mehr nach Hause gelassen, die weiß nicht, wo die sind, und der eine hätte sogar eine Frau gehabt zum Heiraten, doch die ist jetzt weg, die kommt auch nicht mehr, und deshalb würd die jetzt den ganzen Tag im Garten stehen und gucken und mit allen reden und fragen, und verteilt Bonbons, damit ihre Kinder wieder kommen, wenn einer die sieht und denen erzählt, wie viele Bonbons die Mutter schon weggegeben hätte.

Die Andrea meint auch, ich bin doof, weil ich so pingelig wär und allen das Essen vermiesen würd, ich würd selber Erde fressen, nur weil ich mir im Garten mit Stecken ein Haus gebaut hab, und da ist ein Wasserloch, das muß ich immer wieder füllen, weil es immer wieder weg ist, und ich brauch das Wasser doch, um meine Sachen zu waschen, um zu kochen, hab im Haus Schnecken und Käfer, die sollen nicht hungern. Die ist nur neidisch, weil sie nicht mitspielen darf, soll doch mit ihrer Freundin spielen, sowieso weiß ich, daß sie einen Lippenstift versteckt hat, weil die und Elisabeth doch jetzt immer auf Dame spielen, die sind beide so doof. ‚Meer, Gram, Weißkern, Weißkern, Meer, Gram.‘

Mama war letztens richtig wütend auf die, weil die mir den blauen Rock, der mit den vielen Falten, nicht hergeben will, der paßt ihr gar nicht mehr, aber die will den trotzdem haben, für später, und deshalb hab ich einen neuen gekriegt, ohne Falten, mit rot und gelb und Blumen drauf. Da war die so sauer, daß die mich geschlagen hat, nur weil ich ihr die Zunge als Strafe rausgestreckt habe, weil sie nämlich keinen neuen Rock gekriegt hat. Mama sagt, sie soll mich in Ruhe lassen, und ich würd ja auch größer. Ich bin schon groß und kann einkaufen.

„Ah, die Sibylle, was machst du denn hier?“
„Einkaufen.“
„Ja, was sollst du denn mitbringen?“
„Kernweiß, Melk, Gras, äh, Wurstkern, grob, Most.“

Doris Mock-Kamm

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Abfälle recyceln notwendiger denn je

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Müllvermeidung und sinnvolle Aufarbeitung auf dem Vormarsch?

Das Ergebnis dieses weltweiten Lebenswandels kann man ohne weiteres überall beobachten, Müll soweit das Auge reicht. Entweder an Straßenrändern, in der Landschaft oder in Gewerbegebieten, wo er mühsamst in Mülldeponien gesammelt, sortiert, zerkleinert, großflächig vergraben oder verbrannt wird.

Die Umweltbelastung verbleibt, bei zunehmenden Müllbergen ein riesiges Problem. Genau deshalb Abfälle recyceln notwendiger denn je eine Herausforderung darstellt. Müllvermeidung und sinnvolle Aufarbeitung auf dem Vormarsch?

Terracycle und Recyclix – zwei Firmen machen es vor

Vor 15 Jahren hatten Tom Szaky und Jon Beyer eine Idee und gründeten die Firma Terracycle in New Jersey, in dem Bio-Pflanzendünger gewonnen wurde, als Abfälle dienten Essensreste der Kantine der Princeton University. In diesem Interview beschreibt Tom Szaky seine Idee und die Wege, die er mit seiner Firma einschlug, fordert auch andere auf, aktiv zu werden.

Plastikmüll belastet unsere Umwelt ebenso immer mehr, denken wir an die Meere und Flüsse, kein Wunder, daß sich Menschen darüber Sorgen machen. Wer die Folgen einfach ignoriert, dem muß man Kurzsichtigkeit bescheinigen. In Polen wurde die Firma Recyclix ins Leben gerufen, die Plastikmüll wiederverwertet, inzwischen sich gut organisiert expandiert. Dabei nutzt die junge Firma die Möglichkeit, daß Interessierte Müll kaufen können, eine Win-win-Situation für Käufer und Recyclix selbst, was dadurch ihre Investionen besser sichern kann.

Chancen für weniger Umweltbelastung

Die man durchaus somit erkennen mag, wenn denn global auch umgesetzt. Die Menschheit beginnt gerade mal aufzuwachen in Sachen Umweltschutz, selbst wenn schon vor 40 Jahren eine politisch grüne Bewegung sich aufmachte, verantwortliche Politik anzumahnen. Viel zu lang dauerte die Umsetzung, denken wir an den erstmalig im Herzen Europas sich vollziehenden Atomausstieg Deutschlands, an Auflagen an die Wirtschaft, die mühsam greifen, obwohl in etlichen Ländern viel zu halbherzig das Thema Umweltschutz angegangen wird.

Da wartet noch wesentlich mehr Umdenken, obwohl die Zeit bekanntlich rennt, die Zerstörungsgewalt nimmt immer bedenklichere Formen an, ganze Landstriche leiden unübersehbar, von weltweiter toxikologischer Belastung mal ganz abgesehen. In sofern sollte die Bevölkerung selbst daran partizipieren, sich folglich aktiv beteiligen. Das kann jeder bereits im Kleinen. Nicht einfach seinen Müll achtlos auf die Straße, in die Landschaft schmeißen. Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft muß sich unbedingt hinterfragen, in wie weit sie selbst ihr Verhalten ändert. Mit Ignoranz kann es nicht getan sein.

„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“ (Albert Schweitzer)

Deshalb weicht die Natur ständig, während Mensch eine Welt sich schafft, in der Ödnis folgt, am Ende Mutter Erde gänzlich zerstört sein wird.

Lotar Martin Kamm

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Abtauchen in andere Elemente

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Zur Taufe benötigt man nicht immer Wasser

Es gibt, je mehr man ins Landesinnere fährt, weniger Liebhaber, weniger dieser Leidenschaft verfallene, weniger berufsbedingte Taucher. Menschen, die entweder ohne Hilfsmittel oder mit inzwischen immer ausgefeilteren Techniken die manchmal schier bodenlose Unterwasserwelt betreten, erobern, untersuchen. Ein bißchen muß, oder ist es mehr als nur ein bißchen, nicht nur die Anlage, das Talent, sondern auch bei dem ein oder anderen eine gewisse Abenteuerlust vorhanden sein.

Kurz, es ist nicht jedermanns Sache, in die Tiefen von Flüssen, Seen, Meeren zu tauchen. Selbst das Schnorcheln unter der Wasseroberfläche ist für manchen Menschen schon eine Herausforderung, die er entweder irgendwann überwindet oder doch lieber nie in Angriff nimmt. Das Untertauchen selbst bei klarer Sicht des Wassers schreckt viele Menschen ab, in der Welt des Wassers auch dort das phantastische Leben zu erkennen.

Bei der Suche nach dem Ursprungswort, Begriff des Tauchens stößt man auf allerlei verschiedene Urwörter, aber kein Sprachwissenschaftler will sich endgültig auf eine eindeutige Wortherkunft festlegen. Woran das genau liegen mag, dazu fragen Sie bitte die Sprachwissenschaftler. Eigentlich nicht so ganz verständlich, denn tauchen, Tau und taufen haben artverwandte Laute und stehen eng miteinander in Verbindung.

Der Tau, also der Abend- oder Morgentau, die leichte Nässe, die sich auf die Landschaft legt, mittelhochdeutsch, tou, verwandt auch mit Dunst. Taufen, also jemanden das Taufsakrament spenden, oder einfach nur benennen, althochdeutsch, toufan, tief ins Wasser tauchen, untertauchen. Tauchen, althochdeutsch, tûchen, mittelhochdeutsch touchen, steht natürlich für tauchen.

Trotzdem ganz offensichtlich zwischen diesen Wörtern ein Zusammenhang besteht, wird ausdrücklich (gerade bei DWB Trier) darauf hingewiesen, daß es keine gemeinsame Urwurzel gibt, da die germanische Wurzel duk nicht sinnverwandt sei mit taufen, tunken.

Nun, denken wird man trotzdem dürfen und zu dem Schluß kommen, daß das Tauchen und die Taufe, sowie natürlich der Tau, der den Bezug zu Wasser, Dunst liefert, nicht voneinander zu trennen sind. Das Tauchen ermöglicht uns den Aufenthalt in einem anderen Element und vermittelt durch die Schwerelosigkeit ein Gefühl von Freiheit, weniger Belastbarkeit des Körpers. Im übertragenen Sinne auch gleichzeitig eine Reinigung des Körpers. Taufen versinnbildlichen die Aufnahme in eine Gemeinschaft, Gruppierung, das Wasser dient der Reinigung. Ähnliche Aufnahmezeremonien gibt es übrigens in Verbänden, Vereinen, Banden, Bewegungen, die Rituale müssen nicht unbedingt durch das Benetzen mit Wasser vonstatten gehen, sondern unterliegen oftmals anderen Vorschriften, aber selbst hier kann man von einem Übergang in ein anderes Element sprechen.

Wer als Baby oder kleines Kind durch die Taufe in einer Gemeinschaft Aufnahme gefunden hat, wird nur, wenn triftige Gründe vorliegen, diese Gemeinschaft verlassen, manchmal mit großen seelischen Kämpfen. Wenn man sich als Erwachsener für die Mitgliedschaft, das Eintauchen, das Erkunden, das Dazugehören wollen entscheidet, können diesem Entschluß viele Fragen und Überlegungen vorangegangen sein. Wie auch immer, es bleibt ein Wechsel von verschiedenen Lebensweisen, manchmal nur ein Schnorcheln an der Wasseroberfläche, manchmal ein Eintauchen in eine andere neue Welt.

Und jetzt sind wir sprachlich einmal ein wenig frech, stellen den Wörtern tauchen, Taufe und Tau das Wort Integration zur Seite, das die Bedeutung von Einbeziehung, Eingliederung, Aufnahme, Verbundenheit, Zusammenschluß hat und sich aus dem lateinischen Wort integratio, Wiederherstellung eines Ganzen, ableitet und werden feststellen, daß zur Integration auch das Tauchen und die Taufe gehört. Allerdings sollte man vor einer Integration den Menschen das Schwimmen beibringen, das Gefühl im Wasser aufgenommen zu sein ohne unterzugehen, ohne zu ertrinken, dann hat man die beste Aussicht, eine Wiederherstellung eines Ganzen zu erhalten. Denn Integration verlangt nicht nur das Tauchen, die Taufe, die Aufnahme, sondern den beiderseitigen Willen zur Gemeinsamkeit.

Falls Sie jetzt das Gefühl nach abtauchen oder sogar untertauchen haben, weil Ihnen durch dies Geschriebene nach neuen Ufern verlangt, nach neuen Elementen, so genießen Sie oder proben Ihren Entschluß während Ihrer Erwägung doch mit dem Eintunken oder Titschen von Ihrem Nachmittagskuchen in Kaffee oder Milch, denn diese beiden Verben sind auch mit tauchen verwandt.

Doris Mock-Kamm

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Sexismus exemplarisch für jede Gesellschaft

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Je offener und direkter man damit umgeht, desto besser für alle Beteiligten

Erneut ein Fall nicht nur für die Massenmedien, sondern erst recht für jene, die schon immer alles besser gewußt haben. Dabei kann man von zwei grundlegend konträren Meinungen ausgehen: jene, die stets das Deckmäntelchen der Verschwiegenheit drüberstülpen, darunter ebenso die, die jetzt die kuschende Frau an Heim und Herd zurück wollen und die anderen, die am liebsten vor lauter Freizügigkeit hemmungslos überall ihren Trieben frönen möchten.

Eine CDU-Kommunalpolitikerin packt aus, und die geordnete politische Welt steht Kopf? Wobei man sich zurecht fragen muß, warum dies nur in diesem Berufszweig gelten möge. Faktisch sollte man betonen, je offener und direkter man damit umgeht, desto besser für alle Beteiligten.

Heuchelei nicht besonders hilfreich – sie treiben es überall

Früher war alles anders. Meinen Sie? In einem Punkt auf alle Fälle: Es wurde nicht dermaßen offen über Sexismus gesprochen wie nach der Love-and-Peace-Ära, der Befreiung zumindest in der westlichen Welt, was mehr oder weniger global übernommen wurde.

Der Weg zur freizügig-sexualisierten Welt entwickelte sich unaufhaltsam, was insbesondere neben anderen Geschäftszweigen gerade die Werbebranche beflügelte, an jeder Ecke blickte weibliche Nacktheit einem entgegen. Das Verhältnis in Partnerschaften veränderte sich, die Selbstbefreiung der Frau, die Emanzipation verhalf ihr dazu, sich eben nicht ständig gängeln zu lassen.

Doch die Heuchelei konnte nie gänzlich verdrängt werden, nach wie vor sitzt ganz tief in manch Männerseele der unbedingte Wunsch, das stärkere Geschlecht durchsetzen zu wollen. Der Mann verfallen, in die Ecke gedrängt angesichts selbstbewußterer Frauen, denen man es im Gegenzuge erst recht am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit mal so richtig zeigen kann per anzüglicher Sprüche bis hin zu Mobbing oder gar Vergewaltigung?

Jenna Behrends Statement längst überfällig

Wobei sie nicht die erste war, die öffentlich lautstark Stellung bezog, die sexistische „Gesamtstimmung“ anprangerte. Das hat vor ihr Alice Schwarzer längst vollzogen, eine Frauenbewegung par excellence, die sich eben wehrte, daß Frau nur als Objekt der Begierde zu gelten habe. So weit, so richtig.

Schön, wenn Peter Tauber, der Generalsekretär der CDU, einsichtig bemerkt, daß Sexismus nicht nur ein Problem in der Politik sei, vielmehr in der gesamten Gesellschaft. Aber räumen gerade die C-Parteien damit wirklich auf, wo sie doch jahrzehntelang entscheidend mit dazu beitrugen, solche Themen lieber unter den Teppich zu kehren? Man denke dabei an den langen Kampf zum Paragraph 218 im StGB, überhaupt an die Rolle der Frau ganz besonders im Beruf, in den Chefetagen der Firmen.

Das Ganze erhält eine neue Dimension der Auseinandersetzung, wo doch der Rechtspopulismus, allen voran die AfD, die Frau wieder dahin verbannen will, wo sie Jahrhunderte lang verweilen mußte. In sofern darf man gespannt sein, was da noch folgen mag.

Lotar Martin Kamm

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