Kein Frühstück in der WG

https://www.flickr.com/photos/130043117@N03/16626059548/sizes/z/

flickr.com/langlebigkeitsrisiko/ (CC BY-NC 2.0)

Die Sache ist doch die,
so genau weiß ich nie,
wer morgens am Tisch
neben mir sitzt.

Es ist ein Kommen,
Gehen, Kommen.
Heute sehe ich Linda,
morgen ist Till da.

In so einer bunten WG
tut der Abschied nicht weh.
So `ne Wohngemeinschaft
gibt in vielen Dingen Kraft.

Wir können reden Stunden,
Themen schnell gefunden,
jeder kann Weisheit erlangen,
Unwissende aufgefangen.

Man ist keinem was schuldig,
außer ich werd ungeduldig,
weil wieder mal das Essen
kaufen von allen vergessen.

Manchmal wird nachts gekocht,
gebraten, Besuch gab es noch,
jeder hat sich´s schmecken lassen,
wer zuletzt kommt, der…

Kommt man morgens als Erste,
sitzen sie noch erheitert vom Feste
am Frühstückstisch,
und für mich gibt’s nichts.

Da lernt man seine Kräfte kennen,
auf dem Weg zum Dorfe rennen,
ein Kilometer hin und zurück,
das stärkt Muskeln zum Glück.

Die Sache ist doch die,
so genau weiß man nie,
warum das Schlechte
manchmal das Beste.

In der Wohngemeinschaft, nur hier
in der Essensvernichtungsmaschinerie
wird nicht nur das Denken wach,
auch der Körper nicht schwach.

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Gesellschaft: Völlerei und Maßlosigkeit unterstreichen Dekadenz

https://pixabay.com/de/villa-immobilien-haus-luxus-wohn-1209148/

pixabay.com

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft nicht zufällig auseinander

Ganze Hochkulturen scheiterten stets an der sozialen Komponente, in wie weit die Menschen gerecht behandelt wurden, vor allem weil Völlerei und Überreichtum an Maßlosigkeit kaum mehr zu überbieten waren: Denken wir an die Fürstentümer, Grafschaften, den gesamten Adel. Keine Gesellschaft wird auf Dauer friedlich zusammenleben können, wenn die Schere zwischen Arm und Reich kontinuierlich weiter auseinanderklafft.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Man spricht dann gern sehr polemisch zum Ausdruck gebracht von einer Neiddebatte, die wiederum gänzlich ablenken soll von all der Prasserei. Wenn Dekadenz abhebt bei gleichzeitiger Verarmung, braucht es nur noch die lückenlose Aufklärung, was da verkehrt läuft, um dem Einhalt zu gebieten. Doch wer wagt dies tatsächlich?

Braucht es etwa selbstverursachte Finanzkrisen?

Noch vor historisch kurzer Zeit machte der Kolonialismus und der Imperialismus sich die Welt Untertan, allen voran am Effektvollsten die alten europäischen Nationen in ihrem Drang der Eroberung neuer Länder, stets aus wirtschaftlichen Gründen den Reichtum anzuhäufen, um heute den weitgereiften Kapitalismus und seine Alibifunktion fortzusetzen, dem der Globalismus, dessen bösartigster Gehilfe, der Neoliberalismus, zur Seite steht.

Gnadenlos wird ausgeschöpft, was sich zu Geld machen läßt, rücksichtslos ohne jedwede Skrupel der Umwelt, den betroffenen Menschen vor Ort gegenüber, es zählt einzig und allein der Profit. Doch trügt der Schein etwa, das Ende eines Überreichtums, eine daraus resultierende logische Schlußfolgerung? Braucht es eine selbstverursachte Erschöpfung, wenn Finanzkrisen folgen, gar Kriege taktisch inszeniert werden? Ändert sich dadurch etwas an bestehendem Besitzstand, an den alten tiefverwurzelten Herrschaftshäusern, die ihren Habitus über Jahrhunderte anhäuften, entstanden durch Intrigen, pure Ausbeutung bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen?

Wenn Löhne mancher Berufsstände nicht mehr gerecht bezahlt werden

Beim Grübeln über finanzielle Gegensätze kommt man nicht umhin, sich ebenso mit den beruflichen Chancen auseinander zu setzen bzw. deren Entlohnungen, die oft fragwürdig sind. Wer legt fest, wer wieviel verdient und vor allem, warum Berufe so gänzlich unterschiedlich bewertet werden, was deren Leistung anbelangt?

Auf jeden Fall hängt das mit traditionell verflochtener Erwerbstätigkeit zusammen, den historisch entwickelten Berufsständen, denken wir an die Zünfte im Handwerk, an die Gelöbnisse oder Amtseide der Beamten, an die Ordination. Dadurch wurde ebenso die Entlohnung entsprechend festgelegt, die bis heute ihren sogenannten berechtigten Bestand hat. Aber geht es dabei wirklich gerecht zu, wenn ein Altenpfleger nach fünf Jahren je nach Ort rund 2.500 Euro Brutto verdient, ein Elektroingenieur dagegen mehr als das Doppelte? Der Beruf des Altenpflegers unterbewertet wird, obwohl er hart arbeitend alte Menschen pflegt, während der Elektroingenieur zwar Technisches entwickelt, aber dennoch um so viel mehr verdient?

Klar doch, Neiddebatten versickern ganz schnell ins Lächerliche, wenn man dieser Polemik mit deutlichen, unübersehbaren Fakten kontert. Wie kann es sein, daß immer mehr Menschen, besonders selbst in der Mittelschicht unserer Gesellschaft sich ihre Wohnung kaum mehr leisten können, weil die Mieten ins Unermeßliche steigen? Ganz einfach, von Beginn an aufs richtige Pferd setzen, sich für einen lukrativen Beruf entscheiden, oder? Doch wer garantiert, was man heute mühsamst erlernt, oftmals in einem langen Studium, morgen noch ein gefragter, dringend notwendiger Beruf sein wird? Es gibt keine Sicherheit in solch umwälzend sich schnell verändernder technisierter Arbeitswelt!

Prima, wenn dennoch diejenigen sich auf der „Sonnenseite des Lebens“ wähnen, die in sogenannten Car-Lofts leben, mit eingebautem Parkplatz wohnen. Luxus pur für eine bestimmte Klientel in so manchen Städten, die daher keinerlei Ängste hegen, einen Parkplatz in dichtbesiedelten Gegenden suchen zu müssen, keiner schummrigen Tiefgarage sich auszusetzen haben, unabhängig davon, daß die Zahl derer, die sich gar kein Auto mehr leisten können ohnehin zunimmt. Maßlosigkeit obsiegt, Armut die Folge.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Albatrosse im Baumhaus

https://www.flickr.com/photos/anghelescuandrei/16983014819/sizes/z/

flickr.com/ AnghelescuAndrei/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Albatrosse flogen durch den kurzen Traum,
nie einen nah, geschweige denn real gesehen.
Oben im Baumhaus, unmöglich in dem Raum,
gibt es im Schlaf überhaupt was zu verstehen?

Kinderschreie hallen wie Echos durch den Ort,
die Pause wird genutzt für ihren Bewegungsdrang,
wer weiß, vielleicht ist noch nicht Abend dort,
sie spielen Verstecken, Fangen, du bist dran.

Auf den geschwungenen Serpentinen zum Strand
glitzern, funkeln nicht nur der Autos Karosserien,
ein Hund läuft kreuz und quer vom Fels zum Rand,
Glocken lassen an seinem Hals erklingen Melodien.

Drachenschreie zu hören von den Albatrossen,
sie klappern wie Störche, schnattern wie Hühner,
Autos hupen, der Hund nun heult, macht Possen,
Kinder spielen Räuber, Gendarm, Tim ist Anführer.

Das Baumhaus schwankt, es ist eine Hängematte,
der Hund beißt, nagt an einem karierten Pantoffel.
Im dem Meer tummelt sich Frau Lang mit Gatte,
sie vermanschen eine Kartoffel, noch eine Kartoffel.

Albatrosse flogen durch den kurzen Traum,
nie einen nah, geschweige denn real gesehen.
Oben im Baumhaus, unmöglich in dem Raum,
gibt es im Schlaf überhaupt was zu verstehen?

Real ist nur der Traum, Sinnbilder allenthalben,
nichts ist von Bedeutungslosigkeit, nichts zu beweisen,
die Symbolik hinter den Bildern, auch Schwalben
könnten das Bett mit ihren Flugbahnen umkreisen.

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mit dieser hohlen Phrase wirst du bestehen

https://pixabay.com/de/landschaft-h%C3%BCgel-berg-steigung-690990/

Satirischer Rückblick…

Obwohl es ja heißt, durch diese hohle Gasse mußt du gehen. Doch darauf scheißt eine AfD, der ganze rechte Spuk sagt real letztlich zum Humanismus ade, beruft sich auf Lug und Trug der sogenannten „Lügenpresse“, wer ihm nicht folgt, kriegt dann was auf die Fresse!

Sie meinen, die Worte sind fäkalienbehaftet zu hart? Nichts glänzt, zeigt sich im Hauch ganz zart, wird keineswegs immer nur friedlich sein, nein, alles heuchlerischer Schein. Das verhält sich auch so mit gewissen Lobbyisten, die bisherig jeden Anstand vermißten, die Sojabohne mal wieder in Verruf gerät, man hugs flugs Gerüchte sät.

Es ist einfach nur noch zum Kotzen, was wirklich jetzt wirkt, ist dem rechten Diktat zu trotzen, selbst wenn es täglich vielen würgt. Verpassen wir die historische Chance erneut, diese Mischpoke ihre einmal gewonnene Macht nicht scheut, umzusetzen, sich erfreut im fiesen Verletzen und Hetzen.

Berlin hat gewählt, was nunmehr wirklich zählt, sind moderate Mehrheiten und keine erneuten Streitigkeiten. Herrschaftszeiten, setzt es um, eben drum! Denkt mal zurück an den Grenzwall, auch Limes genannt. Alles nur noch egal, weil Politik oftmals verrannt? In Sphären zwischen Selbsterkenntnis und Akzeptanz sollte man eher verweilen, anstatt irgendwelchen Phrasen hinterher zu eilen.

Immer wieder nur Bahnhof verstehen? Falls ja, solltest du lernen, genauer hinzusehen, ist ohnehin schon zuviel Unheil geschehen. Gerade hierzulande die SPD im freien Fall dem Neoliberalismus fröhnt, sich eben nicht mit der Basis, dem Volk versöhnt.

Wer kann ihr noch glauben, wenn Eliten den Bürgern alles rauben? Laßt euch nicht wegschicken, sondern eher nach einem neuen Leben entgegenblicken.

Mit positiv berherzten Aktionen wir nicht nur unsere Umwelt schonen. Dann heißt’s einfach, Ärmel hochgekrempelt. Selbst wenn beim größten Krach man sei abgestempelt. Ist schon gebongt, es sich durchaus lohnt.

Zumal obendrein die letzten Bundestagswahl-Umfragen den AfD-Aufwärtstrend offenbaren. Seid euch darüber im Klaren das alles folgt einem bestimmten Stil: Die Alleinherrschaft des Nationalismus ist ihr erklärtes Ziel!

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Satire | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Eine Art Stil

https://www.flickr.com/photos/annagpfeffer/13367448463/sizes/z/

flickr.com/ AnnaG Pfeffer/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Der Hut saß nicht richtig,
doch das war nicht wichtig.
Daß der Lippenstift verschmiert,
war schon anderen passiert.

Schlimmer war das Kleid,
das war nicht nur zu weit,
sondern auch zu lang,
das störte beim Gang.

Den Gürtel zu knoten,
die Ästhetik hat es verboten.
Schließlich hat man Gefühl,
selbst in jungen Jahren eine Art Stil.

Das Problem läßt sich lösen,
man muß nur das Kleid anheben,
lässig mit der Schultertasche,
ein Griff, keine große Sache.

Mit Mamas Schuhen, beim Gehen
muß man sowieso achtgeben.
Der Spiegel zeigt das Ergebnis
vom Erwachsenenspiel-Erlebnis.

Er wird es für sich behalten,
Nina auf dem Weg begleiten,
ins Leben hineinzuwachsen
ein Genuß, ihr vertrauensvolles Lachen.

Nafia

Veröffentlicht unter Gedichte | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Bundestagswahl 2017: Umfragen verdeutlichen AfD-Aufwärtstrend

https://pixabay.com/de/bundestag-regierung-politik-369049/

pixabay.com

Deutschland auf bestem Wege zurück zum Rechtspopulismus?

Oder sollte man die Frage noch direkter und zutreffender formulieren? Warum fallen immer mehr Menschen auf die Verheißungen dieser jungen Partei herein? Braucht der unmündig nicht gebildete Bürger starke Alpha-Wesen, vor einigen Jahrzehnten gab es noch den ein oder anderen Führer, denken wir an Franco, Mussolini oder Hitler? Es scheint so.

Obendrein haben sehr offensichtlich viele dieser Sympathisanten wohl das Parteiprogramm jener AfD eben nicht gelesen, zumal unter ihnen erschreckend viele Hartz-IV-Bezieher sich befinden, Frauen, die scheinbar ein Zurück nach Heim und Herd herbeisehnen, der Mann möge das Zepter in die Hand nehmen. Auf der Welle tröger Ausländerfeindlichkeit lassen sich prima Anhänger fischen, die mal wieder diesem ewig gestrigen Feindbild verfallen.

Zahlen sprechen ihre klare Sprache

Ob man die Allensbach-Umfrage von gestern heranzieht oder den Mo-Ma-Deutschlandtrend, von den sechs Parteien (CDU/CSU als eine Partei gewertet), die somit wahrscheinlich im Deutschen Bundestag vertreten sein werden, legen die FDP, die Grünen und die AfD zu, die drei anderen, also die CDU, SPD und die Linke verlieren Wählerstimmen.

Laut Allensbach-Institut erhielten die CDU/CSU 33,5%, die SPD 24%, die AfD 12,5%, die Grünen 11%, die FDP und die Linke lägen mit 7% gleichauf. Die Abweichungen zum Morgenmagazin sind im Prinzip geringfügig.

Mögliche Bündnisse vollkommen ausgeschlossen?

Hat die Große Koalition einer CDU/CSU-SPD-Regierung ausgesorgt? Betrachten wir doch mal mögliche Bündnisse. Ersteres reicht nicht mehr zur Mehrheit. Stießen die Grünen dazu, würde es langen. Zusammen mit einer FDP erst recht, dann wäre die Opposition das rechte und linke Lager.

Mit dem freien Fall dieser SPD zum Neoliberalismus wird ein R2G-Bündnis eher unwahrscheinlich, weil ansonsten die Linke ihre eigenen Prinzipien über Bord schmeißen müßte. Sollte die SPD plötzlich ihre ursprünglichen Ziele wiederentdecken, somit den C-Parteien den Rücken kehren, würde eine Koalition mit der Union, den Grünen und der FDP ebenso nicht ausreichen. Wie wäre es mit der AfD als Partner? Klaus-Peter Willsch schlug dies allen Ernstes bereits vor. Zwar negierte dies Unions-Fraktionschef Volker Kauder vehement, aber wenn es um die Verteilung der Macht möglicher Regierungsbündnisse geht, zählt morgen schon nicht mehr das, was man gestern verlautbarte.

Keine tollen Aussichten für all jene, die noch an ein sozial verträgliches Leben glaubten, zumal das bereits überdeutliche Spuren des Abbaus hinterlassen hat. Mögliche Regierungsbündnisse bedeuten eine Verschlechterung, die Gesellschaft driftet wesentlich mehr auseinander, die Armut wird noch mehr zunehmen, Bürgerrechte eingegrenzt oder gänzlich abgebaut, die sogenannte Freiheit kennt nur Gewinner, wer strauchelt, nicht funktioniert, darf dann gefälligst möglichst schnell abtreten.

Lotar Martin Kamm

Veröffentlicht unter Quergedachtes | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Gebongt und abgestempelt

https://pixabay.com/de/stempel-abgestempelt-stigma-276750/

pixabay.com

Um im besseren Licht zu erscheinen?

Es ist gebongt! Es ist abgemacht. Wir sind uns einig. Einverstanden. Der Ausspruch leitet sich von der Übergabe einer Quittung, Beleg, Kassenzettel, Rechnung ab, mit der Weitergabe dieses Nachweises sind Forderung und Verbindlichkeit hinfällig: Der Bon, abgeleitet vom Französischen bon, gut, alles in Ordnung. Wir können zufrieden sein.

Es ist abgestempelt, sollte somit doch denselben Sinninhalt im Sprachgebrauch aufweisen. Da durch das Abstempeln wie durch den Bon eine Sachlage geklärt, Forderung und Verbindlichkeit ausgeglichen sind. Aber weit gefehlt!

Du bist gebongt, du bist in Ordnung, du bist abgestempelt, an dir haftet ein negativer Eindruck. Etwas verwirrend, sehr wahrscheinlich hängt es nur an den Ursprungswörtern, bon für gut, Stempel für Abdruck, der diesen, und das ist er allemal, Unterschied zwischen den Bedeutungen ausmacht. Vielleicht liegt eine Erklärung noch zwischen dem Unterschied einer „unbefleckten“ Rechnung und einer Rechnung, die mittels Stempel, Siegel nochmals bestätigt, also abgezeichnet wurde. Und ganz vielleicht hängt es mit dem jeweiligen Stempler, Siegelgeber zusammen, der diesen Abdruck hinterläßt oder welches Zeichen der Abdruck zeigt, darstellt. So einfach lassen wir uns durch Begriffe, Wortursprünge manipulieren.

Der Stempel, mittelhochdeutsch stempfel, Stößel, Prägestock. Auch sprachverwandt mit stampfen, mit einem Mörser zerkleinern, fest mit den Beinen auftreten. Sämtliche Urkunden tragen einen Stempel, Siegel und sind ohne diesen sehr oft nicht „rechtskräftig“. Nicht gebongt.

Siegel, entstammt vom Lateinischen sigillum, Bildchen, dient als Verwendung für Beglaubigungen, Besitznachweise, (Brandmarken bei Tieren), und ihre Prägungen (Abbildungen) unterliegen klar abgegrenzten Motiven und Berechtigten zur Abgabe und Verwendung von den verschiedenen Siegeln, ähnlich wie Wappen und Fahnen.

Abgestempelt zu sein, hat sicherlich jeder schon einmal erlebt, entweder weil man aus der falschen Familie, Ort, Land stammt, das falsche Wort am falschen Ort ausgesprochen hat, man gewisse Konventionen nicht beherrscht hat, aus der Reihe fiel, entweder absichtlich oder unabsichtlich. Gründe gibt es dafür viele, und sie alle sorgen dafür, ein gewisses „Kennzeichen“, Mal aufgedrückt zu bekommen.

Manchmal sind diese Male nur vorübergehend belastend, manchmal können sie ein ganzes Leben begleiten, manchmal kann man sich nur davor schützen, indem man von der gewohnten Umgebung Abschied nimmt. Abgestempelt zu sein, kann zu großen psychischen Problemen führen, denn sie sind oftmals die ersten Anzeichen für Mobbing, für Ausgrenzung, für Neid, für „blinden Haß“.

Nicht nur derjenige, der aus dem kaufmännischen Bereich kommt, weiß, daß es oftmals unumgänglich ist, Belege, Bons, Rechnungen abzustempeln, seinen „Otto“ drunter zu setzen, um damit aufzuzeigen, die Unterlagen gesehen oder wie früher in Kladden eingeschrieben zu haben, also als erledigt, gebongt abgelegt werden konnten, sondern alle Menschen sortieren, stempeln das ihnen Vorliegende ab, stecken es in verschiedene Schubladen, versehen mit den jeweiligen an der Lade befestigten Gebongt-Begriffen.

Das geschieht mechanisch, nutzt oftmals einer schnellen Übersicht über Situationen, Einschätzungen von Personen, Umständen. Und ist gebongt. Deshalb gebongt, weil nicht jede Situationslage ständig neu zu bewerten erfordert, wir schaffen uns mit dem Gebongt und Abstempeln Freiräume für neues Erleben, können dadurch manche Gefahren schneller abschätzen. Nicht gebongt kann allerdings sein, wenn wir bewußt in schadwilliger Absicht jemanden oder einer Sache einen Stempel mit der Absicht aufdrücken, nur damit wir selbst im besseren Licht erscheinen oder dadurch Vorteile erhoffen.

Nicht jeder Bon muß abgestempelt werden, viele können auch ohne Stempelaufdruck Platz in unsere Karteikästen der Lebensansichten abgelegt werden, und wenn wir schon stempeln, sollten wir vielleicht einen Blick mehr auf den Stempel werfen, den wir da gerade in der Hand halten, schließlich besteht die Möglichkeit, durch den artverwandten nächsten Bon einen neuen, spannenden Blick auf das Leben zu erhalten.

Doris Mock-Kamm

Veröffentlicht unter Kolumne | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar