Hirnwäsche

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„Wir sind das Volk!“
„Komm runter von deiner Wolk!“
„Wieso denn das,
macht doch Spaß,
die Leut aufzumischen.“
„Rechtes Gedankengut auftischen?
Das nennst du gut,
all diese Wut?“

„Na klar doch, es muß raus!“
„Nu mach mal Paus
mit diesem widerlichen Haß,
erzähl mir bloß nicht, dies sei nicht kraß.
Was folgt wohl danach?“
„Ach – lauter Krach!
Wir fühlen uns dabei wohl,
nicht erst seit dem ollen Kohl.“

„Alles nur billige Ausreden,
immer wieder diese angeblichen Fehden,
die keine sind.
Am Ende ganz geschwind,
habt Ihr das erreicht, was niemand will.
Und das ist dann extrem schrill.“
„Mir doch völlig egal,
es gibt eh keine andere Wahl!“

„Von wegen, die hast auch du,
zieh dir bloß nicht an jenen Schuh,
der dich zur rechten Mischpoke lenkt.
Dann werden wieder Menschen gehenkt.
Ist es das, was du echt zuläßt?“
„Alles Gerede, du nur hetzt.
Geht doch um Ehre, Stolz und Vaterland.“
„Sicher nicht, du hast die Lage total verkannt.

Das kehrt unweigerlich zurück in eine Diktatur,
dies will niemand glauben, sieh nur,
wie sie dich bereits für sich wähnen,
da brauchste nicht gelangweilt zu gähnen!“
„Laß mich mal machen,
du wirst lachen, soll endlich mal ordentlich krachen.“
„Nun denn, dann zieh mal weiter
auf deiner diffusen Karriereleiter – das wird heiter!“

Lotar Martin Kamm

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Dresden: Zum Einheitstag trumpft Pegida mit böser Fratze auf

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Rechtsstaat stößt an seine Grenzen – Verharmlosung des Rechtspopulismus fatal

Gleich vorneweg: Mit Unbelehrbaren spricht man nicht, sie wollen nur eines, ihr diffuses Weltbild mit allen Mitteln durchsetzen, nehmen keinerlei Rücksicht, interpretieren ohnehin Menschlichkeit lediglich nach ihren Vorstellungen, fühlen sich in ihrem Narzißmus im Bade einer kritiklosen Menge bestätigt, um im Alltag ihre teilweise giftspritzende Einstellung anderen zuzumuten.

Exakt jene Klientel trat mit hunderten Anhängern unbehelligt zum Einheitstag in Dresden an, so daß eine Pegida mit böser Fratze auftrat, den Behörden fehlte es gegenüber dem rechten Ungeist an Sensibilität, wie Tilman Steffen in der Zeit feststellt. Der Rechtstaat stößt an seine Grenzen, die Verharmlosung des Rechtspopulismus muß man als fatal bezeichnen.

„Merkel muß weg“ – „Haut ab“ – „Volksverräter“ – was bleibt übrig von der Einheit?

In erster Linie ein seit über einem viertel Jahrhundert zusammengewachsenes Deutschland, wo trotz aller Widerstände, die Gräben zwischen Ost und West schienen nahezu unüberwindbar, in einigen Bereichen so manches gelang, obwohl parallel ganz gut abgezockt wurde, bestimmte kriminelle Elemente, manche gar mit scheinbar weißer Weste, bis hinein in Politik und Wirtschaft das ein oder andere Geschäft sich gönnten, während andere wiederum leer ausgingen. Im Osten herrscht vielerorts nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, besonders in der Jugend.

Günstige Aussicht für Rattenfänger, den Unmut für ihre Zwecke zu mißbrauchen? Doch anstatt sich sozialer Belange anzunehmen, ziehen es die Steigbügelhalter einer AfD, die Pegida, vor, beim Tag der Deutschen Einheit aufzutreten, ein Polizist wünscht ihr gar noch einen erfolgreichen Tag. Hinterher bemüht sich die Polizei um Schadensbegrenzung, sie sei ein „Garant für Neutralität“. Daß dem meist nicht so ist, bekamen bisherig die Linksbündnisse gegen Rechts oftmals zu spüren, die Tagesschau präsentiert den Gründer und Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung in Dresden, Professor Hans Vorländer, der zwar ein „gestörtes Verhältnis zur Demokratie“ seitens der aufkommenden Störer zum Einheitsfest bescheinigt, dennoch das laxe Verhalten der politischen Führung und der Polizei speziell in Sachsen nicht anmahnt.

Rechtsextremismus darf sich erneut ungebremst ausbreiten?

Und das ausgerechnet in Deutschland? Wer jetzt noch weiter verharmlost, verschließt ganz offensichtlich die Augen vor einer neuen Welle der Gewaltzunahme. Ein aggressives Gebrülle, erst recht anläßlich eines solchen Tages wie dem Tag der Deutschen Einheit, hat überhaupt nicht das Recht, für sich die Phrase „Wir sind das Volk“ zu beanspruchen! Ganz im Gegenteil, solche Menschen haben gänzlich das Podium einer Diskussion längst verlassen, sie üben sich in ihrem abgrundtiefen Haß, den besonders ausländische Mitbürger immer häufiger zu spüren bekommen.

Obendrein wird der neu entflammte Extremismus ziemlich deutlich, den gerade eine AfD gern zur Schau stellt, wir erinnern uns an das medienwirksame Verhalten seitens Frauke Petry Aiman Mazyek gegenüber, sie verließ das Gesprächstreffen entrüstet. Was im Frühjahr sich ereignete, war nunmehr als Aufforderung gedacht, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime aufzulauern und zu bedrängen. Lutz Bachmann, der Organisator der Pegida, macht jetzt die „Drecksarbeit“, was eine sogenannte seriöse Politik à la AfD sich nicht trauen darf? Wer ohnehin schon wegen Volksverhetzung angeklagt, meint jetzt, noch einen draufsetzen zu können. Überspitzt darf man schon angesichts des Sachsensumpfes die Vermutung formulieren, ob ein Lutz Bachmann davon ausgeht, er würde mit einem harmlosen Gerichtsurteil rechnen.

Müssen wir hier mitten in Europa mit einer erneuten dunklen Zeitepoche rechnen, wo die Mehrheit still wegschaut, während eine Minderheit die Unverfrorenheit besitzt, ihr rechtsextremes Gedankengut auszuleben? Wenn kein beherzter Widerstand folgt, kann durchaus ein derartiges Szenarium sich wiederholen.

Lotar Martin Kamm

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„Wir sind das Volk“ – aggressives Gebrülle entlarvt sich

© Doris Mock-Kamm

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Öffentlich Gesicht zeigen und dem entgegentreten

Um es vorwegzunehmen, manchmal ist es nötig, ganz weit auszuholen, um etwas zu erklären, ähnlich den belehrenden Geschichten, Märchen, Fabeln, Legenden, die durch sinnbildliche Vergleiche oft die Möglichkeiten boten und bieten, Zusammenhänge von Charakteren oder Geschehnissen zu erläutern.

Manche Inhalte dieser Geschichten waren und sind nicht immer alle ernst zu nehmen, dennoch verbarg und verbirgt sich hinter den Aussagen manch Wahres, wenn es aus einer scheinbar undenkbaren Perspektive heraus erzählt wurde. Ob dies auch bei diesem Text sich am Ende ergibt, muß jeder Leser selbst entscheiden.

Die Historie, Weltgeschichte, Geschichtswissenschaft oder veraltet erdichtete Erzählung wurde in früheren Jahrhunderten zum großen Teil mündlich weitergegeben, in den Dörfern oftmals durch fahrende Händler, durch Gaukler und aber auch durch Ausrufer, die Bekanntmachungen der jeweiligen Herren den Untertanen mitgeteilt haben. Viele dieser Weisungen, Erzählungen wurden im weiteren Verlauf verändert, gerne ausgeschmückt mit fürchterlichen Ausführungen oder die tatsächlichen Aussagen waren so unvorstellbar, daß man ihnen keinen Glauben schenken wollte. Nun ist in der kleinsten Lüge stets ein Stückchen Wahrheit und sei es auch nur, daß es sich um einen Ort oder Namen handelt, den es tatsächlich gab oder gibt.

Historie, ursprünglich abgeleitet vom Griechischen historía, lateinisch historia bedeutet Wissen. Wenn wir nun bezogen auf die Überlieferungen, die eventuellen falschen Übersetzungen, die hinzugedichteten Textstellen oder Aussagen, die absichtlichen Ausschmückungen, ob fürchterlich oder verharmlosend, dazunehmen, so können wir das Wissen, das uns zur Historie vorliegt, ohne Bedenken als nicht ausreichend oder höchstens als befriedigend bezeichnen.

Nichtsdestotrotz sind dennoch genügend Zeugnisse vorhanden, die uns einen recht guten Einblick auf die vorherigen Jahrtausende bieten und zwar gerade auch wegen der Unvollkommenheit in den uns vorliegenden Berichten. Wir wären nicht Mensch genug, um nicht selbst zu wissen, wo es eben gemenschelt hat und wo nicht, wo Lügen überhandgenommen haben und wo nicht, wo durch neue Erkenntnisse gewisse Begebenheiten korrigiert und neu definiert wurden und werden.

Spätestens ab Mitte des vorigen Jahrhunderts ist es fast jedem Menschen möglich, durch Hinzunahme verschiedener Aussagen dem Wissen näherzukommen. Umso erstaunlicher ist es zu sehen, daß bei einer Minderheit, die sich aufplustert wie ein Gockel, um annähernd eine gewisse Art von Größe zu symbolisieren, dieses Wissen durch bewußte Verdrehungen und Phrasen so dargestellt wird, daß sich 90% der Menschheit in völliger Unkenntnis den Tatsachen oder doch zumindest komplett Lügen aufgesessen ist. Diese Minderheit besitzt sogar die Unverfrorenheit, Menschen der Lüge zu bezichtigen, die von ihren Erlebnissen des II. Weltkrieges berichten und nicht nur das, sie berufen sich tatsächlich auf dieselbe Propaganda-Maschinerie, die es geschafft hat, Menschen in Angst und Starre zu versetzen.

Gleichzeitig proklamieren sie Wertevorstellungen, die eher in das 19. Jahrhundert gehören, da sie sich inhaltlich der moralisierenden, herrischen „Oberschicht“ entnommen erscheinen. Es kann nicht angehen, daß eine aufgeklärte Gesellschaft, die es geschafft hat, sich von dem Mief der Scheinmoral, einer diktatorisch agierenden Oberschicht zu befreien, wieder in deren Fänge begibt. Es ist an der Zeit, entschieden dem Aufkommen einer völkisch, patriotischen mit romantisch verklärten Moralvorstellungen entgegenzutreten.

Das Wort Hysterie entstammt ebenfalls dem Griechischen und bedeutet ursprünglich an der Gebärmutter leidend, weil nach Auffassung unserer Altvorderen die Ursache der Hysterie mit krankhaften Vorgängen in der Gebärmutter lag.

Wenn zehn Prozent in Deutschland es schaffen, eine hysterische Menge heraufzubeschwören, die lauthals „Volksverräter“, „wir sind das Volk“ brüllen und jede Gegenargumentation niederschreien, nicht gewillt sind, konstruktiv mitzudenken, sich hinter „Hintermännern“ verstecken, die freiheitliche Gedanken und neue gesellschaftliche Ideen korrumpieren, dann, ja dann sollten die restlichen neunzig Prozent ihre Kräfte aufbringen und mit den Gedanken, mit denen sie schwanger gehen, öffentlich Gesicht zeigen.

Wir dürfen die Historie, das Weltgeschehen nicht dem hysterischen Geist einer auf Lügen aufgebauten besseren Welt überlassen, wir dürfen aber unsere „Schwangerschaft“ für eine bessere Welt gemeinsam erörtern, diskutieren und mit „neuem Geist“ beleben.

Doris Mock-Kamm

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Luxusleben zieht Verbrecher an

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Neidgesellschaft blickt gen Überreichtum mit dekadenter Lebensweise

Müssen wir uns von unbeschwerter Glückseligkeit im Rausche von überteuerten Festen und Plausch verabschieden, weil stets irgendwo versteckt das Verbrechen lauert, niedere Instinkte nach sauer verdientem Geld und teuren Schmuck trachten? Nicht wirklich neu, jene Szenarien, die weltweit überall vorkommen, mehr oder weniger.

Luxusleben zieht Verbrecher an, wobei mancher meint, eine Neidgesellschaft blickt gen Überreichtum mit dekandenter Lebensweise. Ersteres umschreibt im Wort selbst bereits in ziemlich abfälliger Art, daß extrem hoher Luxus gefälligst gerechtfertigt sei, frei nach dem Motto, jeder ist seines Glück Schmied. Falsch. Wer am besten ausbeutet, erzielt den höchsten Gewinn, trifft eher zu. Dies allerdings bedeutet noch längst kein unbeschwertes Leben.

Raubüberfall überrascht Kim Kardashian

Ohnehin schon aus extravaganter Familie stammend, ihr Vater befand sich im Verteidigerteam des Mordprozeßes gegen O. J. Simpson, der letztlich für schuldig befunden und verurteilt wurde, seine Frau ermordet zu haben, erlangte Kim Kardashian ihren ersten Ruhm per Sex-Video, es folgte eine Familien-Reality-Soap. Typisch fürs US-Fernsehen, auch hierzulande gibt es genug nachgeäfftes, denkt man an Big Brother oder das Dschungelcamp.

Um es abzukürzen, schnell entstand mittels solcher Berühmheit die Chance, per Modeboutique Fuß zu fassen, neben mancher Beziehung und Hochzeit einiger gut Betuchter der höheren Gesellschaft, nicht zuletzt die Hochzeit mit Kanye West. Geld spielt in sofern eine untergeordnete Rolle, man praßt gern. Wie sonst läßt sich das Mitführen solch erheblich teuren Schmucks auf Reisen erklären? In Paris erfolgte schließlich der professionell durchgeführte Raubüberfall, schon spricht die Presse vom Schatten über der „Stadt der Liebe“.

Fern jedweder Realität – Bescheidenheit eine wirkungsvollere Option?

Manch hart arbeitender Mensch mag sich sehr berechtigt fragen, wieso eine Kim Kardashian dermaßen teuren Schmuck mit sich führte, immerhin mit einem geschätzten Wert von neun Millionen Euro. Normalzustand im Leben der Superreichen, wobei manch einer mal eben des nachmittags für einen fünfstelligen Wert shoppen geht, ohne mit der Wimper zu zucken. Reichtum bleibt in sofern ein Verbrechen selbst wider einer gerechteren Gesellschaft.

Denn nichts geschieht zufällig, am Ende der Kette befinden sich die Schicksale derer, denen man es genommen, weil Überreichtum stets Ausbeutung bedeutete bis hinein in die Gegenwart. Natürlich werden jetzt wieder all jene aufschreien, die meinen, mittels harter Arbeit sei dieser Reichtum entstanden, dies vermögen alle, die das beherzigen. Je länger und intensiver man darüber nachdenkt, desto eher gelangt man zur Erkenntnis: Es stimmt einfach nicht. In den allermeisten Fällen gehen stets Unfairneß, Ausbeutung bis hin zu verbrecherischen Methoden voraus, auf der Strecke bleiben andere und vor allem eine große Menge, die im Alltag versucht, halbwegs menschenwürdig zu überleben.

Bescheidenheit täte dieser Welt wahrlich gut, wäre eine wirkungsvollere Option für ein friedlicheres Zusammenleben. Am Geld, an der Macht hängt das Bestreben nach noch mehr Habitus, welches einer Sucht gleich ständig neue Opfer sucht und findet. Erich Fromm hat dies in seinem Buch „Haben oder Sein“ zu verdeutlichen versucht. Beherzigt hat dies noch kein Land, keine Gesellschaft, zumindest in der sogenannten Zivilisation. Manche Naturvölker praktizieren dies allerdings in einer gottgegebenen Selbverständlichkeit.

Lotar Martin Kamm

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Ich brauche deine Hilfe nicht

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„Nein, du braucht mir nicht helfen, meine Schuhe werde ich wohl alleine finden können!“
„Die können doch nicht verschwunden sein, hast du denn wirklich schon überall gesucht? Wir kommen noch zu spät!“
„Ja, ich weiß, wir sind spät, durch dein Gebrüll machst du mich nur noch mehr konfus.“
„Ich habe nicht gebrüllt, lauter gesprochen, schließlich bin ich in meinem Zimmer, und du wuselst durch das ganze Haus.“
„Das gibt dir nicht das Recht, durch das ganze Haus zu schreien, nur weil ich für kurze Zeit nicht in deiner Reichweite bin!“
„Vielleicht hat Benno deine Schuhe in den Garten geschleppt, weil du sie wieder einmal im Wohnzimmer hast liegenlassen.“
„Nein, und wenn er es getan hat, hat er inzwischen einen anderen Platz, um sich an ihnen gütlich zu tun. Sowieso fehlen beide Schuhe, nicht bloß einer. Seit wann schleppt Benno die Schuhe paarweise weg?“
„Was weiß ich! Zieh doch einfach andere an, schließlich ist der Schuhschrank zu neunzig Prozent mit deinen Schuhen vollgestopft!“
„Was?“
„Zieh andere Schuhe an, schau mal auf die Uhr, wir kommen jetzt definitiv zu spät!“
„Zieh andere Schuhe an! Das geht nicht! Zu dem Kleid passen nur diese Schuhe. Komm jetzt bloß nicht auf die Idee, mir zu sagen, ich soll mich umziehen!“
„Umziehen, umziehen! Nein, ehrlich, habe sowieso nicht verstanden, warum du dieses farbige Etwas heute anziehen wolltest. Warum nicht das Blaue, das so schön fließend deinen Körper schmeichelt, das sagst du doch immer.“
„Aha, der Herr hört mir doch ab und an zu. Interessant!“
„Moni, müssen wir uns jetzt streiten?“
„Ich streite nicht! Ich suche meine Schuhe, und du machst dich über mich lustig!“
„Lustig, ich will dir helfen, gebe dir Ratschläge, und du nimmst sie nicht an.“
„Hast du mich vielleicht vorhin nicht richtig angesehen, zu der Frisur paßt das blaue Kleid nicht. Soll ich jetzt auch noch eine andere Frisur machen, ich dachte wir hätten keine Zeit. Die Ohrringe und die Kette müßte ich auch ausziehen, wie sieht denn das aus, rote Ohrringe, Pferdeschwanz und dazu ein blaues Kleid!“
„Vielleicht hat deine Tochter sich der Schuhe bemächtigt, wäre ja nicht das erste Mal. Soll ich sie mal anrufen?“
„Deine Tochter? Das sind doch wohl eher deine Töchter, hast du vergessen, daß du drei Töchter hast, auch wenn zwei davon nur noch alle halblang hier sind, um sich mal wieder die Wäsche waschen zu lassen, weil sich ja ach so viel angehäuft hat und sie ach so viel zu tun haben, Papi! Du sitzt mit ihnen gemütlich am Tisch, und ich stehe in der Küche und bin am Kochen oder Bügeln. Papi, Papi, immer die gleiche Masche und du fällst drauf rein, wie ein Jüngling, Papi!“
„Liebes…“
„Dein Liebes kannst du dir schenken, weißt du was, fahr alleine zu der Scheißfeier, mir ist die Lust vergangen.“
„Diese blöden Schuhe können doch nicht der Grund sein, dann nimm halt die Zeit, dich umzuziehen, wir kommen sowieso zu spät, schließlich sind Barbara und Jörg auch nicht immer die pünktlichsten!“

„Moni!“
„Moni.“
„Moni, wie siehst du denn aus?“
„Wie soll ich schon aussehen, wütend!“
„Aber…“
„Mir ist gerade eingefallen, wo meine Schuhe sind.“
„Und, wo?“
„Ich habe sie letzte Woche beim Shoppen mit Barbara zu ihren Einkäufen gesteckt, weil ich die neuen Schuhe gleich angelassen habe.“

Doris Mock-Kamm

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Spiegel

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Schau in den Spiegel, zier Dich nicht,
Glas kann nichts offenbaren.
Es zeigt Dir höchstens ein Gesicht,
wie Du es kennst seit Jahren.

Muttermale, Narben wirst Du seh’n,
kaum Glanz in Deinem Augenlicht.
Das Haar, es scheint Dir auszugeh’n
und Deine Lippen lächeln nicht.

Dich wegzudreh’n, nun laß das bleiben,
dies Spiegelglas wird sich verwandeln.
Kann Dir Vergangenes und Zukunft zeigen,
und so Du willst, auch Mut zum Handeln.

Hör und sieh den Spiegel lachen,
Ihr Blondschopf ist im Bild zu seh’n.
Und um die ernste Mutter nachzumachen,
muß sie noch auf Zehenspitzen steh’n.

Schau nochmal hin, im Hintergrund, genau,
halt ich mich wohl verborgen.
Freu‘ mich an der Schönheit einer Frau,
die Ihre Liebe zeigt. Bis morgen.

Peter Petereit

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Gesellschaft im Zwiespalt ihres Wertezerfalls

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Scheinwelt der Superlative fördert mehr Mißstände

Erneut ein Spätnachmittag mit trüben Aussichten, sie finden sich gelangweilt ein. Wütende Blicke kreisen suchend umher, um spontan ein Opfer eventuell noch zu finden, welches somit für ein bißchen Abwechslung sorgen könnte. Zu dumm, daß just in diesem Moment ein gerade mal 10-Jähriger allein des Weges kommt.

Schnell sieht dieser sich von einer Horde Halbstarker umstellt, wissend, was ihm bevorstehen mag, versucht zwar nahezu ohnmächtig, aber chancenlos hasenhakenschlagend zu entfliehen. Doch die Übermacht der aggressiven Jugend schnappt ihn im letzten Augenblick. Gruppenhaß auf alles und jeden eine Option, weil keine Perspektiven für die Jugend vorhanden?

Eine knallharte Wirtschaft diktiert den Kurs

In sämtlichen Gesellschaftsschichten hat längst die Formulierung vom Zerfall der Werte selbst die entferntesten Winkel erreicht, mag bei dem ein oder anderen vielleicht gewisse Sorgenfalten hervorrufen, die sogar gedankenmachend etwas ändern könnten, wenn da nicht ganz gezielte, bewußt installierte Vorgaben den gesamtgesellschaftlichen Konsens beeinflussen und somit prägen, sich diesem unterzuordnen.

Gefangen im Netz des Konsumglamours in einer zunehmenden Welt der Gleichgültigkeit? In der kaum Spielraum vorhanden, einmal gelassen durchzuatmen, sich zurück zu lehnen, um in Ruhe einen Überblick zu erhalten ob so mancher Mißstände? Nein, es darf nicht sein, was sein könnte, den Menschen eine Möglichkeit und daher die Hoffnung zu gönnen, aus der Tretmühle bestimmter Zwänge zu gelangen. Eine knallhart kalkulierte Wirtschaft diktiert herzlos ihren Kurs, dem sich alle unterordnen müssen, wollen sie nicht existenziell scheitern.

Derjenige, der sich auflehnt, rebelliert, erhält sofortigst die Quittung, wird unfreiwillig auf die soziale Rutsche gesetzt, befindet sich im Abseits, chancenlos und darf höchstens einen Hoffnungsschimmer aufglimmen lassen, wenn halbwegs humane Vertreter in den zuständigen Behörden ihnen im Rahmen der übriggelassenen Möglichkeiten einen Spielraum einer winzigen Chance überlassen. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Weise Entscheidungen treffen zu einem friedlicheren Miteinander

Im Grunde genommen kann der Run auf den ewigen Erfolg eigentlich nur verlorengehen, weil es genauso sinnlos wäre, wenn man nonstop das Glück einfordern würde, was niemals in dieser Form vorhanden. In einer Scheinwelt der Superlative unterscheiden viele zwischen Winner und Loser. Aber was geschieht dazwischen? Dort tummeln sich all jene, die ständig dem Erfolg hinterher hecheln oder aber im Begriff sind, sich aufzugeben, während eine breite Masse unkritisch Selbstzufriedener von den Mißständen entweder gar nichts mitbekommt oder lieber betreten wegschaut.

Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die genau dieses Prozedere längst durchschaut haben und eben nicht mehr diesem Diktat folgen wollen. Einige sind ausgestiegen, suchen das Weite oder tun sich trotzig zusammen, erschaffen sich Oasen der Unabhängigkeit fernab des Mainstreams. Andere wiederum fügen sich in ihrem Schicksal, resignierend und somit aus Frust zunehmend gewaltbereit sich ein Ventil suchend. Erdenken Sie sich das Ende des oben beschriebenen Konflikts. Ob zusammengetreten liegen gelassen oder aufgrund eines glücklichen Umstandes der Junge gerade noch entkommen konnte, tatsächlich allerorten eine erhebliche Gewaltzunahme zu beobachten ist.

Wir sollten solche Zustände nicht tatenlos dulden, sondern dieser Entwicklung mutig und ideenreich entgegentreten, um den Verursachern die Möglichkeiten ihres schädlichen Handelns aufzuzeigen bzw. sie zu nehmen. Das nennt man politische Verantwortung tragen, die wir alle uns gegenseitig schulden. Beachten wir sämtliche Umstände und treffen weise Entscheidungen zu einem friedlicheren Miteinander, bevor Gewalt zügellos sich stets neue Opfer sucht!

„Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.“ (Mark Twain)

Illusionen aber sind manchmal trügerische Ratgeber, wenn wir nicht in der Lage, sie verinnerlicht umzusetzen, sie gar mit anderen zu teilen. Beste Voraussetzung: reinen Herzens sein!

Lotar Martin Kamm

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