Kohlenhändler Onkel Heinzel

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Er hatte mir versprochen, die Eisenbahn zu kaufen, die bei Hochmeyers im Schaufenster stand, mit Tender und zwei Waggons. Wir, Mutter und ich, haben ihn zum Bahnhof gebracht, da hat er so viel gelacht, Mutter immer wieder in den Arm genommen vor allen Leuten, mir über den Kopf gestrichen, mir zugezwinkert, verschwörerisch, denn Mutter durfte nichts erfahren von der Eisenbahn, das war abgemacht. Auf dem Heimweg hat sie nur geweint, leise, aber ich habe es an den Augen gesehen, und ich wollte ihr sagen, er kommt doch zurück, er kauft mir die Eisenbahn, das ist fest versprochen. Vatern kam nie mehr zurück, nichts von ihm kam jemals zurück. Zurück blieben ich, Mutter und Elsi, die hat Mutter irgendwann mitgebracht.

Ich war bei Heinzels, ein Stockwerk unter uns, durfte dort sogar in der Stube spielen, dann kam Mutter und hat mir Elsi gezeigt und gesagt, das ist deine Schwester. Blond war sie, und Mutter Heinzel wollte sie fast nicht mehr Mutter wiedergeben. Und ab da durfte ich jeden Tag zu Mutter Heinzel mit Elsi, denn Mutter ging wieder auf Arbeit. Sie konnte gut rechnen, und wir sollten nicht hungern. Onkel Heinzel hatte nur ein Bein, er hat Kohlen verkauft und konnte schlecht schlafen.

Manchmal denke ich, ohne Onkel Heinzel wäre ich nie Maler geworden, die ersten Male, als ich alleine runter durfte, um ihm sein Essen zu bringen, da hat er mir einen Schrecken eingejagt. Sein Gesicht, seine Hände waren schwarz und er hat nicht freundlich geguckt. Wenn Mutter uns zu spät abholte, weil sie manchmal mehr arbeiten mußte und er zum Abendessen kam, sah er stets wie frisch gebadet aus. Mutter Heinzel erlaubte ihm ansonsten nicht, die Wohnung zu betreten, er mußte sich unten waschen und umziehen, bevor er in ihre Küche durfte. Und bei ihr hat er auch gelacht.

Unten zwischen den Kohlen auf der linken Seite und den Briketts, fein gestapelt auf der rechten Seite war Onkel Heinzel ein anderer Mensch, er hat seine „Handlanger“, aber irgendwie waren sie eher seine Freunde, angeschrien, aber mit ihnen auch ein Bier getrunken unter der Lampe, die über einer Art Theke hing. Dahinter saß er meistens und dirigierte und herrschte über seine Kohlen. Karle und Ernst, seine Arbeiter, nahmen es ihm nicht übel, hier unten waren auch sie schwarz und verdreckt, und sie waren froh bei Onkel Heinzel arbeiten zu können, sie mußten nie frieren.

Als ich verstand, daß Onkel Heinzel trotz des harschen Tons auch hier unten ein Lieber war, bin ich erst heimlich, dann immer öfter unter einem Vorwand bei ihm unten geblieben. Ich saß auf einer Kiste neben der Theke und der Glühbirne, die von oben herunterhing, und ab und zu flackerte das Licht. Die Kohle zeichnete auf seinem Gesicht immer wieder neue Gesichter, mal wirkte er unter der Lampe mager, mal dick, mal lustig, mal gefährlich. Und ich fing an, auf altem Zeitungspapier mit Kohleresten ihn abzuzeichnen. Die kleinen Stückchen der Eierkohle waren gut geeignet zum Verschmieren und die kleinen Brikettstücken für die Umrisse. Bis ich dies aber zu einer gewissen Perfektion gebracht habe, vergingen Wochen oder Monate, das weiß ich nicht mehr so genau.

Irgendwann erfreuten sich die Kunden, wenn sie ihre einzelnen Brikettstücke in von mir bemaltem Zeitungspapier gewickelt bekamen. Und manchmal gab es dafür sogar ein Einpfennigstück. Denn ich zeichnete nicht nur Onkel Heinzel, sondern auch die Eisenbahn, die bei Hochmeyers im Schaufenster stand, und für Elsi Puppen, für Mutter Hüte und für Mutter Heinzel ganze Zeitungsbögen voll mit Obst, Gemüse, weil sie so gern kochte. Frau Baisel schenkte mir Papier, richtiges Papier, und sie überredete Mutter, daß ich bei dem Kunstlehrer Friedrichsen unterrichtet werden sollte. Ab da durfte ich jeden Donnerstag nachmittag für zwei Stunden zu Friedrichsen in den Zeichenunterricht. Und als ich in die Schule kam, war ich bereits in sämtliche Techniken des Zeichnens eingeweiht und durfte sogar schon einige Farben für Friedrichsen herstellen.

Onkel Heinzel starb, bevor ich richtig mit Farben malen konnte, er ist einfach morgens tot im Bett gelegen. Ich bin Maler geworden, ziemlich erfolgreich, aber niemand bekommt von mir ein gezeichnetes Portrait, diese Kunst bewahre ich mir für Onkel Heinzel, und obwohl ich ihn aus dem Gedächtnis nur mit Kohle zeichne, ist er auf jeder Zeichnung mit der ganzen Vielfalt der Farbnuancen des Lebens zu erkennen.

Doris Mock-Kamm

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Ernährung: Kennzeichnung bei Säften hintergeht Veganer

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Lebensmittellobby mogelt mit tierischer Gelatine

Was interessiert schon das Geschwätz einiger Kunden, und seien es ein paar wenige Veganer oder Vegetarier? Genauso könnten jene sich betroffen fühlen, betrachtet man das Vorgehen der Lebensmittellobby, die mit eingesetzter tierischer Gelatine mogelt.

Daß der Etikettenschwindel nach wie vor an der Tagesordnung, berichteten wir im Dezember des letzten Jahres, die Lebensmittelindustrie hat dermaßen viele Mittel und Wege sowie Schlichen, allesamt nahezu vollkommen legal, um eigentlich wichtige Informationen dem Verbraucher vorzuenthalten. Daher nicht weiter verwunderlich, wenn die Kennzeichnung bei Säften Veganer hintergeht, die Kritik seitens foodwatch mit dem Titel „Ein Schweinchen namens Saft“ unverblümt direkt anklingt.

Die Thematik kursiert schon länger in der Öffentlichkeit

Bereits vor über vier Jahren wies Annette Niemeyer beim Ratgeber des NDR mit der Frage „Stecken tierische Reststoffe im Apfelsaft?“ auf die Thematik hin. Gleichwohl den längst bekannten widerwärtigen Umstand, daß Gelatine als Gelier- und Verdickungsmittel in Süß- und Backwaren, Joghurts oder generell in Milchprodukten steckt. Schlimm genug für all jene, die sich vegetarisch ernähren.

Mit diesem Wissen kann man ja entsprechend wachsam vorsorgen, um solche Produkte zu meiden. Gesagt, getan, Vegetarier und Veganer verinnerlichten, wenn auch murrend, das dreiste Verhalten der Lebensmittelindustrie. Zwar haben manche Hersteller auf den Gebrauch von Gelatine verzichtet, griffen auf durchaus mögliche Ersatzstoffe zurück, wie Frau Niemeyer im Artikel erläuterte, aber in vielen Produkten schlummert nach wie vor Gelatine, eine exakte Kennzeichnung bleibt die Lebensmittellobby ihren Kunden schuldig.

Bio-Branche mutet Veganern gelatinegeklärte Säfte zu – Chancen der Vermeidung?

Wer jetzt glaubt, die Bio-Branche handle sensibler, der irrt sich gewaltig. Auch dort kommt die Klärung mittels Gelatine zum Einsatz. Dabei spielt die Fruchtsaftverordnung eine entscheidende Rolle. In dieser sind Klärungs- und Schönheitsverfahren ausdrücklich erlaubt, obendrein eben nicht kennzeichnungspflichtig. Man könnte überspitzt annehmen, daß auch hierbei die Fleischindustrie einen erheblichen Anteil an politischen Entscheidungen mitträgt.

Um ganz sicher gehen zu können, eben keine tierische Restrückstände in Lebensmitteln vorzufinden, dem sei diese Info empfohlen, in der die Labels der veganen Logos beschrieben werden, welche somit vertrauenswürdig genug den interessierten Verbraucher schützen mögen.

Lotar Martin Kamm

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Wenn der Vorhang sich kaum bewegt

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Der Vorhang bewegt sich unmerklich,
das ist der Moment, es ist unsäglich,
da steht sie wieder am Fenster
traurig zugleich und finster.

Sie bewegt sich kaum
in ihrem kleinen Raum,
ihre Anwesenheit, das Warten
wird nur spürbar durch ihren Atem.

Vor Wochen verlor sie die Sprache,
ihr Hund wurde geklaut auf offener Straße.
Von hinten wurde sie angegriffen,
die Tasche mit Samson weggerissen.

Der kleine Chihuahua gab ihr Halt,
damit sie sich nicht verlor im Wald
von Erinnerungen, Gedanken,
die nach einem langen Leben den Geist umranken.

Samson nahm sie mit in sein Erleben,
frech, tollpatschig, ruhelos sein Streben.
Er gab ihr Liebe, sie Fürsorge, ein Heim,
sie waren ausgelassen, mutig, nicht allein.

Ihre Atemluft strömt so schwach,
kaum der Vorhang spürt das Naß.
Und ich, ich werd mich nie mehr aufregen,
wenn sie beide am offenen Fenster zu mir rübersehen.

Nafia

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Geistige Brandstifter rechter Gewalt bleiben noch ungeschoren

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Satirischer Rückblick…

Es sei denn, endlich wird gerade hierzulande beherzter Widerstand geboren. Falls dies nicht eintritt, jene Pappnasen fühlen sich bestätigt und fit, um ihr bösartiges Werk fortzusetzen, üben sich im Weiterhetzen. Man liest es allenthalben auf bestimmten Seiten im Netz, drum handelt jetzt, bevor sie noch mehr Unheil anrichten, gar Verbrechen den Linken andichten!

Albatrosse im Traum erschienen, man möchte sich schier zurückbeamen in eine Zeit, wo nicht dermaßen viel Leid geschieht. Doch man sieht nur maßlose Dekadenz. Schön scharf die Sens? Wir sollten wachsam bleiben, weil in jenem achtlosen Reigen Mensch ständig versagt, der Hunger gar an ihm nagt. Kein Frühstück in der WG? Ach ne, dies war bloß ne Metapher, wat sollen hier all die neugierigen Gaffer?!

Wenn schon Sexismus exemplarisch für jede Gesellschaft ausgelebt, sich was wohl insofern regt? Ganz genau, seid so schlau und sprecht solch Vergehen aus, sonst wird aus freiem Leben nichts draus. Da hilft auch das Abtauschen in andere Elemente nicht viel, ihrem Trieb nachgehen, ist ihr Ziel.

Hat der Verstand die Menschheit verlassen? Was soll dieses Prassen? Das Recyceln von Abfällen wird notwendiger denn je. Falls dies nicht geschehe, dann wird Mutter Erde noch viel mehr zerstört. Unerhört! Nun ja, was man als Kind so denkt, hat vielleicht uns noch abgelenkt, doch jetzt ist Handeln angesagt. Nicht zögern, sich rangewagt!

Im Syrienkrieg schaut die Welt selbstgerecht zu, nach täglichem Sterben ist erst Ruh, wenn alles in Schutt und Asche? Welch perfide Masche, die nur allzu bekannt, die Fronten sind festgefahren, die Ursachen ohnehin bekannt. Wo sind die Scharen, die ihre Hand erheben, sich einsetzen für friedliches Leben? Wer Augen hat, der schaue besser genauer hin, das macht Sinn. Doch manch einer sich verzettelt, gar seinen VW-Käfer sorglos verwettet.

Dabei geben Konzernwirtschaft und die EU keinerlei Ruh, schauen mühelos zu, wenn das Reformpaket zur Privatisierung die Griechen ereilt, Hauptsache ihr resultierender Profit wird nur unter sich geteilt. Was interessiert dabei des Volkes Not, wer an Gerechtigkeit noch glaubt, ist ein Idiot. Am Ende ist alles ausgeraubt. Das verhält sich ganz ähnlich wie bei Hochstapelei, die abräumt, fleißig mit dabei.

Deutschland nicht das Land der Dichter und Denker, sondern vielmehr der Vernichter und Henker? Du wirst lachen, manch einer möchte am liebsten ne Zeitreise machen, um das Rad der Geschichte in die bessere Richtung zu drehen, um zu ändern zukünftig bösartiges Geschehen. Unter manch Haube steckt nicht nur viel Kraft, teilweise versiegt der Lebenssaft, weil Mensch erneut zu viel Reichtum hat gerafft.

Lotar Martin Kamm

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Unter der Haube

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Pferdestärken oder der Weg zum Standesamt?

„Boah ey, wieviel hat denn die Karre unter der Haube?“ So ähnlich kann man sich ausdrücken, wenn man wissen möchte, wieviel PS (heute unter der Bezeichnung kW bekannt) das neue Auto als Höchstleistung hat.

„Jetzt ist deine Jüngste ja auch unter der Haube!“ So ähnlich hat man sich ausgedrückt, wenn man sagen wollte, deine Jüngste hat nun auch geheiratet.

Haube, althochdeutsch hüba, verwandt mit hoch, wahrscheinlich in der ursprünglichen Bedeutung nach oben gewölbt, gebogen, eigentlich, die Gebogene. Zum Vergleich hoch, althochdeutsch höh, gewölbt. Unter dem Begriff Haube finden wir mehrere Bedeutungen, Büschel der Kopffedern bei Vögeln, wie bereits erwähnt die Motorhaube, die Trockenhaube zum Trocknen der Haare, (gibt es tatsächlich noch zu erwerben für den Hausgebrauch), Pickelhaube, Kopfbedeckung eines Soldaten, Wollmütze und last but noch least, die Haube, eine Kopfbedeckung, die durch gefältelten Stoff die Ohren mit abdeckt.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein gehörte es sich für eine verheiratete Frau, eine Haube zu tragen, als Zeichen ihrer Sittlich- und Anständigkeit. Bis zur Hochzeit durften Frauen ihre Haare offen zeigen, Frauen, die keine Haube oder andere Kopfbedeckungen trugen, galten als „verrucht“ und verdorbene Frauenzimmer. Der äußere Schein der Hauben und Häubchen wurde auch unterstrichen bei Zofen und Dienstmädchen. Und wer in vornehmen Cafés in den 50iger und 60iger Jahren seinen Nachmittagskuchen aß, wurde dort oftmals noch bedient von der Servicekraft mit Häubchen im Haar. Manche Trachten, die zu gewissen Anlässen getragen werden, weisen in der Art des Tragens noch auf diese Sittlichkeit hin und ob die Trägerin bereits unter der Haube ist oder nicht.

Bei der Karre, dem Auto, gilt wohl bei vielen Menschen immer noch, was für eine Leistung unter der Haube steckt. Trotz interessanter Designs der Karosserien entscheidet beim Kauf eines Autos oft die kW-Angabe. Ist es frech zu sagen, man will ja schließlich nicht die Katze im Sack kaufen, ohne die Möglichkeit bei der Kaufentscheidung die Haube anzuheben, in den Motorraum zu sehen, wird keiner sich entschließen, das Auto zu kaufen. Selbst geschenkt wäre es für viele undenkbar, ein Schnäppchen gemacht zu haben, auch wenn es heißt: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Die Haube ist somit nicht nur ein Schutz, sondern gleichzeitig ein Interesse weckender Gegenstand. Glaubt man den Erzählungen über die sich als schwierig zu verkaufenden Waschmaschinen nach Markteinführung, so blieben die Kaufinteressenten deshalb aus, weil man während des Waschganges nicht zusehen konnte. Erst nachdem Sichtfenster einen Blick auf die drehende Wäschetrommel freigaben, folgte für den Absatz der Waschmaschinen kein Aufhalten.

Die Haube, Zeichen der Sittlichkeit und die Motorhaube haben eines gemeinsam, beides sind Hilfsmittel zum Schutz. Ob allerdings hinter der Abdeckung wirklich die „versprochene“ Aussage sich verbirgt, das muß wohl jeder selbst herausfinden.

Doris Mock-Kamm

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Zeitreise

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Lang, lange Jahre ist es her, da schrak ich erstmals auf aus einem Traum,
und schwach und schweißgebadet lag ich da, jenseits von Zeit und Raum.

Ich war wohl Reisender der Zeit in fernen Ländern, die ich nie zuvor geseh’n,
konnt‘ durch finst’re Wälder, über karges Feld und welke Steppen geh’n.

Flüsse querten meinen Weg, Gebirge, um deren Gipfel Blitz und Donner grollten,
Blumengärten, gold’ne Jurten und Äcker, die die Saat nicht tragen wollten.

Sah Morgenrot und Abendsonne, und Sturm und Regen peitschten jenes Land,
und ich war nicht allein in meinem Traum, ein alter Mann führt sicher meine Hand.

Ich sah dort Männer, stets geduckt, dazu bestimmt, ihr armselig kurzes Leben,
wenn’s dem Herrscher hoch zu Roß gefällt, sofort, ganz klaglos hinzugeben.

Und Frauen sah ich hin und wieder, mit Brüsten, verwelkt bereits in jungen Jahren,
die, sehr still und arbeitsam, und jedem willig, wohl nie im Diesseits glücklich waren.

Ich sah Kinder, schmutzig nackte junge Greise, die nie gelacht und nie geweint,
und den eig’nen Kot vom Boden fraßen, damit am nächsten Tag die Sonne scheint.
Fürsten sah ich, goldgewandet, auch mit allerlei Zierat behängte Konkubinen,
Lakai’n mit sattem, steinernem Gesicht, bereit für Lohn bedingungslos zu dienen.

Ich sah sie im Galopp, getrieben nicht von eig’ner Gier, vielköpf’ge Reiterscharen,
sah Säbel über Köpfen kreisen, Blut in Strömen, und Städte, die dann Wüsten waren.
.
Das Traumbild kommt und geht wie’s ihm gefällt, es kehret immer wieder, doch –
wenn ich erwach‘ in dieser Welt, seh ich voll Schauder – all dies gibt es immer noch.

Peter Petereit

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Deutschland – das Land der Vernichter und Henker

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Wortgesülz erschallet schrill, was nur niemand hören will

Was geschah hier nur in letzter Zeit, seid Ihr wirklich dazu bereit, zuzuhören, selbst wenn manches Euch wird stören? Es könnte den ein oder anderen Aha-Effekt geben, so verhält es sich halt wie im echten Leben, man sieht vor lauter Bäumen nicht den Wald. Nun denn, schlaft weiter in Euren ahnungslosen Träumen.

Warum bloß in jener Reimform vorgetragen, nur Geduld, wir werden’s gleich sagen. An allem seien diese Flüchtlinge schuld, verlautet vielerlei Wehklagen. Deutschland sei daher jetzt erst recht in Gefahr, weil man zu wenig Deutsche als Nachschub gebar. Was nun mit diesem Land geschieht, seit der ein oder andere hierher flieht, soll Frau Merkel inszeniert haben, den eigenen Leuten Politiker nichts mehr gaben.

Deutschland kein Land mehr der Dichter und Denker, dafür jetzt der Vernichter und Henker? Manch einer Hessen, Bayern oder anderer Provinz nachtrauert, argwöhnisch getäuscht in der Ecke kauert, sich nach dem angeblichen Land der Mythen sehnt, wo doch in Wirklichkeit überall Rechtspopulismus sich auflehnt, dieser möge es bald richten, dann sei Schluß mit Dichten.

Um dat Janze noch zu betonen, tut er uns mit Wortjesülz nich schonen, schnell des Deutschen Emotionen hervorheben will. Dat is schrill, weil er obendrein noch eins draufsetzt und lässig hetzt: Am deutschen Geist sei die Welt genesen. Wer dermaßen kehrt mit solch heroischen Besen, dem scheint die Wirklichkeit völlig zu entgleiten, da flunkert man halt bei allen Gelegenheiten.

Im Vernichten, da hat man Erfahrung nicht nur aus Hitlerszeiten, es wimmelt nur so von alten Geschichten, die darauf basierten, kriegerisch Epochen vorzubereiten. Wer dem patriotischen Gedanken erneut verfällt, der übersieht schnell vor lauter Ruhm und Geld, was tatsächlich zählt: kein Nationalbewußtsein, sondern einzig und allein, daß Mensch Mensch sein darf.

Erkannt, haarscharf: Wer bereits neue Kriege am Horizont bei Bedarf zunächst der NATO in die Schuhe schiebt, die solche durchaus liebt, um sie dann wie früher patriotisch gelenkt vehement auszutragen, der hat niemandem was zu sagen. Viel eher mögen sich diese kreidefressenden Wölfe im Schafspelz von dannen schleichen, sollten besser weichen, bevor sie erneut Unheil anrichen können. Die wollen sich mit niemand versöhnen, eher haßerfüllt jeden Nichtdeutschen verhöhnen, um mit ihrem Gelaber von Ehre, Stolz und Loyalität zu klagen, es sei alles zu spät, außer man übe Solidarität.

Welch bekannte Phrasen, die so dermaßen unklug vielleicht fanatisch gesinnte Gesellen anlocken, sich in deren Hirnwindungen andocken, doch jeder Mensch mit Überblick und Restverstand hat längst erkannt, daß solch Gedankengut ein alter Hut. Den will niemand mehr, egal unter welchen Namen, ob indentitär oder jede andere Mär. Sorgen wir Kreative mit Geistesblitz, zu beenden jenen neu entflammten Witz und schicken ihn fort, wo er hingehört: an einen unbekannten Ort, von wo er keinen mehr stört.

Lotar Martin Kamm

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