Es geschah vor 40 Jahren (15. bis 21. März 1976)

flickr.com/ roger4336/ (CC BY-SA 2.0)

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…Wußten Sie was… in der dritten Märzwoche 1976?

makadomo TV  begrüßt Sie recht herzlich zur dritten Sendung „Es geschah vor 40 Jahren…“ – ein Nachrichtenrückblick ohne anspruchsvolle Informationserklärung, vielmehr der Unterhaltung dienend, manchesmal mit zwinkernden Augen zu betrachten.

Nehmen Sie das Leben wie es ist: ernsthaft, ohne Humor keineswegs auszuhalten, vielmehr eine Aneinanderreihung von etlichen Geschehnissen. Damit manche nicht in Vergessenheit geraten, hier die Meldungen…

Doris Mock-Kamm
Lotar Martin Kamm

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„Aufstehen gegen Rassismus“ – ein neues Bündnis trotzt der AfD

Aufstehen gegen Rassismus

Rechte Bewegungen im Fokus kritischer Stimmen

Selbstverständlich kann und muß man die Politik der Bundesregierung kritisch anmahnen, sie nicht nur hinterfragen, oftmals deren Entscheidungen und Versäumnisse heftig anprangern, gewiße Allianzen skeptisch beäugen, deren Verfehlungen beim Namen nennen. Das hat jede Demokratie nicht nur auszuhalten, es darf stolz als wesentlicher Bestandteil dieser Politik benannt werden. Meinungsfreiheit ein wichtiges Bürgerrecht.

Nicht zu verwechseln mit Haßtiraden, Phrasen- und Parolendrescherei, um gegen das gesamte System zu hetzen, gegen die Politik im Lande, gegen die Polizei und all jene, die eben keinerlei Dbösartige iffamierung dulden, erst recht keine Intoleranz, bis hin zum Rassismus. Was geschieht da mitten in Europa, daß bereits in vielen anderen Ländern unseres Kontinents sich entwickeln konnte, inzwischen auch hierzulande zunehmend Fuß faßt mit einer neuen Rechten, deren angeblicher Abschied von Nazis nur Augenauswischerei bedeutet?

Sicherlich, dem offensichtlichen Bild von Glatzköppen in Springerstiefeln, welches die Straßen nicht mehr so oft zieren mag, begegnet man inzwischen eher Schlipsträgern oder normal aussehenden Bürgern, die lediglich in Gesprächen ihr nationales, patriotisches Gedankengut harmlos nett und akkurat vortragen, um dennoch per fremdenfeindlichen Statements auf den armen, gebeutelten, in die Ecke gedrängten Deutschen hervozuheben, der sich gegen Horden von Migranten bedroht fühlt, am Ende zur Wehr setzen muß. In manchen Kreisen spricht man schon von Bewaffnung, Notwehr bis hin zur Revolte gegen „die da im Berliner Reichstag“, die an allem Schuld seien zusammen mit all denen, die man kurzerhand als links oder gar linksfaschistisch tituliert, um sich selbst als Opfer zu bezeichnen.

Welch Hohn und verkehrte Welt! Während ein sich formierender Fremdenhaß einen ausschweifend rechten Mob beflügelt, mit der Faust in der Hosentasche zunächst angeblich friedlich durch Straßen zu marschieren, ein deutlich sichtbarer Rechtspopulismus neue Spielwiesen sucht, rundet nach nur drei Jahren im Lande des ehemaligen nationalsozialistischen Faschismus eine Partei das Ganze ab: Die AfD sitzt nunmehr in acht Landtagen, wenn auch als Opposition in den jeweiligen Parlamenten.

Grund genug, all die auf den Plan zu rufen, die bisherig erstaunt jenes Treiben beobachteten. „Aufstehen gegen Rassismus“, ein neues Bündnis trotzt der AfD. Was mit einer PEGIDA begann, sich durch die AfD fortsetzte, nämlich latent vorhandener Protest gegen Muslime, eine zunehmend fremdenfeindliche Haltung, erst recht aufgrund der Flüchtlingsströme, mündet inzwischen in eine politisch artikulierte Fassung, vom Wahlprogramm zum Programm dieser AfD. Dortigst ein Zerrbild alter rechter Forderungen, u.a. ein verklärtes Familienbild, bei dem die Frau hinten ansteht, der Mann das Ruder in die Hand nehmen soll, erst recht mit der Forderung, doch eine Gleichstellungsbeauftragte abzuschaffen, Schwule und Lesben wieder diskriminiert werden trotz halbherzigen Abstreitens. Mindestlohn und das ohnehin sozialrassistische Hartz-IV soll ebenso verschwinden. Die AfD grenzt die Schwachen der Gesellschaft per se einfach aus, drängt sie mit ihrer politischen Haltung erst recht an den Rand.

Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ setzt jener rechten Politik vor allem „Solidarität“ entgegen, wo eben keine Phobie geschürt wird, weil Kinder in einer Welt ohne Haß und Furcht aufwachsen sollen. Mögen sich noch viele anschließen, um ein Zeichen des Widerstandes zu setzen, aber auch die regierungsverantwortliche Politik anzumahnen, die nicht ganz schuldlos an diesem Desaster.

Lotar Martin Kamm

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Kissen – nicht nur Trostspender beim Kuscheln

pixabay.com

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Kuschen wir aus einem Gefühl der Machtlosigkeit?

Wer sehnt sich nicht immer mal wieder nach einem Ruhekissen? Ein mit flauschigem Material gefülltes zusammengenähtes Stück Stoff, das man entweder fest an den Bauch drücken oder an dem man seinen Kopf anlehnen kann. Es gibt auch Menschen, die wir, wenn sie die Fähigkeit besitzen, uns zuzuhören und Trost spenden können, gerne mal mit „mein Ruhekissen“ titulieren.

Erstaunt es Sie, daß das Kissen aus mittelhochdeutsch küssen, küssī(n), althochdeutsch kussī(n), altfranzösisch coissin, cussin, über ein galloromanisches Substantiv mit der  Bedeutung „Sitzkissen, Kissen für die Hüfte“ zu lateinisch coxa Hüfte (lt. Duden) abgeleitet ist?

Wir kuscheln nicht nur gerne zur Winterszeit, wenn die Kälte und der triste Himmel uns nach Wärme und Geborgenheit sehnen läßt. Beim Fernseh- oder Filmabend, bequem vom Sofa aus genießend, legen wir den Kopf gerne auf das Kissen oder gleich auf mehrere. Der ein oder andere besitzt sicher sein Lieblingskissen als Erinnerung, da ein Geschenk von einem lieben Menschen, weil die Form und Farbe dafür sorgt, sich wohl zu fühlen, das Material eine beruhigende Wirkung hat. (Kräuterkissen)

Kuscheln, anschmiegen, Nähe spüren, ein fast intimer Moment, den wir ansonsten nur mit einem Menschen teilen, der uns sehr nahe steht, den wir lieben. Für alle Eltern eine unabdingbare Erfahrung, wenn das Kind den Abschiedskuß verweigert, da es ihm unangenehm, wenn Klassenkameraden sehen könnten, daß seine Eltern noch mit ihm kuscheln. Wie peinlich! Für diese Zeit der Abwendung des Kindes von den Kuscheleinheiten der Eltern gibt es keine direkte Altersangabe, denn die Entwicklungen der Kinder sind nicht regelkonform. Das Kind zeigt dadurch erste Selbstsicherheit und Selbständigkeit an.

Kuscheln ist eine Ableitung von dem Wort kuschen, das gleichbedeutend ist mit parieren, gehorchen. Wir kuschen aus dem Gefühl der Machtlosigkeit, Ohnmacht. Kusch! Ein Befehl der gegenüber Hunden ausgesprochen wird, manchmal auch gegenüber Kindern oder vermeintlich Unterlegenen. Es ist von dem französischen Befehlswort couche, leg dich, entnommen.

Wenn wir also mit dem Kissen kuscheln, uns anschmiegen, geben wir uns einer Machtlosigkeit hin? Irgendwie schon, oder? Denn jeder braucht ab und zu eine Auszeit der stetigen Aufmerksamkeit, des Aufpassens. Einen Platz der Sicherheit, der Geborgenheit. Wenn dieser Platz nicht nur das Sofa mit den Kissen ist, vielmehr ein Partner, dann sind die Küsse (Kissen) nicht Machtlosigkeit, sondern gegenseitiges Vertrauen.

Bleibt zu wünschen, daß viele Menschen in ihrem Leben genügend Kissen in ihrer Nähe haben, bei und vor allem, mit denen sie in Geborgenheit kuscheln können.

Doris Mock-Kamm

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Landtagswahlen: Koalitionsgeschacher um neoliberalen Kurs

flickr.com/ dirkvorderstrasse/ (CC BY 2.0)

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Parteipolitisches Kalkül nicht nur am Beispiel der FDP

Noch befinden sich nach den Landtagswahlen die in Frage kommenden Parteien für eine mögliche Regierungsbeteiligung in der Gesprächsphase, sondieren aus, in wie weit eine Zusammenarbeit möglich. Müssen wir dennoch von einem Koalitionsgeschacher um die Fortsetzung des neoliberalen Kurses sprechen? Erst recht beim parteipolitischen Kalkül am Beispiel der FDP?

Auf alle Fälle. Wer hierbei die Parteien einfach gewähren läßt, darf sich nicht wundern, daß an bestehender Politik sich kaum was ändert, der harte Kurs eines Sozialabbaus fortgesetzt wird, kleine und mittlere Betriebe weiterhin um ihre Existenz kämpfen müssen, Konzerne hingegen hofiert werden.

Mögliche Koalitionen im Einzelnen

Während in Sachsen-Anhalt der bisherigen Großen Koalition nichts anderes übrig bleibt, als mit den Grünen ein Bündnis einzugehen, die nunmehr im Landtag sitzende AfD als Oppositionspartei ihr gegenüber sitzen wird, gibt es in den anderen beiden Bundesländern unterschiedliche Koalitionsmodelle.

In Rheinland-Pfalz meint die wieder erschienene FDP nunmehr, die hohen Stimmenverluste der Grünen für ihre Zwecke benutzen zu können. Da scheint jemand,  vom rechtspopulistischem Aufwind profitieren zu wollen? Hatten etliche Bürger bereits mit einem anhaltenden Abschied der FDP gerechnet, wurden sie nunmehr eines Besseren belehrt, wittert „Ghetto“-Lindner seine zweite Chance, um ausgerechnet die Grünen zu demütigen.

Einerseits paßt dies ganz gut ins Weltbild potentieller Protest- und AfD-Wähler, andererseits sollten gerade jene sich mal das bevorstehende Parteiprogramm ihres neuen Favoriten etwas genauer zu Gemüte führen: Es strotzt nur so von neoliberaler Überheblichkeit, was einer Fortsetzung bestehender Bundespolitik entspricht!

In Baden-Württemberg verhält es sich ganz ähnlich wie im Lande der Pfälzer. Obwohl dort durchaus eine Koalition der Grünen mit der CDU möglich zu sein scheint. Im Grunde Jacke wie Hose, oder? Zumal ein Herr Kretschmann dem TTIP ziemlich offen Chancen einräumt.

In Wirklichkeit setzt sich die bestehende Politik fort

Und wer tatsächlich meint, mittels einer AfD würde sich daran etwas ändern, der wird relativ schnell merken, wohin der Hase läuft. Außer diejenigen, die man mit simplen Mitteln blenden kann. Die gab es bereits vorher, was gleichzeitig genauso gewollt. Kritisch denkende Menschen sind ein Dorn im Auge der Politik. Hauptsache bestehende Machtverhältnisse dürfen sich nonchalant festigen, ohne irgendwelche Hinterfragungen. Dazu hat man ganz geschickt die Medien mit ins Boot geholt, spielt aufkeimend berechtigte Kritik einzelner herunter. Dabei funktionieren simple Feindbilder hervorragend, um mögliche Widerstände abzuwehren.

Inzwischen denken manche, es genüge, ein Feindbild lang genug zu verbreiten, um jedwedes genaueres Hinschauen zu verhindern. Das mag innerhalb eines Rechts-Links-Denkens noch fruchten, zumal mit einer AfD die Neue Rechte glaubt, sich wegducken zu können. Fehlanzeige, man schaue sich nur ihre eindeutigen Statements an, schon sind sie entlarvt. Im Grunde genommen dreht die Politik sich im Kreise, zum Leidwesen der Bürger. Es verbleibt ein neoliberaler Kurs, der die Eliten stärkt.

Lotar Martin Kamm

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Schlechte Ernährung löst Rauchen und Trinken bei Jugendlichen ab

flickr.com/ US Mission Geneva/ (CC BY-ND 2.0)

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Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Keine guten Nachrichten für Eltern in Nordamerika und Europa über ihre jugendlichen Sprößlinge. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt zu dem Ergebnis, daß schlechte Ernährung das Rauchen und Trinken bei Jugendlichen ablöst.

Die WHO hatte Daten von cirka 220.000 Jugendlichen im Jahr 2014 ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, daß die Zahlen der Tabakraucher als auch beim Alkoholkonsum im Vergleich zu den letzten vier Jahren rückläufig waren. Laut der WHO-Studienautorin Jo Inchley soll sich sogar „die Zahl derer, die jede Woche rauchen und trinken, im vergangenen Jahrzent halbiert haben“.

Vermehrter Fernsehkonsum, was gleichbedeutend mit weniger Bewegung einhergeht, zusammen mit unausgewogener und schlechter Ernährung, sind als besorgniserregend zu betrachten, weil nicht nur Fettleibigkeit die Folge, sondern ebenso etliche andere Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes etc. Hierbei sollten sich nicht nur die Eltern als Vorbildfunktion hinterfragen, vielmehr die Gesellschaft selbst, wobei gerade die Lebensmittelindustrie sowie die Werbeindustrie maßgeblich ihren schlechten Einfluß geltend machen.

Lotar Martin Kamm

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Rechtspopulismus sucht neue Spielwiesen

flickr.com/ Metropolico.org/ (CC BY-SA 2.0)

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Ein „Kontrollorgan“ soll es richten?

Anschaulich bewiesen am letzten Sonntag bei den drei Landtagswahlen, in deren Plenen nunmehr eine rechtspopulistische Partei sitzen wird, vom Volke gewählt, die Alternative für Deutschland (AfD). Eine zahlenmäßig große Opposition in den Parlamenten, draußen auf der Straße deren „Stachel im Fleisch“, die PEGIDA. Ihr Chef, Lutz Bachmann, möchte es als „Kontrollorgan“ richten, wie er verkündete, gleichwohl irgendwann per eigener Partei antreten.

Wenn Rechtspopulismus neue Spielwiesen sucht, um sich obendrein politisch nicht nur zu artikulieren, sondern tatsächlich im Volke fündig wird, Anhänger mobilisieren kann, sich ihm anzuschließen, dann muß sich die bestehende politische Landschaft fragen, was da verkehrt lief in den zurückliegenden Jahren. Die Schuld bei den anderen Parteien zu suchen, nur nicht bei sich selbst, bringt letztlich nichts, da es in Wirklichkeit um handfeste Versäumnisse geht. Welche das sind, sollte spätestens jetzt deutlich geworden sein.

Fremdenfeindlichkeit war stets latent vorhanden

Nicht nur zu Hitlers Zeiten, davor genauso wie danach. Sie findet eigentlich überall statt, mal mehr, mal weniger. Dennoch bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als sich zu arrangieren, was sie auch überwiegend tun. Aber genau das wollen all jene nicht wahrhaben, die ständig eine Bedrohung in jedem Ausländer vermuten. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Italiener, später die Türken. Heute sind es wesentlich mehr Nationalitäten, greift gleichzeitig eine Islamophobie, die mit dem 9/11 bewußt in Gang gesetzt wurde.

Angesichts des Bollwerks des alten Kommunismus, des zweiten deutschen Staates, der DDR, dem anhaltenden Schuldkomplex in der BRD selbst, verharrten die rechten Kräfte, ein paar Versprengte versuchten eine NPD am Leben zu halten, es folgten die Versuche der Republikaner. Erst mit dem Fall der Mauer, dem Ende des Kommunismus, konnte sich allmählich eine neue Rechte formieren und sammeln, was besonders in Europa gelang, auch als Widerstand zur EU selbst. Nunmehr konnte in der BRD nach etlichen Protesten einer PEGIDA sich politisch eine AfD etablieren, sammelte all jene ein, die noch verunsichert schwankten per Ausländerhaß, einer NPD nicht trauten. Das Gegenteil der Linken hat einen Namen, ein Sammelbecken rechtspopulistischer Bürger erhalten.

Ein kurzfristiges Intermezzo oder anhaltend standfester Rechtsruck?

Dazu bedarf es einer gezielten Frage: Woher kommen eigentlich urplötzlich all die vielen Gelder für diese AfD? In etwa nur Spenden vom Volk? Da müssen schon im Hintergrund welche sitzen, die ein großes Interesse hegen, diese Partei zu sponsern. Nichts geschieht zufällig, erst recht nicht, wenn viel Geld im Spiel.

Man muß daher ein kurzfristiges Intermezzo der AfD eher ausschließen, was vor allem im nächsten Jahr bei der Bundestagswahl sich zeigen wird. Klar doch, zurückgehende Flüchtlingsströme können Verlust von Wählerstimmen für diese junge rechte Partei bedeuten, obwohl viel Unzufriedenheit und Proteste deren Sympathisanten auf den Plan rief.

Lotar Martin Kamm

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Bäume und Bücher – Geschichten erzählende Begleiter

pixabay.com

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Seelenverwandtes sammelt und trifft sich gern

Natürlich stammt das Wort Buch vom Baum Buche ab, wie sollte es anders sein? Konnten doch die Buchstaben sehr gut auf diesem Material eingeritzt werden, selbst im Begriff Buchstabe kann man die Artverwandtschaft Stab, Holz nachvollziehen. Vielleicht wurden Aufzeichnungen auch auf Eschenholz geritzt, gleichwohl hat sich aber im Sprachgebrauch das Buchenholz durchgesetzt.

Dieser Text möchte aber nicht auf wissenschaftliche Abhandlungen darüber ausschweifen. Fakt ist, unsere Vorfahren schrieben unter anderem auf Holz, beziehungsweise ritzten. Fakt ist auch, daß die einzelnen Blätter eines Buches wieder einen Hinweis auf das Gewächs Baum ergeben. Sinnbildlich kann man demzufolge den Gedanken nicht verwerfen, daß der Baum als die am längsten lebende Pflanzenart das Wissen über Jahrhunderte weitergeben kann und deshalb die Namensgebung am besten veranschaulicht.

Desweiteren werden Bäumen in den Mythologien verschiedenartige Kräfte zugesprochen, teilweise in esoterische Richtung, aber auch in Bezug auf Heilwirkungen. In Büchern finden sich also alle nur möglichen, erdenklichen Gedankengüter. Vielleicht deshalb die Aussage: Papier ist geduldig?

Der Hinweis darauf, nicht alles was so geschrieben wird, entspricht der Wahrheit, oder wird tatsächlich, im Falle von Planung, Gesetzesentwürfen in die Tat umgesetzt. Nichtsdestotrotz erleben wir in großen Bibliotheken ähnliche Gefühle wie an bestimmten Plätzen im Wald, eine tiefe wissende Ruhe, flirrende Emotionen, bedrückende Kraft. Erinnern wir uns, so sind die Flut der Bücher und damit der Zugang zu ihren Inhalten gar nicht so viele Jahre her. Noch bis etwa Mitte des letzten Jahrhunderts waren Bücher teils unerschwinglich und nicht in jedem Haushalt zu finden. Dies lag mitnichten immer nur am Desinteresse der Menschen, sondern eben auch an den materiellen Möglichkeiten. Bücher waren bisweilen Wertanlagen.

Dies war sicherlich mit ein Grund, warum einige Bücher nicht nur einmal, sondern mehrere Male gelesen wurden, und man viel eher Menschen fand, die über den Inhalt eines Buches mit anderen vertiefende Diskussionen führten. Mit zunehmenden Auflagenzahlen verringerte sich aber das Interesse einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Inhalten. Außer bei gewißen beliebten Buchreihen, die teilweise gar verfilmt wurden und einen regelrechten Hype durch sämtliche Generationen und Gesellschaftsschichten auslöste. Und Menschen, die diesem „Fieber“ nicht verfallen waren, wurden unverständliche Blicke zugeworfen.

Obwohl Bücher sozusagen zur Massenware geworden sind, gibt es unter ihnen einige, die wahre Schätze und für den einen oder anderen nicht mit Gold aufzuwiegen sind. Dies sind die Bücher, in denen man die Seitenstelle, auf der ein prägnanter Satz steht, kennt, bei denen man die Aussage eines Abschnittes als persönliche Emotion fühlt, bei denen man sogar den Geruch der Umgebung in sich aufnehmen vermag. Der Verlust eines solchen Buches schmerzt ebenso sehr wie der aus Kindertagen in Erinnerung bleibende Baum, der gefällt wurde.

Doris Mock-Kamm

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